Im Krankenhaus

Nur ein paar Tage später bekam meine Schwiegermutter eine Bronchitis. Auf tragische Weise eigentlich. Sie hatte es, wie in letzter Zeit immer öfter, nicht mehr rechtzeitig zur Toilette geschafft. Früh morgens rief J. an, die ältere Dame, die meiner Schwiegermutter vormittags Gesellschaft leistet und sich gleichzeitig um die Wohnung kümmert (Aufräumen, Geschirr spülen, Wäsche waschen, Bügeln); aufgeregt rief sie durch den Hörer: „Madame ist gefallen, ich kann sie alleine nicht aufheben!“ Wir fuhren in Windeseile zu ihr. Meine Schwiegermutter war frühmorgens auf dem Weg zur Toilette von ihrem dringenden Bedürfnis überholt worden und letzten Endes darin ausgerutscht. Es roch eklig in der Wohnung und ihre Ausscheidungen zogen eine Spur vom Schlafzimmer bis zum Flur, wo sie in ihren eigenen Exkrementen lag. Sie hielt sich seit Stunden tapfer und würdevoll in dieser erniedrigenden Situation. On glisse si facilement ici, entschuldigte sie sich. „Man rutscht hier so schnell aus.“ Wenn es nicht so tragisch gewesen wäre, hätte ich gelacht. Ich band mir mein Halstuch um Nase und Mund, bückte ich mich und gemeinsam mit Monsieur hoben wir sie auf. Sie wiegt nicht mehr sehr viel. Wir setzten sie auf einen Stuhl. Immerhin hat sie sich nicht verletzt. Monsieur und die kleine Dame reinigten den Fußboden, die Teppiche und entkleideten, duschten und zogen meine Schwiegermutter, die nach solchen Aktionen immer lammfromm und reizend ist, wieder an. Wir sammelten die Handtücher, die Wäsche, die Bettvorleger und alles andere in große Plastiktüten und ich nahm alles mit nach Hause und wusch es dort, und noch ein zweites Mal mit Chlorbleiche gegen die Flecken. Um die müffelnde Wohnung durchzulüften, riss die kleine Dame alle Fenster und Türen auf. Meine Schwiegermutter saß eine Weile im Durchzug und bekam schwupps eine Bronchitis. Am nächsten Morgen lag sie schwach und fiebrig im Bett und röchelte nur noch. Die Hausärztin überwies sie in das nahegelegene Krankenhaus, eine Privatklinik. Hier lag sie letztes Jahr um diese Zeit schon einmal, und der Aufenthalt im Krankenhaus hatte seinerzeit ihre Verwirrung beschleunigt. Sie war und ist seit damals völlig durcheinander, was die Zeit anging: morgens oder abends, tags oder nachts, gestern, heute oder morgen ist alles eins. Das Durcheinander bekam sie auch von einem Wecker mit großer Zeitanzeige im 24 Stunden-Modus nicht mehr in den Griff, und weder die Besuche der Krankenschwestern oder die von Monsieurs und seiner Tochter regelten ihren Tag. Oft rief sie nachts um 3 Uhr an und fragte leutselig, wann wir denn kämen. Sie habe den ganzen Tag niemanden gesehen, weder die Krankenschwestern, noch J., die kleine Dame, seien gekommen. Wir sagten, es sei mitten in der Nacht und nicht der Moment, Leute anzurufen, wir und alle anderen kämen sicher am nächsten Morgen. „Dann nehme ich jetzt mein Frühstück“, sagte sie. Nach jedem Schläfchen war ein neuer Tag für sie. Mehrfach nahm sie ihr Frühstück ein, immer empört, dass schon wieder jemand vor ihr aus ihrer Tasse getrunken hatte und wieder etwas von dem weichen Kuchen fehlte. „Ich weiß es jetzt“, sagte sie eines Tages mit Entschiedenheit. „Es kommen morgens heimlich Leute und sie essen mein Frühstück auf!“

Jetzt ist sie wieder im Krankenhaus. Sehr schwach dieses Mal. Sie hat auch ein Problem mit dem Herzen, wird festgestellt und zusätzlich zur Bronchitis hat sie Wasser in der Lunge. Ein paar Tage lang dachten wir, das wars. Es ist das Ende. Monsieur schlief schlecht, saß stundenlang am Bett seiner Mutter, die nur stark röchelte und rasselte, und sich nicht mehr mitteilen konnte. Sie hing die ersten Tage an der Perfusion, hatte eine Sauerstoffmaske und bekam im Krankenhaus Windeln angezogen, denn aufstehen und zur Toilette gehen, kann sie nun nicht mehr. Aber langsam, kaum merklich wurde ihr Zustand besser. Sie röchelte weniger. Sprach wieder verständlich, wenn auch inkohärent. Aber weder konnte sie alleine essen noch ihr geliebtes Mobiltelefon benutzen. Sie hielt es in den Händen und drehte es in alle Richtungen, aber sie wusste nicht mehr, wie sie damit telefonieren sollte.

Monsieur und seine Tochter entscheiden zusammen mit der Ärztin, dass meine Schwiegermutter direkt vom Krankenhaus in ein Alters-/Pflegeheim kommen wird. „Zur Konvaleszenz“ sagen wir ihr. Nach Hause will sie, jammert sie zwar, aber dort wird sie nicht mehr hinkommen. Monsieur hat ein schlechtes Gewissen, er hatte ihr zugesagt, dass sie bis zum Schluss bei sich sein dürfe, aber er ist mit seiner Kraft auch am Ende. Seit einem Jahr unterstützen wir sie täglich, organisieren ihren Alltag, kaufen ein, fahren sie zu Ärzten, zur Bank und wo immer sie hinmöchte und verbringen Zeit mit ihr. Es ist nie genug. Sie ist anspruchsvoll und fordernd und nie zufrieden. Wir sind seit einem Jahr nirgendwohin gefahren, um im Falle eines Falles da zu sein. Noch mehr Hilfe schafft er/schaffen wir nicht. Als Monsieur vor ein paar Wochen erstmals ein Altersheim ansprach, hatte sie ihn noch zornig beschimpft und mit ihrer Handtasche geschlagen. Nie im Leben! Die Ärztin übernimmt es also, ihr die „vorübergehende“ Aufnahme im Heim zu vermitteln. Die Ärztin wird sie hoffentlich nicht schlagen. Das Heim ist, anders als ihre Wohnung, die am anderen Ende der Stadt liegt, nur durch einem Park von unserem Haus getrennt. In zwei Minuten zu Fuß können wir da sein. Es ist ein luxuriöses Heim mit schönen großen Zimmer, Blick auf die Stadt und einen Garten, und mit viel Personal. Die meisten, die „zur Probe“ kommen, sagt man uns im Heim, sind nach ein, zwei Monaten von den Annehmlichkeiten überzeugt. Nun, hoffen wir das. Wir sind auf jeden Fall erleichtert. Oder sagen wir, ich bin erleichtert. Monsieur trägt an seinem schlechten Gewissen. Von meinen Schultern aber fiel so eine große Last, als die Entscheidung für das Heim gefallen war! Ich war überrascht, es so stark zu spüren, ich wusste gar nicht, wie schwer die Situation auch für mich zu tragen war. Ich denke, wenn wir nicht mehr mühsam den Alltag meiner Schwiegermutter, die ja „niemanden braucht“, aufrechterhalten müssen, haben wir auch wieder mehr Energie und können anders mit ihr umgehen. Diese unsinnigen Streitereien darüber, dass sie die tiefgefrorenen Lebensmittel komplett aus dem Gefrierfach nimmt und in ihren Küchenschrank lagert zum Beispiel, wo sie dann aufgetaut vergammeln und Ungeziefer anziehen, bevor sie von uns weggeworfen werden, nur um umgehend wieder neu für sie einzukaufen, diese Streitereien und anderes dieser Art (ein brennender Putzlappen in der Mikrowelle, herumliegendes oder verstecktes Geld, versteckte Papiere, Rechnungen, Rezepte, Kreditkarten und die stets weit aufstehende Wohnungstür) gehören nun der Vergangenheit an.

Vorhin klingelte das Telefon. Meine Schwiegermutter hat ihr Mobiltelefon wieder im Griff. „Die geben mir hier kein Frühstück!“ beschwerte sie sich um 15 Uhr. Monsieur stöhnt und lacht gleichzeitig. Er hat den Nachmittag mit ihr verbracht. Langsam, ganz langsam ist sie auf dem Weg der Besserung. Sie hustet noch immer, aber sie hält den Löffel nun wieder selbst beim Essen. Sie will nicht ins Heim. Sie will nach Hause. Sie hat einen eisernen Willen.

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Celestial

Heute kam Celestial an: ein Gemälde von Susie Lubell. Ich folge der amerikanisch-israelischen Künsterlin Susie Lubell schon lange, ich mag, was sie macht. Jetzt habe ich mir eines ihrer Bilder selbst geschenkt. Es hängt im Schlafzimmer, genau dort, wo ich es haben wollte. Es passt. Es ist wundervoll. Ich bin verliebt, sitze immer wieder auf dem Bett und schaue es an. Und das Schönste, Monsieur gefällt es auch.

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Cannes : es geht los!

