Von den Bergen bis ans Meer

der Süden ist blau

Endlich sind sie auch bei mir angekommen, die Belegexemplare meiner beiden Bücher. Sind sie nicht schön geworden? Ich freue mich so! Ein großes Dankeschön an den Verlag!

Von Herzen Dank für Ihre Kommentare unter dem vor-vorletzten Beitrag, und von Herzen Dank für die vielen, vielen begeisterten, bewegten und auch aufgewühlten Nachrichten, die mich auf allen Kanälen erreichen. Danke, dass Sie „Von hier bis ans Meer“ gelesen haben, danke für Ihr Vertrauen, mit dem Sie mir aus Ihrem Leben erzählen.

… à bientôt!

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Offiziell: Je suis française

une nouvelle française
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Die Musik …

zur Sendung und zum Buch … wurde zwar nur einmal wirklich gewünscht, mir gefällt aber die Idee, vielen Dank für die Anregung!

Nicht das gesamte Musikprogramm der Sendung stammte von mir, einer der ersten Titel, der lief, war von Gianna Naninni. Das hätte von mir stammen können, aber aus meiner italienischen Phase :-) ,  die gab es nämlich auch, weil ich in der Oberstufe einen so fürchterlichen Französisch-Lehrer hatte, dass mir Frankreich eine Zeitlang total verleidet war. Da ich aber nicht ohne den Süden konnte, stürzte ich mich ein paar Jahre auf Italien. Lernte Italienisch in Siena zur großen Zeit von Gianna Naninni und Eros Ramazotti. Riccardo Cocciante, Paolo Conte, Lucio Dalla (ein unvergessliches und kostenloses Open-Air Conzert auf dem Campo in Siena) Luca Carboni, Adriano Celentano … aber letzten Endes bin ich in dauerhaft in Frankreich gelandet und nicht in Italien, insofern habe ich für die Sendung nur französische (und deutsche) Lieder ausgewählt.

Voilà, meine Musik (essentielle Auswahl). Ohne weitere Erklärungen. Bonne écoute!

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Von hier bis ans Meer

Falls Sie es nicht live hören konnten, hier kommt der Mitschnitt des Interviews von heute früh mit Heike Knispel im WDR 4. War sehr nett übrigens! Vielen Dank nochmal!

Mein Herz blieb allerdings fast stehen, als ein paar Minuten vor der Sendung der Strom weg war, und nicht nur Licht und Ventilator sondern vor allem das Festnetztelefon ausgefallen waren. Ich habe EINMAL ein Live-Interview im Radio und es wird nicht klappen? „Mach was!“ schrie ich Monsieur an, der sagte nur „Was soll ich denn machen? Es ist im ganzen Viertel kein Strom!“ Na toll. Glücklicherweise gibt es noch das Mobiltelefon, das in der Wohnung allerdings nur bedingt funktioniert, ich blieb die ganze Zeit an einem Ort sitzen, damit der Empfang stabil blieb. Eine Stunde ohne Strom. Einfach so. Um 11.50 Uhr machte das Festnetz wieder „pling“, das Licht ging an und der Ventilator drehte sich wieder. Uff.

Herzlichen Dank für alle Mails, SMS’en, Anrufe und Kommentare, die mich erreicht haben. Wir waren nach dem Interview in Théoule, im Lieblingsrestaurant, essen. Schwierig, im Sommer in angemessener Zeit dorthin zu kommen, noch schwieriger, einen Parkplatz zu finden. Aber der lange Fußweg oberhalb des Meeres belohnt einen mit einer sagenhaften Aussicht. Das Restaurant hat keinen Blick, aber das Essen ist köstlich.


Hier noch ein Song, der es nicht in die Sendung geschafft hat und dessen Titel das Motto des Buches „Von hier bis ans Meer“ wurde: Il est où le bonheur? Il est où? Wo ist das Glück? Wo ist es denn? Die Antwort am Ende des Videos (das nicht so berauschend ist, aber naja) – Il est là le bonheur! singt Christophe Maé, il est là! und zeigt auf seinen Kopf und sein Herz.

Voilà, so viel für eben. Ich schreibe noch schnell den neuen Krimi fertig und dann mache ich auch ein paar Tage Urlaub und dann … lesen Sie wieder mehr von mir. Aber in der Zwischenzeit können Sie ja in das neue Buch reinschauen. Ich bin sicher, auch treue Blogleserinnen- und indirekte Lebensbegleiterinnen finden noch jede Menge Neues darin. Sonst wäre es ja nicht nötig gewesen, es zu schreiben. à bientôt!

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Radio

Mein neues Buch erscheint in den nächsten Tagen und ich darf am kommenden Sonntag 16.08.2020 im Radio darüber erzählen: von 11 bis 12, eine ganze Stunde lang sprechen wir mit Heikel Knispel vom und im WDR4 über das Buch, den Commissaire, Frankreich und das Leben. Ich werde live zugeschaltet :-) boah, wie aufregend! Ich freue mich total und wenn Sie reinhören wollen, wäre das natürlich wundervoll!

Der Link zum Radio via Internet (falls Sie WDR-empfangsfern leben) ist dieser hier. Man klickt dort das Dreieck im Kreis vor „Live-Hören“ an, ein weiteres Fenster öffnet sich und dort klickt man noch einmal auf das kleine schwarze Dreieck „Live“ und los gehts …

Bis Sonntag!

ps: Ich durfte mir (vorbereitend) ein paar Musikstücke wünschen, bei der Auswahl der deutschen Musik merkte ich, dass ich eindeutig in den Achtzigern hängengeblieben bin. Spliff hätte es auch gut auf die Liste schaffen können, aber man kann nicht alles … und oh weia, diese Klamotten ;-)

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Je l’aime à mourir

Ein verlängertes Wochenende in den Bergen. Freitag Abend bis Montag früh. Es war das Sommerfest, das der Dorfpatronin Sainte Anne gewidmet ist, und man kann nicht nicht teilnehmen. Also, ich denke zwar immer, wenn ich „unten“ an der Küste „in der Stadt“ bin, herrjeh, das Fest kann auch mal ohne mich stattfinden, ich tue mir den beschwerlichen Weg jetzt nicht an, einschließlich der Planung und der Einkäufe, für das, was man an den paar Tagen mit allen Eventualitäten (Überraschungsgäste zum Essen) vorbereiten muss. Bleibt ja immer alles an mir hängen. Ich sträube mich also ein bisschen, wie jedes Jahr schimpfe ich „ich muss arbeiten, versteht das niemand“, aber dann gebe ich mich geschlagen, kaufe Essen für vier Tage und eventuelle Gäste, Zucker für eventuell zu kochendes Johannisbeergelee und wir fahren los. Oben bin ich wie immer sofort versöhnt, es ist so still, die Luft ist frisch, alles ist grün. Am nächsten Morgen mache ich einen üppigen Fantasie-Kartoffelsalat und stelle Teller, Gläser und Besteck auf einen Tisch bereit für die, die es für das gemeinsame Essen nicht mitgebracht haben. Monsieur hilft beim Tische aufstellen; das große Essen findet traditionell hinter unserem Haus statt; Zelte und Stühle werden ebenso vor der kleinen Kirche aufgestellt, die Messe findet dieses Jahr draußen statt und zwar schon um 11 Uhr. Eine Musikerin fällt kreidebleich aus dem Auto. Was für eine Strecke! Und sie soll jetzt singen? Ihr ist noch ganz schlecht.

Ich pflücke noch schnell ein paar Wiesenblumen für Ste. Anne und dann gehts los. Wir wissen nicht, wieviele Menschen kommen werden, aber es werden viele! Manche kommen die ganze Strecke zu Fuß mit Rucksack und Kind und Hund, manche im Auto, das sie mehr oder weniger weit unten abgestellt haben. So viele waren wir noch nie, vermutlich, weil es dieses Jahr „unten“ im Dorf aus COVID-Gründen kein Sommerfest und kein gesetztes Essen geben kann.

