12 von 12 im Juni 2021

Schon wieder Samstag. Wenig Text heute, aber es geht bei Caro Kännchen ja auch um die 12 Bilder am 12.

1. Frühstück.

2. Monsieur legt eine Morgenpatience, ich sehe die Wahlunterlagen an. Am nächsten Sonntag ist Regionalwahl. Es gäbe dazu viel zu sagen, im Prinzip läuft es auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen von Muselier (gemäßigt rechts) gegen Mariani (der sich mit Marine Le Pen verbünden will) hinaus. Zusätzlich gibt es zwei grüne Grüppchen, zwei weitere rechte und Lutte Ouvrière, die Arbeiter-Partei, die wie immer davon spricht, die Bourgeoisie zu enteignen.

3. Aufräumen. Symbolbild. Von gestern auf heute ist es heiß geworden, ich suche heute zum letzten Mal für lange Zeit Socken zusammen.

4. Vier Farben Rot. Ich warte auf meine Mitfahrgelegenheit. Wir fahren zur Mitgliederversammlung des Deutsch-Französischen Vereins, bei dem ich vor kurzem Mitglied geworden bin.

5. Unterwegs nach und in Nizza. Da ich nicht fahre, kann ich endlich mal Fotos machen; es beeindruckt mich immer, wenn ich auf der hochgeständerten Schnellstraße quasi zwischen den Hausdächern hindurchfahre.

6. Wir kommen im Hotel an, wo wir essen und tagen werden. Was für ein Blick!

7. Erst das Vergnügen … wir essen (hier der Entrée)
8. … dann die Arbeit
9. Danach erneut das Vergnügen: Apéro auf der Terrasse.

10. Blick nach links

11. Wieder zu Hause. Abendessen. Monsieur hat eine Pizza bestellt und selbst abgeholt. Gute Initiative, ich bin nämlich zu platt zum Kochen.

12. Bettlektüre. (Ich wollte immer noch was zur letzten Bettlektüre „Trümmermädchen“ und zu meiner Lektüre überhaupt schreiben, nicht sicher, ob ich das noch schaffe, die Zeit des Schreibens wird wie immer im Sommer eng.) Dieses Buch (Leserinnenempfehlung) hat mich interessiert und dann doch abgeschreckt – noch ein fremdes Land mit einer unbekannten Geschichte; ich weiß von Frankreich noch immer zu wenig, und jetzt soll ich zusätzlich Griechenland und seine Geschichte (im Zweiten Weltkrieg) verstehen? Aber dann hat es mich gepackt – dass eine der Erzählfiguren Engländerin ist, die in Griechenland ähnliches erlebt und fühlt wie ich in Frankreich, hat mir den Einstieg erleichtert.

Danke fürs Anschauen! Die anderen 12 von 12er wie immer hier!

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WMDEDGT Juni 2021

Es ist der 5. und Frau Brüllen ruft an jedem 5. des Monats auf zum allgemeinen Tagebuchbloggen: WMDEDGT kurz für Was machst du eigentlich den ganzen Tag?

Es ist Samstag. Pepita weckt mich: sie scharrt an der Tür und miaut herzzerreißend. Ich blicke aufs Telefon: 7.30Uhr. Ich drehe mich noch einmal hin und her, dann wird Pepitas Verzweiflung unerträglich und ich stehe ich auf und öffne die Tür zum Schlafzimmer. Große Erleichterung bei der Katze. Sie begleitet mich ins Bad. Während ich Pipi mache, trinkt sie in der Badewanne Wasser.

Ich begrüße Monsieur, mache mir Kaffee, die Katze umschnurrt mich miauend und behauptet, sie habe nichts zum Frühstück bekommen. Monsieur behauptet das Gegenteil. Ich glaube in diesem Fall Monsieur. Dann setze ich mich mit Kaffee aufs Sofa und die Katze springt auf meine Knie und lässt sich genussvoll das Winterfell auskämmen. Zumindest fünf Minuten lang schnurrt sie. Dann will sie in Ruhe gelassen werden. Schwupps ist es 8.30 Uhr. Ich schubse sie sanft von meinen Knien.

Ich beginne eine Liste für den Blogeintrag, entschließe mich, es stattdessen sofort in den Blog zu schreiben, sonst wird es mir zu viel abends. Habe eine Mail, die ich lese und dann in Zusammenarbeit mit Monsieur beantworte. Nein, höfliches Schrift-Französisch kann ich immer noch nicht alleine.

8.50 Uhr ich gehe ins Bad. Als ich wieder rauskomme, ist die Samstags-Nathalie schon da. Wir trinken erstmal einen Kaffee zusammen, wie man das hier so macht, und sie erzählt mir ihr Leben. Sie hat viel auf dem Herzen, sie ist aber multitache, sie kann beim Sprechen saubermachen. Ich kann das nicht so gut, stecke aber trotzdem zwischendurch Wäsche in die Waschmaschine und beginne die Morue zu entsalzen. Dann räume ich den Tisch im Eingangsbereich leer. Seit dem Entrümpel-Seminar lasse ich es nicht mehr zum großen Chaos kommen. Anschließend ist die Wäsche dran: Bügelwäsche, Handtücher zusammenlegen, Klamotten aufhängen. Das Bügeln breche ich ab, weil Nathalie das Wohnzimmer saugen und durchwischen will. Wir machen das Bett zusammen (das Dilemma des riesen Deckbetts mit den riesen Bettbezügen, sie erinnern sich). Wir drehen gleichzeitig die Matratze um 180 Grad. So etwas geht nur zu zweit.

11 Uhr, ich gehe in die Küche, tausche das Wasser der Morue zum zweiten Mal aus und mache zunächst die Knoblauchmayonnaise, Aïoli genannt. Das ist eigentlich einfach, gelingt mir aber nicht immer, und ich habe es gern hinter mir, um den Kopf freizuhaben. Auch wenn das Essen, Aïoli, ziemlich simpel ist. Ich glaube, wir hatten es im letzten Monat um dieselbe Zeit auch schonmal. Mayonnaise ist gelungen. Ich hänge die Wäsche auf und bereite das Gemüse, die Kartoffeln und die Eier vor. Das Telefon klingelt, es ist für Monsieur, den ich vom Heimwerken aus meinem Büro (ich habe es zurück, hurrah!) hole. Dort sind feuchte Stellen an den Wänden, die bearbeitet werden wollen. Der Charme des Altbaus, immer bröckelt was ab. Monsieur spachtelt die Wände mit seinem Lieblingswerkstoff PF3. Der muss dann, wenn er abgetrocknet ist, mehrfach abgeschleift werden und staubt dabei alles ein. Ich freue mich schon.

12.15 Uhr Nathalie ist gegangen, Pepita wurde gefüttert. Gefühlt wimmerte sie seit Stunden (vergeblich) die Morue an, deren Wasser ich nochmal wechsele und sie dann dampfgare. Wir essen auf der Terrasse: Aïoli. Köstlich. Die Morue hätte einen vierten Wasserwechsel vertragen, sie ist sehr salzig. Wir trinken etwas mehr. Monsieur trinkt einen Weißwein, der dringend weggetrunken werden muss. Zum Nachtisch gibts die restlichen Erdbeeren von gestern.

Um 13.10 Uhr legt Monsieur sich schon zur Sieste hin. Ich entdecke einen Umschlag mit Fotos (ein Kellerfund) aus dem Eingangstisch und schaue französische Familienfotos von vor meiner Zeit an. Dann lese ich ein bisschen im Telefon herum.

Um 13.40 lege ich mich zur Sieste hin. Ich bin gerade eingenickt, als das Telefon klingelt. 14 Uhr. Frechheit. Ein älterer Herr hat sich verwählt, entschuldigt sich vielmals. Na gut. Ich lege mich wieder hin, aber döse nur noch.

14.25 Uhr stehe ich auf, trinke einen Espresso und mache aus einem Teigrest und vier Aprikosen eine kleine Tarte.

15.20 Die Tarte ist fertig, ist aber noch so heiß, dass sie blubbert. Der Gatte steht auf und sieht von nun an Tennis.

15.30 Uhr ich beschließe, in der kleinen Wohnung einer Freundin, in die ich manchmal geflüchtet bin, um in Ruhe zu arbeiten, meine Sachen abzuholen und den Schlüssel zurückzugeben (ich habe ja jetzt „das Büro“ wieder). Ich finde (ein Dank in den Himmel) einen Parkplatz direkt vor dem Haus (mein linkes Knie ist derzeit quasi außer Kraft, ich laufe nur mühsam). In der Wohnung (mit Balkon und Meerblick) kann ich nicht widerstehen und setze mich einen Moment in die Sonne und lese („Athen, Paradiesstraße“; war eine Empfehlung einer Leserin, nimmt mich, nach anfänglichem Fremdeln, total gefangen). So sitze ich dort auch länger, als ich vorhatte. Zurück fahre ich am Meer entlang, es ist so toll sonnig und blau heute! Und viele Menschen sind unterwegs, auf der Straße genauso wie am Strand. Auf der Straße ist stop and go wie im Hochsommer. Weniger prickelnd.

18.30 Uhr. Ich finde keinen Parkplatz und drehe im Viertel meine Runden (all das erinnert mich an einen Grönemeyer-Song), kaufe erstmal ein Brot und drehe erneut, und siehe da, nicht weit vom Haus ist ein Platz frei geworden. Ich schicke meinen Dank in den Himmel.

18.45 Uhr. Ich esse etwas von der säuerlichen Tarte, beantworte eine Mail, schaue Tennis mit Monsieur und kämme wieder das Fell von Pepita aus, die schon wieder auf meinen Knien liegt.

gegen 20 Uhr klingelt es. Der große Enkel erzählt ein bisschen die Neuigkeiten. Er hat noch eine Prüfung, dann hat er sein Abi, wenn er die Prüfung nicht vermasselt, hat er „mention très bien“, also eine Eins mit Sternchen. Er ist daher auch von zwei Prépa-Schulen angenommen worden (zwei Jahre Pauken für die Vorbereitung auf „grandes écoles“ ; das ist Teil des sehr eigenartigen französischen Ausbildungs-Systems) – und hat sich für die „Prépa“ in Nizza entschieden, weil sie den Weg zu „besseren“ Universitäten „grandes écoles“ öffnet (ich versuche es für Deutsche normalerweise mit dem Unterschied zwischen Universitäten und Fachhochschulen zu erklären, aber es ist eigentlich nicht vergleichbar). In Nizza hat er sich heute für ein Zimmer in einem Wohnheim eingeschrieben. Also, er bekommt sicher ein Zimmer, er weiß nur noch nicht welches.

20.30 Uhr wie essen Reste von heute Mittag, dazu Baguette mit Schinken und Käse, und zum Nachtisch etwas von der Tarte.

21 Uhr. Wir sehen (mit der Katze auf den Knien) einen Film von Yann Arthus Bertrand: Legacy. Kennen Sie vielleicht schon. Wenn nicht, schauen Sie ihn an. So schön und so schrecklich, obwohl wir das eigentlich alles schon wissen. Mich hat am meisten erschüttert, dass die kilometerlangen Mandelbaumplantagen in Kalifornien mit aus Australien eingeflogenen Bienen, bestäubt werden, weil es nicht genug Bienen in Kalifornien gibt. Was für ein Wahnsinn. Leider sterben ganz viele Bienen bei dem Transport. Macht nix. Nächstes Jahr nehmen wir frische.

Und hier der Grönemeyer-Song, der mir nicht mehr aus dem Kopf geht.

So viel von hier. Der 5. ist gleich rum. Danke fürs Lesen. Die anderen Tagebuchblogger finden Sie wie immer bei Frau Brüllen.

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Der Süden ist blau

Seit gestern ist die Außengastronomie in Frankreich wieder geöffnet und der Einzelhandel darf auch wieder Kunden empfangen! Hurra! Gestern aber bin ich nur kurz um die Mittagszeit durch die Innenstadt geeilt, um mir bei der Rheumatologin eine Spritze in den linken Arm geben zu lassen, danach war ich schlagartig müde, der Arm links schien gefühlt doppelt so dick und doppelt so schwer. Ich hatte also nicht mal Lust auf einen Café in einem Café, von Shopping wollen wir gar nicht reden, ich schleppte mich nur noch zur Apotheke, um für das rechte Handgelenk eine Schiene zu bestellen. Schiene heißt das vielleicht nicht auf Deutsch, aber das richtige Wort will mir gerade nicht einfallen une orthèse souple auf Französisch. Sie wissen schon. 48 Stunden solle ich nichts tun, sagte sie noch. Weder etwas tragen, noch Autofahren, noch tippen! Konnte ich auch nicht mehr. Ich ging früh ins Bett. Heute ist es besser, aber Wunder gibt es nicht, der Arm tut anders weh und die Schulter schmerzt deutlich mehr. On verra.

