intervalle des créateurs

Kleines Kreativ-Kunst-Event im Viertel: @IntervalleDesCreateurs. Eine kleine neue Galerie: La Banane, ein Modeschöpfer: Art de la Couture, eine Grafik-Design-Agentur: Hypersthène und ein Architekt: Palladium haben sich zum ersten Wochenende der portes-ouvertes zusammengefunden und das untere Ende der Avenue de Grasse in eine Open-Air-Kunstgalerie verwandelt. Sie wollen von nun an monatliche Zusammenkünfte zwischen den Kreativen, ihrer Kunst und den Anwohnern schaffen, um sich kennenzulernen, zu plaudern, ein Glas zu trinken, das Viertel lebendiger zu machen. Gelebte Kunst-Nachbarschaft. Heute mixte Pedro, le Couturier, Schneider und Modeschöpfer, vor seinem Atelier Mojitos mit und ohne Alkohol. Merci dafür! Sehr nettes Ambiente, junge und weniger junge Menschen vermischten sich aufs Angenehmste und kamen miteinander ins Gespräch! Bravo! Belle initiative!

Dieser Titel fiel mir vorhin noch ein „kommt zusammen“ – passt zum Event und ist sommerlich-leicht.

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WmdedgT 07/2020

Ich bin einen Tag zu spät für das Tagebuchbloggen „Was machst du eigentlich den ganzen Tag“ am 5. jeden Monats, wie es Frau Brüllen regelmäßig erfragt, aber das Wochenende war bewegt und wir kamen erst gestern Nacht zurück. Ich schreibe den 5. also am 6. und reihe mich dennoch ein (so es noch geht).

Gestern vor fünfzehn Jahren, am 5. Juli 2005, bin ich nach Frankreich aufgebrochen. Vor fünf Jahren habe ich mich schon einmal daran erinnert, das will ich jetzt nicht schon wieder tun, aber was ist nicht alles passiert in diesen fünfzehn Jahren!

Sehr schön, dass wir an diesem Wochenende zu einer Hochzeit „da oben“ in den Bergen eingeladen wurden, die, erst abgesagt, dann verschoben auf nächstes Jahr, jetzt doch, wenn auch nur im kleinen Kreis, stattgefunden hat. Und aufgrund der Situation war alles, einschließlich der Trauung, eine Open-Air-Veranstaltung, selbst die Mairie deplatzierte sich auf die Wiese unter dem Collet de Sen. Es war ma-gni-fique. Ich werde hier nicht die Hochzeitsfotos von Freunden veröffentlichen, das verstehen Sie, genauso wie ich versprochen habe, nicht die Fotos der Schäferfamilie und ihren Kindern zu posten, die am anderen Ende der Wiese am frühen Abend ihre Schafe molken.

Es war alles so idyllisch. Später dann aßen wir im kleinen Kreis auf dem ehemaligen Dreschplatz vor der ehemaligen Scheune der Großeltern der Braut. Ein Freund spielte Klavier, es wurde gesungen, erzählt, gelacht und dann ging großartig der Mond auf, den ich natürlich mit meinem Telefonapparat nur so klein und schwummerig erhaschte, aber es war ein ganz wundervoller Abend! Das alles war am 4. Juli.

Wir übernachteten im Sommerhaus, das noch einmal ein paar hundert Meter höher in diesem idyllischen Weiler liegt und über einen abenteuerlichen Feldweg erreicht wird. Ich erzähle es immer wieder, wenn Sie hier schon lange mitlesen, wissen Sie das alles. Da oben sind es nur noch 12 Grad, wir legen noch eine Wolldecke über das Deckbett und schlafen in den 5. Juli. Monsieur, wie immer ein Frühaufsteher, macht schon Kaffee und hat in aller Frühe bereits Besuch von anderen Sommergästen, ein junger Mann mit seiner reizenden zweijährigen Tochter ist auch im Weiler. Der junge Mann verspricht, sich um den eigentlich nagelneuen Durchlauferhitzer, der aber regelmäßig-unregelmäßig zickt, zu kümmern. Eigentlich wollte ich bei einer Gas-Installation genau dieses Gebastel von selbsternannten Installateuren vermeiden, aber der richtige Installateur ist wie letztes Jahr, oder war es schon vorletztes Jahr?, nicht zu erreichen. System D für débrouille-toi, wörtlich „entwirr dich selbst“, meint „sieh zu, wie du allein klarkommst“, ist in den Bergen immer noch die beste Methode, um etwas (zeitnah und überhaupt) repariert zu bekommen.

Ich trinke meinen Kaffee auf der kleinen Terrasse in der Stille und der kühlen Bergluft, es ist sommerlich und sonnig, aber ein Fleecepullover über dem Nachthemd ist morgens schon vonnöten. Ich weiß, dass andernorts Sätze wie „und irgendwo bellte ein Hund“ voller Spott gesammelt werden, so etwas banales schreibt kein(e) anständige(r) SchreiberIn in einem Text, aber hier pfeift „irgendwo“ erst ein Murmeltier und später bäht und mäht und bimmelt „irgendwo“ eine ganze Schafherde, die zu ihrem heutigen Weideplatz zieht. Würde ich mich nähern, bellten sicher auch die Hütehunde, aber ich trinke meinen Kaffee und höre sie nur „irgendwo“, und bin wie jedes Jahr gerührt.

Was ich auch höre und zwar ganz konkret, sind die Bienen, die auch wie jedes Jahr ihren Platz zwischen Fenster und Fensterladen gewählt haben. Vor drei Tagen sind sie „eingeflogen“, man hatte uns angerufen, und sie bauen, eifrig wie immer, ihre Waben. Hier waren schon immer Bienen erzählen die „Alten“ jedes Jahr, und nur deswegen habe Monsieurs Großvater sich als Imker versucht, weil die Bienen einfach jedes Jahr wieder kamen, allen Widrigkeiten zum Trotz. Niemand will sie holen, zu aufwändig, zu zeitintensiv, zu weit weg, der Schwarm nicht groß genug. Wenn sie nächstes Jahr noch da sind, sagt mir jemand unten im Dorf, nächstes Jahr nähme er sie, da würde er sich als apiculteur versuchen. Lassen wir der Natur also ihren Lauf.

Dann inspizieren wir den Gemüsegarten, den die „Enkel“ dieses Jahr angelegt haben, alles wächst, die Kartoffeln, die Salate, nur die Erdbeeren und Himbeerpflanzen tragen keine Früchte. Die Johannisbeeren, deren Blätter seit drei Jahren von irgendwelchen Raupen abgefressen werden (was die Beeren vertrocknen lässt), haben sich halbwegs erholt, weil man dieses Jahr alle paar Tage Raupen abgelesen hat; ich finde aber nur ein Blatt voller Raupen, die ich brav vernichte. Dann reißen Monsieur und ich Brennesseln und Kletten heraus, die beide in einer überbordenden Menge wachsen und einfach alles ersticken. Ich habe eben erst, beim Suchen der Gattung, erfahren, dass das klebrige Klettenlabkraut, das ich schnöde herausriss, ein Wundermittel in der Heilkräuterkunde ist, essbar ist es außerdem. Verhungern würde ich also nicht, das Zeug wächst wie verrückt, genau wie der Gute Heinrich, aus dem ich hin und wieder eine alternative „Spinat-Tarte“ backe. Da versuche ich am Meer den Quallen zu entgehen und hole mir in den Bergen Quaddeln und „Verbrennungen“ mit den Brennnesseln. Den ganzen Tag lang habe ich aufgequollene Arme und ein Pieksen in den Fingerspitzen. Wir essen zu Mittag (Spaghetti mit Tomatensoße, garteneigener Salat, Schafskäse und frischer Joghurt vom Schäfer, es ist alles so köstlich!), kurze Sieste, dann kommen das Hochzeitspaar und seine Gäste, fast alle in irgendeiner Form lehrend (Grundschule, Mittelschule, Universität), und wir hatten ihnen versprochen „L’éscola“ zu zeigen, das Sommerhaus war früher eine Schule, das wissen Sie vermutlich auch alles schon, ich will mich nicht immer wiederholen.

Wir zeigen auch die kleine Kirche, den Weiler und danach gibt es Picknick (sie haben alles mitgebracht) auf der Terrasse (Im baumlosen Garten ist es zu sonnig, auf der anderen Seite schwärmen die Bienen), wir sitzen eng (keine Distanz!) aber immerhin sind wir draußen. Dort bleiben wir und erzählen und essen und trinken und es ist wunderbar sommerlich und alle sind wir gutgelaunt. Erst gegen Acht Uhr abends brechen die Gäste auf und wir werfen alles Geschirr in den Geschirrspüler und sammeln die Dinge zusammen, die wir wieder mit hinunter nehmen wollen, messen noch ein paar Ecken aus, es gibt Möbel aus dem Haushalt der Schwiegermutter unterzubringen, niemand will etwas haben; dann warten wir, bis die Spülmaschine fertig ist, schalten Strom, Gas und Wasser ab, schließen die Fensterläden und die Türen und fahren gegen 21 Uhr los.

Um halb Zwölf sind wir wieder in Cannes. Die Katze bekommt Fressi und Streichler und dann fallen wir hier ins Bett. Die Luft ist schwül und klebrig. Morgen, nehme ich mir vor, morgen suche ich den Ventilator (den ich bis eben nicht gefunden habe).

Danke fürs Lesen! Die anderen Tagebuchblogger gibt es, wie immer, HIER.

