Glückstag in Grün und Gold

Immer kommt alles zusammen! Gleich zweimal Briefpost heute! Ein grün-blaues Gesamtkunstwerk und ein goldener Gingkobrief! Von Herzen Dank an Marianne und Jutta! Handgeschriebene Zeilen und von Hand umhäkelte Taschentücher sind einfach großartig! Und das Täschchen ist sogar abgefüttert! Was für eine Geduldsarbeit! Merci!

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Am Rand von Ostermundigen …

… haben wir übernachtet, auf dem Weg nach Deutschland. Und sofort wusste ich, dass ich den Anfang des Blogbeitrags damit beginnen würde. Ich weiß nicht, ob Sie sich erinnern? „Der Rand von Ostermundigen“ heißt eine der skurrilen Kurzgeschichten von Franz Hohler aus den Achtziger Jahren, in der ein Mann einen Telefonhörer abnimmt und sagt „Dies ist der Rand von Ostermundigen“. So fängt sie zumindest an, die Geschichte. Ich habe sie nachgelesen, denn ich konnte mich nicht mehr erinnern, wie es weiterging mit dem Mann und dem Telefon am Rand von Ostermundigen. Ich hatte aber niemals in Erwägung gezogen, dass es Ostermundigen wirklich geben könnte. Jetzt aber nächtigten wir am Rand von Ostermundigen, das wiederum am Rand von Bern liegt. Es passierte aber nichts Groteskes. Weder klingelte das Hoteltelefon noch mein Handy, um mir die Nachricht zu überbringen, dass dies der Rand von Ostermundigen sei, und es schickte auch niemand eine SMS. Schade eigentlich. Das wäre doch mal ein schönes Literaturhappening gewesen. Aber vielleicht haben es die Ostermundiger auch satt, dass man sie ständig mit diesem Satz in Verbindung bringt und mit nichts anderem sonst. Oder vielleicht bräuchte man dafür WhatsApp, das in Deutschland wohl alle haben, nur ich nicht. Die Freundin einer Freundin erklärte mir in diesem Sommer ausführlich die Vorteile von WhatsApp, alles schneller und unkomplizierter undsoweiter. Mirdochwurscht, dachte ich. Immer schneller will ich nicht. Hier rächt sich vermutlich, dass ich keine Kinder habe, mit denen ich „auf Klick- und Augenhöhe“ in Kontakt bleiben will. Mails und SMS’en sind wohl definitiv out. So schreiben nur noch die Alten. Genau wie FB. Da sind auch nur noch die Alten. Das erklärte mir kürzlich Monieurs 13jähriger Enkel. Wenigstens Instagram sollte ich haben, wenn ich nicht ganz den Anschluss verlieren wolle. Ich komme mir wieder mal dinosauriermäßig alt vor und fühle mich sehr müde. Tatsächlich kann ich an den Messetagen auch nicht, wie alle, schnell mal eben noch zusätzlich ein Foto hochladen und veröffentlichen: Hier bin ich! Das mache ich! Noch jemand hier? Ob das jetzt am fehlenden WhatsApp liegt oder an meiner zunehmenden Landpomeranzenlangsamkeit oder der abnehmenden Multitaskingfähigkeit im Alter sei dahingestellt.

Wie dem auch sei, ich schleppte die Erinnerung an Franz Hohler und seine Kurzgeschichten („Die Rückeroberung“ hat mich auch sehr beeindruckt damals!) während meines Deutschlandaufenthalts mit mir herum und murmelte hin und wieder „Dies ist der Rand von Ostermundigen“, damit ich es ja nur nicht vergesse, womit ich anfangen will, wenn ich erst mal wieder Zeit zum Schreiben finde.  Macht Herr B. genauso. Bei ihm geht es zuweilen so weit, dass er vor lauter Memorieren glaubt, den Text wirklich geschrieben zu haben. Nun, ich weiß sehr wohl, dass ich den Text, der mit „Wir haben am Rand von Ostermundigen übernachtet“ gerade erst schreibe. Und eigentlich wollte ich Herrn B. nicht schon wieder zitieren, es könnte so aussehen, als wollte ich mich einschleimen. Aber was wollen Sie machen, mir geht’s oft ähnlich, nur er formuliert es eben öffentlich als erster. Bleibt mir die Rolle derer, die mit aufgerissenen Augen „Das wollte ich auch gerade sagen!“ ausruft. Herr B. schrieb außerdem ein, zwei Blogtexte mit kurzen Gesprächsfetzen, die er unterwegs aufgeschnappt hat. Nette Idee. Könnte mir in Frankreich nie passieren, denn, wenn ich mich nicht darauf konzentriere, läuft französisches Gespräch am Nebentisch oder im Bus oder wo auch immer nur als diffuses Geräusch an meinen Ohren vorbei. Ich lebe in Frankreich in einem steten Geräuschbrei. Wie sehr, merke ich in Deutschland, wo ich erschrecke, weil ich alles plötzlich verstehe, auch das banalste auf Deutsch geführte Gespräch anderer dringt in meine Ohren ein, und ich kann NICHTS dagegen tun! So war das doch früher nicht? Oder doch? War ich nur daran gewöhnt, die Ohren irgendwie zuzuklappen? Was auch immer, es geht nicht mehr. Ich bin in Deutschland den Gesprächen anderer geradezu ausgeliefert. Ich könnte in zwei Tagen ein ganzes Buch mit Gesprächsfetzen füllen, wenn ich die Zeit hätte, sie aufzuschreiben. Zwei junge Frauen sprechen im Frühstückssaal (eines anderen Hotels) gut hörbar und ausführlich über Verhütungsmittel. Pille oder Spirale? Muss ich das wissen so früh am Morgen noch vor dem ersten Kaffee? Ich kann nicht weghören. Später diskutieren zwei Studentinnen in der Straßenbahn ihre Hautprobleme. Ich will auch das nicht wissen, aber ich kann nichts dagegen tun. Ich denke wieder ernsthaft darüber nach, mir diesen teuren Noise-ReductionCancelling-Kopfhörer zuzulegen. (Falls Sie so etwas haben und Ihre Erfahrungen mit mir teilen wollen, bitte gerne! Ich habe es schon mit banalen Baustellen-Ohrschützern probiert, einfach nur, um mich vor zu viel Lärm zu schützen, war nicht teuer, funktioniert aber auch nur bedingt.)