Wir haben einen neuen Pfarrer, er ist jung, locker und bezieht die Kinder mit ein, später auch noch die herumlungernden Jugendlichen, die eigentlich nur für den Apéro gekommen sind, und sichtlich geniert sind, dass sie etwas tun sollen, außerdem bietet er (das habe ich noch nie erlebt) einen Segen an, für die, die „aus Gründen“ nicht zur Kommunion gehen „dürfen“ (weil geschieden oder aus wasweißichfürGründen), aber dennoch ein „Zeichen“ erhalten wollen. Einige machen das, es gehen aber trotzdem auch ein paar „Geschiedene“ zur Kommunion (aber die kennt er ja noch nicht ;-) ). Dann wird Sainte Anne in einer Prozession zu ihrem kleinen Oratoire getragen, vier Frauen braucht man dafür, ich werde eine von ihnen und daher gibt es keine Fotos von der Prozession. Wir singen Sainte Anne bonne mère in unendlichen Strophen. Da wir von etwa zehn herumspringenden Hunden begleitet werden, gibt es spontan auch einen Segen für die Tiere und für alle Tiere im Mercantour (er erwähnt den Wolf aber vorsorglich nicht) und für die, die mit Tieren arbeiten. Nach der Messe gibt es einen Apéro und danach das Essen, die Tische reichen gerade so aus, die Abstandsregeln können aber nicht wirklich eingehalten werden. Alle haben etwas mitgebracht und Schüsseln mit Salaten sowie Wein werden von Tisch zu Tisch weitergereicht, die Bürgermeisterin hat Bleche mit Pizza, Pissaladière und Quiche, das Grillgut (Würstchen und Koteletts) sowie Blechkuchen zum Dessert gespendet. Ich koche später literweise Kaffee. Und die Sängerin, Elodie Atlantis, singt zur Gitarre jazzig angehauchte Songs, französische Chansons und später wird sogar getanzt.

Der Höhepunkt wird ein improvisiertes Konzert mit dem jungen Pfarrer: im Duett singen er und Elodie „je l’aime à mourir“ von Francis Cabrel. Ein Chanson, das Cabrel vielleicht seiner kleinen Tochter gewidmet hat, es bekommt einen anderen Sinn, wenn man den Pfarrer singen hört. Auf jeden Fall ist es bewegend, er bekommt viel Applaus, die Sängerin sowieso auch, sie hat ein fabelhaftes Drei-Stunden-Konzert gegeben, ohne zu ermüden! (kleine Info am Rande: der neue junge Pfarrer hat zukünftig 19 Gemeinden mit sämtlichen Weilern und allen Kirchen und Kapellen zu betreuen, von Malaussène bis Puget-Théniers reicht sein Gebiet, und er ist ebenso der Supervisor des Diakons, der eigentlich der Allgemeinmediziner des Tals ist, und der sich zusätzlich zu seiner Landarzttätigkeit um 9 Gemeinden (einschließlich der Weiler) als Seelsorger kümmert. Der Pfarrer wirkt ganz bodenständig, hoffen wir, dass er diese Belastung aushält, der letzte junge Pfarrer ist nach ein paar Jahren mit einer Krise (Depression, Burnout) gegangen.)

Ich hoffe, Sie können es in Ihrem Land hören – und falls Sie, wie ich hier, bevor das Musikvideo losgeht, mit einer ekligen Werbung für einen manuellen Ohrenschmalzentferner belästigt werden, die kann man nach drei oder vier Sekunden wegklicken (unten rechts im Video). Cabrel  ist übrigens ein sympathischer und bescheidener Mensch, der immer noch völlig skandalfrei mit seiner Familie in dem Provinznest lebt, in dem er aufgewachsen ist und dort unter anderem im Gemeinderat tätig ist.

Ich bin jetzt doch froh, dabei zu sein und gerührt, so dazuzugehören, alle begrüßen mich voller Freude, wenn derzeit auch ohne Küsschen, sie wären enttäuscht gewesen, wenn ich „in der Stadt“ geblieben wäre und „ihr Fest“ nicht mitgefeiert hätte. Und wie immer plaudert man mit allen über alles, (wie gehts dem Vater, den Tieren, den Kindern) Immer gibt es jemanden, der die „ehemalige“ Schule ansehen will, ich führe ein bisschen herum und erzähle und ich zeige auch bereitwillig die Bienen, die zwischen Fenster und Fensterladen im ersten Stock arbeiten.

Ist das nicht beeindruckend, was sie da schaffen?

Gegen 15 Uhr geht das Fest zu Ende, bis alle sich verabschiedet haben, alle Tische hochgeklappt und alles aufgeräumt ist, wird es 16 Uhr. Wir fallen in eine tiefe Sieste und schaffen es dann auch nicht, wie verabredet, abends nach unten ins Dorf, sondern machen ein Feuer an und spielen Rommée und lesen und gehen früh ins Bett.

Am nächsten Vormittag sammelt Monsieur an den zum Teil von Raupen abgefressenen Sträuchern Johannisbeeren und ich sammle Cassis, schwarze Johannisbeeren, die schon etwas vertrocknet sind, aber die dem später gekochten Gelee dennoch Farbe und Geschmack geben. Bei uns läuft das noch ganz altmodisch und Monsieur dreht den gewaschenen und aufgekochten Beerenbrei durch eine Flotte Lotte. Der so entstandene dickflüssige Saft wird mit 800g Zucker auf ein Kilo Saft aufgekocht – danach geht es nach „Gefühl“, ab wann das Gelee geliert – 25 Minuten werden angegeben, bei uns war es nach nichtmal 15 Minuten so weit.

Mittags hatten wir aber noch einen Gast zum Essen; ein junger Mann, Franzose, der elf Jahre lang in Deutschland gelebt und nun Frau und Kinder dort zurückgelassen hat – eigentlich ist es seine Frau, die genug von seinem „Exotismus“ hat und sein spontanes, geselliges, lautes und unorganisiertes „Französisch-Sein“ in ihrem wohlgeordneten deutschen Alltag nicht mehr erträgt. Es kränkt ihn sehr und rührt mich an, weil ich zum ersten Mal spüre, dass nicht nur ich in diesem fremden Land eine Anpassungsleistung vollbringe (was ich gerne mal glaube) sondern auch Monsieur und mein Umfeld müssen mich in meiner unspontanen und oftmals ungeselligen, dafür aber direkten und „unhöflichen“ Art ertragen. Abends frage ich Monsieur, ob er vielleicht auch genug von mir und meiner deutschen Art habe, aber er drückt mich fest und küsst mich und sagt, ich sei ein Geschenk des Himmels. Und das nach zehn Jahren Ehe. Je l’aime à mourir.

Wir fahren montags früh weg, zumindest wollen wir das, nachdem wir gepackt, den Gemüsegarten der Kinder ordentlich gegossen, Gas, Wasser und Strom abgestellt haben, aber dann hat das bereits gepackte Auto einen platten Reifen, alles wieder raus aus dem Auto und ein Mini-Ersatzrädchen drangeschraubt, mit dem wir jetzt hypervorsichtig die Holperstrecken bergab fahren. Wir sagen in einem benachbarten Weiler noch bei einer lieben Freundin kurz „Coucou“, bekommen Milchkaffee und selbst gemachte Zitronen-Minz-Limonade und dann tuckern wir langsam (nicht schneller als 80km/h sind mit dem Mini-Reifen erlaubt) nach Hause.

Die erste Zucchini! Hier sieht man übrigens schön den Unterschied zwischen männlichen (nicht weit geöffneten und an der Zucchini hängenden) und weiblichen (die geöffneten) Zucchini-Blüten!

Ich wollte noch so viel geschrieben haben, von Macrons neuem Kabinett, von Corona und Cannes und trallala, aber das fällt alles meinem alljährlichen Krimi-Schreiben zum Opfer. Dies ist voraussichtlich der letzte Artikel … vor dem nächsten … wann auch immer. Genießen Sie den Sommer! Bleiben Sie mir gewogen! à bientôt!

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intervalle des créateurs

Kleines Kreativ-Kunst-Event im Viertel: @IntervalleDesCreateurs. Eine kleine neue Galerie: La Banane, ein Modeschöpfer: Art de la Couture, eine Grafik-Design-Agentur: Hypersthène und ein Architekt: Palladium haben sich zum ersten Wochenende der portes-ouvertes zusammengefunden und das untere Ende der Avenue de Grasse in eine Open-Air-Kunstgalerie verwandelt. Sie wollen von nun an monatliche Zusammenkünfte zwischen den Kreativen, ihrer Kunst und den Anwohnern schaffen, um sich kennenzulernen, zu plaudern, ein Glas zu trinken, das Viertel lebendiger zu machen. Gelebte Kunst-Nachbarschaft. Heute mixte Pedro, le Couturier, Schneider und Modeschöpfer, vor seinem Atelier Mojitos mit und ohne Alkohol. Merci dafür! Sehr nettes Ambiente, junge und weniger junge Menschen vermischten sich aufs Angenehmste und kamen miteinander ins Gespräch! Bravo! Belle initiative!

Dieser Titel fiel mir vorhin noch ein „kommt zusammen“ – passt zum Event und ist sommerlich-leicht.

