Neues von der Côte d’Azur

„Il reste pour toujours le Magnifique“ twitterte Macron gestern. Eine Anspielung auf den Filmtitel „Le Magnifique“ – der im Deutschen weniger gelungen „Der Teufelskerl“ heißt, meint, er bleibt für immer der großartige wundervolle räusper nunja „Teufelskerl“. Jean-Paul Belmondo, Bébel, wie ihn die Franzosen liebevoll genannt haben, ist gestorben. Nachrufe gibt es überall, auch in der deutschen Presse, da muss ich Ihnen nichts verlinken. Aber Frankreich trauert. Nicht nur Macron, alle haben sich geäußert, auch unser Bürgermeister hat einen langen Text auf Facebook veröffentlicht, Belmondo war viel und häufig an der Côte d’Azur, hat hier Filme gedreht und mit seinen Kumpels und Familie seine Urlaube verbracht. „Bébel éternel“ titelt heute Nice Matin und bringt acht Sonderseiten mit den Erlebnissen Belmondos an der Côte d’Azur. Das Fernsehen hat das Programm der gesamten Woche umgeworfen und alle Kanäle zeigen nun Belmondo-Filme und Dokumentationen.

Alles kann man nicht sehen, wir entschieden uns gestern Abend für „Le Magnifique“ – der Film switcht zwischen einer Art James-Bond-Handlung und dem ärmlichen Alltag des Autors, der sie schreibt, hin und her. Ziemlich viel, von dem, was der Autor erlebt, fließt in die Krimihandlung ein. Ich musste sehr lachen, als er den „plombier“, den Installateur, in seiner Handlung auftauchen und erschießen lässt. Der plombier ist eine geradezu mythische Gestalt im französischen Alltag. Gibt es ihn wirklich? fragt man sich oft, denn er kommt so gut wie nie, kaum ist er da, ist er auch schon wieder weg, und das, was er anfasst, funktioniert schon Stunden später nicht mehr. Ich hatte in diesem arbeitsreichen Sommer ebenso das Vergnügen, darüber wird es zu gegebener Zeit auch eine Kolumne geben. Auf jeden Fall fühlte ich mich Belmondo in seiner Krimi-Autor-Rolle gestern sehr nah. (die plombiers im Film fahren übrigens Vélo Solex! Das ist vermutlich auch etwas, was Sie von mir noch nicht wissen: ich hatte mit 16 eine Vélo Solex! Und das aufm Dorf, wo damals alle, die etwas auf sich hielten, eine Herkules M5 fuhren; mein Weg nach Frankreich war vorgezeichnet!)

Die Krimiautorin hat ihr Manuskript übrigens abgegeben, und nicht, wie Belmondo am Ende des Films, aus dem Fenster geworfen.

Mir persönlich ist Belmondo als Vierzehnjähriger in „l’Animal“ zum ersten Mal erschienen. „Ein irrer Typ“ heißt der Film auf Deutsch. Ich ging damals nicht oft ins Kino. Gefühlt einmal im Jahr vielleicht. Ich lebte in einem Dorf und für Kino musste man „in die Stadt“ fahren. Diesen Film habe ich mit meiner katholischen Mädchengruppe (Frohschar IV, was einem alles wieder einfällt!) gesehen. Ich fand es damals ein bisschen unerhört, für einen Film mit diesem Titel überhaupt Geld auszugeben. Aber dann war ich hin und weg, schockverliebt sagt man heute. So etwas Freches und Charmantes und Lustiges hatte ich vorher noch nie gesehen. Und ich fand Belmondo hinreißend gut aussehend, ohlàlà!

Vermutlich ist mir Belmondo zeitlich sogar schon früher begegnet. In „Die tollen Abenteuer des Monsieur L.“ nämlich (ich erspare Ihnen den französischen Titel), den es vor kurzem auf arte zu sehen gab und den es jetzt auch wieder zu sehen gibt. Es war einer der Filme, den ich aus meiner Kindheit erinnere, ohne dass ich Titel oder Schauspieler hätte benennen können. Aber die Geschichte des lebensmüden reichen Mannes, der erst dann wieder Lust am Leben verspürt, als ihm, von ihm selbst angeheuerte, Killer nach dem Leben trachten (ok, etwas verkürzt, das ist in etwa das, was ich erinnerte, und außerdem abenteuerliche Szenen, in denen rasant schnell von Boot zu Boot gesprungen wurde), hat sich mir ins Gedächtnis gegraben, und als ich ihn neulich eher zufällig sah – „Les tribulations d’un chinois en Chine“ sagte mir nämlich nichts, womit Sie den französischen Titel jetzt doch bekommen, war ich ganz aus dem Häuschen. „Das ist er, der Film, den ich schon so lange mal wieder sehen wollte!“, rief ich Monsieur ekstatisch zu. Bedauerlicherweise finde ich ihn heute weniger amüsant als seinerzeit als Kind, und weniger schnell auch, die Zeiten ändern sich.

Immer noch gerne sehe ich „Le professionnel“ (Der Profi) oder auch „L’alpagueur“ (Der Greifer) mit dem sehr jungen Bruno Cremer, der dort einen so kalten Killer spielt, dass ich ihm in seinen späteren Film-Rollen nie einen „guten“ Kommissar abnahm. Sehr viel besser als früher gefällt mir heute hingegen „A bout de souffle“. Kein Wunder eigentlich. Belmondo aber sagte, dass er sich in den Action-Filmen viel mehr amüsiert habe, als in den sogenannten Autoren-Filmen. Er wäre auch gerne Sportler geworden und konnte sich nicht so richtig zwischen Film und Sport entscheiden, und mit dieser Art von Filmen, in denen er seine Stunts in der Regel selbst spielte, konnte er beide Seiten ausleben und amüsierte sich zusätzlich großartig, und das französische Publikum liebte ihn dafür! Dass Belmondo am Donnerstag eine nationale Ehrung zuteilwird, ist für Frankreich selbstverständlich.

Themenwechsel. Bei Herrn Buddenbohm gab es heute Links, unter anderem zum Wahlomat. Was es alles gibt, nicht wahr. Ich wähle nicht mehr in Deutschland, obwohl ich es könnte, aber ich folge der deutschen Politik nicht mehr ausreichend, um etwas Sinnvolles zu wählen. Ich habe den Wahlomat für die Bundestagswahl nämlich ausprobiert und wissen Sie was rauskam? Inhaltlich stehe ich dem Südschleswiger Wählerverband am nächsten. Und bevor es mich zu den „etablierten“ Parteien verschlägt, steht eine lange Liste von anderen Kleinparteien dazwischen. Gut, nicht die AfD, das hat mich beruhigt. Der Südschleswiger Wählerverband setzt sich als nordische Minderheitenpartei für eine dezentrale und bürgernahe Politik ein, heißt es. Vielleicht eine andere Alternative? Seien Sie froh, dass ich in Deutschland nicht wähle!

Gerne gelesen habe ich auch einen anderen dort verlinkten Artikel „Kaufen Sie kein Elektroauto“. Spricht mir aus der Seele.

Und noch ein eleganter Themenwechsel. Die Autorin, die sich zwar in einen mittleren körperlichen Behindertenstatus geschrieben hat, wird demnächst nach Deutschland fliegen (mit Betreuungsdienst am Flughafen, so weit sind wir schon), denn, tatatatammm, sie wurde als eine der Teilnehmerinnen des diesjährigen Hermann-Kesten-Stipendiums im Rahmen der Städtepartnerschaft Nürnberg – Nizza ausgewählt! Dort werde ich also zwei mit Kultur und Begegnungen vollgestopfte Wochen erleben, und darauf freue ich mich riesig! Ich werde sogar eine Lesung geben. Ganz in echt UND virtuell, eine Hybrid-Veranstaltung sozusagen, keine Ahnung, wie das funktionieren wird, aber ich lade Sie zu beidem ein, am 14. September, um 19 Uhr entweder ganz in echt ins Zeitungs-Café Hermann Kesten, Wespennest 4, in Nürnberg oder via ZOOM. Ich lese allerdings wieder aus „Lange Schatten über der Côte d’Azur“, das haben Sie möglicherweise schon einmal erlebt – darüber hinaus lese oder erzähle ich auch aus meinem französischen Leben, für die, die vor Ort sind, die Krimilesung schon erlebt haben, mich und mein Leben aber noch nicht kennen. Solls ja geben. SIE wissen das natürlich alles, gähn. Wählen Sie sich trotzdem ein, oder noch besser, kommen Sie hin, wenn Sie in der Ecke leben und Zeit haben, ich freue mich so sehr auf echte (und klar, auch virtuelle) Begegnungen! Anmelden müssen Sie sich aber schon, schicken Sie, wie beim letzten Mal, eine Mail an den Veranstalter Hier lesen Sie mehr! oder hier. (Anmeldeschluss am Vortag!)

Meine derzeitige Lektüre ist aus gegebenem Anlass dieses sehr schön gemachte und leider schon vergriffene Buch aus dem Nimbus Verlag.

Hier noch ein bisschen Belmondo. Iesch wähle die franssöhssische Version, niescht wahr.

Ok, hier die deutsche Version, der französische Trailer hat eine miserable Qualität (aus heutiger Sicht, sehr ähm klamaukig)

à bientôt!

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Feli, Elton und ich

Sie erinnern sich, dass ich im Januar, lang ist es her, Feli vom Blog Berlinerin in Frankreich in Nizza besucht hatte? Wir liefen damals lange durch Nizza und erzählten uns aus unserem deutschen und vor allem aus unserem französischen Leben. Ich verlinke es Ihnen nochmal, damit Sie ein paar blaue Bilder sehen, denn dieses Jahr bin ich sehr unbeweglich, leider, die Knie, Sie wissen schon, dabei war MOVE doch mein Wort des Jahres geworden, auch das habe ich in diesem Januar-Text wieder gefunden. Also, ich move seit Wochen leider nirgends hin, höchstens frühmorgens an den Strand zum Schwimmen, da aber nehme ich kein Handy mehr mit, einmal geklaut reicht. Das können Sie auch gerne hier noch einmal nachlesen. Insofern keine aktuellen blauen Bilder, dabei ist hier wirklich viel Sommer und der Himmel ist sehr blau. Im Nachbardepartement Var allerdings ist der Himmel sehr rot oder sehr schwarz, um das auch zu sagen, nur dreißig Kilometer Luftlinie von hier brennen Wälder, Häuser und Campingplätze ab. Es ist sehr ernst. Es sind auch Menschen und Tiere verbrannt, denn so schnell haben sich die Feuer noch nie ausgebreitet, der Wind hilft da leider ordentlich mit, und auch nach drei Tagen sind die Feuer noch nicht unter Kontrolle. Und dieses Inferno nur, weil vermutlich jemand auf einer Autobahnraststätte achtlos seine Kippe aus dem Fenster geschnippt hat.

Alle anderen dramatischen und besorgniserregenden Themen des Weltgeschehens bekommen wir hier auch mit, seien Sie gewiss. Und während all das Schreckliche passiert, ist überraschend Elton John in Cannes an einem der schickeren Strände (der nur mit einem Boot erreicht werden kann) aufgetaucht und hat sich zu einem Song hinreißen lassen. Sie sehen Elton John und Partypeople in Cannes. (Sie sehen ebenso, Masken tragen nur die KellnerInnen und die Bodyguards von Elton.) „Elton John entflammt das Publikum in einer Strandbar in Cannes“ titelte irgendeine Gazette geschmacklos, angesichts der Flammen ein paar Kilometer weiter. Das alles passiert gleichzeitig. So ist die Welt.

(Klicken Sie die schreckliche Werbung (bei mir Prostata-Mittel *augenroll*) vor dem Video weg, sobald Sie können!)

Dennoch höre ich Elton John immer gerne, swinge hier vor dem PC mit, und keinesfalls wollte ich Ihnen DAS spontane Sommerevent von Cannes vorenthalten. Jetzt aber wieder zurück zu Feli und mir, denn Feli hat auf ihrem Blog über meine und ein bisschen auch über ihre Erfahrungen des Auswanderns nach Frankreich geschrieben. Sehr nett, sehr frisch. Das Foto hier ist nur ein Screenshot, wenn Sie den Beitrag lesen wollen, dann klicken Sie bitte hier. Herzlichen Dank Feli! Ich winke nach Nizza!

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Gelesen und gehört

Hier ganz schnell ein paar Lesetipps, viel Zeit habe ich nicht. Daher nur zwei Fotos und ein paar knappe Sätze.

„Trümmermädchen“ von Lilly Bernstein war ein Lesetipp von Marion. Ich habe es gern gelesen, weil es mir Köln, die Kriegs- und Nachkriegszeit sehr nahe gebracht hat. So nahe, dass ich manchmal ein Tränchen verdrückte, was bei mir zwar schnell vorkommt, aber das ganze Buch hat mich doch bei den Gefühlen gepackt. Ich hatte Köln, als ich dort lebte, nie so richtig gemocht, weil ich die Stadt, gerade die Innenstadt, so furchtbar hässlich fand. Ich fand keinen Lieblingsort. Durch dieses Buch, in dem man einmal mit den Protagonistinnen im Luftschutzkeller sitzt (sehr eindrückliche und beklemmende Szene) und die Zerstörung der Stadt „direkt“ miterlebt, habe ich mich Köln sehr angenähert.

ps: Leider liegt das Lesen von „Trümmermädchen“ schon so lange zurück, dass mir die Hälfte dessen, was ich dazu erzählen wollte, gestern entfallen war. Es hat mich sehr angerührt, es liest sich leicht, ist aber keinesfalls seicht, und ich konnte so sehr mit den Kindern mitfühlen, die sagen „ich will es nicht mehr kalt haben“ und „ich habe Hunger“. Ich bin auch gefühlt mit Anna und Marie weite Wege durch Köln gelaufen; ich erinnerte mich, dass ich einmal an Karneval in Sülz gelandet war, dort aber mitten im Getümmel einer Kneipe schlagartig hohes Fieber bekam und im Nieselregen bis nach Deutz nach Hause lief -fuhr ja keine Straßenbahn- ich zitterte und fror und heulte und fühlte mich schwach und lief und lief. Daran musste ich denken, als Marie jeden Tag so weit zu Bülls Backstube laufen musste.

Ebenso in Köln spielt das dokumentarische „Sieben Heringe“. Es ist das sachlich-intellektuelle Gegenstück zu „Trümmermädchen“. Jürgen Wiebicke dokumentiert das späte Erzählen über Kriegs- und Nachkriegszeit (das Organisieren, „Fringsen“, nach dem Kölner Kardinal Frings, in Notzeiten „erlaubtes Stehlen“, kommt in beiden Büchern vor) von Mitgliedern seiner Familie. Ich lese diese Art von Büchern gerne, aber ich bin froh, dass ich auch „Trümmermädchen“ gelesen habe und mich einmal gefühlsmäßig und nicht immer nur streng intellektuell diesem Thema angenähert habe.

Anne Weber, „Annette, ein Heldinnenepos“, war ein Lesetipp und (in der Büchergilde-Ausgabe) ein Geschenk von Wiebke. Schon lange wollte ich etwas von Anne Weber lesen, eine deutsche Autorin und Übersetzerin, die in Paris lebt und die es schafft, ihre Bücher immer zeitgleich in einem deutschen und in einem französischen Verlag erscheinen zu lassen. Wir sind immer noch im selben Thema: Anne Weber erzählt das unwahrscheinliche Leben der Anne Beaumanoir, die erst in der französischen Résistance und später im algerischen Befreiungskrieg agiert hat. Einmal wird sie als Heldin gefeiert und später landet sie als „Terroristin“ im Gefängnis. Hat mich beeindruckt!

Ein BD/Graphic Novel über Beate und Serge Klarsfeld. Nicht viele Worte. Ein Muss geradezu.

In Juan-les-Pins steht seit Jahrzehnten die Bauruine eines alten Grandhotels „Le Provençal“. Lutz Hachmeister entpuppt sich als „intimer“ Kenner nicht nur der Geschichte dieses Grandhotels, sondern der gesamten Côte d’Azur. Nicht so amüsant wie ich hoffte, aber ein Insiderschmöker. Das Buch war ein Geschenk von Frau Ackerbau. Über Herrn Ackerbau kam ich (indirekt) zu diesem Musiktipp bzw. zu dem Album „The French Mademoiselle“ von Jacqueline Taieb, die gerade mal 14 oder 15 war, als sie diese Songs schrieb und sang. Ein zu Unrecht vergessenes Album aus den Sechzigern. „7 heures du mat“ kannte ich, ohne es zu kennen, es wurde mehrfach in Werbespots verwendet. Ich hoffe, das Video ist in Ihrem Land abspielbar.

„111 Lieux à Toulouse à ne pas manquer“ verfasst von Hilke Maunder, der Autorin des für Frankreich unumgänglichen Blogs „Mein Frankreich„, gibt es auch in Deutsch, ich habe es aber aus familiären Gründen in Französisch erworben. So verstehen wir alle was wir lesen, wenn wir das nächste Mal in Toulouse sind, denn dort lebt Monsieurs Sohn. Sehr schöner Insider-Reiseführer, der eher Unbekanntes und Abwegiges in der rötlichen Backsteinstadt vorstellt. Ich habe oben einen Toulouse-Artikel von Hilke verlinkt; dort gibt es auch die Bestellmöglichkeiten für beide Ausgaben. Wenn Sie über die angegebenen Links bestellen, erhält Hilke zusätzlich ein paar wenige Cents.

Ein anderes Insider-Büchlein ist „Menschen in Paris“ des Hamburger Fotografen Stephan Gabriel (von dem meine letzten Autorinnenfotos stammen), ein in BoD hergestellter kleiner Bildband, den ich als ehemalige Buchhändlerin als Geschenkband für ParisliebhaberInnen empfehlen würde, vereint, wie der Titel verspricht, eine Menge kleiner Porträts besonderer Menschen in Paris: der Imker, der auf den Dächern von Paris Bienenstöcke aufgestellt hat und dort den unter dem unromantischen Namen „miel béton“ bekannten Honig produziert. Eine deutsche Kneipe, ein deutscher Tante Emma-Laden, eine deutsche Köchin werden vorgestellt, Frankreichs erste weibliche Barbierin bekommt ein Kapitel, ein Regenschirmreparateur (was mich so an die Comédie Musicale „Les parapluies de Cherbourg“ erinnert), ein Kioskbesitzer, der Nachbarschaftshilfe anbietet, und noch ein paar andere. Das Porträt, das mich besonders berührte, ist das der Concierge im 11. Arrondissement, die am 13. November 2015, beim Anschlag auf das Bataclan, die sonst fest verschlossenen Türen zum Hof und zu ihrer kleinen Concierge-Wohnung öffnete, damit Menschen sich in Sicherheit bringen konnten. Der Band kann beim Autor bestellt werden, und wird, auf Wunsch mit Widmung, gut verpackt und umgehend versendet.

