Die Freiheit des Wortes!

In Frankreich hat vor kurzem der Prozess gegen die Attentäter auf Charlie Hebdo begonnen. In dem Zusammenhang gab es einen erneuten Anschlag vor dem Gebäude, in dem sich damals die Redaktion von Charlie Hebdo befand. Der Attentäter war aber schlecht informiert, die Mitarbeiter von Charlie Hebdo sind umgezogen und arbeiten an einem geheimen Ort. Dies nicht wissend, hielt er zwei Journalisten einer Fernsehproduktionsfirma, die aus dem Haus kamen (oder hineingingen, genau habe ich das gerade nicht gefunden) für Mitarbeiter von Charlie Hebdo und griff sie mit einem Hackbeil an und verletzte sie schwer. Charlie Hebdo, die in diesem Jahr ihre 50 Jahre Existenz feiern, titelten folgendermaßen:

Je suis venu pour couper le gâteau. Ich kam, um den Kuchen anzuschneiden.

Am Freitag wurde der Geschichtslehrer Samuel Paty in einer Kleinstadt nahe Paris auf dem Heimweg von der Schule angegriffen, erstochen und enthauptet. Er hat, wie jedes Jahr, das Thema „Meinungsfreiheit“ und „Toleranz“ als (im Schulkanon angelegten) Schulstoff durchgenommen. Dazu hat er unter anderem die umstrittenen Karikaturen gezeigt. Obwohl er die muslimischen Schüler aufgefordert hat, die Klasse zu verlassen, wenn sie die Karikaturen nicht sehen wollten, beklagte sich eine Schülerin bei ihrem Vater, der in den sozialen Medien gegen den Lehrer hetzte, seinen Namen, Foto, Telefonnummer und die Adresse der Schule veröffentlichte. Ein 18 jähriger Mann fühlte sich berufen, diesem Lehrer den Garaus zu machen.  

Es geht hier nicht darum, noch einmal zu fragen, ob die Karikaturen nicht vielleicht doch geschmacklos und überhaupt unwitzig waren und ob man nicht besser nichts veröffentlichte, was jemanden verletzen könnte. Auch wenn man die schärfste Auto-Zensur anwendet, es wird immer jemanden geben, dem irgendetwas nicht gefällt.

Es geht um Satire. ALLES, Religion, Politik und das Alltagsleben waren und sind stets Thema von Satire. Zu erkennen und zu verstehen, was Satire ist, wird an Schulen gelehrt und gelernt.

Die Satire darf alles! schrieb Kurt Tucholsky, alias Ignaz Wrobel in seinem Text Was darf die Satire? Das war 1919. Sein Text ist immer noch (mehr denn je) aktuell. Und die Satire darf auch nicht gefallen. Und es ist wichtig zu lernen, damit umzugehen. Auch das wird an Schulen gelehrt und gelernt. Auch an deutschen Schulen übrigens.

Schreiben wir weiter, zeichnen wir weiter und verteidigen wir diese Freiheit des Wortes, es kann und wird nicht alles immer allen gefallen. Aber so ist es. Diese Freiheit haben wir auch, die Freiheit nicht einverstanden zu sein.


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Buchmesse 2020

Es gibt doch gar keine Buchmesse dieses Jahr, oder? Doch! Nur etwas anders. Niemand kommt nach Frankfurt (schnüff) aber wir kommen zu Ihnen nach Hause! Virtuell, digital. Der Verlag Kiepenheuer & Witsch hat das Herbstprogramm unter dem Titel “Show! Don’t tell!” in zwei Live-Abenden vorgestellt, die im markierten Artikel verlinkt sind und auch weiterhin auf Youtube abgerufen werden können.

Und dann gibt es noch ein paar intimere Autoren- und Autorinnengespräche. Heute Abend zum Beispiel sind wir “Unter uns!” : Vier Autorinnen stellen ihre Bücher vor und erzählen die Geschichten hinter den Geschichten. Stephanie Schuster, Grit Landau, Syd Atlas und Christine Cazon. Moderiert wird die Runde von Shelly Kupferberg. Ab 19 Uhr unter diesem Link!

Schauen Sie rein, es wird bestimmt supernett! Ich freu‘ mich drauf!

kleines ps: Herzlichen Dank, wenn Sie es sich angesehen haben; ich kann nur sagen, Übung macht hoffentlich die Meisterin. Es war das erste Mal, dass ich an einer Zoom-Konferenz teilgenommen habe. Nun ja.

So ähnlich wars. Die Internetleitung war mehrfach zusammengebrochen, mein Bildschirm eingefroren, leider in der Millisekunde, in der ich meine flatternden Augenlider geschlossen hatte, was den Eindruck vermittelt, als sei ich eingeschlafen, während die Kollegin sprach. Ich bekam dann Nachrichten auf dem Bildschirm und via Telefon gesendet, dass „alles gut“ sei, gleich ginge es weiter. Aber man wird doch etwas nervös, wenn mittendrin alles stoppt. Und den prüfenden Blick zum Telefon sieht man in der Folge auch. Ich hätte mir gewünscht, dass man mich schneller aus dem Bild genommen hätte. Überhaupt kam ich mir vor wie bei den ersten Tonfilmaufnahmen: der kleine Tisch, auf den ich mich stützte, knarzte jedesmal so laut, nie hätte ich gedacht, dass man das so überdeutlich hört. Es erinnert mich an eine Filmszene aus The Artist, in dem sich der Stummfilm zum Tonfilm wandelt und die ersten Aufnahmen mit dem Mikro zu einer Katastrophe werden, weil das Mikro überdeutlich das Klirren der Halsketten, mit denen sie Schauspielerin herumspielt, aufnimmt, ihre Stimme aber nur bruchstückweise zu hören ist. Haha. (Leider gibt es diesen Filmausschnitt nicht auf Youtube, hätte ich Ihnen gern gezeigt) Und an einer Stelle kam Monsieur dazu und blieb neugierig stehen (an die Wohnungstür hatte ich ein „Bitte nicht stören“-Schild geklebt, aber nicht an die Wohnzimmertür.) Leider übersehe ich ihn nicht souverän, sondern sende ihm unfreundliche Blicke zu. Herrje. All das sieht man, es ist ein Graus.


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Alles in Ordnung

Lieben Dank für Ihre zahlreichen Anfragen – es geht uns gut, wie sind in Sicherheit, Cannes war diesmal nicht so stark vom Unwetter betroffen (auf den Tag genau vor fünf Jahren hatten wir eine Hochwasser-Katastrophe in Cannes!).

Dieses Mal traf es das Hinterland, die Dörfer in den Tälern mit den Flüssen Vesubie, Tinnée und Roya sind seit gestern Abend Katastrophengebiet.

Alex hieß das Sturmtief, auf das wir uns hier schon am Vortag vorbereitet haben. Am Vortag, als es noch so sonnig und mild war, dass man es nicht glauben wollte, dass da ein Unwetter kommen sollte, war es wirklich nötig, die Schulen schon wieder zu schließen und den Zugverkehr zu unterbrechen? Man konnte es sich nicht vorstellen, so wie es auch heute wieder sonnig und mild ist, als wäre nichts gewesen. Dazwischen fegte einen Nachmittag und eine Nacht lang ein Gewittersturm alles durcheinander und es fiel mancherorts in einer Nacht so viel Regen, wie manchmal in einem Jahr. 