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WmdedgT 07/2020

Ich bin einen Tag zu spät für das Tagebuchbloggen „Was machst du eigentlich den ganzen Tag“ am 5. jeden Monats, wie es Frau Brüllen regelmäßig erfragt, aber das Wochenende war bewegt und wir kamen erst gestern Nacht zurück. Ich schreibe den 5. also am 6. und reihe mich dennoch ein (so es noch geht).

Gestern vor fünfzehn Jahren, am 5. Juli 2005, bin ich nach Frankreich aufgebrochen. Vor fünf Jahren habe ich mich schon einmal daran erinnert, das will ich jetzt nicht schon wieder tun, aber was ist nicht alles passiert in diesen fünfzehn Jahren!

Sehr schön, dass wir an diesem Wochenende zu einer Hochzeit „da oben“ in den Bergen eingeladen wurden, die, erst abgesagt, dann verschoben auf nächstes Jahr, jetzt doch, wenn auch nur im kleinen Kreis, stattgefunden hat. Und aufgrund der Situation war alles, einschließlich der Trauung, eine Open-Air-Veranstaltung, selbst die Mairie deplatzierte sich auf die Wiese unter dem Collet de Sen. Es war ma-gni-fique. Ich werde hier nicht die Hochzeitsfotos von Freunden veröffentlichen, das verstehen Sie, genauso wie ich versprochen habe, nicht die Fotos der Schäferfamilie und ihren Kindern zu posten, die am anderen Ende der Wiese am frühen Abend ihre Schafe molken.

Es war alles so idyllisch. Später dann aßen wir im kleinen Kreis auf dem ehemaligen Dreschplatz vor der ehemaligen Scheune der Großeltern der Braut. Ein Freund spielte Klavier, es wurde gesungen, erzählt, gelacht und dann ging großartig der Mond auf, den ich natürlich mit meinem Telefonapparat nur so klein und schwummerig erhaschte, aber es war ein ganz wundervoller Abend! Das alles war am 4. Juli.

Wir übernachteten im Sommerhaus, das noch einmal ein paar hundert Meter höher in diesem idyllischen Weiler liegt und über einen abenteuerlichen Feldweg erreicht wird. Ich erzähle es immer wieder, wenn Sie hier schon lange mitlesen, wissen Sie das alles. Da oben sind es nur noch 12 Grad, wir legen noch eine Wolldecke über das Deckbett und schlafen in den 5. Juli. Monsieur, wie immer ein Frühaufsteher, macht schon Kaffee und hat in aller Frühe bereits Besuch von anderen Sommergästen, ein junger Mann mit seiner reizenden zweijährigen Tochter ist auch im Weiler. Der junge Mann verspricht, sich um den eigentlich nagelneuen Durchlauferhitzer, der aber regelmäßig-unregelmäßig zickt, zu kümmern. Eigentlich wollte ich bei einer Gas-Installation genau dieses Gebastel von selbsternannten Installateuren vermeiden, aber der richtige Installateur ist wie letztes Jahr, oder war es schon vorletztes Jahr?, nicht zu erreichen. System D für débrouille-toi, wörtlich „entwirr dich selbst“, meint „sieh zu, wie du allein klarkommst“, ist in den Bergen immer noch die beste Methode, um etwas (zeitnah und überhaupt) repariert zu bekommen.

Ich trinke meinen Kaffee auf der kleinen Terrasse in der Stille und der kühlen Bergluft, es ist sommerlich und sonnig, aber ein Fleecepullover über dem Nachthemd ist morgens schon vonnöten. Ich weiß, dass andernorts Sätze wie „und irgendwo bellte ein Hund“ voller Spott gesammelt werden, so etwas banales schreibt kein(e) anständige(r) SchreiberIn in einem Text, aber hier pfeift „irgendwo“ erst ein Murmeltier und später bäht und mäht und bimmelt „irgendwo“ eine ganze Schafherde, die zu ihrem heutigen Weideplatz zieht. Würde ich mich nähern, bellten sicher auch die Hütehunde, aber ich trinke meinen Kaffee und höre sie nur „irgendwo“, und bin wie jedes Jahr gerührt.

Was ich auch höre und zwar ganz konkret, sind die Bienen, die auch wie jedes Jahr ihren Platz zwischen Fenster und Fensterladen gewählt haben. Vor drei Tagen sind sie „eingeflogen“, man hatte uns angerufen, und sie bauen, eifrig wie immer, ihre Waben. Hier waren schon immer Bienen erzählen die „Alten“ jedes Jahr, und nur deswegen habe Monsieurs Großvater sich als Imker versucht, weil die Bienen einfach jedes Jahr wieder kamen, allen Widrigkeiten zum Trotz. Niemand will sie holen, zu aufwändig, zu zeitintensiv, zu weit weg, der Schwarm nicht groß genug. Wenn sie nächstes Jahr noch da sind, sagt mir jemand unten im Dorf, nächstes Jahr nähme er sie, da würde er sich als apiculteur versuchen. Lassen wir der Natur also ihren Lauf.

Dann inspizieren wir den Gemüsegarten, den die „Enkel“ dieses Jahr angelegt haben, alles wächst, die Kartoffeln, die Salate, nur die Erdbeeren und Himbeerpflanzen tragen keine Früchte. Die Johannisbeeren, deren Blätter seit drei Jahren von irgendwelchen Raupen abgefressen werden (was die Beeren vertrocknen lässt), haben sich halbwegs erholt, weil man dieses Jahr alle paar Tage Raupen abgelesen hat; ich finde aber nur ein Blatt voller Raupen, die ich brav vernichte. Dann reißen Monsieur und ich Brennesseln und Kletten heraus, die beide in einer überbordenden Menge wachsen und einfach alles ersticken. Ich habe eben erst, beim Suchen der Gattung, erfahren, dass das klebrige Klettenlabkraut, das ich schnöde herausriss, ein Wundermittel in der Heilkräuterkunde ist, essbar ist es außerdem. Verhungern würde ich also nicht, das Zeug wächst wie verrückt, genau wie der Gute Heinrich, aus dem ich hin und wieder eine alternative „Spinat-Tarte“ backe. Da versuche ich am Meer den Quallen zu entgehen und hole mir in den Bergen Quaddeln und „Verbrennungen“ mit den Brennnesseln. Den ganzen Tag lang habe ich aufgequollene Arme und ein Pieksen in den Fingerspitzen. Wir essen zu Mittag (Spaghetti mit Tomatensoße, garteneigener Salat, Schafskäse und frischer Joghurt vom Schäfer, es ist alles so köstlich!), kurze Sieste, dann kommen das Hochzeitspaar und seine Gäste, fast alle in irgendeiner Form lehrend (Grundschule, Mittelschule, Universität), und wir hatten ihnen versprochen „L’éscola“ zu zeigen, das Sommerhaus war früher eine Schule, das wissen Sie vermutlich auch alles schon, ich will mich nicht immer wiederholen.

Wir zeigen auch die kleine Kirche, den Weiler und danach gibt es Picknick (sie haben alles mitgebracht) auf der Terrasse (Im baumlosen Garten ist es zu sonnig, auf der anderen Seite schwärmen die Bienen), wir sitzen eng (keine Distanz!) aber immerhin sind wir draußen. Dort bleiben wir und erzählen und essen und trinken und es ist wunderbar sommerlich und alle sind wir gutgelaunt. Erst gegen Acht Uhr abends brechen die Gäste auf und wir werfen alles Geschirr in den Geschirrspüler und sammeln die Dinge zusammen, die wir wieder mit hinunter nehmen wollen, messen noch ein paar Ecken aus, es gibt Möbel aus dem Haushalt der Schwiegermutter unterzubringen, niemand will etwas haben; dann warten wir, bis die Spülmaschine fertig ist, schalten Strom, Gas und Wasser ab, schließen die Fensterläden und die Türen und fahren gegen 21 Uhr los.

Um halb Zwölf sind wir wieder in Cannes. Die Katze bekommt Fressi und Streichler und dann fallen wir hier ins Bett. Die Luft ist schwül und klebrig. Morgen, nehme ich mir vor, morgen suche ich den Ventilator (den ich bis eben nicht gefunden habe).

Danke fürs Lesen! Die anderen Tagebuchblogger gibt es, wie immer, HIER.