Das Filmfestival 2019 hat begonnen. Mit dem diesjährigen Plakat wird die vor kurzem verstorbene Filmemacherin Agnes Varda geehrt. Sie ist es, die dort auf dem Rücken eines Technikers steht und ihren ersten Film La Pointe Courte dreht. Hier ein paar Eindrücke von heute: Die Stadt füllt sich: Touristen, Journalisten, Filmschaffende. Menschen mit Rollkoffern laufen die Straßen entlang, andere haben schon ihren Badge, ihre Akkreditierung, ich hörte allerdings auch einen Mann, der nervös vor dem Palais herumlief und laut in sein Telefon rief, dass „das mit der Akkreditierung nicht geklappt habe“. Nicht lustig vermutlich. Die Leitern der Fotografen. Möwen, die sich vom Abfall ernähre. Obdachlose gegenüber des Palais in der kleinen Grünanlage. Cannes, zu Zeiten des Festivals.

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WMDEDGT 05/2019

Heute ist der Fünfte und Tagebuchbloggen ist angesagt, Dank für Idee und Ausführung von WMDEDGT (kurz für: Was machst du eigentlich den ganzen Tag) geht an Frau Brüllen, die ich leider gerade nicht verlinken kann (irgendwas spinnt in meinem Programm, wir versuchen das zu lösen). Los gehts. Um halb Acht werde ich wach. ich habe gestern noch bis spät in die Nacht Europa 24 auf Arte geschaut und bin jetzt entsprechend unausgeschlafen. Ein halbes Stündchen kuschele ich mich an Monsieur, der, nachdem er frühmorgens Geschirr gespült hat, nochmal unter die Decke gekrochen ist. Er ist aber viel wacher als ich und würde gern schon reden. Ich nicht.

Um Acht stehe ich auf und mache mir Grüntee und Obsalat mit Müsli. Fast ein Jahr lang hat mir Monsieur morgens Kaffee und Rührkuchen ans Bett gebracht, damit ich in Ruhe wach werden kann. Es war sehr toll. Ich fühlte mich jeden Morgen wie eine Königin. Ich versuche es, aus Gründen, mal wieder ohne Kaffee, und die komplizierte Tee und Obstsalatvariante will Monsieur sich nicht merken. Also meditiere ich mich beim Obstschnippeln wach. Danach frühstücke ich und Pepita schnurrt auf meinen Knien. Ich mache Monsieur Andeutungen, die er richtig versteht und ohne viel Gebrüll und Drama bekommt das Kätzchen sein Antiflohmittel in den Nacken gerieben. Danach ist es trotzdem gekränkt. Pepita hat den beleidigten „Man kann niemandem mehr vertrauen“-Blick. Ich lese ein bisschen im Internet herum. Im Bergdorf hat es geschneit. Bei uns hats nur gewittert und geschüttet und es ist kalt geworden. Die Wäsche von gestern, abends schon fast trocken, ist wieder klitschnass und das Leintuch schleift schwer auf dem Terrassenboden. Wir werden es nochmal waschen.

Um neun gehe ich ins Bad. Monsieur, morgens schon viel dynamischer, werkelt im Haus herum. Um halb zehn bügele ich ein T-Shirt trocken, das ich anziehen will und außerdem zwei Vorhänge. Um zehn Uhr bin ich angezogen und frisch geföhnt und sitze bereits am Schreibtisch und… prokrastiniere, um hier zu schreiben.
Man sollte das (berufliche) Schreiben wie eine Liebesaffaire ansehen, habe ich neulich irgendwo gelesen. Wenn man eine heimliche Affaire hätte, würde man in jeder freien Sekunde mal hier eine SMS mal dort eine Mail tippen. Fiebrig, hellwach und intensiv. Diese Intensität solle man so für seine Arbeit einsetzen und mit fiebrigem Blick mal schnell zwei Sätze reinhauen. Ich starre auf den Bildschirm. Klappt nicht so ganz. Und dann doch.

Halb elf. Wir rufen die Schwiegermutter an, die gestern sagte, dass sie uns heute gerne ins Restaurant einladen will. Das heißt, sie will ausgehen. Ich war nicht begeistert. Es ist äußerst mühsam, sie von A nach B zu transportieren. Sie kann kaum noch laufen, ist halb verwirrt, was sie aber leider nicht liebenswürdiger gemacht hat, aber sie hat einen eisernen Willen. Sie kann natürlich alles noch selbst. Nein, sie braucht keine Hilfe. Wir erreichen Sie nicht, vermutlich hört sie das Telefon nicht, wir fahren direkt zu ihr und reservieren einen Tisch im Lieblingsrestaurant.

Nun, ich habe lange überlegt, ob ich das mit meiner Schwiegermutter hier so öffentlich machen soll, ich will sie nicht bloßstellen, will ihre Veränderung aber eigentlich schon lange dokumentieren und der Blog ist einfach eine gute Möglichkeit. Wenn Sie das zu privat finden und bevor Sie mir dazu kritische Mails schreiben, schlage ich vor, Sie lesen es nicht, sondern überspringen für dieses Mal bitte den Tagebucheintrag. Bitteschön. Sie wissen, worauf Sie sich einlassen.