Die Flüsse schwollen an, rissen die Uferböschungen mit, entwurzelten Bäume, Strommasten, unterhöhlten Straßen und Brücken, die vielerorts wegbrachen. Häuser, die an Hängen oder in Flussnähe standen, brachen zusammen. Eine Tankstelle wurde weggeschwemmt. Ein altes Ehepaar, das sich auf das Dach seines Hauses gerettet hatte, versank mit dem zusammenbrechenden Haus in den Fluten. Auch Feuerwehrleute sind ertrunken, weil ihr Auto davongespült wurde. Die Zahlen der Toten und Vermissten schwanken zwischen acht und zwölf.

Der Var war gestern ein sich dahinwälzendes braunes Ungeheuer, der nur knapp davor gewesen war in Nizza über die Ufer zu treten; man hat dort vor zwanzig Jahren, nach dem sogenannten Jahrhunderthochwasser, kilometerlange Dämme gebaut. Man sieht sie, wenn man auf dem Weg zum Flughafen ist und findet es an 360 Tagen im Jahr lächerlich, für dieses Rinnsal so eine Anlage konstruiert zu haben, an den Tagen aber, wo es sintflutartig regnet, ist man dankbar für die Voraussicht. Aber es stand gestern nur Oberkante Flussbett. Gegen zwei Uhr morgens hörte es dann auf zu regnen.

(Foto: Le fleuve Var, le 2 octobre 2020 • © France Télévisions / Jean-Bernard Vitiello)

Viele Dörfer sind noch abgeschnitten, ohne Strom, Internet und Telefon: Tende, St. Martin Vesubie, Breil sur Roya, Isola. Erst heute konnten Hubschrauber dorthin gelangen – bei dem Sturm gestern konnten sie nicht fliegen und die Rettungsfahrzeuge kamen wegen der verschütteten Straßen nicht durch.

An der Küste (Nizza, Cannes, Antibes) Unwetter as usual: verschlammte und gesperrte Uferstraßen, Strände voller Unrat, der aus den Tälern mitgerissen wurde (unter anderem fand man ein Wanderwegschild aus den Bergen!) ein paar vollgelaufene Keller, beschädigte Autos, heruntergefallene Dachziegel, entwurzelte Bäume, abgerissene Äste und Palmwedel. 

Ich habe bei France 3 dieses beeindruckende Video mit Luftaufnahmen aus dem Hinterland gefunden, und man sieht unter anderem, wie der braune Var (mit allen Zuflüssen) sich ins Meer ergießt.


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Am Meer …

wimmelte es heute von Quallen, im Wasser und am Strand. Hunderte. Ich war also nicht schwimmen am letzten Tag vor dem großen Unwetter, das für morgen angekündigt wird. Alarmstufe Orange im ohnehin Corona-Risiko-Roten Südfrankreich. Bleiben Sie zu Hause heißt es. Schule fällt auch vorsorglich aus.

Ich hätte ganz viel zu erzählen, von dem, was alles so los war im September, es war nämlich viel los, und deswegen habe ich noch immer ein unfertiges Krimimanuskript auf dem Schreibtisch und bevor ich das nicht fertig habe, gibts hier nichts zu lesen. Erst die Arbeit und dann, Sie kennen den Film von Detlef Buck vielleicht noch.

Etwas kriegen Sie aber, tut mir leid, dass ich so ein bisschen Werbung für mich selbst mache, aber ich freue mich so über die Besprechung in der Riviera Zeit. Merci an Elwira Otto. (Um die Besprechung zu lesen, müssen Sie den unterstrichenen Link anklicken, das Foto ist nur ein Screenshot.)

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Equinoxe

Tagundnachtgleiche. Der Herbstanfang kam hier mit gewaltigen Gewittern und viel Wasser. In den Nachbardepartements ist schon wieder vielerorten landunter. In Cannes geht zwar derzeit mehrfach am Tag und in mancher Nacht die Welt unter, es kracht und blitzt, der Himmel ist noirâtre, und es schüttet aus Kübeln, aber es kann innerhalb kürzester Zeit wieder sonnig und blauhimmelig werden. Das Meer heute Abend war spiegelglatt.

Der Dreimaster Belem hat heute sein Winterquartier in Cannes genommen und im Port Canto geankert. Man kann das Schiff nach Voranmeldung besichtigen, es gab vor Corona sogar die Möglichkeit, mit dem Schiff als Passagier unterwegs zu sein, derzeit aber ist das alles gestrichen. Hier wird überhaupt gerade ganz viel gestrichen. Corona geht wieder um.

Ich habe den Dreimaster immerhin begrüßt (es regnete gerade nicht) und musste danach dringend noch ein paar Fotos von Meer und Himmel am Strand von Palm Beach machen. Ganz viele Menschen kommen da abends, um den Sonnenuntergang anzusehen. Alte und Junge, draußen oder im Auto sitzend, Tabak oder süßliche Kräuter rauchend, Musik hörend oder (vergeblich) Stille suchend. Ich blieb nicht bis zum Sommenuntargang. Es war trotzdem schön.

Zwei Möwen stritten sich mit einem jungen vorwitzigen Kormoran, der anscheinend unbekümmert ihr Hoheitsgebiet verletzte und sich elegant tauchend und mal hier, mal da den Kopf heraustreckend, dem Strand näherte, wo die Möwen standen und schimpften. Der freche Kormoran aber vergnügte sich im flachen Wasser in Ufernähe, provozierte geradezu, dass man auf ihn einhackt, tauchte aber jedes Mal zack weg, wenn eine Möwe auf ihn zuschoss. Nur, um ein Stückchen weiter wieder aufzutauchen: Coucou, hier bin ich! So zogen sie den ganzen Strandabschnitt entlang, die beiden Möwen wackelten wachsam und schimpfend zu Fuß, während der Kormoran sich parallel im Wasser amüsierte.

Ich weiß nicht, wie es ausging.


ps: nein, keine echte Blog-rentrée, noch nicht. Nur ein Lebenszeichen.

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Von Lesefreuden und Glückssuche

Heute früh flatterte mir diese schöne, große und persönliche Besprechung via Internet ins Haus! Zunächst blieb mir kurz das Herz stehen, die Rezensentin Monika Fritsch begann ihren Blogtext nämlich folgendermaßen:

“Ich habe überhaupt keine Lust, Bücher über die Befindlichkeiten von irgendwelchen Menschen zu lesen. So tragisch und rührend persönliche Schicksale sein können – es interessiert mich schlicht nicht. Ich will den Menschen in aller Regel gar nicht so nah kommen. Klar, ich habe die Tagebücher von Captain Cook gelesen und die Autobiografien von Malala Yousafzai und Wolfgang Niedecken, auch Bücher von anderen interessanten Menschen und Autoren. Aber bitte keine Gefühlsduselei.”

Ich hatte nicht damit gerechnet, dass Monika Fritsch, die für das Französische Fremdenverkehrsamt Atout France arbeitet, mein Buch überhaupt liest. Allenfalls wird sie es zur Kenntnis nehmen, dachte ich, sie wird es im Hinterkopf behalten, für den Moment, wo Sie diese Info vielleicht gebrauchen kann. Aber sie hat es gelesen, obwohl sie “Gefühlsduseleien” nicht mag. Zweimal sei sie beim Lesen fast vom Stuhl gekippt, schreibt sie. Wenn Sie wissen wollen warum, und wenn Sie die ganze Rezension lesen möchten, dann klicken sie hier!