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le temps des cerises

Es ist die Zeit der Kirschen. Die Ernte ist dieses Jahr wohl grenzüberschreitend üppig ausgefallen. Wir haben keinen Kirschbaum, sondern kaufen die Kirschen auf dem Markt zu einem Preis, als handele es sich um kleine Goldklumpen. Normalerweise steigt der Preis so in die Höhe, wenn es wenige Kirschen gibt, aber dieses Jahr ist er genauso hoch, weil sie so besonders gut sind. Dafür zahlt man dann ja gerne etwas mehr. Ich erinnere mich an die Zeit, als ich in Frankreich angekommen war, vor jetzt beinahe 15 Jahren. Eine meiner ersten Tätigkeiten auf dem Hof war, die Kirschen abzuernten. Dazu musste ich mittels einer alten Holzleiter auf den Kirschbaum klettern und Kirschen in einen großen flachen Korb sammeln. Diese Holzleiter und dieser alte geflochtene Korb, der knorrige Baum, in dem ich als Erwachsene ungelenk herumkletterte und die dicken schwarzen unendlich süßen Kirschen, mit denen ich mir den Bauch vollschlug, und die Flecken, die der Kirschsaft hinterließ, all das war ein unvergessliches Erlebnis. Die zweite Tätigkeit war, einen Clafoutis [sprich: Klaa-fuh-tieh]zu backen. Ich arbeitete mich durch das französische Rezept, verdreifachte die angegebene Menge und füllte riesige Bleche, damit es genug Clafoutis für den ganzen Clan am Tisch gab. Dieses Clafoutis-Rezept, einfach und genial, habe ich mit dem Weggang vom Hof verloren und seitdem jahrelang mit allerhand anderen Sterne-KöchInnen-Varianten herumprobiert. Hier können Sie (unter anderen) dasselbe Rezept mit wunderschönen Kirschfotos auch nochmal finden. Und eben auch das von Micha, die, wie ich auch, feststellt, dass es Clafoutis-Rezepte wie Kirschen am Baum gibt. Nun, ich habe vieles ausprobiert, der Clafoutis wurde lecker und fluffig, manchmal auch zu fluffig, aber nie wurde er so, wie auf dem Hof. Letztes Jahr bin ich zufällig auf dieses Rezept gestoßen und ich WUSSTE schon beim Lesen, DAS ist es! Hier werden nicht erst die Eiweiße aufgeschlagen, Mandeln gesiebt und die Milch auf 37 Grad erhitzt und was weiß ich für Scherze. Hier wird alles schlicht mit einem Schneebesen zusammengerührt und basta. Einfacher und schneller und leckerer geht es meines Erachtens nicht. Aber wie gesagt, jedermann und jederfrau hat sein/ihr eigenes weltbestes Rezept und die beste Kuchenform noch dazu.

Clafoutis wird traditionell mit den kompletten Kirschen gemacht, sprich mit den Steinen (im Internet stieß ich gerade auf die Streitigkeiten ob es Kirschkerne oder Kirschsteine hieße; Kirschen sind Steinobst, es müsste also Kirschsteine heißen, man sagt auch noch „entsteinen“, aber in der Sprache hat sich der Kirschkern (beim Spucken und im Kissen) durchgesetzt.)

Das Lied Le temps des cerises, das allgemein als historisches romantisches Liebeslied gilt, enthält kleine Anspielungen auf die Pariser Commune, einer kurzen revolutionären Phase im deutsch-französischen Krieg 1871, die blutig niedergeschlagen wurde, und wurde, obzwar schon vor der Commune gedichtet, der Zeit der Commune „sentimental“ hinzugefügt, wie es in der viel ausführlicheren französischen Version zur Commune heißt, da der Dichter, Jean-Baptiste Clément, ein berühmter Communarde war. „Die Zeit der Kirschen“ ist kurz, heißt es, genau wie die Zeit der „Republik des Volkes“ kurz war, die rote Farbe der Kirschen, der revolutionären Kleidung und des Blutes werden erwähnt und eine schmerzvolle Erinnerung an „die Zeit der Kirschen“ bleibt auf immer im Herzen. Sehr schön und kurz erklärt wird es einmal mehr bei Arte Karambolage. Sie sehen ein bisschen den revolutionären Charakter der Franzosen. Die Gilets Jaunes sehen sich durchaus in der Tradition der Commune. Und haben schon angekündigt, dass sie nicht aufgeben werden, gegen diese ungeliebte Regierung und ihre Reformen zu kämpfen. Am Sonntag war übrigens der durch die Corona-Krise lang verschobene zweite Durchgang der Kommunalwahlen, dort, wo die Bürgermeister nicht im ersten Wahlgang (wie etwa in Cannes) gewählt worden waren. Es gab eine extrem geringe Wahlbeteiligung, die Partei Emmanuel Macrons, La République en Marche, hat weit weniger gewählte Bürgermeister als erhofft (sie hatten vorher wenige und jetzt immer noch wenige), in den großen Städten (Marseille, Bordeaux) wurde Grün gewählt (in Paris wurde Anne Hidalgo wiedergewählt) und auf dem Land (hier im Süden vor allem) konservativ.

Es ist auch le temps des meduses, es gibt wieder Quallen im Meer, wie jedes Jahr im Sommer. Jedes Jahr erzählen sie auch, was man gegen die „Verbrennungen“ tun kann, wenn man von einer Qualle „geküsst“ wird. Im Prinzip nicht viel (die betroffenen Stellen nicht mit klarem Wasser abspülen, eine schmerzlindernde Salbe erstehen, eventuell zum Arzt). Die Schmerzen sind hartnäckig, genau wie die aufgequollenen roten Striemen. Ich spreche aus Erfahrung. Daher vertraue ich jetzt dieser Seite auf der man nachsehen kann, wo und wann Quallen gesehen wurden.

Unter dem Motto „sous le soleil différement“ (meint „unter der Sonne anders als sonst“, das Lied, auf das angespielt wird, heißt „sous le soleil exactement“ (genau hier unter der Sonne; geschrieben von Serge Gainsbourg) hat Cannes sein Sommer-Kulturprogramm angekündigt. Ich verlinke dazu gern auf die Seite der Riviera-Zeit

Hier gab es kürzlich den Film „Ascenseur pour l’échafaud“ im Fernsehen (deutsch: Fahrstuhl zum Schafott), ein Schwarz-weiß-Kriminalfilm von Louis Malle aus dem Jahr 1958, mit der schwermütigen Musik von Miles Davis, die Jeanne Moreau, die durch die nächtlichen Straßen von Paris irrt, begleitet. Ich habe den Film vor bestimmt 30 Jahren zum ersten Mal gesehen und nichts verstanden. Jetzt war ich total begeistert. Falls Sie morgen Abend an einer Online-Lesung aus der Jeanne-Moreau-Biographie „Die Verwegene“, geschrieben von Jens Rosteck, teilnehmen wollen, kostenlos übrigens, können Sie sich hier eintragen. (Die Eingangsnotiz („Bedauern“) einfach ignorieren, auf den blauen Button ANMELDEN klicken und das Formular ausfüllen. Man bekommt dann – wahrscheinlich erst morgen – eine Einladungsmail mit Zugangscode zugeschickt.)

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50 shades of blue

Ein paar Tage Frühmorgen-Meer. Ohne Filter. So blau.

Heute morgen am Strand mit einem deutschen Urlauberpaar aus Scharbeutz geplaudert. 1600 Kilometer, um von einem Meer an ein anderes zu fahren, weil man es nicht schafft, sich am heimischen Meer zu entspannen. Zu nah am Alltag, an der Arbeit. So siehts aus. Es tröste mich etwas, weil ich ja auch nicht immer nur selten mit entspanntem Geist hier am Meer bin. Da hilft auch all das Blau nicht. Und doch bin ich mir bewusst, dass es ein großer Luxus ist, morgens zwischen Acht und Neun im Meer schwimmen gehen zu können.

Im übrigen ist es jetzt Sommer. Ich bin jedes Jahr aufs Neue überrascht, wenn es soweit ist. Ich habe Tendenz diese unbarmherzige Hitze zu vergessen und auch zu vergessen, wie wenig ich in dieser Zeit geschafft kriege. Jedes Jahr aufs Neue bin ich schlecht organisiert und nehme mir vor, im nächsten Jahr aber wirklich früher anzufangen …

Wir versuchen das Haus so lange wie möglich kühl zu halten und schließen jetzt wieder in dem von der Sonne vorgegebenen Rhythmus die Fensterläden und auch die Fenster und leben für die kommenden drei Monate, wie vor ein paar Monaten schon erwähnt, drinnen in einem steten Halbdunkel.

Schon zweimal hatte ich, während ich die letzten Tage so frühmorgens durch das sehr ruhige Wasser schwamm, durch Meerwasser, echtes Mittelmeerwasser immerhin, ein bizarres Bild im Kopf. Ich sah nämlich das sich leicht hebend und senkende Mittelmeer und die Lichtreflexe darauf und dachte allen Ernstes: Sieht aus wie das Meer aus Folie der Augsburger Puppenkiste. Ich weiß nicht, ob schonmal jemand das Mittelmeer mit einem Folienmeer verglichen hat, aber es sind wohl frühkindliche Prägungen, da machste nix. Ich habe jetzt auch ein paar Stunden damit zugebracht, um dieses Folienmeer in Bewegung zu erleben, vergeblich leider, immerhin sind aber auch andere Menschen (meiner Generation vermute ich stark) vom Knistern der Plastikwellen nachhaltig geprägt worden.

Ein klitzekleines bisschen Meer wogt in dieser Doku zum 70. Geburtstag der Puppenkiste von vor zwei Jahren. Bin gerade ganz nostalgisch auch wegen der hessischen O-Töne in dem Filmchen.