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le temps des cerises

Es ist die Zeit der Kirschen. Die Ernte ist dieses Jahr wohl grenzüberschreitend üppig ausgefallen. Wir haben keinen Kirschbaum, sondern kaufen die Kirschen auf dem Markt zu einem Preis, als handele es sich um kleine Goldklumpen. Normalerweise steigt der Preis so in die Höhe, wenn es wenige Kirschen gibt, aber dieses Jahr ist er genauso hoch, weil sie so besonders gut sind. Dafür zahlt man dann ja gerne etwas mehr. Ich erinnere mich an die Zeit, als ich in Frankreich angekommen war, vor jetzt beinahe 15 Jahren. Eine meiner ersten Tätigkeiten auf dem Hof war, die Kirschen abzuernten. Dazu musste ich mittels einer alten Holzleiter auf den Kirschbaum klettern und Kirschen in einen großen flachen Korb sammeln. Diese Holzleiter und dieser alte geflochtene Korb, der knorrige Baum, in dem ich als Erwachsene ungelenk herumkletterte und die dicken schwarzen unendlich süßen Kirschen, mit denen ich mir den Bauch vollschlug, und die Flecken, die der Kirschsaft hinterließ, all das war ein unvergessliches Erlebnis. Die zweite Tätigkeit war, einen Clafoutis [sprich: Klaa-fuh-tieh]zu backen. Ich arbeitete mich durch das französische Rezept, verdreifachte die angegebene Menge und füllte riesige Bleche, damit es genug Clafoutis für den ganzen Clan am Tisch gab. Dieses Clafoutis-Rezept, einfach und genial, habe ich mit dem Weggang vom Hof verloren und seitdem jahrelang mit allerhand anderen Sterne-KöchInnen-Varianten herumprobiert. Hier können Sie (unter anderen) dasselbe Rezept mit wunderschönen Kirschfotos auch nochmal finden. Und eben auch das von Micha, die, wie ich auch, feststellt, dass es Clafoutis-Rezepte wie Kirschen am Baum gibt. Nun, ich habe vieles ausprobiert, der Clafoutis wurde lecker und fluffig, manchmal auch zu fluffig, aber nie wurde er so, wie auf dem Hof. Letztes Jahr bin ich zufällig auf dieses Rezept gestoßen und ich WUSSTE schon beim Lesen, DAS ist es! Hier werden nicht erst die Eiweiße aufgeschlagen, Mandeln gesiebt und die Milch auf 37 Grad erhitzt und was weiß ich für Scherze. Hier wird alles schlicht mit einem Schneebesen zusammengerührt und basta. Einfacher und schneller und leckerer geht es meines Erachtens nicht. Aber wie gesagt, jedermann und jederfrau hat sein/ihr eigenes weltbestes Rezept und die beste Kuchenform noch dazu.

Clafoutis wird traditionell mit den kompletten Kirschen gemacht, sprich mit den Steinen (im Internet stieß ich gerade auf die Streitigkeiten ob es Kirschkerne oder Kirschsteine hieße; Kirschen sind Steinobst, es müsste also Kirschsteine heißen, man sagt auch noch „entsteinen“, aber in der Sprache hat sich der Kirschkern (beim Spucken und im Kissen) durchgesetzt.)

Das Lied Le temps des cerises, das allgemein als historisches romantisches Liebeslied gilt, enthält kleine Anspielungen auf die Pariser Commune, einer kurzen revolutionären Phase im deutsch-französischen Krieg 1871, die blutig niedergeschlagen wurde, und wurde, obzwar schon vor der Commune gedichtet, der Zeit der Commune „sentimental“ hinzugefügt, wie es in der viel ausführlicheren französischen Version zur Commune heißt, da der Dichter, Jean-Baptiste Clément, ein berühmter Communarde war. „Die Zeit der Kirschen“ ist kurz, heißt es, genau wie die Zeit der „Republik des Volkes“ kurz war, die rote Farbe der Kirschen, der revolutionären Kleidung und des Blutes werden erwähnt und eine schmerzvolle Erinnerung an „die Zeit der Kirschen“ bleibt auf immer im Herzen. Sehr schön und kurz erklärt wird es einmal mehr bei Arte Karambolage. Sie sehen ein bisschen den revolutionären Charakter der Franzosen. Die Gilets Jaunes sehen sich durchaus in der Tradition der Commune. Und haben schon angekündigt, dass sie nicht aufgeben werden, gegen diese ungeliebte Regierung und ihre Reformen zu kämpfen. Am Sonntag war übrigens der durch die Corona-Krise lang verschobene zweite Durchgang der Kommunalwahlen, dort, wo die Bürgermeister nicht im ersten Wahlgang (wie etwa in Cannes) gewählt worden waren. Es gab eine extrem geringe Wahlbeteiligung, die Partei Emmanuel Macrons, La République en Marche, hat weit weniger gewählte Bürgermeister als erhofft (sie hatten vorher wenige und jetzt immer noch wenige), in den großen Städten (Marseille, Bordeaux) wurde Grün gewählt (in Paris wurde Anne Hidalgo wiedergewählt) und auf dem Land (hier im Süden vor allem) konservativ.

Es ist auch le temps des meduses, es gibt wieder Quallen im Meer, wie jedes Jahr im Sommer. Jedes Jahr erzählen sie auch, was man gegen die „Verbrennungen“ tun kann, wenn man von einer Qualle „geküsst“ wird. Im Prinzip nicht viel (die betroffenen Stellen nicht mit klarem Wasser abspülen, eine schmerzlindernde Salbe erstehen, eventuell zum Arzt). Die Schmerzen sind hartnäckig, genau wie die aufgequollenen roten Striemen. Ich spreche aus Erfahrung. Daher vertraue ich jetzt dieser Seite auf der man nachsehen kann, wo und wann Quallen gesehen wurden.

Unter dem Motto „sous le soleil différement“ (meint „unter der Sonne anders als sonst“, das Lied, auf das angespielt wird, heißt „sous le soleil exactement“ (genau hier unter der Sonne; geschrieben von Serge Gainsbourg) hat Cannes sein Sommer-Kulturprogramm angekündigt. Ich verlinke dazu gern auf die Seite der Riviera-Zeit

Hier gab es kürzlich den Film „Ascenseur pour l’échafaud“ im Fernsehen (deutsch: Fahrstuhl zum Schafott), ein Schwarz-weiß-Kriminalfilm von Louis Malle aus dem Jahr 1958, mit der schwermütigen Musik von Miles Davis, die Jeanne Moreau, die durch die nächtlichen Straßen von Paris irrt, begleitet. Ich habe den Film vor bestimmt 30 Jahren zum ersten Mal gesehen und nichts verstanden. Jetzt war ich total begeistert. Falls Sie morgen Abend an einer Online-Lesung aus der Jeanne-Moreau-Biographie „Die Verwegene“, geschrieben von Jens Rosteck, teilnehmen wollen, kostenlos übrigens, können Sie sich hier eintragen. (Die Eingangsnotiz („Bedauern“) einfach ignorieren, auf den blauen Button ANMELDEN klicken und das Formular ausfüllen. Man bekommt dann – wahrscheinlich erst morgen – eine Einladungsmail mit Zugangscode zugeschickt.)

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50 shades of blue

Ein paar Tage Frühmorgen-Meer. Ohne Filter. So blau.

Heute morgen am Strand mit einem deutschen Urlauberpaar aus Scharbeutz geplaudert. 1600 Kilometer, um von einem Meer an ein anderes zu fahren, weil man es nicht schafft, sich am heimischen Meer zu entspannen. Zu nah am Alltag, an der Arbeit. So siehts aus. Es tröste mich etwas, weil ich ja auch nicht immer nur selten mit entspanntem Geist hier am Meer bin. Da hilft auch all das Blau nicht. Und doch bin ich mir bewusst, dass es ein großer Luxus ist, morgens zwischen Acht und Neun im Meer schwimmen gehen zu können.

Im übrigen ist es jetzt Sommer. Ich bin jedes Jahr aufs Neue überrascht, wenn es soweit ist. Ich habe Tendenz diese unbarmherzige Hitze zu vergessen und auch zu vergessen, wie wenig ich in dieser Zeit geschafft kriege. Jedes Jahr aufs Neue bin ich schlecht organisiert und nehme mir vor, im nächsten Jahr aber wirklich früher anzufangen …

Wir versuchen das Haus so lange wie möglich kühl zu halten und schließen jetzt wieder in dem von der Sonne vorgegebenen Rhythmus die Fensterläden und auch die Fenster und leben für die kommenden drei Monate, wie vor ein paar Monaten schon erwähnt, drinnen in einem steten Halbdunkel.