Herzlichen Dank Monika Fritsch !

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Von den Bergen bis ans Meer

der Süden ist blau

Endlich sind sie auch bei mir angekommen, die Belegexemplare meiner beiden Bücher. Sind sie nicht schön geworden? Ich freue mich so! Ein großes Dankeschön an den Verlag!

Von Herzen Dank für Ihre Kommentare unter dem vor-vorletzten Beitrag, und von Herzen Dank für die vielen, vielen begeisterten, bewegten und auch aufgewühlten Nachrichten, die mich auf allen Kanälen erreichen. Danke, dass Sie „Von hier bis ans Meer“ gelesen haben, danke für Ihr Vertrauen, mit dem Sie mir aus Ihrem Leben erzählen.

… à bientôt!

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Offiziell: Je suis française

une nouvelle française
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Die Musik …

zur Sendung und zum Buch … wurde zwar nur einmal wirklich gewünscht, mir gefällt aber die Idee, vielen Dank für die Anregung!

Nicht das gesamte Musikprogramm der Sendung stammte von mir, einer der ersten Titel, der lief, war von Gianna Naninni. Das hätte von mir stammen können, aber aus meiner italienischen Phase :-) ,  die gab es nämlich auch, weil ich in der Oberstufe einen so fürchterlichen Französisch-Lehrer hatte, dass mir Frankreich eine Zeitlang total verleidet war. Da ich aber nicht ohne den Süden konnte, stürzte ich mich ein paar Jahre auf Italien. Lernte Italienisch in Siena zur großen Zeit von Gianna Naninni und Eros Ramazotti. Riccardo Cocciante, Paolo Conte, Lucio Dalla (ein unvergessliches und kostenloses Open-Air Conzert auf dem Campo in Siena) Luca Carboni, Adriano Celentano … aber letzten Endes bin ich in dauerhaft in Frankreich gelandet und nicht in Italien, insofern habe ich für die Sendung nur französische (und deutsche) Lieder ausgewählt.

Voilà, meine Musik (essentielle Auswahl). Ohne weitere Erklärungen. Bonne écoute!

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Von hier bis ans Meer

Falls Sie es nicht live hören konnten, hier kommt der Mitschnitt des Interviews von heute früh mit Heike Knispel im WDR 4. War sehr nett übrigens! Vielen Dank nochmal!

Mein Herz blieb allerdings fast stehen, als ein paar Minuten vor der Sendung der Strom weg war, und nicht nur Licht und Ventilator sondern vor allem das Festnetztelefon ausgefallen waren. Ich habe EINMAL ein Live-Interview im Radio und es wird nicht klappen? „Mach was!“ schrie ich Monsieur an, der sagte nur „Was soll ich denn machen? Es ist im ganzen Viertel kein Strom!“ Na toll. Glücklicherweise gibt es noch das Mobiltelefon, das in der Wohnung allerdings nur bedingt funktioniert, ich blieb die ganze Zeit an einem Ort sitzen, damit der Empfang stabil blieb. Eine Stunde ohne Strom. Einfach so. Um 11.50 Uhr machte das Festnetz wieder „pling“, das Licht ging an und der Ventilator drehte sich wieder. Uff.

Herzlichen Dank für alle Mails, SMS’en, Anrufe und Kommentare, die mich erreicht haben. Wir waren nach dem Interview in Théoule, im Lieblingsrestaurant, essen. Schwierig, im Sommer in angemessener Zeit dorthin zu kommen, noch schwieriger, einen Parkplatz zu finden. Aber der lange Fußweg oberhalb des Meeres belohnt einen mit einer sagenhaften Aussicht. Das Restaurant hat keinen Blick, aber das Essen ist köstlich.


Hier noch ein Song, der es nicht in die Sendung geschafft hat und dessen Titel das Motto des Buches „Von hier bis ans Meer“ wurde: Il est où le bonheur? Il est où? Wo ist das Glück? Wo ist es denn? Die Antwort am Ende des Videos (das nicht so berauschend ist, aber naja) – Il est là le bonheur! singt Christophe Maé, il est là! und zeigt auf seinen Kopf und sein Herz.

Voilà, so viel für eben. Ich schreibe noch schnell den neuen Krimi fertig und dann mache ich auch ein paar Tage Urlaub und dann … lesen Sie wieder mehr von mir. Aber in der Zwischenzeit können Sie ja in das neue Buch reinschauen. Ich bin sicher, auch treue Blogleserinnen- und indirekte Lebensbegleiterinnen finden noch jede Menge Neues darin. Sonst wäre es ja nicht nötig gewesen, es zu schreiben. à bientôt!

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Radio

Mein neues Buch erscheint in den nächsten Tagen und ich darf am kommenden Sonntag 16.08.2020 im Radio darüber erzählen: von 11 bis 12, eine ganze Stunde lang sprechen wir mit Heikel Knispel vom und im WDR4 über das Buch, den Commissaire, Frankreich und das Leben. Ich werde live zugeschaltet :-) boah, wie aufregend! Ich freue mich total und wenn Sie reinhören wollen, wäre das natürlich wundervoll!

Der Link zum Radio via Internet (falls Sie WDR-empfangsfern leben) ist dieser hier. Man klickt dort das Dreieck im Kreis vor „Live-Hören“ an, ein weiteres Fenster öffnet sich und dort klickt man noch einmal auf das kleine schwarze Dreieck „Live“ und los gehts …

Bis Sonntag!

ps: Ich durfte mir (vorbereitend) ein paar Musikstücke wünschen, bei der Auswahl der deutschen Musik merkte ich, dass ich eindeutig in den Achtzigern hängengeblieben bin. Spliff hätte es auch gut auf die Liste schaffen können, aber man kann nicht alles … und oh weia, diese Klamotten ;-)

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Je l’aime à mourir

Ein verlängertes Wochenende in den Bergen. Freitag Abend bis Montag früh. Es war das Sommerfest, das der Dorfpatronin Sainte Anne gewidmet ist, und man kann nicht nicht teilnehmen. Also, ich denke zwar immer, wenn ich „unten“ an der Küste „in der Stadt“ bin, herrjeh, das Fest kann auch mal ohne mich stattfinden, ich tue mir den beschwerlichen Weg jetzt nicht an, einschließlich der Planung und der Einkäufe, für das, was man an den paar Tagen mit allen Eventualitäten (Überraschungsgäste zum Essen) vorbereiten muss. Bleibt ja immer alles an mir hängen. Ich sträube mich also ein bisschen, wie jedes Jahr schimpfe ich „ich muss arbeiten, versteht das niemand“, aber dann gebe ich mich geschlagen, kaufe Essen für vier Tage und eventuelle Gäste, Zucker für eventuell zu kochendes Johannisbeergelee und wir fahren los. Oben bin ich wie immer sofort versöhnt, es ist so still, die Luft ist frisch, alles ist grün. Am nächsten Morgen mache ich einen üppigen Fantasie-Kartoffelsalat und stelle Teller, Gläser und Besteck auf einen Tisch bereit für die, die es für das gemeinsame Essen nicht mitgebracht haben. Monsieur hilft beim Tische aufstellen; das große Essen findet traditionell hinter unserem Haus statt; Zelte und Stühle werden ebenso vor der kleinen Kirche aufgestellt, die Messe findet dieses Jahr draußen statt und zwar schon um 11 Uhr. Eine Musikerin fällt kreidebleich aus dem Auto. Was für eine Strecke! Und sie soll jetzt singen? Ihr ist noch ganz schlecht.