Aber heute! Heute haben wir einen Tisch im Lieblingsrestaurant Le coup de fourchette in Théoule bestellt. Ein kleines, unprätentiöses Restaurant im Bistrostil, leider auf der Schattenseite der Straße gelegen und ohne Blick, aber es wird geführt von sehr herzlichen Menschen und sie kochen sehr fein! Dort fuhren wir also hin, das Wetter war besser als gestern, sonnig und nur wenig Wind. Der Empfang war so herzlich, wir haben uns so gefreut, uns gegenseitig wiederzusehen, wir wären uns gerne um den Hals gefallen. Aber nein, keine bises, das dann doch (noch) nicht.

Es gab als amuse bouche kleine geröstete Brotscheiben mit selbst gemachter Tapenade. Einfach und lecker. Monsieur wählte ein Filet de Boeuf (Rinderfilet) mit Fritten und ich ein Filet de Morue auf Artischocken und grünem Spargel. Beides köstlich. Ich konnte es allerdings nicht aufessen, weil ich nämlich noch ein Dessert wollte. Und einen Café :D

Rundherum in allen Restaurants saßen Menschen und alle strahlten mit der Sonne um die Wette! So viel Freude, so viel Erleichterung war spürbar. Auf dem Rückweg, da ich ja nicht fahren durfte (der Arm!), knipste ich aus dem fahrenden Auto und ich heulte fast, so berührt war ich heute von diesem Blau, diesem flirrenden Sonnenlicht, dieser erleichterten und leichten Atmosphäre, alles sah so hell, so frisch und so froh aus. Wie frisch geputzt. Das erinnert mich gerade an den Osterspaziergang des werten Herrn Goethe: „sie sind alle ans Licht gebracht“. Was für ein wundervoller und blauer Tag!

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12 von 12 im Mai 2021

12 Bilder vom 12. Sie wissen schon. Heute mit wenig Text.

1. Frühstück.

2. Zeitung lesen: die Agenda der Wiedereröffnung. 19. Mai, 9. Juni, 30. Juni … dann soll fast alles wieder geöffnet und möglich sein.

3. Ich war kurz auf dem Markt. Vergaß aber, Bilder zu machen. Dies ist ein Bild, das helfen soll, das Auto wiederzufinden. Wir haben keinen Stellplatz und parken immer irgendwo im Viertel. Manchmal fährt man eine Viertelstunde herum und zwei Tage später weiß keiner mehr, wo wir eigentlich stehen. (Geplant ist, einen Umgebungsplan an den Kühlschrank zu pinnen und zwei kleine Magnete – wir haben nämlich zwei Autos. Ja, es geht auch mit Google Maps, aber wir haben nur ein Handy und zwei Autos).

4. Markteinkauf. Superfrische Artischocken! Ich war aber auch beim Tiefkühlsupermarkt (nicht im Bild)

5. Irgendwie fiel mir dazu „Blinde Katharina“ von Klaus Hoffmann ein: „Sie wollen auch im Winter nur ans Licht, nur ans Licht“. Ich mache Kartoffelpürree.

6. Premiere! Erster Tag draußen gegessen! Wir hatten schon mehrfach den Hof und Tisch und Stühle sauber gemacht, aber dann war zu viel Wind, oder das Sonnensegel hing noch nicht, oder es regnete wieder. Es gab die frischen Artischocken zum Entrée (roh, ohne Bild, aber Sie können hier nochmal nachschauen, wie man sie isst), dann Kalbsleber mit Kartoffelpürree (inspiriert von Uschi), etwas wässrige Erdbeeren zum Nachtisch (klar, es hatte tagelang geregnet).

7. Später kam wieder Wind auf. Das Sonnensegel fliegt fast davon.

8. Cheesecake in the making. Morgen gibt es eine Überraschungsparty zu einem runden Geburtstag, jede(r) bringt etwas mit. Ich mache Cheesecake (mit Mangocoulis dieses Mal, da die Erdbeeren keinen Geschmack haben).

9. Tee-time. Auf den Butterkeksen stehen liebe Sachen. Ich musste sie kaufen :-)

10. Ich mache auch eine Zwiebeltarte.

11. Schon ist der Tag rum. Ich dusche und wasche mir den Küchendunst aus den Haaren. Aber erst bekommt Pepita Wasser. Sie trinkt fast ausschließlich fließendes Wasser.

12. Bettlektüre.

So viel von hier. Die anderen 12 von 12er wie immer bei Frau Kännchen.

13. Zugabe: ich versprach an anderer Stelle dieses Rezept für gefüllte Artischocken, das nun hinter einer Paywall steckt.

Ich fürchte, es ist etwas unscharf.

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Le Cheesecake

Der Cheesecake also. Und nein, Cheesecake ist kein Käsekuchen. Ich war die längste Zeit meines Lebens ein großer Käsekuchenfan, aber das hat sich in den letzten Jahren unmerklich verändert. Frankreich mit seiner verfeinerten Küche hat mich wohl „verdorben“, anders kann ich mir nicht erklären, dass ich neuerdings quasi von jedem in Deutschland gekosteten Käsekuchen enttäuscht bin. Und auch wenn meine elsässischen LeserInnen mich hassen werden, elsässischer Käsekuchen, den ich zwischenzeitlich gebacken habe, auf der Suche nach dem verlorenen Geschmack, ist (für mich) noch enttäuschender. Zu fluffig und gleichzeitig trocken und sehr fade. Cheesecake aber, boah, was für ein Konsistenz-und Geschmackserlebnis! Seit ich diese cremige Variante zum ersten Mal in einer der überteuerten Coffeeshop-Ketten gegessen habe, bin ich angefixt. Ihn selbst zu machen, habe ich lange nicht gewagt. Zu kompliziert las sich das Rezept mit Wasserbad und der komplizierten Backanleitung. Letztlich habe ich es zu einem der Kindergeburtstagsfeste, zu dem jede „Großmutter“ immer einen besonderen Kuchen backt, gewagt, geschafft! Und es war ein Erfolg!

Ich gebe Ihnen hier ALLES, was ich gelesen und gemacht habe. Zunächst, damit Sie wissen, auf was Sie sich einlassen und um mal den Unterschied zwischen American Cheesecake und New York Cheesecake (denn ja, es gibt einen!) herauszuarbeiten, können Sie hier hineinlesen. Ausführlicher und expliziter geht es nicht. Ich mache es im Prinzip wie die Autorin, ich nehme den Keksboden des American Cheesecake und die Füllung des New York Cheesecakes (wobei das in den meisten Rezepten ohnehin so gehandhabt wird).

Den ersten Cheesecake (23er Springform) für den Kindergeburtstag habe ich nach diesem englischen Rezept gebacken (gelungen, kein Foto). Das Rezept, das mich damals dank seiner Schlichtheit angesprochen hat, meint, es las sich nicht so kompliziert, habe ich dann später nicht mehr gefunden (erst beim Entrümpeln und Rezepte ordnen dieses Frühjahr!) und zwangsläufig andere ausprobiert.

Im weitesten Sinn folge ich heute nun diesem ästhetischen und angenehm sprachlosen Video (So gemacht an Ostern, kein Foto vom Ergebnis). Die Rezeptmenge entspricht einer kleinen Springform (18mm Durchmesser).

Hier verschriftlicht:

Backofen vorheizen auf 180°C.

Keksboden: 120g trockene Kekse zerkrümeln, mit 60g geschmolzener Butter vermischen, auf den (mit Backpapier ausgelegten) Boden der Springform drücken (ich: 10 Minuten bei 180°C vorbacken).

Crememasse: 400g Philadelphia mit 120g Zucker verrühren, 200g Crème fraîche dazugeben und wieder rühren, 150g Schlagsahne (flüssig) dazugeben, unterrühren. 2 ganze Eier dazugeben, verrühren. 2 Tl Maizena (gesiebt), Vanille (Extrakt), etwas Zitronensaft. Alles vermischen. Die Masse in die ausgekühlte Form (Seiten mit Backpapier „beklebt“) geben. Die Springform in eine größere flache Form geben und diese mit heißem Wasser auffüllen (dabei darauf achten, dass das Wasser (auch beim Blubbern) nicht über den Rand Alufolie steigt! sonst dringt Wasser in die Springform) 30 Minuten backen, dann Temperatur auf 150°C Grad senken. Weitere 30 Minuten backen. Und ACHTUNG die Torte NICHT aus dem Ofen nehmen, sondern mindestens eine Stunde im geschlossenen Ofen lassen, dann den Ofen etwas öffnen (das langsame Auskühlen verhindert, dass die Torte „reißt“). Wenn der Ofen kalt ist, den Kuchen rausnehmen, wenn er richtig ausgekühlt ist, mindestens sechs Stunden in den Kühlschrank (oder über Nacht).

Himbeercoulis: 200g (tiefgefrorene, aber aufgetaute) Himbeeren, 40g Zucker, ein paar Tropfen Zitronensaft und 1 El Wasser kurz aufkochen, dann durch einen Sieb streichen. Je länger man den Himbeerbrei durch den Sieb streicht, desto dickflüssiger wird der Coulis. Den Coulis kurz vor dem Servieren über die Torte geben, eventuell mit frischen Himbeeren zusätzlich verzieren.

Hier der (letzte) Original-Backzettel für den Cheesecake, den ich an Ostern gebacken habe (Torte nicht dokumentiert). Sie sehen, wie es in meinem Kopf französisch-deutsch zugeht und verzeihen mir die Fehler.

Welche Kekse für den Keksboden: Ich habe einmal die von mir sehr geliebten Ginger Nuts (Ingwerkekse) verwendet, fand den Ingwergeschmack dann aber als dritten Geschmack (Creme, Himbeercoulis, Ingwer) störend und unangenehm dominant. Mit (belgischen) Spekulatius, die es hier ganzjährig gibt, passt es für mich um die Weihnachtszeit ganz gut (der erwähnte KIndergeburtstag ist im Dezember). Ansonsten würde ich es mit neutralen trockenen Keksen (Butterkekse/Haferkekse) machen. Ich backe den Keksboden vor, sonst wird er (mir zu) weich, ich finde es feiner, wenn er eine leichte Knusperkonsistenz hat. Er wird zwar trotzdem weich, wenn er mit der Crememasse im Wasser badet und bäckt, aber nicht „zu“. Probieren Sie es aus und machen Sie es, wie es Ihnen beliebt.

Welche Cremezutaten: Je nachdem, welche(n) und wieviel Frischkäse und Crème fraîche Sie nehmen, wird die fertige Torte mehr oder noch mehr cremig und saftig. Crème fraîche gibt es hier (wie alles) in allerlei unterschiedlichen Varianten. Ich nehme Philadelphia Frischkäse, dazu eine eher dicke, beinahe schnittfeste, buttrig aussehende Crème (in Deutschland ist es vielleicht Schmand oder Mascarpone), und Schlagsahne. Die große Torte (23er Springform) habe ich damals nur mit viel Frischkäse und etwas Crème fraîche gemacht (ohne Schlagsahne): war auch lecker. Ich habe auch einmal diese Variante mit Ricotta ausprobiert, sie wird etwas weniger saftig (man spürt die Konsistenz des Ricotta), aber durchaus auch lecker. Probieren Sie es aus, und nehmen Sie, was Sie haben oder kriegen.

750 gr Crememasse ergibt eine recht hohe Torte; man kann es auch mit 500 – 600 gr Crememasse machen. Wird entsprechend weniger hoch, ist leichter zu schneiden (die abgebildete Torte war das Ergebnis des Ricottarezepts mit etwa 500g Crememasse). Eine kleine Torte reicht trotzdem überraschend für (mindestens) sechs Nachtischportionen (sie ist sehr mächtig).

Wichtig: Am besten „überbreite“ Alufolie (zumindest für die 23er Springform) und eher eine feste Qualität verwenden, außerdem kreuzweise verwenden, damit beim Backen im Wasserbad kein Wasser in die Springform gelangt.

Auch wichtig: den Boden der Springform und die Innenseiten mit Backpapier auslegen (die Seiten mit flüssiger Butter „ankleben“), die Torte lässt sich so leichter aus der Form nehmen; sie bleibt sonst leicht am Boden kleben.

Viel Erfolg! Ansonsten ist es natürlich wie mit allem: Übung macht die Meisterin (Männer sind mitgemeint).

Zuguterletzt eine Zugabe: Wenn Sie in der patisserie fortgeschritten sind und den Cheescake schon lange mit links backen, dann gebe ich Ihnen diesen Link zu Maren Lubbe. Da gibt es nicht nur außergewöhnliche Cheesecakes, sondern auch eine Mimosentorte (ich wollte das schon viel früher verlinkt haben, das denken Sie sich!) und andere perfekte und außerdem perfekt fotografierte Torten und Törtchen.