In Deutschland war zunächst eine große und sehr schöne Hochzeit in einem kleinen schnuckeligen Dorf, mit einer weniger schnuckeligen Hotelwirtin, die mich gleichmal angefahren hat „Hawwe Sie kei Navi?“, nur weil wir nicht pünktlich, wie ausgemacht, um Zwölf angereist waren (wir hatten uns natürlich verfahren!) Nein, Navi haben wir nicht in dem alten kleinen Auto, das meiner Schwiegermutter gehört. Dass mein Handy tatsächlich auch Navi kann, habe ich erst später festgestellt.

Während der Hochzeitsfeier (ein schönes, sehr entspanntes, fröhliches Fest) war für mich leider viel zu wenig Zeit, um mit allen Menschen, mit denen ich gerne noch gesprochen hätte, zu sprechen. Wir nämlich gingen früh schlafen und reisten am Folgetag noch früher ab, um, schwupps, am Rand von Gießen zu landen: Schöne Matinée Lesung hier, wir berichteten! Dann kurzes Eintauchen in Familie, am Rand von Heidelberg, und hier sahen wir dann auch den kleinen Film, den das ZDF gedreht hatte! Wow! Sich selbst im Fernsehen zu sehen und zu hören, ist zunächst befremdlich und auf jeden Fall aufregend (der Beitrag beginnt ab Minute 11,25).

Auf zur Buchmesse: Diesmal logierten wir am Rand von Frankfurt. Ein riesengroßes Dankeschön geht an A. und H.! Wir hätten keine bessere Unterkunft und vor allem keine besseren Gastgeber finden können. Unkompliziert, herzlich und hilfsbereit. Wow! Das Haus, ruhig (!) am Rande von Frankfurt liegend und doch prima angebunden. Genial. Von Herzen Dank! Ich hoffe, ich kann das irgendwann genauso zurückgeben. (Ich bin übrigens immer mal wieder stolz auf den funktionierenden Nahverkehr in Deutschland. An diesen grünen Herzen fuhr der Bus jeden Morgen vorbei.)

Und jetzt begann der Rausch: Auf dem Weg zum ersten mittäglichen Restaurant kamen wir an der Buchhändlerschule vorbei, MediaCampus heißt es heute. Ich bremse und fahre entschlossen dort auf den Parkplatz. Muss ich Monsieur zeigen, diesen Ausbildungsort meiner Jugend. Wie gerne war ich hier! Und es sieht immer noch so aus wie damals. Die Sekretärin im Eingangsgebäude und ich erinnern uns gegenseitig wehmütig an vergangene Zeiten und werfen uns die Namen der Lehrer wie Pingpongbälle zu.  Dann schiebt sie mir den Schlüssel über die Theke: „Sehen Sie sich ruhig um, Sie wissen ja noch wo die  Bibliothek ist, oder?“ Hach! Ich schwelge in Erinnerungen an Orte, Menschen und Begebenheiten.

Abends dann große, elegante Soirée im neu designten Sofitel in Frankfurt. Atout France hatte Journalisten, Reiseveranstalter und handverlesenes VIP Publikum eingeladen, um die Champagne und Cannes zu bewerben. Es gab feinste Häppchen, Champagnerverkostung, Livedrawing und Lesungen von Carole Martinez und Christine Cazon in Sälen, die Marais I und Marais II heißen. Lena Bopp von der FAZ moderierte und Carole Martinez las aus  „Das genähte Herz“.  Christine Cazon las von Herbststürmen auf der Insel vor Cannes, von deftigem Rindfleischeintopf und rotem Landwein, während die Zuhörer  am Jahrgangs-Champagner nippten. Danach gabs auch für die Autorinnen einen Salat, es wurde geplaudert, fotografiert und signiert (Das Foto stammt allerdings vom Buchmessestand).

Und dann war endgültig Buchmesse. Christine Cazon war mehrere Tage am Stand von Atout France und es kamen tatsächlich jede Menge Menschen von nah und fern, um sich Bücher signieren zu lassen und zu plaudern. Das eine oder andere kritische Gespräch mit Buchbloggern wurde auch geführt.

Lustig war die Begegnung mit einem französischstämmigen Iren, mit dem ich auf Deutsch über Cannes sprach und er sagte: „Ihr Deutsch ist ausgezeichnet!“ „Ich bin Deutsche“, gebe ich zurück. „Ich lebe in Frankreich und bin mit einem Franzosen verheiratet, aber ich bin Deutsche.“ Er wollte es mir nicht glauben. „Sie sind Französin!“ „Nein“, sage ich, „wir können gern Französisch miteinander sprechen, aber ich bin Deutsche.“ Das ging so ein bisschen hin und her und während ich ihm auf einen Stadtplan von Cannes „à bientôt à Cannes“ schreibe, sagt er: „Sie haben da eine schöne französische Persönlichkeit entwickelt!“ Da sehen Sie’s. Ich werde doch noch zu Docta Jeykill und Missis Hyde.

Abends lud Kiepenheuer & Witsch ein und es wurde ein absolut netter und gut gelaunter Abend, lecker war es sowieso (ich kann nicht alle Restaurantbesuche aufzählen, aber Monsieur aß während des Aufenthaltes abwechselnd Schnitzel oder Bratwurst und trank sich durch alle Biersorten, die angeboten wurden.). Wir plauderten mit alten und neuen Kollegen, mit Cora Stephan und Monika Peetz, ein bisschen auf Französisch mit Kamel Daoud (!) und später drückte ich noch Sven Regener die Hand und sagte den absolut originellen Satz, den er so vermutlich noch nie gehört hat: „Ich bin ein großer Fan!“ Er verdrehte aber nicht die Augen, was ich ihm hoch anrechne.

Ich bekam von Marion diesen arte Film aus der Serie „Durch die Nacht“ zugeschickt, den ich hier nachträglich einbaue: Kamel Daoud und Leila Slimani im Gespräch. Selten so ein offenes, großartiges Gespräch gehört und gesehen. Die Musik von Hindi Zarah ist für mich eine weitere Entdeckung. (Anschauzeit fast eine Stunde!)