Ich pflücke noch schnell ein paar Wiesenblumen für Ste. Anne und dann gehts los. Wir wissen nicht, wieviele Menschen kommen werden, aber es werden viele! Manche kommen die ganze Strecke zu Fuß mit Rucksack und Kind und Hund, manche im Auto, das sie mehr oder weniger weit unten abgestellt haben. So viele waren wir noch nie, vermutlich, weil es dieses Jahr „unten“ im Dorf aus COVID-Gründen kein Sommerfest und kein gesetztes Essen geben kann.

Wir haben einen neuen Pfarrer, er ist jung, locker und bezieht die Kinder mit ein, später auch noch die herumlungernden Jugendlichen, die eigentlich nur für den Apéro gekommen sind, und sichtlich geniert sind, dass sie etwas tun sollen, außerdem bietet er (das habe ich noch nie erlebt) einen Segen an, für die, die „aus Gründen“ nicht zur Kommunion gehen „dürfen“ (weil geschieden oder aus wasweißichfürGründen), aber dennoch ein „Zeichen“ erhalten wollen. Einige machen das, es gehen aber trotzdem auch ein paar „Geschiedene“ zur Kommunion (aber die kennt er ja noch nicht ;-) ). Dann wird Sainte Anne in einer Prozession zu ihrem kleinen Oratoire getragen, vier Frauen braucht man dafür, ich werde eine von ihnen und daher gibt es keine Fotos von der Prozession. Wir singen Sainte Anne bonne mère in unendlichen Strophen. Da wir von etwa zehn herumspringenden Hunden begleitet werden, gibt es spontan auch einen Segen für die Tiere und für alle Tiere im Mercantour (er erwähnt den Wolf aber vorsorglich nicht) und für die, die mit Tieren arbeiten. Nach der Messe gibt es einen Apéro und danach das Essen, die Tische reichen gerade so aus, die Abstandsregeln können aber nicht wirklich eingehalten werden. Alle haben etwas mitgebracht und Schüsseln mit Salaten sowie Wein werden von Tisch zu Tisch weitergereicht, die Bürgermeisterin hat Bleche mit Pizza, Pissaladière und Quiche, das Grillgut (Würstchen und Koteletts) sowie Blechkuchen zum Dessert gespendet. Ich koche später literweise Kaffee. Und die Sängerin, Elodie Atlantis, singt zur Gitarre jazzig angehauchte Songs, französische Chansons und später wird sogar getanzt.

Der Höhepunkt wird ein improvisiertes Konzert mit dem jungen Pfarrer: im Duett singen er und Elodie „je l’aime à mourir“ von Francis Cabrel. Ein Chanson, das Cabrel vielleicht seiner kleinen Tochter gewidmet hat, es bekommt einen anderen Sinn, wenn man den Pfarrer singen hört. Auf jeden Fall ist es bewegend, er bekommt viel Applaus, die Sängerin sowieso auch, sie hat ein fabelhaftes Drei-Stunden-Konzert gegeben, ohne zu ermüden! (kleine Info am Rande: der neue junge Pfarrer hat zukünftig 19 Gemeinden mit sämtlichen Weilern und allen Kirchen und Kapellen zu betreuen, von Malaussène bis Puget-Théniers reicht sein Gebiet, und er ist ebenso der Supervisor des Diakons, der eigentlich der Allgemeinmediziner des Tals ist, und der sich zusätzlich zu seiner Landarzttätigkeit um 9 Gemeinden (einschließlich der Weiler) als Seelsorger kümmert. Der Pfarrer wirkt ganz bodenständig, hoffen wir, dass er diese Belastung aushält, der letzte junge Pfarrer ist nach ein paar Jahren mit einer Krise (Depression, Burnout) gegangen.)

Ich hoffe, Sie können es in Ihrem Land hören – und falls Sie, wie ich hier, bevor das Musikvideo losgeht, mit einer ekligen Werbung für einen manuellen Ohrenschmalzentferner belästigt werden, die kann man nach drei oder vier Sekunden wegklicken (unten rechts im Video). Cabrel  ist übrigens ein sympathischer und bescheidener Mensch, der immer noch völlig skandalfrei mit seiner Familie in dem Provinznest lebt, in dem er aufgewachsen ist und dort unter anderem im Gemeinderat tätig ist.

Ich bin jetzt doch froh, dabei zu sein und gerührt, so dazuzugehören, alle begrüßen mich voller Freude, wenn derzeit auch ohne Küsschen, sie wären enttäuscht gewesen, wenn ich „in der Stadt“ geblieben wäre und „ihr Fest“ nicht mitgefeiert hätte. Und wie immer plaudert man mit allen über alles, (wie gehts dem Vater, den Tieren, den Kindern) Immer gibt es jemanden, der die „ehemalige“ Schule ansehen will, ich führe ein bisschen herum und erzähle und ich zeige auch bereitwillig die Bienen, die zwischen Fenster und Fensterladen im ersten Stock arbeiten.

Ist das nicht beeindruckend, was sie da schaffen?

Gegen 15 Uhr geht das Fest zu Ende, bis alle sich verabschiedet haben, alle Tische hochgeklappt und alles aufgeräumt ist, wird es 16 Uhr. Wir fallen in eine tiefe Sieste und schaffen es dann auch nicht, wie verabredet, abends nach unten ins Dorf, sondern machen ein Feuer an und spielen Rommée und lesen und gehen früh ins Bett.

Am nächsten Vormittag sammelt Monsieur an den zum Teil von Raupen abgefressenen Sträuchern Johannisbeeren und ich sammle Cassis, schwarze Johannisbeeren, die schon etwas vertrocknet sind, aber die dem später gekochten Gelee dennoch Farbe und Geschmack geben. Bei uns läuft das noch ganz altmodisch und Monsieur dreht den gewaschenen und aufgekochten Beerenbrei durch eine Flotte Lotte. Der so entstandene dickflüssige Saft wird mit 800g Zucker auf ein Kilo Saft aufgekocht – danach geht es nach „Gefühl“, ab wann das Gelee geliert – 25 Minuten werden angegeben, bei uns war es nach nichtmal 15 Minuten so weit.

Mittags hatten wir aber noch einen Gast zum Essen; ein junger Mann, Franzose, der elf Jahre lang in Deutschland gelebt und nun Frau und Kinder dort zurückgelassen hat – eigentlich ist es seine Frau, die genug von seinem „Exotismus“ hat und sein spontanes, geselliges, lautes und unorganisiertes „Französisch-Sein“ in ihrem wohlgeordneten deutschen Alltag nicht mehr erträgt. Es kränkt ihn sehr und rührt mich an, weil ich zum ersten Mal spüre, dass nicht nur ich in diesem fremden Land eine Anpassungsleistung vollbringe (was ich gerne mal glaube) sondern auch Monsieur und mein Umfeld müssen mich in meiner unspontanen und oftmals ungeselligen, dafür aber direkten und „unhöflichen“ Art ertragen. Abends frage ich Monsieur, ob er vielleicht auch genug von mir und meiner deutschen Art habe, aber er drückt mich fest und küsst mich und sagt, ich sei ein Geschenk des Himmels. Und das nach zehn Jahren Ehe. Je l’aime à mourir.