Und: Hier ist heute wieder ein Feiertag. Ich wollte dieses Jahr eigentlich eine Literaturliste veröffentlicht haben mit (einigen) der Bücher, die ich für „Lange Schatten über der Côte d’Azur“ gelesen habe. Vielleicht schaffe ich es heute noch. Wenn nicht, nehmen Sie noch einmal vorlieb mit dem Text vom letzten Jahr.

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WmdedgT Mai 2021

Ich nutze das heutige Tagebuchbloggen, um alles zu erzählen, was so los ist, damit ich Ihnen dann im näxten Artikel das Cheesecake-Rezept geben kann – das schulde ich Ihnen tatsächlich noch, ich hatte es total vergessen. Danke für die freundliche Erinnerung! Kommt, versprochen, gleich als nächstes. Heute aber ist Tagebuchbloggen dran.

Gegen 7 Uhr werde ich wach, beschließe, dass ich heute zur Blutabnahme gehe. Nüchtern ist das Wort der Stunde. Heute schaffe ich es ohne Kaffee. An anderen Tagen ist das schwieriger. Auf dem Weg zum Labor tagträume ich von einem Café crème in dickwandiger Kaffeetasse und einem pain au raisin und das alles am liebsten sitzend in einem Straßencafé. Bei uns ist seit dieser Woche eine leichte Öffnung erfolgt. Wir haben die famosen Inzidenzzahlen, die denen in Deutschland nicht unähnlich sind, nur kommen wir von dramatischen 700 und machen bei niedrigen 200 jetzt auf, während Deutschland wieder alles schließt. Ich merke mir das aber alles nicht mehr, wer was und ab wann darf. Ich hoffe daher naiv auf geöffnte Straßencafés, denn gestern waren Bilder von geöffneten Cafés und Restaurants in der Zeitung zu sehen. War aber in Italien.** Ich finde dann bei uns auch keines, laufe extra die Rue Hoche [sprich: Rüüh ‚osch] entlang, die „Fressgasse“ von Cannes, hier reiht sich ein Café und ein angesagtes Restau ans andere. Ist aber so gut wie alles geschlossen.

Es ist auch erst kurz nach Acht, aber es sieht nicht so aus, als würden sie heute noch öffnen. Stattdessen wird viel gehandwerkt und es ist laut. Ganz hinten sieht ein Laden mit einem to-go-Angebot ganz einladend aus. Ich sage den Namen nicht, aber ich habe gestern morgen einen Becher dieses, unter jungen Menschen angesagten, Ladens am Strand gefunden.

Strandfund

Ich beschließe, dieses to-go-Angebot anzunehmen, denn in der Zwischenzeit habe ich richtigen Hunger und will endlich Kaffee. Etwas hat sich in den letzten Monaten geändert, wenn ich Hunger habe, dann will ich etwas Richtiges essen. Kein Cookie und auch keinen Muffin. Pain au raisin gibt es hier in diesem coolen Laden ohnehin nicht. Ich bestelle also einen Lachs-Cremecheese-Avocado-Bagel. Ich muss draußen am Stehtisch darauf warten. Zunächst bekomme ich den Kaffee – in diesem freundlichen Pappbecher – und verbrenne mir gleichmal die Zunge, so heiß ist der Kaffee. Vom Bagel schaffe ich später nur die Hälfte. Die andere Hälfte wird vermutlich mein Abendessen. Ich nippe immer Mal am Kaffee, er ist aber immer noch so heiß und meine Zunge ist jetzt so empfindlich und das bisschen, was ich an Geschmack mitkriege, ist nicht berauschend. Ich bräuchte mehr Zucker und/oder mehr Milch und trage also den halbvollen Becher und den halben Bagel in der Papiertüte herum und verstehe nun, wie es dieser Becher bis zum weit entfernten Strand am anderen Ende von Cannes geschafft hat.

Auf dem Heimweg kaufe ich im teilweise geöffneten Monoprix ein extrem überteuertes deutsches Körperöl und in der geöffneten Lebensmittelabteilung im ersten Stock Milch und Erbeeren. Beim dänischen Coffee-Shop nehme ich ein Vollkornbrot mit und denke, dass ich meinen Steh-Kaffee im Pappbecher besser hier getrunken hätte. Die Becher sind größer, die Milch ist schaumiger, der Kaffee vermutlich besser und das Ambiente freundlicher. Nun gut.

Gegen zehn Uhr bin ich wieder zu Hause und vermische den jetzt kalten Pappbecherkaffee mit etwas frischem homemade Kaffee, Milch und Zucker und trinke ihn, während ich hier anfange zu schreiben.

Zwischendurch gucke ich immer mal ins neue Telefon; das alte wollte (vermutlich Spätfolgen des Sturzes ins WC) die Akkuladung nicht mehr halten und brauchte außerdem Stunden, um sich wieder aufzuladen; weshalb ich jetzt doch das neue Telefon, das ich ja eh gekauft hatte, aktiviert habe: ganz alleine übrigens! Hat mich nur etwa zwei Tage gekostet, bis alle Konten wieder miteinander sprachen, aber ich hab es hingekriegt ohne die Hilfe des angeheirateten Enkels, der sowieso nicht mehr lang da sein wird, um bei solchen Dingen zu helfen. Ich hatte meine liebe Mühe, denn ich bin mit dem Chinesen-Handy in den wirtschaftlichen Konflikt zwischen China und die USA geraten: Google hat für die chinesischen Handys nämlich den Zugang zu ihren Diensten gesperrt und das Handy wollte mir nun stets die chinesischen Konten und Dienste einrichten. Ich war ein bisschen verzweifelt und ärgerte mich, dass ich kein anderes, etwa ein gebrauchtes koreanisches Handy gekauft hatte (neu ist mir das alles zu teuer), ich wollte es schon wieder zurückschicken, sah aber auf der Verpackung den Hinweis, dass der Zugang zu Google möglich sei (es ist ein Handy für den Export). Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, wie ich es letztlich geschafft habe, aber es ging, und hat, wie gesagt, nur zwei Tage gedauert, bis ich alles soweit verstanden habe *ächz*

Schon ist es halb Zwölf. Wir warten eigentlich auf Handwerker, die, obwohl gestern noch vollmundig zugesagt, nicht kamen. Wir telefonieren deshalb ein bisschen hin und her. Ich beginne in der Küche mit den Vorbereitungen fürs Mittagessen, schwupps, sagen sich die Handwerker an, sie seien gleich da, heißt es. Also lasse ich die Töpfe sein. Nur die Katze bekommt schon Futter, damit sie aufhört vor dem Schrank zu jammern. Ich würde gerne im Hof essen, die Sonne scheint, aber es ist zu windig.

12.24 Uhr kommen die Handwerker. Um diese Uhrzeit? Essen die nicht? frage ich verständnislos. Corona verändert alles, sogar die heilige Mittagspause von französischen Handwerkern. Monsieur verständigt sich mit den Herren, ich gehe wieder in die die Küche.

13.00 Uhr können wir essen. Monsieur isst eine Artischocke (roh mit Vinaigrette) als Vorspeise. Ich habe immer noch keinen richtigen Hunger (Milchkaffee um halb elf ist lange sättigend!) und esse keine Vorspeise. Dann gibts ein Stück Bavette (langfaseriges Rindfleisch, Flanksteak), geteilt für zwei, mit Gnocchi. Danach Erdbeeren mit Zucker und Creme fraîche. Die Handwerker machen Lärm. Das Telefon klingelt. Wir haben die Wohnung der Schwiegermutter (dem Himmel sei Dank, so gut wie) verkauft, aber jetzt müssen alle „diagnostics“ neu gemacht werden, also man muss nachweisen, dass Gas- und Stromleitungen normgerecht sind und funktionieren, dass kein Asbest verbaut wurde und solche Scherze; das haben wir vor zwei Jahren schon einmal gemacht, das Ganze ist aber nur sechs Monate gültig und muss jetzt wiederholt werden; ganz neu dabei ist jetzt, dass wir nachweisen müssen, dass das WC ordnungsgemäß über Rohre an die Abwasserkanalisation angeschlossen ist. Dafür brauchen wir einen weiteren Termin mit einem zuständigen Experten. Kosten: 160 Euro.

13.35 Uhr Monsieur macht trotz der lärmenden Handwerker seine Sieste. Ich schreibe hier.

14 Uhr bekomme ich eine SMS, dass Monsieur anderswo anwesend sein soll, weil dort die verstopften Abwasserleitungen gereinigt werden. Ich wecke ihn und er bricht umgehend auf. Durch die geöffnete Haustür höre ich das Radio des verbleibenden Handwerkers, anscheinend hört er Radio Nostalgie. Dalida singt Bambino (ich nehme vorweg, dass mir das den ganzen restlichen Tag im Kopf bleibt). Ich lege mich kurz hin.

„Kurz“, glaube ich. Um 14.55 Uhr weckt mich das Telefon. Es ist einer der Immobilienmakler, der es gar nicht glauben kann, dass wir es ohne ihn und seine KollegInnen geschafft haben, die Wohnung zu verkaufen. Immerhin beglückwünscht er uns. Ich mache mir einen Kaffee und setze mich an den PC. Arbeiten kann ich immer nur, wenn niemand etwas von mir will. Mal sehen, wie lange es geht.

15.25 Uhr Monsieur ist zurück und berichtet. Das Telefon klingelt schon wieder. Ein anderer Immobilienmakler. Same same but different.

Ich arbeite etwa anderthalb Stunden halbwegs konzentriert. Schreibe ein paar Sätze und suche zum x-ten Mal Informationen über Handfeuerwaffen. Schießen ist mir so fern, dass ich mir nichts merken kann und es mir bei Bedarf immer wieder anlesen muss.

17.10 Uhr ploppen meine Blut-Ergebnisse auf. Die muss ich natürlich sofort ansehen. Ich koche uns einen Tee, die Katze bekommt ein paar Brekkies in ihren Ball gesteckt, und dann versuche ich zu verstehen, was da alles steht. Am eklatantesten ist ein Vitamin D-Mangel, was mir beim besten Willen nicht in den Kopf will, noch nie habe ich so viel Sonne gehabt. Nun gut, dafür gibt es Präparate.

17.30 Uhr Monsieurs Tochter kommt und will dieses und jenes wissen. Hier wird ein runder Geburtstag (nein, nicht meiner und nein, auch nicht der von Monsieur) geplant. Es soll ein Überraschungsfest werden.

Als sie geht, setzt Monsieur sich an seinen PC und spielt Bridge, ich lese und schreibe bis kurz nach Sieben. Schon wieder kommen die Tochter und jetzt auch der Schwiegersohn. Es geht um eine schlecht durchgeführte Heizungsinstallation in einer Wohnung. Es wird technisch und ähm, sagen wir lebhaft.

Ok. Schluss für heute. Abendessen: Ich esse meine zweite Bagelhälfte, leicht erwärmt immer noch lecker. Für Monsieur gibts schnell angebratene ganz junge Zucchini mit etwas von gestern übrig gebliebenem Reis, Baguette, Käse und einen Apfel.

Bügelwäsche liegt auch herum. Das wird wohl meine Abendbeschäftigung vor dem TV. Es gibt eine Komödie mit Fanny Ardant: Les Beaux Jours. (Ich hoffe, Sie haben nicht so eine bescheuerte Werbung vor dem Trailer wie ich hier, man kann sie aber nach 5 Sekunden auch überspringen.)

** Nachgeschaut: In Frankreich entfällt seit Vorgestern die 10 bzw. 30 km Regel, wir dürfen jetzt also wieder überall hinfahren, müssen aber um 19 zu Hause oder zumindest „drin“ sein! Sperrstunde zwischen 19 Uhr und 6 Uhr bleibt! Die Außengastronomie wird voraussichtlich erst am 19. Mai wieder geöffnet.

Keine Außengastronomie

Danke fürs Lesen. So war der Tag. Ich werde ihn bei Frau Brüllen verlinken, der treuen Verwalterin des WmdedgT-Dings. Dort finden Sie auch alle anderen TagebuchbloggerInnen.