Freitags hatte ich keine Messetermine und lief ein bisschen durch Frankfurt und war absolut überfordert von dem großen Buchkaufhaus, das aber immerhin meine Bücher (alle mehrfach) vorrätig hatte, so etwas überprüft man ja gerne mal.
Ich hätte den französischen Kindern gern ein bisschen schönen Schnickschnack mitgebracht, aber es gab so viel, dass ich letzten Endes gar nichts kaufen konnte. Und ich verstand zum ersten Mal meinen eigenen Beruf: „Der Sortimentsbuchhändler wählt aus einem großen Warenangebot für seine Kunden interessante Titel aus und hält sie bereit.“ (Und Non-books, würde man heutzutage wohl noch hinzufügen, damals gab es das noch kaum und ich erinnere mich wieder an Herrn Paulerberg, in der Zwischenzeit verstorbener, damals vielgehasster Lehrer, der uns drängte, Kleinkram (damals gab es gerade mal Kalenderchen und Lesezeichen, HA!) an der Kasse aufzustellen und überhaupt ins Sortiment zu nehmen!) So oder ähnlich lautet ein Satz, den ich zwar immer noch auswendig hersagen kann, ohne ihn bisher richtig verstanden zu haben. Jawohl! Es lebe der kleine Sortimentsbuchhandel! Wo immer er noch lebt, unterstützen Sie ihn! Später ging ich am Römer vorbei und über den Eisernen Steg und erinnerte mich an früher, an Flohmärkte und Caféhäuser mit Papageien und Äffchen, und an Spielzeugläden mit Vitrinen voller Puppenhausmöbel, und ich ließ das Städel dann doch links liegen und schlenderte stattdessen durch Sachsenhausen und kaufte in einem netten Schuhladen mit kompetenter und freundlicher Beratung meinen schon Messemüden Füßen ein Paar weiche petrolblaue Schuhe.

Es wurde noch einmal mit Freunden österreichisch gegessen, einen Abend später aber schleppte ich Monsieur in eine Apfelweinstube, er muss Apfelweinsecco probieren  und Apfelwein trinken und nach dem ersten halben Liter, den er mit verzogenem Gesicht mutig hinunterstürzte, hatte er sich dran gewöhnt. Hier gab es dann ausnahmsweise ein Kilo Schweinshaxe.

Dann wieder Messe as usual. Morgens am Stand von Atout France, später ein bisschen am Stand von Kiepenheuer & Witsch und dann ein Abstecher in den französischen Pavillon. Er hat irgendeinen Designpreis erhalten, sieht aber nur aus wie ein Haufen einfachster Ikea-Regale.

Wir hatten das Glück, gerade an einer (französischen) Podiumsdiskussion teilnehmen zu können, bei der auch Kamel Daoud sprach. Seine kritische Haltung zum Islam macht ihn nicht überall beliebt. In Algerien trachtet man ihm nach dem Leben. In Paris übersieht  man ihn hochnäsig.

Im Gewühl verlor ich Monsieur und wartete am Verlagsstand, unausgemachter Treffpunkt, auf ihn, er kam aber nicht, stattdessen lief ich in eine beste Freundin von früher, oder sie lief in mich, auf jeden Fall stehen wir uns kurz verdutzt und mit offenem Mund gegenüber. Seit zwölf Jahren haben wir keinen Kontakt mehr. Das Leben eben. In einer Stunde holen wir 12 Jahre auf und es ist sehr aufregend und aufwühlend.

Ich fühlte mich am Ende der Messe und des Deutschlandaufenthalts rundum satt und voll und gleichzeitig erschöpft von all den wundervollen Begegnungen mit LeserInnen, KollegInnen, AutorInnen, FreundInnen und Familie; und egal ob kurz oder lang, sie waren alle schön und sehr intensiv! Danke Euch/Ihnen allen!

Noch einmal geht es weiter, kurz an den Rand von Mainz, dort noch ein Abend mit Freunden (Bratwurst und Weihenstephaner Festbier und Kräuterlikör für Monsieur) und am nächsten Tag, bei wunderschönstem warmen Herbstwetter, fahren wir in einem Rutsch nach Hause. Ich wäre gern noch zwei, drei Tage irgendwo in Deutschland geblieben, um den unglaublich sonnigen, warmen Herbst zu genießen, mit Morgennebel und bunten Blättern (auf der Messe habe ich als Ersatz ein Herbstplakat fotografiert!) und um runterzukommen, ich konnte nämlich trotz erschöpfter Müdigkeit vor aller Aufgedrehtheit kaum noch schlafen, aber Monsieur zog es mit Macht gen Heimat.

Da sind wir also wieder. Ich habe mich gleichmal für einen Aquagymkurs eingeschrieben. Man muss ja was tun. Und der Ort an dem der Kurs stattfindet, ist so unglaublich schön, dass ich, trotz fehlendem Herbst, diesmal von Cannes ganz bezaubert war.

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Buchmesse rundherum (kleine Auswahl)

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Premierenlesung in Wettenberg

Die Buchmesse wirft ihre Schatten voraus … Christine Cazon las zum ersten Mal aus Endstation Côte d’Azur!  Und hier gibt es die schöne Besprechung dazu in der Gießener Allgemeinen Zeitung.

Foto: Norbert Schmidt

Foto: Norbert Schmidt

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Drehtag in Cannes

Heute war das ZDF da und hat für die Sendung „Heute in Europa“ eine kleine Geschichte mit Christine Cazon gedreht. Für eine Sequenz von letztlich zwei Minuten dreißig waren wir seit heute morgen in Cannes unterwegs … auf den Spuren von Commissaire Duval. Ich bin so gespannt! In der Sendung am Dienstag um 16 Uhr wird es ausgestrahlt. Falls Sie reinschauen wollen?!

Anbei ein Foto vom Dreh. Meine Bücher vor Cannes.

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Vielen Dank an die Équipe. Es war supernett!