Und hier ein weiterer Link zu einem wunderbaren Literatur-Podcast, der im Moment ausschließlich über das Regionalradio Okerwelle, gehört werden kann. In Zeiten, in denen Literatursendungen bei den großen Sendern weggekürzt werden, ist es wohltuend zu erleben, dass diese Literatursendung neu geschaffen wurde. Eine knappe Stunde sprechen Julia Bekurs und ihre Kollegin Britta Schinke im Podcast mit dem Titel „Der erste Satz“ freundlich, engagiert (und mit sympathischen Stimmen) über Bücher, die sie lesen, gelesen haben oder lesen werden. Die vorgestellten Bücher bekommen viel Raum, es geht nicht nur um den ersten Satz, in der letzten Folge wurden ganze Seiten vorgelesen, und häufig kommt auch der Schutzumschlag „zu Wort“, der hin und wieder ein Anreiz gewesen ist, das Buch zu wählen! Trotz der angenehmen Ruhe, mit der in diesem Podcast gesprochen wird (Langsamkeit würde es nicht treffen) schaffen beide Frauen es, viele und ganz unterschiedliche Titel vorzustellen. In der letzten Folge ist mir persönlich Mirna Funk „Winternähe“ sehr nah gekommen und wird ein Lesewunsch. Die Krimireihe der Autorin Christine Cazon wird übrigens ab etwa Minute 24 vorgestellt.

Einen schönen Lesesommer wünsche ich Ihnen! Für mich ist und bleibt es, wie jedes Jahr, ein Schreibsommer. À bientôt!

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Dies und das

Ich war versucht, den Text „Alfred, Amy, Amal und Ahrweiler“ zu übertiteln, hatte aber Angst, dass die Menschen aus anderen Hochwassergebieten sich gekränkt fühlen könnten. So, damit wissen Sie aber schon, was Sie hier heute erwartet. Bisschen Klatsch und am Ende wirds ernst.

Ich hänge allem hinterher, herrjeh. Alfred Biolek ist gestorben, das wissen Sie schon und muss ich Ihnen nicht verlinken, da gab es bestimmt in den deutschen Medien genug Rückblicke. Ich mochte ihn und vor allem seine Sendung Bios Bahnhof sehr gerne. Die Kochsendungen ging ein bisschen an mir vorbei, Sie wissen, dass ich früher nicht gerne gekocht habe. Ich erinnere mich trotzdem an ein Guiness Stew, das Heike Makatsch bei Alfredissimo gekocht hat. Ich habe Biolek fassungslos in Erinnerung, Rindfleisch mit Bier im Ofen und basta. Habs leider nicht mehr gefunden.

Amy Winehouse hatte gestern ihren zehnten Todestag, auch zu ihr gabs Nachrufe und Sendungen, auch in Frankreich, gestern Abend spät. Mein Lieblingssong. Erstmals (dank der Sendung gestern Abend) den Text verstanden. Nicht lustig.

Kommen wir zu lebendigen Stars: Amal und George haben ihr Landgut in Brignoles erworben (wir berichteten), sind erstmals dort gewesen, und sie haben den Bürgermeister zu sich eingeladen! Das ist doch nett, ich glaube, das hat bisher keiner der Stars hier unten gemacht. Entsprechend stolz hat der Bürgermeister ein Foto auf seiner Facebook-Seite gepostet. Hätte ich vermutlich auch gemacht. Brignoles ist ein Städtchen mit etwas mehr als 17.000 Einwohnern, übrigens, gerade beim Googlen erfahren, mit Groß-Gerau in Südhessen verschwistert! Bei uns hieß Groß-Gerau auch immer nur französisch angehaucht Gra(h)n-Scheroh, obwohl ich damals noch gar nichts von Brignoles wusste. Groß-Gerau ist ein eher unscheinbares Städtchen, das man vom Vorbeifahren Spargel- und Erdbeeranbau im Ried kennt, ebenso vom Zuckerrübenanbau (Südzucker) und via Rüsselsheim für Opel. Am charmantesten fand ich seinerzeit das Kino Riedcasino, für dessen alternativen Charme und das besondere Kinoprogramm ich weite Wege auf mich genommen habe, es scheint aber nicht mehr zu existieren. Womit wir immerhin den Reigen zu Clooneys geschlossen hätten. In Brignoles also. Und nun machen sich alle über den kleinen Bürgermeister mit seinem Bäuchlein und seinem stolzen FB-Foto lustig. Egal, wir erfahren, dass Amal Clooney ausgezeichnet Französisch spricht. Sehr charmant seien beide und der Bürgermeister hofft, dass die Präsenz des Ehepaars Clooney Brignoles etwas Aufschwung geben möge. Warum auch nicht. Sehen Sie nicht alle drei entzückend aus?

Ex-ex-Präsident Sarkozy wurde für zwanzig Minuten (braungebrannt und unrasiert) in Le Lavandou gesehen, wo er zu einer Restaurant-Eröffnung eingeladen war. Wie Sie vielleicht wissen, wurde Sarkozy aber zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, die er zwar in einer Art Luxus-Knast, nämlich im Anwesen seiner Schwiegermutter ganz in der Nähe von Le Lavandou verbringt, Hausarrest hat er aber, Restauranteröffnung hin oder her, trotzdem. Zwanzig Minuten Ausgang stand man ihm dann wohl zu, bevor ihn seine sogenannten Body-Guards wieder „nach Hause“ fuhren. Er ließ sich also nur im Restaurant sehen, gegessen hat er dort nicht.

So viel aus unserer Rubrik People.

Was sonst? Das neue Frankreich Magazin kam heute gleich dreimal an! Toll! Ich bin derzeit allein zu Haus, genieße es, in meinem Rhythmus zu leben, komme aber trotzdem zu nix. Hier hat die 4. Welle begonnen, die Krankenhäuser sind schon mit Patienten der Delta-Variante voll, die sogenannten 7-Tage-Inzidenzzahlen meines Departements verrate ich Ihnen besser nicht, sie explodieren nämlich, und der Sommer mit all den Urlaubern ist noch nicht vorbei. Ich sehe mich im September schon wieder im Lockdown, dabei war ich noch gar nicht wirklich draußen. Daher haben wir jetzt den umstrittenen „Pass-Sanitaire“, mit dem man nachweist, dass man zweimal geimpft oder negativ getestet ist, wenn man irgendwo reinwill (Kino, Restaurants, Einkaufszentren). Konzerte, eben noch vollmundig angekündigt, werden wieder abgesagt, weil nun nicht mehr 1000, sondern nur noch 50 Menschen versammelt sein dürfen. Noch ist die Maskenpflicht im öffentlichen Raum nicht wieder Pflicht geworden, das wird aber möglicherweise nicht mehr lange auf sich Warten lassen.

Zum Hochwasser in Deutschland. Wie Sie sich vielleicht erinnern, waren wir seinerzeit in Cannes auch betroffen. Wir haben bestimmt 5000 verschlammte Bücher weggeworfen. Und ja, wir haben nur Bücher verloren, nicht viel mehr, ein Hobby, die Sammlung des Gatten. Es tat weh, aber wir können ohne weiterleben. In Deutschland haben so viele Menschen alles verloren, es ist erschütternd. Ich bin, aus Gründen, den Büchermenschen besonders nah und möchte hier ein paar Links teilen.

Es gibt zwei konkrete Hilfsaktionen über Gofundme.com für eine Buchhandlung in Bad Münstereifel und eine Buchhandlung in Kall. Ich bin sehr gerührt zu sehen, dass in beiden Fällen, die erhoffte Zielsumme schon überschritten wurde. Ob die wirklich reicht, um weiterzumachen und monatelang ohne Einkünfte zu überleben, sei dahingestellt. Es gibt aber noch andere Buchhandlungen, die „ertrunken“ sind, das Börsenblatt zählt sie hier auf. Man kann die Buchhandlungen direkt oder auch über das Sozialwerk des Deutschen Buchhandels, Stichwort „Hochwasser 2021“ unterstützen; die Bankverbindung findet sich im verlinkten Artikel.

Über diesen Text von Friederike vom Landlebenblog habe ich von der Autorin Karin Joachim erfahren, der die Ahr das Haus durchgespült hat. Sie hat dabei alles verloren. Sie jammert nicht, bittet aber um Unterstützung durch den Kauf ihrer Bücher. Über Isabel Bogdan hörte ich von dem Antiquar und Versandbuchhändler Tobias Wimbauer in Hagen, dem das halbe Buchlager (50.000 Bände) abgesoffen ist und der dringend einen neuen Lagerraum für die restlichen Bände und vielleicht auch sonst Hilfe benötigt. Ich habe leider keinen richtigen Link gefunden, aber Tobias Wimbauer sucht derzeit über ebay nach einem Lagerraum.

Geldspenden, auch Sachspenden sind eine Sache, aber falls Sie Zeit und körperliche Kraft haben, bitte helfen Sie aktiv irgendwo. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie mühsam das Wühlen im Schlamm ist und wie die körperliche Kraft nachlässt und wie sehr die Unterstützung von HelferInnen motivieren kann, weiterzumachen. Es ist eine Scheiß-Arbeit, und man wagt nicht, jemanden damit zu behelligen. Ich werde unseren HelferInnen, vor allem denen, die auch nach mehreren Tagen noch da waren, nie vergessen, was sie getan haben. Vielleicht können Sie auch mit Kaffee oder gekochtem Essen helfen oder mit dem Belegen von Sandwiches oder was weiß ich. Ich verlinke dazu jetzt aber keinen Text, ich vermute, Ihre Zeitungen sind voll davon. Wenn nicht, suchen Sie einfach im Internet nach „Hochwasser wie kann ich helfen“. Danke.

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Sommer, Sonne, Cinéma, die Zweite

Es ist vorbei das Festival. Ich war häufiger im Kino als gedacht, ich hätte auch noch viel mehr Filme sehen können, denn es gab Freikarten à gogo; es war deutlich weniger Publikum da als sonst, und man wollte die Filme ungern in halbleeren Sälen vorführen. Ich habe morgens um Acht den neuen Film von Jacques Audiard gesehen, Les Olympiades, und ebenso morgens in aller Frühe einen marokkanischen Film Haut et Fort von Nabil Ayouch.

Jacques Audiard hat mich mit De Rouille et d’Os „Von Rost und Knochen“ seinerzeit sehr beeindruckt und Nabil Ayushs „Much loved“, ein Film über Prostituierte in Marokko, fand ich auch sehr gut.

Die neuen Filme sind beide weniger stark. Les Olympiades habe ich dennoch gerne gesehen: Ein in Schwarz-Weiß gedrehter Film über multikulturelle Liebe im 13. Arrondissement in Paris, Chinatown, in der Hochhaussiedlung, die Les Olympiades heißt. Kein weltbewegender Film, aber angenehm, französisch, es wird viel gevögelt geliebt. Der Saal war voll. Das Publikum hat zwischendurch gelacht und am Ende viel applaudiert.

Nabil Ayouch will hingegen die Welt verändern; zumindest versucht sein zunächst nicht besonders sympathisch wirkender Held, Anas, ein ehemaliger Rapper, in einem ärmlichen Vorort von Casablanca Jugendlichen (Jungen und Mädchen) den Rap näherzubringen und damit Musik, Tanz, Ausdruck. Das gefällt natürlich nicht allen. Es passiert nicht viel in diesem Film, Haut et Fort meint „Laut und Deutlich“ und er hat eine deutliche Botschaft: Jugendliche diskutieren über ihr Leben und werden zunehmend mutiger, freier und kritischer. „Wir sind kein Religionskurs“ schimpft Anas einmal, als die Diskussionen der Jugendlichen zu sehr von dem getragen sind, was „die Religion erlaubt“ und was nicht. Er betet auch als einziger nicht, und beobachtet vom Dach aus, wie sich die ganze Stadt zur Gebetszeit niederkniet. Mich erinnerte es an eine moderne marokkanische Variante von „Der Club der toten Dichter“. Auch hier Applaus, der Saal aber war weniger voll.

Ein Doku-Film, der hier sehr gemocht wurde, ist Charlotte Gainsbourgs Film über ihre Mutter Jane Birkin Jane par Charlotte. Das ist natürlich superfranzösisch. Charlotte wird hier ebenso geliebt wie Jane und alle Journalisten sind hingerissen von dieser Zartheit, wie beide Frauen miteinander kommunizieren. Eine Liebeserklärung. Ein Mutter-Tochter-Tête-à-tête. Es gab berührende Standing Ovations.

Titane von Julia Ducourneau habe ich bewusst nicht angesehen und ich verlinke nichtmal den Vorfilm. Zu bizarr, zu gewalttätig. Sex mit Autos. So etwas will ich nicht sehen, auch wenn er mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde. Nicht nur ich hatte den Eindruck, dass es dieses Jahr bei der Preisvergabe sehr politisch korrekt zuging. Man wollte die Goldene Palme wohl unbedingt einer Frau geben, und die zweite Frau im Rennen kam aus Ungarn. Ungarn ist politisch wieder nicht ganz so korrekt und Titane ist sicher der bizarrste Film der Auswahl – passt. Spike Lee, wieder in einem sehr speziellen Anzug, hat leider die Dramaturgie des Abends durcheinander gebracht, indem er die Gewinnerin der Goldenen Palme als Erstes nannte, statt den „ersten Preis“. Irgendwie wirkte danach alles etwas verrutscht. Überhaupt fand ich die ganze Zeremonie komisch unprofessionell, als würden sie das alles zum ersten Mal machen.

Jetzt ist es also rum. Es hat hier noch einmal viel geregnet, was auch für uns im Juli ungewöhnlich ist; bis eben hatten wir richtig kühle Nächte und haben sogar wieder eine Decke aus dem Schrank geholt. Das ist natürlich die Überleitung zur Hochwasserkatastrophe in Deutschland, von der ich erst mit etwas Verspätung erfahren habe. Als ich Monsieur davon erzählte, sagte der „nun übertreib mal nicht!“, aber schon kamen unfassbare Bilder in den französischen Abendnachrichten, und sie kamen sogar auf die Titelseite der Tageszeitung, und das während des Festivals! Die Stadt Cannes, die 2015 eine vergleichbare Katastrophe erlitten hat, aber regional begrenzter, (Sie erinnern sich vielleicht) hat den betroffenen Gebieten in Deutschland finanzielle Unterstützung zugesagt. Weltumspannende Solidarität, denn die hat Cannes damals auch erfahren. Dabei arbeiten wir im Süden auch noch an den Schäden, die die Hochwasserkatastrophe letztes Jahr im Hinterland in den Tälern Tinnée, Vesubie und Roya angerichtet hat; das ist hier noch lange nicht überstanden. Ich kenne also diese Bilder von den verschlammten und teilweise weggeschwemmten Häusern, von den weggebrochenen Brücken und aufgeplatzten Straßen, gestrandeten Möbeln, Holz, Kühlschränken, Autos. Aber Bilder von Menschen, die „in meinem sicheren Deutschland“ auf Dächern ihrer Häuser sitzen und gerade noch so gerettet werden, treiben mir Tränen in die Augen. Für mich sind die deutschen Häuser, Dörfer und Städte der Inbegriff von Solidität. Und dann werden sie in minutenschnelle genauso weggeschwemmt wie kleine Holzchalets in Südfrankreich, das erschüttert mich sehr. Ich bin tout coeur mit allen Menschen, die betroffen sind.

Ich will ja immer noch viel mehr erzählen, habe seit Wochen einen anderen Blogbeitrag in Arbeit, aber man kommt ja zu nix. Hier jetzt also nur schnell und in eigener Sache den Hinweis auf das Interview am Mittwoch, 21. Juli 2021 im WDR 5 – in der Sendung „Neugier genügt“ bekomme ich eine halbe Stunde „Redezeit“: ein Live-Gespräch zwischen 11 und 11.30 Uhr. Wenn Sie auf den Link zum WDR klicken, sollten Sie dann direkt zur Sendung kommen.

ps: Hier der Link zur Aufzeichnung des Interviews, falls Sie es live verpasst haben sollten oder auch, wenn Sie meine Stimme nochmal hören wollen ;-)

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12 von 12 im Juli 2021

Blick aus dem Fenster.

Vermutlich das erste Mal, dass ich im Juli an 12 von 12 teilnehme. Schon am Morgen dachte ich, dass es zumindest farblich ein doofes 12 von 12 werden wird, es sah zumindest sehr nach Gewitter aus, hat sich im Laufe des Tages dann aber zu einem schwülwarmen halbbedeckten Tag entwickelt. Es hat schon zweimal geregnet im Juli, absolut ungewöhnlich, auch die sonnige Côte d’Azur hat einen „Schlechtwetter-Sommer“. Hat vielleicht auch mit dem Filmfestival zu tun, denn es regnet immer (!) während des Filmfestivals, darauf kann man wetten. Da kann man es verschieben so viel man will, Mai oder Juli, vollkommen egal.

Frühstück. Manche Dinge ändern sich nicht. Pepita wartet vor dem Küchenunterschrank.

Am Mittwoch ist Nationalfeiertag, ich bekomme heute außerdem vermutlich Spritzen in die Knie und weiß nicht, wie es mir danach gehen wird, deswegen machen wir heute früh umfassende Einkäufe. Da ich auch starke Schmerzen in der Schulter habe, bitte ich den Gatten, mich zu begleiten, ich kann fast nix mehr mit dem Arm machen, schon gar nichts Schweres (2 x 6 Flaschen Perrier zu Beispiel) heben. Seit dem Beginn von Corona vor anderthalb Jahren ist Monsieur nicht mehr im großen Supermarkt am Rande der Stadt gewesen. Er hat alle möglichen Veränderungen verpasst und versteht schonmal nicht, dass man nur noch zu zweit im Aufzug sein darf. Er starrt auch das dünne Papiertütchen verständnislos an, das ich ihm am Obststand reiche. Was ist das? Das ist eine Papiertüte, erkläre ich ihm, die haben die komischen Maisfasertüten abgelöst. Die gibt es jetzt hier für Obst und Gemüse. Aha.