Als Zugabe bekommen Sie ein bisschen aktuellen People-Klatsch: George Clooney nebst Gattin und Kindern will sich bei Brignoles im Département Var ein Haus kaufen. Nein, natürlich nicht nur ein Haus. Ein Anwesen. Mal sehen, ob sie es anders machen als Brad Pitt und Angelina Jolie, die samt ihrer Kinder wieder verschwunden sind. Sie wohnten auch ein paar Jahre lang im Var (nicht weit davon lebten übrigens auch Johnny Depp und Vanessa Paradis mit ihren Kindern); wenn Sie aber glauben, dass Angelina und Brad sich für Frankreich oder für ihre Gemeinde interessiert hätten oder sich von den umliegenden Erzeugern hätten beliefern lassen oder gar, dass Angelina ihren Ziegenkäse und die Tomaten für ihre reizende Kinderschar auf dem Markt selbst eingekauft hätte, dann haben sie sich getäuscht. Man lebte den american way of life, und Frankreich liegt einfach nur in der Mitte von Europa und ist daher ein zentraler Wohnort, um schnell mal hierhin oder dorthin zu jetten. Möglicherweise lag es an zu viel leckerem Rosé, den Brad Pitt und Angelina Jolie übrigens trotz Scheidung noch immer gemeinsam (mit-)produzieren, dass die Ehe in die Brüche ging. Angeblich hatte man George Clooney und Quentin Tarantino seinerzeit nicht zur Hochzeit Pitt-Jolie eingeladen, weil beide zu viel Alkohol konsumierten und sie einen schlechten Einfluss auf Herrn Pitt hatten. Hat aber nix gebracht. Die Bäckersfrau in Brignoles bekommt leuchtende Augen hinter ihrer Maske, bei der Vorstellung George Clooney ein Baguette zu verkaufen, und der Bürgermeister hofft, dass die Neubürger den amerikanischen Tourismus wieder ankurbeln mögen. Bei Clooneys gibt es wohl auch ein paar Hektar Weinanbaugebiet. On verra.

Das Lied zum Thema :-)

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Meine Story in der „Meins“

Für den Fall, dass Sie die Zeitschrift nicht gefunden haben, hier zumindest die Fotos, die Geschichte kennen Sie ja schon. Die Suche nach den Fotos gestaltete sich schwierig, damals gab es noch keine Smartphones und man machte noch nicht ständig Fotos von sich und allem und jedem. Digital war vor 15 Jahren noch ganz jung, man machte aber noch Papierabzüge und speicherte seine Fotos auf CD’s ab. Ich habe aber trotz meiner Rümpel- und Aufräumarbeit nicht mehr alles gefunden (ich fuhr sogar extra zur Garage, wo meine Sachen untergestellt sind und schleppte Kisten mit Fotos und Briefen und Papieren nach Hause), und die meisten Fotos von „früher“, die ich auf einer externen Festplatte gespeichert hatte, gingen vor ein paar Jahren verloren, als dieses Festplattenkästchen herunterfiel und sich nicht mehr öffnen ließ. Das Wühlen in all den Fotos, die ich bei der Gelegenheit geordnet habe, stimmte mich sehr sentimental. Vielleicht zeige ich demnächst nochmal das eine oder andere Fundstück, das es nicht in die Zeitschrift geschafft hat. Danke auch an alle Freunde und Freundinnen und manche Mutter, die in ihren Fotosammlungen so schnell und fleißig mitgesucht haben.

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WmdedgT – außer der Reihe

Ups, hier hat sich schon wieder alles verändert, kaum dass man mal updatet. Es ist zum Mäusemelken. Sagt man das noch in Deutschland? Alles ändert sich, auch die Sprache. Gerade die Sprache. Eigentlich müsste ich viel dringender etwas anderes schreiben, so fangen sie ja meistens an meine Blogbeiträge, aber gestern war so ein Tag, an dem ich Sie dann doch teilhaben lassen möchte, vor allem, weil der Text sich in meinem Kopf gerade schon so schön gefügt hat.

Wie Sie sich vielleicht erinnern, hatte ich letztes Jahr kurz vor Weihnachten Schmerzen überall, links im Oberarm, rechts im Unterarm, vom Rücken wollen wir gar nicht reden. Ich dachte, das gibt sich wieder, ein paar Massagen, kleiner Besuch beim Ostheopathen, etwas Ruhe. Hatte ich alles. Gut, das mit der Ruhe war vielleicht etwas relativ, aber tatsächlich habe ich zwischen den Jahren zwei von drei Puzzles gelegt. Das ist ja so das, was man mit Ruhe und Entspannung verbindet. Oder nicht? Gut, hat alles nix gebracht, oder zumindest nix wirklich Entscheidendes. Jetzt also gabs mal Ultraschall und Röntgen und dergleichen auf Arm und Gelenke und zumindest für den Oberarm links ist klar, es ist mehr als nur eine kleine Verspannung, es ist eine komplizierte Sehnen- und Sehnenscheide- und Schleimbeutelentzündung und da hilft alles nix mehr, da brauchts jetzt eine infiltration, das heißt auf Deutsch glaube ich ganz genauso. Spritze rein, meint das. Bei einer Sportärztin und Spezialistin, die auch Monsieur schon Spritzen in die Knie gehauen hat, mit recht gutem Langzeit-Ergebnis.

Französische Ärzte und Ärztinnen haben in der Regel keine Arztsekretärin und auch keine Arzthelferin (hier müsste man eigentlich auch gendern, gibt es Arztsekretäre und Arzthelfer?) sie machen alles selbst, den Papierkram und auch die Terminvergabe; auf dem Land gibt es in der Regel gar keine Termine (man meldet sich nirgends an, sondern fährt hin, setzt sich ins Wartezimmer und wartet), weshalb es Ihnen passieren kann, dass Sie, wenn Sie nach einer nicht nur gefühlt langen Wartezeit im Wartezimmer endlich das Arztzimmer betreten haben, und kaum dass Sie ihm oder ihr Ihr Leid geklagt haben, das Telefon klingelt und der Arzt oder die Ärztin ganz selbstverständlich drangeht und vielleicht einen Termin vergibt oder irgendetwas mit anderen leidenden Menschen bespricht. Mich hat das lange irritiert, oft auch genervt. „Hallo! Ich bin doch jetzt hier!“, habe ich natürlich nie gesagt, aber gedacht. Meine neue fabelhafte Hausärztin hat sich hingegen eine Arztsekretärin geleistet, ein echter Mensch, den man anrufen kann, der einen wiedererkennt und Termine vergibt. Die sitzt zwar nicht im Vorzimmer der Ärztin, sondern irgendwoanders und vielleicht sogar im homeoffice, es klappt aber alles ganz prima und man wartet auch so gut wie nie. Ruft man bei der Schulter-Spezialistin an, wird man auf dem Anrufbeantworter streng ans Internet verwiesen und dort auf die Seite doctolib. Dort werden Termine vergeben und alles andere regelt sich dort auch. Sollten Sie mit dem Internet nicht so fit sein, dann haben Sie leider Pech gehabt, es gibt keinerlei Möglichkeit die Spezialistin anderweitig zu erreichen. Monsieur, den das ganze Internetgedöns nervt, überträgt derlei Aufgaben gern an mich. Monsieur hat auch schon ein Konto bei der besagten Spezialistin, ich aber nicht. Ich will ein solches also einrichten und gebe wahrheitsgemäß an, dass es mein erster Besuch ist und bekomme daher einen Termin gefühlt Ende des Jahres zugewiesen. Dabei spritzt die Dame täglich im Viertelstundenrhythmus – so viele Einwohner, die Infiltrationen brauchen, kann Cannes gar nicht haben. Daraus könnte man sicher eine schöne Textaufgabe für homeschoolkids machen. Egal, ich mache ein Häkchen, dass ich damit einverstanden bin, kurzfristig dranzukommen, wenn jemand den Termin absagt zum Beispiel. Dann gebe ich meine Mobiltelefonnummer ein. Pflichtfeld. Das System blockt. „Dieses Telefonnummer ist bereits vergeben. Bitte geben Sie eine gültige Mobiltelefonnummer an.“ Klar, ist die Nummer schon vergeben. Der Gatte, der kein Mobiltelefon hat, bekommt bei diesen Gelegenheiten immer meine Nummer, was mich mehr und mehr zu seiner Sekretärin macht, denn alle SMSen für ihn kommen auf meinem Handy an. Ich suche eine Möglichkeit, das auf der Seite zu erläutern: geht nicht. Ohne Mobiltelefonnummer gehts bien evidemment gar nicht, mit der bereits vergebenen Nummer auch nicht. Nächster Versuch: Ich tue so, als bräuchte ich einen Termin für Monsieur, öffne sein Konto (suche lange und mühsam sein Passwort, das eigentlich ganz leicht ist, immer denke ich, dass ich genial leichte Passworte habe, aber ich kann mich schon fünf Minuten später nicht mehr daran erinnern) und kann dort tatsächlich eine zweite Person eingeben, ah, jetzt ja! denke ich und glaube, das System verstanden zu haben. Denkste. Bei der Telefonnummer blockt es wieder. Das ist „Ihre“ Telefonnummer wendet sich das System an den vermeintlich vor dem Rechner sitzenden Monsieur. „Bitte geben Sie eine Telefonnummer ihres Familienmitglieds an“. Es gibt kein Kästchen, in dem ich erklären könnte, das wir eine Art Familienhandy haben oder ein geteiltes Ehepartnerhandy. Ehegattensplitting fällt mir als Wort ein. Gibt es das noch? Wie auch immer. Es geht nicht. Wie macht man das bei kleinen Kindern, frage ich mich? Kauft man schnell jedem Kind ein Telefon? Ich will das gar nicht zu Ende denken. Letztlich buche ich einen Termin für Monsieur, kann aber bedauerlicherweise nicht zu der Anfangseingabe zurück, um nun auch „Ich bin eine neue Patientin“ in „Ich bin bereits Patient und will verdammt nochmal einen früheren Termin haben“ zu wechseln. Monsieur hat jetzt also einen Termin für seine komplizierte Sehnenentzündung in meinem linken Oberarm und wir müssen vermutlich zu zweit hin, um das alles zu erklären. Ich hoffe, dass danach noch Zeit ist, damit Frau Doktor schnell eine Spritze in mein Schultergelenk pieksen kann und wir nicht erneut einen Termin machen müssen.