Schon zweimal hatte ich, während ich die letzten Tage so frühmorgens durch das sehr ruhige Wasser schwamm, durch Meerwasser, echtes Mittelmeerwasser immerhin, ein bizarres Bild im Kopf. Ich sah nämlich das sich leicht hebend und senkende Mittelmeer und die Lichtreflexe darauf und dachte allen Ernstes: Sieht aus wie das Meer aus Folie der Augsburger Puppenkiste. Ich weiß nicht, ob schonmal jemand das Mittelmeer mit einem Folienmeer verglichen hat, aber es sind wohl frühkindliche Prägungen, da machste nix. Ich habe jetzt auch ein paar Stunden damit zugebracht, um dieses Folienmeer in Bewegung zu erleben, vergeblich leider, immerhin sind aber auch andere Menschen (meiner Generation vermute ich stark) vom Knistern der Plastikwellen nachhaltig geprägt worden.

Ein klitzekleines bisschen Meer wogt in dieser Doku zum 70. Geburtstag der Puppenkiste von vor zwei Jahren. Bin gerade ganz nostalgisch auch wegen der hessischen O-Töne in dem Filmchen.

Für den Freundeskreis Aubergine – ich habe gestern zum ersten Mal im Leben überhaupt Beignets gemacht und dann natürlich gleich beignets d’aubergine. Bisschen fettig, fand ich, aber succulent, saftig und lecker, fand der Gatte. Und der Geschmack der Aubergine? Sehr fein, fand der Gatte. Ich sage sehr diskret :D

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Sommer – auch an blauen Tagen bricht das Herz

Kleiner Ausflug nach Nizza. Es war der längste Tag des Jahres und in Frankreich war gleichzeitig la fête de la musique. Das wurde in den großen Städten zumindest zum Anlass genommen – trotz des sehr reduzierten Angebots an Live-Konzerten und vielen kreativen indirekten Alternativ-Beschallungen, zusammengeknäult zusammenzustehen, zu tanzen, zu trinken und zu feiern. Die jungen Menschen natürlich. Man kann es verstehen. Es ist Sommer, man hat das Gefühl, das Leben vergeht ungelebt, wenn man nicht JETZT rausgeht und lebt. Auf dem Schlossberg von Nizza trommelte eine alternative Gruppe und sehr junge Mädchen mit sehr roten Augen tanzten eine Art afrikanisch inspirierten Ausdruckstanz, von unten schallten andere Musikklänge hinauf und das Geraune, Gejuchze, Gehupe der Großstadt am Meer.

Neben dem jüdischen Friedhof die Erinnerungsstele für die vieltausend Juden, die vom Bahnhof in Nizza, zunächts nach Drancy bei Paris, und von dort weiter zu den Vernichtungslagern im Osten deportiert wurden.

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l’appel du 18 juin

Ähm, ja. Historisch nur so ungefähr richtig und ein so sensibles Thema, das keine Ungenauigkeiten duldet und außerdem, wie mir der Gatte gerade deutlich gemacht hat, selbst mit historisch richtigen Daten zu sensibel, um mal eben schnell und auch noch mit einer gewissen Flapsigkeit darüber zu schreiben. Die Franzosen spalten noch immer Haare bei diesem Thema. Als nichtwissende Nichthistorikerin habe ich den Beitrag daher zurückgezogen. Danke an Rainer Wadel für den ersten und freundlicherweise diskreten Hinweis. Zum Appell des 18. Juni können Sie hier etwas nachlesen.

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Blau!

Heute nach fast genau drei Monaten, bin ich endlich wieder hier gewesen: La Croix des Gardes. Am 19. März, dem nach meiner Zählung, dritten Corona-Tag war ich dort zum letzen Mal Laufen und hatte diesen Blick, der einen echt immer umhaut. Aber zunächst lief ich an der nun wieder mit Autos vollen Straße entlang, es war laut und stank nach Auspuff (und nicht mehr nach Javel). Im Naturpark sind viele Menschen, das Gras steht hoch. Man läuft ein kleines Hügelchen hinauf, die Disteln stehen hier in der Zwischenzeit ebenfalls hüfthoch, man sieht lange nur den kleinen Weg vor einem …

… und dann: Blau!

Und das alles ohne den geringsten Filter heute! Ziemlich windig ist es allerdings. Mistral vielleicht, dann sieht es immer so knallblau aus.

Der Feigenbaum, der damals gerade mal so die ersten Blattknospen trug, zeigt jetzt schon stolz jede Menge (noch unreife) Feigen.

ps: heute Abend, ZDF, 22.15h Auslandsjournal!

pps: hm. ich konnte es jetzt dann auch sehen – bin eher nicht so begeistert, immer enttäuscht, was von fast drei Stunden Gespräch und Drehzeit übrig bleiben – und natürlich fand ich nicht die Corona-Krise „großartig“, sondern das leere Cannes ohne Touristen. Das ist etwas missverständlich finde ich, wenn man nicht auch die Frage hört.

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Willkommen! Bienvenue! Welcome!

„Schon da!“ rief ich dem Mann neben dem Auto mit dem deutschen MZG-Kennzeichen anerkennend zu, der in der Innenstadt heute früh um halb Zehn sein Auto ausräumte. Ich fuhr Monsieur zu einem Termin und hielt kurz an, um den ersten deutschen Urlauber zu begrüßen. „Pardon?“ fragte er, dann versteht er und ruft er „Ah nein, iesch fahre weg! Iesch fahre zurück! Drei Jahre war iesch `ier!“ Er packte also nicht aus, sondern ein. Ein Franzose fährt zurück nach Deutschland. Mehr erfahre ich nicht, die Ampel ist grün, Monsieur möchte zu seinem Termin. Ich mache Pfützenfotos.

Gestern Abend hat Macron gesprochen, 19 Minuten lang, danach wurde in den Medien gestritten, ob er etwas gesagt habe oder nicht. Hier eine deutsche Zusammenfassung. Eine Sache ist sicher: die Grenzen sind ab heute wieder geöffnet. Auch wenn es plötzlich unsicher war, ob die Grenzöffnung für Mitternacht vom 14. auf den 15. vorgesehen war oder doch erst vom 15. auf den 16. ?! Ab wann darf man denn wirklich fahren? Manche sind schon vorher, quasi illegal, gekommen, liegen seit dem Wochenende schon auf ihrer Ferienhaus-Terrasse und erzählen, dass sie zwar Polizei gesehen, aber keine Kontrolle erlebt haben. Andere wurden kontrolliert und zurückgeschickt. Es kam drauf an. Wie es auch in all den vergangenen Wochen und wie es immer drauf ankommt, an wen man gerät.

Wollen Sie dieses Jahr nach Frankreich reisen? Sollen Sie? Oder nicht? In den Kommentaren auf Hilke Maunders Blog (wo Sie auch weiterhin immer die neuesten News zu Frankreich und Corona erhalten) und anderswo im Netz wird derzeit viel gefragt wie es da oder da aussieht und wie es da oder da im Juli oder August aussehen wird. Letzteres weiß niemand. Für die jeweils aktuelle Situation gehen Sie am besten immer auf die Internetseite des Urlaubsortes. Im Juli und August haben die Franzosen Ferien. In der Regel fahren sie ans Meer. Vielleicht fahren sie dieses Jahr auch vermehrt in ländliche Corona-freie Gegenden. Auf jeden Fall wird es voller an den typischen Ferienorten. Aber es wird sicher weniger voll als in den vergangenen Jahren, weil so viele ausländische Gäste fernbleiben werden. Hier ist man zwiegespalten. Man braucht die Touristen und fürchtet sie auch. Werden sie uns eine zweite Viruswelle bescheren? Sie hingegen fragen sich vielleicht, ob man Sie derzeit erfreut oder ablehnend empfangen wird. Auch da kommt es drauf an, an wen Sie geraten. Jemand der vom Tourismus lebt, wird erfreut sein, Sie zu sehen, andere vielleicht weniger. Ich sagte es schonmal, seien Sie rücksichtsvoll, im Zweifelsfall lieber etwas zu viel als zu wenig, und tragen Sie dort, wo es eingefordert wird (in der Regel wird es am Eingang der Geschäfte angeschrieben) eine Maske. Dann wird schon alles gut gehen. Und vielleicht wird im August bei 34°C auch niemand mehr Masken tragen, aber das weiß man heute eben auch noch nicht.

Vielleicht ist auch alles gleich ganz anders. Kaum sind die Intensivstationen wieder etwas leerer, streikt morgen schon das Krankenhauspersonal, damit klar ist, so, wie es war, kann es nicht weitergehen. Die Gilets Jaunes sind bereit sich da anzuschließen. Demonstrationen gegen Rassismus gibt es seit dem gewaltsamen Tod von George Floyd auch allerorten. Frankreich in seiner aktuellen Zerrissenheit. Ich kann vieles verstehen, dennoch hören Sie mich seufzen.