Wir haben anderthalb Stunden eingeplant, eine Stunde, um sie fürs Ausgehen vorzubereiten, eine halbe Stunde für die Fahrt. Ihre Wohnungstür steht weit offen. Sie schläft, angezogen aber zusätzlich im Morgenmantel auf dem Diwan im Wohnzimmer und ist überrascht, uns zu sehen. Es dauert einen Moment, bis sie sich zurechtgefunden hat. Möchtet ihr einen Kaffee? fragt sie als perfekte Gastgeberin. Wir lehnen ab. Ob sie mit uns Essen gehen möchte? Gerne, sagt sie und freut sich. Sie hat eine Tasse Suppe gefrühstückt, erzählt sie uns. Suppe? Ja Suppe. Vermutlich hat schon wieder „jemand“ ihr eigentliches Frühstück aufgegessen. Das kommt immer häufiger vor. Es sind schon einmal „sechs Personen“ vor ihr in der Küche gewesen! Sie räkelt sich auf dem Diwan. Essengehen wäre schön, nur, wendet sie dann ein, die Krankenschwester, die ihr die Medikamente gibt und sie duscht und anzieht, war noch nicht da. Außerdem ist es auf dem Diwan im Morgenmantel gerade so schön warm und draußen sieht es nicht so gut aus. Wir wollen die Krankenschwester anrufen, um zu hören, wo sie ist, und um sie eventuell abzubestellen. Wir suchen das Telefon. Es findet sich in der kleinen Papiertüte, in der meine Schwiegermutter gerade alles Wichtige aufbewahrt. Wir finden darin auch das Mobiltelefon. Es blinkt grün und rot. „Sieht so aus, als habe jemand angerufen“, sagt sie und betrachtet meditativ das Blinklicht, schafft es aber nicht, das Telefon zu öffnen. Ich öffne das Telefon für Sie. Tatsächlich haben wir angerufen (grünes Blinken). Und der Akku ist fast leer (rotes Blinken). „Sie müssen es aufladen!“, sage ich, „der Akku ist fast leer, deswegen blinkt es rot!“ „Nein!“ Sagt sie entschieden und lächelt mich schlau an. „Niemals.“ „Naja“, sage ich.  „Es wäre schon besser, es ist gleich leer, schauen Sie“, und ich zeige ihr das leere Batteriesymbol.“ „Nein“, sie schüttelt wieder den Kopf. Ich zucke mit den Achseln. „Da muss man nur hier irgendwo was reinstecken“, sagt sie und dreht das Telefon in alle Richtungen. „Genau“, sage ich, „das meine ich.“ Monsieur nimmt kurzerhand das Telefon und steckt es an das Ladekabel des Akkus auf der Kommode im Eingang. In der Zwischenzeit ist die Krankenschwester, die wir noch nicht angerufen haben, gekommen. Sie macht „die Toilette“ mit meine Schwiegermutter, wäscht sie, zieht ihr ein neues T-Shirt an, frisiert sie und gibt ihr die Medikamente. Das alles in flotten 15 Minuten. Ich ziehe derweil die Decken auf dem Diwan glatt, schüttele die Kissen auf und finde dahinter Geldscheine, Kekskrümel, Stofftaschentücher und eine Handtasche. Ich lasse, bis auf die Krümel, alles da, wo es ist. Danach muss meine Schwiegermutter sich erst mal wieder auf dem Diwan ausruhen. Wir ziehen ihr die Schuhe an, suchen eine mittelwarme Jacke, ein nicht zu dickes Kissen. „Müssen Sie nochmal auf Toilette, bevor wir losgehen?“, wage ich zu fragen. „Pardon?“, fragt Sie zurück. „Toilette“, wiederhole ich fragend. Sie lächelt ein bisschen überheblich. Ne vous inquietez pas pour moi! Das ist ihr Standardsatz, wenn Sie etwas höflich ablehnt, manchmal sagt sie es auch, wenn sie etwas nicht versteht.  Machen sie sich um mich keine Sorgen. Nun gut. Wir beraten, was aus der Papiertüte vorübergehend in die Handtasche zum Ausgehen umgelagert werden kann (Geld, Scheckkarte) Sie zieht einen Umschlag nach dem anderen aus der Papiertasche, schaut hinein und überlegt. „Maman“, sagt Monsieur, „wir warten auf dich.“ Entschlossen nimmt sie Papiertüte und versteckt sie hinter einem Sofakissen. Zerrt hinter dem anderen Sofakissen die Handtasche hervor, öffnet sie, und hier jetzt das gleiche Spiel. Alles wird herausgezogen und angeschaut. „Maman“, sagt Monsieur, „wir wollen los.“ „Frag du mal wegen Toilette“, sage ich leise. „Bei mir findet sie das unschicklich.“ „Musst du nochmal auf Toilette, Maman?“ Entschiedenes Oui! Na klar. Nun, auch das dauert. „Ich fahr schon mal den Wagen vor“, sage ich, aber niemand außer mir findet den Satz witzig. Ich sage es natürlich auf französisch und vielleicht sagt Harry es in dieser Sprache anders, vielleicht ist Derrick in Frankreich auch nur einfach nicht so kultig (vor allem nicht in der Generation Monsieurs und meiner Schwiegermutter). Ich fahre das Auto in die Wohnanlage und stelle mich direkt vor die Eingangstür. Sie kommen in Zeitlupe. Während ich ihr helfe, ins Auto einzusteigen, muss Monsieur nochmal mit unserem Schlüssel hoch, um die Wohnung abzuschließen, den Schlüssel der Schwiegermutter haben sie nicht gefunden. Wir fahren los und meine Schwiegermutter ist so vergnügt, wie sie eben sein kann. Wo fahren wir hin? Théoule. Théoule? Ja, Théoule. Wir kommen an. Die drei Meter und zwei Stufen, die es zu überwinden gilt, um ins Restaurant zu gelangen, sind beschwerlich, aber keinesfalls würde meine Schwiegermutter außerhalb ihrer vier Wände einen Rollator, déambulateur heißt das hier, verwenden. Sie sitzt, den Rücken an das Kissen gelehnt und ist zufrieden. „Wir waren lange nicht mehr hier“, sagt sie. „Da ist ein neues Haus“, stellt sie beim Blick aus dem Fenster fest. „Was ist das? Ein Krankenhaus?“ „Das steht da schon immer“, meint Monsieur. „Das ist ein Wohnhaus.“ Es gibt ein Gläschen Champagner und geröstete Brotscheiben mit einem Töpfchen hausgemachter Tapenade. Das Brot ist zu hart. Sie hat vor kurzem eine Brücke mit vier Zähnen verloren und kann nicht mehr gut kauen. Letzte Woche war sie beim Zahnarzt, bekommt den Ersatz aber erst nächste Woche. Ich hole ihr das Weiche aus den Weißbrotscheiben, die man uns freundlicherweise auch hingestellt hat und gebe ihr etwas von der Tapenade darauf. „Wir haben hier doch mal dieses Picknick am Strand gemacht, erinnerst du dich?“, fragt sie Monsieur. „Welches Picknick?“ „Na mit Fernand.“ „Mit Fernand? Maman, das ist über fünfzig Jahre her!“ Aber was sind schon fünfzig Jahre. Meine Schwiegermutter erinnert sich peu à peu an ganz viele Dinge. Ein Schiff, das Hotel und Restaurant war, zum Beispiel. An die Eisenbahnbrücke, die bei der Befreiung bombardiert wurde. Alles schon eine Weile her. Nur das Gebäude vor dem Fenster, das ist neu. „Was ist das für ein Gebäude?“, fragt sie wieder. „Ich habe das noch nie gesehen. Ein Collège?“ Wir fragen diesmal vorsichtshalber die Bedienung. Ein Wohnhaus. Steht da schon immer. Aha. Monsieur fragt seine Mutter leichtsinnigerweise nach einer bestimmten Familie. Wie habt ihr euch kennengelernt? Meine Schwiegermutter denkt nach. Sie vergisst darüber das Essen, das ohnehin schwierig zu bewältigen ist. Für mich ist es nicht leicht zu ertragen, diese alte Dame, die solchen Wert auf Manieren und Tischsitten legt, essen zu sehen wie ein Kleinkind. Das mit der Gabel ist manchmal so schwierig und das, was letztlich im Mund landet, ist wenig. Dazu kommt, dass das Gemüse zu knackig ist, nicht weich genug, sie lutscht darauf herum und nimmt alles nacheinander mit den Händen wieder aus dem Mund und legt es auf den Teller zurück. Nur ein bisschen Fisch kommt wirklich im Magen an. Das alles geht in Zeitlupe. Eine Stunde etwa für den Hauptgang. Sie muss so viel nachdenken und holt immer mal eine Information zu besagter Familie aus ihren Hirnwindungen hervor. Einen Namen. „War der nicht Gendarm?“, fragt Monsieur. „Der war Chauffeur des Commissaires“, weiß Sie, wie aus der Pistole geschossen. Jetzt muss sie auf Toilette. „Das dauert hier alles so lang“, entschuldigt sie sich. Nur deswegen „muss“ sie jetzt. Wir haben das Restaurant nicht nur gewählt, weil es unser Lieblingslokal ist, sondern weil dort dieses Örtchen ebenerdig und somit für sie gut erreichbar ist. Sie kann sich aber kaum noch erheben. Sie ächzt und stöhnt. Monsieur begleitet sie.  „Schließ nicht ab“, sagt er warnend und wartet davor. Es dauert. Das Dessert wird serviert. „Alles in Ordnung Maman?“, höre ich Monsieur halblaut fragen. Sie antwortet nicht. „Maman?“ Er klopft an die Tür. „Besetzt!“, schreit sie panisch auf. Die Leute im Lokal amüsieren sich leise. Monsieur kommt und geht, immer zwischen einem Häppchen Dessert und der besagten Tür hin und her. Maman? Letzen Endes öffnet er entschlossen die Tür und findet seine Mutter dort wie ein Häufchen Elend vor. Er muss ihr helfen die Hose wieder hoch- und anzuziehen. Sie hat es nicht mehr geschafft, sich so tief zu bücken. Zurück kommt sie kaum noch, plumpst erschöpft auf den Stuhl, freut sich aber über die Creme Brulée, denn die immerhin ist weich, süß und köstlich. Sie isst sie beinahe vollständig auf. Trinkt noch einen großen Schluck Wein und bestellt einen Kaffee. Zum Kaffee gibt es ein kleines Küchlein, aber es ist etwas trocken, so dass sie es, gute Französin, in den Kaffee tunken will. Leider plumpst es dabei komplett hinein. Sie ist erschrocken, ich tue so, als habe ich es nicht gesehen. Sie bewahrt die Contenance und rührt ein bisschen im Kaffee herum und holt später mit dem Löffel das aufgeweichte Küchlein wieder heraus. Auf dem Weg zum Mund plumpst es leider wieder zurück, es platscht in den Kaffee und hinterlässt Kaffeespuren auf dem Tisch und auf ihrem weißen Shirt. Normalerweise ist immer jemand anders schuld, wenn ihr etwas nicht gelingt. Im Zweifelsfall derjenige, der versucht zu helfen, damit eben nichts passiert. Weswegen niemand mehr hilft. Das ist ihr in der Regel ganz recht. Sie braucht niemanden!, wird sie nicht müde zu beteuern. „Naaaaiiiin“ schreit sie immer wie ein trotziges Kind auf, wenn trotzdem jemand versucht, ihr ein Glas aus der zitternden Hand zu nehmen. Diesmal aber gibt es keinen anderen Schuldigen. Und es ist ihr peinlich. Noch peinlicher ist ihr, dass ich es gesehen habe. Und ich habe gesehen, dass Sie gesehen hat, das ich es gesehen habe. Wie unangenehm. „Wir gehen!“ Entscheidet sie nun barsch. „Es hat alles viel zu lange gedauert hier. Frag mal nach der Rechnung“, fordert sie Monsieur auf. Monsieur erhebt sich und geht zahlen. Sie sucht in ihrer Tasche. „Wir können gehen“, sagt Monsieur. „Natürlich nicht, ich habe nicht bezahlt und ich finde meine Karte nicht“, sagt sie. „Ich habe schon bezahlt“, sagt Monsieur. „Mit meiner Karte?“ „Nein mit meiner Karte.“ „Dann gib mir meine Karte zurück!“ „Ich habe deine Karte nicht, Maman. Wir haben sie vorhin bei dir nicht gefunden, deswegen habe ich gezahlt.“ „Aber ICH wollte zahlen!“ Sie ist verärgert. „Oui, Maman.“ „Ich hol schon mal das Auto“, sage ich und ziehe mich aus dem Konfliktfeld zurück. Ich halte vor dem Restaurant. Der Weg zurück zum Auto (zwei Stufen, drei Meter) ist für sie sehr mühsam. Erschöpft sitzt sie irgendwann im Auto und ich höre sie zum ersten Mal sagen „Ich bin zu alt, ich kann das nicht mehr .“ Es rührt mich. Dann aber sucht sie erneut in ihrer Handtasche, zieht jeden Zettel, jeden Umschlag mehrfach heraus und betrachtet ihn, sie findet ihre Kreditkarte nicht und wird böse: „Alle wühlen in meinen Sachen herum, deswegen finde ich nichts mehr. Du hast mit meiner Karte bezahlt!“ „Nein“, sagt Monsieur. „Ich habe mit meiner Karte bezahlt.“ „Dann gib mir jetzt meine Karte zurück!“ „Ich habe deine Karte nicht, Maman. Die ist irgendwo zuhause, wir suchen sie dort.“ Sie schimpft und schimpft und wird immer lauter. „Diese Manie, in meinen Sachen herumzuwühlen! Zusätzlich zu all denen, die meine Sachen verstecken und stehlen! Und jetzt hast du mir meine Karte weggenommen …“ Alle Versuche, sie zu beruhigen und abzulenken (Maman, schau mal die schneebedeckten Berge! Schau mal die Kreuzfahrtschiffe! Schau mal das Meer!) schlagen fehl. Leider hat sie von der ganzen Strecke am Meer entlang nur das Innere ihrer Handtasche gesehen. Mit dem Kopf nach unten und in ihrer Tasche wühlend sitzt sie auch noch minutenlang, als wir vor ihrem Haus stehen. „Maman“, sagt Monsieur. „Verzeihen Sie, das Spektakel, das ich Ihnen gegeben habe. Ich bin zu alt, ich kann nicht mehr ausgehen“, sagt sie zum Abschied zu mir. Es rührt mich wieder. Seit Monaten denken wir bei jedem Ausgehen, es könnte das letzte Mal gewesen sein. Heute ist es vermutlich wirklich das letzte Mal gewesen. Monsieur begleitet sie nach oben. Dort suchen sie etwa eine halbe Stunde die von Monsieur „gestohlene“ Kreditkarte. Ich bin froh, dass ich nicht dabei bin. Als wir aus der Wohnanlage hinausfahren wollen, fehlt uns der „Biep“, die Fernbedienung für das Tor. Sie lag vorne im Auto und vermutlich hat meine Schwiegermutter sie eingesteckt. Monsieur geht noch einmal zurück. Sie weigert sich, uns die Fernbedienung zu geben und klammert sich an ihre verschlossene Handtasche. Die Fernbedienung gehört ihr. Es ist ihre Wohnung und ihre Wohnanlage! Nun gut. Wir schaffen es trotzdem raus. Um 16 Uhr sind wir zuhause. Wir finden auf Anhieb einen Parkplatz, das haben wir auch verdient nach unserer heutigen BA, der bonne action, einer „guten Tat“. Dann aber suchen wir schon wieder, diesmal eine Luftpumpe für die Enkel, die mit dem Fahrrad loswollen, füttern die maunzende Pepita, danach sinken wir ins Bett zur Sieste. Ich döse nur, Monsieur aber schnarcht erschöpft. Um Viertel vor Fünf stehe ich auf und schreibe hier.

