November

Kürzlich war ich auf dem Friedhof. Hier wird die Grabpflege zu den Feiertagen sehr ernst genommen und ich wollte sehen, was ich an Blumen kaufen könnte, um das Grab von Monsieurs Großeltern und Urgroßeltern rechtzeitig zu bepflanzen. Aber siehe da, es war bepflanzt. Die violettrosafarbenen Astern wachsen sogar beinahe in Form eines Herzens. Wie schön. Wir wissen nicht, wer hier tätig geworden ist und warum, aber wir danken von Herzen. Ich hatte daher ein Stündchen Zeit und spazierte ein bisschen auf dem Friedhof umher. Ich bin bis zum Grab von Klaus Mann gepilgert, es liegt ganz am unteren und äußersten Ende des Friedhofs, und ist ein unscheinbares Grab. Viele Steinchen, eine verblichene Plastikrose, vergessen ist Klaus Mann nicht.

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8 Kommentare zu November

  1. Sabine sagt:

    Ich bin grade in der Nähe vom Mont Ventoux und habe gestern auch einen Friedhof besucht, einfach so, weil grade ein uralter Lieferwagen mit offenen Heckklappen vor dem schmiedeisernen Portal stand und ein Mann und eine Frau mindestens ein Dutzend Chrysanthemen an verschiedenen Gräbern verteilt haben. Chrysanthemen sind hier noch angesagter als in Deutschland, war mein Eindruck. Sie vertragen sich mit den Rosen aus Ton und den Plastikblumen, mit denen ich mich einfach nicht anfreunden kann. Die Friedhöfe haben kaum Grün, die Wege sind nicht gepflegt und Bäume fehlen komplett. Das finde ich schade!
    Viele Fotos von Verstorbenen sind auf den Grabplatten zu sehen und etliche kleine Steintafeln, auf denen die Zurückgebliebenen ihrer Trauer Ausdruck verleihen. Manchmal scheint es fast ein Wettbewerb zu sein, welches Grab die meisten Trauerbekundungen trägt.

    • dreher sagt:

      Chrysanthemen, Astern und Alpenveilchen. Genau. Alle machen das gleiche. Niemand tanzt da aus der Reihe. Individualität wird in Frankreich nicht so hochgehängt.
      Hier ist es im Sommer ja monatelang heiß und trocken, daher der Hang zu Keramik- und Plastikblumen. Bäume machen Probleme mit den Wurzeln, und das Budget, das die Gemeinden haben, ist oft klein. Da muss man schon abwägen, ob man den Friedhof schön macht oder der Kinderkrippe einen neuen Innenhof beschert. Also ich weiß nicht, wie es dort ist, wo Sie gerade sind, aber in dem Bergdorf, in dem ich auch noch lebe, ist das, was machbar ist, manchmal sehr wenig.

  2. Trulla sagt:

    Ich lasse unser Familiengrab, solange es noch bestehen wird, professionell durch die Friedhofsgärtner pflegen. Ich selbst bin nur in der Fremde Friedhofsbesucher, weil es von kulturhistorischem Interesse ist. Die Erinnerungen an meine Verstorbenen begleiten mich sowieso auf all meinen Wegen, ich brauche keinen anderen Ort und will selbst dort nicht mehr beigesetzt werden, aber…jedem das Seine!
    (Ja, ich sehe den gewissen Widerspruch).

    In Deutschland gibt es wohl so etwas wie Friedhofsverordnungen, die sich möglicherweise nach Konfession, Standort, Betreiber (wasweissich) unterscheiden. D.h. es ist wohl nicht allzuviel Individualität erlaubt in Form von Bepflanzung und sonstiger Gestaltung. Meine Freundin z.B. musste mit dieser Begründung das von ihr hingebungsvoll und besonders geschmückte Grab ihres Mannes entsprechend einer solchen Verordnung auf einem konfessionellen Friedhof wieder umbauen. Das haben wir als sehr kleinlich denkend empfunden.
    Interessant finde ich einige neue Möglichkeiten wie Ruheforste. Als ich den ersten kennenlernte auf der Insel Usedom hat er mich mit seiner Stille und würdevollen, gewachsenen Schönheit so beeindruckt, dass ich mir gut vorstellen kann, meine Asche auf diese Weise der Mutter Natur zurück zu geben.