Noch ein paar Pfützenfotos. Die schöne Seite des Regens.

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Morgen ist ein guter Tag

Eigentlich sagte sie „tomorrow is a good day!“ und bat darum, den Mietvertrag am Donnerstag schon zu unterzeichnen und nicht erst am Wochenende. Nicht weil es der 11. war, sondern weil es ein Donnerstag war, so viel habe ich verstanden. Es kann auch sein, dass dieser Donnerstag noch andere bedeutsame Tugenden hatte, die ihn zu einem glücksverheißenden Tag in Sachen Mietvertrag oder Wohnungsübernahme machten. Sie strahlte und bedankte sich mehrfach, dass wir ihrem Wunsch nachgekommen sind. Jetzt müsse sie nur noch die Milch überkochen lassen, sagte sie zum Abschied, auch das bringe Glück in der neuen Wohnung. Ich war ehrlich gesagt nicht begeistert davon, dass nun gleich das nagelneue Induktionskochfeld mit übergekochter Milch verklebt sein würde, aber ich wollte dem Glück in der neuen Wohnung auch nicht im Wege stehen. Nicht alle Kulturen haben es mit Brot und Salz. Es war mir nicht ganz klar, warum überkochende Milch Glück bringt, ich versuche das in der Regel zu vermeiden, denn es ist ja kein unwahrscheinliches Unterfangen, dass Milch überkochen wird, wenn sie nur lang genug kocht. Ich meine, wäre es unsicher und gelänge es nur hin und wieder, würde ich verstehen, dass man der Milch gebannt zusieht und sich fragt: Wird sie es schaffen? Aber wenn sie auf jeden Fall überkocht, wo ist das Wunder? Das Glück?

Ich habe das mit der kochenden Milch im Internet gesucht, um es besser zu verstehen. Hier noch ein Link auf Facebook (Sie müssen dort ein bisschen nach unten scrollen, die Hauseinweihung fand am 3. September 2018 statt). Jetzt habe ich weniger Angst um das Induktionskochfeld, es wird nämlich ein kleines Feuer auf dem neuen Fußboden gemacht (hmhm, soso) und mit diesem Holzfeuerchen ist es vielleicht auch schwieriger die Milch zum Überkochen zu bringen. Überfluss, Fülle soll es bedeuten und im übertragenen Sinn Glück. Auf jeden Fall muss die übergekochte Milch dann noch in und um die Wohnung verstrichen werden. Das hatte sie uns nicht gesagt. Ich rieche schon die ranzige Milch, wenn ich daran denke. Mal sehen, was die Nachbarn dazu sagen. So schlimm wird es aber vermutlich nicht werden, vielleicht genügt ja auch ein symbolisches Tröpfchen am Türrahmen.

Der Plastikgarten konnte bei dieser Gelegenheit inspiziert werden, und die echte Natur schlägt sich tapfer, ich sehe es mit Zufriedenheit, aber ich habe meine Hand nicht im Spiel, ich schwöre!

Heute morgen war ich zum ersten Mal seit drei Monaten wieder in dem großen Supermarkt einkaufen. Ich ließ mich von einem Einkaufsgutschein ködern und hoffte außerdem, eine bestimmte Schokolade zu finden, die in den kleinen Supermärkten seit Wochen nicht vorrätig ist. Ich fuhr ganz früh, gleich zur Öffnung um halb Neun wollte ich da sein. Ich war dann doch nicht ganz pünktlich und es war um Neun Uhr schon ziemlich voll. Das bin ich so nicht mehr gewöhnt und ich war echt ein bisschen aufgeregt und gestresst. Für Sie ist es vielleicht nichts Besonderes mehr, aber vielleicht ist es noch interessant für die Urlauber, die ab Montag wohl wieder kommen dürfen. Es hat sich, zumindest in diesem Supermarkt (ein kleiner Hypermarché) nämlich viel geändert. Es gibt nun einen Aufzug, der nur nach oben fährt (von der tieferliegenden Garage) und einen anderen am anderen Ende des Ladens, mit dem man wieder nach unten kommt. Es dürfen immer nur zwei Einkaufswagen und möglichst auch nur ein Mensch pro Einkaufswagen, also insgesamt zwei Personen, in den Aufzug.

Man möge ohne Kinder kommen steht noch am Aufzug. Ich weiß noch nicht, ob ich das eher unfreundlich oder „vernünftig“ finde. Der geforderte Abstand ergibt sich fast zwangsläufig mit den überdimensionierten französischen Einkaufswägen, chariots heißen die übrigens.

Es gibt jetzt auch zwei Orte mit Einkaufswagen: dort, wo man die frischen, desinfizierten abstöpselt und dort, wo man die gebrauchten wieder parkt. Im Geschäft tragen alle Masken, nur nicht die Kassiererinnen, die aber jetzt hinter langen und hohen Plexiglaswänden sitzen. Im Laden haben sie die Zeit, in der ich nicht dort war, genutzt, um so gut wie alles anders anzuordnen. Der Käse und die Butter und die Milch und der Schinken sind woanders und ich finde nichts mehr, brauche länger, irre herum und auch das stresst mich. Alle sind gestresst scheint mir und alle wollen nur so schnell wie möglich wieder weg. Ich rege mich zum x-ten Mal darüber auf, dass die Nachfüllpackungen mit Waschmittel oder Flüssigseife und Duschgel teurer sind als das Original. Das immerhin ist wie immer. Die Schokolade, eigentlich eine Dessertschokolade, also eher nichts Feines, ist auch hier nicht vorrätig. Gähnende Leere bei der Dessertschokolade in allen Geschmacksrichtungen. Hamstern jetzt alle Dessertschokolade um Schokokuchen zu backen? Gibt es einen Einbruch bei der Kakaoversorgung?

Ich wollte auch gerne besonderen Saft kaufen, den ich nicht überall bekomme, aber auch da war die Auswahl heute begrenzt. Ich kaufte daher einen Smoothie. Ich mag die Marke trotz der Plastikflaschen gerne, nicht nur weil die Säfte lecker sind, sondern auch weil sie so drollige Texte auf die Flaschen schreiben. Kürzlich erzählte Herr Buddenbohm von seiner Lesesucht, ich kenne das so ähnlich von mir auch. Ich lese alles. Immer. Überall. Ich hatte mal einen schweizerischen Übersetzer-Freund, der bei COOP dafür verantwortlich war, die Aufschriften auf Lebensmitteln in drei Sprachen (italienisch, französisch und schweizerdeutsch) zu verfassen, und auch dafür, zu sorgen, dass sich alles inhaltlich glich und dass vor allem keine der Sprachen mehr Platz einnahm (schon schwierig genug). Wir waren einmal zusammen in Italien in Urlaub und er las begierig auf der Suche nach Inspiration die italienischen Aufschriften auf Butter und Joghurt und was weiß ich; ich erinnere mich noch an ein Sonderangebot mit Aufkleber: „prezzo con amore“, also wörtlich „Preis mit Liebe“ und er war total begeistert und gleichzeitig frustriert, weil diese italienische Art Sonderangebote anzubieten so schön sei, aber leider könne er das nicht nehmen, weil man das den Deutschschweizern nicht anbieten könne, die hätten keinen Sinn für „prezzo con amore“. An ihn muss ich immer denken, wenn ich die Texte auf den Saftflaschen lese: Bei den Inhaltstoffen steht, dass keine Gartenzwerge drin seien oder man bekommt ein Kompliment, dass man „genauso cool sei wie ein Katzenbaby, das sich als Einhorn verkleidet hat“ und am Ende findet man immer den dezenten Rat: mangez des brocolis.

Was ich übrigens nicht mehr kaufe ist Wasser, weder das gute stille Wasser aus den Vogesen noch das leicht prickelnde Mineralwasser für Monsieur, wir haben uns tatsächlich an das stille Leitungswasser gewöhnt. Reicht.

Auch wenn das System mit den getrennten Aufzügen, zumindest morgens zwischen Neun und Zehn, eher gut funktionierte, hat mich das Ambiente im Laden ziemlich gestresst und ich weiß nicht, ob ich da sobald wieder hin muss.

Gestern und heute hatten wir den „Enkel“ zum Essen, alles wird wieder normaler, wochenlang haben wir uns gemieden, nicht aus Antipathie, sicher nicht; er hat sich für das Essen revanchiert, indem er mir den Drucker wiederbelebt hat. Zumindest mit USB-Kabel kann ich jetzt wieder drucken. Ohne Kabel ist der Drucker verloren im Internet-Universum. Ich habe Tage damit verbracht und es nicht hingekriegt, und den Drucker dann vor ein paar Monaten resigniert ausgeschaltet; den Enkel hat es aber immerhin auch zwei Stunden und viel schnelles Getippe gekostet, es war also nicht nur ein doofer Klick, an den ich nicht gedacht hatte. Das tröstet mich etwas.