Mit dem Gatten einzukaufen ist für mich ein doppeltes Logistikproblem. Zunächst muss ich eine zweite Einkaufsliste für ihn machen. Eindeutige und leicht auffindbare Dinge soll er in seinen Wagen werfen, den Rest nehme ich. Wir haben zwei Wagen, denken Sie sich schon. Die sind auch beide voll am Ende, das erstaunt mich immer wieder. Vor allem erstaunt mich, dass zwei Wochen später alles aufgegessen und aufgebraucht ist und wir von vorne beginnen. Erschwerend kommt hinzu, dass unser Metzger eine schlimme Bandscheibengeschichte hat und die Metzgerei bis auf Weiteres geschlossen ist. Der Kühl-Lieferwagen meiner Gemüsekisten-Mädels ist ebenso zusammengebrochen, sie können nicht mehr liefern. Ich komme also zeitgleich weder an gutes Fleisch noch an frisches Gemüse – zumindest in meinem derzeitig eingeschränkten Bewegungsradius. Der Gatte hat wenig Ambitionen meinen aufwändigen Markt (Gemüse, Obst, Fisch, Käse, Eier) – Supermarkt (Kaffee, Nudeln, Waschmittel, Katzenstreu, Klopapier, Rosé uvm.) – Metzger – Bäcker – Einkaufsmarathon zu übernehmen. Also wird heute ganz pragmatisch etwas mehr im Supermarkt eingekauft. Monsieur findet aber vieles nicht, der Supermarkt hat in der Zwischenzeit mehrfach umgeräumt, dafür nimmt er, wie von der Umräumaktion beabsichtigt, anderes mit. So haben wir am Ende doppelt Schinken, doppelt Melone, doppelt Desserts (nicht schlimm, wird aufgegessen) aber auch Dinge, die sich mir nicht erschließen: Mülltüten (wir haben Mülltüten bis Ende des Jahres) Dosenaprikosen (in Zeiten, in denen es frische Aprikosen gibt), salziges Popkorn, Chips, Kapern. Ich muss mich mit meiner Einkaufsliste und dem, was er nicht gefunden hat, beeilen, denn Monsieur geht schon zielstrebig zur Kasse. Ich schärfe ihm ein, dass er VOR der Kasse auf mich WARTEN soll! Sie lachen? Ich sags Ihnen, ich lache da nicht mehr.

Eingekauft

Zurück, räume ich alles dahin, wo es hingehört und freue mich wieder einmal über den neuen geräumigen Kühlschrank. Schon mache ich Mittagessen, früh heute, den ich habe zu bester Mittagspausenzeit mein (kurzfristig früheres) Rendezvous mit der Rhumatologue. Es gibt rohe Artischocken als Vorspeise für den Gatten, ich aß zwei Scheiben Wassermelone, dann von gestern aufgewärmtes Ofengemüse und frische Lammleber. Kein Käse, wir haben gerade einen anspruchsvollen (geschmacklich und olfaktorisch) Reblochon beendet. Als Nachtisch gibts Eis. Foto etwas spät aufgenommen.

Dann warte ich vor dem Haus; Monsieur fährt mich in die Innenstadt und parkt das Auto.

Ich gehe ein paar Schritte durch die belebte Rue d’Antibes und sehe Filmküsse im nur noch leicht bedeckten Himmel. Hier Simone Signoret und Yves Montand.

Wartezimmerromantik. Ich bekam erneut Kortison in die schmerzende Schulter/Oberarm, außerdem das Rezept für zweimal drei Hyaluronspritzen, die es in wöchentlichen Abständen demnächst in beide (!) Knie geben wird. Aber eben noch nicht heute.

Monsieur holt das Rezept für mich und dann das Auto, ich trinke, während ich auf halbem Weg auf ihn warte, einen Espresso, das Foto ist leider verschwommen, auch sehr unspektakulär, aber wer weiß wie lange das noch möglich ist, es wird ja alles schon wieder schlimmer. Kein Wunder eigentlich.

Wieder zuhause, beantworte ich ein paar Mails, daddel mit dem Telefon herum, klaue dieses schöne Foto meiner Kunst-Cousine @petrapan, die bereits das neue Frankreichmagazin liest!

Kümmere mich um die Katze, die einen 17 Uhr Snack einklagt, Wasser trinken will und außerdem Streicheleinheiten braucht.

Kleines Telefonat, schon gibts Abendessen. Wir bekamen Leisa-Nudeln von der Alb auf Linsenbasis geschenkt, die probiere ich heute Abend aus; ich esse sie mit selbstgemachtem Pesto und finde sie toll! Monsieur isst ein Stück Lammleber von heute Mittag und kaut unzufrieden auf den Nudeln herum, sie können ihn nicht überzeugen. Nichts geht über Nouilles (komische kurze Bandnudeln).

Monsieur schaut bereits einen alten Western, ich setze mich vielleicht dazu; später habe ich diese Nachtlektüre zu beenden.

So viel für heute. Danke fürs Anschauen und Lesen. Die anderen 12von12er wie immer hier!

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Sommer, Sonne, Cinéma

Ok, die Alliteration klappt nur bedingt. Aber wir wollen nicht zu kritisch sein, es ist Sommer, es ist heiß, das Hirn dampft. Ich habe sogar den 5. und „Was machst du eigentlich den ganzen Tag“ vergessen. Keine Entschuldigungen, was alles nicht geht, nur jetzt schnell ein paar Eindrücke aus Cannes, der sommerlichen Festivalstadt, denn es hat gestern begonnen, das diesjährige Filmfestival. Letztes Jahr fiel es aus, dieses Jahr wurde es noch von Mai in den Juli verschoben, und man bangte lange ob, und ja, jetzt ist es da, und vielleicht ist es nicht so voll wie sonst, aber es ist ausreichend Getümmel in der Innenstadt, die wir jetzt großräumig meiden.

Das 74. Filmfestival in Cannes wurde also gestern Abend eröffnet. Und ich war dabei! Zumindest habe ich die Eröffnungszeremonie und die ersten „montée des marches“ der Jury und der Schauspieler des Eröffnungsfilms gesehen, allerdings via Live-Übertragung von Canal+ in einem kleinen Stadtteilkino. Es war das erste Mal, dass ich „so nah dran“ war und es war schon beeindruckend. Vor allem ist es wahnsinnig laut, hunderte Fotografen im Smoking, rechts und links des roten Teppichs positioniert, brüllen ununterbrochen, dass sich die Stars bitte zu ihnen drehen möchten, die Stars drehen sich dann auch gehorsam und lächelnd in alle Richtungen und gehen laaangsam den Teppich entlang und die Stufen hinauf.

Am Rand stehen Journalisten von Canal+ und ziehen immer mal eine Schauspielerin (Jodie Foster, Carla Bruni, Marion Cotillard), Filmschaffende oder die Kulturministerin Roselyn Bachelot vom roten Teppich und vor die Kamera und die Mikros und fragen stakkatomäßig dies und das. Viel Zeit ist nicht. Schon formiert sich die Jury des Filmfestivals um den in fluo-pink gekleideten Spike Lee. Mit ihm hat erstmals ein Afroamerikaner die Rolle des Jury-Präsidenten inne. Und wir haben fünf Frauen, darunter die französische Sängerin Mylène Farmer, und drei Männer (aus insgesamt sieben Ländern) in der Jury. Und als erstes bekommt Jodie Foster eine Ehrenpalme für ihr Werk: Sie spricht zu meiner Überraschung perfekt französisch und dankt mehrfach ihrer Frau Alexandra. Mehr political correctness geht nicht am ersten Abend.

Spike Lee hat gestern zwar ziemlich wenig Text, macht aber von sich reden, dank des farbigen Outfits bis hin zur fluo-pinkfarbigen Sonnenbrille, und zieht klar, alle Blicke auf sich. Monsieur, der seit Jahren eine fluo-grüne Sonnenbrille trägt, ist vermutlich plötzlich ziemlich hip.

Es drängeln sich auch trotz COVID ziemlich viele Menschen (vorwiegend ohne Masken) am Absperrgitter, stehen auf Leitern und rufen ihren Stars ebenso zu. Manche bekommen sogar ein Autogramm – Marion Cotillard war sehr freundlich und schrieb ihren Namen ziemlich oft auf ihr entgegengestrecktes Papier und lässt sogar Selfies machen.

Der große Saal im Palais des Festivals ist voll, nicht alle tragen Maske, aber die meisten. Nach der Eröffnungszeremonie (wie gesagt Jodie Foster bekommt die Ehrenpalme und hält eine lange Rede in perfektem Französisch; ist sie nicht großartig?)

sehen wir im Kino, genau wie das Publikum im Saal, den Eröffnungsfilm „Annette“ von Leos Carax, von dem ich zu meiner Schande noch nie gehört habe. Ich bin also komplett neutral und gespannt auf den Film. Er wird uns als eine tragédie musicale angekündigt, ein tragisches Musical, ein gesungener Film. Aber eben kein heiterer.

Es beginnt dynamisch, Marion Cotillard, Adam Driver, ein paar Musiker (Sparks) und ein Chor laufen durch die Straßen und singen, „so may we start“, vielleicht singen sie auch was anderes, aber das ist das, was ich verstehe, „Lasst uns anfangen“, sie singen in Englisch. Es gibt aber französische Untertitel. Wollen Sie den Inhalt? Wenn nicht, überspringen Sie den Absatz nach dem Trailer.

Ich hoffe, das Video ist in Ihrem Land zu sehen.

Eine zarte Opernsängerin Ann (Marion Cotillard) und ein, wie man später erfährt, gewalttätiger Komiker Henry (Adam Driver), der sein Publikum mit provokanten Szenen zum Lachen bringt, sind überraschend ein Liebespaar geworden. Sie bekommen ein Kind, ein Mädchen, Annette, die beinahe bis zum Schluss von einer Marionette gespielt wird. Sehr bizarr. Der Komiker trinkt zu viel, ist eifersüchtig und bringt erst die Sopranistin um, später noch den besten Freund, der vielleicht der echte Vater von Annette ist, denn er hatte eine kurze Liebesaffäre mit der Sängerin. Außerdem beutet er seine kleine Tochter „Baby Annette“ aus, die von ihrer Mutter auf mystische Weise eine magische Stimme „geerbt“ hat. Die Tochter singt dann eines Abends vor einem Millionenpublikum nicht mehr, sondern klagt ihren Vater an, Menschen getötet zu haben. Ende im Gefängnis. Hier jetzt singt ein echtes kleines Mädchen, dass sie ihrem Vater nie verzeihen wird, was er getan hat. Das alles wird gesungen, dauert 2 Stunden und 20 Minuten und ist damit sehr lang. Ich hatte Hunger, Schmerzen im Knie, das ich nicht bewegen konnte, gähnte hinter meiner Maske und war versucht, mein Smartphone zu öffnen, um zu sehen, ob es etwas Interessanteres gäbe. Zu meiner Beruhigung ging es dem Publikum im Saal nicht anders. Die ZuschauerInnen waren im besten Fall verstört. Die meisten gelangweilt und genervt. Niemand klatschte. Die Kritiken in Nice Matin gehen heute von „Punk Oper“ über „meisterhafter Märchenerzähler“ bis zu „Unklar“ und sie vergeben 1 bis 3 (von 5) Palmen. Telerama aber, das intellektuelle Kulturblatt, spricht von einem Gesamtkunstwerk.

So viel zum Kino in Cannes. Das Sommerliche folgt (hoffentlich bald) in einem Sommer-Special.

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Le deuxième tour – Regionalwahl

Für den zweiten Wahldurchgang habe ich Procuration beantragt. Man muss ja alles mal gemacht haben, nicht wahr. Dazu muss man sich zunächst das Dokument cerfa 14952*02 herunterladen, online ausfüllen, wozu man wiederum die Angaben der Person benötigt, die für einen wählen soll, man druckt es aus und begibt sich damit zur Polizei oder zur Gendarmerie.

Ich wählte das nächstliegende Commissariat, indem auch Commissaire Duval tätig ist, ich dachte, ich zwinkere ihm mal wieder zu; ich kam extra kurz nach 14 Uhr, der Beginn der Mittagsschicht, er war aber vermutlich noch in der Mittagspause.

Ich stand um diese Uhrzeit nicht allzulange in der Sonne vor dem Commissariat herum; es dürfen derzeit immer nur sechs Personen gleichzeitig hinein, man muss sein Anliegen an einer Sprechanlage formulieren und dann öffnet sich eine Türschleuse. Die zweite Tür öffnet sich, sobald die erste wieder geschlossen ist. Ich durfte aber zusätzlich hinein und mich, nachdem ich mein Anliegen vorgetragen und sämtliche Dokumente vorgezeigt hatte, sogar setzen, Gehstock sei Dank.

Man muss nicht begründen, warum man nicht selbst wählen geht, aber man muss en règle sein und die Person, die anstatt wählt, natürlich ebenso. Und sie muss im gleichen Wahlbezirk wählen dürfen. Ich bin zwar en règle, aber ich habe noch kein französisches Ausweisdokument, insofern schleppte ich den Brief vom Innenminister mit mir herum, der mir bestätigte, dass ich Französin sei.

Ein Teil meines Antrags auf Procuration blieb bei der Polizeidienststelle, die ihn an die Mairie in Châteauneuf weiterleiten wird. Ich bekam meinen Teil datiert und abgestempelt, schickte ein Foto davon für alle Fälle an die Freundin, dann rief ich sie an und flüsterte ihr ins Ohr, wen sie bitte für mich wählen möge.

So viel Auswahl haben wir nicht mehr. Vielleicht haben Sie in einem Kommentar zum letzten Beitrag gelesen, dass in unserer Region der Kandidat der Grünen gezwungen worden war, sich zurückzuziehen. Er hatte zunächst verlauten lassen, dass er auch beim zweiten Durchgang zur Wahl stehen wolle, dann aber wurde er von seiner Parteileitung angewiesen, sich zurückzuziehen, um, wie so oft, die Wahl von Marine Le Pen „zu verhindern“.

Der zweite Wahldurchgang funktioniert im Verhältniswahlrecht – wer die meisten Stimmen hat, hat gewonnen. Mariani, der Kandidat, der Marine Le Pen nahesteht, und der im ersten Durchgang schon über 35% Stimmen bekommen hatte, würde, wenn sich nichts ändert, vermutlich gewinnen, denn Muselier und Felizia, der Kandidat der ökologischen Partei, würden sich die „Gegenstimmen teilen“ (31% Muselier, 16% Felizia). Indem Felizia seine Liste zurückzieht, hofft man, dass dessen Wähler nun, zumindest zu einem gewissen Prozentsatz, Muselier, als das „kleinere Übel“ wählen, sodass dieser mehr Stimmen als Mariani erhält, und man so einmal mehr Marine Le Pen verhindert hat.

Das Verhältniswahlrecht des zweiten Durchgangs gilt aber nur für die Wahl, es gilt nicht für die Aufstellung des Regionalparlaments. Der, dessen Partei gewonnen hat, regiert. Die anderen bekommen ein oder zwei Personen ihrer Wählerliste ins Parlament, damit könnten sie sich vielleicht hin und wieder Gehör verschaffen, wirklich erreichen können sie so gut wie nichts. Da ich aus dem Land des Verhältniswahlrechts und der Koalitionen komme, bleibt mir dieses „alles oder nichts“-System fremd. Der Gatte sagt, anders könne man dieses (ohnehin schwer regierbare) Land nicht regieren, weist aber darauf hin, dass Muselier von Anfang an auch Macrons Partei LREM La République en marche hinter sich habe, also bereits eine Art „Koalition“ geschaffen habe, was ihm von „Partei-Puristen“ übrigens übel genommen wird.

Um 16.25 Uhr erfahre ich, dass ich gewählt habe, im Dorf sind tatsächlich noch ein paar Personen mehr im Wahlbüro erschienen als bei der ersten Runde, 76 von 90. So sieht es auch im Rest unserer Region aus: Hier, wo es um etwas geht, haben sich die Menschen doch aufgemacht und gewählt (aber dennoch nur etwa 35%).

Im Rest Frankreichs ist die Wahlbeteiligung jedoch extrem gering. Noch geringer als beim ersten Wahldurchgang. Gerade haben wir erfahren, dass es die niedrigste Wahlbeteiligung ever war. Die einen erklären es gerne mit dem Wetter: es regnet in einem Teil des Landes, die Sonne scheint zu verlockend in unserem Teil. Die anderen sagen, die jungen Leute (die größte Gruppe der Nichtwähler) haben anderes im Kopf nach Monaten mit COVID-Maßnahmen. Wieder andere sagen, die Regionen sind grundsätzlich überflüssig, was sie tun ist undurchsichtig und im Zweifelsfall haben sie keine Macht, daher ist die Wahl für die WählerInnen uninteressant.

Wie dem auch sei, um 20 Uhr haben wir erfahren, dass in unserer Region, wie zu erwarten, Muselier gewählt wurde, und zwar mit deutlichen 56% (exakte Zahlen gegen 22 Uhr). Uff!

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a voté – Regionalwahl 2021

„Kommt ihr am Sonntag oder habt ihr jemandem „Procuration“ erteilt?“, fragte mich vor ein paar Tagen eine Freundin aus dem Bergdorf. Die soziale Kontrolle im Dorf, in dem 90 Personen in die Wählerliste eingetragen sind, ist groß. Dass ich dort wähle, seitdem ich Französin geworden bin und an allen Wahlen teilnehmen kann, ist selbstverständlich. Hier zählt jede Stimme. Überhaupt zählt in so einem Mikrokosmos jede und jeder. Im Guten wie im Schlechten. Eine Person, die in unregelmäßigen Abständen im Alkohol versinkt, und Touristen, die Jurte und Zirkuswagen für die Ferien gemietet haben, nicht empfängt und die Unterkünfte verkommen lässt, trägt genauso zum Ruf des Dorfes bei wie die junge Schäfer-Familie mit drei Kindern, die etwas „bohemien“ lebt, alternativ in Zelt und Jurte, aber freundlich und hilfsbereit ist und außerdem ausgezeichneten Käse macht.

Selbstverständlich fahren wir ins Dorf zum Wählen. Es ist immer ein Tagesausflug, aber er dient auch dazu, mit den Menschen Kontakt zu halten. Man begrüßt sich und spricht mit allen, erkundigt sich nach den Neuigkeiten, und wir erzählen unsererseits les nouvelles von „unten“, von der Küste, und wenn es nur das stickige Wetter ist, über das man klagt. Dieses Mal erzähle ich vom Knie und bekomme solidarische Mitleidsbekundungen aller älteren Damen, die sich, wie ich, vorsichtig an Gehstöcken über den steilen und unwegsam-steinigen Dorfboden bewegen. Ach, ach!

Immerhin hat die Mairie, die Gemeindeverwaltung, einen barrierefreien Zugang zum „Hôtel de Ville“, zum Rathaus, geschaffen, nicht nur für die gehbehinderte Mutter der Bürgermeisterin, aber das familiäre Handicap hat die Entscheidung dafür sicherlich beschleunigt.