Monsieur sieht jetzt Tennis im Fernsehen. Seit Monaten kommt nur Tennis, scheint mir. Ich wollte eigentlich noch etwas anderes Schreiben, aber ich bin zu müde, keine Energie für meine „Liebesaffaire“. Ich hole die Wäsche rein, die jetzt trocken ist. Das Leintuch wandert gleich zurück zur Schmutzwäsche. Später werde ich noch etwas bügeln und dabei fernsehen. So war mein Tag. Danke fürs Lesen. Und die anderen Tagebuchblogger finden Sie wie immer hier 


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Das Meer und die Mörder

„Guck mal Papa!“ habe ich vorhin gerührt gesagt. Mein Vater hat bis zu seinem Tod für die FR gearbeitet. Das war/ist „unsere“ Zeitung. Wie stolz wäre er darauf! Ich freue mich daher besonders über diesen schönen Artikel in der Frankfurter Rundschau. Danke nach Paris an Birgit Holzer!

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Europa und die Welt

Am 26. Mai ist Europawahl. Ich weiß nicht, wie Sie zu Europa stehen. Solange ich in Deutschland gelebt habe, fühlte ich mich von der Europa-Frage nicht wirklich betroffen oder sagen wir, es war mir so selbstverständlich, dass wir in Europa näher zusammenleben, arbeiten und wirken sollten, na klar war ich dafür. Ich war sehr überrascht, dass in Frankreich, als ich damals 2005 ankam, überall Plakate hingen, die ein Referendum gegen Europa forderten. Auf dem Hof wurde ich auch sofort zu Europa befragt und meine kleine Meinung, die ich schüchtern in meinem rudimentären Französisch stammelte, wurde dort belächelt. Sie redeten auf mich ein, sprachen mir von den Schwierigkeiten, die die Landwirtschaft zu erwarten habe, sprachen von Normen und Dingen, die ich nicht verstand. Noch 2009, als ich schon in Frankreich lebte und als Deutsche zum ersten Mal an einer Europawahl hätte teilnehmen können, habe ich nicht gewählt. Um in Frankreich wählen zu dürfen, hätte ich mich im Vorjahr noch in der Stadt- bzw. Dorfverwaltung auf die Wählerliste einschreiben müssen. Das habe ich versäumt. Ich ging also Anfang Juni 2009 nicht zur Wahl. Ob ich denn in Deutschland mittels Briefwahl gewählt hätte, wurde ich damals vom Bürgermeister der kleinen Dorfgemeinde, in der ich lebte, gefragt, der seine Wähler und Wählerinnen an zwei Händen abzählen konnte. Nö, sagte ich, ich wähle nirgends. Der Bürgermeister konnte es nicht fassen, dass ich, eine intelligente Frau, die Europa „lebte“, war ich doch von Deutschland problemlos nach Frankreich geswitcht, nicht dafür wählen ging. Ich spürte, dass ich an diesem Tag etwas von seiner Achtung verlor. Aber Europa existierte für mich, was gab es da schon zu wählen. Fünf Jahre später, bereits in Cannes, schleppte ich mich, trotz Bänderriss, dann erstmals zum Wahllokal. Monsieur hatte mich im Vorjahr rechtzeitig zur Stadtverwaltung geschickt, damit ich dort das Prozedere des Einschreibens hinter mich brachte und eine Carte électorale beantrage; denn im Jahr 2014 war auch die Bürgermeisterwahl in Cannes, an der ich auch teilnehmen konnte und wollte. Zwei Wahlen, dreimal wählen, es lohnte sich also.

Dieses Jahr aber, 2019, angesichts der nationalen Bewegungen überall, ist mir Europa erstmals wichtig. Dass es Europa vielleicht bald nicht mehr geben könnte, will ich mir nicht vorstellen. Nein, ich habe keine Lösung für alles, aber ich finde die Idee Europa nachwievor eine gute. Daher gehe ich wählen und mache ich mein Kreuz für Europa!

Das Europa-Parlament ist nach dem Verhältniswahlrecht zusammengesetzt und Sie wählen direkt die Personen, für die Sie gestimmt haben. Ich zitiere mal Jose Bovet von der (grünen) Confédération paysanne, der sich dieses Jahr nicht mehr aufstellen lässt, aber dazu aufruft, wählen zu gehen, weil jede Stimme zählt: „Je dirais que s’il y a une élection où chaque voix compte, c’est l’élection européenne puisque les sièges sont répartis à la proportionnelle intégrale. Et donc à partir de ce moment-là, on aura les élus pour lesquels on aura mis un bulletin de vote. Donc, s’abstenir dans l’élection européenne,  c’est la plus grosse erreur à faire. J’appelle vraiment les gens à se mobiliser et à voter véritablement pour les gens de leur choix„. Weiterhin sagt er, dass das man im Europäischen Parlament wirklich Dinge bewegen könne. Es gibt dort keine automatische Mehrheit für ein Thema, man müsse sie wirklich erarbeiten und jeder Abgeordnete zähle. „Je dirais que c’est un endroit où on peut faire bouger les lignes où on peut s’engager. C’est un Parlement qui est élu à la proportionnelle et donc chaque député compte. Comme il n’y a pas de majorité sur chaque thème, on construit une majorité et donc on peut faire changer les choses.“

Bitte gehen Sie wählen! Und wenn Sie Ihr Kreuz auch für Europa machen, tant mieux. Im Internet kursiert die make-a-cross-Applikation. Falls Sie es offen zeigen wollen, dass Sie für Europa wählen gehen.

Auf Arte, Sie wissen schon, meinem Lieblingssender, gibt es am Samstag von 6 Uhr morgens an 24 Stunden Europa zu sehen. Junges Europa. Die Generation nach uns, ich vermute Sie ja eher alle in meinem Alter, nicht wahr. Es ist nicht idyllisch, aber spannend! Lassen Sie uns (weiterhin) aufeinander zugehen!

Weg von Europa und einmal um die Welt ist Guirec Soudée mit seinem Segelboot gefahren, allein, nur begleitet von seinem Huhn Monique, das ihm selbst im größten Sturm fast täglich ein Ei gelegt hat. Was für ein Abenteuer! Ich finde den jungen Mann großartig, und erst dieses Huhn! Ich lese gerade sein Logbuch, es ist faszinierend!

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Maiglöckchen – Les Muguets

Es ist der 1. Mai. In Frankreich gibt es, neben den Mai-Demonstrationen, auch die Tradition, sich mit Maiglöckchen Glück zu wünschen. Hier ein Filmchen zur Geschichte der Maiglöckchentradition. ps: Dass die Demonstrationen friedlich ablaufen, ist allerdings auch schon Geschichte … (pps: ich fürchte allerdings, wenn Sie nicht zu FB gehören, können Sie das Arte-Karambolage Filmchen nicht ansehen, tut mir leid, hab schon alles durchgesucht, finde es nirgends anders) Wie dem auch sei! Viel Glück! Und einen schönen 1. Mai, wie auch immer sie ihn verbringen!