Heute hat es geregnet. Die ganzen letzten Tage regnet und stürmt es schon. Dazwischen scheint mal kurz die Sonne, aber kaum haben wir das Sonnensegel aufgespannt, schon hänge ich es ab, weil es sich mit Regen vollgesoffen hat und schwer wie ein Elefant über dem Tisch hängt. Ich sage es immer wieder, die Götter sind mit uns und passen auf, dass sich draußen nicht zu viele Leute tummeln. Der Gatte war heute in einer Regenpause trotzdem bei einem Flohmarkt (vergaß seine Maske, konnte aber vor Ort eine erstehen), fand aber zum ersten Mal in der Geschichte der Flohmarktbesuche nichts. Gar nichts. Ich mache ein Kreuz in den Kalender. „Morgen ist ein guter Tag“ passt auch zur Corona-Lage: Morgen Abend wird unser Präsident öffentlich das verkünden, was alle Spatzen schon von den Dächern pfeifen: Die Grenzen nach Frankreich werden ab Montag, den 15. Juni wieder offen sein. Für die Details verweise ich gerne wie gehabt auf Hilke Maunder und ihren Blog. Falls Sie Hilke für ihren Blog und ihre Arbeit dankeschön sagen wollen, käme es zur rechten Zeit, Hilke braucht nämlich unsere Unterstützung. Sie ist freie Journalistin und sämtliche Aufträge für dieses Jahr sind ihr weggebrochen.

In diesem Zusammenhang danke ich von Herzen Christin J., die mir als Dank für meinen Blog diesen feinen selbst produzierten Little Crab-Wermut zukommen ließ. Bitterer und trockener und interessanter im Geschmack als die italienischen Vermouts, die man im Allgemeinen so kennt. Ich werde ihn den Gästen mal mit Tonic und Rosmarin anbieten oder mit Champagner, Himbeeren und Rosenblättern …

Ich bin in dieser Woche meinem ersten Verschwörungstheoretiker begegnet. Ich will das, was er glaubt, gar nicht erzählen, aber ich war so ernüchtert, denn ich mag den Mann, der auch noch mein Osteopath mit den heilenden Händen ist, so gern. Vielleicht hat es deswegen diesmal nicht geklappt, denn ich habe immer noch Rückenschmerzen.

Nächsten Mittwoch gibt es ein ZDF-Auslandsjournal zur Lage in Südfrankreich und Italien – die Autorin wurde zur Lage in Cannes interviewt, ich weiß nicht, wieviele Sekunden es letztlich werden, aber falls Sie reinschauen wollen, nur zu – ich kann es live leider nicht sehen und kann hier auch erst den Link nach der Veröffentlichung reinsetzen. Die Journalisten erzählten übrigens, dass das Flugzeug bis auf den letzten Platz besetzt war. Nix Distanz. Und man braucht wohl eine chirurgische Maske, wenn man in den Urlaub fliegen will, die hübschen Stoffmasken werden nicht akzeptiert.

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Essen gehen

Ziemlich exakt vor drei Monaten waren wir das letzte Mal auswärts essen. Seit heute sind die Restaurants in Frankreich, zumindest in der überwiegenden „grünen“ Zone, wieder geöffnet. Dort, wo es noch „orange“ ist, in Paris etwa, darf man bislang auf den Terrassen konsumieren. Wir hatten einen Tisch im kleinen Lieblingsrestaurant reserviert, wir wollten das Restaurant unterstützen und uns etwas Gutes tun. Unterwegs nach Théoule sahen wir hier und da Menschen auf Terrassen an Tischchen sitzen, nicht so wahnsinnig viele, es wunderte mich, aber klar, es ist Dienstag. Die meisten Menschen arbeiten wieder, zumindest die, die Arbeit haben. Ich bin sicher, dass die Öffnung der Restaurants erst nach Pfingsten erfolgte, damit die Restaurants nicht sofort von den Pfingsturlaubern überrannt würden. Das kleine Restaurant in Théoule, in einer Seitenstraße und ohne Meerblick, hat auf der Terrasse an der Straße die Tische weit auseinandergezogen, durfte einen Lieferparkplatz vor dem Restaurant zusätzlich begrünen und dort Tische aufstellen, dadurch ist es richtig nett geworden. Wir waren drei Paare, zwei Paare draußen, ein Paar drinnen, nicht viel, aber ein Anfang. Sehr nette Atmosphäre, feines Essen, wie immer. Wir nahmen einen Apéro, dazu gab es geröstete Brotscheiben mit hausgemachter Tapenade. Als Hauptgang wählten wir Fisch (Barracuda und einen anderen, an dessen Namen ich mich schon nicht mehr erinnere), cremige Polenta und knackiges Gemüse. Als Dessert hatte ich karamellisierte Champagnerzabaione auf frischen Früchten, der Gatte aß Brioche perdu mit Aprikosensorbet. Es war leicht und köstlich!

ps: Und ich war gestern beim Friseur! Muss mich aber erst noch an das kurze, erblondete Haar gewöhnen ;-)

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Pfingsten in Zeiten von Corona

Die ersten richtigen Pfingstrosen auf dem Markt erstanden, es seien die letzten der Saison, sagte mir der Blumenzüchter. Ich habe heute den Markt in die andere Richtung begonnen (Parcour est und nicht ouest), weil ich die letzten Male kein Geld mehr übrig hatte, um Blumen zu kaufen. Wenn man in einer vorgeschriebenen Richtung an allen Händlern vorbeigeschleust wird, die einen in einer nie gekannten Freundlichkeit ansprechen, ich kann da schlecht „nein“ sagen. Also zumindest nicht bei meinem Käsehändler. Dort ließ ich die letzten Male einen Teil des Markt-Budgets und so reichte es nicht mehr für die Blumen. Heute gabs also keinen neuen Käse, wir müssen sowieso erstmal den anderen aufessen.

Sehr hübsche Auberginen habe ich auch erstanden. Ich hätte ein Foto vom Stand machen sollen, es gab auch ganz kleine und sogar weiße Auberginen, fast so niedlich wie kleine Katzen ;) Mal sehen, was wir damit machen, vielleicht werden sie auch nur schnöde auf den Grill geworfen. Wir werden grillen heute. Gestern früh waren wir schwimmen, haben dann das neue Segel über den Hof gespannt und dann sofort wieder abgehängt, weil es prompt zu regnen begann. Abends war es so frisch, dass wir beinahe die Heizung angeschaltet hätten. Im Moment sieht es aber wieder gut aus.

Ich bin ganz begeistert von dem We Are One Global Filmfestival. Schauen Sie rein, wenn Sie Zeit haben! Ich zeige Ihnen drei Filme, die ich gestern angesehen habe. Der indische Film ist nur bis heute Abend anzusehen, die anderen beiden vielleicht etwas längere Zeit. In dem spanischen Film geht es um die Zusammenarbeit eines Kochs im Baskenland mit einem Musiker. Der junge Koch macht außergewöhnliches Essen und der ebenso junge Musiker komponiert dazu Musik. Sehr abgefahren. Mir esstechnisch zu anstrengend, aber superschön anzusehen und anzuhören. Spanisch (Baskisch) mit englischem Untertitel allerdings.

Den Alltag in einer französischen Sterneküche zeigt etwas realistischer dieser Kurzfilm (Monsieurs Sohn weiß noch ähnliche Geschichten aus seiner Zeit in einer 5-Sterne-Hotelküche zu berichten) Zehn Minuten, ohne Untertitel, aber sicher auch so verständlich. Sie müssen bestätigen, dass Sie verstanden haben, dass dieser Film eventuell schockierend sein kann, weshalb ich Ihnen nur den Link dorthin gegeb kann. Cru oder Blut, Schweiß und Tränen.  (<– Anklicken, dann etwas nach unten scrollen, den Youtube Button drücken (rechts), dann auf der schwarzen Seite bestätigen, dass man bereit ist, einen „unangemessenen“ Film zu sehen und dann sollte es losgehen)

Der dritte Film spielt in New Dehli, wo die Affen in der Stadt überhand nehmen und deswegen mit professionellen Affenvertreibern verjagt werden sollen. Pech nur, wenn man Angst vor den Affen hat … ah ok, geht schon nicht mehr, Sie können den Film noch bis heute Abend sehen (er ist nur 24 Stunden nach der gestrigem Premiere freigeschaltet), ich versuche es mit diesem Link, Ansonsten ist es der erste Film des gestrigen Tages (30. Mai) auf der Liste. Weiß nicht, ob Sie das überhaupt interessiert. Ist nur ein Angebot, wie alles hier :-)

Sehr schön heute die Linksammlung bei Herrn Buddenbohm!  Dort ein Interview mit Reinhard Mey. Jemand berichtet von seinem Einrichtungsfimmel nach Farben (und dem Bedürfnis nach blauem Toilettenpapier) und in diesem Bericht dann ein fantastischer Link zu einer kleinen Filmserie einer Toilettenpapiersammlerin! Ich liebe so etwas!