Wir fahren montags früh weg, zumindest wollen wir das, nachdem wir gepackt, den Gemüsegarten der Kinder ordentlich gegossen, Gas, Wasser und Strom abgestellt haben, aber dann hat das bereits gepackte Auto einen platten Reifen, alles wieder raus aus dem Auto und ein Mini-Ersatzrädchen drangeschraubt, mit dem wir jetzt hypervorsichtig die Holperstrecken bergab fahren. Wir sagen in einem benachbarten Weiler noch bei einer lieben Freundin kurz „Coucou“, bekommen Milchkaffee und selbst gemachte Zitronen-Minz-Limonade und dann tuckern wir langsam (nicht schneller als 80km/h sind mit dem Mini-Reifen erlaubt) nach Hause.

Die erste Zucchini! Hier sieht man übrigens schön den Unterschied zwischen männlichen (nicht weit geöffneten und an der Zucchini hängenden) und weiblichen (die geöffneten) Zucchini-Blüten!

Ich wollte noch so viel geschrieben haben, von Macrons neuem Kabinett, von Corona und Cannes und trallala, aber das fällt alles meinem alljährlichen Krimi-Schreiben zum Opfer. Dies ist voraussichtlich der letzte Artikel … vor dem nächsten … wann auch immer. Genießen Sie den Sommer! Bleiben Sie mir gewogen! à bientôt!

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intervalle des créateurs

Kleines Kreativ-Kunst-Event im Viertel: @IntervalleDesCreateurs. Eine kleine neue Galerie: La Banane, ein Modeschöpfer: Art de la Couture, eine Grafik-Design-Agentur: Hypersthène und ein Architekt: Palladium haben sich zum ersten Wochenende der portes-ouvertes zusammengefunden und das untere Ende der Avenue de Grasse in eine Open-Air-Kunstgalerie verwandelt. Sie wollen von nun an monatliche Zusammenkünfte zwischen den Kreativen, ihrer Kunst und den Anwohnern schaffen, um sich kennenzulernen, zu plaudern, ein Glas zu trinken, das Viertel lebendiger zu machen. Gelebte Kunst-Nachbarschaft. Heute mixte Pedro, le Couturier, Schneider und Modeschöpfer, vor seinem Atelier Mojitos mit und ohne Alkohol. Merci dafür! Sehr nettes Ambiente, junge und weniger junge Menschen vermischten sich aufs Angenehmste und kamen miteinander ins Gespräch! Bravo! Belle initiative!

Dieser Titel fiel mir vorhin noch ein „kommt zusammen“ – passt zum Event und ist sommerlich-leicht.

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WmdedgT 07/2020

Ich bin einen Tag zu spät für das Tagebuchbloggen „Was machst du eigentlich den ganzen Tag“ am 5. jeden Monats, wie es Frau Brüllen regelmäßig erfragt, aber das Wochenende war bewegt und wir kamen erst gestern Nacht zurück. Ich schreibe den 5. also am 6. und reihe mich dennoch ein (so es noch geht).

Gestern vor fünfzehn Jahren, am 5. Juli 2005, bin ich nach Frankreich aufgebrochen. Vor fünf Jahren habe ich mich schon einmal daran erinnert, das will ich jetzt nicht schon wieder tun, aber was ist nicht alles passiert in diesen fünfzehn Jahren!

Sehr schön, dass wir an diesem Wochenende zu einer Hochzeit „da oben“ in den Bergen eingeladen wurden, die, erst abgesagt, dann verschoben auf nächstes Jahr, jetzt doch, wenn auch nur im kleinen Kreis, stattgefunden hat. Und aufgrund der Situation war alles, einschließlich der Trauung, eine Open-Air-Veranstaltung, selbst die Mairie deplatzierte sich auf die Wiese unter dem Collet de Sen. Es war ma-gni-fique. Ich werde hier nicht die Hochzeitsfotos von Freunden veröffentlichen, das verstehen Sie, genauso wie ich versprochen habe, nicht die Fotos der Schäferfamilie und ihren Kindern zu posten, die am anderen Ende der Wiese am frühen Abend ihre Schafe molken.

Es war alles so idyllisch. Später dann aßen wir im kleinen Kreis auf dem ehemaligen Dreschplatz vor der ehemaligen Scheune der Großeltern der Braut. Ein Freund spielte Klavier, es wurde gesungen, erzählt, gelacht und dann ging großartig der Mond auf, den ich natürlich mit meinem Telefonapparat nur so klein und schwummerig erhaschte, aber es war ein ganz wundervoller Abend! Das alles war am 4. Juli.

Wir übernachteten im Sommerhaus, das noch einmal ein paar hundert Meter höher in diesem idyllischen Weiler liegt und über einen abenteuerlichen Feldweg erreicht wird. Ich erzähle es immer wieder, wenn Sie hier schon lange mitlesen, wissen Sie das alles. Da oben sind es nur noch 12 Grad, wir legen noch eine Wolldecke über das Deckbett und schlafen in den 5. Juli. Monsieur, wie immer ein Frühaufsteher, macht schon Kaffee und hat in aller Frühe bereits Besuch von anderen Sommergästen, ein junger Mann mit seiner reizenden zweijährigen Tochter ist auch im Weiler. Der junge Mann verspricht, sich um den eigentlich nagelneuen Durchlauferhitzer, der aber regelmäßig-unregelmäßig zickt, zu kümmern. Eigentlich wollte ich bei einer Gas-Installation genau dieses Gebastel von selbsternannten Installateuren vermeiden, aber der richtige Installateur ist wie letztes Jahr, oder war es schon vorletztes Jahr?, nicht zu erreichen. System D für débrouille-toi, wörtlich „entwirr dich selbst“, meint „sieh zu, wie du allein klarkommst“, ist in den Bergen immer noch die beste Methode, um etwas (zeitnah und überhaupt) repariert zu bekommen.

Ich trinke meinen Kaffee auf der kleinen Terrasse in der Stille und der kühlen Bergluft, es ist sommerlich und sonnig, aber ein Fleecepullover über dem Nachthemd ist morgens schon vonnöten. Ich weiß, dass andernorts Sätze wie „und irgendwo bellte ein Hund“ voller Spott gesammelt werden, so etwas banales schreibt kein(e) anständige(r) SchreiberIn in einem Text, aber hier pfeift „irgendwo“ erst ein Murmeltier und später bäht und mäht und bimmelt „irgendwo“ eine ganze Schafherde, die zu ihrem heutigen Weideplatz zieht. Würde ich mich nähern, bellten sicher auch die Hütehunde, aber ich trinke meinen Kaffee und höre sie nur „irgendwo“, und bin wie jedes Jahr gerührt.