Für den Freundeskreis Aubergine – ich habe gestern zum ersten Mal im Leben überhaupt Beignets gemacht und dann natürlich gleich beignets d’aubergine. Bisschen fettig, fand ich, aber succulent, saftig und lecker, fand der Gatte. Und der Geschmack der Aubergine? Sehr fein, fand der Gatte. Ich sage sehr diskret :D

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Sommer – auch an blauen Tagen bricht das Herz

Kleiner Ausflug nach Nizza. Es war der längste Tag des Jahres und in Frankreich war gleichzeitig la fête de la musique. Das wurde in den großen Städten zumindest zum Anlass genommen – trotz des sehr reduzierten Angebots an Live-Konzerten und vielen kreativen indirekten Alternativ-Beschallungen, zusammengeknäult zusammenzustehen, zu tanzen, zu trinken und zu feiern. Die jungen Menschen natürlich. Man kann es verstehen. Es ist Sommer, man hat das Gefühl, das Leben vergeht ungelebt, wenn man nicht JETZT rausgeht und lebt. Auf dem Schlossberg von Nizza trommelte eine alternative Gruppe und sehr junge Mädchen mit sehr roten Augen tanzten eine Art afrikanisch inspirierten Ausdruckstanz, von unten schallten andere Musikklänge hinauf und das Geraune, Gejuchze, Gehupe der Großstadt am Meer.

Neben dem jüdischen Friedhof die Erinnerungsstele für die vieltausend Juden, die vom Bahnhof in Nizza, zunächts nach Drancy bei Paris, und von dort weiter zu den Vernichtungslagern im Osten deportiert wurden.

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l’appel du 18 juin

Ähm, ja. Historisch nur so ungefähr richtig und ein so sensibles Thema, das keine Ungenauigkeiten duldet und außerdem, wie mir der Gatte gerade deutlich gemacht hat, selbst mit historisch richtigen Daten zu sensibel, um mal eben schnell und auch noch mit einer gewissen Flapsigkeit darüber zu schreiben. Die Franzosen spalten noch immer Haare bei diesem Thema. Als nichtwissende Nichthistorikerin habe ich den Beitrag daher zurückgezogen. Danke an Rainer Wadel für den ersten und freundlicherweise diskreten Hinweis. Zum Appell des 18. Juni können Sie hier etwas nachlesen.

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Blau!

Heute nach fast genau drei Monaten, bin ich endlich wieder hier gewesen: La Croix des Gardes. Am 19. März, dem nach meiner Zählung, dritten Corona-Tag war ich dort zum letzen Mal Laufen und hatte diesen Blick, der einen echt immer umhaut. Aber zunächst lief ich an der nun wieder mit Autos vollen Straße entlang, es war laut und stank nach Auspuff (und nicht mehr nach Javel). Im Naturpark sind viele Menschen, das Gras steht hoch. Man läuft ein kleines Hügelchen hinauf, die Disteln stehen hier in der Zwischenzeit ebenfalls hüfthoch, man sieht lange nur den kleinen Weg vor einem …

… und dann: Blau!

Und das alles ohne den geringsten Filter heute! Ziemlich windig ist es allerdings. Mistral vielleicht, dann sieht es immer so knallblau aus.

Der Feigenbaum, der damals gerade mal so die ersten Blattknospen trug, zeigt jetzt schon stolz jede Menge (noch unreife) Feigen.

ps: heute Abend, ZDF, 22.15h Auslandsjournal!

pps: hm. ich konnte es jetzt dann auch sehen – bin eher nicht so begeistert, immer enttäuscht, was von fast drei Stunden Gespräch und Drehzeit übrig bleiben – und natürlich fand ich nicht die Corona-Krise „großartig“, sondern das leere Cannes ohne Touristen. Das ist etwas missverständlich finde ich, wenn man nicht auch die Frage hört.

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Willkommen! Bienvenue! Welcome!

„Schon da!“ rief ich dem Mann neben dem Auto mit dem deutschen MZG-Kennzeichen anerkennend zu, der in der Innenstadt heute früh um halb Zehn sein Auto ausräumte. Ich fuhr Monsieur zu einem Termin und hielt kurz an, um den ersten deutschen Urlauber zu begrüßen. „Pardon?“ fragte er, dann versteht er und ruft er „Ah nein, iesch fahre weg! Iesch fahre zurück! Drei Jahre war iesch `ier!“ Er packte also nicht aus, sondern ein. Ein Franzose fährt zurück nach Deutschland. Mehr erfahre ich nicht, die Ampel ist grün, Monsieur möchte zu seinem Termin. Ich mache Pfützenfotos.

Gestern Abend hat Macron gesprochen, 19 Minuten lang, danach wurde in den Medien gestritten, ob er etwas gesagt habe oder nicht. Hier eine deutsche Zusammenfassung. Eine Sache ist sicher: die Grenzen sind ab heute wieder geöffnet. Auch wenn es plötzlich unsicher war, ob die Grenzöffnung für Mitternacht vom 14. auf den 15. vorgesehen war oder doch erst vom 15. auf den 16. ?! Ab wann darf man denn wirklich fahren? Manche sind schon vorher, quasi illegal, gekommen, liegen seit dem Wochenende schon auf ihrer Ferienhaus-Terrasse und erzählen, dass sie zwar Polizei gesehen, aber keine Kontrolle erlebt haben. Andere wurden kontrolliert und zurückgeschickt. Es kam drauf an. Wie es auch in all den vergangenen Wochen und wie es immer drauf ankommt, an wen man gerät.

Wollen Sie dieses Jahr nach Frankreich reisen? Sollen Sie? Oder nicht? In den Kommentaren auf Hilke Maunders Blog (wo Sie auch weiterhin immer die neuesten News zu Frankreich und Corona erhalten) und anderswo im Netz wird derzeit viel gefragt wie es da oder da aussieht und wie es da oder da im Juli oder August aussehen wird. Letzteres weiß niemand. Für die jeweils aktuelle Situation gehen Sie am besten immer auf die Internetseite des Urlaubsortes. Im Juli und August haben die Franzosen Ferien. In der Regel fahren sie ans Meer. Vielleicht fahren sie dieses Jahr auch vermehrt in ländliche Corona-freie Gegenden. Auf jeden Fall wird es voller an den typischen Ferienorten. Aber es wird sicher weniger voll als in den vergangenen Jahren, weil so viele ausländische Gäste fernbleiben werden. Hier ist man zwiegespalten. Man braucht die Touristen und fürchtet sie auch. Werden sie uns eine zweite Viruswelle bescheren? Sie hingegen fragen sich vielleicht, ob man Sie derzeit erfreut oder ablehnend empfangen wird. Auch da kommt es drauf an, an wen Sie geraten. Jemand der vom Tourismus lebt, wird erfreut sein, Sie zu sehen, andere vielleicht weniger. Ich sagte es schonmal, seien Sie rücksichtsvoll, im Zweifelsfall lieber etwas zu viel als zu wenig, und tragen Sie dort, wo es eingefordert wird (in der Regel wird es am Eingang der Geschäfte angeschrieben) eine Maske. Dann wird schon alles gut gehen. Und vielleicht wird im August bei 34°C auch niemand mehr Masken tragen, aber das weiß man heute eben auch noch nicht.

Vielleicht ist auch alles gleich ganz anders. Kaum sind die Intensivstationen wieder etwas leerer, streikt morgen schon das Krankenhauspersonal, damit klar ist, so, wie es war, kann es nicht weitergehen. Die Gilets Jaunes sind bereit sich da anzuschließen. Demonstrationen gegen Rassismus gibt es seit dem gewaltsamen Tod von George Floyd auch allerorten. Frankreich in seiner aktuellen Zerrissenheit. Ich kann vieles verstehen, dennoch hören Sie mich seufzen.

Noch ein paar Pfützenfotos. Die schöne Seite des Regens.

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Morgen ist ein guter Tag

Eigentlich sagte sie „tomorrow is a good day!“ und bat darum, den Mietvertrag am Donnerstag schon zu unterzeichnen und nicht erst am Wochenende. Nicht weil es der 11. war, sondern weil es ein Donnerstag war, so viel habe ich verstanden. Es kann auch sein, dass dieser Donnerstag noch andere bedeutsame Tugenden hatte, die ihn zu einem glücksverheißenden Tag in Sachen Mietvertrag oder Wohnungsübernahme machten. Sie strahlte und bedankte sich mehrfach, dass wir ihrem Wunsch nachgekommen sind. Jetzt müsse sie nur noch die Milch überkochen lassen, sagte sie zum Abschied, auch das bringe Glück in der neuen Wohnung. Ich war ehrlich gesagt nicht begeistert davon, dass nun gleich das nagelneue Induktionskochfeld mit übergekochter Milch verklebt sein würde, aber ich wollte dem Glück in der neuen Wohnung auch nicht im Wege stehen. Nicht alle Kulturen haben es mit Brot und Salz. Es war mir nicht ganz klar, warum überkochende Milch Glück bringt, ich versuche das in der Regel zu vermeiden, denn es ist ja kein unwahrscheinliches Unterfangen, dass Milch überkochen wird, wenn sie nur lang genug kocht. Ich meine, wäre es unsicher und gelänge es nur hin und wieder, würde ich verstehen, dass man der Milch gebannt zusieht und sich fragt: Wird sie es schaffen? Aber wenn sie auf jeden Fall überkocht, wo ist das Wunder? Das Glück?

Ich habe das mit der kochenden Milch im Internet gesucht, um es besser zu verstehen. Hier noch ein Link auf Facebook (Sie müssen dort ein bisschen nach unten scrollen, die Hauseinweihung fand am 3. September 2018 statt). Jetzt habe ich weniger Angst um das Induktionskochfeld, es wird nämlich ein kleines Feuer auf dem neuen Fußboden gemacht (hmhm, soso) und mit diesem Holzfeuerchen ist es vielleicht auch schwieriger die Milch zum Überkochen zu bringen. Überfluss, Fülle soll es bedeuten und im übertragenen Sinn Glück. Auf jeden Fall muss die übergekochte Milch dann noch in und um die Wohnung verstrichen werden. Das hatte sie uns nicht gesagt. Ich rieche schon die ranzige Milch, wenn ich daran denke. Mal sehen, was die Nachbarn dazu sagen. So schlimm wird es aber vermutlich nicht werden, vielleicht genügt ja auch ein symbolisches Tröpfchen am Türrahmen.