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Mein Freund der Baum …

Er hatte recht, der Herr Diehl, alles zu spät. Sie ist tot unsere Palme. Außer mir trauert aber niemand. Alle sind extrem pragmatisch. Sie hat den Pflanzen im Vorgarten sämtliches Wasser weggenommen, nichts wollte so richtig dort wachsen. Wir können jetzt endlich einen richtigen Garten mit neuen Orangen- und Zitronenbäumen anlegen, sagt Monsieur. Wir könnten den Vorgarten auch in einen Parkplatz umwandeln, wünscht sich der Nachbar von oben, der es satt hat, jeden Abend mühsam einen Platz im Viertel zu suchen. So richtig hat sie wohl keiner geliebt, die Palme in unserem Vorgarten. Vielleicht hat sich auch deshalb niemand wirklich beunruhigt, als wir vor ein paar Monaten erste Zeichen des roten Rüsselkäfers entdeckten. Man hätte die Palme zukünftig monatlich behandeln müssen und die Kosten dafür sind erheblich. Das wollte die Eigentümergemeinschaft nicht wirklich tragen. Auch die im letzten Moment angeleierte Hilfsaktion dümpelte unentschlossen vor sich hin. Und jetzt ist es zu spät. Heute kam der Gärtner und zuckte nur mit den Schultern. Noch steht ein Stumpf. Aber der wird in den nächsten Tagen auch noch verschwinden.

PalmensterbenUnd hier das Titellied zum tristen Thema …

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Regatta Royale

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Krimiautoren auf der Buchmesse

Sehen wir uns?!

Atout France

Wir nähern uns in Riesenschritten der Frankfurter Buchmesse. Frankreich ist dieses Jahr Ehrengast und ich freue mich, dass ich dort, in Zusammenarbeit mit Atout France und dem Office de Tourisme von Cannes, die Stadt Cannes repräsentieren darf. Ich verlinke  –> hier einen Artikel von Hilke Maunder, in dem sie einen Überblick und den Zeitplan sämtlicher bei Atout France anwesenden KrimiautorInnen gibt. Toll, oder? Mich finden Sie dort (Halle 3.1., Stand K 130) am Donnerstag, Samstag und Sonntag jeweils um 11 Uhr.  Kommen Sie vorbei! Ich freue mich auf Sie!

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Mord im Vorgarten

die Palme schwächeltEin neuer Krimi? Beinahe. Die blaue Küste, heute eher grauverhangen, wurde heute zur Küste des Grauens. Unsere Palme, vor ein paar Monaten noch kraftstrotzdend, schwächelt zusehends und die Blätter fallen ab. Sie ist, entgegen der Aussage des Gärtners im Frühjahr, vom roten Rüsselkäfer befallen, wie so viele andere entlang der Riviera auch. Mehr als zehn Larven fanden wir heute in jedem abgefallenen Blatt. Wir haben sie aus ihren Kokons geholt und gewaltsam vernichtet. Manch eine Larve hatte sich schon in einen jungen Käfer verwandelt. Es half ihr/ihm nichts. Wir kannten keine Gnade. Nächste Woche kommt der Gärtner. Mal sehen, welche Behandlung er uns für die Palme vorschlägt, ob sie überhaupt noch zu retten ist, oder ob wir demnächst auch nur noch einen tristen Stumpf im Garten stehen haben werden.

Kokons

Kokon nah

roter Rüsselkäfer jung

Larven

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Cannes – Rundblick

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Re-recycling: la rentrée

Wir haben gerade das allerletzte Sommerferienwochenende, morgen ist endgültig: la rentrée! Über das allgemeine Verschwinden der Franzosen spätestens im Monat August und die ebenso allgemeine Wiederaufnahme der Arbeit, des Schulunterrichts und jeglicher Aktivität im September, habe ich schon einmal geschrieben und den Text sogar schon einmal recycelt. Er ist in gewisser Weise immer wieder aktuell.

Dieses Jahr hat arte-Karambolage ein nettes Filmchen gemacht, das ich Ihnen nicht vorenthalten will:

So viel für eben. Fangen wir langsam an. Für mich beginnt die arbeitsfreie Zeit nämlich gerade eben erst. Wir haben es geschafft! Das Manuskript ist abgegeben. Monsieur hat mir, nachdem er sich monatelang meiner unsozialen Arbeitsphase gebeugt hat, für morgen Abend erstmals wieder Gäste eingeladen. Auch das soziale Leben geht wieder los: C’est la rentrée!

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Ein Zimmer in Frankfurt …

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Foto: Fenster zur Sonne / Rainer Sturm / pixelio.de

 

… ist gefunden! Hurrah! 

Herzlichen Dank allen, die meinen Aufruf auf FB und Twitter geteilt, mich angeschrieben und mich in jedweder Form kontaktet haben!

Wir sind also auf der Buchmesse anzutreffen! Sehen wir uns?

 

 

 

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Jeanne Moreau …

… ist gestorben. Ich habe gerade keine Zeit, Ihnen meine ambivalente Meinung zu Jeanne Moreau näher zu bringen, wir sind hier sehr in Verzug mit allem. Es wird jetzt aber sicher Nachrufe über Nachrufe geben, voilà, da ist schon einer, überraschend schnell, lag vermutlich schon lange in der Schublade (das erinnert mich an „Einfach so“ von Lily Brett, in dem die Figur Esther hauptberuflich Nachrufe schreibt), sicher wird man ihre Filme wiederholen, Jules et Jim natürlich, L’ascenseur pour l’échaufaud (Fahrstuhl zum Schafott) und ihre Chansons wieder hören …

Von Le tourbillon de la vie kursiert gerade auch die (mich sehr rührende) Variante mit Vanessa Paradis, die ich hier noch einfüge – wird vermutlich keiner mehr sehen, tant pis.

oder das (Tonqualität ist mies)

Mein Lieblingschanson aber ist das hier:

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Abschied von Paris

Oh ja, wir waren fleißig! Ein neuer „kleiner“ Duval ist da! Rechtzeitig für den Urlaub kommt hier für alle, denen die Zeit zwischen zwei Duvals zu lange wird, eine kleine Geschichte. In diesem Fall die Vorgeschichte. Nur als E-Book (es gibt Gratis-Reader, aber man soll es auch so am Rechner lesen können, ich habe es noch gar nicht probiert, so brandneu ist es noch!)

Abschied von Paris

Die kleine Ferienlektüre für fast gar kein Geld gibt es zum Beispiel —> hier.

Wir schreiben weiter … der 5. Duval soll ja rechtzeitig fertig werden, n’est-ce pas, und wünschen Ihnen allen einen schönen Sommer und bonne lecture!

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14. Juli – Nationalfeiertag

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WMDEDGT 7/2017

Bergdorf

Heute ist Tagebuchbloggen dran. Frau Brüllen fragt es jeden, jeden Monat am 5. : Was machst du eigentlich so den ganzen Tag? Heute mache ich mal wieder mit und erzähle es Ihnen: Ich bin in den Bergen.