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Für Sie in Cannes

Es war sonnig, aber stürmisch, als ich der Journalistin Ulrike Bremm „mein“ Cannes zeigte. Dreimal haben wir im Strandrestaurant den Tisch gewechselt: erst war zu viel Sonne, dann zu viel Wind, so dass wir das Dessert und den Kaffee letzten Endes drinnen zu uns nahmen, und wegen des Sturms haben wir dann auch die Überfahrt auf die Klosterinsel St. Honorat auf den Folgetag verschoben. Schön ist es natürlich trotzdem immer. Herzlichen Dank für den wundervollen Artikel in der aktuellen Für Sie an Ulrike Bremm! 

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Ostern und Ostwind

In (unserem deutschen Wort) Ostern stecke das Wort OSTen habe ich gestern auf Arte-Karambolage gelernt, deswegen haben wir vermutlich jetzt gerade Ostwind, und nicht zu knapp. Es ist nicht wirklich kalt, aber es weht und bläst und rüttelt und pfeift ums Haus. Auf dem Weg zur Pointe Croisette, einem Surf-Spot, dachte ich, das Auto hebe gleich ab und beim letzten Stück zu Fuß machte ich gleichmal einen kleinen unfreiwilligen Hopser, so sehr wehte eine Windbö mich davon. Aber dann! Boah, so viele Surfer und Kiter habe ich noch nie hier gesehen! Sie fliegen fast über das Wasser und sie zischen von rechts und links gleichzeitig heran, ich frage mich jedes Mal, wie sie es schaffen ohne Unfälle da wieder rauszukommen. Eigentlich will ich sofort einen Film machen, aber vor lauter Wind und Salzwasserdusche, die ich gleichmal abkriege, kann ich das Handy kaum halten und ich kriege die Filmfunktion nicht hin. Handyfotos sind heute völlig unzureichend, finde ich. Alles ist viel zu schnell und viel zu zu weit weg. Neben mir stehen viele Fotografen mit fetten Kameras und riesen Objektiven, so was will ich nicht im Traum mit mir herumtragen, aber ich bin sicher, ihre Aufnahmen sind super.

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Frohe Ostern – Joyeuses Pâques

Und was, wenn Jesus wiederkäme?! Hier ein friedlicher Text zum Thema. Und Alex Capus‘ Kindheitserinnerungen auf der Rückseite von Notre Dame. Die 60er und 70er in Paris. Ach.

Frohe und friedliche Ostertage wünsche ich Ihnen, zumindest wenn Ostern für Sie eine Bedeutung hat. Ansonsten wünsche ich Ihnen einfach frohe Frühlingstage! Sie müssen sich dazu nicht nach Südfrankreich sehnen, hier zieht sich der Himmel gerade zu, es ist außerdem ziemlich windig. Ich werde die französische Familie bekochen und bereite, neben allerhand anderem, gerade mit der Enkelin eine Schwarzwälderkirschtorte zu, man muss das kulinarische Erbe ja weitergeben, nicht wahr. Mein Ostermessenbesuch findet daher nur virtuell statt: auf der Suche nach etwas passender Musik für mich und für Sie bin ich auch über das Musical Jesus Christ Superstar gestolpert- das habe ich seinerzeit ziemlich viel gehört und kann es sogar stellenweise noch auswendig mitsingen – herrjeh, das kommen Schulerinnerungen hoch, lang ist das alles her! Vielleicht mögen Sie reinhören, 70er Stil eben, vielleicht nicht jedermanns Sache. Ansonsten ist das hier vielleicht eingängiger:

Haben Sie es gut! Bis die Tage!

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Karfreitag

Sie können es vielleicht schon nicht mehr lesen, aber ich bin immer noch mit Notre-Dame beschäftigt, in meinem Hirn und in meinem Herzen. Aber selbst Nice Matin hat Notre-Dame schon von den ersten Seiten nach hinten geschoben, kurz vor dem Sport und dem Wetter geht es da um die Streitigkeiten, die nun auch Frankreich teilen. Es geht ums Geld. Die ersten großen Spender (reiche französische Familien) werden zunehmend angegriffen, dass sie für einen „Haufen Steine“ so viel Geld geben und nichts für bedürftige Menschen (wobei man das nicht weiß, angeblich engagieren sie sich auch im sozialen Bereich, ohne davon laut zu erzählen). Dass man die Spenden steuerlich absetzen kann (was wirklich eine Steuernische ist) wurde so oft kritisiert, dass zumindest eine Spender-Familie jetzt öffentlich machte, sie würde darauf verzichten, die Spende steuerlich geltend zu machen. Ruhe gibt es natürlich trotzdem nicht. Mir war es unverständlich, dass sich nicht alle über den geplanten Wiederaufbau von Notre-Dame freuen und ihn unterstützen. Ich fühlte mich gekränkt von dieser Sichtweise, dass Notre-Dame nur ein „Haufen Steine“ sei. Nun, Frankreich ist ein laizistischer Staat, Kirche und Staat sind getrennt und Religion ist Privatsache. Frankreich ist zwar traditionell katholisch, aber für viele ist die Kirche nur für Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen in ihrem Leben präsent. Und Taufen gibt es immer weniger. Es gibt mindestens ebenso viele Menschen, die nicht an Gott (oder an eine andere höhere Macht) glauben und nichts, absolut nichts mit der katholischen Kirche zu tun haben und auch mit keiner anderen. Für Atheisten ist Notre-Dame wirklich nur ein Gebäude, ein Haufen Steine. Für andere ist Notre-Dame vielleicht immerhin ein historisch wertvolles Bauwerk, das mit der Geschichte Frankreichs und Paris‘ verbunden ist. Für mich ist Notre-Dame mehr als ein historisches Gebäude, für mich ist Notre-Dame ein Ort der Spiritualität und hat einen symbolischen Wert. Um mich von der Kritik der „kein-Geld-für-Steine“-Fraktion nicht gekränkt zu fühlen, musste ich mir aber tatsächlich erst bewusst machen, dass Notre-Dame nicht für alle Menschen diese Bedeutung hat und nicht alle diesen Zugang zur Spiritualität haben. Ich denke, es gibt nicht richtig oder falsch in dieser Sache. Nicht nur eine Wahrheit. Es gibt zwei Sichtweisen und beide Seiten haben recht. Amen.

Es ist Karfreitag. Hier ist kein Feiertag. Dennoch oder deswegen ein Requiem. Aufgenommen in der Kathedrale Notre-Dame de Paris.

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Die Glocken läuten

In der Karwoche schweigen traditionell die Kirchenglocken. Aber heute um 18.50 Uhr werden die Glocken der Kathedralen Frankreichs und die vieler andere Kirchen „aus Solidarität“ für Notre-Dame läuten. Um 18.50Uhr vor zwei Tagen war der Brand ausgebrochen.

Und hier kommen die —> (klick) solidarisch läutenden Glocken. Oder hier:

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Notre-Dame ist noch da

Dieses Bild flimmerte heute früh auf dem sofort eingeschalteten Fernsehbildschirm. Wieder geht es mir so ähnlich
wie seinerzeit nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo. Ich kann an nichts anderes mehr denken. Ich schlafe mit dem Gedanken an Notre-Dame ein und als ich aufwache, ist der Zustand von Notre-Dame das erste, was ich wissen will. Die
Nachrichten sind vielleicht nicht gut, aber erleichternd, was den Brand und die Zerstörung des
Dachstuhls und des Spitzturmes nicht weniger tragisch machen. Aber die „Struktur“ der Kathedrale wurde gerettet, das wusste ich schon
heute Nacht, nur wusste ich nicht genau, was es eigentlich meint. Als Monsieur mich nachts fragte, ob das Gewölbe noch stehe, musste ich passen. Aber ja, jetzt weiß ich, das gotische Gewölbe steht noch! Die Türme stehen noch! Die Glocken sind noch da und nicht abgestürzt! Die Orgel ist so gut wie nicht beschädigt und die Rosetten(fenster) sind ebenso heil geblieben. Und im Inneren wurden viele Kunstwerke geborgen, teils mit einem Roboter, als es für die Feuerwehrleute zu
heiß wurde. (Wie man sich das vorstellen muss, möchte ich gerne nochverstehen.) Es wurden auch Reliquien aus dem Kirchenschatz geborgen – ein Teil der Dornenkrone, die Jesu getragen haben soll,  ist darunter. Das mit den
Reliquien ist mir persönlich fremd, aber ich freue mich, wenn sie erhalten wurden für die, denen sie etwas bedeuten. Der Altar ist unbeschädigt und darüber strahlt das Kreuz. Ein symbolisches Bild: ich bin noch da, sagt die
Kathedrale. Sie hat den Flammen getrotzt, wohl auch dank der vorsichtigen Arbeit der Feuerwehr. Ich habe gestern oft wütend gedacht, als ich die so winzig wirkenden Löschstrahlen der Feuerwehr sah, warum setzen sie denn nicht
diese Löschflugzeuge ein, wenn man sie sofort hätte losfliegen lassen (die Canadaires sind in Marseille stationiert) hätten sie in zwei Stunden spätestens da sein können. Aber, habe ich heute erfahren, sie hätten jeweils 8-10 Tonnen Wasser
ungeregelt hinunterplatschen lassen und damit vermutlich mehr zerstört als gerettet.