Gestern wurde nicht nur regional gewählt, sondern auch départemental, beide Wahllokale im selben kleinen Büro, weshalb sich die „Wahlkabine“ als Regal im unaufgeräumten Nebenraum entpuppt. Ich konnte es auf die Schnelle nicht richtig dokumentieren und ich will mein Dorf auch nicht bloßstellen, aber es hat schon einen eigenen Charakter, zwischen zusammengeklappten Möbeln, Kaffeemaschine und Aktenordnern in einem Rattan-Regal zu wählen.

„A voté“, ruft einer der Wahlhelfer, als ich meinen mehrfach gefalteten Zettel im kleinen Umschlag in die Wahlurne stecke: „Madame hat gewählt!“

Man bekommt im Vorfeld jede Menge Papier nach Hause geschickt, zig Namen auf den verschiedenen Wählerlisten: mit dem entscheidende Slogan, ZOU oder debout la France!, beispielweise, meint „verschwindet“ oder „steh auf Frankreich!“, zwei ziemlich rechte Gruppierungen, die nicht mit Marine Le Pens extrem rechter Partei paktieren wollen und auch nicht mit der rechten Nachfolgepartei Sarkozys. Schwierig, zu verstehen, was sie von den anderen konkret unterscheidet. Dass alle Parteien in Frankreich sich ständig neu benennen und der ehemalige FN (Front National) jetzt harmloser als RN (Rassemblement National) daherkommt, verwirrt zusätzlich. Es stehen in unserer Region PACA (Provence-Alpes-Côtes-d’Azur) ein paar rechte Gruppierungen, zwei ökologische und eine kämpferische Linke (Lutte ouvrière), die noch immer den Konflikt zwischen Arbeitern und Kapitalisten austrägt und auch noch immer mit Hammer und Sichel firmiert, zur Wahl.

In Frankreich links zu sein, meint etwas anderes als in Deutschland links zu sein, und in Frankreich rechts zu sein ebenso. Unpolitisch aber kann man nicht sein. Einmal wurde ich vor einem Gespräch gefragt „bist du rechts oder links?“, als ich damals irgendetwas stotterte, dass ich als Deutsche in Frankreich im Grunde unpolitisch sei, wurde verächtlich abgewinkt. Man hat hier seine Überzeugungen, die sind oft familiär geprägt und dieser gemäßigte Mittelweg, mit dem „Besten von Rechts und Links“, den Macron mit seiner Bewegung „En marche!“ sucht, der wird hier nicht verstanden.

Die Franzosen sind ein rebellisches Volk, es wird viel, laut und dramatisch palavert, aber dann wollen sie einen, der auf den Tisch haut und etwas entscheidet. Damit ist dann die eine Hälfte einverstanden, die andere selbstverständlich nicht, und die geht dann auf die Straße und beginnt zu streiken. Das ist alles etwas verkürzt dargestellt, Sie verstehen schon.

Vorher aber wählen sie. In Frankreich braucht man eine absolute Mehrheit, bekommt ein Kandidat mehr als 50% im ersten Anlauf, ist die Wahl entschieden; häufig ist das nicht der Fall, weshalb es einen zweiten Wahlgang eine Woche später gibt. Alle Parteien, die im ersten Wahlgang nicht über zehn Prozent gekommen sind, fallen beim zweiten Wahlgang weg. Häufig ziehen sich die anderen Parteien, die keine Mehrheit auf sich vereinigen können, ebenso zurück, damit es am Ende nur zwei Kandidaten zur Stichwahl gibt. Die Parteien, die sich zurückziehen, geben häufig Wahlentscheidungen an ihre Wähler. Jean-Luc Mélenchon, von der extrem Linken Partei “ La France insoumise“ (sinngemäß etwa „unbeugsames Frankreich“) sagte gestern schon deutlich, er ziehe sich zurück und fordere seine Wähler auf, Marine Le Pen „zu verhindern“. Heißt im Klartext, auch extrem linke Wähler wählen unter Umständen letztlich eine rechte Partei, damit die extrem rechte Partei nicht zum Zug kommt. Man wählt also taktisch, nicht für, sondern gegen jemanden. Manche sagen aber auch, ich habs satt immer gegen etwas zu wählen, und meine Ideen und Überzeugungen letztlich in der Regierung nicht berücksichtigt zu sehen. Und sie wählen daher gar nicht. So geschehen gestern.

Bei der Regionalwahl haben sich frankreichweit dieses Mal zwei Drittel der Bevölkerung NICHT zu den Wahlurnen begeben. Knapp siebzig Prozent der Franzosen haben NICHT gewählt! An manchen Orten sogar über 80%.

Nicht „a voté“ sondern „n’a pas voté!“ wollte ich meine Überschrift zu diesem Text auch wählen, aber es wäre vermutlich unverständlich geworden.

Zwei Drittel Nichtwähler! Wie kann das sein?

Die Franzosen, aus vielerlei Gründen unzufrieden mit der herrschenden Politik, drücken ihre Unzufriedenheit häufig im ersten Wahlgang mit einer Protestwahl aus. So kommt immer mal wieder die rechtsextreme Partei in die Stichwahl, was regelmäßig alle zum Aufschreien bringt, eine Woche lang wird laut diskutiert, und im zweiten Wahlgang wählt man dann zähneknirschend das „kleinere Übel“. Glücklich ist dann natürlich niemand. Auch der so gewählte Kandidat sollte sich nicht darüber hinwegtäuschen, dass er für viele nicht der Herzenskandidat ist.

Da eine Stimmenthaltung, die sogenannte „vote blanc“, man geht wählen, wählt aber niemanden, weil einem niemand aus der Politikerriege zusagt, bei der Wahl nicht berücksichtigt wird, ist das Nicht Wählen die andere Art von Protest. Es ist mehr als nur ein achselzuckendes „m’en fous“, dieses „Mir doch egal, kann eh nix beeinflussen, die machen, was sie wollen“, wie es oft heißt. Dazu passt, was nur ganz wenige selbstkritische Politikerinnen sagen, die Menschen verstehen nicht, was die Regionen, die erst vor etwa dreißig Jahren geschaffen wurden, eigentlich sind und was sie machen. Sie sollten die Dezentralisierung vorantreiben, nicht mehr alles sollte über Paris geregelt werden, aber im Prinzip sind sie nur eine weitere undurchschaubare Schicht im Millefeuille der französischen Verwaltung, die noch mehr Erlasse und Gebote schaffen, mit denen einfache Vorgänge länger und komplizierter werden. Ganz zu schweigen von zusätzlichen Posten in der Verwaltung, die von den Steuergeldern bezahlt werden müssen

In meinem Bergdorf haben immerhin zwei Drittel gewählt! Man fühlt sich verpflichtet, jeder kennt jeden, man kennt auch die regionalen Politiker persönlich. Der Kandidat, der für das Département zur Wahl stand, Charles-Ange Ginesy, er stammt aus einem der Dörfer da oben, hat extra für unsere kleine Gemeinde (und vermutlich für jede Gemeinde im Département) ein Flugblatt drucken lassen, auf dem aufgelistet wurde, was das Département unter seiner Amtszeit für unser Dorf getan hat: Kosten für Straßeninstandhaltung, Straßenbeleuchtung und Wasserversorgung gehen in die zig Tausende. Euer Dorf liegt mir am Herzen, will er uns sagen, und indirekt drückt er aus, dass ohne seinen Einfluss vermutlich Schluss sei mit Subventionen für unser kleines Bergdorf.

Unsere Bürgermeisterin wünscht sich, dass er möglichst einstimmig gewählt wird, und da jede Stimme zählt, werden Personen, die sich nicht selbst zur Wahlurne begeben konnten, unterstützt, damit sie „Procuration“ beantragen. Nein, es ist keine Briefwahl. Man überträgt seinen Wahlwunsch auf eine Person seines Vertrauens; dazu muss man vorher nur mal eben zur Polizei oder zur Gendarmerie und beweisen, dass man der oder die ist, der oder die man vorgibt zu sein. Wenn Sie krank sind und nicht laufen können, kommen die Polizisten oder Gendarmen dazu auch zu Ihnen nach Hause. Klingt kompliziert? Bah oui, mais c’est la France!

Match serré titelt Nice Matin heute morgen für unsere Region PACA (Provence-Alpes-Côtes-d’Azur). Ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem derzeitigen Amtsinhaber Muselier, der 33% der Stimmen erreichte und Mariani, dem Herausforderer, der Marine Le Pen nahesteht, und der bereits über 35% der abgegebenen Stimmen auf sich vereinigte. Also 35% von 30% wohlgemerkt. Ich kann nicht gut rechnen, aber das verstehe sogar ich, dass es nicht viel ist. Kein Grund zum Jubeln.

Marine Le Pen aber reibt sich (zumindest in unserer Region) trotzdem die Hände und ruft nun ihre Schäfchen auf, nächste Woche deutlich zu sagen, was sie wollen (Schluss mit dem „herrschenden“ System), um Mariani einen sichtbaren Vorsprung zu geben. Wählen sei nicht nur ein Recht, sondern auch eine Pflicht, ruft sie. Die anderen Parteien rufen natürlich ebenso „wählt! wählt! wählt!“ Alle versuchen zeitgleich, ein Pöstchen zu ergattern. Wenn ich mich zurückziehe und eine Wahlempfehlung für dich ausspreche, dann will ich aber einen Posten im Regionalparlament haben.

Die Regionalwahl hätte ein Stimmungsbarometer für die Präsidentschaftswahl im nächsten Jahr sein sollen, stattdessen ist sie ins Wasser gefallen. Zwei Drittel Nichtwähler sprechen eine deutliche Sprache. Gewählt haben die, die irgendwie irgendwem verpflichtet sind, der Rest der Bevölkerung hat durch massives Nichtwählen das derzeitige politische System (einschließlich Marine Le Pen) abgewählt.

Was wird also nächstes Jahr bei der Präsidentschaftswahl passieren? Niemand weiß es.

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12 von 12 im Juni 2021

Schon wieder Samstag. Wenig Text heute, aber es geht bei Caro Kännchen ja auch um die 12 Bilder am 12.

1. Frühstück.

2. Monsieur legt eine Morgenpatience, ich sehe die Wahlunterlagen an. Am nächsten Sonntag ist Regionalwahl. Es gäbe dazu viel zu sagen, im Prinzip läuft es auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen von Muselier (gemäßigt rechts) gegen Mariani (der sich mit Marine Le Pen verbünden will) hinaus. Zusätzlich gibt es zwei grüne Grüppchen, zwei weitere rechte und Lutte Ouvrière, die Arbeiter-Partei, die wie immer davon spricht, die Bourgeoisie zu enteignen.

3. Aufräumen. Symbolbild. Von gestern auf heute ist es heiß geworden, ich suche heute zum letzten Mal für lange Zeit Socken zusammen.

4. Vier Farben Rot. Ich warte auf meine Mitfahrgelegenheit. Wir fahren zur Mitgliederversammlung des Deutsch-Französischen Vereins, bei dem ich vor kurzem Mitglied geworden bin.

5. Unterwegs nach und in Nizza. Da ich nicht fahre, kann ich endlich mal Fotos machen; es beeindruckt mich immer, wenn ich auf der hochgeständerten Schnellstraße quasi zwischen den Hausdächern hindurchfahre.

6. Wir kommen im Hotel an, wo wir essen und tagen werden. Was für ein Blick!

7. Erst das Vergnügen … wir essen (hier der Entrée)
8. … dann die Arbeit
9. Danach erneut das Vergnügen: Apéro auf der Terrasse.

10. Blick nach links

11. Wieder zu Hause. Abendessen. Monsieur hat eine Pizza bestellt und selbst abgeholt. Gute Initiative, ich bin nämlich zu platt zum Kochen.

12. Bettlektüre. (Ich wollte immer noch was zur letzten Bettlektüre „Trümmermädchen“ und zu meiner Lektüre überhaupt schreiben, nicht sicher, ob ich das noch schaffe, die Zeit des Schreibens wird wie immer im Sommer eng.) Dieses Buch (Leserinnenempfehlung) hat mich interessiert und dann doch abgeschreckt – noch ein fremdes Land mit einer unbekannten Geschichte; ich weiß von Frankreich noch immer zu wenig, und jetzt soll ich zusätzlich Griechenland und seine Geschichte (im Zweiten Weltkrieg) verstehen? Aber dann hat es mich gepackt – dass eine der Erzählfiguren Engländerin ist, die in Griechenland ähnliches erlebt und fühlt wie ich in Frankreich, hat mir den Einstieg erleichtert.

Danke fürs Anschauen! Die anderen 12 von 12er wie immer hier!

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WMDEDGT Juni 2021

Es ist der 5. und Frau Brüllen ruft an jedem 5. des Monats auf zum allgemeinen Tagebuchbloggen: WMDEDGT kurz für Was machst du eigentlich den ganzen Tag?

Es ist Samstag. Pepita weckt mich: sie scharrt an der Tür und miaut herzzerreißend. Ich blicke aufs Telefon: 7.30Uhr. Ich drehe mich noch einmal hin und her, dann wird Pepitas Verzweiflung unerträglich und ich stehe ich auf und öffne die Tür zum Schlafzimmer. Große Erleichterung bei der Katze. Sie begleitet mich ins Bad. Während ich Pipi mache, trinkt sie in der Badewanne Wasser.

Ich begrüße Monsieur, mache mir Kaffee, die Katze umschnurrt mich miauend und behauptet, sie habe nichts zum Frühstück bekommen. Monsieur behauptet das Gegenteil. Ich glaube in diesem Fall Monsieur. Dann setze ich mich mit Kaffee aufs Sofa und die Katze springt auf meine Knie und lässt sich genussvoll das Winterfell auskämmen. Zumindest fünf Minuten lang schnurrt sie. Dann will sie in Ruhe gelassen werden. Schwupps ist es 8.30 Uhr. Ich schubse sie sanft von meinen Knien.

Ich beginne eine Liste für den Blogeintrag, entschließe mich, es stattdessen sofort in den Blog zu schreiben, sonst wird es mir zu viel abends. Habe eine Mail, die ich lese und dann in Zusammenarbeit mit Monsieur beantworte. Nein, höfliches Schrift-Französisch kann ich immer noch nicht alleine.

8.50 Uhr ich gehe ins Bad. Als ich wieder rauskomme, ist die Samstags-Nathalie schon da. Wir trinken erstmal einen Kaffee zusammen, wie man das hier so macht, und sie erzählt mir ihr Leben. Sie hat viel auf dem Herzen, sie ist aber multitache, sie kann beim Sprechen saubermachen. Ich kann das nicht so gut, stecke aber trotzdem zwischendurch Wäsche in die Waschmaschine und beginne die Morue zu entsalzen. Dann räume ich den Tisch im Eingangsbereich leer. Seit dem Entrümpel-Seminar lasse ich es nicht mehr zum großen Chaos kommen. Anschließend ist die Wäsche dran: Bügelwäsche, Handtücher zusammenlegen, Klamotten aufhängen. Das Bügeln breche ich ab, weil Nathalie das Wohnzimmer saugen und durchwischen will. Wir machen das Bett zusammen (das Dilemma des riesen Deckbetts mit den riesen Bettbezügen, sie erinnern sich). Wir drehen gleichzeitig die Matratze um 180 Grad. So etwas geht nur zu zweit.

11 Uhr, ich gehe in die Küche, tausche das Wasser der Morue zum zweiten Mal aus und mache zunächst die Knoblauchmayonnaise, Aïoli genannt. Das ist eigentlich einfach, gelingt mir aber nicht immer, und ich habe es gern hinter mir, um den Kopf freizuhaben. Auch wenn das Essen, Aïoli, ziemlich simpel ist. Ich glaube, wir hatten es im letzten Monat um dieselbe Zeit auch schonmal. Mayonnaise ist gelungen. Ich hänge die Wäsche auf und bereite das Gemüse, die Kartoffeln und die Eier vor. Das Telefon klingelt, es ist für Monsieur, den ich vom Heimwerken aus meinem Büro (ich habe es zurück, hurrah!) hole. Dort sind feuchte Stellen an den Wänden, die bearbeitet werden wollen. Der Charme des Altbaus, immer bröckelt was ab. Monsieur spachtelt die Wände mit seinem Lieblingswerkstoff PF3. Der muss dann, wenn er abgetrocknet ist, mehrfach abgeschleift werden und staubt dabei alles ein. Ich freue mich schon.

12.15 Uhr Nathalie ist gegangen, Pepita wurde gefüttert. Gefühlt wimmerte sie seit Stunden (vergeblich) die Morue an, deren Wasser ich nochmal wechsele und sie dann dampfgare. Wir essen auf der Terrasse: Aïoli. Köstlich. Die Morue hätte einen vierten Wasserwechsel vertragen, sie ist sehr salzig. Wir trinken etwas mehr. Monsieur trinkt einen Weißwein, der dringend weggetrunken werden muss. Zum Nachtisch gibts die restlichen Erdbeeren von gestern.

Um 13.10 Uhr legt Monsieur sich schon zur Sieste hin. Ich entdecke einen Umschlag mit Fotos (ein Kellerfund) aus dem Eingangstisch und schaue französische Familienfotos von vor meiner Zeit an. Dann lese ich ein bisschen im Telefon herum.

Um 13.40 lege ich mich zur Sieste hin. Ich bin gerade eingenickt, als das Telefon klingelt. 14 Uhr. Frechheit. Ein älterer Herr hat sich verwählt, entschuldigt sich vielmals. Na gut. Ich lege mich wieder hin, aber döse nur noch.

14.25 Uhr stehe ich auf, trinke einen Espresso und mache aus einem Teigrest und vier Aprikosen eine kleine Tarte.

15.20 Die Tarte ist fertig, ist aber noch so heiß, dass sie blubbert. Der Gatte steht auf und sieht von nun an Tennis.

15.30 Uhr ich beschließe, in der kleinen Wohnung einer Freundin, in die ich manchmal geflüchtet bin, um in Ruhe zu arbeiten, meine Sachen abzuholen und den Schlüssel zurückzugeben (ich habe ja jetzt „das Büro“ wieder). Ich finde (ein Dank in den Himmel) einen Parkplatz direkt vor dem Haus (mein linkes Knie ist derzeit quasi außer Kraft, ich laufe nur mühsam). In der Wohnung (mit Balkon und Meerblick) kann ich nicht widerstehen und setze mich einen Moment in die Sonne und lese („Athen, Paradiesstraße“; war eine Empfehlung einer Leserin, nimmt mich, nach anfänglichem Fremdeln, total gefangen). So sitze ich dort auch länger, als ich vorhatte. Zurück fahre ich am Meer entlang, es ist so toll sonnig und blau heute! Und viele Menschen sind unterwegs, auf der Straße genauso wie am Strand. Auf der Straße ist stop and go wie im Hochsommer. Weniger prickelnd.

