
Schon vor einer Woche habe ich die Forcerie in Pegomas besucht, um Ihnen wenigstens ein paar Indoor-Mimosen zu zeigen, wenn es draußen schon so ungemütlich, dauernass und windig ist, dass man keine Spaziergänge machen kann. Ich wollte schon immer wissen, was eine Forcerie ist und wie sie funktioniert. Im Zusammenhang mit dem Mimosen-Karneval in Mandelieu, der letzte Woche stattfand, hat das Office de Tourisme verschiedene Aktivitäten dieser Art angeboten: neben Spaziergängen im Mimosen”wald” Tanneron oder in Mandelieu, konnte auch eine Forcerie besucht werden.
Sie fragen sich vielleicht, “was ist denn eine Forcerie“? Ich übersetze und zitiere mal aus einem Text des Office de Tourisme:
Die Forcerie ist ein spezieller Ort, an dem frisch geschnittene Mimosenzweige unter besonderen Wärme- und Feuchtigkeitsbedingungen gelagert werden.
Durch dieses Verfahren kann die Mimose weiterblühen, sich nach und nach öffnen und ihre ganze Farbe und ihren Duft entfalten.
Das Wort Forcerie wird nicht übersetzt, gemeint ist, dass die Mimose zum Blühen forciert, also “gezwungen” wird.
Ich hatte mir unter der Forcerie etwas Großes, Fabrikhallenartiges mit zig Angestellten vorgestellt und war überrascht – um nicht zu sagen enttäuscht –, als ich einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb vorfand: ein kleines, einfaches Haus mit ein paar niedrigen lichtarmen Kellerräumen.

Und trotzdem ist es ein großer Betrieb und einer der letzten Mimosenzüchter in der Region. Früher waren es etwa dreißig, heute gibt es nur noch zwei: in Pegomas – man spricht das „s” am Ende von Pegomas übrigens, genauso wie bei den Bauernhäusern, die hier „Mas” heißen – am Fuße des Tanneron, mehrere Hügel, die voller Mimosenpflanzungen sind.


Im Gegensatz zum kommunalen Naturschutzgebiet La Croix des Gardes in Cannes gehören die Hügel hier den Mimosenzüchtern: diese hier etwa der Familie Reynaud. Sie arbeitet seit vier Generationen in der Mimosenzucht und hat nach und nach das Land der anderen Züchter, die aufgegeben haben, dazu gekauft. Wenn Sie dort also spazieren gehen und (nicht erlaubt, aber geduldet) Mimosen pflücken, bedenken Sie, dass Sie sich auf Privatgelände befinden und die Mimosen dort kultiviert und geerntet werden. Es ist vergleichbar damit, durch Weinberge zu laufen.



Der Chef der Mimosenzüchterfamilie sitzt im Rollstuhl. Er hat sich beim Fällen einer zu groß gewordenen Mimose verletzt: Der Stamm fiel auf ihn und zertrümmerte sein Bein. Ausgerechnet in der Saison! Nun organisiert und dirigiert er seine Mimosenerntehelfer in den Hügeln – in der Saison sind es zehn Personen, sonst arbeiten sie nur zu viert –, per Video und Telefon.


Und heute erzählt er uns etwas über die Mimose und seine Arbeit mit ihr. Seit vier Generationen betreiben sie das hier, doch die nächste Generation, seine Söhne, will den Betrieb nicht weiterführen. Es ist zu viel harte Arbeit und klimatisch zu instabil geworden. Bei der Mimosenernte muss man viele Dinge bedenken: Winter, in denen die Temperaturen unablässig zwischen Minusgraden und für die Jahreszeit zu warmen Temperaturen schwanken, Trockenheit, Regen, Wind. Bei Wind etwa kann die Mimose nicht geerntet werden, genauso wenig bei Regen, denn sie ist einfach zu empfindlich und würde die Weiterverarbeitung und den Transport nicht überstehen.
Sie wird ohnehin nur wenig oder halb aufgeblüht geerntet. Erst im geschützten Raum der Forcerie soll sie sich richtig entfalten. Danach werden die goldenen Flaumbällchen in Sträuße konfektioniert und in alle Welt verschickt – ebenso zum Karneval nach Nizza oder zu anderen regionalen Festen.



In der Forcerie, dem Raum, in dem die Mimosen es warm und feucht haben, stehen um diese Uhrzeit nur noch ein paar Eimer mit Mimosen. Die meiste Arbeit mit den Mimosen findet in aller Frühe statt: Früh am Morgen gehen insbesondere die internationalen Lieferungen auf die Reise und erreichen ihr Ziel, beispielsweise in Kanada, nur wenige Stunden später.


Die Mimose ist übrigens die einzige Pflanze, die nach Gewicht verkauft wird.