Heute morgen las ich irgendwo den ruhigen Kommentar einer Mediävistin, der mir gut tat. Kathedralen sind nie
fertig, sagte sie. Kathedralen werden im Laufe der Jahrhunderte erbaut, zerstört, brennen ab, werden wieder aufgebaut, um- und angebaut, bekommen neue Elemente und vereinen so verschiedene Stilrichtungen. Das greift etwas auf, was
ich sofort dachte, ich würde mir nämlich keinen verklärenden 1:1 Wiederaufbau wünschen. Ich würde mir etwas Neues wünschen, etwas, was Notre-Dame wiederaufstehen lässt, aber die Narben zeigt und gleichzeitig den Übergang zu
etwas Neuem, wenn Sie verstehen, was ich meine. Ich wünschte mir einen Architekturwettbewerb und Visionen für das Jahrhunderte überdauernde Herz von Paris.

Sie wissen das vielleicht alles schon, es geht ja alles so schnell heutzutage. Ich gebe Ihnen dennoch diesen deutschen Artikel. Oder diesen aus dem Figaro in französischer Sprache. Heute gab es schon eine Art Spendenwettbewerb, die Milliardärsfamilie Pinault begann und kündigte an, 100 Millionen Euro zum Wiederaufbau zu spenden, Familie
Arnault, ebenfalls Milliardäre, setzten noch einmal 100 Millionen drauf. Falls Sie 300 Millionen spenden wollen, der Platz ist momentan noch frei, auch wenn die Familien Bouygues und Bettencourt ebenfalls hohe Summen zur Verfügung stellen.
Die Spenden können sie von der Steuer absetzen, was Philippe Poutou (trotzkistischer Ex-Präsidentschaftskandidat) dazu brachte, über die Steuernischen für die Superreichen zu wettern und darüber, dass sie für soziale Projekte keinen Cent lockermachen.

Es gibt in dem Zusammenhang noch viel mehr Kritik, wie ich über FB erstaunt zur Kenntnis nehme. Nein, nicht alle trauern um Notre-Dame. Nicht alle sind so emotional wie ich. Wenns brennt, brennts. Ist doch nur ein Gebäude (tatsächlich gab es „nur“ Materialschaden, kein Mensch kam dabei ums Leben!). In China fällt ein Sack Reis um. Im Mittelmeer ertrinken Menschen. Ich bin tatsächlich schon so französisiert, dass mich die deutschen Kommentare dieser
Art verletzen. In Frankreich trauern auch nicht alle, aber das Gemeinsamkeitsgefühl ist doch stärker. Die Frage, wem „nützt“ dieser Schaden, wurde gestellt. Wem nützt, dass Notre-Dame ausgerechnet in der Karwoche so beschädigt wurde? Dass dieses Gebäude Jahrzehnte lang nicht mehr in seiner Schönheit gesehen werden wird? Wer hätte etwas davon gehabt, wenn Notre-Dame vollkommen zerstört gewesen wäre? Ich bin auch nicht frei davon zu denken, dass es vielleicht kein Unfall war. Im Falle von Notre-Dame aber bringt es die Menschen (bislang) eher zusammen, die Franzosen fühlen sich verletzt, aber geeint in ihrem Schmerz. Das Projekt des Wiederaufbaus von Notre-Dame (vielleicht noch schöner als vorher?!) eint uns (bislang zumindest). Wenn mir Ave-Maria-Gesänge auch eher fremd sind, das gemeinsame Beten und Singen vor und für Notre-Dame freuen und rühren mich. Wir sind verletzt, aber wir sind noch da. Gemeinsam. Bewusster und stärker vielleicht. Wenn Christsein ein mutiger Akt wird, vielleicht bekennen sich dann mehr Menschen dazu? Ich suche mir für Ostern auf jeden Fall bewusst eine Ostermesse.

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ps: ich habe heute große Probleme mit dem Layoutprogramm, das meinen Text ums Verrecken nicht korrekt abspeichern und veröffentlichen will, ich habe jetzt irgendwie getrickst, aber der Text sieht komisch aus. Müssen wir so hinnehmen.

 

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Notre-Dame de Paris

Heute Abend (in der Zwischenzeit ist es gestern) in weniger als drei Stunden sind große Teile der Kathedrale Notre-Dame de Paris abgebrannt. Neun Jahrhunderte Geschichte, die Revolution und sämtliche Kriege hat sie überstanden, und die Restaurierung wurde ihr (möglicherweise) zum Verhängnis. Noch weiß man nichts Genaues, aber man spricht von einem Kurzschluss oder Schweißarbeiten, die das Feuer eventuell ausgelöst haben. Als der 96 Meter hohe hölzerne Turm, la flèche, (der Dachreiter auf Deutsch) abbricht und fällt, schluchzt nicht nur ganz Paris auf, auch ich vor dem Fernseher weine. Ich habe alle meine Paris-Fotos durchgesehen: ich habe den Eiffelturm hunderttausendmal abgelichtet, selbst den Arc de Triomphe habe ich, wie kann es sein, dass ich die Kathedrale nicht einmal fotografiert habe?! Schnöde ignoriert, wie etwas, was einfach ganz selbstverständlich da ist. Hinter den Bouquinisten, auf dem Weg zum Musée d’Orsay habe ich sie immer gesehen und nicht einmal fotografiert. Wann war ich das letzte Mal in der Kathedrale gewesen? Ich weiß es nicht mehr, es ist mehr als dreißig Jahre her. Es sei, als sei plötzlich jemand gestorben, dem man nie gesagt habe, wie sehr man ihn liebe, sagte vorhin jemand in einer der vielen Direktsendungen, die es heute Abend gab. This is so heartbreaking sagte eine amerikanische Freundin, die noch nie in Frankreich war und sich so auf ihren ersten Parisbesuch im Sommer freute. So fühle ich mich auch. Trauernd. Traurig.

Wir werden Notre-Dame, das Herz von Paris, wieder aufbauen, sagte Macron vorhin. Es wird Jahre dauern, Jahrzehnte, das größte Problem aber sei nicht das fehlende Geld (es wird eine Spendenaktion geben) sondern die (fehlenden) Menschen, die Wissen, Können und Fertigkeiten haben, um einen solchen Dachstuhl wieder aufzubauen. Ob die Glasfenster und die Orgel unbeschädigt sind, ist heute Abend noch nicht sicher.

Im folgenden (französischsprachigen) Video geht es zunächst viel um die Architektur von Notre-Dame (anscheinend „bewegte“ sich die Kathedrale und die Baumeister versuchten mehrfach, sie zu stabilisieren) – tolle Aufnahmen innen und außen und von oben – auch wenn man den Text vielleicht nicht versteht. Später sieht man die Kathedrale in historischen Aufnahmen – und die Tränen Kohls beim Abschied von Francois Mitterand und sogar Yasser Arafat ist dabei.

ps: die drei Fotos der brennenden Kathedrale habe ich der Internetseite des Le Figaro sowie der Zeitung l’Alsace entnommen.

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Rund um die Insel

Einmal noch kriegen Sie Inselfotos – nur damit Sie wissen, was Sie verpasst haben ;-) einen tollen Ausflug, eine nette kleine Gruppe, gemütliches Spazierenschlendern (nachdem ich gerade schon zweimal in zügigem Schritt über die Insel gewandert bin, war das Tempo dieses Mal ein Vergnügen!) und, trotz wackeliger Voraussagen und mitgeschlepptem Schirm, hatten wir allerschönstes Wetter! Zum ersten Mal hat sich mein winterblasses Gesicht etwas gerötet und über Nacht hat sich die Rötung in einen zartbraunen Teint verwandelt. Ab sofort ist Sonnencreme angesagt. Obwohl … heute ist es schon wieder bedeckt und windig –

Hier eine kleine Auswahl der gestrigen Inselfotos. Kennen Sie schon, ist immer dasselbe, aber schön ist es trotzdem. 

à bientôt!

*falls eine der Personen auf den Fotos nicht damit einverstanden ist, hier gesehen zu werden, bitte eine kurze Meldung an mich. Merci!

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Lust auf die Insel?

Gestern begleitete ich eine Journalistin durch Cannes und auf die Insel Ste. Marguerite. Es war, wie fast für die ganze Woche, Regen angesagt. Besonders warm sollte es auch nicht sein. Ich zog mich dreimal um und entschied mich dann doch für den Wintermantel und ein warmes Halstuch, einen Schirm hatte ich auch dabei. Die Wolken wurden zwar zunehmend dichter, gegen Ende war der Himmel sogar richtig schwarz und es donnerte und blitzte, aber wir haben es trockenen Fußes geschafft. Zwischenzeitlich kam ich mir total lächerlich vor mit dem Mantel, während die kleinen Segler der Segelschule ihre Bootchen ins Wasser schoben und dazu selbst bis zum Bauch im Meer standen.