18.30 Uhr. Ich finde keinen Parkplatz und drehe im Viertel meine Runden (all das erinnert mich an einen Grönemeyer-Song), kaufe erstmal ein Brot und drehe erneut, und siehe da, nicht weit vom Haus ist ein Platz frei geworden. Ich schicke meinen Dank in den Himmel.

18.45 Uhr. Ich esse etwas von der säuerlichen Tarte, beantworte eine Mail, schaue Tennis mit Monsieur und kämme wieder das Fell von Pepita aus, die schon wieder auf meinen Knien liegt.

gegen 20 Uhr klingelt es. Der große Enkel erzählt ein bisschen die Neuigkeiten. Er hat noch eine Prüfung, dann hat er sein Abi, wenn er die Prüfung nicht vermasselt, hat er „mention très bien“, also eine Eins mit Sternchen. Er ist daher auch von zwei Prépa-Schulen angenommen worden (zwei Jahre Pauken für die Vorbereitung auf „grandes écoles“ ; das ist Teil des sehr eigenartigen französischen Ausbildungs-Systems) – und hat sich für die „Prépa“ in Nizza entschieden, weil sie den Weg zu „besseren“ Universitäten „grandes écoles“ öffnet (ich versuche es für Deutsche normalerweise mit dem Unterschied zwischen Universitäten und Fachhochschulen zu erklären, aber es ist eigentlich nicht vergleichbar). In Nizza hat er sich heute für ein Zimmer in einem Wohnheim eingeschrieben. Also, er bekommt sicher ein Zimmer, er weiß nur noch nicht welches.

20.30 Uhr wie essen Reste von heute Mittag, dazu Baguette mit Schinken und Käse, und zum Nachtisch etwas von der Tarte.

21 Uhr. Wir sehen (mit der Katze auf den Knien) einen Film von Yann Arthus Bertrand: Legacy. Kennen Sie vielleicht schon. Wenn nicht, schauen Sie ihn an. So schön und so schrecklich, obwohl wir das eigentlich alles schon wissen. Mich hat am meisten erschüttert, dass die kilometerlangen Mandelbaumplantagen in Kalifornien mit aus Australien eingeflogenen Bienen, bestäubt werden, weil es nicht genug Bienen in Kalifornien gibt. Was für ein Wahnsinn. Leider sterben ganz viele Bienen bei dem Transport. Macht nix. Nächstes Jahr nehmen wir frische.

Und hier der Grönemeyer-Song, der mir nicht mehr aus dem Kopf geht.

So viel von hier. Der 5. ist gleich rum. Danke fürs Lesen. Die anderen Tagebuchblogger finden Sie wie immer bei Frau Brüllen.

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Der Süden ist blau

Seit gestern ist die Außengastronomie in Frankreich wieder geöffnet und der Einzelhandel darf auch wieder Kunden empfangen! Hurra! Gestern aber bin ich nur kurz um die Mittagszeit durch die Innenstadt geeilt, um mir bei der Rheumatologin eine Spritze in den linken Arm geben zu lassen, danach war ich schlagartig müde, der Arm links schien gefühlt doppelt so dick und doppelt so schwer. Ich hatte also nicht mal Lust auf einen Café in einem Café, von Shopping wollen wir gar nicht reden, ich schleppte mich nur noch zur Apotheke, um für das rechte Handgelenk eine Schiene zu bestellen. Schiene heißt das vielleicht nicht auf Deutsch, aber das richtige Wort will mir gerade nicht einfallen une orthèse souple auf Französisch. Sie wissen schon. 48 Stunden solle ich nichts tun, sagte sie noch. Weder etwas tragen, noch Autofahren, noch tippen! Konnte ich auch nicht mehr. Ich ging früh ins Bett. Heute ist es besser, aber Wunder gibt es nicht, der Arm tut anders weh und die Schulter schmerzt deutlich mehr. On verra.

Aber heute! Heute haben wir einen Tisch im Lieblingsrestaurant Le coup de fourchette in Théoule bestellt. Ein kleines, unprätentiöses Restaurant im Bistrostil, leider auf der Schattenseite der Straße gelegen und ohne Blick, aber es wird geführt von sehr herzlichen Menschen und sie kochen sehr fein! Dort fuhren wir also hin, das Wetter war besser als gestern, sonnig und nur wenig Wind. Der Empfang war so herzlich, wir haben uns so gefreut, uns gegenseitig wiederzusehen, wir wären uns gerne um den Hals gefallen. Aber nein, keine bises, das dann doch (noch) nicht.

Es gab als amuse bouche kleine geröstete Brotscheiben mit selbst gemachter Tapenade. Einfach und lecker. Monsieur wählte ein Filet de Boeuf (Rinderfilet) mit Fritten und ich ein Filet de Morue auf Artischocken und grünem Spargel. Beides köstlich. Ich konnte es allerdings nicht aufessen, weil ich nämlich noch ein Dessert wollte. Und einen Café :D

Rundherum in allen Restaurants saßen Menschen und alle strahlten mit der Sonne um die Wette! So viel Freude, so viel Erleichterung war spürbar. Auf dem Rückweg, da ich ja nicht fahren durfte (der Arm!), knipste ich aus dem fahrenden Auto und ich heulte fast, so berührt war ich heute von diesem Blau, diesem flirrenden Sonnenlicht, dieser erleichterten und leichten Atmosphäre, alles sah so hell, so frisch und so froh aus. Wie frisch geputzt. Das erinnert mich gerade an den Osterspaziergang des werten Herrn Goethe: „sie sind alle ans Licht gebracht“. Was für ein wundervoller und blauer Tag!

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12 von 12 im Mai 2021

12 Bilder vom 12. Sie wissen schon. Heute mit wenig Text.

1. Frühstück.

2. Zeitung lesen: die Agenda der Wiedereröffnung. 19. Mai, 9. Juni, 30. Juni … dann soll fast alles wieder geöffnet und möglich sein.

3. Ich war kurz auf dem Markt. Vergaß aber, Bilder zu machen. Dies ist ein Bild, das helfen soll, das Auto wiederzufinden. Wir haben keinen Stellplatz und parken immer irgendwo im Viertel. Manchmal fährt man eine Viertelstunde herum und zwei Tage später weiß keiner mehr, wo wir eigentlich stehen. (Geplant ist, einen Umgebungsplan an den Kühlschrank zu pinnen und zwei kleine Magnete – wir haben nämlich zwei Autos. Ja, es geht auch mit Google Maps, aber wir haben nur ein Handy und zwei Autos).

4. Markteinkauf. Superfrische Artischocken! Ich war aber auch beim Tiefkühlsupermarkt (nicht im Bild)

5. Irgendwie fiel mir dazu „Blinde Katharina“ von Klaus Hoffmann ein: „Sie wollen auch im Winter nur ans Licht, nur ans Licht“. Ich mache Kartoffelpürree.

6. Premiere! Erster Tag draußen gegessen! Wir hatten schon mehrfach den Hof und Tisch und Stühle sauber gemacht, aber dann war zu viel Wind, oder das Sonnensegel hing noch nicht, oder es regnete wieder. Es gab die frischen Artischocken zum Entrée (roh, ohne Bild, aber Sie können hier nochmal nachschauen, wie man sie isst), dann Kalbsleber mit Kartoffelpürree (inspiriert von Uschi), etwas wässrige Erdbeeren zum Nachtisch (klar, es hatte tagelang geregnet).

7. Später kam wieder Wind auf. Das Sonnensegel fliegt fast davon.

8. Cheesecake in the making. Morgen gibt es eine Überraschungsparty zu einem runden Geburtstag, jede(r) bringt etwas mit. Ich mache Cheesecake (mit Mangocoulis dieses Mal, da die Erdbeeren keinen Geschmack haben).

9. Tee-time. Auf den Butterkeksen stehen liebe Sachen. Ich musste sie kaufen :-)

10. Ich mache auch eine Zwiebeltarte.

11. Schon ist der Tag rum. Ich dusche und wasche mir den Küchendunst aus den Haaren. Aber erst bekommt Pepita Wasser. Sie trinkt fast ausschließlich fließendes Wasser.

12. Bettlektüre.

So viel von hier. Die anderen 12 von 12er wie immer bei Frau Kännchen.

13. Zugabe: ich versprach an anderer Stelle dieses Rezept für gefüllte Artischocken, das nun hinter einer Paywall steckt.

Ich fürchte, es ist etwas unscharf.

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Le Cheesecake

Der Cheesecake also. Und nein, Cheesecake ist kein Käsekuchen. Ich war die längste Zeit meines Lebens ein großer Käsekuchenfan, aber das hat sich in den letzten Jahren unmerklich verändert. Frankreich mit seiner verfeinerten Küche hat mich wohl „verdorben“, anders kann ich mir nicht erklären, dass ich neuerdings quasi von jedem in Deutschland gekosteten Käsekuchen enttäuscht bin. Und auch wenn meine elsässischen LeserInnen mich hassen werden, elsässischer Käsekuchen, den ich zwischenzeitlich gebacken habe, auf der Suche nach dem verlorenen Geschmack, ist (für mich) noch enttäuschender. Zu fluffig und gleichzeitig trocken und sehr fade. Cheesecake aber, boah, was für ein Konsistenz-und Geschmackserlebnis! Seit ich diese cremige Variante zum ersten Mal in einer der überteuerten Coffeeshop-Ketten gegessen habe, bin ich angefixt. Ihn selbst zu machen, habe ich lange nicht gewagt. Zu kompliziert las sich das Rezept mit Wasserbad und der komplizierten Backanleitung. Letztlich habe ich es zu einem der Kindergeburtstagsfeste, zu dem jede „Großmutter“ immer einen besonderen Kuchen backt, gewagt, geschafft! Und es war ein Erfolg!

Ich gebe Ihnen hier ALLES, was ich gelesen und gemacht habe. Zunächst, damit Sie wissen, auf was Sie sich einlassen und um mal den Unterschied zwischen American Cheesecake und New York Cheesecake (denn ja, es gibt einen!) herauszuarbeiten, können Sie hier hineinlesen. Ausführlicher und expliziter geht es nicht. Ich mache es im Prinzip wie die Autorin, ich nehme den Keksboden des American Cheesecake und die Füllung des New York Cheesecakes (wobei das in den meisten Rezepten ohnehin so gehandhabt wird).

Den ersten Cheesecake (23er Springform) für den Kindergeburtstag habe ich nach diesem englischen Rezept gebacken (gelungen, kein Foto). Das Rezept, das mich damals dank seiner Schlichtheit angesprochen hat, meint, es las sich nicht so kompliziert, habe ich dann später nicht mehr gefunden (erst beim Entrümpeln und Rezepte ordnen dieses Frühjahr!) und zwangsläufig andere ausprobiert.

Im weitesten Sinn folge ich heute nun diesem ästhetischen und angenehm sprachlosen Video (So gemacht an Ostern, kein Foto vom Ergebnis). Die Rezeptmenge entspricht einer kleinen Springform (18mm Durchmesser).

Hier verschriftlicht:

Backofen vorheizen auf 180°C.

Keksboden: 120g trockene Kekse zerkrümeln, mit 60g geschmolzener Butter vermischen, auf den (mit Backpapier ausgelegten) Boden der Springform drücken (ich: 10 Minuten bei 180°C vorbacken).

Crememasse: 400g Philadelphia mit 120g Zucker verrühren, 200g Crème fraîche dazugeben und wieder rühren, 150g Schlagsahne (flüssig) dazugeben, unterrühren. 2 ganze Eier dazugeben, verrühren. 2 Tl Maizena (gesiebt), Vanille (Extrakt), etwas Zitronensaft. Alles vermischen. Die Masse in die ausgekühlte Form (Seiten mit Backpapier „beklebt“) geben. Die Springform in eine größere flache Form geben und diese mit heißem Wasser auffüllen (dabei darauf achten, dass das Wasser (auch beim Blubbern) nicht über den Rand Alufolie steigt! sonst dringt Wasser in die Springform) 30 Minuten backen, dann Temperatur auf 150°C Grad senken. Weitere 30 Minuten backen. Und ACHTUNG die Torte NICHT aus dem Ofen nehmen, sondern mindestens eine Stunde im geschlossenen Ofen lassen, dann den Ofen etwas öffnen (das langsame Auskühlen verhindert, dass die Torte „reißt“). Wenn der Ofen kalt ist, den Kuchen rausnehmen, wenn er richtig ausgekühlt ist, mindestens sechs Stunden in den Kühlschrank (oder über Nacht).

Himbeercoulis: 200g (tiefgefrorene, aber aufgetaute) Himbeeren, 40g Zucker, ein paar Tropfen Zitronensaft und 1 El Wasser kurz aufkochen, dann durch einen Sieb streichen. Je länger man den Himbeerbrei durch den Sieb streicht, desto dickflüssiger wird der Coulis. Den Coulis kurz vor dem Servieren über die Torte geben, eventuell mit frischen Himbeeren zusätzlich verzieren.

Hier der (letzte) Original-Backzettel für den Cheesecake, den ich an Ostern gebacken habe (Torte nicht dokumentiert). Sie sehen, wie es in meinem Kopf französisch-deutsch zugeht und verzeihen mir die Fehler.

Welche Kekse für den Keksboden: Ich habe einmal die von mir sehr geliebten Ginger Nuts (Ingwerkekse) verwendet, fand den Ingwergeschmack dann aber als dritten Geschmack (Creme, Himbeercoulis, Ingwer) störend und unangenehm dominant. Mit (belgischen) Spekulatius, die es hier ganzjährig gibt, passt es für mich um die Weihnachtszeit ganz gut (der erwähnte KIndergeburtstag ist im Dezember). Ansonsten würde ich es mit neutralen trockenen Keksen (Butterkekse/Haferkekse) machen. Ich backe den Keksboden vor, sonst wird er (mir zu) weich, ich finde es feiner, wenn er eine leichte Knusperkonsistenz hat. Er wird zwar trotzdem weich, wenn er mit der Crememasse im Wasser badet und bäckt, aber nicht „zu“. Probieren Sie es aus und machen Sie es, wie es Ihnen beliebt.

Welche Cremezutaten: Je nachdem, welche(n) und wieviel Frischkäse und Crème fraîche Sie nehmen, wird die fertige Torte mehr oder noch mehr cremig und saftig. Crème fraîche gibt es hier (wie alles) in allerlei unterschiedlichen Varianten. Ich nehme Philadelphia Frischkäse, dazu eine eher dicke, beinahe schnittfeste, buttrig aussehende Crème (in Deutschland ist es vielleicht Schmand oder Mascarpone), und Schlagsahne. Die große Torte (23er Springform) habe ich damals nur mit viel Frischkäse und etwas Crème fraîche gemacht (ohne Schlagsahne): war auch lecker. Ich habe auch einmal diese Variante mit Ricotta ausprobiert, sie wird etwas weniger saftig (man spürt die Konsistenz des Ricotta), aber durchaus auch lecker. Probieren Sie es aus, und nehmen Sie, was Sie haben oder kriegen.

750 gr Crememasse ergibt eine recht hohe Torte; man kann es auch mit 500 – 600 gr Crememasse machen. Wird entsprechend weniger hoch, ist leichter zu schneiden (die abgebildete Torte war das Ergebnis des Ricottarezepts mit etwa 500g Crememasse). Eine kleine Torte reicht trotzdem überraschend für (mindestens) sechs Nachtischportionen (sie ist sehr mächtig).

Wichtig: Am besten „überbreite“ Alufolie (zumindest für die 23er Springform) und eher eine feste Qualität verwenden, außerdem kreuzweise verwenden, damit beim Backen im Wasserbad kein Wasser in die Springform gelangt.

Auch wichtig: den Boden der Springform und die Innenseiten mit Backpapier auslegen (die Seiten mit flüssiger Butter „ankleben“), die Torte lässt sich so leichter aus der Form nehmen; sie bleibt sonst leicht am Boden kleben.

Viel Erfolg! Ansonsten ist es natürlich wie mit allem: Übung macht die Meisterin (Männer sind mitgemeint).

Zuguterletzt eine Zugabe: Wenn Sie in der patisserie fortgeschritten sind und den Cheescake schon lange mit links backen, dann gebe ich Ihnen diesen Link zu Maren Lubbe. Da gibt es nicht nur außergewöhnliche Cheesecakes, sondern auch eine Mimosentorte (ich wollte das schon viel früher verlinkt haben, das denken Sie sich!) und andere perfekte und außerdem perfekt fotografierte Torten und Törtchen.

Und: Hier ist heute wieder ein Feiertag. Ich wollte dieses Jahr eigentlich eine Literaturliste veröffentlicht haben mit (einigen) der Bücher, die ich für „Lange Schatten über der Côte d’Azur“ gelesen habe. Vielleicht schaffe ich es heute noch. Wenn nicht, nehmen Sie noch einmal vorlieb mit dem Text vom letzten Jahr.

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WmdedgT Mai 2021

Ich nutze das heutige Tagebuchbloggen, um alles zu erzählen, was so los ist, damit ich Ihnen dann im näxten Artikel das Cheesecake-Rezept geben kann – das schulde ich Ihnen tatsächlich noch, ich hatte es total vergessen. Danke für die freundliche Erinnerung! Kommt, versprochen, gleich als nächstes. Heute aber ist Tagebuchbloggen dran.

Gegen 7 Uhr werde ich wach, beschließe, dass ich heute zur Blutabnahme gehe. Nüchtern ist das Wort der Stunde. Heute schaffe ich es ohne Kaffee. An anderen Tagen ist das schwieriger. Auf dem Weg zum Labor tagträume ich von einem Café crème in dickwandiger Kaffeetasse und einem pain au raisin und das alles am liebsten sitzend in einem Straßencafé. Bei uns ist seit dieser Woche eine leichte Öffnung erfolgt. Wir haben die famosen Inzidenzzahlen, die denen in Deutschland nicht unähnlich sind, nur kommen wir von dramatischen 700 und machen bei niedrigen 200 jetzt auf, während Deutschland wieder alles schließt. Ich merke mir das aber alles nicht mehr, wer was und ab wann darf. Ich hoffe daher naiv auf geöffnte Straßencafés, denn gestern waren Bilder von geöffneten Cafés und Restaurants in der Zeitung zu sehen. War aber in Italien.** Ich finde dann bei uns auch keines, laufe extra die Rue Hoche [sprich: Rüüh ‚osch] entlang, die „Fressgasse“ von Cannes, hier reiht sich ein Café und ein angesagtes Restau ans andere. Ist aber so gut wie alles geschlossen.