Es gibt etwa 500 Sorten Mimosen. Hier werden aber nur 15 Sorten angebaut, darunter Früh- und Spätblüher, um eine möglichst lange Saison von Dezember bis Februar zu haben. Sie stammt ursprünglich aus Australien und wurde von den Engländern importiert. Sie fühlt sich auf den „armen”, überwiegend trockenen und sandigen Böden so wohl, dass sie sich, wenn man sie nicht daran hindert, ausbreitet und wächst und wächst … Sie haben ihr australisches Blühgedächtnis behalten, denn eigentlich blüht sie im australischen Sommer, der zeitgleich mit unserem Winter ist.

Den Rest des Jahres liefern die Mimosenproduzenten nur noch die Blätter der Mimosen an Floristen. Diese werden als „Grün“ in Sträuße gebunden, ebenso wie die Blätter der Eukalyptusbäume. Letztere sind eine andere Importware aus Australien und das andere grüne Standbein der Mimosenproduzenten.


Die Mimosenzüchter haben in den letzten Jahren neben den reinen Mimosensträußen und -pflanzen weitere Produkte in Zusammenarbeit mit lokalen Erzeugern geschaffen: aromatisiertes Gelee und Honig, Duftkerzen, Seifen, Sirup und vieles andere mehr. Wir dürfen allerhand verkosten und man kann im kleinen Laden (zumindest während der Mimosensaison) einkaufen. Zum Abschied bekommen wir alle einen Mimosenstrauß geschenkt. Ich bin entzückt von den goldenen Puschelchen – unsere Gartenmimose ist schon verblüht und ihre Blüten sind viel heller –, denen ich zu Hause jedoch in Echtzeit beim Verblühen zusehen kann.













Danke für den interessanten Beitrag! LG Gundula
Sehr gerne! ☺️
Liebe Christiane,
vielen Dank für den Beitrag-heute weniger romantisch als früher. Aber sehr informativ. Wer hätte das gedacht!
Hier in Stuttgart derzeit ekliges Wetter, Schneeregen im Moment. Immerhin habe ich vorgestern die ersten lila Krokusse gesehen.
Herzliche Grüße
Eva
Danke dir! Ich war auch erstaunt, so viel Neues über die Mimosen zu erfahren.
Mit Romantik haben die Mimosen Züchter wirklich nichts am Hut. Es ist harte Arbeit.
Ein Krokus! Der Frühling kommt gewiss! 🌸🌱🌷
LG
Dankeschön,
Das war jetzt mein wunderschöner Kurzurlaub im Süden.
Ich träume jetzt von wunderschönen Mimosen und vergesse
Schnee und Eis vor der Tür.
Grüße Claudia
Schöne Träume! Es wird Frühling werden! Auch im Allgäu!
LG
Mimosen 💓🤩.
Danke sehr. Ich wusste nicht, dass sie so kultiviert werden.
Bitte gerne
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Danke für die Einblicke! ♥
Sehr gerne 💛
Danke sehr, wie verständlich erklärt sich doch nun die “Empfindlichkeit” der Mimose. Und man gibt sich so viel Mühe mit ihr für die Freude, die ihr Anblick bereitet. Sie ist wirklich wunderschön.
Sehr gerne! Ja, so schön und so empfindlich!
Die offenen Puschelchen verfilzen buchstäblich und das innerhalb ganz kurzer Zeit. Man muss ihnen wirklich in dem Moment, in dem sie vollständig aufgeblüht sind, ganz viel bewundernde Aufmerksamkeit zukommen lassen 💛😊🌿
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Danke für diesen informativen Post! Gerade beim Kölner Karneval so eich „Strüssjer“ gefangen, sind es für meine urkölnische Nachbarin DIE Karnevalsblumen. Leider ist es so, dass diesemühselige Spezialistenarbeit dem Nachwuchs nicht mehr zusagt wie in vielen anderen Bereichen…
Sonntagsgrüße aus Köln ( auch grau & regnerisch)!
Astrid
Stimmt! Ich habe da seinerzeit auch schon ein “gemischtes” Sträußchen gefangen, ohne etwas über die Mimose zu wissen, abgesehen von der sprichwörtlichen Empfindlichkeit. Ich vermute, es ist eine der wenigen leuchtenden Blüten, die man so früh im Jahr bekommen kann. Oder hat sie im Karneval eine besondere Bedeutung?
Ich finde es auch bedauerlich, wenn die Mimosenbetriebe nicht weitergeführt werden, aber ich kann auch verstehen, dass die junge Generation keine Lust darauf hat, einen landwirtschaftlichen Betrieb zu übernehmen – nicht nur, weil die Arbeit hart und vielleicht wenig angesehen und wenig lukrativ ist, man hat vielleicht auch keine Lust auf die Unsicherheit der Selbstständigkeit, zusätzlich den Druck der Familie, insbesondere den Vater und Großvater im Nacken, und vielleicht möchte man lieber einen Job im Trocknen.
Dennoch ist es bedauerlich, wenn dieses Spezialwissen und vielleicht ganze Berufszweige verloren gehen.
LG
Das sieht toll aus! Vielen Dank fürs Zeigen und die Informationen. Wusste ich alles nicht, finde es aber sehr spannend
Sehr gerne 😊