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Neun Minuten Paris

Fernweh? Lust auf Paris? Ich nehm‘ Sie mit zu einem Konzert mit Blick über die Dächer von Paris. Ein Beitrag des We Are One Global Film Festivals auf Youtube! Enjoy!

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We are one – Filmfestival

Fast hätte ich es vergessen, ich verdanke die Erinnerung der Riviera Zeitung: Heute beginnt das erste Online Filmfestival. A Historic Film Festival Event heißt es. Unter dem Titel We are one findet man unzählige Filme bereitgestellt von den unterschiedlichsten internationalen Filmfestivals, es gibt ja nicht nur Cannes, auch wenn man das hier gerne mal glaubt, es gibt Filme aus Tokyo, Jerusalem, Prag, Locarno, Berlin, Mumbai, Macao, San Sebastian, Sarajewo  … über einen Zeitplan sieht man, ab wann die Filme jeweils zu sehen sind, allein heute gibt es etwa vierzig Filme, wenn ich richtig gezählt habe, man soll sie aber auch später noch anschauen können, und das alles gibts die nächsten zehn Tage (29. Mai bis 7. Juni) kostenfrei auf Youtube, sofern das System nicht zusammenbricht, sagen wir so. Es hat durchaus eine Weile gedauert bis ich diese drei absolut wundervollen kleinen Kurzfilme des Annecy-Kurzfilmfestivals geladen hatte. Kostenfrei sage ich, gedacht ist aber, dass dieses Filmfestival Spenden für die COVID-19 Hilfe einspielen möge, so gibt es unter jedem Film über einen Spenden-Button eine Möglichkeit Geld zu spenden.

Ich bin so entzückt! Aber Monsieur, alter Kinogänger, den ich dazu gerufen habe, brummelt unwirsch „das verdient eine große Leinwand“. Filme im Internet anzusehen kommt für ihn nicht infrage. Tant pis pour lui, sage ich. Pech für ihn. Er verpasst etwas. Aber es ist sicher eine Generationenfrage. Und sicher ist das alles auf einer großen Leinwand noch schöner, ich bin aber auch so begeistert. Toll! Falls Sie also die nächsten zehn Tage nichts vor haben … schauen Sie rein! Bon Festival! Bonne séance!

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La Liberté …

na gut, fast, aber für uns war es heute unverhofft ein Feiertag mit all den Freiheiten, die man uns ab Dienstag wieder zugesteht. Der Premierminister, dessen Bart stellenweise weiß geworden ist durch den Stress der letzten Wochen,  war selbst beinahe überrascht von allem, was er uns ankündigen durfte. Wir sind ab kommenden Dienstag in der zweiten, drei Wochen dauernden, Lockerungsphase, nur in Paris und auf der Insel Mayotte, die noch in der „orange-Phase“ sind, wird es noch nicht ganz so locker zugehen dürfen. Aber im Rest von Frankreich dürfen ab 2. Juni Restaurants, Bars und Cafés wieder öffnen! Mit Hygieneregeln und einer Höchstzahl an Gästen pro Tisch, und man darf nicht stehend an der Bar konsumieren. Discos, Clubs, Konzerthallen und Stadien bleiben voraussichtlich noch drei Wochen gesperrt, aber Theater, Museen können wieder öffnen (Masken sind obligatorisch), Parks und öffentliche Gärten, Seen und Strände dürfen wieder genutzt werden … wir dürfen ab Dienstag auch wieder weiter als 100 km fahren, und Sie dürfen voraussichtlich ab 15. Juni wieder einreisen. Campingplätze werden wieder geöffnet, Hotels können mit gewissen Auflagen auch wieder Gäste empfangen und der Weg zu ihrem Ferienhaus steht Ihnen auf jeden Fall wieder offen. Genauer und immer tagesaktuell können Sie die neuen Regeln wie gehabt bei Hilke Maunder lesen.

Schule beginnt auch wieder ganz vorsichtig, aber Examen fallen weg und der große Enkel jubelte, weil das Abi-Examen für Französisch ausfällt und er mit den sehr guten Noten der vergangenen Monate sein Französisch-Abi schon locker in der Tasche hat. Er macht das Abi erst nächstes Jahr, aber das Französisch-Examen wäre noch in diesem Schuljahr gewesen. Fragen Sie mich nicht, wie französische Schule funktioniert, ich habe es nie verstanden, die Stundenpläne wechselten ständig und waren in der geraden Woche so und in der ungeraden anders.

Wir hatten diese Woche überraschend unseren ersten Besuch seit … knapp drei Monaten! Ein Cousin von Monsieur und seine Frau haben den ersten erlaubten aber in Seemeilen sehr eingeschränkten Ausflug genutzt, um von Toulon bis nach Cannes zu segeln. Wir nahmen unseren Apéro auf dem Boot ein und aßen später bei uns im Innenhof. Kein Händeschütteln, keine Küsschen. Als ich vom Steg aufs Boot hüpfte und dazu eine Hand brauchte, konnte mir nur Monsieur seine Hand anbieten. Man sagt jetzt „pas de bises“ und macht ein bedauerndes Gesicht. Und zum Abschied, nach einem wirklich sehr netten Abend, da sagt man es nochmal bedauernder „pas de bises“. Eine ältere Dame, eine Freundin der Schwiegermutter, die wir diese Woche spontan ebenso besucht haben, führte uns sofort in den Garten und wir saßen dort weit auseinander zusammen. Sie machte zum Abschied einen Luftkuss, diese Geste, mit der man manchmal große Gruppen begrüßt: man führt seine Hand an die Lippen, küsst sie und schickt den Kuss davon. Das immerhin ist möglich.

Anfang der Woche waren wir an einem anderen Strand zum Schwimmen, der Strand lag in der Nähe der Autowerkstatt und wir warteten darauf, dass das Auto in der Werkstatt fertig würde. Der Strand hatte mich schon immer mal gereizt, mehrere kleine Buchten hintereinander, von der Straße aus sieht es dort immer sehr nett aus. Der Strand ist aus natürlichem Sand und er ist ganz weich unter den Füßen. Die Buchten sind kleine Badewannen, es geht lange ganz flach ins Wasser, es gibt kaum Wellen und die Buchten sind zusätzlich mit Steindämmen gegen das Meer „draußen“ geschützt. Außerdem riecht es dort etwas nach verwesenden Algen. Alles eher langweilig, aber sehr sicher für Kinder und Senioren, sagen wir so. Der Strand wurde brav überwiegend dynamisch genutzt: Senioren liefen mit einem Aqua-Sport-Coach durchs Wasser.

Monsieur und ich schwammen, später machte ich Fotos. Der Strand war noch sehr schmutzig, ich fand allerhand komische Dinge und unter anderem einen Backenzahn! Ich habe alles nur fotografiert, Monsieur hat aber unverzagt Müll gesammelt. Bravo!

Obwohl ich dort nicht mehr hin muss, fand ich es gut, einen anderen Strand zu entdecken mit anderen Menschen und anderen (noch geschlossenen) Strandrestaurants. Der Strand liegt auch gegenüber des Golfplatzes. Und dort habe ich auch diese üppig blühenden Kakteen entdeckt. Es hat etwas von „Stadt entdecken“, von „Reisen in der eigenen Stadt“. Ich will irgendwann nochmal einen Text zum „anders Reisen“ schreiben. Weiß nur leider nicht, ob ich dazukomme.

Am nächsten Tag (das Auto war nicht fertig geworden) erneut am Strand, diesmal an unserem, ich hatte nagelneue Schwimmflossen und verlor eine gleichmal bei der ersten eleganten Fußbewegung. Ich sah ihr nach, wie sie im klaren Wasser nach unten sank. Ich kann nicht tauchen und trug außerdem meine Brille. So kommt es also auch zu Plastikmüll im Meer. Manchmal fragt man sich das ja.

Die Kioske sind seit Montag wieder geöffnet und die Möwen und Tauben warten …

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