Es ist auch erst kurz nach Acht, aber es sieht nicht so aus, als würden sie heute noch öffnen. Stattdessen wird viel gehandwerkt und es ist laut. Ganz hinten sieht ein Laden mit einem to-go-Angebot ganz einladend aus. Ich sage den Namen nicht, aber ich habe gestern morgen einen Becher dieses, unter jungen Menschen angesagten, Ladens am Strand gefunden.

Strandfund

Ich beschließe, dieses to-go-Angebot anzunehmen, denn in der Zwischenzeit habe ich richtigen Hunger und will endlich Kaffee. Etwas hat sich in den letzten Monaten geändert, wenn ich Hunger habe, dann will ich etwas Richtiges essen. Kein Cookie und auch keinen Muffin. Pain au raisin gibt es hier in diesem coolen Laden ohnehin nicht. Ich bestelle also einen Lachs-Cremecheese-Avocado-Bagel. Ich muss draußen am Stehtisch darauf warten. Zunächst bekomme ich den Kaffee – in diesem freundlichen Pappbecher – und verbrenne mir gleichmal die Zunge, so heiß ist der Kaffee. Vom Bagel schaffe ich später nur die Hälfte. Die andere Hälfte wird vermutlich mein Abendessen. Ich nippe immer Mal am Kaffee, er ist aber immer noch so heiß und meine Zunge ist jetzt so empfindlich und das bisschen, was ich an Geschmack mitkriege, ist nicht berauschend. Ich bräuchte mehr Zucker und/oder mehr Milch und trage also den halbvollen Becher und den halben Bagel in der Papiertüte herum und verstehe nun, wie es dieser Becher bis zum weit entfernten Strand am anderen Ende von Cannes geschafft hat.

Auf dem Heimweg kaufe ich im teilweise geöffneten Monoprix ein extrem überteuertes deutsches Körperöl und in der geöffneten Lebensmittelabteilung im ersten Stock Milch und Erbeeren. Beim dänischen Coffee-Shop nehme ich ein Vollkornbrot mit und denke, dass ich meinen Steh-Kaffee im Pappbecher besser hier getrunken hätte. Die Becher sind größer, die Milch ist schaumiger, der Kaffee vermutlich besser und das Ambiente freundlicher. Nun gut.

Gegen zehn Uhr bin ich wieder zu Hause und vermische den jetzt kalten Pappbecherkaffee mit etwas frischem homemade Kaffee, Milch und Zucker und trinke ihn, während ich hier anfange zu schreiben.

Zwischendurch gucke ich immer mal ins neue Telefon; das alte wollte (vermutlich Spätfolgen des Sturzes ins WC) die Akkuladung nicht mehr halten und brauchte außerdem Stunden, um sich wieder aufzuladen; weshalb ich jetzt doch das neue Telefon, das ich ja eh gekauft hatte, aktiviert habe: ganz alleine übrigens! Hat mich nur etwa zwei Tage gekostet, bis alle Konten wieder miteinander sprachen, aber ich hab es hingekriegt ohne die Hilfe des angeheirateten Enkels, der sowieso nicht mehr lang da sein wird, um bei solchen Dingen zu helfen. Ich hatte meine liebe Mühe, denn ich bin mit dem Chinesen-Handy in den wirtschaftlichen Konflikt zwischen China und die USA geraten: Google hat für die chinesischen Handys nämlich den Zugang zu ihren Diensten gesperrt und das Handy wollte mir nun stets die chinesischen Konten und Dienste einrichten. Ich war ein bisschen verzweifelt und ärgerte mich, dass ich kein anderes, etwa ein gebrauchtes koreanisches Handy gekauft hatte (neu ist mir das alles zu teuer), ich wollte es schon wieder zurückschicken, sah aber auf der Verpackung den Hinweis, dass der Zugang zu Google möglich sei (es ist ein Handy für den Export). Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, wie ich es letztlich geschafft habe, aber es ging, und hat, wie gesagt, nur zwei Tage gedauert, bis ich alles soweit verstanden habe *ächz*

Schon ist es halb Zwölf. Wir warten eigentlich auf Handwerker, die, obwohl gestern noch vollmundig zugesagt, nicht kamen. Wir telefonieren deshalb ein bisschen hin und her. Ich beginne in der Küche mit den Vorbereitungen fürs Mittagessen, schwupps, sagen sich die Handwerker an, sie seien gleich da, heißt es. Also lasse ich die Töpfe sein. Nur die Katze bekommt schon Futter, damit sie aufhört vor dem Schrank zu jammern. Ich würde gerne im Hof essen, die Sonne scheint, aber es ist zu windig.

12.24 Uhr kommen die Handwerker. Um diese Uhrzeit? Essen die nicht? frage ich verständnislos. Corona verändert alles, sogar die heilige Mittagspause von französischen Handwerkern. Monsieur verständigt sich mit den Herren, ich gehe wieder in die die Küche.

13.00 Uhr können wir essen. Monsieur isst eine Artischocke (roh mit Vinaigrette) als Vorspeise. Ich habe immer noch keinen richtigen Hunger (Milchkaffee um halb elf ist lange sättigend!) und esse keine Vorspeise. Dann gibts ein Stück Bavette (langfaseriges Rindfleisch, Flanksteak), geteilt für zwei, mit Gnocchi. Danach Erdbeeren mit Zucker und Creme fraîche. Die Handwerker machen Lärm. Das Telefon klingelt. Wir haben die Wohnung der Schwiegermutter (dem Himmel sei Dank, so gut wie) verkauft, aber jetzt müssen alle „diagnostics“ neu gemacht werden, also man muss nachweisen, dass Gas- und Stromleitungen normgerecht sind und funktionieren, dass kein Asbest verbaut wurde und solche Scherze; das haben wir vor zwei Jahren schon einmal gemacht, das Ganze ist aber nur sechs Monate gültig und muss jetzt wiederholt werden; ganz neu dabei ist jetzt, dass wir nachweisen müssen, dass das WC ordnungsgemäß über Rohre an die Abwasserkanalisation angeschlossen ist. Dafür brauchen wir einen weiteren Termin mit einem zuständigen Experten. Kosten: 160 Euro.

13.35 Uhr Monsieur macht trotz der lärmenden Handwerker seine Sieste. Ich schreibe hier.

14 Uhr bekomme ich eine SMS, dass Monsieur anderswo anwesend sein soll, weil dort die verstopften Abwasserleitungen gereinigt werden. Ich wecke ihn und er bricht umgehend auf. Durch die geöffnete Haustür höre ich das Radio des verbleibenden Handwerkers, anscheinend hört er Radio Nostalgie. Dalida singt Bambino (ich nehme vorweg, dass mir das den ganzen restlichen Tag im Kopf bleibt). Ich lege mich kurz hin.

„Kurz“, glaube ich. Um 14.55 Uhr weckt mich das Telefon. Es ist einer der Immobilienmakler, der es gar nicht glauben kann, dass wir es ohne ihn und seine KollegInnen geschafft haben, die Wohnung zu verkaufen. Immerhin beglückwünscht er uns. Ich mache mir einen Kaffee und setze mich an den PC. Arbeiten kann ich immer nur, wenn niemand etwas von mir will. Mal sehen, wie lange es geht.

15.25 Uhr Monsieur ist zurück und berichtet. Das Telefon klingelt schon wieder. Ein anderer Immobilienmakler. Same same but different.

Ich arbeite etwa anderthalb Stunden halbwegs konzentriert. Schreibe ein paar Sätze und suche zum x-ten Mal Informationen über Handfeuerwaffen. Schießen ist mir so fern, dass ich mir nichts merken kann und es mir bei Bedarf immer wieder anlesen muss.

17.10 Uhr ploppen meine Blut-Ergebnisse auf. Die muss ich natürlich sofort ansehen. Ich koche uns einen Tee, die Katze bekommt ein paar Brekkies in ihren Ball gesteckt, und dann versuche ich zu verstehen, was da alles steht. Am eklatantesten ist ein Vitamin D-Mangel, was mir beim besten Willen nicht in den Kopf will, noch nie habe ich so viel Sonne gehabt. Nun gut, dafür gibt es Präparate.

17.30 Uhr Monsieurs Tochter kommt und will dieses und jenes wissen. Hier wird ein runder Geburtstag (nein, nicht meiner und nein, auch nicht der von Monsieur) geplant. Es soll ein Überraschungsfest werden.

Als sie geht, setzt Monsieur sich an seinen PC und spielt Bridge, ich lese und schreibe bis kurz nach Sieben. Schon wieder kommen die Tochter und jetzt auch der Schwiegersohn. Es geht um eine schlecht durchgeführte Heizungsinstallation in einer Wohnung. Es wird technisch und ähm, sagen wir lebhaft.

Ok. Schluss für heute. Abendessen: Ich esse meine zweite Bagelhälfte, leicht erwärmt immer noch lecker. Für Monsieur gibts schnell angebratene ganz junge Zucchini mit etwas von gestern übrig gebliebenem Reis, Baguette, Käse und einen Apfel.

Bügelwäsche liegt auch herum. Das wird wohl meine Abendbeschäftigung vor dem TV. Es gibt eine Komödie mit Fanny Ardant: Les Beaux Jours. (Ich hoffe, Sie haben nicht so eine bescheuerte Werbung vor dem Trailer wie ich hier, man kann sie aber nach 5 Sekunden auch überspringen.)

** Nachgeschaut: In Frankreich entfällt seit Vorgestern die 10 bzw. 30 km Regel, wir dürfen jetzt also wieder überall hinfahren, müssen aber um 19 zu Hause oder zumindest „drin“ sein! Sperrstunde zwischen 19 Uhr und 6 Uhr bleibt! Die Außengastronomie wird voraussichtlich erst am 19. Mai wieder geöffnet.

Keine Außengastronomie

Danke fürs Lesen. So war der Tag. Ich werde ihn bei Frau Brüllen verlinken, der treuen Verwalterin des WmdedgT-Dings. Dort finden Sie auch alle anderen TagebuchbloggerInnen.

Als Zugabe bekommen Sie ein bisschen aktuellen People-Klatsch: George Clooney nebst Gattin und Kindern will sich bei Brignoles im Département Var ein Haus kaufen. Nein, natürlich nicht nur ein Haus. Ein Anwesen. Mal sehen, ob sie es anders machen als Brad Pitt und Angelina Jolie, die samt ihrer Kinder wieder verschwunden sind. Sie wohnten auch ein paar Jahre lang im Var (nicht weit davon lebten übrigens auch Johnny Depp und Vanessa Paradis mit ihren Kindern); wenn Sie aber glauben, dass Angelina und Brad sich für Frankreich oder für ihre Gemeinde interessiert hätten oder sich von den umliegenden Erzeugern hätten beliefern lassen oder gar, dass Angelina ihren Ziegenkäse und die Tomaten für ihre reizende Kinderschar auf dem Markt selbst eingekauft hätte, dann haben sie sich getäuscht. Man lebte den american way of life, und Frankreich liegt einfach nur in der Mitte von Europa und ist daher ein zentraler Wohnort, um schnell mal hierhin oder dorthin zu jetten. Möglicherweise lag es an zu viel leckerem Rosé, den Brad Pitt und Angelina Jolie übrigens trotz Scheidung noch immer gemeinsam (mit-)produzieren, dass die Ehe in die Brüche ging. Angeblich hatte man George Clooney und Quentin Tarantino seinerzeit nicht zur Hochzeit Pitt-Jolie eingeladen, weil beide zu viel Alkohol konsumierten und sie einen schlechten Einfluss auf Herrn Pitt hatten. Hat aber nix gebracht. Die Bäckersfrau in Brignoles bekommt leuchtende Augen hinter ihrer Maske, bei der Vorstellung George Clooney ein Baguette zu verkaufen, und der Bürgermeister hofft, dass die Neubürger den amerikanischen Tourismus wieder ankurbeln mögen. Bei Clooneys gibt es wohl auch ein paar Hektar Weinanbaugebiet. On verra.

Das Lied zum Thema :-)

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Meine Story in der „Meins“

Für den Fall, dass Sie die Zeitschrift nicht gefunden haben, hier zumindest die Fotos, die Geschichte kennen Sie ja schon. Die Suche nach den Fotos gestaltete sich schwierig, damals gab es noch keine Smartphones und man machte noch nicht ständig Fotos von sich und allem und jedem. Digital war vor 15 Jahren noch ganz jung, man machte aber noch Papierabzüge und speicherte seine Fotos auf CD’s ab. Ich habe aber trotz meiner Rümpel- und Aufräumarbeit nicht mehr alles gefunden (ich fuhr sogar extra zur Garage, wo meine Sachen untergestellt sind und schleppte Kisten mit Fotos und Briefen und Papieren nach Hause), und die meisten Fotos von „früher“, die ich auf einer externen Festplatte gespeichert hatte, gingen vor ein paar Jahren verloren, als dieses Festplattenkästchen herunterfiel und sich nicht mehr öffnen ließ. Das Wühlen in all den Fotos, die ich bei der Gelegenheit geordnet habe, stimmte mich sehr sentimental. Vielleicht zeige ich demnächst nochmal das eine oder andere Fundstück, das es nicht in die Zeitschrift geschafft hat. Danke auch an alle Freunde und Freundinnen und manche Mutter, die in ihren Fotosammlungen so schnell und fleißig mitgesucht haben.

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WmdedgT – außer der Reihe

Ups, hier hat sich schon wieder alles verändert, kaum dass man mal updatet. Es ist zum Mäusemelken. Sagt man das noch in Deutschland? Alles ändert sich, auch die Sprache. Gerade die Sprache. Eigentlich müsste ich viel dringender etwas anderes schreiben, so fangen sie ja meistens an meine Blogbeiträge, aber gestern war so ein Tag, an dem ich Sie dann doch teilhaben lassen möchte, vor allem, weil der Text sich in meinem Kopf gerade schon so schön gefügt hat.

Wie Sie sich vielleicht erinnern, hatte ich letztes Jahr kurz vor Weihnachten Schmerzen überall, links im Oberarm, rechts im Unterarm, vom Rücken wollen wir gar nicht reden. Ich dachte, das gibt sich wieder, ein paar Massagen, kleiner Besuch beim Ostheopathen, etwas Ruhe. Hatte ich alles. Gut, das mit der Ruhe war vielleicht etwas relativ, aber tatsächlich habe ich zwischen den Jahren zwei von drei Puzzles gelegt. Das ist ja so das, was man mit Ruhe und Entspannung verbindet. Oder nicht? Gut, hat alles nix gebracht, oder zumindest nix wirklich Entscheidendes. Jetzt also gabs mal Ultraschall und Röntgen und dergleichen auf Arm und Gelenke und zumindest für den Oberarm links ist klar, es ist mehr als nur eine kleine Verspannung, es ist eine komplizierte Sehnen- und Sehnenscheide- und Schleimbeutelentzündung und da hilft alles nix mehr, da brauchts jetzt eine infiltration, das heißt auf Deutsch glaube ich ganz genauso. Spritze rein, meint das. Bei einer Sportärztin und Spezialistin, die auch Monsieur schon Spritzen in die Knie gehauen hat, mit recht gutem Langzeit-Ergebnis.

Französische Ärzte und Ärztinnen haben in der Regel keine Arztsekretärin und auch keine Arzthelferin (hier müsste man eigentlich auch gendern, gibt es Arztsekretäre und Arzthelfer?) sie machen alles selbst, den Papierkram und auch die Terminvergabe; auf dem Land gibt es in der Regel gar keine Termine (man meldet sich nirgends an, sondern fährt hin, setzt sich ins Wartezimmer und wartet), weshalb es Ihnen passieren kann, dass Sie, wenn Sie nach einer nicht nur gefühlt langen Wartezeit im Wartezimmer endlich das Arztzimmer betreten haben, und kaum dass Sie ihm oder ihr Ihr Leid geklagt haben, das Telefon klingelt und der Arzt oder die Ärztin ganz selbstverständlich drangeht und vielleicht einen Termin vergibt oder irgendetwas mit anderen leidenden Menschen bespricht. Mich hat das lange irritiert, oft auch genervt. „Hallo! Ich bin doch jetzt hier!“, habe ich natürlich nie gesagt, aber gedacht. Meine neue fabelhafte Hausärztin hat sich hingegen eine Arztsekretärin geleistet, ein echter Mensch, den man anrufen kann, der einen wiedererkennt und Termine vergibt. Die sitzt zwar nicht im Vorzimmer der Ärztin, sondern irgendwoanders und vielleicht sogar im homeoffice, es klappt aber alles ganz prima und man wartet auch so gut wie nie. Ruft man bei der Schulter-Spezialistin an, wird man auf dem Anrufbeantworter streng ans Internet verwiesen und dort auf die Seite doctolib. Dort werden Termine vergeben und alles andere regelt sich dort auch. Sollten Sie mit dem Internet nicht so fit sein, dann haben Sie leider Pech gehabt, es gibt keinerlei Möglichkeit die Spezialistin anderweitig zu erreichen. Monsieur, den das ganze Internetgedöns nervt, überträgt derlei Aufgaben gern an mich. Monsieur hat auch schon ein Konto bei der besagten Spezialistin, ich aber nicht. Ich will ein solches also einrichten und gebe wahrheitsgemäß an, dass es mein erster Besuch ist und bekomme daher einen Termin gefühlt Ende des Jahres zugewiesen. Dabei spritzt die Dame täglich im Viertelstundenrhythmus – so viele Einwohner, die Infiltrationen brauchen, kann Cannes gar nicht haben. Daraus könnte man sicher eine schöne Textaufgabe für homeschoolkids machen. Egal, ich mache ein Häkchen, dass ich damit einverstanden bin, kurzfristig dranzukommen, wenn jemand den Termin absagt zum Beispiel. Dann gebe ich meine Mobiltelefonnummer ein. Pflichtfeld. Das System blockt. „Dieses Telefonnummer ist bereits vergeben. Bitte geben Sie eine gültige Mobiltelefonnummer an.“ Klar, ist die Nummer schon vergeben. Der Gatte, der kein Mobiltelefon hat, bekommt bei diesen Gelegenheiten immer meine Nummer, was mich mehr und mehr zu seiner Sekretärin macht, denn alle SMSen für ihn kommen auf meinem Handy an. Ich suche eine Möglichkeit, das auf der Seite zu erläutern: geht nicht. Ohne Mobiltelefonnummer gehts bien evidemment gar nicht, mit der bereits vergebenen Nummer auch nicht. Nächster Versuch: Ich tue so, als bräuchte ich einen Termin für Monsieur, öffne sein Konto (suche lange und mühsam sein Passwort, das eigentlich ganz leicht ist, immer denke ich, dass ich genial leichte Passworte habe, aber ich kann mich schon fünf Minuten später nicht mehr daran erinnern) und kann dort tatsächlich eine zweite Person eingeben, ah, jetzt ja! denke ich und glaube, das System verstanden zu haben. Denkste. Bei der Telefonnummer blockt es wieder. Das ist „Ihre“ Telefonnummer wendet sich das System an den vermeintlich vor dem Rechner sitzenden Monsieur. „Bitte geben Sie eine Telefonnummer ihres Familienmitglieds an“. Es gibt kein Kästchen, in dem ich erklären könnte, das wir eine Art Familienhandy haben oder ein geteiltes Ehepartnerhandy. Ehegattensplitting fällt mir als Wort ein. Gibt es das noch? Wie auch immer. Es geht nicht. Wie macht man das bei kleinen Kindern, frage ich mich? Kauft man schnell jedem Kind ein Telefon? Ich will das gar nicht zu Ende denken. Letztlich buche ich einen Termin für Monsieur, kann aber bedauerlicherweise nicht zu der Anfangseingabe zurück, um nun auch „Ich bin eine neue Patientin“ in „Ich bin bereits Patient und will verdammt nochmal einen früheren Termin haben“ zu wechseln. Monsieur hat jetzt also einen Termin für seine komplizierte Sehnenentzündung in meinem linken Oberarm und wir müssen vermutlich zu zweit hin, um das alles zu erklären. Ich hoffe, dass danach noch Zeit ist, damit Frau Doktor schnell eine Spritze in mein Schultergelenk pieksen kann und wir nicht erneut einen Termin machen müssen.