Morgen begleite ich noch einmal Journalisten dorthin und am Samstag geht es zum dritten Mal in dieser Woche auf die Insel – mit Michael Chevalier und Ihnen, wenn Sie vor Ort sind und mitwandern wollen. Denken Sie daran, Laufschuhe anzuziehen, ich war gestern (es war offiziell nur eine „kurze“ Tour) eher stadtfein, das wird auf Dauer etwas anstrengend! Ich lasse hier noch einmal Michael Chevalier zu Wort kommen:

Liebe Wanderfreunde, als wir im Februar 2011 zum ersten Mal einen Ausflug zur Ile Sainte-Marguerite gemacht haben, waren wir mehr als 25 Teilnehmer – jetzt werden wir nur 9 Ausflügler sein.

Die Fähre der Riviera-Lines startet um 10.00 Uhr ab der Embarcadère Ile Sainte-Marguerite vom Hafen in Cannes. Gleich daneben gibt es ausreichend Parkplätze: Quai Max Labeuf – 43.546677,7.013864.  (Anm. der Autorin: Achtung, die sind kostenpflichtig!) Um 10.15 Uhr werden wir uns am Landesteg auf der Insel treffen und gehen zuerst zum Fort Royal Sainte-Marguerite hinauf und lernen dort bei der Besichtigung die immer noch historisch wirkende Atmosphäre dieser weitläufigen Festungsanlage kennen. Der Eintrittspreis beträgt ca, € 3 pP. (Anm. der Autorin: Der Preis beträgt für Nicht-Cannois 6,50 €)

Danach beginnen wir mit einem kleinen Abstecher über die beiden historischen Friedhöfe unsere Rundwanderung um die Insel – etwa 7 Kilometer lang, ohne weitere Steigungen, Irgendwo auf der Mitte der Strecke werden wir an einem gemütlichen Platz gegenüber der Ile Saint-Honorat Zeit für ein ausgiebiges Picknick haben. Dann geht es weiter zur Westspitze der Insel und am Anleger vorbei zum Restaurant Escale d’Hiver, wo wir gegen 15.00 Uhr eintreffen werden. Die Rückfahrt der Fähre ist um 16.15 und um 17.00 Uhr.

Die Wetterprognosen sind im Augenblick nicht schlecht – es empfiehlt sich aber einen leichten Wind- und Wetterschutz mitzunehmen. Wanderausrüstung ist nicht erforderlich, lediglich der Rucksack mit den Picknickutensilien und der Fotoapparat sind angesagt. (Anm. der Autorin: und bequeme Laufschuhe!)

Damit ihr vorab einen kleinen Eindruck von der Wanderstrecke bekommen könnt, habe ich hier einen Videoclip bereitgestellt:

Ich freue mich, euch am Samstagmorgen zu treffen!

Bien amicalement, Michael


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Ballon – Le vent de la liberté

Veranstaltungstipp (in Zusammenarbeit mit der Association Cinécroisette) : Am Montag um 19.30 Uhr im Kino Les Arcades 77, Rue Felix Faure, 06400 Cannes : Ballon – Le vent de la liberté. Deutsch mit französischen Untertiteln.

ps: Nachhaltig sehr berührender Film! Super spannend! Ich habe bis zur letzten Sekunde mitgefiebert und das, obwohl man das Ende ja eigentlich kennt. Es gab, zumindest für mein Empfinden (ich kenne das Leben im Osten ja eigentlich nicht), keine falschen Töne. Im Abspann sieht man Originalfotos des zurückgelassenen Ballons (Stasi-Material) und der beiden geflüchteten Familien; dann „zehn Jahre später“ die dokumentarische Filmszene, in der Genscher, auf dem Balkon der deutschen Botschaft in Prag, den dort ausharrenden DDR-Flüchtlingen mitteilt, dass „ihre Ausreise möglich geworden“ sei. Ich habe in dem Moment Tränen in den Augen und schnüffele leicht, als das Licht wieder anging. Neben uns saß zufällig ein Deutscher, der die DDR seinerzeit auch flüchtend verlassen hatte. Er ist berührt, hat auch Tränen in den Augen, atmet schwer. Wir fangen an zu reden und sind uns einen Moment sehr nah. Unsere Geschichte.

Das französische Publikum (etwa 60-70 Personen immerhin) applaudierte. So macht man das in Cannes, wenn man einen Film mag. :-)

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Rendezvous auf der Insel?!

Hier wird derzeit wenig geschrieben, es tut mir leid, aber das Real Life ist gerade sehr fordernd. Trotzdem schlage ich mal wieder ein Rendezvous vor – und zwar einen Ausflug auf die Ile Ste. Marguerite. Wär‘ das was? Laufen statt Lesen sozusagen. Natürlich habe ich selbst absolut gar keine Zeit, so etwas zu organisieren, ich hänge mich schlicht an einen von Michael Chevalier* organisierten Ausflug dran, den ich hier zu Wort kommen lasse:

Liebe Wanderfreunde,
heute möchte ich euch ein ganz spezielles Wanderziel vorschlagen, das gut in diese frühsommerliche Zeit passt: „Wir erkunden die Ile Sainte-Marguerite“. Vor ziemlich genau zehn Jahren haben wir als eine der ersten Wanderungen mit grossem Erfolg diesen Ausflug gemacht – also Zeit, wieder einmal dorthin zu fahren und diese wunderschöne Insel zu erleben.Abfahrt ist am Samstag, den 13. April, um 11 Uhr am Hafen in Cannes mit dem Fährschiff der Riviera-Lines nach Sainte-Marguerite, wo wir uns am Landesteg treffen werden.

Von dort gehen wir zuerst zum Fort Royal Sainte-Marguerite hinauf und lernen dort die immer noch historisch wirkende Atmosphäre dieser weitläufigen Festungsanlage kennen. Hier haben sich seit Beginn der Bauarbeiten im Jahr 1624 viele geschichtlich grosse und kleine Ereignisse abgespielt.

Danach beginnen wir mit einem kleinen Abstecher auf die beiden historischen Friedhöfe unsere Rundwanderung um die Insel – etwa 8 Kilometer lang, ohne weitere Steigungen, Irgendwo auf der Mitte der Strecke werden wir an einem gemütlichen Platz gegenüber der Ile Saint-Honorat Zeit für ein ausgiebiges Picknick haben.

Dann geht es weiter zur Westspitze der Insel und zum Vogelschutzgebiet Etang du Batéguier, das gleich neben dem Fährschiffanleger liegt. Um 16.15 Uhr ist die Abfahrt zurück nach Cannes.

Wer sich ein wenig auf diesen Ausflug einstimmen möchte, bekommt mit diesem Videoclip aus meiner Sammlung einen herrlichen Eindruck von den Iles de Lérins und dem Golf de La Napoule. Oder lest doch einfach den neuen Kriminalroman von Christine Cazon: „Auf einer Jacht im Hafen der Île Sainte-Marguerite wird ein Matrose tot aufgefunden. War er im Kokshandel verstrickt? Commissaire Léon Duval mietet sich im Forsthaus ein und ermittelt. STÜRMISCHE COTE D’AZUR, der dritte Fall für Kommissar Duval“.

Gebt mir bitte bis Dienstag, den 9. April, Bescheid wenn ihr an diesem Ausflug teilnehmen möchtet. Ich sende euch dann rechtzeitig alle erforderlichen Informationen.. Amicalement Michael

Ich war seinerzeit dabei auf dieser von Michael erwähnten Insel-Wanderung, (ich glaube allerdings, dass es nur acht Jahre her ist) und wer hätte damals gedacht, dass ich nur ein paar Jahre später einen Krimi geschrieben haben würde, der dort spielt?! Das Leben ist schon verrückt manchmal. Ich bin zwar derzeit oft auf der Insel und in der nächsten Woche sogar gleich zweimal, ich würde aber, weil ich schon lange mal wieder einen Ausflug mit Michael und seiner Wandergruppe machen möchte, auch am 13. April noch ein drittes Mal hinfahren. Und Sie?!

Überlegen Sie es sich – ich kläre in der Zwischenzeit mal ab, wie ich Sie ohne viel Mühe direkt mit Michael Chevalier in Kontakt bringe, er hat keine Website, ist aber beispielsweise auf Facebook zu finden. Auf jeden Fall werde ich ergänzende Informationen hier veröffentlichen.

*Michael Chevalier, ehemaliger Eventmanager, lebt teils in Deutschland, teils an der Côte d’Azur, organisiert ehrenamtlich seit 2009 Wanderungen im Var und im Hinterland der Côte d’Azur.