Das war die gestrige Vormittagsbeschäftigung. Wenn wir schon dabei sind, mache ich mit dem Kühlschrank weiter, denke ich, um ein für alle mal diese nervigen „Bitte richten Sie ein Konto ein“-Geschichten hinter mich bringen. Diese Konto-Einrichterei und immer wieder ein neues Passwort, mindestens 8 Zeichen und ein Sonderzeichen und ich weiß nicht was, geht mir so auf die Nerven! Die verschlüsseltste und dramatisch abgesichertste Passworteingabe gab es übrigens auf der Seite des Nürnberger Lebkuchenbäckers, weshalb es an Weihnachten für meine französische Familie keine Nürnberger Lebkuchen gab, sondern Dresdner Christstollen, weil ich ums Verrecken keinen Zugang mehr auf mein Lebkuchen-Kundenkonto hatte. Marzipan aus Lübeck gibts deshalb auch schon lange nicht mehr. Zurück zum Kühlschrank. Der alte Kühlschrank, der ja nicht ganz tot ist und auch noch nicht wirklich super alt (meint nicht älter als 13 Jahre) soll repariert werden statt entsorgt, den können wir an einem anderen Ort noch gebrauchen. Dieses Zusatzprogramm wurde uns von dem tüchtigen Kühlschrankverkäufer neulich dazu verkauft, ohne uns allerdings die Bedingungen ausführlich zu erklären. Seit vierzehn Tagen etwa steht der Kühlschrank im Eingangsbereich herum und wartet darauf, dass ich mich um ihn und die Reparatur kümmere. Ich erstelle also ein Kundenkonto beim Elektrogroßhändler D und arbeite mich durch die Anmeldung zur Reparatur durch. Ich kann den Kühlschrank, der ursprünglich nicht beim Elektrogroßhändler D gekauft wurde, nicht hinzufügen. Es gibt aber eine Service Nummer und ich habe noch nicht wirklich draufgeklickt, schon habe ich einen asthmatisch hustenden und offenbar rauchenden Servicemitarbeiter am Telefon. Vermutlich macht er home-office – wo darf man denn sonst noch rauchen? Er will sich gern um meinen Kühlschrank kümmern, hustet und röchelt er, braucht dazu aber die Rechnung. Die habe ich nicht mehr. Die habe ich schon tagelang vergeblich gesucht, ich WEISS, dass ich sie nicht mehr habe. Ohne die Rechnung kann er den Kühlschrank nicht aufnehmen und reparieren. Warum ich die Rechnung nicht mehr habe, fragt er. Wasweißdennich. Wann haben Sie den Kühlschrank denn gekauft? Keine Ahnung. Er ist älter als 13 Jahre vermutet er. Natürlich nicht. Es ist der zweite Kühlschrank in meiner 11 Jahre dauernden Beziehung mit Monsieur, der Kühlschrank ist vielleicht fünf, vielleicht sieben Jahre alt. Vermute ich. Ok, sagt der Mann. 2015 entscheidet er. Welcher Monat? Ich habe noch nicht begriffen, dass ich einfach irgendwas erfinden kann, mich bringt die Frage um den Verstand. Wohersollichdaswissen? Wissen Sie auswendig, in welchem Monat Sie Ihren letzten Kühlschrank gekauft haben? frage ich zurück. Juni 2015 entscheidet er. Na gut. Den Preis? Keine Ahnung, jaule ich. Er war nicht soo teuer. Halb so teuer, wie der, den wir jetzt gekauft haben. Glaube ich. Er gibt näherungsweise eine Summe ein. Jetzt will er die Marke und die Modellnummer. Die habe ich! Uff! Ich krieche hinter den Kühlschrank und lese alles vor, was ich da an Nummern auf Aufklebern finde. Aber nichts gefällt ihm. Er braucht irgendeine andere Nummer. Hören Sie, sagt er, so geht das nicht. Ich brauche die Rechnung. Sobald ich die Rechnung habe, kann ich mich so schnell es geht kümmern. WOHER SOLL ICH DENN DIESE RECHNUNG BEKOMMEN? jammere ich zugegeben etwas entnervt in den Hörer. Wo haben Sie ihn denn gekauft? Sie haben ihn doch gekauft? Was glaubt er denn? Dass ich den Kühlschrank beim Sperrmüll auf der Straße gefunden habe? Tatsächlich glaubt er das, und mir fallen die senegalesischen Straßenhändler ein, die Dinge dieser Art tatsächlich auf der Straße finden. Aber die würden dann sicher nicht einen Reparaturvertrag beim Elektrogroßhändler D abschließen. Aber was weiß man schon. Beim Elektrogroßhändler B sage ich. Dort kaufen wir eigentlich alles, dass wir dieses Mal bei D gelandet sind, hängt mit Corona zusammen, denn D hat auch eine kleine und somit geöffnete Filiale mitten in der Stadt. Aber das ist doch wunderbar, freut sich der Servicemitarbeiter. Sie gehen auf die Seite bei B und suchen dort in Ihrem Kundenkonto Ihren Kühlschrank und lassen sich ein Rechnungsduplikat zuschicken. Dann rufen Sie mich wieder an undsoweiter. Ich gehe auf die Seite des Elektrogroßhändlers B und eröffne ein Kundenkonto unter dem Namen des Gatten, aber natürlich ist dort nicht das geringste Gerät aufgeführt. Ich schreibe also an die Serviceabteilung des Elektrogroßhändlers, dass ich bitte ein Duplikat der Rechnung des Kühlschranks der Marke Y bräuchte, erworben unter dem Namen meines Mannes (Vorname und Zuname) vor etwa 5-7 Jahren. Ich füge drei Fotos vom Kühlschrank und von sämtlichen Aufklebern bei. Ich bekomme postwendend eine Bestätigunsgmail. Ein paar Stunden später erneute Mail, ich soll den Namen des Gatten angeben. Vorname und Zuname. Lieferadresse. Und die Bestellnummer des Kühlschranks. Bestellnummer HABE ICH NICHT schreibe ich zurück, gebe aber alles andere an (zum dritten Mal Vorname und Zuname des Gatten und zusätzlich die Filiale, wo wir den Kühlschrank gekauft haben) und erkläre nun detailreich die Situation und dass das Rechnungsduplikat für den Reparaturvertrag unerlässlich ist. Ausrufezeichen.

Heute morgen habe ich die sehr freundliche Antwort, dass man den Gatten (Vorname und Zuname) sehr wohl als Kunden führe und allerhand Waren in seinem Kundenkonto aufgeführt seien. Nicht aber ein Kühlschrank. Möglicherweise könne man mit der Mobiltelefonnummer, die bedauerlicherweise fehlen würde, eine andere Suche durchführen. Das lese ich dem Gatten vor, der sich plötzlich an die Stirn schlägt und sagt, ich glaube, den Kühlschrank haben wir damals beim Möbelhändler X gekauft!

Natürlich! Zusammen mit den Küchenstühlen! Jetzt fällt es mir auch ein. Gut, entscheide ich. Zu X fährst du jetzt und machst das direkt. Ich öffne nicht noch ein Kundenkonto im Internet. Der Gatte ist willig und fährt los, kommt aber unverrichteter Dinge zurück. Möbelhändler X ist natürlich Coronabedingt geschlossen. Bitte gehen Sie ins Internet.

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12 von 12 im April 2021

Glücklicherweise habe ich Frau Mutti in meiner Instagram-Timeline, die verlässlich bei 12 von 12 mitmacht, und ich erinnere mich, dass ich Fotos machen will. Leider regnet es heute und die Fotos von der Côte d’Azur werden alle ziemlich grau.

Den Blick aus dem Fenster. Kennen Sie schon. Heute in Grau.

Die Milch für den Kaffee steht derzeit im Außenkühlschrank. Glücklicherweise ist es derzeit recht frisch, denn unser Kühlschrank hat uns letzte Woche im Stich gelassen. Ich habe letzten Mittwoch Abend in Windeseile die gerade erst eingefrorene Lammschulter, Lachs und anderes aus den Tiefkühlfächern gebraten und gekocht und Hackfleisch in Sauce Bolognese umgewandelt, was wir dann über mehrere Tage gegessen haben. Trotzdem musste ich vieles wegwerfen. Schwierig, das Leben ohne Kühlschrank. Der neue Kühlschrank kommt heute voraussichtlich zwischen Zehn und Zwölf.

Erstmal aber gibts Frühstück.

Im Küchenschrank unten befindet sich das Katzenfutter. Pepita schwört, dass Monsieur ihr noch nichts gegeben hat. Echt nicht! Er hat es vergessen! Glaubs mir!

Ich lasse mich nicht erweichen, also muss sie selbst die Tür öffnen.

Der neue Kühlschrank kommt schon um kurz nach Zehn! Er ist höher und tiefer als der letzte. Toll! So kann ich Monsieur zu seinen Vormittags-Terminen begleiten. Die Wohnung der Schwiegermutter steht seit ein paar Wochen (wieder) zum Verkauf. Wir haben heute mehrere Besichtigungen. Schlechter Tag. Es regnet und man sieht so das Meer am Horizont nicht blau blitzen, was an Sonnentagen immer eine schöne Überraschung ist. Erstmal warten wir. Ich mache Pfützenfotos.

Und Goldfischfotos

und Himmelsfotos

Nach den Besichtigungen eilen wir wieder nach Hause, Monsieur holt ein gegrilltes Hähnchen beim Metzger, wir haben heute die Enkel zum Essen (Dank der Impfungen wird zumindest das Familienleben wieder normaler!) Dazu gibts Bandnudeln. Vorher gabs eine Scheibe Paté und Karottensalat. Danach lauwarmen Schoko-Pudding aus dem Außenkühlschrank.

Monsieur macht eine kurze Sieste und ich beantworte ein paar Mails (Eine junge Frau möchte ein Foto „des Autors Christine Cazon“; ich bin kurz versucht, sie darauf hinzuweisen, dass ich Autorin sei und lasse es dann. Ich dachte, in der jungen Generation wäre das Gendern total selbstverständlich. Scheint nicht so.) und wir fahren schon wieder los. Drei Termine am Nachmittag. Der erste Interessent versetzt uns, wir rufen ihn an, er entschuldigt sich wortreich und verschiebt den Termin von 15 Uhr auf 17 Uhr. Wieder warten. Den Damen des 16 Uhr-Termins gefällt offensichtlich so manches nicht. Zu laut finden sie den Gärtner im Nachbargrundstück, der tatsächlich gerade mit irgendetwas Krach macht. Das Meer lässt sich im Grau nicht erahnen. Sie sind schneller wieder weg als gedacht.

Das ist das Foto des Tages. X-mal rauf und runter heute. Manchmal im Aufzug. Manchmal zu Fuß.

Wir warten im Auto und ich fühle mich wie ein Polizist, der jemanden beschattet, nur dass ich auf dem Telefon herumtippe. Der 17 Uhr Termin versetzt uns erneut. Poser un lapin, nennt man das auf Französisch. Einen Hasen setzen. Ich lese Erklärungen zu diesem Ausdruck, die ich gleich wieder vergesse. Die Dame um 17.30 Uhr ist nicht wahnsinnig begeistert, aber auch nicht abgeneigt. Wir haben schon viele (darunter auch zunächst sehr begeisterte) Interessenten gesehen und sind etwas nüchterner geworden. Immerhin ist der laute Gärtner nun weg und das Meer ist sichtbar. Kaum sind wir (endlich) auf dem Weg nach Hause, ruft der 17 Uhr Termin an. Wortreiches Geblubber. Termin für Mittwoch. Ich sage nicht, was ich denke, sondern nur höflich, dass wir das kurz vorher nochmal bestätigen. Bien sûr Madame.

Zuhause will ich endlich den Kühlschrank einräumen, aber das Telefon klingelt, der Anrufbeantworter blinkt. Neue Termine wollen bestätigt werden. Jeden Tag geht das so. Dann ruft eine Freundin an, die ihre Zelte an der Côte d’Azur abbrechen wird, um in die Bretagne zu ziehen. Sie hat die Nase voll vom Süden und bereits in der Bretagne ein Haus gekauft. Wir sprechen lange. Dann räume ich meinen neuen Kühlschrank ein. Boah ist der groß! Was für ein Luxus.

Wir essen Reste von mittags. Dann sieht Monsieur einen alten Film und lacht viel. Pepita schläft auf der Sofalehne. Ich schreibe hier.

So war mein Tag. Voll und trotzdem leer und vor allem etwas farblos. Müde bin ich trotzdem sehr. Die anderen 12 von 12er wie immer bei Frau Kännchen. Bonne nuit.

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Blick zurück auf Ostern und fünf Fakten, die Sie vielleicht noch nicht von mir wussten

Am Karfreitag, der hier übrigens ein normaler Wochentag ist, habe ich frühmorgens mein Handy im Klo versenkt. Es rutschte aus der hinteren Hosentasche und alle Versuche es zu retten (Reis, Fönen) haben nichts gebracht. Zum Reis, der gerne als ultimativer Tipp gehandelt wird, ich weiß nicht, wer diese Idee erstmals hatte und ob sie wirklich jemals jemand ausprobiert hat, lassen Sie mich Ihnen sagen: wenn Sie ein durchnässtes Handy in einen Sack Reis stecken, haben Sie danach ein mit Reisstaub verklebtes Handy und alle winzigen Öffnungen ihres Smartphones sind ebenso mit Reisstaub oder mir Reiskörnern verstopft. Ich habe es dann lieber trocken gefönt (was man aber auch nicht machen soll!), und die mit Reis verstopften Öffnungen mit einem Pinsel mühsam wieder gesäubert. Trotzdem lag es wasserleichenmäßig darnieder und reagierte nicht mehr. So bekam die Entrümpel-Fastenchallenge eine unfreiwillige Krönung: acht Tage ohne Handy (bis ein neues kommt, das ich schon bestellt habe). Ich habe mich nur kurze Zeit wirklich geärgert; das letzte (teure) Handy wurde mir vor knapp zwei Jahren gestohlen, Sie erinnern sich vielleicht, ansonsten können Sie es hier noch einmal nachlesen, seitdem kaufe ich nur noch recht billige Modelle, insofern sind der Verlust und die Geldausgabe zwar ärgerlich, halten sich aber in Grenzen. Da ich mich für all mein fleißiges Ausmisten noch nicht belohnt hatte, und auch gar keine Idee hatte, was ich mir wirklich gönnen könnte, wird eben das neue Handy die Belohnung.