Das war die gestrige Vormittagsbeschäftigung. Wenn wir schon dabei sind, mache ich mit dem Kühlschrank weiter, denke ich, um ein für alle mal diese nervigen „Bitte richten Sie ein Konto ein“-Geschichten hinter mich bringen. Diese Konto-Einrichterei und immer wieder ein neues Passwort, mindestens 8 Zeichen und ein Sonderzeichen und ich weiß nicht was, geht mir so auf die Nerven! Die verschlüsseltste und dramatisch abgesichertste Passworteingabe gab es übrigens auf der Seite des Nürnberger Lebkuchenbäckers, weshalb es an Weihnachten für meine französische Familie keine Nürnberger Lebkuchen gab, sondern Dresdner Christstollen, weil ich ums Verrecken keinen Zugang mehr auf mein Lebkuchen-Kundenkonto hatte. Marzipan aus Lübeck gibts deshalb auch schon lange nicht mehr. Zurück zum Kühlschrank. Der alte Kühlschrank, der ja nicht ganz tot ist und auch noch nicht wirklich super alt (meint nicht älter als 13 Jahre) soll repariert werden statt entsorgt, den können wir an einem anderen Ort noch gebrauchen. Dieses Zusatzprogramm wurde uns von dem tüchtigen Kühlschrankverkäufer neulich dazu verkauft, ohne uns allerdings die Bedingungen ausführlich zu erklären. Seit vierzehn Tagen etwa steht der Kühlschrank im Eingangsbereich herum und wartet darauf, dass ich mich um ihn und die Reparatur kümmere. Ich erstelle also ein Kundenkonto beim Elektrogroßhändler D und arbeite mich durch die Anmeldung zur Reparatur durch. Ich kann den Kühlschrank, der ursprünglich nicht beim Elektrogroßhändler D gekauft wurde, nicht hinzufügen. Es gibt aber eine Service Nummer und ich habe noch nicht wirklich draufgeklickt, schon habe ich einen asthmatisch hustenden und offenbar rauchenden Servicemitarbeiter am Telefon. Vermutlich macht er home-office – wo darf man denn sonst noch rauchen? Er will sich gern um meinen Kühlschrank kümmern, hustet und röchelt er, braucht dazu aber die Rechnung. Die habe ich nicht mehr. Die habe ich schon tagelang vergeblich gesucht, ich WEISS, dass ich sie nicht mehr habe. Ohne die Rechnung kann er den Kühlschrank nicht aufnehmen und reparieren. Warum ich die Rechnung nicht mehr habe, fragt er. Wasweißdennich. Wann haben Sie den Kühlschrank denn gekauft? Keine Ahnung. Er ist älter als 13 Jahre vermutet er. Natürlich nicht. Es ist der zweite Kühlschrank in meiner 11 Jahre dauernden Beziehung mit Monsieur, der Kühlschrank ist vielleicht fünf, vielleicht sieben Jahre alt. Vermute ich. Ok, sagt der Mann. 2015 entscheidet er. Welcher Monat? Ich habe noch nicht begriffen, dass ich einfach irgendwas erfinden kann, mich bringt die Frage um den Verstand. Wohersollichdaswissen? Wissen Sie auswendig, in welchem Monat Sie Ihren letzten Kühlschrank gekauft haben? frage ich zurück. Juni 2015 entscheidet er. Na gut. Den Preis? Keine Ahnung, jaule ich. Er war nicht soo teuer. Halb so teuer, wie der, den wir jetzt gekauft haben. Glaube ich. Er gibt näherungsweise eine Summe ein. Jetzt will er die Marke und die Modellnummer. Die habe ich! Uff! Ich krieche hinter den Kühlschrank und lese alles vor, was ich da an Nummern auf Aufklebern finde. Aber nichts gefällt ihm. Er braucht irgendeine andere Nummer. Hören Sie, sagt er, so geht das nicht. Ich brauche die Rechnung. Sobald ich die Rechnung habe, kann ich mich so schnell es geht kümmern. WOHER SOLL ICH DENN DIESE RECHNUNG BEKOMMEN? jammere ich zugegeben etwas entnervt in den Hörer. Wo haben Sie ihn denn gekauft? Sie haben ihn doch gekauft? Was glaubt er denn? Dass ich den Kühlschrank beim Sperrmüll auf der Straße gefunden habe? Tatsächlich glaubt er das, und mir fallen die senegalesischen Straßenhändler ein, die Dinge dieser Art tatsächlich auf der Straße finden. Aber die würden dann sicher nicht einen Reparaturvertrag beim Elektrogroßhändler D abschließen. Aber was weiß man schon. Beim Elektrogroßhändler B sage ich. Dort kaufen wir eigentlich alles, dass wir dieses Mal bei D gelandet sind, hängt mit Corona zusammen, denn D hat auch eine kleine und somit geöffnete Filiale mitten in der Stadt. Aber das ist doch wunderbar, freut sich der Servicemitarbeiter. Sie gehen auf die Seite bei B und suchen dort in Ihrem Kundenkonto Ihren Kühlschrank und lassen sich ein Rechnungsduplikat zuschicken. Dann rufen Sie mich wieder an undsoweiter. Ich gehe auf die Seite des Elektrogroßhändlers B und eröffne ein Kundenkonto unter dem Namen des Gatten, aber natürlich ist dort nicht das geringste Gerät aufgeführt. Ich schreibe also an die Serviceabteilung des Elektrogroßhändlers, dass ich bitte ein Duplikat der Rechnung des Kühlschranks der Marke Y bräuchte, erworben unter dem Namen meines Mannes (Vorname und Zuname) vor etwa 5-7 Jahren. Ich füge drei Fotos vom Kühlschrank und von sämtlichen Aufklebern bei. Ich bekomme postwendend eine Bestätigunsgmail. Ein paar Stunden später erneute Mail, ich soll den Namen des Gatten angeben. Vorname und Zuname. Lieferadresse. Und die Bestellnummer des Kühlschranks. Bestellnummer HABE ICH NICHT schreibe ich zurück, gebe aber alles andere an (zum dritten Mal Vorname und Zuname des Gatten und zusätzlich die Filiale, wo wir den Kühlschrank gekauft haben) und erkläre nun detailreich die Situation und dass das Rechnungsduplikat für den Reparaturvertrag unerlässlich ist. Ausrufezeichen.

Heute morgen habe ich die sehr freundliche Antwort, dass man den Gatten (Vorname und Zuname) sehr wohl als Kunden führe und allerhand Waren in seinem Kundenkonto aufgeführt seien. Nicht aber ein Kühlschrank. Möglicherweise könne man mit der Mobiltelefonnummer, die bedauerlicherweise fehlen würde, eine andere Suche durchführen. Das lese ich dem Gatten vor, der sich plötzlich an die Stirn schlägt und sagt, ich glaube, den Kühlschrank haben wir damals beim Möbelhändler X gekauft!

Natürlich! Zusammen mit den Küchenstühlen! Jetzt fällt es mir auch ein. Gut, entscheide ich. Zu X fährst du jetzt und machst das direkt. Ich öffne nicht noch ein Kundenkonto im Internet. Der Gatte ist willig und fährt los, kommt aber unverrichteter Dinge zurück. Möbelhändler X ist natürlich Coronabedingt geschlossen. Bitte gehen Sie ins Internet.

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12 von 12 im April 2021

Glücklicherweise habe ich Frau Mutti in meiner Instagram-Timeline, die verlässlich bei 12 von 12 mitmacht, und ich erinnere mich, dass ich Fotos machen will. Leider regnet es heute und die Fotos von der Côte d’Azur werden alle ziemlich grau.

Den Blick aus dem Fenster. Kennen Sie schon. Heute in Grau.

Die Milch für den Kaffee steht derzeit im Außenkühlschrank. Glücklicherweise ist es derzeit recht frisch, denn unser Kühlschrank hat uns letzte Woche im Stich gelassen. Ich habe letzten Mittwoch Abend in Windeseile die gerade erst eingefrorene Lammschulter, Lachs und anderes aus den Tiefkühlfächern gebraten und gekocht und Hackfleisch in Sauce Bolognese umgewandelt, was wir dann über mehrere Tage gegessen haben. Trotzdem musste ich vieles wegwerfen. Schwierig, das Leben ohne Kühlschrank. Der neue Kühlschrank kommt heute voraussichtlich zwischen Zehn und Zwölf.

Erstmal aber gibts Frühstück.

Im Küchenschrank unten befindet sich das Katzenfutter. Pepita schwört, dass Monsieur ihr noch nichts gegeben hat. Echt nicht! Er hat es vergessen! Glaubs mir!

Ich lasse mich nicht erweichen, also muss sie selbst die Tür öffnen.

Der neue Kühlschrank kommt schon um kurz nach Zehn! Er ist höher und tiefer als der letzte. Toll! So kann ich Monsieur zu seinen Vormittags-Terminen begleiten. Die Wohnung der Schwiegermutter steht seit ein paar Wochen (wieder) zum Verkauf. Wir haben heute mehrere Besichtigungen. Schlechter Tag. Es regnet und man sieht so das Meer am Horizont nicht blau blitzen, was an Sonnentagen immer eine schöne Überraschung ist. Erstmal warten wir. Ich mache Pfützenfotos.

Und Goldfischfotos

und Himmelsfotos

Nach den Besichtigungen eilen wir wieder nach Hause, Monsieur holt ein gegrilltes Hähnchen beim Metzger, wir haben heute die Enkel zum Essen (Dank der Impfungen wird zumindest das Familienleben wieder normaler!) Dazu gibts Bandnudeln. Vorher gabs eine Scheibe Paté und Karottensalat. Danach lauwarmen Schoko-Pudding aus dem Außenkühlschrank.

Monsieur macht eine kurze Sieste und ich beantworte ein paar Mails (Eine junge Frau möchte ein Foto „des Autors Christine Cazon“; ich bin kurz versucht, sie darauf hinzuweisen, dass ich Autorin sei und lasse es dann. Ich dachte, in der jungen Generation wäre das Gendern total selbstverständlich. Scheint nicht so.) und wir fahren schon wieder los. Drei Termine am Nachmittag. Der erste Interessent versetzt uns, wir rufen ihn an, er entschuldigt sich wortreich und verschiebt den Termin von 15 Uhr auf 17 Uhr. Wieder warten. Den Damen des 16 Uhr-Termins gefällt offensichtlich so manches nicht. Zu laut finden sie den Gärtner im Nachbargrundstück, der tatsächlich gerade mit irgendetwas Krach macht. Das Meer lässt sich im Grau nicht erahnen. Sie sind schneller wieder weg als gedacht.

Das ist das Foto des Tages. X-mal rauf und runter heute. Manchmal im Aufzug. Manchmal zu Fuß.

Wir warten im Auto und ich fühle mich wie ein Polizist, der jemanden beschattet, nur dass ich auf dem Telefon herumtippe. Der 17 Uhr Termin versetzt uns erneut. Poser un lapin, nennt man das auf Französisch. Einen Hasen setzen. Ich lese Erklärungen zu diesem Ausdruck, die ich gleich wieder vergesse. Die Dame um 17.30 Uhr ist nicht wahnsinnig begeistert, aber auch nicht abgeneigt. Wir haben schon viele (darunter auch zunächst sehr begeisterte) Interessenten gesehen und sind etwas nüchterner geworden. Immerhin ist der laute Gärtner nun weg und das Meer ist sichtbar. Kaum sind wir (endlich) auf dem Weg nach Hause, ruft der 17 Uhr Termin an. Wortreiches Geblubber. Termin für Mittwoch. Ich sage nicht, was ich denke, sondern nur höflich, dass wir das kurz vorher nochmal bestätigen. Bien sûr Madame.

Zuhause will ich endlich den Kühlschrank einräumen, aber das Telefon klingelt, der Anrufbeantworter blinkt. Neue Termine wollen bestätigt werden. Jeden Tag geht das so. Dann ruft eine Freundin an, die ihre Zelte an der Côte d’Azur abbrechen wird, um in die Bretagne zu ziehen. Sie hat die Nase voll vom Süden und bereits in der Bretagne ein Haus gekauft. Wir sprechen lange. Dann räume ich meinen neuen Kühlschrank ein. Boah ist der groß! Was für ein Luxus.

Wir essen Reste von mittags. Dann sieht Monsieur einen alten Film und lacht viel. Pepita schläft auf der Sofalehne. Ich schreibe hier.

So war mein Tag. Voll und trotzdem leer und vor allem etwas farblos. Müde bin ich trotzdem sehr. Die anderen 12 von 12er wie immer bei Frau Kännchen. Bonne nuit.

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Blick zurück auf Ostern und fünf Fakten, die Sie vielleicht noch nicht von mir wussten

Am Karfreitag, der hier übrigens ein normaler Wochentag ist, habe ich frühmorgens mein Handy im Klo versenkt. Es rutschte aus der hinteren Hosentasche und alle Versuche es zu retten (Reis, Fönen) haben nichts gebracht. Zum Reis, der gerne als ultimativer Tipp gehandelt wird, ich weiß nicht, wer diese Idee erstmals hatte und ob sie wirklich jemals jemand ausprobiert hat, lassen Sie mich Ihnen sagen: wenn Sie ein durchnässtes Handy in einen Sack Reis stecken, haben Sie danach ein mit Reisstaub verklebtes Handy und alle winzigen Öffnungen ihres Smartphones sind ebenso mit Reisstaub oder mir Reiskörnern verstopft. Ich habe es dann lieber trocken gefönt (was man aber auch nicht machen soll!), und die mit Reis verstopften Öffnungen mit einem Pinsel mühsam wieder gesäubert. Trotzdem lag es wasserleichenmäßig darnieder und reagierte nicht mehr. So bekam die Entrümpel-Fastenchallenge eine unfreiwillige Krönung: acht Tage ohne Handy (bis ein neues kommt, das ich schon bestellt habe). Ich habe mich nur kurze Zeit wirklich geärgert; das letzte (teure) Handy wurde mir vor knapp zwei Jahren gestohlen, Sie erinnern sich vielleicht, ansonsten können Sie es hier noch einmal nachlesen, seitdem kaufe ich nur noch recht billige Modelle, insofern sind der Verlust und die Geldausgabe zwar ärgerlich, halten sich aber in Grenzen. Da ich mich für all mein fleißiges Ausmisten noch nicht belohnt hatte, und auch gar keine Idee hatte, was ich mir wirklich gönnen könnte, wird eben das neue Handy die Belohnung.

Karfreitag Abend rief dann die Tochter von Monsieur an – falls Sie hier treu mitlesen wissen Sie, dass ich, nach dem Weihnachts-Essen-Drama, der Familie noch ein Essen schulde. Da die ältere Generation in der Familie in der Zwischenzeit entweder schon zweimal oder zumindest einmal geimpft wurde, was uns alle durchaus erleichtert, wurde dem Projekt Essen mit acht Personen von allen Seiten erstaunlich unkompliziert zugestimmt. Ich hatte zusätzlich einen kleinen Klapptisch erstanden, den wir jeweils an den Tisch draußen, oder bei schlechtem Wetter drinnen, anstellen konnten, damit alle Platz fänden, ohne zu sehr aufeinanderzusitzen. Ich hatte bereits eingekauft, Fleisch beim Metzger bestellt und Brot beim Bäcker. Nur das Frische würde ich am Samstag noch auf dem Markt kaufen. Bei Herrn Buddenbohm las ich kürzlich, dass es im Discounter in Hamburg keinen Dosenmais gab und das Fehlen diverser Waren mit dem vor kurzem noch im Suezkanal festgefahrenen Containerschiff begründet wurde. Haha, dachte ich, als ich das las, guter Witz, aber tatsächlich sagte mein Metzger hier dasselbe, als ich eine Lammkeule bestellte. „Lammkeule gibts nicht“, sagte er. „Das Containerschiff, wissen Sie!“ Herrjeh, Lamm, das in Containern von irgendwo weit weg angefahren wird und nun vielleicht etwas angegammelt ist, will ich gar nicht haben. Aber der Lammfleischmarkt ist im Moment weltweit angespannt, erklärt er weiter, weil just vor unserem Osterfest die Juden Pessach gefeiert haben und nach uns feiern die Muslime Ramadan, und alle wollen Lamm essen. Vor allem Lammkeule. „Das Lammfleich ist sicher“ titelte zwar die eine oder andere Agrarseite, aber zu welchem Preis! Genau das sagte dann auch mein Metzger, es gäbe derzeit nur noch inländisches Lammfleisch, und das zu einem Preis, den er geradezu unverschämt fände. Nun stehe ich aufgrund meiner ländlichen Vorgeschichte den Schäfern generell und den französischen im besonderen tendenziell nah, und wenn die ein bisschen mehr Geld verdienen, soll es mir recht sein. Trotzdem bekomme ich keine Lammkeule mehr, und nehme daher mit zwei gerollten Lammschultern vorlieb. Immerhin habe ich zu Ostern traditionelles Lamm! Nun gehen wir zum ersten Satz dieses Absatzes zurück – die Tochter rief an und teilte uns mit, dass ihre Familie an dem so dringlich erkämpften Essen nun bedauerlicherweise nicht teilnehmen würde, da sie mit sofortiger Wirkung in Quarantäne seien. Quoi? frage ich. Was? Sie hatten in der vergangenen Woche überraschenden Besuch von Freunden bekommen, und leider sei einer der beiden Freunde nun eindeutig an Covid-19 erkrankt. Na toll. Wir lamentieren ein bisschen dramatisch herum, wie man das so hier macht. Ich schlage vor, das gekochte Essen vor die Tür zu stellen. Aber die Familie wird die Quarantäne im abgelegenen Haus in den Bergen verbringen, erfahre ich, da ist mehr Luft als in der kleinen Stadtwohnung, verständlich. Alles so wie schon an Weihnachten. Nun gut. Wir werden also wieder nur zu viert sein – und wie gut, dass ich keine große Lammkeule bekommen habe, sondern nur zwei Schultern, da wird eine kurzerhand eingefroren.