6.17 Uhr wach geworden. Ich wollte früh wach werden (das klappt, wenn ich es mir vornehme!), ich will nämlich laufen.
6.30 Uhr Milchkaffee und zwei Stück Rührkuchen. Dazu gibts ein kleines bisschen Internetlektüre, und dann gehe ich los. Es ist noch vor Sieben Uhr und es ist hell, die Sonne ist aber noch nicht über die Berge gekommen. Ich laufe ein Stück eines GR-Wanderwegs, der teilweise neu gemacht wurde und richtig breit und toll geworden ist. Vorher musste man trotz der rot-weißen Markierung oft suchen, wo der Weg eigentlich verlief, so zugewuchert war er. Ich laufe bis zu einem verfallenen Hof, der früher der Familie von Monsieur gehört hat, durch Erbstreitigkeiten aber „verloren“ gegangen ist, da der Hof über Jahrzehnte leerstand, bewohnte ein Schäfer illegal das Wohnhaus und brannte es dabei leider ab. Seit Jahren laufe ich dorthin und konstatiere den zunehmenden Verfall der Ruinen. Es soll einmal das schönste Anwesen hier oben gewesen sein, und Monsieur hat als kleiner Junge dort bei seinem Onkel, der Kühe hatte, noch Milch geholt.

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Den Spaziergang habe ich gestern Abend schon einmal gemacht, aber da liegen der Weg sowie die Häuser auf der Schattenseite und ich wollte es gern bei Sonnenaufgang sehen. Normalerweise setze ich mich morgens gleich zum Schreiben an den Rechner, wenn ich erst anderes mache, bin ich schon raus aus dem Fluss und es passiert nicht mehr viel, schreibtechnisch gesehen, meine ich. Frühmorgendliches Spazierengehen kann leicht zur Prokrastination ausarten. Vor allem, wenn ich unterwegs noch Fotos mache. Gehen jedoch will ich einmal am Tag, denn ich habe Rücken vom unergonomischen Sitzen, das aufblasbare Gummikissen hilft nur bedingt, ebenso das halbherzig praktizierte Yoga. Gestern las ich in einem (englischen) Text, dass Autoren durch das ewige Sitzen generell dazu neigten, einen fetten A*** zu bekommen. Vermeiden könne man einen solchen durch Anschaffen eines Hundes und regelmäßiges Spazierengehen mit demselben. Hilft angeblich auch gegen Depression. Ich mache also Rücken-, Depressions- und A***prävention und das ganz ohne Hund.

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Um kurz vor Neun bin ich zurück. Es gibt einen zweiten Milchkaffee und eine Scheibe leckerstes Brot mit überraschender Marmelade, ich dachte, ich hätte ein Glas Johannisbeergelee aus dem Keller geholt, aber es war ein von mir irgendwann in grauer Vorzeit gekochter Ladwersch, wie man im (Süd?)-Hessischen sagt, oder Läckschmier andernorts: Zwetschgenmus. Sehr fein!

Beim Laufen ist mir tatsächlich eine ergänzende, zum gestrigen Text passende, Szene eingefallen, die ich jetzt schreiben werde.

Bis 11.40 Uhr geschrieben, dann die Nachbarin angerufen, ob sie mit mir Mittagessen will (sie hat mich schon so oft eingeladen und ich muss sie mal zurückeinladen, auch wenn das leicht zu weiterem Prokrastinieren ausartet; merke: das Kommunizieren und Sozialisieren in kleinen Dörfern ist verpflichtend, nur zurückgezogenes Schreiben geht auf Dauer nicht!). Sie räumt aber gerade mit einer Freundin die Scheune aus und sagt, wir wollen nicht „richtig“ essen, das dauert zu lang, wir picknicken quasi, komm mit deinem Essen zu uns hoch, und wir essen zusammen. Halb Eins ist ausgemacht. Mein Essen ist noch gar nicht fertig und ich mache in Windeseile eine Gemüse-Käse-Quiche und bereite einen Rhabarberstreuselkuchen vor, der aber noch nicht gebacken ist, weil der Herd so alt, so klein und mit Gas und überhaupt, da geht immer nur ein Ding gleichzeitig rein. Ich werde also zum Essen zur Nachbarin gehen und meinen Kuchen in ihren Ofen schieben, die Quiche ist auch noch nicht fertig für halb Eins, ich komme erst um Viertel vor Eins mit dampfender Quiche an, aber es ist wie immer in Frankreich. Halb Eins ist nur ein Näherungswert. Wir essen gegen Eins und plaudern, und um Viertel nach Zwei gehe ich wieder und lege ich mich zur Sieste kurz hin.

Um fünf vor Vier sitze ich wieder mit einem Kaffee vor dem PC. Geschlafen habe ich nicht, vielmehr im Liegen gedöst und nachgedacht. Wie sollen die kommenden Ferienwochen ablaufen, wo werde ich schreiben können, werde ich überhaupt schreiben können, wieviel bzw. wie wenig Präsenz meinerseits ist nötig beim Familienurlaub, ohne dass es unhöflich ist? Was mache ich mit der Katze? Lasse ich sie in Cannes, schleppe ich sie wieder hier hoch, nur damit sie sich hier mit der aggressiven Nachbarkatze herumschlägt und sich panisch unters Bett verkriecht? Ist durchgängig jemand in Cannes für die Katze? Ich habe über eine Woche gebraucht, um meine entzündeten Augen wieder zu beruhigen nach einer Woche Katzenhaushalt in Cannes. Die Desensibilisierung fängt erst nach der Rentrée, im September, an. Am Sommerhaus müssten vor der Ankunft aller Sommergäste dringend schnell noch Handwerker arbeiten – das würde mich verrückt machen nächste Woche. Das alles drehe ich in meinem Kopf herum.

16.24 Uhr eine Bekannte schreibt mir auf FB, ich antworte und klicke herum: oh Gott, sie haben „Die Moorsoldaten“ gesungen beim Staatsbegräbnis für Simone Veil.

Bis 18 Uhr überarbeite ich halb konzentriert das, was ich gestern und heute geschrieben habe.

Dann rufe ich einen seit Monaten kranken Freund an, der, weil ihm keiner helfen kann, nächste Woche zu einem Magnetheiler gehen wird. Ich kommentiere es nicht, aber er sagt selbstironisch, er sei gedanklich kurz vor der Pilgerfahrt nach Lourdes.