Karfreitag Abend rief dann die Tochter von Monsieur an – falls Sie hier treu mitlesen wissen Sie, dass ich, nach dem Weihnachts-Essen-Drama, der Familie noch ein Essen schulde. Da die ältere Generation in der Familie in der Zwischenzeit entweder schon zweimal oder zumindest einmal geimpft wurde, was uns alle durchaus erleichtert, wurde dem Projekt Essen mit acht Personen von allen Seiten erstaunlich unkompliziert zugestimmt. Ich hatte zusätzlich einen kleinen Klapptisch erstanden, den wir jeweils an den Tisch draußen, oder bei schlechtem Wetter drinnen, anstellen konnten, damit alle Platz fänden, ohne zu sehr aufeinanderzusitzen. Ich hatte bereits eingekauft, Fleisch beim Metzger bestellt und Brot beim Bäcker. Nur das Frische würde ich am Samstag noch auf dem Markt kaufen. Bei Herrn Buddenbohm las ich kürzlich, dass es im Discounter in Hamburg keinen Dosenmais gab und das Fehlen diverser Waren mit dem vor kurzem noch im Suezkanal festgefahrenen Containerschiff begründet wurde. Haha, dachte ich, als ich das las, guter Witz, aber tatsächlich sagte mein Metzger hier dasselbe, als ich eine Lammkeule bestellte. „Lammkeule gibts nicht“, sagte er. „Das Containerschiff, wissen Sie!“ Herrjeh, Lamm, das in Containern von irgendwo weit weg angefahren wird und nun vielleicht etwas angegammelt ist, will ich gar nicht haben. Aber der Lammfleischmarkt ist im Moment weltweit angespannt, erklärt er weiter, weil just vor unserem Osterfest die Juden Pessach gefeiert haben und nach uns feiern die Muslime Ramadan, und alle wollen Lamm essen. Vor allem Lammkeule. „Das Lammfleich ist sicher“ titelte zwar die eine oder andere Agrarseite, aber zu welchem Preis! Genau das sagte dann auch mein Metzger, es gäbe derzeit nur noch inländisches Lammfleisch, und das zu einem Preis, den er geradezu unverschämt fände. Nun stehe ich aufgrund meiner ländlichen Vorgeschichte den Schäfern generell und den französischen im besonderen tendenziell nah, und wenn die ein bisschen mehr Geld verdienen, soll es mir recht sein. Trotzdem bekomme ich keine Lammkeule mehr, und nehme daher mit zwei gerollten Lammschultern vorlieb. Immerhin habe ich zu Ostern traditionelles Lamm! Nun gehen wir zum ersten Satz dieses Absatzes zurück – die Tochter rief an und teilte uns mit, dass ihre Familie an dem so dringlich erkämpften Essen nun bedauerlicherweise nicht teilnehmen würde, da sie mit sofortiger Wirkung in Quarantäne seien. Quoi? frage ich. Was? Sie hatten in der vergangenen Woche überraschenden Besuch von Freunden bekommen, und leider sei einer der beiden Freunde nun eindeutig an Covid-19 erkrankt. Na toll. Wir lamentieren ein bisschen dramatisch herum, wie man das so hier macht. Ich schlage vor, das gekochte Essen vor die Tür zu stellen. Aber die Familie wird die Quarantäne im abgelegenen Haus in den Bergen verbringen, erfahre ich, da ist mehr Luft als in der kleinen Stadtwohnung, verständlich. Alles so wie schon an Weihnachten. Nun gut. Wir werden also wieder nur zu viert sein – und wie gut, dass ich keine große Lammkeule bekommen habe, sondern nur zwei Schultern, da wird eine kurzerhand eingefroren.

Ich überspringe das Essen, für das ich etwa zwei Tage in der Küche verbracht habe, aber ich war besser in der Zeit und weniger gestresst, weil nicht mehr so viel aufgeräumt werden musste, da dank der Fasten-Rümpelei schon so schön aufgeräumt war. Hurrah. Um zwölf kamen die Gäste und ich war noch im Bademantel (aber das Essen gut vorbereitet). Wir begannen mit Apéro (auf der Terrasse, dort war es leider kalt und windig, so dass wir vom weiteren Essen draußen absahen) und mit zwei Vorspeisen, Hauptgang, Salat, Käse und Torte bis 16 Uhr ging es im Esszimmer weiter, Kaffee und Schokolädchen gabs dann später im Wohnzimmer, und hätte man nicht aufgrund der Ausgangssperre um 19 Uhr zu Hause sein müssen, wäre man vielleicht noch geblieben.

19 Uhr beginnt die Ausgangssperre, denn wir sind für weitere vier Wochen im 3. nationalen Confinement. Für uns in unserem Département ändert sich nicht so viel, wir hatten diese Regelung, von der ich nur die aktuelle 10km-Regel sowie die Ausgangssperre zwischen 19 Uhr und 6 Uhr abgespeichert habe, schon vorher. Aber jetzt ist eben wieder ganz Frankreich im Lockdown. Derzeit wird ein sehr positives Video im Fernsehen gezeigt, das „tenir ensemble“ also in etwa „Gemeinsam durchhalten “ oder „Zusammenhalten“ als Botschaft verkündet. Obs hilft?

Ostermontag war das Wetter überraschend schön, ich ging morgens alleine an den Strand und genoss nach dem durchgequatschten Vortag, die Stille am Meer. Die Wolke über dem Esterelgebirge erinnerte mich an Neuseeland bzw. an den Namen, den die Maori der Insel gegeben haben Ao-tea-roa – lange weiße Wolke.

Kürzlich wurde ich auf Instagram aufgefordert an dieser „Acht Fakten, die ihr noch nicht über mich wisst“-Aktion in den Stories teilzunehmen, und damals dachte ich, dass es vermutlich nichts gibt, was Sie noch nicht von mir wissen, erschwerend kam hinzu, dass ich keine Stories auf Instagram kann, weshalb ich dann nicht an dieser Aktion teilgenommen habe. Aber vielleicht wissen Sie tatsächlich noch nicht, dass ich 1996 allein nach Neuseeland gereist bin und dort nach einer kurzen Woche, in der ich mit dem Rucksack unterwegs war, einen Autounfall hatte und dort im Krankenhaus landete. Übrigens der erste Moment, wo ich wirklich mit (den sehr coolen und extrem netten) NeuseeländerInnen in Kontakt kam, vorher wandelt man ja auf denselben Pfaden wie alle anderen backpacker und trifft immer wieder dieselben internationalen Menschen, aber eben keine NeuseeländerInnen.

Das also zwei Fakten, die Sie vielleicht noch nicht gewusst haben: Neuseeland und der Autounfall. Und Fakt Numero drei: Seit dieser Zeit habe ich eine vertikale Narbe auf der Stirn und ein etwas assymetrisch zusammengewachsenes Gesicht.

Fakt Nummer vier ist eine Ankündigung. Christine Cazon wird aus ihrem demnächst erscheinenden achten Kriminalroman „Lange Schatten über der Côte d’Azur“ lesen und zwar online via Zoom. Dies ist sozusagen Weltpremiere. Es ist meine erste Online-Lesung und die erste Lesung aus dem dann geradezu brandneuen Krimi. Organisiert wird die Veranstaltung von der Stadt Nürnberg und dort vom sehr rührigen Amt für Internationale Beziehungen (Nürnberg und Nizza sind Partnerstädte). Die Lesung findet am 16.04.2021 um 19 Uhr statt. Sie ist kostenfrei, Sie müssen sich dafür nur rechtzeitig über diesen Link anmelden. Ich schaue mir in der Zwischenzeit Tutorials zu Zoomveranstaltungen an und suche den best ausgeleuchteten Ort in der Wohnung unter Vermeidung spiegelnder Brillengläser und bete um nicht zusammenbrechendes Internet.

Fakt Nummer fünf: Es wird eine sechseitige Geschichte über mich und mein französisches Leben geben und zwar in der Zeitschrift „Meins“ – die es zu meiner Zeit in Deutschland noch gar nicht gab, ich kann also nichts dazu sagen, aber die Redakteurin, mit der ich zu tun hatte, sowie die Fotoredakteurin, waren super nett.

Meine Geschichte kennen Sie natürlich, vielleicht aber nicht die vielen privaten Fotos, mit denen die Geschichte angereichert wurde. Ich dachte versehentlich, die Geschichte erschiene schon jetzt an Ostern in der Nummer 8, aber, wie die enttäuschten Käuferinnen der Nummer 8 mir mitgeteilt haben, da ist nur Barbara Schöneberger drin! Also werfen Sie vorsichtshalber erst einen Blick in die Nummer 9 (erscheint am 14.04.2021), bevor Sie sie kaufen; will sagen, natürlich können Sie die Zeitschrift trotzdem erstehen, aber wenn Sie sie nur kaufen, weil Sie meine Geschichte darin suchen, dann sollten Sie vorsichtshalber vorab einen Blick hineinwerfen, um sicher zu sein :D

Und wo kommen jetzt die hier veröffentlichten Fotos her, fragen Sie sich vielleicht. Nachdem mein Smartphone einen Tag und eine Nacht lang tot war (Karfreitag!), hat es sich langsam wieder berappelt. Der anfängliche Schleier über den Fotos, das Geruckel beim Scrollen und die weißen Flecken auf dem Display verschwanden über Ostern fast vollständig. Ein Wunder. Die Wiederauferstehung eines Smartphones. Nachdem ich auch das letzte Reiskorn aus dem Kopfhörerzugang gepusselt habe, geht auch das wieder. Unglaublich. Das neue Smartphone kommt trotzdem in dieser Woche. Nun ja.

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Rama dama

„Rheuma“, sagt Monsieur erstaunlich ungerührt, als ich ihm klagend mein rechtes Handgelenk mit der geschwollenen schmerzenden Stelle hinstrecke. Natürlich sagt er nicht „Rheuma“ sondern rhumatisme, aber ich verstehe Rheuma und denke gleichzeitig „Räumma“ im Sinne von „räum ma des weg“, wie man im Hessischen sagen würde. Klar hab ich Rheuma im Handgelenk, ich räume gerade zu viel, denke ich. „Nimm zwei Apririn“, schlägt er, Apotheker alter Schule, vor. „Zwei Aspirin gegen Rheuma?“ Was soll das denn? Ich lese nervös alle Rheuma-Informationen der Rheuma-Liga, für mich klingt das wie eine Mafiöse Vereinigung, im Internet durch: Degenerative Gelenkerkrankung, sagt die Liga, die sich in Arthrose oder Arthritis aufteilt. Eins so unangenehm wie das andere. Ich denke, ich muss die Ärztin anrufen, aber es ist erst halb Acht. Zunächst koche ich mir einen Kaffee, aber um mir ein Marmeladenbrot zu machen, kann ich schon nicht mehr den Deckel des Glases aufschrauben. Passt vom Symptom, genau das hat die Rheuma-Liga als Beispiel gewählt. Ich halte Monsieur das Glas hin. Ich werde nie mehr Deckel aufkriegen, ich werde die Entrümpel-Challenge aufgeben müssen, ich werde nie mehr schreiben können, blitzt es durch meinen Kopf und ich starre das lahme Handgelenk an. Reicht es nicht, dass ich Rücken- und Knieschmerzen habe? Und Ischias? Ich sehe mich schon im Rollstuhl sitzen mit all dem Körper-Weh, das mich neuerdings befällt. „Nimm zwei Aspirin“ insistiert der Gatte nun streng und ich löse mir brav zwei Aspirin in einem Glas Wasser auf und trinke sie noch vor dem Kaffee.

Dann frühstücke ich und räume nur „light“ etwas das Wohnzimmer auf, denn es kommen unbekannte Menschen, denen Monsieur etwas unterzeichnen wird. Zwei Sekunden offizieller Besuch. Ich habs aber jetzt gern ordentlich. Ich habs eigentlich immer gern ordentlich, aber ich kann keine Ordnung halten. Wir beide nicht, sagen wir so. Ich bin vor zehn Jahren hier eingezogen, im Mai vor elf Jahren, um genau zu sein, und war frohen Mutes, diese vollgestopfte altmodische und dunkle französische Wohnung in eine helle französisch-deutsche mit einem Touch Deko und Design umzuwandeln. Nur, man ließ mich nicht. Der Mann nicht und niemand eigentlich. Wann immer ich etwas aussortieren wollte, fiel mir irgendjemand in den Arm: „das ist die Tischdecke, die meine Eltern zur Verlobung bekommen haben!“, rief empört die Tochter, als ich das verwaschene Stück Stoff aussortierte. „Dann nimm sie“, schlage ich vor, „wenn du so an ihr hängst.“ „Ah non!“ lehnt sie kategorisch ab. Super. Sie erinnern sich vielleicht an diesen Blogbeitrag. Ich erinnerte mich gerade auch, eine Kolumne dazu verfasst zu haben. Streit am Morgen, weil eine alte Plastikschüssel fehlte.