    • dreher sagt:

      Ich bin auch eher im Ausland eine Friedhofsgeherin, genau wie Sie nur aus kulturhistorischem Interesse. Das Grab meines Vaters in Deutschland habe ich nur selten besucht und mich auch sonst nicht darum gekümmert (es ist ein recht individuelles Grab, das war damals noch möglich), habe aber die Verlängerung sowie Grabpflege (via Friedhofsgärtner) nach den vorgesehenen 30 Jahren „Ruhezeit“ übernommen, weil mir die Idee, dass er dort nicht mehr sein würde, nicht behagte. Ich hätte auch nicht gedacht, dass mir das eines Tages wichtig sein könnte. Und es ist viel Geld für ein Grab, in das vermutlich niemand mehr will. In der Familie sind nun auch Baum- und Waldgräber die bevorzugte Wahl. Etwas, was es in Frankreich (noch) nicht gibt.

  3. Claudia Pollmann sagt:

    Allerheiligen ist bei uns immer noch besonders wichtig und die Gräber werden ausgiebig gepflegt und die Größe des Grabgestecks ist Gradmesser der Wertschätzung und Liebe für die Verstorbenen. Am 1. November wird der schicke Herbstmantel oder die ortübliche Tracht aus dem Schrank geholt. Soldaten stehen mit Sammelbüchsen an den Eingängen und sammeln Spenden für Kriegsgräber. Ich liebe das ja sehr und es ist noch eine der wenigen Traditionen die von allen gepflegt wird die ein Grab vor Ort haben. Im Gegensatz zu französischen Friedhöfen kennen wir ja diese großen Steinplatten auf den Gräbern nicht und die Friedhöfe sind hier große Lebensräume für Tiere aller Art. Sie können alles aufs Grab pflanzen außer Obst, Gemüse und Hanf… das ist nicht erlaubt. Vor einigen Jahren hatten wir den Fall das eine arme Rentnerin das Grab als Gemüseanbaufläche für Radieschen benutzt hat ;-) wurde dann explizit nochmals verboten und in der örtlichen Presse wurde nochmals darauf hingewiesen das Gräber keine Gemüsebeete sind.
    Liebe Grüße Claudia

  4. Trulla sagt:

    @Claudia Pollmann
    Es klingt für mich nach ländlichen Raum und hört sich nett an.
    Mein Aber aus einer miterlebten Erfahrung: wie groß die Gestecke sind hängt keineswegs nur von der Wertschätzung ab, welche die Verstorbenen geniessen, sondern ist durchaus auch der sozialen Kontrolle innerhalb von Gemeinden oder der Familie geschuldet (aufgerüscht und Gesehen werden).
    Konflikte enden nicht unbedingt mit dem Tod.

  5. Claudia Pollmann sagt:

    Natürlich ist das soziale Kontrolle und die ist hier im ländlichen Bayern sicher noch weit verbreitet. Gott sei Dank bieten die Discounter vor Ort Gestecke in allen Preisklassen an und auch die Gärtner verdienen noch was extra. Das Gesteck meiner Schwägerin ist immer mega groß – wir machen schon immer Platz mit was extra kleinem damit sie sich ausbreiten kann ;-).

  6. Sunni sagt:

    Mir gefällt ein Spaziergang über einen Friedhof auch nur im Ausland. Ich denke, ich war 2 Tage lange in Paris auf solchen unterwegs, aus literarischen, musikalischen und geschichtlichen Hintergründen. Berührt hat mich dort die eine oder andere Blume auf den Gräbern längst verstorbener Künstler.
    Hier, in der Kleinstadt, wird die Liebe der Kinder (Enkelkinder, auch an die 40-50 Jahre sind nicht verpflichtet) zu ihren verstorbenen Eltern auch noch immer am Aufwand für die Gräber gemessen. Wir , mein Mann und ich, lehnen das absolut ab mit der Begründung, dass wir uns um die lebenden und kranken Eltern so viel und intensiv gekümmert haben, wie das selten geschieht, alles andere ist „Für die Leute“, die dann an Allerheiligen oder am Totensonntag ein einziges Mal über den Friedhof gehen und bewerten. Leute interessieren uns nicht, in keinerlei Hinsicht. Wir haben das langjährige Familiengrab mit Efeu bepflanzt, und wenn wir es wollen, nicht der Kalender, bringen wir eine Schale oder einen Strauß dorthin. Ich wundere mich immer wieder über die großartigst bepflanzten und prunkvoll ins Szene gesetzten Gräber, bei denen ich weiß, dass Kinder oder Enkel sich nie um die alten Eltern gekümmert haben. Vielleicht soll das dann eine Art Abbitte für Versäumtes sein, nur wird es den Verstorbenen, jedenfalls nach meiner Ansicht, relativ wenig interessieren. Beste Grüße, Sunni