Der Plastikgarten konnte bei dieser Gelegenheit inspiziert werden, und die echte Natur schlägt sich tapfer, ich sehe es mit Zufriedenheit, aber ich habe meine Hand nicht im Spiel, ich schwöre!

Heute morgen war ich zum ersten Mal seit drei Monaten wieder in dem großen Supermarkt einkaufen. Ich ließ mich von einem Einkaufsgutschein ködern und hoffte außerdem, eine bestimmte Schokolade zu finden, die in den kleinen Supermärkten seit Wochen nicht vorrätig ist. Ich fuhr ganz früh, gleich zur Öffnung um halb Neun wollte ich da sein. Ich war dann doch nicht ganz pünktlich und es war um Neun Uhr schon ziemlich voll. Das bin ich so nicht mehr gewöhnt und ich war echt ein bisschen aufgeregt und gestresst. Für Sie ist es vielleicht nichts Besonderes mehr, aber vielleicht ist es noch interessant für die Urlauber, die ab Montag wohl wieder kommen dürfen. Es hat sich, zumindest in diesem Supermarkt (ein kleiner Hypermarché) nämlich viel geändert. Es gibt nun einen Aufzug, der nur nach oben fährt (von der tieferliegenden Garage) und einen anderen am anderen Ende des Ladens, mit dem man wieder nach unten kommt. Es dürfen immer nur zwei Einkaufswagen und möglichst auch nur ein Mensch pro Einkaufswagen, also insgesamt zwei Personen, in den Aufzug.

Man möge ohne Kinder kommen steht noch am Aufzug. Ich weiß noch nicht, ob ich das eher unfreundlich oder „vernünftig“ finde. Der geforderte Abstand ergibt sich fast zwangsläufig mit den überdimensionierten französischen Einkaufswägen, chariots heißen die übrigens.

Es gibt jetzt auch zwei Orte mit Einkaufswagen: dort, wo man die frischen, desinfizierten abstöpselt und dort, wo man die gebrauchten wieder parkt. Im Geschäft tragen alle Masken, nur nicht die Kassiererinnen, die aber jetzt hinter langen und hohen Plexiglaswänden sitzen. Im Laden haben sie die Zeit, in der ich nicht dort war, genutzt, um so gut wie alles anders anzuordnen. Der Käse und die Butter und die Milch und der Schinken sind woanders und ich finde nichts mehr, brauche länger, irre herum und auch das stresst mich. Alle sind gestresst scheint mir und alle wollen nur so schnell wie möglich wieder weg. Ich rege mich zum x-ten Mal darüber auf, dass die Nachfüllpackungen mit Waschmittel oder Flüssigseife und Duschgel teurer sind als das Original. Das immerhin ist wie immer. Die Schokolade, eigentlich eine Dessertschokolade, also eher nichts Feines, ist auch hier nicht vorrätig. Gähnende Leere bei der Dessertschokolade in allen Geschmacksrichtungen. Hamstern jetzt alle Dessertschokolade um Schokokuchen zu backen? Gibt es einen Einbruch bei der Kakaoversorgung?

Ich wollte auch gerne besonderen Saft kaufen, den ich nicht überall bekomme, aber auch da war die Auswahl heute begrenzt. Ich kaufte daher einen Smoothie. Ich mag die Marke trotz der Plastikflaschen gerne, nicht nur weil die Säfte lecker sind, sondern auch weil sie so drollige Texte auf die Flaschen schreiben. Kürzlich erzählte Herr Buddenbohm von seiner Lesesucht, ich kenne das so ähnlich von mir auch. Ich lese alles. Immer. Überall. Ich hatte mal einen schweizerischen Übersetzer-Freund, der bei COOP dafür verantwortlich war, die Aufschriften auf Lebensmitteln in drei Sprachen (italienisch, französisch und schweizerdeutsch) zu verfassen, und auch dafür, zu sorgen, dass sich alles inhaltlich glich und dass vor allem keine der Sprachen mehr Platz einnahm (schon schwierig genug). Wir waren einmal zusammen in Italien in Urlaub und er las begierig auf der Suche nach Inspiration die italienischen Aufschriften auf Butter und Joghurt und was weiß ich; ich erinnere mich noch an ein Sonderangebot mit Aufkleber: „prezzo con amore“, also wörtlich „Preis mit Liebe“ und er war total begeistert und gleichzeitig frustriert, weil diese italienische Art Sonderangebote anzubieten so schön sei, aber leider könne er das nicht nehmen, weil man das den Deutschschweizern nicht anbieten könne, die hätten keinen Sinn für „prezzo con amore“. An ihn muss ich immer denken, wenn ich die Texte auf den Saftflaschen lese: Bei den Inhaltstoffen steht, dass keine Gartenzwerge drin seien oder man bekommt ein Kompliment, dass man „genauso cool sei wie ein Katzenbaby, das sich als Einhorn verkleidet hat“ und am Ende findet man immer den dezenten Rat: mangez des brocolis.

Was ich übrigens nicht mehr kaufe ist Wasser, weder das gute stille Wasser aus den Vogesen noch das leicht prickelnde Mineralwasser für Monsieur, wir haben uns tatsächlich an das stille Leitungswasser gewöhnt. Reicht.

Auch wenn das System mit den getrennten Aufzügen, zumindest morgens zwischen Neun und Zehn, eher gut funktionierte, hat mich das Ambiente im Laden ziemlich gestresst und ich weiß nicht, ob ich da sobald wieder hin muss.

Gestern und heute hatten wir den „Enkel“ zum Essen, alles wird wieder normaler, wochenlang haben wir uns gemieden, nicht aus Antipathie, sicher nicht; er hat sich für das Essen revanchiert, indem er mir den Drucker wiederbelebt hat. Zumindest mit USB-Kabel kann ich jetzt wieder drucken. Ohne Kabel ist der Drucker verloren im Internet-Universum. Ich habe Tage damit verbracht und es nicht hingekriegt, und den Drucker dann vor ein paar Monaten resigniert ausgeschaltet; den Enkel hat es aber immerhin auch zwei Stunden und viel schnelles Getippe gekostet, es war also nicht nur ein doofer Klick, an den ich nicht gedacht hatte. Das tröstet mich etwas.

Heute hat es geregnet. Die ganzen letzten Tage regnet und stürmt es schon. Dazwischen scheint mal kurz die Sonne, aber kaum haben wir das Sonnensegel aufgespannt, schon hänge ich es ab, weil es sich mit Regen vollgesoffen hat und schwer wie ein Elefant über dem Tisch hängt. Ich sage es immer wieder, die Götter sind mit uns und passen auf, dass sich draußen nicht zu viele Leute tummeln. Der Gatte war heute in einer Regenpause trotzdem bei einem Flohmarkt (vergaß seine Maske, konnte aber vor Ort eine erstehen), fand aber zum ersten Mal in der Geschichte der Flohmarktbesuche nichts. Gar nichts. Ich mache ein Kreuz in den Kalender. „Morgen ist ein guter Tag“ passt auch zur Corona-Lage: Morgen Abend wird unser Präsident öffentlich das verkünden, was alle Spatzen schon von den Dächern pfeifen: Die Grenzen nach Frankreich werden ab Montag, den 15. Juni wieder offen sein. Für die Details verweise ich gerne wie gehabt auf Hilke Maunder und ihren Blog. Falls Sie Hilke für ihren Blog und ihre Arbeit dankeschön sagen wollen, käme es zur rechten Zeit, Hilke braucht nämlich unsere Unterstützung. Sie ist freie Journalistin und sämtliche Aufträge für dieses Jahr sind ihr weggebrochen.

In diesem Zusammenhang danke ich von Herzen Christin J., die mir als Dank für meinen Blog diesen feinen selbst produzierten Little Crab-Wermut zukommen ließ. Bitterer und trockener und interessanter im Geschmack als die italienischen Vermouts, die man im Allgemeinen so kennt. Ich werde ihn den Gästen mal mit Tonic und Rosmarin anbieten oder mit Champagner, Himbeeren und Rosenblättern …

Ich bin in dieser Woche meinem ersten Verschwörungstheoretiker begegnet. Ich will das, was er glaubt, gar nicht erzählen, aber ich war so ernüchtert, denn ich mag den Mann, der auch noch mein Osteopath mit den heilenden Händen ist, so gern. Vielleicht hat es deswegen diesmal nicht geklappt, denn ich habe immer noch Rückenschmerzen.

Nächsten Mittwoch gibt es ein ZDF-Auslandsjournal zur Lage in Südfrankreich und Italien – die Autorin wurde zur Lage in Cannes interviewt, ich weiß nicht, wieviele Sekunden es letztlich werden, aber falls Sie reinschauen wollen, nur zu – ich kann es live leider nicht sehen und kann hier auch erst den Link nach der Veröffentlichung reinsetzen. Die Journalisten erzählten übrigens, dass das Flugzeug bis auf den letzten Platz besetzt war. Nix Distanz. Und man braucht wohl eine chirurgische Maske, wenn man in den Urlaub fliegen will, die hübschen Stoffmasken werden nicht akzeptiert.