Irgendwann war ich es müde, dass ich hier nichts ändern konnte, oder für alle winzigen Änderungen immer so kämpfen musste, wurde dann versöhnt mit einem eigenen Zimmer in diesem Haus (nicht in der Wohnung), wo ich mich mit meinen Sachen umgeben konnte. Aber letztlich konnte ich auch da nicht alles so machen, wie ich wollte, außerdem war dieses Zimmer auch das Gästezimmer und kaum hatte ich mich zum Schreiben eingerichtet und ausgebreitet, räumte ich alles wieder zusammen, weil Besuch kam. Ich bin nicht „bei mir“, wurde mir jeden Tag bewusst, ich wohne und lebe bei Monsieur. Diese Situation führte zu einer gewissen Resignation meinerseits, einer lassitude, einer großen Müdigkeit. Ich war es müde, hier aufzuräumen, seine Sachen aufzuräumen, und meine dazu, die diversen Sammlungen zu bändigen, die Bücher vor allem, aber auch die Flut an Papier.

unfreiwillige Gummiringsammlung

Letztes Jahr gab ich „mein“ Zimmer an eine bedürftige Person, vorübergehend erst, dann dauerhaft – zähneknirschend und leise weinend – die Corona-Situation hat sie finanziell, familiär und wohnungsmäßig in eine Notlage gebracht: sechs Personen in zwei Zimmern, am Ende des ersten strengen Lockdowns krachte und knallte es da an allen Ecken und Enden – wir hingegen wohnen zu zweit auf 75 Quadratmetern, ich konnte ihr die Bitte um das Zimmer nicht abschlagen. Also räumte ich meine Sachen peu à peu aus und stellte sie zu meinen anderen Sachen in eine Garage. Die meiste Zeit in den letzten fünfzehn Jahren stehen meine Sachen in Garagen und Kellern. Das, was ich brauche, räume ich hier oben in die Wohnung und mal klagte, mal quengelte und mal wütete ich über das zu viel von allem und über den fehlenden Raum für meine Sachen. „Ich weiß“, sagte Monsieur jedes Mal, hilflos Schulternhochziehend und Armeausbreitend, „ich weiß, aber was soll ich machen?“ Diese Entrümpel-Challenge kam mir wie gerufen und das Besondere ist, möglicherweise wiederhole ich mich, das Besondere ist, dass Monsieur mich nun nicht nur machen lässt, sondern (in gewisser Weise) mitmacht. Der Pagnol ist derzeit schon unterwegs zu seinem neuen Zuhause. Ein knapper Meter Conan Doyle, der Vater von Sherlock Holmes, darf ins Sommerhaus umziehen. Dort ist die Möglichkeit, dass er gelesen wird, wegen Nichtvorhandensein anderer Medien, ungleich höher.

Ich konnte Bücherregale umsortieren und bekam so zwei zusammenhängende Meter Regal für meine Bücher. Großartig! Damit ist die vollgerümpelte Kommode im Schlafzimmer nun beinahe leer.

vorher
nachher

Wir haben gemeinsam knapp hundert DVDs entsorgt, und gestern stellte ich Monsieur zwei Schuhkartons voller „Erinnerungsstücke“ hin und bat um Entscheidungen. Der Gatte war müde, ich dachte, er würde nur den Deckel kurz lüften, hineinschauen und sagen „behalte ich alles“, aber nein, er entsorgte von sich aus zwei Drittel der lieblichen Kleinigkeiten (kaputte Uhren, Brillen, Anstecker, Postkarten, Brieftaschen, Eintrittskarten, Fotos) Boah! So geht es hier jeden Tag ein Stückchen voran. Ich bin wie angefixt, ich räume aus, ich schaue, was ich/wir wirklich brauchen und ich werfe weg. Und überlege und räume Dinge nun an den „richtigen“ Ort. Ordnung kommt von Ort, sagt Alexandra. Und wenn die Dinge einen richtigen Ort haben, dann ist das Ordnung halten ganz einfach. Es stimmt bisher. Ich weiß, wo die Dinge sind und ich finde sie wieder; anders als früher, wenn ich in Windeseile viel aufräumen musste und schnell alles zackzack irgendwohin stopfte, nur damit alles „weg“ war, und auf Fragen wie etwa „darf man erfahren, wo du meinen blauen Pullover hingeräumt hast“ keine Antwort hatte, nervös Schränke öffnete und die Kisten unter dem Bett, den besagten Pulli nicht fand und daher patzig zischte, „wenn du ihn selbst weggeräumt hättest, wüsstest du es!“ Das ist jetzt anders. Ich öffne immer wieder Schränke, weil ich mich so freue, wie schön aufgeräumt es darin aussieht und das beste, der Gatte muss gar nicht fragen, weil man alles sieht. Ich freue mich über freie Oberflächen, die frei bleiben (na gut, nur hier und da) und halb leere Schubladen. Halb leere Schubladen, wo gibts denn so was? Diese „Platzverschwendung“ ist mir fast unheimlich. Kann man da nicht schnell noch was reintun?

Warum ich seit elf Jahren das Backpapier, die Alu- und Frischhaltefolie und die Gefrierbeutel aus einem Eck im äußersten Linksoben der Küche hangele, die sowieso für größere Menschen konzipiert wurde und ich dort für alles ein Hockerchen brauche, wieso ich mich also immer ächzend nach oben links recke und auf Zehenspitzen stehend eine Zipfel der Folienpackung erhasche und ziehe, und mir dann alles entgegenfällt, ich laut fluchend alles wieder nach oben links hineinwerfe und die Tür zuknalle, weiß ich auch nicht. Das Papier, die Folien und Beutelpackungen haben ihren Ort nun in der Mitte in einem Schrank über der Mikrowelle, auf die Zehenspitzen muss ich zwar trotzdem, aber ich habe alles praktisch direkt vor mir. Sowas! Links oben ist jetzt das Kistchen mit den Medikamenten der Katze, auch die wird älter und hat Zipperlein, aber im Moment ist alles in Ordnung und die Kiste ruht da oben links gut.

Und nun habe ich Rheuma vom Räumen. Zwei Aspirin aber haben den Schmerz und die Schwellung tatsächlich verschwinden lassen. Mit zwei Paracetamol gehe ich gegen den Ischias an. So lange es sich mit diesen Basis-Medikamenten regeln lässt, räum ich hier unverdrossen weiter. Heute ist der Flurschrank dran. Ein echter Ort des Grauens. Ein riesen Ding, in den immer alles reingestopft wird. Ein Fass ohne Boden.

So weit war ich heute morgen gekommen; in der Zwischenzeit ist auch der Flurschrank zum größten Teil aus- und aufgeräumt; was haben wir nicht alles darin gefunden! Wir haben uns von Skistiefeln und Segelschuhen getrennt (werden wir alles nicht mehr tun in diesem Leben, muss man realistischerweise einsehen), ich habe die Hälfte des Schnorchelmaterials entsorgt, eine der Strandsammlungen (Fundsachen und Muscheln) mit denen ich immer mal eine Ausstellung machen wollte, (was will man nicht immer so alles), habe ich vor ein paar Tagen schon entsorgt, als das Thema „Sammlungen“ dran war.

Strandsammlung

Dann ging es an die Jacken – unter anderem wurde ein cremefarbener Smoking, in dessen Taschen noch der Beweis des letzten Tragens steckten: 2012 bei einer Abendgala der Goldenen Palme, entsorgt. Und ein marinefarbener zweireihiger Blazer mit Goldknöpfen. „Weg“, sagte Monsieur mit einer (haha) wegwerfenden Handbewegung. Und alte Lederjacken und noch so viel mehr. Fünf große Säcke flogen weg – ich habe vergeblich rauszufinden versucht, ob Plastikkleiderbügel mit Metallhänger in den hiesigen Plastikmüll dürfen oder nicht. Ich habe es jetzt teils teils geregelt.

Goldene Palme

Noch ist der Schrank nicht richtig fertig, ich brauche noch ein paar von diesen Vakuum-Säcken, um Kissen weniger voluminös unterzubringen und die Schwimmsachen (Flossen, Schnorchel) sollen noch in eine Kiste, aber hey, dieser Schrank war von Anfang an mein gefühlter Angstgegner, und es ging ganz leicht! Und das Handgelenk, das den ganzen Nachmittag geräumt hat, hat gerade spürbar kein Rheuma. Jippieh!

Die Überschrift „Rama dama“ (Räumen tun wir) ist diesem Film entnommen, den ich gerade gern nochmal sehen würde.

ps: heute bekam ich Post von lunettes sans frontières, die mir den Erhalt der Brillen bestätigen. Wie toll! Damit habe ich gar nicht gerechnet. Ich habe beim Ausräumen in der Zwischenzeit erneut sechs alte Brillen gefunden (drei allein in den Schuhkartons voller Erinnerungen), die warten noch auf ein paar andere und dann gehen sie auf die Reise.

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Bücher entrümpeln: Pagnol

„Was wäre, wenn diese Dinge nicht mehr da wären“, fragt uns Alexandra bei der immer noch andauernden Entrümpelungsaktion, um uns zu ermutigen, sich von diesem und jenem zu trennen. Meistens lautete die Antwort nämlich: gar nichts ist oder wäre, gar nichts passiert, wenn man zwei Kilo Dekosand entsorgt oder fünf Kilo Ton, die Sammeltassen oder ein paar unansehnliche Vasen und Tischdecken, auch wenn sie von der lieben Großtante X oder der bereits verstorbenen Großmutter zur Konfirmation, zur Hochzeit oder zum Einzug geschenkt wurden. Es tut nicht weh, hopp weg, es erleichtert uns sogar. Aber Bücher? Darf man Bücher entrümpeln und gar wegwerfen? Ist das gedruckte Wort nicht irgendwie heilig? Erinnert Bücher wegwerfen nicht ungut an die Bücherverbrennung?

Ich liebe Bücher, ich lese noch immer viel und ausschließlich in der herkömmlichen Papierform, auch wenn meine Lektüre sich verändert hat, weniger Roman, mehr Dokumentarisches, Biographien, Sachbücher. Und Bücher, die mich nicht fesseln, lese ich heute nicht mehr zu Ende. Früher aber las ich alles, was ich in die Hände bekam, habe ich mich mittels Büchern in eine andere Welt katapultiert. Rückblickend würde ich sagen, ich habe viel vom Leben gelesen, anstatt das Leben zu leben. Aber nun, so war es und glücklicherweise gab es die Bücher, die mich in meinem gefühlt tristen Alltag „getröstet“ und „gerettet“ haben. Früher war ich regelmäßige Nutzerin der Stadtbüchereien (ich habe beim Entrümpeln zwei alte Leihausweise der Stadtbibliotheken in Darmstadt und Mainz wiedergefunden!)

aber spätestens mit der Ausbildung zur Buchhändlerin wollte ich Bücher auch besitzen. Eine große Bücherwand zu haben, eine Bibliothek gar, war mein Traum. Ich behielt alles, was ich gelesen hatte, Hauptsache die Regale füllten sich. Mich von Büchern zu trennen, wäre damals undenkbar gewesen. Haben, haben, haben …

Dann begann ich Literatur zu studieren und hatte den Ehrgeiz, alle Bücher auf den Literaturlisten lesen und besitzen zu wollen. Das war ziemlich sinnlos, aber mein erster Anlauf an der Uni verlief auch eher holprig. Ich fühlte mich verloren an der Uni. Erstmals spürte ich, dass ich aus keiner akademischen Familie kam. Hilfsangebote für Studierende aus nicht akademischen Familien, wie etwa Arbeiterkind.de, gab es damals nicht und wenn, wäre ich vermutlich aus Scham nicht dorthin gegangen. Ich war ja auch nicht wirklich ein „Arbeiterkind“, auch wenn ich dieselben Schwierigkeiten hatte, mich an der Uni zurechtzufinden. Ich brach das Studium nach ein paar Jahren auch ab und, um einen Schnitt zu machen mit dem angestrengten „literarisch-intellektuell“ sein wollen, brachte ich alle Bücher, die in meinem Bücherregal nur Schein waren, zu einem Bücherantiquariat. Der junge Mann, der das Antiquariat erst vor kurzem eröffnet hatte, konnte sein Glück über meine angeschleppte Bücherflut nicht fassen und gab mir zu meiner großen Überraschung sogar noch ziemlich viel Geld für meine gesammelten Werke von X und Y. Ich hatte zum ersten Mal Bücher ausgesondert – es hatte gar nicht weh getan, im Gegenteil, ich war erleichtert. Fortan wollte ich nur noch Bücher besitzen, die ich wirklich gelesen hatte und die mir etwas bedeuteten. Die Regale füllten sich trotzdem schnell wieder, wurden mehr und mehr, und nach ein paar Jahren musste ich die Bücher sämtlich in zwei Reihen in die Regale stellen, so viele waren es geworden. Ich zog viel um und schleppte schwere Bücherkisten von einer Wohnung in die andere – sehr viele Kisten landeten auch – vorübergehend, wie ich glaubte – im Keller meiner Mutter. Dann ging ich nach Frankreich und räumte alle Bücher (und Klamotten) weitestgehend in den Keller, damit meine Untermieter Platz für ihre Sachen fänden. Wie Sie wissen, blieb ich überraschend länger in Frankreich und als ich fünf Jahre später den endgültigen Umzug vorbereitete, sah ich mich vor die schier unlösbare Aufgabe gestellt, nicht nur Bücher, sondern alles auszusortieren, was ich fürderhin in einer winzigen Wohnung im Bergdorf nicht mehr brauchen würde. Oxfam wollte irgendwann meine Kleider nicht mehr, und, anders als Jahre zuvor, hob jeder Antiquar, den ich aufsuchte, nur abwehrend die Hände, kein Platz, kein Geld, keine Kunden. Sogar die Stadtbücherei winkte damals ab. Niemand wollte meine Bücher, nicht mal geschenkt. Ich stellte manches auf die Straße, öffentliche Bücherschränke gab es noch nicht. Mehrere Kartons mit fast nagelneuen Büchern ließ ich beim Antiquariat im Stadtviertel im Treppenhaus stehen. Er könne mir nichts geben, er wolle sie nicht mal, sagte er mir mit abschätzigem Blick darauf und weigerte sich, sie anzunehmen. „Machen Sie damit, was sie wollen, ich kann sie nicht mehr mit nach Hause nehmen“, seufzte ich erschöpft. Ich musste die Wohnung leerräumen und letztlich hatte ich ein Entrümpelungsunternehmen angeheuert, denen ich 500 Euro zahlte, damit sie meine Sachen wegwarfen. Zwei Tage später hatte der Antiquar ein Schaufenster fast komplett mit meinen Büchern dekoriert. Es ärgert mich noch heute, wie Sie merken, aber egal, ich hatte keine Wahl. Aus allen Büchern, einschließlich denen, die noch im Keller bei meiner Mutter lagerten, behielt ich nur die, von denen ich dachte, dass ich sie in den Bergen in Südfrankreich um mich haben und noch einmal lesen wollte. Wenig sei es, dachte ich, und es wurde eine ganz bizarre Auswahl und ich füllte doch ganze acht Umzugskisten.