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1. Deutsches Filmfestival, ein Nachtrag

Hier noch ein kurzer Nachtrag, und damit Sie ihn auch finden, bekommt er einen eigenen Eintrag: Wie war es denn das Filmfestival?, wurde ich hinter den Kulissen mehrfach gefragt. Ich war ja selbst nicht anwesend, ich war unterwegs und kaum war ich zurück, hatte ich viel, sehr viel um die Ohren und ich murmelte und murmele auch weiterhin ständig „ease“ vor mich hin und sage mantramäßig „alles wird gut“, vielleicht schaffe ich es auch, Ihnen von all dem irgendwann zu erzählen, derzeit habe ich auf jeden Fall das Gefühl, ständig außer Atem zu sein, und genau wie dieser Satz komme ich im real life zu allem und nichts. Können Sie mir folgen? Ich musste also erst Zeit finden, den Organisator des Filmfestivals zu befragen. Eine Freundin hatte mir zwischenzeitlich schon ein vernichtendes „bof“ aufs Handy geschickt. Bof, mit heruntergezogenen Mundwinkeln eher bff ausgesprochen, heißt allerhöchstens „naja“. Ihr hat schon Barbara nicht gefallen. Zu langsam. Uninteressant. Bof eben. Und „Alles ist gut“, den fand sie doppelt „bof“. Keine Musik, keine Dialoge. Kein Film in ihren Augen. C’est pas un film, sagte sie tatsächlich. Hm. Ich mochte „Alles ist gut“ auch nicht so richtig, aber eher, weil mich die Hauptdarstellerin in ihrer Rolle nervte. „Sag was!“, hätte ich sie anschreien wollen und schütteln, „sag was verdammt nochmal!“ Sie regte mich auch deshalb so auf, weil ich lange Jahre so ähnlich war. Nichts sagen, lächeln, runterschlucken. Alles ist gut. Kann ich heute nicht mehr aushalten. Ich war auch nicht sicher, ob es ein guter Film für ein erstes deutsches Filmfestival in Cannes sei, aber immerhin ist es der Film einer jungen Regisseurin, es ist ein Film, der im Heute spielt und das Thema ist aktuell und lädt absolut zur Auseinandersetzung über allerhand Themen ein. Das Urteil der Freundin „das ist doch kein Film“ traf mich dann schon. Es ist eben ein deutscher Film. So sind wir. Wir reden viel. Machen weniger Klamauk. Ich rede mit Deutschen ganz anders als mit Franzosen. Wir sind uns kulturell vermutlich ferner als wir immer glauben wollen.

Die Reaktion des Organisators aber war eine ganz andere: „Es war ein toller Erfolg“, rief er mir begeistert durchs Telefon zu, als ich ihn endlich befragte. „Drei ausverkaufte Abende, wir mussten Leute abweisen, weil man uns den allerkleinsten Saal mit nur 70 Sitzplätzen zugewiesen hatte!“ Und die Zuschauer, mit Abstimmzetteln befragt, hatten die Filme im Schnitt mit Acht (von Zehn) Punkten bewertet. Am besten hatte der Thriller „Die Vierhändige“ gefallen. Das finde ich zwar persönlich befremdlich, aber bitte, warum nicht. Ich habe über „Die Vierhändige“ gelesen und nur Gutes gefunden und „unsere“ Zuschauer mochten ihn auch. Super! Alles richtig gemacht, könnte man sagen. Und wir machen daher weiter. Wir wissen, dass es mindestens 70 Personen gibt, die sich für den deutschen Film interessieren, das ist mehr, als bei so manch anderem Festival, wo man manches Mal zu fünft, einschließlich des eingeflogenen Filmemachers, in einem Saal sitzt. (Und auch der neue Film mit Sandrine Kiberlain „Mon Bébé“ lockte hier nur 15 Personen in den 300 Zuschauer fassenden Saal.) Die Kinobetreiber fanden es auch gut und haben uns für die nächsten Séancen größere Säle versprochen. Hurra! Wir wollen, sobald die Filme mit Untertiteln versehen und auf den französischen Markt geschickt werden, Vorpremieren anbieten und zwar sehr wahrscheinlich von „Ballon“, „Das schweigende Klassenzimmer“ und „Werk ohne Autor“. Und vielleicht bekommen wir auch noch „Bella Martha“ zu sehen. Irgendein Verleih hat dann doch noch eine Kopie mit Untertiteln im Keller gefunden. Und ich arbeite persönlich daran, dass wir eines Tages auch einen Film von Fatih Akin zeigen!

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1. Deutsches Filmfestival Cannes

Hoho! Der Titel klingt wahrlich reißerisch! Schrauben Sie Ihre Erwartungen runter, alles wird ganz klein, es ist aber dennoch das erste Mal, dass hier mehrere aktuelle deutsche Filme gezeigt werden, und das immerhin feiern wir!

Zwischendurch war ich ein bisschen unglücklich, Sie haben sich alle so engagiert, mir hier und da und dort noch Filmvorschläge geschickt, vielen Dank! Ich habe wahnsinnig viele Filme gesehen und gab Besprechungen und Eindrücke weiter. „Wie weit seid ihr denn?“, wurde ich schon von Ihnen gefragt. „Wie läuft es denn ab?“ „Weiß ich auch nicht“, musste ich antworten. Denn, wie so oft in Frankreich, passierte nichts. Also scheinbar passierte nichts, sagen wir so. Und ich fühlte mich mal wieder so zwischen allen Stühlen. Wollte Ihnen dieses Filmfestival und das Interesse der Franzosen für Deutschland und deutsche Filme so gerne in schillernden Farben darstellen, Diskussionen und Themen wiedergeben und ich bedrängte den Präsidenten des Vereins mit Fragen und bat um Informationen, aber er antwortete mir einfach nicht. So ist das hier. Ich dachte, ich werde einmal mehr einen Text zu Organisation, Spontanität und dem französischen Verständnis von Freiheit schreiben. Liberté! rief  Jakob aus Schabbach in „Die andere Heimat!“, die ich so gerne hier vorgeführt gesehen hätte. Lange der (nicht nur von mir) favorisierte Film. Zwei Filme eigentlich, was die Vorführung erschwerte.

Gestern also bekam ich Nachricht. Pas trop tôt, wie man hier ironisch sagt, „nicht zu früh“, gemeint ist, „bisschen spät“. Denn das Filmfestival findet am kommenden Wochenende statt. Das ist Ihnen zu kurzfristig? Da haben Sie jetzt schon was anderes vor? Tant pis. Pech. Für Sie natürlich. Hier müssen Sie viel spontaner sein. Wenn Sie sich das Wochenende freigehalten hätten, hätte es auch genauso gut gar nicht stattfinden können. Mehr als ein Achselzucken als Entschuldigung hätten Sie nicht bekommen. Da hilft kein Aufregen. So ist das hier. Lange Rede, ich war nicht bei der Entscheidung beteiligt und es werden drei Filme gezeigt. Drei? Ja, nur drei! Die Kinos, mit denen wir zusammenarbeiten, hatten keine freien Säle. Aber das hatten Sie uns doch versprochen?! Eh beh, ja, aber jetzt ist es so. Es sind ja offizielle Kinovorführungen, die Kinochefs sind nett, aber sie sind nicht die Heilsarmee. Geld verdienen wollen Sie schon. Also, jetzt drei Filme, später im März kriegen wir vielleicht noch einen oder zwei andere Filme unter. Das 1. Deutsche Filmfestival in Cannes bekommt also einen eher zögerlichen Auftakt. Schade, oder auch nicht. Denn ich bin gar nicht da am Wochenende und komme so hoffentlich wenigstens in den Genuss der zwei später gezeigten Filme.

Tatatataaaa … Trommelwirbel – Cinécroisette proudly presents:

Das isses? Ja. Das isses. Ach.

Ich gebe zu, ich war zunächst super enttäuscht. Ein Thriller! Und kein Fatih Akin. Nicht Doris Dörrie. Nicht Heimat. Nicht Bella Martha. Nicht Sophie Scholl. Gut, nachdem ich die Enttäuschung etwas verdaut habe, kann ich den Erklärungen zustimmen:

„Wir wollen“, sagt Serge Basilewski, seines Zeichens Président de l’association, der Vereinsvorsitzende zu deutsch, „etwas Neues zeigen, also einen oder zwei in Frankreich komplett unveröffentlichte Filme oder eine Vorpremiere; wir wollen einmal nicht das ewig durchgekaute Zweite-Weltkriegsszenario, hingegen Filme, die den Osten (bzw. Deutschland in den 80er Jahren) zeigen, und drei unterschiedliche Genres sollten es sein. Einen Film von Petzold wollen wir dabeihaben“ und, füge ich hinzu, ein Film einer Filmemacherin sollte es auch sein. Das alles waren die Auswahlkriterien für zunächst drei Filme. Das haben wir hingekriegt. Immerhin. Und immerhin ist Barbara von Christian Petzold dabei. Für den habe ich mich sehr stark gemacht.

Später im Monat würden wir gerne noch Ballon zeigen und Werk ohne Autor, sobald die Versionen mit französischen Untertiteln verfügbar sind. Insbesondere Werk ohne Autor (ja, ich habe die Diskussion mit Gerhard Richter mitverfolgt) interessiert hier die Kinochefs. Dafür kriegen wir also bestimmt einen Saal. So siehts aus.

Kommen Sie zahlreich, möchte ich Ihnen zurufen, vom Interesse des Publikums und der Anzahl der verkauften Plätze hängt die Zukunft für weitere „deutsche Festivals“ ab! Für Mitglieder der Association sind die Vorführungen gratis, für alle anderen beträgt der Eintrittspreis 6.50€. Die Filme laufen in der VOST, version originale soustitré, deutsch mit französischen Untertiteln. Und leider bin ich selbst nicht dabei, es wird also kein inoffizielles Treffen mit der Autorin. Ein andermal.

Hier noch der offizielle Link zum Verein CinéCroisette.

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