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Essen gehen

Ziemlich exakt vor drei Monaten waren wir das letzte Mal auswärts essen. Seit heute sind die Restaurants in Frankreich, zumindest in der überwiegenden „grünen“ Zone, wieder geöffnet. Dort, wo es noch „orange“ ist, in Paris etwa, darf man bislang auf den Terrassen konsumieren. Wir hatten einen Tisch im kleinen Lieblingsrestaurant reserviert, wir wollten das Restaurant unterstützen und uns etwas Gutes tun. Unterwegs nach Théoule sahen wir hier und da Menschen auf Terrassen an Tischchen sitzen, nicht so wahnsinnig viele, es wunderte mich, aber klar, es ist Dienstag. Die meisten Menschen arbeiten wieder, zumindest die, die Arbeit haben. Ich bin sicher, dass die Öffnung der Restaurants erst nach Pfingsten erfolgte, damit die Restaurants nicht sofort von den Pfingsturlaubern überrannt würden. Das kleine Restaurant in Théoule, in einer Seitenstraße und ohne Meerblick, hat auf der Terrasse an der Straße die Tische weit auseinandergezogen, durfte einen Lieferparkplatz vor dem Restaurant zusätzlich begrünen und dort Tische aufstellen, dadurch ist es richtig nett geworden. Wir waren drei Paare, zwei Paare draußen, ein Paar drinnen, nicht viel, aber ein Anfang. Sehr nette Atmosphäre, feines Essen, wie immer. Wir nahmen einen Apéro, dazu gab es geröstete Brotscheiben mit hausgemachter Tapenade. Als Hauptgang wählten wir Fisch (Barracuda und einen anderen, an dessen Namen ich mich schon nicht mehr erinnere), cremige Polenta und knackiges Gemüse. Als Dessert hatte ich karamellisierte Champagnerzabaione auf frischen Früchten, der Gatte aß Brioche perdu mit Aprikosensorbet. Es war leicht und köstlich!

ps: Und ich war gestern beim Friseur! Muss mich aber erst noch an das kurze, erblondete Haar gewöhnen ;-)

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Pfingsten in Zeiten von Corona

Die ersten richtigen Pfingstrosen auf dem Markt erstanden, es seien die letzten der Saison, sagte mir der Blumenzüchter. Ich habe heute den Markt in die andere Richtung begonnen (Parcour est und nicht ouest), weil ich die letzten Male kein Geld mehr übrig hatte, um Blumen zu kaufen. Wenn man in einer vorgeschriebenen Richtung an allen Händlern vorbeigeschleust wird, die einen in einer nie gekannten Freundlichkeit ansprechen, ich kann da schlecht „nein“ sagen. Also zumindest nicht bei meinem Käsehändler. Dort ließ ich die letzten Male einen Teil des Markt-Budgets und so reichte es nicht mehr für die Blumen. Heute gabs also keinen neuen Käse, wir müssen sowieso erstmal den anderen aufessen.

Sehr hübsche Auberginen habe ich auch erstanden. Ich hätte ein Foto vom Stand machen sollen, es gab auch ganz kleine und sogar weiße Auberginen, fast so niedlich wie kleine Katzen ;) Mal sehen, was wir damit machen, vielleicht werden sie auch nur schnöde auf den Grill geworfen. Wir werden grillen heute. Gestern früh waren wir schwimmen, haben dann das neue Segel über den Hof gespannt und dann sofort wieder abgehängt, weil es prompt zu regnen begann. Abends war es so frisch, dass wir beinahe die Heizung angeschaltet hätten. Im Moment sieht es aber wieder gut aus.

Ich bin ganz begeistert von dem We Are One Global Filmfestival. Schauen Sie rein, wenn Sie Zeit haben! Ich zeige Ihnen drei Filme, die ich gestern angesehen habe. Der indische Film ist nur bis heute Abend anzusehen, die anderen beiden vielleicht etwas längere Zeit. In dem spanischen Film geht es um die Zusammenarbeit eines Kochs im Baskenland mit einem Musiker. Der junge Koch macht außergewöhnliches Essen und der ebenso junge Musiker komponiert dazu Musik. Sehr abgefahren. Mir esstechnisch zu anstrengend, aber superschön anzusehen und anzuhören. Spanisch (Baskisch) mit englischem Untertitel allerdings.

Den Alltag in einer französischen Sterneküche zeigt etwas realistischer dieser Kurzfilm (Monsieurs Sohn weiß noch ähnliche Geschichten aus seiner Zeit in einer 5-Sterne-Hotelküche zu berichten) Zehn Minuten, ohne Untertitel, aber sicher auch so verständlich. Sie müssen bestätigen, dass Sie verstanden haben, dass dieser Film eventuell schockierend sein kann, weshalb ich Ihnen nur den Link dorthin gegeb kann. Cru oder Blut, Schweiß und Tränen.  (<– Anklicken, dann etwas nach unten scrollen, den Youtube Button drücken (rechts), dann auf der schwarzen Seite bestätigen, dass man bereit ist, einen „unangemessenen“ Film zu sehen und dann sollte es losgehen)

Der dritte Film spielt in New Dehli, wo die Affen in der Stadt überhand nehmen und deswegen mit professionellen Affenvertreibern verjagt werden sollen. Pech nur, wenn man Angst vor den Affen hat … ah ok, geht schon nicht mehr, Sie können den Film noch bis heute Abend sehen (er ist nur 24 Stunden nach der gestrigem Premiere freigeschaltet), ich versuche es mit diesem Link, Ansonsten ist es der erste Film des gestrigen Tages (30. Mai) auf der Liste. Weiß nicht, ob Sie das überhaupt interessiert. Ist nur ein Angebot, wie alles hier :-)

Sehr schön heute die Linksammlung bei Herrn Buddenbohm!  Dort ein Interview mit Reinhard Mey. Jemand berichtet von seinem Einrichtungsfimmel nach Farben (und dem Bedürfnis nach blauem Toilettenpapier) und in diesem Bericht dann ein fantastischer Link zu einer kleinen Filmserie einer Toilettenpapiersammlerin! Ich liebe so etwas!


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Neun Minuten Paris

Fernweh? Lust auf Paris? Ich nehm‘ Sie mit zu einem Konzert mit Blick über die Dächer von Paris. Ein Beitrag des We Are One Global Film Festivals auf Youtube! Enjoy!

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We are one – Filmfestival

Fast hätte ich es vergessen, ich verdanke die Erinnerung der Riviera Zeitung: Heute beginnt das erste Online Filmfestival. A Historic Film Festival Event heißt es. Unter dem Titel We are one findet man unzählige Filme bereitgestellt von den unterschiedlichsten internationalen Filmfestivals, es gibt ja nicht nur Cannes, auch wenn man das hier gerne mal glaubt, es gibt Filme aus Tokyo, Jerusalem, Prag, Locarno, Berlin, Mumbai, Macao, San Sebastian, Sarajewo  … über einen Zeitplan sieht man, ab wann die Filme jeweils zu sehen sind, allein heute gibt es etwa vierzig Filme, wenn ich richtig gezählt habe, man soll sie aber auch später noch anschauen können, und das alles gibts die nächsten zehn Tage (29. Mai bis 7. Juni) kostenfrei auf Youtube, sofern das System nicht zusammenbricht, sagen wir so. Es hat durchaus eine Weile gedauert bis ich diese drei absolut wundervollen kleinen Kurzfilme des Annecy-Kurzfilmfestivals geladen hatte. Kostenfrei sage ich, gedacht ist aber, dass dieses Filmfestival Spenden für die COVID-19 Hilfe einspielen möge, so gibt es unter jedem Film über einen Spenden-Button eine Möglichkeit Geld zu spenden.

Ich bin so entzückt! Aber Monsieur, alter Kinogänger, den ich dazu gerufen habe, brummelt unwirsch „das verdient eine große Leinwand“. Filme im Internet anzusehen kommt für ihn nicht infrage. Tant pis pour lui, sage ich. Pech für ihn. Er verpasst etwas. Aber es ist sicher eine Generationenfrage. Und sicher ist das alles auf einer großen Leinwand noch schöner, ich bin aber auch so begeistert. Toll! Falls Sie also die nächsten zehn Tage nichts vor haben … schauen Sie rein! Bon Festival! Bonne séance!

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La Liberté …

na gut, fast, aber für uns war es heute unverhofft ein Feiertag mit all den Freiheiten, die man uns ab Dienstag wieder zugesteht. Der Premierminister, dessen Bart stellenweise weiß geworden ist durch den Stress der letzten Wochen,  war selbst beinahe überrascht von allem, was er uns ankündigen durfte. Wir sind ab kommenden Dienstag in der zweiten, drei Wochen dauernden, Lockerungsphase, nur in Paris und auf der Insel Mayotte, die noch in der „orange-Phase“ sind, wird es noch nicht ganz so locker zugehen dürfen. Aber im Rest von Frankreich dürfen ab 2. Juni Restaurants, Bars und Cafés wieder öffnen! Mit Hygieneregeln und einer Höchstzahl an Gästen pro Tisch, und man darf nicht stehend an der Bar konsumieren. Discos, Clubs, Konzerthallen und Stadien bleiben voraussichtlich noch drei Wochen gesperrt, aber Theater, Museen können wieder öffnen (Masken sind obligatorisch), Parks und öffentliche Gärten, Seen und Strände dürfen wieder genutzt werden … wir dürfen ab Dienstag auch wieder weiter als 100 km fahren, und Sie dürfen voraussichtlich ab 15. Juni wieder einreisen. Campingplätze werden wieder geöffnet, Hotels können mit gewissen Auflagen auch wieder Gäste empfangen und der Weg zu ihrem Ferienhaus steht Ihnen auf jeden Fall wieder offen. Genauer und immer tagesaktuell können Sie die neuen Regeln wie gehabt bei Hilke Maunder lesen.

Schule beginnt auch wieder ganz vorsichtig, aber Examen fallen weg und der große Enkel jubelte, weil das Abi-Examen für Französisch ausfällt und er mit den sehr guten Noten der vergangenen Monate sein Französisch-Abi schon locker in der Tasche hat. Er macht das Abi erst nächstes Jahr, aber das Französisch-Examen wäre noch in diesem Schuljahr gewesen. Fragen Sie mich nicht, wie französische Schule funktioniert, ich habe es nie verstanden, die Stundenpläne wechselten ständig und waren in der geraden Woche so und in der ungeraden anders.