Ste Annedas ist nicht Ste. Bernadette, das ist Ste. Anne

Um Viertel nach Sechs behandle ich die abgefressenen Johannisbeerbüsche ein zweites Mal (vor zehn Tagen schon einmal) mit einem biologischen Spritzmittel, immerhin scheint es die noch nicht befallenen Büsche geschützt zu haben (und wir haben viele davon!). Die abgefressenen sind natürlich weiterhin kahl.

Danach gieße ich die Anpflanzungen der Kinder: Salat, Himbeeren, Erdbeeren und Mangold (nein ich weiß nicht, warum die Kinder ausgerechnet Mangold gepflanzt haben), und die drei kleinen Kirschbäume, und mittels Eimern gieße ich anschließend die Blumen, die die Gemeinde für das Dorf in hölzerne Blumentröge gepflanzt hat. Die ersten Tage habe ich dafür hunderte Meter Gartenschlauch aus und wieder eingerollt, aber das ist mühsamer als (sechs mal zwei) Eimer Wasser schleppen. Tatsächlich besitzen wir keine Gießkanne.

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Bis ich damit fertig bin, ist es 20 Uhr. Ich tippe hier, dann habe ich noch einen Berg Geschirr zu spülen. Essen werde ich die Reste der Quiche. Und beim Geschirrspülen und auch später höre vielleicht ich via Internet etwas Radio. Ich habe nämlich nichts mehr zu lesen, zumindest nichts, was mich wirklich interessiert.

Voilà, das war mein Tag.

Die anderen Tagebuchblogger gibts wie immer hier am Ende des Beitrags.

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Fünfeinhalb oder Baby it’s cold outside

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Diese Schäfchenidylle wollte ich Ihnen noch zeigen, das war allerdings noch vor meinem Abstecher an die Küste, jetzt sind die Schäfchen schon weitergezogen und die blühenden Wiesen, die ich Ihnen das letzte Mal noch zeigte, sind abgefressen. Aber so soll es ja auch sein, nicht wahr. Ich bin immer sehr gerührt von den Schafen, und dieses Jahr haben sie zwei Nächte unterhalb des Hauses verbracht, es war sehr romantisch, mit den leisen Geräuschen einer großen Tierherde einzuschlafen und sehr unromantisch, mehrfach in der Nacht vom nicht enden wollenden Gebell der Hütehunde aufzuwachen, die einen Fuchs oder eine Katze verjagen mussten, woraufhin die ganze Herde unruhig wurde und blökte und es laut bimmelte, weil die Schafe, die eine Glocke um dem Hals haben, sich schüttelten. Fliegen gab es auch ohne Ende. Ganz idyllisch, wie gesagt. Ich mochte es trotzdem.

sie kommensie kommen …

Jetzt bin ich zurück von meinem kurzen Küstenaufenthalt und war es mir dort zu heiß, ist es mir jetzt hier zu kalt. Die weiß auch nicht, was sie will, denken Sie jetzt vielleicht, aber der Temperaturunterschied beträgt etwa 25°C und ich war hier, kaum aus dem Auto gestiegen, schon erkältet. Fünfeinhalb fünfeinhalbGrad gestern Morgen kurz vor Acht. Heute sagenhafte sechs Grad. Nur zum Vergleich, in Cannes waren es morgens um Acht ungefähr 28°C. Abends um 23 Uhr auch übrigens. Dazwischen wurde es etwas wärmer. Das heutige Temperaturhoch in den Bergen lag bei 13°C. Feuer machen kann ich nicht, weil es zu stark windet. Der Schornstein ist eine Fehlkonstruktion, er ist zu niedrig, und bei Wind zieht der Rauch nicht etwa ab, sondern der Wind bläst ihn schön in den Raum hinein. Falls Sie je einen offenen Kamin bauen wollen, denken Sie daran, den Schornstein höher als das Dach zu bauen.

KahlfraßNächste Überraschung, die Johannisbeerbüsche sind komplett abgefressen und streckten mir ihre kahlen Äste hilflos entgegen. Raupen ablesen heißt es in jedem Ratgeber, aber ich fand keine einzige Raupe mehr, stattdessen flatterte schon ein Schwarm weißer Schmetterlinge hervor. Es ging wohl schnell mit den Raupen und der Verpuppung, und ich denke an die kleine Raupe Nimmersatt. Hier hat sie ganze Arbeit geleistet. Eric Carle hatte vermutlich keinen Garten.

Ich hatte viele frische Zutaten eingekauft, um mir schöne sommerlich-leichte Salate zu machen, aber jetzt ist es so kalt, dass ich daraus abends warme Gemüsesuppen koche.

KaltIch habe außerdem drei Schichten übereinander an und eine Wärmflasche auf den Knien. Die Wolken allerdings sind beeindruckend.

WolkeSchönen ersten Juli!

Und hier die Musik zur Überschrift: Baby it’s cold outside!

 

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Flohmarkt

Am bisher heißesten Tag des Jahres …

Flohmarkt

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La canicule und Gedankenmäander