Was ich auch höre und zwar ganz konkret, sind die Bienen, die auch wie jedes Jahr ihren Platz zwischen Fenster und Fensterladen gewählt haben. Vor drei Tagen sind sie „eingeflogen“, man hatte uns angerufen, und sie bauen, eifrig wie immer, ihre Waben. Hier waren schon immer Bienen erzählen die „Alten“ jedes Jahr, und nur deswegen habe Monsieurs Großvater sich als Imker versucht, weil die Bienen einfach jedes Jahr wieder kamen, allen Widrigkeiten zum Trotz. Niemand will sie holen, zu aufwändig, zu zeitintensiv, zu weit weg, der Schwarm nicht groß genug. Wenn sie nächstes Jahr noch da sind, sagt mir jemand unten im Dorf, nächstes Jahr nähme er sie, da würde er sich als apiculteur versuchen. Lassen wir der Natur also ihren Lauf.

Dann inspizieren wir den Gemüsegarten, den die „Enkel“ dieses Jahr angelegt haben, alles wächst, die Kartoffeln, die Salate, nur die Erdbeeren und Himbeerpflanzen tragen keine Früchte. Die Johannisbeeren, deren Blätter seit drei Jahren von irgendwelchen Raupen abgefressen werden (was die Beeren vertrocknen lässt), haben sich halbwegs erholt, weil man dieses Jahr alle paar Tage Raupen abgelesen hat; ich finde aber nur ein Blatt voller Raupen, die ich brav vernichte. Dann reißen Monsieur und ich Brennesseln und Kletten heraus, die beide in einer überbordenden Menge wachsen und einfach alles ersticken. Ich habe eben erst, beim Suchen der Gattung, erfahren, dass das klebrige Klettenlabkraut, das ich schnöde herausriss, ein Wundermittel in der Heilkräuterkunde ist, essbar ist es außerdem. Verhungern würde ich also nicht, das Zeug wächst wie verrückt, genau wie der Gute Heinrich, aus dem ich hin und wieder eine alternative „Spinat-Tarte“ backe. Da versuche ich am Meer den Quallen zu entgehen und hole mir in den Bergen Quaddeln und „Verbrennungen“ mit den Brennnesseln. Den ganzen Tag lang habe ich aufgequollene Arme und ein Pieksen in den Fingerspitzen. Wir essen zu Mittag (Spaghetti mit Tomatensoße, garteneigener Salat, Schafskäse und frischer Joghurt vom Schäfer, es ist alles so köstlich!), kurze Sieste, dann kommen das Hochzeitspaar und seine Gäste, fast alle in irgendeiner Form lehrend (Grundschule, Mittelschule, Universität), und wir hatten ihnen versprochen „L’éscola“ zu zeigen, das Sommerhaus war früher eine Schule, das wissen Sie vermutlich auch alles schon, ich will mich nicht immer wiederholen.

Wir zeigen auch die kleine Kirche, den Weiler und danach gibt es Picknick (sie haben alles mitgebracht) auf der Terrasse (Im baumlosen Garten ist es zu sonnig, auf der anderen Seite schwärmen die Bienen), wir sitzen eng (keine Distanz!) aber immerhin sind wir draußen. Dort bleiben wir und erzählen und essen und trinken und es ist wunderbar sommerlich und alle sind wir gutgelaunt. Erst gegen Acht Uhr abends brechen die Gäste auf und wir werfen alles Geschirr in den Geschirrspüler und sammeln die Dinge zusammen, die wir wieder mit hinunter nehmen wollen, messen noch ein paar Ecken aus, es gibt Möbel aus dem Haushalt der Schwiegermutter unterzubringen, niemand will etwas haben; dann warten wir, bis die Spülmaschine fertig ist, schalten Strom, Gas und Wasser ab, schließen die Fensterläden und die Türen und fahren gegen 21 Uhr los.

Um halb Zwölf sind wir wieder in Cannes. Die Katze bekommt Fressi und Streichler und dann fallen wir hier ins Bett. Die Luft ist schwül und klebrig. Morgen, nehme ich mir vor, morgen suche ich den Ventilator (den ich bis eben nicht gefunden habe).

Danke fürs Lesen! Die anderen Tagebuchblogger gibt es, wie immer, HIER.

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le temps des cerises

Es ist die Zeit der Kirschen. Die Ernte ist dieses Jahr wohl grenzüberschreitend üppig ausgefallen. Wir haben keinen Kirschbaum, sondern kaufen die Kirschen auf dem Markt zu einem Preis, als handele es sich um kleine Goldklumpen. Normalerweise steigt der Preis so in die Höhe, wenn es wenige Kirschen gibt, aber dieses Jahr ist er genauso hoch, weil sie so besonders gut sind. Dafür zahlt man dann ja gerne etwas mehr. Ich erinnere mich an die Zeit, als ich in Frankreich angekommen war, vor jetzt beinahe 15 Jahren. Eine meiner ersten Tätigkeiten auf dem Hof war, die Kirschen abzuernten. Dazu musste ich mittels einer alten Holzleiter auf den Kirschbaum klettern und Kirschen in einen großen flachen Korb sammeln. Diese Holzleiter und dieser alte geflochtene Korb, der knorrige Baum, in dem ich als Erwachsene ungelenk herumkletterte und die dicken schwarzen unendlich süßen Kirschen, mit denen ich mir den Bauch vollschlug, und die Flecken, die der Kirschsaft hinterließ, all das war ein unvergessliches Erlebnis. Die zweite Tätigkeit war, einen Clafoutis [sprich: Klaa-fuh-tieh]zu backen. Ich arbeitete mich durch das französische Rezept, verdreifachte die angegebene Menge und füllte riesige Bleche, damit es genug Clafoutis für den ganzen Clan am Tisch gab. Dieses Clafoutis-Rezept, einfach und genial, habe ich mit dem Weggang vom Hof verloren und seitdem jahrelang mit allerhand anderen Sterne-KöchInnen-Varianten herumprobiert. Hier können Sie (unter anderen) dasselbe Rezept mit wunderschönen Kirschfotos auch nochmal finden. Und eben auch das von Micha, die, wie ich auch, feststellt, dass es Clafoutis-Rezepte wie Kirschen am Baum gibt. Nun, ich habe vieles ausprobiert, der Clafoutis wurde lecker und fluffig, manchmal auch zu fluffig, aber nie wurde er so, wie auf dem Hof. Letztes Jahr bin ich zufällig auf dieses Rezept gestoßen und ich WUSSTE schon beim Lesen, DAS ist es! Hier werden nicht erst die Eiweiße aufgeschlagen, Mandeln gesiebt und die Milch auf 37 Grad erhitzt und was weiß ich für Scherze. Hier wird alles schlicht mit einem Schneebesen zusammengerührt und basta. Einfacher und schneller und leckerer geht es meines Erachtens nicht. Aber wie gesagt, jedermann und jederfrau hat sein/ihr eigenes weltbestes Rezept und die beste Kuchenform noch dazu.

Clafoutis wird traditionell mit den kompletten Kirschen gemacht, sprich mit den Steinen (im Internet stieß ich gerade auf die Streitigkeiten ob es Kirschkerne oder Kirschsteine hieße; Kirschen sind Steinobst, es müsste also Kirschsteine heißen, man sagt auch noch „entsteinen“, aber in der Sprache hat sich der Kirschkern (beim Spucken und im Kissen) durchgesetzt.)