Wir hatten diese Woche überraschend unseren ersten Besuch seit … knapp drei Monaten! Ein Cousin von Monsieur und seine Frau haben den ersten erlaubten aber in Seemeilen sehr eingeschränkten Ausflug genutzt, um von Toulon bis nach Cannes zu segeln. Wir nahmen unseren Apéro auf dem Boot ein und aßen später bei uns im Innenhof. Kein Händeschütteln, keine Küsschen. Als ich vom Steg aufs Boot hüpfte und dazu eine Hand brauchte, konnte mir nur Monsieur seine Hand anbieten. Man sagt jetzt „pas de bises“ und macht ein bedauerndes Gesicht. Und zum Abschied, nach einem wirklich sehr netten Abend, da sagt man es nochmal bedauernder „pas de bises“. Eine ältere Dame, eine Freundin der Schwiegermutter, die wir diese Woche spontan ebenso besucht haben, führte uns sofort in den Garten und wir saßen dort weit auseinander zusammen. Sie machte zum Abschied einen Luftkuss, diese Geste, mit der man manchmal große Gruppen begrüßt: man führt seine Hand an die Lippen, küsst sie und schickt den Kuss davon. Das immerhin ist möglich.

Anfang der Woche waren wir an einem anderen Strand zum Schwimmen, der Strand lag in der Nähe der Autowerkstatt und wir warteten darauf, dass das Auto in der Werkstatt fertig würde. Der Strand hatte mich schon immer mal gereizt, mehrere kleine Buchten hintereinander, von der Straße aus sieht es dort immer sehr nett aus. Der Strand ist aus natürlichem Sand und er ist ganz weich unter den Füßen. Die Buchten sind kleine Badewannen, es geht lange ganz flach ins Wasser, es gibt kaum Wellen und die Buchten sind zusätzlich mit Steindämmen gegen das Meer „draußen“ geschützt. Außerdem riecht es dort etwas nach verwesenden Algen. Alles eher langweilig, aber sehr sicher für Kinder und Senioren, sagen wir so. Der Strand wurde brav überwiegend dynamisch genutzt: Senioren liefen mit einem Aqua-Sport-Coach durchs Wasser.

Monsieur und ich schwammen, später machte ich Fotos. Der Strand war noch sehr schmutzig, ich fand allerhand komische Dinge und unter anderem einen Backenzahn! Ich habe alles nur fotografiert, Monsieur hat aber unverzagt Müll gesammelt. Bravo!

Obwohl ich dort nicht mehr hin muss, fand ich es gut, einen anderen Strand zu entdecken mit anderen Menschen und anderen (noch geschlossenen) Strandrestaurants. Der Strand liegt auch gegenüber des Golfplatzes. Und dort habe ich auch diese üppig blühenden Kakteen entdeckt. Es hat etwas von „Stadt entdecken“, von „Reisen in der eigenen Stadt“. Ich will irgendwann nochmal einen Text zum „anders Reisen“ schreiben. Weiß nur leider nicht, ob ich dazukomme.

Am nächsten Tag (das Auto war nicht fertig geworden) erneut am Strand, diesmal an unserem, ich hatte nagelneue Schwimmflossen und verlor eine gleichmal bei der ersten eleganten Fußbewegung. Ich sah ihr nach, wie sie im klaren Wasser nach unten sank. Ich kann nicht tauchen und trug außerdem meine Brille. So kommt es also auch zu Plastikmüll im Meer. Manchmal fragt man sich das ja.

Die Kioske sind seit Montag wieder geöffnet und die Möwen und Tauben warten …

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Weil Sonntag ist …

… und weil ich Ihnen eigentlich noch den Artikel zu den bises, den Küsschen, schulde, schreibe ich dann noch einen Text. Auch wenn ich übrigens dieses Heft ganz nett zu lesen finde, muss ich meinem Unmut darüber Ausdruck verleihen, dass ich die elektronische Variante des Heftes nie erhalten habe. Zwei Euro neunundneunzig ins Medien-Nirwana geschickt. Ich hoffe, es ist gut fürs Karma. Das ist vermutlich die Steigerung der schlechten oder auch nur schlechtbezahlten Programmierer, wir programmieren einen elektronischen Abo-Account, der Geld einzieht und nichts liefert. Nein, ich habe keine Lust, mir diese zwei Euro neunundneunzig mittels eines langatmigen Briefwechsels zurückerstatten zu lassen. Sparen wir uns die Energie.

Der Text liefert eine kleine Kulturgeschichte des (Begrüßungs-)Küssens, aber schon gleich nach dem Judaskuss konzentrieren wir uns schnell auf Frankreich. Die Begrüßungs-Küsse waren, wie so viele kulturgeschichtliche Errungenschaften (Essen mit der Gabel z.B. vgl. etwa Norbert Elias Über den Prozess der Zivilisation), einstmals den Adligen vorbehalten und dienten der Abgrenzung zum einfachen Volk; erst im Laufe der Jahrhunderte wanderten die Küsse zu den niederen Schichten, weshalb sie dann im Umkehrschluss von den Adligen und der Bourgeoisie abgelehnt wurden. Sich auf der Straße drei oder viermal abzuschmatzen, wurde vulgär, machten nur noch die niederen Schichten und schlecht erzogenes Personal. Die distinguierten Herren hoben nun den Hut, die Damen neigten huldvoll den Kopf. Pas de bise. Ausgeschlossen. Genau wie das „bon appetit“ wünschen. Machte la Haute Societé irgendwann nicht mehr. Wie vulgär. Meine verstorbene Schwiegermutter zuckte immer zusammen, wenn ich bon appetit sagte. Diese kleine Deutsche ohne Kultur, wie schrecklich. Sie selbst wünschte nie bon appetit. Ein herzhaftes „piep, piep, piep, wir haben uns alle lieb, guten Appetit“ auch noch mit fröhlichem Händeschütteln – undenkbar in (gewissen Kreisen in) Frankreich. Dass die Küsse wieder den Weg nach oben in die Gesellschaft geschafft haben, hängt wohl mit den 68ern zusammen. Ein revolutionärer Wind wehte durch die erstarrten Gesellschaftschichten und rüttelte die überkommenen Moralvorstellungen auf. Es  begann in den Gymnasien und an den Universitäten. Das lässige Jungsein wurde sympathisch und plötzlich küssten sich alle. Alle? Natürlich nicht. Die Schwiegermutter nahm alle Küsse, selbst die der Urenkel, entsprechend zurückhaltend entgegen. Und überhaupt bleibt es kompliziert mit den Küssen. Wann? Wieviele? Von welcher Seite beginnend? Wem? Kommt drauf an, sage ich nur. Sehr witzig zeigt es der englische Comedien Paul Taylor.

Zeitverschwendung sei es zudem auch, findet die eine oder andere französische Bürgermeisterin oder Chefin, die mitteilen lassen, dass sie fürderhin nicht mehr 422 Angestellten an 250 Tagen in x Jahren zur Begrüßung und zum Abschied je zwei bises geben wollen.

Die Autorin des Artikels fürchtet, dass es für die bises nach Corona nicht gut aussieht, es wird Befürworter geben, vor allem aber Gegner und Menschen, die lieber die asiatische Art sich zu begrüßen (Kopf neigen, Hände zusammenhalten) bevorzugen. Sie hofft allerdings, dass wir in Zukunft unser Gegenüber nicht nur noch als potentielle Gefahr einschätzen und dass die kusslose Distanz nur vorübergehend sei.

Für das deutsche Pendant, den Erhalt des Händedrucks spricht sich auch Jens Jessen aus. Ich konnte den Beitrag bedauerlicherweise nicht lesen, weil er sich hinter einer Paywall verbirgt. Ich wollte es aber dennoch zur Kenntnis gebracht haben.

Vor ein paar Tagen kam Un homme et und femme im Fernsehen. Ich hatte ihn tatsächlich noch nie gesehen. Ein sehr französischer Film.


Den Film kannte ich nicht, die Filmmusik aber wohl … dabadabada … dabadabada … dabadabada hier nochmal das Original.


Anders, vielleicht noch schöner, vor allem mit den Szenen aus dem Film, ist die jazzige Version.

Es gibt einen Nachfolgefilm, un homme et une femme zwanzig Jahre später, den ich auch noch nicht kenne. Das französische Kino hat doch immer noch Überraschungen für mich.  Ich habe aber nur diesen englischen Trailer gefunden

Claude Lelouch, der Filmemacher, war, als er diesen, seinen ersten, Film drehte, erst 26 Jahre alt. Sie hatten kaum Geld und haben bei vielen Szenen (die Bahnhofsszene am Ende) improvisiert. Hier ein Interview mit ihm in Cannes auf der Croisette während des Filmfestival 2016, fünfzig Jahre später. Er wollte immer positive Filme machen, auch wenn die negativen Filme bessere Kritiken bekommen, sagt er. Und, meine Güte, sage ich, was für ein distanzloses Gedrängel …

Da sagte er noch nicht, dass er noch einen dritten Film mit Jean-Louis Trintignant und Anouk Aimée drehen wollte. 2019, zweinundfünfzig Jahre später, lässt er beide sich noch einmal wiedersehen. Les plus belles annés d’une vie. Wie schön! Kenne ich auch noch nicht. Herrjeh! Hier Filmausschnitte und etwas „Making of“.

Schönen Sonntag! Bon dimanche!