Emiliedie Enkelin, entspannt, nach der Schwimmgala

Nein, keine kühlen Bilder aus den Bergen, ich sitze und schwitze seit einer Woche in Cannes. Es ist la canicule. Eine Hitzewelle. Der heißeste Juni seit wann auch immer. Hat nicht nur Südfrankreich erwischt, und selbst Teile Deutschlands scheinen betroffen, wie ich höre. Familiäre (s. o.) und andere Verpflichtungen haben mich aus der Bergwelt in das feuchtheiße Klima an der Küste geholt. Schon eine Woche lang schwitze ich und ächze  und jammere und bin aggressiv, ich kann ja alles jenseits von 25°C nicht mehr so richtig gut aushalten und hier dauert dieses Wetter ja unendliche drei Monate, ohne jedes abkühlende Gewitter. Schwimmen im Meer gehe ich jetzt morgens um Sieben. Die Kühle hält dann einen kleinen Moment an, vorausgesetzt, man geht vor Acht wieder aus der Sonne. Danach sitzt man leicht bekleidet in abgedunkelten Wohnungen, trinkt viel (wir werden via Radio und Fernsehen ständig ermahnt, auch ja zu trinken, ich hingegen muss Monsieur ermahnen, dass er nicht alle Flüssigkeit ausschließlich in Form von Kaffee und Rosé zu sich nimmt), bewegt sich hingegen möglichst wenig und öffnet und schließt die Fenster- und die Fensterläden der Sonne folgend, bis dass man gegen 23 Uhr alles aufreißt, in der Hoffnung auf ein Lüftchen, das nicht kommen will. Was kommt sind die Schnaken und morgens um Drei ein Auto, das in unsere Gartenmauer rast. Die Nächte sind, mal abgesehen von der Luft, animé, wie man hier sagt: bewegt. Und laut. Sehr laut. Jeden Tag denke ich, dass ich über die Stille schreiben muss. Es ist mein Thema. Der Lärm, meine Lärmempfindlichkeit, das Bedürfnis nach Stille. Überhaupt würde ich gern sooo viel sagen. Aber ich muss ja anderes schreiben, weshalb so vieles an dieser Stelle nicht geschrieben wird. Über das, was ich am Strand finde zum Beispiel. Letztes Jahr sammelte ich Blau, darunter waren viele Mosaiksteinchen eines vermutlich abgesoffenen Schwimmbads, dieses Jahr Weiß. Rot gibt es tatsächlich ganz selten. Ich habe einmal eine schöne, rundgewaschene und knallrote Scherbe gefunden, da sie aber immer alleine blieb, flog sie irgendwann wieder weg. Hätte ich nicht tun sollen, aber da wusste ich noch nicht wie wertvoll vor allem rote Scherben sind (via Buddenbohm, denken Sie sich schon).

weiße Scherben römisch? drei Farben Blau Fundsachen Blau

Bei Buddenbohm fand ich auch den Text, dass er seine Jungs jetzt zum Einkaufen schickt, damit sie Rechnen lernen und überhaupt. Beim Lesen erinnerte ich mich plötzlich an früher und an eine Nachbarsfamilie A., an den stark sächselnden Dialekt von Herrn und Frau A., an den Vornamen des Sohnes: Michael, der auch, aus ähnlichen Gründen, schon in den späten Sechziger Jahren (mithilfe der Werbezettel im Briefkasten) zum Einkaufen geschickt wurde, und: ich war soooo neidisch! Ich hätte das auch so gerne gemacht, aber ich durfte nicht! Nur, weil ich noch nicht rechnen konnte, ph! Ich kann heute noch nicht rechnen, wenn wir es genau nehmen wollen. Einmal bat mich die Tochter (im Grundschulalter) einer Freundin darum, ihr zu Übungszwecken Rechenaufgaben zu stellen, mehr und immer mehr wollte sie, und immer „schwerer“ sollten sie werden; das war für mich schwieriger als für sie. Ich staunte, dass man Spaß haben konnte 47-18 rechnen zu wollen. Dsykalkulie. Dass ich weiß, dass und warum ich nicht rechnen kann, verdanke ich einem frühen Text bei Smilla (und den weiterführenden Links), die gerade wundervolle Fotos von Istanbul zeigt.

Ich komme vom Hölzchen aufs Stöckchen, denn als ich eben schrieb, Herr Buddenbohm schicke seine Kinder zum Einkaufen, hätte ich beinahe „zum Bier holen“ geschrieben. Das ist aber eine andere Geschichte, die von Werkmeister Scheel nämlich, der im Untergeschoss der Phil-Fak an der Uni Mainz für die Buchwissenschaftler eine kleine Druckerei sehr selbstherrlich führte (unter anderem hielt er beharrlich seine Frühschicht ein, und wer was von ihm wollte, und selbst wenn es der Institutsleiter war, der musste schon frühmorgens zu ihm in die Druckerei kommen), und uns, dort Praktikum machende Studis, morgens gleichmal zum Bier und Fleischwurst holen schickte, damit wir die richtige Arbeitswelt kennenlernen. Und dann gabs ausgiebiges Vesper, und wenn Werkmeister Scheel seine erste Flasche Bier abgekippt hatte, wurden seine Hände wieder ganz ruhig, und er konnte auch den fitzeligsten Viertelgeviertstrich in unseren Handsatz einfügen. Daran musste ich denken, an die Welt von Werkmeister Scheel nämlich, an die Kondome, die dort an der Pinnwand hingen und wie unwohl ich mich dort gefühlt habe. Einerseits solidarisch, denn mein Vater arbeitete auch in einer Druckerei, ich kannte also den Geruch von Farbe und Lösungsmitteln, den Lärm der Druckmaschinen, die Arbeits- und Männerwelt der Drucker und deren Spinde, die mit irgendwelchen Busenwundern vollgeklebt waren. Andererseits snobistisch, denn ich war Studentin, und Kondome an der Pinnwand und Bier und Fleischwurst zum Frühstück waren nicht meine Welt. Wie gut kennen wir Menschen jenseits unserer „Filterblase“, wie das heutzutage heißt?! Kennen wir sie überhaupt? Reden wir mit ihnen? Also so richtig? Interessieren wir uns wirklich für ihr Leben, für ihre Sorgen? Verstehen wir sie? Können wir sie überhaupt verstehen? Ein Chefredakteur nimmt an einem Gesprächs- und Streitexperiment mit Menschen jenseits seiner „Filterblase“ teil, das ist nett, aber trotz der ironisch-reißerischen Überschrift („Sie glauben nicht, was dann geschah“) geschieht nicht viel. Viel geschieht hingegen bei Henning Sußebach, der durch Deutschland wandert. Bis zum Schluss kein falscher Ton. Habe ich gerne gelesen.

Und auch wenn es nachgemacht aussieht (Musik am Ende des Beitrags meine ich), ich will schon lange dieses Lied veröffentlichen, und in einer halben Stunde ist immerhin Johannistag, la fête de Saint Jean.

Zuerst habe ich es aber in dieser Version gehört

und auch das brachte etwas in meinem Kopf zum Klingen – das habe ich doch schon auf Deutsch gehört, dachte ich – ich suchte und suchte und ich glaube, es ist ein Song von Element of Crime. Erst dachte ich, es ist „Weißes Papier“ und dann „Draußen hinterm Fenster“ und je länger ich die CD höre, desto weniger denke ich, es ist „nur“ ein Lied, sondern es ist vielleicht die Stimmung auf der CD „Weißes Papier“?! Was meinen Sie? Sind Element of Crime Kenner unter uns?