Das Lied Le temps des cerises, das allgemein als historisches romantisches Liebeslied gilt, enthält kleine Anspielungen auf die Pariser Commune, einer kurzen revolutionären Phase im deutsch-französischen Krieg 1871, die blutig niedergeschlagen wurde, und wurde, obzwar schon vor der Commune gedichtet, der Zeit der Commune „sentimental“ hinzugefügt, wie es in der viel ausführlicheren französischen Version zur Commune heißt, da der Dichter, Jean-Baptiste Clément, ein berühmter Communarde war. „Die Zeit der Kirschen“ ist kurz, heißt es, genau wie die Zeit der „Republik des Volkes“ kurz war, die rote Farbe der Kirschen, der revolutionären Kleidung und des Blutes werden erwähnt und eine schmerzvolle Erinnerung an „die Zeit der Kirschen“ bleibt auf immer im Herzen. Sehr schön und kurz erklärt wird es einmal mehr bei Arte Karambolage. Sie sehen ein bisschen den revolutionären Charakter der Franzosen. Die Gilets Jaunes sehen sich durchaus in der Tradition der Commune. Und haben schon angekündigt, dass sie nicht aufgeben werden, gegen diese ungeliebte Regierung und ihre Reformen zu kämpfen. Am Sonntag war übrigens der durch die Corona-Krise lang verschobene zweite Durchgang der Kommunalwahlen, dort, wo die Bürgermeister nicht im ersten Wahlgang (wie etwa in Cannes) gewählt worden waren. Es gab eine extrem geringe Wahlbeteiligung, die Partei Emmanuel Macrons, La République en Marche, hat weit weniger gewählte Bürgermeister als erhofft (sie hatten vorher wenige und jetzt immer noch wenige), in den großen Städten (Marseille, Bordeaux) wurde Grün gewählt (in Paris wurde Anne Hidalgo wiedergewählt) und auf dem Land (hier im Süden vor allem) konservativ.

Es ist auch le temps des meduses, es gibt wieder Quallen im Meer, wie jedes Jahr im Sommer. Jedes Jahr erzählen sie auch, was man gegen die „Verbrennungen“ tun kann, wenn man von einer Qualle „geküsst“ wird. Im Prinzip nicht viel (die betroffenen Stellen nicht mit klarem Wasser abspülen, eine schmerzlindernde Salbe erstehen, eventuell zum Arzt). Die Schmerzen sind hartnäckig, genau wie die aufgequollenen roten Striemen. Ich spreche aus Erfahrung. Daher vertraue ich jetzt dieser Seite auf der man nachsehen kann, wo und wann Quallen gesehen wurden.

Unter dem Motto „sous le soleil différement“ (meint „unter der Sonne anders als sonst“, das Lied, auf das angespielt wird, heißt „sous le soleil exactement“ (genau hier unter der Sonne; geschrieben von Serge Gainsbourg) hat Cannes sein Sommer-Kulturprogramm angekündigt. Ich verlinke dazu gern auf die Seite der Riviera-Zeit

Hier gab es kürzlich den Film „Ascenseur pour l’échafaud“ im Fernsehen (deutsch: Fahrstuhl zum Schafott), ein Schwarz-weiß-Kriminalfilm von Louis Malle aus dem Jahr 1958, mit der schwermütigen Musik von Miles Davis, die Jeanne Moreau, die durch die nächtlichen Straßen von Paris irrt, begleitet. Ich habe den Film vor bestimmt 30 Jahren zum ersten Mal gesehen und nichts verstanden. Jetzt war ich total begeistert. Falls Sie morgen Abend an einer Online-Lesung aus der Jeanne-Moreau-Biographie „Die Verwegene“, geschrieben von Jens Rosteck, teilnehmen wollen, kostenlos übrigens, können Sie sich hier eintragen. (Die Eingangsnotiz („Bedauern“) einfach ignorieren, auf den blauen Button ANMELDEN klicken und das Formular ausfüllen. Man bekommt dann – wahrscheinlich erst morgen – eine Einladungsmail mit Zugangscode zugeschickt.)

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50 shades of blue

Ein paar Tage Frühmorgen-Meer. Ohne Filter. So blau.

Heute morgen am Strand mit einem deutschen Urlauberpaar aus Scharbeutz geplaudert. 1600 Kilometer, um von einem Meer an ein anderes zu fahren, weil man es nicht schafft, sich am heimischen Meer zu entspannen. Zu nah am Alltag, an der Arbeit. So siehts aus. Es tröste mich etwas, weil ich ja auch nicht immer nur selten mit entspanntem Geist hier am Meer bin. Da hilft auch all das Blau nicht. Und doch bin ich mir bewusst, dass es ein großer Luxus ist, morgens zwischen Acht und Neun im Meer schwimmen gehen zu können.

Im übrigen ist es jetzt Sommer. Ich bin jedes Jahr aufs Neue überrascht, wenn es soweit ist. Ich habe Tendenz diese unbarmherzige Hitze zu vergessen und auch zu vergessen, wie wenig ich in dieser Zeit geschafft kriege. Jedes Jahr aufs Neue bin ich schlecht organisiert und nehme mir vor, im nächsten Jahr aber wirklich früher anzufangen …

Wir versuchen das Haus so lange wie möglich kühl zu halten und schließen jetzt wieder in dem von der Sonne vorgegebenen Rhythmus die Fensterläden und auch die Fenster und leben für die kommenden drei Monate, wie vor ein paar Monaten schon erwähnt, drinnen in einem steten Halbdunkel.

Schon zweimal hatte ich, während ich die letzten Tage so frühmorgens durch das sehr ruhige Wasser schwamm, durch Meerwasser, echtes Mittelmeerwasser immerhin, ein bizarres Bild im Kopf. Ich sah nämlich das sich leicht hebend und senkende Mittelmeer und die Lichtreflexe darauf und dachte allen Ernstes: Sieht aus wie das Meer aus Folie der Augsburger Puppenkiste. Ich weiß nicht, ob schonmal jemand das Mittelmeer mit einem Folienmeer verglichen hat, aber es sind wohl frühkindliche Prägungen, da machste nix. Ich habe jetzt auch ein paar Stunden damit zugebracht, um dieses Folienmeer in Bewegung zu erleben, vergeblich leider, immerhin sind aber auch andere Menschen (meiner Generation vermute ich stark) vom Knistern der Plastikwellen nachhaltig geprägt worden.

Ein klitzekleines bisschen Meer wogt in dieser Doku zum 70. Geburtstag der Puppenkiste von vor zwei Jahren. Bin gerade ganz nostalgisch auch wegen der hessischen O-Töne in dem Filmchen.