Ich überspringe das Essen, für das ich etwa zwei Tage in der Küche verbracht habe, aber ich war besser in der Zeit und weniger gestresst, weil nicht mehr so viel aufgeräumt werden musste, da dank der Fasten-Rümpelei schon so schön aufgeräumt war. Hurrah. Um zwölf kamen die Gäste und ich war noch im Bademantel (aber das Essen gut vorbereitet). Wir begannen mit Apéro (auf der Terrasse, dort war es leider kalt und windig, so dass wir vom weiteren Essen draußen absahen) und mit zwei Vorspeisen, Hauptgang, Salat, Käse und Torte bis 16 Uhr ging es im Esszimmer weiter, Kaffee und Schokolädchen gabs dann später im Wohnzimmer, und hätte man nicht aufgrund der Ausgangssperre um 19 Uhr zu Hause sein müssen, wäre man vielleicht noch geblieben.

19 Uhr beginnt die Ausgangssperre, denn wir sind für weitere vier Wochen im 3. nationalen Confinement. Für uns in unserem Département ändert sich nicht so viel, wir hatten diese Regelung, von der ich nur die aktuelle 10km-Regel sowie die Ausgangssperre zwischen 19 Uhr und 6 Uhr abgespeichert habe, schon vorher. Aber jetzt ist eben wieder ganz Frankreich im Lockdown. Derzeit wird ein sehr positives Video im Fernsehen gezeigt, das „tenir ensemble“ also in etwa „Gemeinsam durchhalten “ oder „Zusammenhalten“ als Botschaft verkündet. Obs hilft?

Ostermontag war das Wetter überraschend schön, ich ging morgens alleine an den Strand und genoss nach dem durchgequatschten Vortag, die Stille am Meer. Die Wolke über dem Esterelgebirge erinnerte mich an Neuseeland bzw. an den Namen, den die Maori der Insel gegeben haben Ao-tea-roa – lange weiße Wolke.

Kürzlich wurde ich auf Instagram aufgefordert an dieser „Acht Fakten, die ihr noch nicht über mich wisst“-Aktion in den Stories teilzunehmen, und damals dachte ich, dass es vermutlich nichts gibt, was Sie noch nicht von mir wissen, erschwerend kam hinzu, dass ich keine Stories auf Instagram kann, weshalb ich dann nicht an dieser Aktion teilgenommen habe. Aber vielleicht wissen Sie tatsächlich noch nicht, dass ich 1996 allein nach Neuseeland gereist bin und dort nach einer kurzen Woche, in der ich mit dem Rucksack unterwegs war, einen Autounfall hatte und dort im Krankenhaus landete. Übrigens der erste Moment, wo ich wirklich mit (den sehr coolen und extrem netten) NeuseeländerInnen in Kontakt kam, vorher wandelt man ja auf denselben Pfaden wie alle anderen backpacker und trifft immer wieder dieselben internationalen Menschen, aber eben keine NeuseeländerInnen.

Das also zwei Fakten, die Sie vielleicht noch nicht gewusst haben: Neuseeland und der Autounfall. Und Fakt Numero drei: Seit dieser Zeit habe ich eine vertikale Narbe auf der Stirn und ein etwas assymetrisch zusammengewachsenes Gesicht.

Fakt Nummer vier ist eine Ankündigung. Christine Cazon wird aus ihrem demnächst erscheinenden achten Kriminalroman „Lange Schatten über der Côte d’Azur“ lesen und zwar online via Zoom. Dies ist sozusagen Weltpremiere. Es ist meine erste Online-Lesung und die erste Lesung aus dem dann geradezu brandneuen Krimi. Organisiert wird die Veranstaltung von der Stadt Nürnberg und dort vom sehr rührigen Amt für Internationale Beziehungen (Nürnberg und Nizza sind Partnerstädte). Die Lesung findet am 16.04.2021 um 19 Uhr statt. Sie ist kostenfrei, Sie müssen sich dafür nur rechtzeitig über diesen Link anmelden. Ich schaue mir in der Zwischenzeit Tutorials zu Zoomveranstaltungen an und suche den best ausgeleuchteten Ort in der Wohnung unter Vermeidung spiegelnder Brillengläser und bete um nicht zusammenbrechendes Internet.

Fakt Nummer fünf: Es wird eine sechseitige Geschichte über mich und mein französisches Leben geben und zwar in der Zeitschrift „Meins“ – die es zu meiner Zeit in Deutschland noch gar nicht gab, ich kann also nichts dazu sagen, aber die Redakteurin, mit der ich zu tun hatte, sowie die Fotoredakteurin, waren super nett.

Meine Geschichte kennen Sie natürlich, vielleicht aber nicht die vielen privaten Fotos, mit denen die Geschichte angereichert wurde. Ich dachte versehentlich, die Geschichte erschiene schon jetzt an Ostern in der Nummer 8, aber, wie die enttäuschten Käuferinnen der Nummer 8 mir mitgeteilt haben, da ist nur Barbara Schöneberger drin! Also werfen Sie vorsichtshalber erst einen Blick in die Nummer 9 (erscheint am 14.04.2021), bevor Sie sie kaufen; will sagen, natürlich können Sie die Zeitschrift trotzdem erstehen, aber wenn Sie sie nur kaufen, weil Sie meine Geschichte darin suchen, dann sollten Sie vorsichtshalber vorab einen Blick hineinwerfen, um sicher zu sein :D

Und wo kommen jetzt die hier veröffentlichten Fotos her, fragen Sie sich vielleicht. Nachdem mein Smartphone einen Tag und eine Nacht lang tot war (Karfreitag!), hat es sich langsam wieder berappelt. Der anfängliche Schleier über den Fotos, das Geruckel beim Scrollen und die weißen Flecken auf dem Display verschwanden über Ostern fast vollständig. Ein Wunder. Die Wiederauferstehung eines Smartphones. Nachdem ich auch das letzte Reiskorn aus dem Kopfhörerzugang gepusselt habe, geht auch das wieder. Unglaublich. Das neue Smartphone kommt trotzdem in dieser Woche. Nun ja.

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Rama dama

„Rheuma“, sagt Monsieur erstaunlich ungerührt, als ich ihm klagend mein rechtes Handgelenk mit der geschwollenen schmerzenden Stelle hinstrecke. Natürlich sagt er nicht „Rheuma“ sondern rhumatisme, aber ich verstehe Rheuma und denke gleichzeitig „Räumma“ im Sinne von „räum ma des weg“, wie man im Hessischen sagen würde. Klar hab ich Rheuma im Handgelenk, ich räume gerade zu viel, denke ich. „Nimm zwei Apririn“, schlägt er, Apotheker alter Schule, vor. „Zwei Aspirin gegen Rheuma?“ Was soll das denn? Ich lese nervös alle Rheuma-Informationen der Rheuma-Liga, für mich klingt das wie eine Mafiöse Vereinigung, im Internet durch: Degenerative Gelenkerkrankung, sagt die Liga, die sich in Arthrose oder Arthritis aufteilt. Eins so unangenehm wie das andere. Ich denke, ich muss die Ärztin anrufen, aber es ist erst halb Acht. Zunächst koche ich mir einen Kaffee, aber um mir ein Marmeladenbrot zu machen, kann ich schon nicht mehr den Deckel des Glases aufschrauben. Passt vom Symptom, genau das hat die Rheuma-Liga als Beispiel gewählt. Ich halte Monsieur das Glas hin. Ich werde nie mehr Deckel aufkriegen, ich werde die Entrümpel-Challenge aufgeben müssen, ich werde nie mehr schreiben können, blitzt es durch meinen Kopf und ich starre das lahme Handgelenk an. Reicht es nicht, dass ich Rücken- und Knieschmerzen habe? Und Ischias? Ich sehe mich schon im Rollstuhl sitzen mit all dem Körper-Weh, das mich neuerdings befällt. „Nimm zwei Aspirin“ insistiert der Gatte nun streng und ich löse mir brav zwei Aspirin in einem Glas Wasser auf und trinke sie noch vor dem Kaffee.

Dann frühstücke ich und räume nur „light“ etwas das Wohnzimmer auf, denn es kommen unbekannte Menschen, denen Monsieur etwas unterzeichnen wird. Zwei Sekunden offizieller Besuch. Ich habs aber jetzt gern ordentlich. Ich habs eigentlich immer gern ordentlich, aber ich kann keine Ordnung halten. Wir beide nicht, sagen wir so. Ich bin vor zehn Jahren hier eingezogen, im Mai vor elf Jahren, um genau zu sein, und war frohen Mutes, diese vollgestopfte altmodische und dunkle französische Wohnung in eine helle französisch-deutsche mit einem Touch Deko und Design umzuwandeln. Nur, man ließ mich nicht. Der Mann nicht und niemand eigentlich. Wann immer ich etwas aussortieren wollte, fiel mir irgendjemand in den Arm: „das ist die Tischdecke, die meine Eltern zur Verlobung bekommen haben!“, rief empört die Tochter, als ich das verwaschene Stück Stoff aussortierte. „Dann nimm sie“, schlage ich vor, „wenn du so an ihr hängst.“ „Ah non!“ lehnt sie kategorisch ab. Super. Sie erinnern sich vielleicht an diesen Blogbeitrag. Ich erinnerte mich gerade auch, eine Kolumne dazu verfasst zu haben. Streit am Morgen, weil eine alte Plastikschüssel fehlte.

Irgendwann war ich es müde, dass ich hier nichts ändern konnte, oder für alle winzigen Änderungen immer so kämpfen musste, wurde dann versöhnt mit einem eigenen Zimmer in diesem Haus (nicht in der Wohnung), wo ich mich mit meinen Sachen umgeben konnte. Aber letztlich konnte ich auch da nicht alles so machen, wie ich wollte, außerdem war dieses Zimmer auch das Gästezimmer und kaum hatte ich mich zum Schreiben eingerichtet und ausgebreitet, räumte ich alles wieder zusammen, weil Besuch kam. Ich bin nicht „bei mir“, wurde mir jeden Tag bewusst, ich wohne und lebe bei Monsieur. Diese Situation führte zu einer gewissen Resignation meinerseits, einer lassitude, einer großen Müdigkeit. Ich war es müde, hier aufzuräumen, seine Sachen aufzuräumen, und meine dazu, die diversen Sammlungen zu bändigen, die Bücher vor allem, aber auch die Flut an Papier.

unfreiwillige Gummiringsammlung

Letztes Jahr gab ich „mein“ Zimmer an eine bedürftige Person, vorübergehend erst, dann dauerhaft – zähneknirschend und leise weinend – die Corona-Situation hat sie finanziell, familiär und wohnungsmäßig in eine Notlage gebracht: sechs Personen in zwei Zimmern, am Ende des ersten strengen Lockdowns krachte und knallte es da an allen Ecken und Enden – wir hingegen wohnen zu zweit auf 75 Quadratmetern, ich konnte ihr die Bitte um das Zimmer nicht abschlagen. Also räumte ich meine Sachen peu à peu aus und stellte sie zu meinen anderen Sachen in eine Garage. Die meiste Zeit in den letzten fünfzehn Jahren stehen meine Sachen in Garagen und Kellern. Das, was ich brauche, räume ich hier oben in die Wohnung und mal klagte, mal quengelte und mal wütete ich über das zu viel von allem und über den fehlenden Raum für meine Sachen. „Ich weiß“, sagte Monsieur jedes Mal, hilflos Schulternhochziehend und Armeausbreitend, „ich weiß, aber was soll ich machen?“ Diese Entrümpel-Challenge kam mir wie gerufen und das Besondere ist, möglicherweise wiederhole ich mich, das Besondere ist, dass Monsieur mich nun nicht nur machen lässt, sondern (in gewisser Weise) mitmacht. Der Pagnol ist derzeit schon unterwegs zu seinem neuen Zuhause. Ein knapper Meter Conan Doyle, der Vater von Sherlock Holmes, darf ins Sommerhaus umziehen. Dort ist die Möglichkeit, dass er gelesen wird, wegen Nichtvorhandensein anderer Medien, ungleich höher.

Ich konnte Bücherregale umsortieren und bekam so zwei zusammenhängende Meter Regal für meine Bücher. Großartig! Damit ist die vollgerümpelte Kommode im Schlafzimmer nun beinahe leer.

vorher
nachher

Wir haben gemeinsam knapp hundert DVDs entsorgt, und gestern stellte ich Monsieur zwei Schuhkartons voller „Erinnerungsstücke“ hin und bat um Entscheidungen. Der Gatte war müde, ich dachte, er würde nur den Deckel kurz lüften, hineinschauen und sagen „behalte ich alles“, aber nein, er entsorgte von sich aus zwei Drittel der lieblichen Kleinigkeiten (kaputte Uhren, Brillen, Anstecker, Postkarten, Brieftaschen, Eintrittskarten, Fotos) Boah! So geht es hier jeden Tag ein Stückchen voran. Ich bin wie angefixt, ich räume aus, ich schaue, was ich/wir wirklich brauchen und ich werfe weg. Und überlege und räume Dinge nun an den „richtigen“ Ort. Ordnung kommt von Ort, sagt Alexandra. Und wenn die Dinge einen richtigen Ort haben, dann ist das Ordnung halten ganz einfach. Es stimmt bisher. Ich weiß, wo die Dinge sind und ich finde sie wieder; anders als früher, wenn ich in Windeseile viel aufräumen musste und schnell alles zackzack irgendwohin stopfte, nur damit alles „weg“ war, und auf Fragen wie etwa „darf man erfahren, wo du meinen blauen Pullover hingeräumt hast“ keine Antwort hatte, nervös Schränke öffnete und die Kisten unter dem Bett, den besagten Pulli nicht fand und daher patzig zischte, „wenn du ihn selbst weggeräumt hättest, wüsstest du es!“ Das ist jetzt anders. Ich öffne immer wieder Schränke, weil ich mich so freue, wie schön aufgeräumt es darin aussieht und das beste, der Gatte muss gar nicht fragen, weil man alles sieht. Ich freue mich über freie Oberflächen, die frei bleiben (na gut, nur hier und da) und halb leere Schubladen. Halb leere Schubladen, wo gibts denn so was? Diese „Platzverschwendung“ ist mir fast unheimlich. Kann man da nicht schnell noch was reintun?

Warum ich seit elf Jahren das Backpapier, die Alu- und Frischhaltefolie und die Gefrierbeutel aus einem Eck im äußersten Linksoben der Küche hangele, die sowieso für größere Menschen konzipiert wurde und ich dort für alles ein Hockerchen brauche, wieso ich mich also immer ächzend nach oben links recke und auf Zehenspitzen stehend eine Zipfel der Folienpackung erhasche und ziehe, und mir dann alles entgegenfällt, ich laut fluchend alles wieder nach oben links hineinwerfe und die Tür zuknalle, weiß ich auch nicht. Das Papier, die Folien und Beutelpackungen haben ihren Ort nun in der Mitte in einem Schrank über der Mikrowelle, auf die Zehenspitzen muss ich zwar trotzdem, aber ich habe alles praktisch direkt vor mir. Sowas! Links oben ist jetzt das Kistchen mit den Medikamenten der Katze, auch die wird älter und hat Zipperlein, aber im Moment ist alles in Ordnung und die Kiste ruht da oben links gut.

Und nun habe ich Rheuma vom Räumen. Zwei Aspirin aber haben den Schmerz und die Schwellung tatsächlich verschwinden lassen. Mit zwei Paracetamol gehe ich gegen den Ischias an. So lange es sich mit diesen Basis-Medikamenten regeln lässt, räum ich hier unverdrossen weiter. Heute ist der Flurschrank dran. Ein echter Ort des Grauens. Ein riesen Ding, in den immer alles reingestopft wird. Ein Fass ohne Boden.

So weit war ich heute morgen gekommen; in der Zwischenzeit ist auch der Flurschrank zum größten Teil aus- und aufgeräumt; was haben wir nicht alles darin gefunden! Wir haben uns von Skistiefeln und Segelschuhen getrennt (werden wir alles nicht mehr tun in diesem Leben, muss man realistischerweise einsehen), ich habe die Hälfte des Schnorchelmaterials entsorgt, eine der Strandsammlungen (Fundsachen und Muscheln) mit denen ich immer mal eine Ausstellung machen wollte, (was will man nicht immer so alles), habe ich vor ein paar Tagen schon entsorgt, als das Thema „Sammlungen“ dran war.

Strandsammlung

Dann ging es an die Jacken – unter anderem wurde ein cremefarbener Smoking, in dessen Taschen noch der Beweis des letzten Tragens steckten: 2012 bei einer Abendgala der Goldenen Palme, entsorgt. Und ein marinefarbener zweireihiger Blazer mit Goldknöpfen. „Weg“, sagte Monsieur mit einer (haha) wegwerfenden Handbewegung. Und alte Lederjacken und noch so viel mehr. Fünf große Säcke flogen weg – ich habe vergeblich rauszufinden versucht, ob Plastikkleiderbügel mit Metallhänger in den hiesigen Plastikmüll dürfen oder nicht. Ich habe es jetzt teils teils geregelt.

Goldene Palme

Noch ist der Schrank nicht richtig fertig, ich brauche noch ein paar von diesen Vakuum-Säcken, um Kissen weniger voluminös unterzubringen und die Schwimmsachen (Flossen, Schnorchel) sollen noch in eine Kiste, aber hey, dieser Schrank war von Anfang an mein gefühlter Angstgegner, und es ging ganz leicht! Und das Handgelenk, das den ganzen Nachmittag geräumt hat, hat gerade spürbar kein Rheuma. Jippieh!

Die Überschrift „Rama dama“ (Räumen tun wir) ist diesem Film entnommen, den ich gerade gern nochmal sehen würde.

ps: heute bekam ich Post von lunettes sans frontières, die mir den Erhalt der Brillen bestätigen. Wie toll! Damit habe ich gar nicht gerechnet. Ich habe beim Ausräumen in der Zwischenzeit erneut sechs alte Brillen gefunden (drei allein in den Schuhkartons voller Erinnerungen), die warten noch auf ein paar andere und dann gehen sie auf die Reise.

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