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Autokino in Cannes

Wenn ich gedacht hatte, aufgrund des unübersichtlichen Reservierungssystems käme keiner zum Autokino, Ciné-Drive heißt das hier in bestem Französisch, so habe ich mich getäuscht. In nicht mal vier Stunden waren alle fünf Séancen ausverkauft. Und es wird eine weitere Woche Autokino geben, dieses Mal auf dem riesigen Parkplatz des Stadions Coubertin in Cannes La Bocca. Nicht so schön dort, aber mehr Platz. Denn die COVID-Regeln sehen vor, dass auch zwischen den Autos Sicherheitsabstand gehalten werden muss, so dass wir schachbrettartig geparkt werden und nicht sehr viele Autos Platz fanden. Monsieur hingegen, der übrigesn seinen Bart abrasiert hat und mir merkwürdig fremd vorkam, ich ging aber trotzdem mit ihm aus, er fand, es sei lächerlich ganz früh da zu sein, so dass wir, bis wir ankommen schon im hinteren Drittel stehen. Lustigerweise winkte uns vom Rücksitz des Autos neben uns eine Freundin zu. Coucou! Wir sind unter Cannois, die Autos sind auch alle eher unspektakulär und klein.

Der Platz wurd beschallt und da es weder Wind noch Wellen gab, hatten wir auch ohne Radioempfang im Auto gute Hörqualität. Ich hatte extra die Autoscheibe gewischt, so dass wir auch streifenfrei sehen. Ich weiß nicht, wie es für die Anwohner ist, die vermutlich den Film gut hören können, aber nicht sehen. So ist es ja immer, die Freude der einen ist das Ärgernis der anderen. Vermutlich ist bei dem niedrigen Eintrittpreis (6,50€/Person) kein wirkliches Geschäft mit dem Autokino zu machen. Aber es ist wie ein Aufatmen. Ein Zeichen. Es geht wieder was. Unter dem Hashtag #cannesrepart versucht Cannes langsam den Handel und die Außenaktivitäten wieder anzukurbeln: Der Bürgermeister hat eine Plakataktion gestartet, um den lokalen Handel zu unterstützen,

aber wir machen das ja sowieso, zumindest im Rahmen unserer Bedürfnisse und Möglichkeiten. Die Einkaufsstraße Rue d’Antibes ist vorübergehend zur Fußgängerzone erklärt worden, damit die Menschen sich beim Shoppen besser ausweichen können. Parken ist in der Innenstadt derzeit kostenlos. Shoppen ging ich hier aber schon früher nicht gerne und das muss jetzt für mich auch nicht sein. Wozu auch? Die Hochzeitsfeier, zu der wir im Juni eingeladen waren, wurde auf nächstes Jahr verschoben. Ich hoffe, dass die Läden trotzdem überleben.

Cannes versucht ebenso sich vorsichtig für den Tourismus zu öffnen. Die Betonung liegt auf vorsichtig, wir wenden uns an eine andere Zielgruppe und empfehlen andere Aktivitäten: „l’exotisme local“ steht im Mittelpunkt, das „andere“ Cannes, das ich ja schon immer propagiere, das langsame und provinzielle, wird in Zeiten der Not (wieder)entdeckt. Spazierengehen in der Croix des Gardes, Boules spielen auf der Place de l’Étang oder Paddeln mit dem Kanu auf die Inseln. Spricht sicher nicht mehr das Glanz und Glamour suchende Jetsetpublikum an und auch nicht das junge schicke Publikum, das gerne an luxuriösen und angesagten Orten feierte. Die, die sich auf das Cannes im Dornröschenschlaf einlassen wollen, bekommen in den Hotels vier Nächte für den Preis von drei.

Der Strand ist derzeit auch noch kein Ort zum Sehen und Gesehenwerden, noch ist alles „dynamisch“ und es wird von Politessen kontrolliert, dass man sich dort nicht zu statisch verhält. Zu dynamisch allerdings geht auch nicht, all die Strandvolleyballer dürfen den Ball noch nicht übers Netz pritschen oder schmettern. Wir sind üblicherweise nur sehr früh morgens am Strand, da sind insgesamt nur wenige Menschen dort, besser so. Wir sind wie gewünscht dynamisch, laufen im Wasser und … SCHWIMMEN! Hurrah!

Social Distancing Swim

Nur das Herumliegen auf dem Handtuch danach ist untersagt, es gibt auch derzeit noch kein Wasser, um sich abzuduschen oder die sandigen Füße abzuspülen, vermutlich, um den Aufenthalt etwas weniger komfortabel und dadurch kürzer zu gestalten. Die Restaurants und Kioske sind auch alle noch geschlossen. 

Zurück zum Autokino. Wir warten und sehen dem Sonnenuntergang zu. Aussteigen und Fotos machen darf man nicht. Es gibt auch kein Popcorn, kein Eis und auch keine Toiletten. Letzteres hatte mir am meisten Sorgen gemacht, aber alles ging gut!

Wir bekommen zunächst einen kurzen Vorfilm, der glamouröse Schnipsel aus den Filmfestivaljahren zeigt, so wars all die Jahre, seufz, dann begrüßt uns per Video der Filmemacher, der uns eine gute Séance wünscht. Und dann geht los. Der Film ist gut, Isabelle Huppert ist klasse in ihrer Rolle, in der sie sich mal amüsieren darf und es offensichtich auch tut, und nicht nur eine blasierte, kalte und distanzierte Frau geben muss.

Das Buch (ein Krimi, spielt im Pariser Drogenmilieu) ist gleichwohl komplexer, zynischer und gibt der Rolle der Polizei-Dolmetscherin (Isabelle Huppert) mehr Gewicht (und viele sprachliche Finessen) gefiel mir etwas besser. Aber der Film ist dennoch gut. Acht von Zehn gab ich. Sieben von Zehn Monsieur. Danach wurde als Zeichen des Beifalls gehupt und geblinkt und wir fuhren durch das nächtliche, ungewohnt stille, Cannes wieder zurück.

Hier ein Video der Stadt, den schönen Blick aus der Vogelperspektive hat man selbst natürlich nicht.

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Ans Meer

Da ist es schon wieder das Meer. Heute früh kurz nach Acht Uhr. Das Wasser war klar, nicht besonders kalt und plätscherte ganz entspannt und friedlich an den Strand. Wir waren wirklich, wirklich die meiste Zeit zu zweit alleine und liefen dynamisch aber gemütlich (Füße im Wasser) am Strand entlang. Später sah ich einen dynamischen Schwimmer, und als wir gingen (gegen 9 Uhr) tauchte diese sehr dynamische Spaziergängerin mit Hund auf. Als ich die verlassenen Strandrestaurants fotografierte, tauchte aus dem Nichts ein weniger dynamisch wirkender Herr auf, den ich zunächst für einen Strandrestaurantbesitzer hielt, aber er war wohl nur ein vorübergehender Strandrestaurantbesetzer.

Ich hatte den Hauptteil des Tages damit verbracht, etwas zum Reisen nach Südfrankreich zu schreiben (ein unvernünftiges Unterfangen, Prokrastination heißt das hübsche Wort dazu). Darf man? Kann man? Es gab gestern eine Diskussion in einer Facebook-Gruppe dazu. Die Franzosen wirken gerade nicht besonders einladend. „Bleibt zuhause!“ knurrt man den zukünftigen Urlaubern zu. Ok, aus Gründen, die wir nicht verstehen, wurde dieser wundervoll ausgewogene Text nicht abgespeichert und ich kann ihn nicht erneut erstellen. Nun, Sie werden ohne meine große Weisheit dazu weiterleben müssen. Die Quintessenz lautete: Kommen Sie, aber seien Sie respekt- und rücksichtsvoll, denn Frankreich kommt mir gerade vor wie ein kleiner Bruder, der von der Krise sehr zerzaust und gebeutelt wurde, viel mehr als der große Bruder Deutschland, und Ihr Bedürfnis, jetzt sofort und „endlich“ wieder bei ihm Ferien zu machen, kommt ihm vielleicht exotisch und unpassend vor. Aber … wir leben in einer touristischen Gegend, man lebt hier von den Urlaubern, wir werden Lösungen finden, wie wir das alles meistern können. Doch vielleicht brauchen wir noch einen Moment … aber in einem Monat kann noch viel passieren.

Und vielleicht müssen wir über das Reisen generell neu nachdenken? Genau darum ging es auch im letzten Podcast von Agnes trifft: Agnes trifft … auf Reisepläne. Wo können wir noch hingehen, wenn sogar der Tourismusverband Eifel sagt „kommt nicht!“ ?! Welche Alternativen gibt es, wenn wir „nirgends“ hinfahren können, sondern die Ferien in der Stadt verbringen „müssen“?! Sehr interessante Ansätze und sehr viele schöne Links zur Kulturgeschichte des Urlaubs und zum Wandern (nicht nur) rund um Köln. Das folgende Video stammt auch von dort.

Und: letzte Meldung: Michel Piccoli ist gestorben.

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Das Meer, das Kino und keine Küsse

Die allermeisten Strände sind seit gestern wieder zugänglich, hurrah, das wissen viele schon, aber ich will es der Vollständigkeit halber auch noch sagen. Immerhin leben wir in einer Stadt am Strand. Natürlich ist seit gestern schlechtes Wetter und auch die nächste Woche soll es wieder regnen, die Götter sind mit uns, könnte man meinen, sie passen darauf auf, dass wir nicht alle gleichzeitig draußen herumrennen. Die Betonung liegt auf Rennen, ja, denn Herumliegen, sich Sonnen, Picknicken, BBQ und Feten am Strand feiern ist nicht erlaubt. Jede Stadt regelt das déconfinement wie gehabt ein bisschen anders, das gilt auch für die Strände; in Cannes haben wir eine sogenannte plage dynamique, der Zugang ist zwischen 6 und 20 Uhr erlaubt, man darf alleine oder in Familien (nicht mehr als zehn Personen und immer mit Abstand zu anderen, plus Masken) spazierengehen, schwimmen oder (alleine) Wassersport machen (surfen, kiten, Stand-up Paddel etc), ebenso ist Angeln erlaubt. Was man jeweils alles darf oder nicht darf, darüber informieren zusätzlich Schilder an den Zugängen.