Für den Freundeskreis Aubergine – ich habe gestern zum ersten Mal im Leben überhaupt Beignets gemacht und dann natürlich gleich beignets d’aubergine. Bisschen fettig, fand ich, aber succulent, saftig und lecker, fand der Gatte. Und der Geschmack der Aubergine? Sehr fein, fand der Gatte. Ich sage sehr diskret :D

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Sommer – auch an blauen Tagen bricht das Herz

Kleiner Ausflug nach Nizza. Es war der längste Tag des Jahres und in Frankreich war gleichzeitig la fête de la musique. Das wurde in den großen Städten zumindest zum Anlass genommen – trotz des sehr reduzierten Angebots an Live-Konzerten und vielen kreativen indirekten Alternativ-Beschallungen, zusammengeknäult zusammenzustehen, zu tanzen, zu trinken und zu feiern. Die jungen Menschen natürlich. Man kann es verstehen. Es ist Sommer, man hat das Gefühl, das Leben vergeht ungelebt, wenn man nicht JETZT rausgeht und lebt. Auf dem Schlossberg von Nizza trommelte eine alternative Gruppe und sehr junge Mädchen mit sehr roten Augen tanzten eine Art afrikanisch inspirierten Ausdruckstanz, von unten schallten andere Musikklänge hinauf und das Geraune, Gejuchze, Gehupe der Großstadt am Meer.

Neben dem jüdischen Friedhof die Erinnerungsstele für die vieltausend Juden, die vom Bahnhof in Nizza, zunächts nach Drancy bei Paris, und von dort weiter zu den Vernichtungslagern im Osten deportiert wurden.

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l’appel du 18 juin

Ähm, ja. Historisch nur so ungefähr richtig und ein so sensibles Thema, das keine Ungenauigkeiten duldet und außerdem, wie mir der Gatte gerade deutlich gemacht hat, selbst mit historisch richtigen Daten zu sensibel, um mal eben schnell und auch noch mit einer gewissen Flapsigkeit darüber zu schreiben. Die Franzosen spalten noch immer Haare bei diesem Thema. Als nichtwissende Nichthistorikerin habe ich den Beitrag daher zurückgezogen. Danke an Rainer Wadel für den ersten und freundlicherweise diskreten Hinweis. Zum Appell des 18. Juni können Sie hier etwas nachlesen.

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Blau!

Heute nach fast genau drei Monaten, bin ich endlich wieder hier gewesen: La Croix des Gardes. Am 19. März, dem nach meiner Zählung, dritten Corona-Tag war ich dort zum letzen Mal Laufen und hatte diesen Blick, der einen echt immer umhaut. Aber zunächst lief ich an der nun wieder mit Autos vollen Straße entlang, es war laut und stank nach Auspuff (und nicht mehr nach Javel). Im Naturpark sind viele Menschen, das Gras steht hoch. Man läuft ein kleines Hügelchen hinauf, die Disteln stehen hier in der Zwischenzeit ebenfalls hüfthoch, man sieht lange nur den kleinen Weg vor einem …

… und dann: Blau!

Und das alles ohne den geringsten Filter heute! Ziemlich windig ist es allerdings. Mistral vielleicht, dann sieht es immer so knallblau aus.

Der Feigenbaum, der damals gerade mal so die ersten Blattknospen trug, zeigt jetzt schon stolz jede Menge (noch unreife) Feigen.

ps: heute Abend, ZDF, 22.15h Auslandsjournal!

pps: hm. ich konnte es jetzt dann auch sehen – bin eher nicht so begeistert, immer enttäuscht, was von fast drei Stunden Gespräch und Drehzeit übrig bleiben – und natürlich fand ich nicht die Corona-Krise „großartig“, sondern das leere Cannes ohne Touristen. Das ist etwas missverständlich finde ich, wenn man nicht auch die Frage hört.

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Willkommen! Bienvenue! Welcome!

„Schon da!“ rief ich dem Mann neben dem Auto mit dem deutschen MZG-Kennzeichen anerkennend zu, der in der Innenstadt heute früh um halb Zehn sein Auto ausräumte. Ich fuhr Monsieur zu einem Termin und hielt kurz an, um den ersten deutschen Urlauber zu begrüßen. „Pardon?“ fragte er, dann versteht er und ruft er „Ah nein, iesch fahre weg! Iesch fahre zurück! Drei Jahre war iesch `ier!“ Er packte also nicht aus, sondern ein. Ein Franzose fährt zurück nach Deutschland. Mehr erfahre ich nicht, die Ampel ist grün, Monsieur möchte zu seinem Termin. Ich mache Pfützenfotos.

Gestern Abend hat Macron gesprochen, 19 Minuten lang, danach wurde in den Medien gestritten, ob er etwas gesagt habe oder nicht. Hier eine deutsche Zusammenfassung. Eine Sache ist sicher: die Grenzen sind ab heute wieder geöffnet. Auch wenn es plötzlich unsicher war, ob die Grenzöffnung für Mitternacht vom 14. auf den 15. vorgesehen war oder doch erst vom 15. auf den 16. ?! Ab wann darf man denn wirklich fahren? Manche sind schon vorher, quasi illegal, gekommen, liegen seit dem Wochenende schon auf ihrer Ferienhaus-Terrasse und erzählen, dass sie zwar Polizei gesehen, aber keine Kontrolle erlebt haben. Andere wurden kontrolliert und zurückgeschickt. Es kam drauf an. Wie es auch in all den vergangenen Wochen und wie es immer drauf ankommt, an wen man gerät.

Wollen Sie dieses Jahr nach Frankreich reisen? Sollen Sie? Oder nicht? In den Kommentaren auf Hilke Maunders Blog (wo Sie auch weiterhin immer die neuesten News zu Frankreich und Corona erhalten) und anderswo im Netz wird derzeit viel gefragt wie es da oder da aussieht und wie es da oder da im Juli oder August aussehen wird. Letzteres weiß niemand. Für die jeweils aktuelle Situation gehen Sie am besten immer auf die Internetseite des Urlaubsortes. Im Juli und August haben die Franzosen Ferien. In der Regel fahren sie ans Meer. Vielleicht fahren sie dieses Jahr auch vermehrt in ländliche Corona-freie Gegenden. Auf jeden Fall wird es voller an den typischen Ferienorten. Aber es wird sicher weniger voll als in den vergangenen Jahren, weil so viele ausländische Gäste fernbleiben werden. Hier ist man zwiegespalten. Man braucht die Touristen und fürchtet sie auch. Werden sie uns eine zweite Viruswelle bescheren? Sie hingegen fragen sich vielleicht, ob man Sie derzeit erfreut oder ablehnend empfangen wird. Auch da kommt es drauf an, an wen Sie geraten. Jemand der vom Tourismus lebt, wird erfreut sein, Sie zu sehen, andere vielleicht weniger. Ich sagte es schonmal, seien Sie rücksichtsvoll, im Zweifelsfall lieber etwas zu viel als zu wenig, und tragen Sie dort, wo es eingefordert wird (in der Regel wird es am Eingang der Geschäfte angeschrieben) eine Maske. Dann wird schon alles gut gehen. Und vielleicht wird im August bei 34°C auch niemand mehr Masken tragen, aber das weiß man heute eben auch noch nicht.

Vielleicht ist auch alles gleich ganz anders. Kaum sind die Intensivstationen wieder etwas leerer, streikt morgen schon das Krankenhauspersonal, damit klar ist, so, wie es war, kann es nicht weitergehen. Die Gilets Jaunes sind bereit sich da anzuschließen. Demonstrationen gegen Rassismus gibt es seit dem gewaltsamen Tod von George Floyd auch allerorten. Frankreich in seiner aktuellen Zerrissenheit. Ich kann vieles verstehen, dennoch hören Sie mich seufzen.

Noch ein paar Pfützenfotos. Die schöne Seite des Regens.

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