Nachtrag: Dank Herrn B. haben wirs wohl gefunden: „Kaffee und Karin“ merci dafür! – wird daher hier zusätzlich verlinkt,

und auch wenn der Text damit am Ende etwas EoC-lastig wird, bekommen Sie noch gratis ein ganzes Konzert dazu :D Und eine Widmung gibts für Arne P. aus HH, der mir EoC kurz vor Ende des letzten Jahrhunderts auf die Ohren gab!

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Morgens um Sieben ist die Welt noch in Ordnung

Vor Sonnenaufgang …

vor Sonnenaufgang

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Gerade ist die Sonne über die Berge gekommen und es wird hell, die Schafe blöken und bimmeln schon eine Weile, die Vögel zwitschern sogar schon seit Stunden. Gestern dachte ich, ich müsse mal das Wortfeld „summen“ erstellen. All diese Insekten, die hier durch die Gegend surren und sirren und zirpen und brummen und summen, mir fehlt es da wirklich an adäquaten Worten für diese kleinen Geräusche der Stille. Die Stille ist ganz schön laut, wenn man mal hinhört, schon allein dieses durchdringende Vogelgezwitscher frühmorgens.

Sonne

Cime de pal

Und die pfeifenden Murmeltiere abends. Neulich schrie eines so lange, bis ich dachte, ich muss mal schauen, was dort passiert, vielleicht kreist ein Adler. Aber ich zumindest sah keine direkte Gefahr, die das Murmeltier veranlasste, so ausdauernd schrill zu pfeifen.

Wege

Suchbild mit Murmeltier …Murmeltier(in der Mitte über dem Geröllhaufen; näher kam ich nicht ran mit dem Zoom)

Ich bin in den Bergen. Es ist alles wie immer. Lange kein Internet, Ärger mit der Telekom und stundenlanges Telefonieren mit irgendwelchen Technikern, vergebliche Versuche, die defekte Livebox auszutauschen, wozu ich jedes Mal drei Stunden in der Gegend herumfahren muss, aber die neue Box wurde nie geliefert. Aber dann hatten die Götter ein Einsehen und wir wissen nicht warum, eines Morgens war das nervöse rote Geblinke der angeblich defekten Livebox weg und es strahlte mich dieses durchgehende kleine hellgrüne Lichtlein an. Es ward Internet! Wir danken wem auch immer dafür. Ich habe zumindest der Heiligen Anne, der Schutzheiligen hier oben, frische Blumen gepflückt.

Seitdem ist die Welt wieder näher gerückt, mit den Attentaten und den Parlamentswahlen, ich fand es tatsächlich wunderbar erholsam, das alles gar nicht mitbekommen zu haben. Mein kleines Leben hier oben mit Holz holen und Unkraut herausreißen und Wiese mähen und wilden Spinat sammeln und daraus eine Tarte herstellen und mit der Nachbarin Brot backen – ich finde es zutiefst wohltuend, erdend und sinnstiftend.

wilder Spinatwilder Spinat (wächst hier, dank der Schafe, wie blöd): Chénopode Bon-Henri

Spinattarte

bon appetit

Dinkelbrotpetit épeautre ist Dinkel Einkorn (danke Regina!)

fünfzehn StundenBrot backen ist eine langwierige Angelegenheit, insgesamt dauerte es 15 Stunden, plus eine Stunde backen – dank der Nachbarin gab es schon angesetzten Sauerteig

leckermein erstes selbst gebackenes Dinkel-Sauerteig-Brot – es ist sooo köstlich, ich will nie wieder etwas anderes!

Den Rest will ich gar nicht wissen. Ach so, schreiben tue ich noch. Das ist ja der eigentliche Sinn meines Bergaufenthalts. Ungestörtes Schreiben. So ungestört ist man hier ja aber dann doch nicht. Von wegen Einsamkeit. Alle Wanderer der Welt kommen hier vorbei und plaudern, gestern nächtigten einige nebenan unter freiem Himmel, wie schön ist die Natur, aber das Smartphone durfte ich ihnen dann doch aufladen. Man wandert ja nicht mehr mit Karte.

Als ich hier oben ankam, hatten manche Bäume noch keine Blätter und auf den Wiesen blühten noch die Schlüsselblümchen und kleine Vergissmeinnicht. Dann regnete es tagelang und es war eher frisch, ich saß morgens mit Wärmflasche am Holztisch und trank meinen Kaffee. Abends machte ich Feuer im Kamin. Dann explodierte der Frühling und die Bäume bekamen Blätter, und die Wiesen wurden bunt und wuchsen, wie überhaupt alles Kraut und Unkraut, quasi über Nacht kniehoch, an manchen Stellen in unserem Garten wuchs es hüfthoch, und ich mähte Schneisen hinein, denn die Enkelkinder von Monsieur haben das letzte Mal, als sie hier waren, Salat und anderes gepflanzt, das soll ich doch bitte gießen.

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K800_DSC02772Wiesensalbei (salvia pratensis)

Wiese

Um aber überhaupt ans untere Grundstücksende zu kommen, musste ich mir erstmal Wege schaffen. Der Salat war natürlich noch winzig klein, teilweise aber schon vom Hirsch weggefressen und der Rest zugewuchert. Gießen allein tat es also nicht. Aber jetzt wachsen die Salatpflänzchen brav (wir werden demnächst eine Salatschwemme haben), anders als die Erdbeeren, die Himbeeren und der Mangold, die ich zwar auch vom Unkraut befreit habe und allabendlich gieße, die aber insgesamt eher schwächeln. Die Johannisbeerernte sieht auch mager aus für dieses Jahr, und nur an den drei kleinen neuen Kirschbäumen hängen erstmals vier bis fünf noch grüne Kirschen.

im Garten

SalatSalat (hirschgeschützt)

Iris

Lilie

Kirschen

Schafe habe ich noch nicht dokumentiert dieses Jahr, dafür verweise ich Sie auf den wundervollen Artikel von Friederike vom Landlebenblog, und wenn Sie wissen wollen, was das Spazierengehen im Grünen so mit einem macht, den Kopf nämlich nicht frei sondern voll, dann lesen Sie mal beim neuen Burgenblogger rein. Ich folge den unterschiedlichen Damen und Herren auf der Burg Sooneck (und den Problemen am Mittelrhein) schon seit drei Jahren, den diesjährigen Burgenblogger (und seine Schreibe) mag ich besonders gern.

Stuhl

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