In Théoule, weil wir hier neulich über Théoule und die kleinen Buchten an der Pointe de l’Aiguille sprachen, ist der Strand zwar geöffnet, aber sind diese kleinen Buchten noch gesperrt. In der östlichen Ecke sind die Strände von Villefranche und St. Jean Cap Ferrat derzeit noch komplett gesperrt, und um Marseille herum ist auch alles noch im „roten Bereich“, sprich, nicht zugänglich. Ich gebe Ihnen mal diesen Link, in dem Artikel befindet sich eine Karte, die Sie vergrößern können, um zu sehen, ob „Ihr“ Strand schon zugänglich ist. Dann können Sie sich wenigstens schonmal hinträumen. Wir sind aber gar nicht am Strand, weil es nämlich, sagte ich es schon? REGNET!

Ok, ich gebe zu, ich habe das gestern schon geschrieben. Heute morgen war ich auf dem Markt und bin auch kurz am Strand gewesen. Aber wirklich nur kurz.

Ob sich meine Bereitschaft, am Strand Müll zu sammeln verändert, durchaus eine „dynamische“ Tätigkeit, muss ich abwarten. Diesen kleinen Plastikrechen habe ich schonmal nicht angefasst. :(

Und in Cannes haben wir jetzt auch ein vorübergehendes Drive-in Cinéma! Fünf Abende lang werden Filme auf einer Leinwand auf dem Parkplatz vom Palm Beach Casino ausgestrahlt.  Es gibt E.T. , Dr. Doolittle, ein Abenteuerfilm mit Harrison Ford und …. La Daronne! Sie erinnern sich, die Verfilmung des gleichnamigen Krimis (deutsch „Die Alte“)von Hannelore Cayre mit Isabelle Huppert! Und auch wenn die Wetteraussichten nicht genial sind, habe ich natürlich sofort zwei Tickets auf der super unübersichtlichen und bescheuert komplizierten Reservierungsseite gekauft! Vermutlich kommen sowieso nur ganz wenige Leute, weil niemand dieses Reservierungssystem versteht, für das man natürlich wieder ein neues Passwort braucht, das nicht zu lang und nicht zu kurz sein darf und Sonderzeichen beinhalten muss und trotzdem zurückgewiesen wird, weiß der Teufel warum, und dann tut man so, als reserviere man zwei Plätze im Saal 1 der Arcade-Kinos und lässt sich aber nicht irritieren, sondern reserviert sie trotzdem, und nachdem man einen weiteren Parcours durchlaufen hat, darf man die Plätze dann kaufen. Ich habe den „Schnellkauf“-Button geklickt, ich möchte nicht wissen, was ich noch alles hätte machen müssen, wenn ich ein Konto hätte anlegen wollen. Und wie dieses, für mich zumindest bewusst erlebte ERSTE Auto Kino-Happening werden wird, das erzähle ich Ihnen Ende der Woche NATÜRLICH auch.

Ein weitere Bestell-Herausforderung hatte ich gestern mit der numerisierten Ausgabe der vierzehntägig erscheinenden Zeitung Society. Ich wollte gern den Beitrag Requiem pour la bise also „Requiem für die französischen Küsschen“ lesen. Da geht nämlich eine französische Tradition verloren – hier wird nicht mit dem Ellenbogen gestupst und auch nicht mit den Füßen gefüßelt, hier beugt man sich vor und ins Leere. Kein Küsschen für den Opi. Kein Küsschen unter Freunden, kein Küsschen gar nicht. Hier wurde so viel geküsst! Zur Begrüßung und zum Abschied. Ständig. Ich habe Jahre gebraucht, um die Küsschengeberei zu lernen und sie so französisch charmant und lässig anzuwenden, und jetzt gehen die Bises hinter Masken und Berührungsängsten verloren. Und ich wollte den ersten Text dazu gerne lesen und erstand eine Ausgabe in elektronischer Form. Aber Pustekuchen, wenn Sie glauben, dass Sie sofort loslesen können, wenn die Bestell- und Zahlungsbestätigung in den Mailordner geflattert kommen. Da ist zwar ein hübsches Bildchen der Zeitung, tut sich aber nichts. „Unser Abo-Service kümmert sich“ steht lapidar darüber. Na, dann kümmer‘ dich mal. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich auch warten können, bis ich die Zeitung an einem Zeitungskiosk bekomme. Papier wäre mir eh lieber gewesen, aber ich wollte den Text gestern SOFORT lesen! Nix is. Keine Bises, kein Text. Frankreich eben.

So, ich habe das Heft bekommen! Den Text werde ich heute nachmittag lesen. Beim Überfliegen nur schonmal so viel: dass Frankreich, Italien und Spanien so stark von der COVID-Krise betroffen sind (waren), hängt vermutlich auch mit dem steten Küsschengeben zusammen. Die Seite combiendesbises.com, wo Sie nachschauen können, wieviele Bises man sich im Norden, Osten oder im Zentrum von Frankreich gibt, das ist nämlich durchaus unterschiedlich, also diese Seite wird demnächst sicher überflüssig. Combien des bises en France? Aucun! Wieviele Küsschen gibt man sich in Frankreich? Keines! 

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La Mer … et merci

Das kann ich Ihnen nicht vorenthalten. Ein Dankeskonzert des Bürgermeisters (und) der Stadt Cannes und des Orchestres de Cannes Provence Alpes-Côte d’Azur. Den Hinweis verdanke ich wiederum der Riviera-Zeit.

Die noch sehr neuen und vagen Hinweise zum Sommerurlaub in Frankreich, immer unter Vorbehalt, Sie wissen schon … wir danken dafür wie immer der superschnellen Hilke Maunder.

Und gerade bekam ich ein chouchou geschenkt! Von der kreativen Enkelin selbst gemacht! Großartig! Ein großer Dank! Ich werde wohl die Haare wachsen lassen müssen ;-) Bitte übersehen Sie die dunklen Ansätze. Der Friseurbesuch kommt sicher, aber noch warte ich ein bisschen.

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Einer geht noch …

Ich bin ziemlich stolz, dieses Bild gestern gemacht zu haben. Man sieht es (nicht meines, aber das Motiv) seit gestern Abend im Fernsehen und heute überall in der Presse, weil nämlich, ich hatte es leider komplett vergessen, es wurde mir erst bewusst, als ich gestern Abend Pierre Lescure, Präsident des Filmfestivals, mit schwarzem Anzug und Fliege in einer Sendung sah: Gestern wäre der Start des 73. Filmfestivals in Cannes gewesen! Alle Augen richteten sich gestern auf Cannes, normalerweise wäre auf diesen Stufen der rote Teppich gelegen und all das Trallala drumherum und jetzt eben hängt dort dieses Affiche, dass stattdessen in großen Lettern DANKE sagt: den Pflegekräften, allen, die das Alltagsleben aufrechterhalten haben und auch uns allen für unseren civisme, ich übersetze das mal mit „unserer Disziplin, mit der wir den staatsbürgerlichen Pflichten nachgekommen sind“. Ich fühle mich nun doch zuständig, als Cannes-Botschafterin, Sie wenigstens mit zwei Links zu versorgen. Auf der offiziellen Seite des Festivals finden Sie alles Wissenswerte, aber natürlich in Französisch (Sie können aber auch Englisch, Spanisch oder Chinesisch ganz oben rechts bei Sprache einstellen). Hier gäbe es Infos auf Deutsch zur Frage, wie es generell mit der Filmbranche und den Festivals weitergehen wird. Kein Roter Teppich in Cannes dieses Jahr, keine Stars, kein Glamour, aber man hat sich entschieden, wenigstens den Marché du Film, also die Business-Seite des Filmgeschäfts, stattfinden zu lassen – im Internet allerdings. Man hofft ein bisschen, dass wenigstens das 77. Filmfestival in Venedig im September stattfinden wird und Cannes dort in irgendeiner Form mitwirken kann. Zurück zu den Wurzeln, sozusagen. Das Filmfestival in Cannes wurde ja 1939 als Gegenfilmfestival zur Venezianischen Mostra im damals faschistischen Italien gegründet, konnte dann aber wegen des Kriegsbeginns nicht mehr stattfinden. Das erste Filmfestival in Cannes gab es dann erst 1946.

Das erste Filmplakat wurde vom Maler Jean-Gabriel Domergue entworfen. Domergue, ein Cousin von Toulouse-Lautrec, sagt von sich, er sei der Erfinder des französischen Pin-up’s. Sein Lieblingssujet war La Parisienne. Er malte alle Frauen mit einem etwas überlangen Hals, einer Wespentaille und einem sehr niedlichen Gesichtchen. Wirkt heute alles sehr gestrig, es gab Zeiten, da war es sehr schick sich von ihm malen zu lassen und die Damen standen Schlange, um ihm Modell zu stehen.

Kleiner Ausschnitt vom Festival Cannes 1946.

Und die zweite Neuigkeit: Frankreich und Deutschland haben sich wegen der Lockerung an den deutsch-französischen Grenzen angenähert. Ab Samstag soll es zumindest für Berufspendler einfacher werden, nur noch Stichprobenartige Kontrollen werden dann durchgeführt. Abhängig vom Infektionsgeschehen wird „ab Mitte Juni ein freier Reiseverkehr in Europa angestrebt“. Angestrebt, das heißt noch nichts, aber immerhin. Ausführlich nachzulesen bei der Tagesschau oder wie immer auf Hilke Maunders Seite Mein Frankreich.

à bientôt!

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