Dann zog ich um, es wurde eine sogenannte Beiladung, ich hatte 15 Kubikmeter in einem großen Umzugswagen gemietet. Ich fuhr zurück nach Südfrankreich und Tage später kamen meine Sachen an, und oh weh, die Kisten passten nicht in die kleine Wohnung. Sie standen auf dem Balkon, im Flur, vor dem Haus. Es war wie Sudoku, ich hob und schob Kisten von einer Ecke in die andere und zurück, nur um an eine Kiste ganz unten zu kommen. Ich räumte so viele Kisten aus, wie ging, den Rest lagerte ich bei einer Nachbarin in der Garage und immer, wenn ich etwas suchte, dachte ich, das wird noch in einer der Kisten in der Garage sein. Vor allem meine Bücher. Erst Jahre später, beim nächsten Umzug nach Cannes, als ich mein erstes eigenes Zimmer bekam, holte ich alle Kisten zusammen, packte sie erwartungsvoll aus, und freute mich darauf, endlich wieder von meinen Büchern umgeben zu sein. Ich hatte Monsieur noch gebeten, mir viele Regale zu bauen und fürchtete, dass die, die er gebaut hatte, nicht ausreichen würden. Ich öffnete eine Kiste, in der ein paar Bildbände lagen, obendrauf ein Kissen und ein Zylinderhut. Das Kissen roch muffig und was hatte ich mir damals gedacht mit diesem Zylinder? Ich verstand es nicht mehr. Die anderen Kisten förderten ähnliche Dinge zutage. Ein paar Bücher und einen sperriger Kerzenständer, eine Puppe, Krimskrams für einen alten Setzkasten. Das war teilweise berührend, aber wo waren die richtigen Bücherkisten? Irgendwann hatte ich dann auch die letzte Kiste ausgepackt und: meine Bücher waren nicht dabei. Ich fuhr erneut ins Bergdorf, auf der Suche nach Kisten, irgendwo mussten sie doch sein. Nix wars. Nada. Niente. Tatsache ist, fünf der acht Bücherkisten mit der sehr speziellen und personalisierten Auswahl sind bei meinem Umzug aus Deutschland verschollen. Jahre später beim Umzugsunternehmen noch etwas reklamieren zu wollen, ist natürlich illusorisch. Meine liebsten Bücher waren weg. Diesen Verlust habe ich nie so ganz verwunden – aber die Frage, was wäre, wenn dies oder das nicht mehr da ist, kann ich jetzt beantworten: Manches fehlt nicht. Anderes fehlt und das Leben geht trotzdem weiter. Seitdem bin ich nüchterner, kann mich schneller trennen, gerade auch von Büchern.

Dass ich trotzdem wieder so viele angesammelt habe, liegt in der Natur der Dinge. Ich lese gerne, ich mag Bücher, ich schreibe Bücher. Ich lebe davon, dass meine Bücher gekauft werden. Ich unterstütze andere AutorInnen und BuchhändlerInnen, indem ich neue Bücher kaufe und lese. Aber manche werde ich nicht wieder lesen, wir haben grundsätzlich zu viele Bücher und zu wenig Platz, viele dürfen jetzt gehen.

Monsieur hingegen mag nichts aussortieren. Er hat es auch noch nie gemusst. Beim letzten Hochwasser hat er einen Teil seiner Kriminalroman-Bibliothek verloren, was ihn die Bücher, die er hat, umso fester halten lässt. Bei uns sind (seine) Bücher überall. Im Wohnzimmer, im Schlafzimmer, im Büro, im Eingangsbereich und sogar auf dem Klo ist eine beachtliche Sammlung. Ganz zu schweigen von den Stapeln neben dem Bett, auf Stühlen und in irgendwelchen Ecken. Sicher, ein paar Bücher in diesem Haushalt gehören auch mir, aber sie machen geschätzt nur etwa 5 Prozent aus. Als die Entrümpelungs-Challenge die Bücher betraf, befragte ich morgens Monsieur. „Heute sind Bücher dran“, sagte ich. „Hast du irgendeine Vorstellung, wie wir das angehen könnten?“ Und zu meinem Erstaunen sagte er nicht „gar nicht“, sondern er überlegte und machte sich Gedanken. Wir haben viel über Bücher und unsere Sammlungen gesprochen. Ich sagte auch (ein bisschen unbarmherzig), dass mir seine Sammlungen leider nichts bedeuten und dass ich den gesamten Balzac und Alfred de Musset und all die Klassiker nicht behalten werde (falls er vor mir gehen sollte), und dass weder seine Kinder noch seine Enkel besonders viel lesen und sämtliche Bücher noch viel schnöder weggäben als ich, ist ihm bewusst. Trotzdem sind die Bücher sein Leben und sie auszusortieren tut ihm weh. Nun, sagte Monsieur schließlich, wir könnten einen Meter Regal frei bekommen, wenn wir uns von Pagnol trennten, die er in den 70 Jahren gekauft hat (wie viele Franzosen, wie ich heute bei abebooks und leboncoin feststellen konnte). Pagnol ist gerade im Süden Frankreichs, in Marseille und in der Provence, wo alles spielt, ein großer Klassiker. Es ist eine sehr schöne Ausgabe, 24 Bände, illustriert von Dubout, Bellini (ein Cannoiser Maler) und anderen; diese Ausgabe hatte seinerzeit einen enormen Erfolg, aber bzw. deshalb ist der Markt gesättigt, und die nachfolgenden Generationen haben einen anderen Geschmack. Monsieur hoffte, dass seine Kinder oder Enkel die Werke Pagnols gerne erben würden, aber nein, sie wollen sie nicht. Ich habe von Pagnol die Filme gesehen, es ist nett, aber ehrlich gesagt, es reicht mir.

Ich versuche jetzt mal was. Wir bieten hier und heute 24 Bände Marcel Pagnol an, darunter all die Klassiker „La Gloire de mon Père“, „Le Château de ma Mère“, die Marseille Trilogie „César“, „Marius“, „Fanny„, und „La Femme du Boulanger“. Alles Französisch, klar, aber Pagnol ist „leicht“ zu verstehen. Illustrierte gebundene Ausgabe mit Lesebändchen, Goldschnitt (nur Kopfschnitt), im Anhang Fotos der Familie und Bilder aus Verfilmungen. Die Bände sind in einem guten Zustand (sie stammen aber alle aus den 70 Jahren), manche haben leichte Flecken auf dem Schnitt, aber sie riechen bestimmt nicht nach muffigem Keller (denn sie stehen bei uns im Regal). Die 24 Bände werden derzeit im antiquarischen Buchhandel zwischen 80 und 100 Euro gehandelt. Wir bieten sie (nur komplett) an für 50 Euro. Das ist ein bisschen mehr als zwei Euro pro Band. Vorzugsweise hier abzuholen. Die Bände sind nämlich schwer – alle 24 Bände wiegen zusammen um die 20 Kilo, Versandkosten (Mondial Relay) etwa 25 Euro kämen sonst hinzu. Interessiert es jemanden von meinen frankophilen und frankophonen LeserInnen? Der/die erste bekommt den Zuschlag.

Pagnol, links in der Mitte
Illustration Dubout
Illustration Bellini

bedruckter Vorsatz

Boah! Das ging schnell! Nicht mal eine Minute online, schon verkauft! Danke liebe Christine Globe-trotteuse!

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Über das Essen

Endlich!, sagen manche von Ihnen vielleicht, ich wurde hier und da schon angestuppst, wann schreibste denn endlich … haste doch versprochen … ok. Heute. Sie haben Recht, das Wochenendconfinement bietet sich geradezu hervorragend dafür an! Tatsächlich aber habe ich gar keine große Lust und kein Bedürfnis mehr, über das Essen zu schreiben, weil da nämlich schlicht kein Problem mehr ist. Boah! Lassen Sie sich das mal auf der Zunge zergehen ;-) Wie habe ich das also gemacht? Einserseits bin ich versucht, Sie (nochmal) auf „Von hier hier bis ans Meer“ zu verweisen – wenn Sie es schon gelesen haben, braucht es vielleicht eine zweite vertiefende Lesart der betreffenden Kapitel. Und wenn Sie es noch nicht gelesen haben, finden Sie dort alles. Absolut ehrlich und authentisch. Ich habe auch geschrieben, was ich gemacht habe und bin fast versucht, nachzulesen, was ich geschrieben habe, damit ich nochmal in die richtige Stimmung komme.

Ich habe nämlich gar keine Lust mehr, mir die Zeit meiner Essstörung ins Gedächtnis zu rufen – die Zeit meiner Essstörung, sage ich, als wären das vielleicht zwei Monate gewesen, dabei hat sie fast mein ganzes Leben gedauert! Das ist wahr, das dürfen Sie mir glauben. Was habe ich also gemacht? Es war nicht mit einem Fingerschnipsen getan, und das „Intueat-Programm“ hat mir entscheidend geholfen, aber es war nur la cérise sur le gateau, um bildlich beim Essen zu bleiben, es war das letzte Ding, das gefehlt hat. Ich WOLLTE vor allem, dass es vorbei ist. Dieses aufs Essen und Nicht-Essen fixiert sein, dieses wie fremdgesteuert zum Schrank laufen, um ein Stück Schokolade zu essen und noch eins und noch eins, als sei ich am Ertrinken und nur die Schokolade könne mich retten. Ich wollte „das“ nicht mehr mit ins nächste (also das vergangene) Jahr nehmen. Und ich habe alles drangesetzt, dass ich das erreiche. Mir kam das Intueat-Programm wie gerufen. Meine Begeisterung dafür ist groß und ehrlich, und es war (und ist) mir dann auch egal, wenn Mareike etwas über-euphorisch rüberkommt, oder dass man mit Werbung für Zusatzprodukte zugemailt wird, es war mir hingegen lange nicht egal, dass in den Audios, die Mareike spricht, manches sprachlich nicht korrekt ist („was wünscht du dir, während du meiner Stimme lauscht?“ Herrjeh, ich wünschte mir ein „S“ und gleich noch eines) – aber ich ließ Milde und Gnade walten, denn die Botschaft funktionierte, auch ohne „S“. Und das war großartig. Dass diese Esstörung keine SUCHT ist, sondern eine GEWOHNHEIT, war für mich ein déclick. Jahrzehntelang dachte ich nämlich, ich könne daran nichts ändern, es sei eine Sucht (Der Satz in der Selbsthilfegruppe lautete: „Ich bin Christiane und ich bin esssüchtig„) und ich sei dem hilflos ausgeliefert. Mareike also sagt, hallo, es ist eine Gewohnheit, und Gewohnheiten kann man ändern! Man muss dazu seine Gedanken ändern, sein „Mindset“ wie es auf neudeutsch heißt. In ihrem Programm bekommen wir nicht nur Übungen, Phantasiereisen und viele Erläuterungen, sondern vor allem Audios (lange, kurze, sportliche oder zum Einschlafen), die man sich täglich anhört, um via Unterbewusstsein neuen positiven Gedanken den „Weg“ ins Hirn zu ermöglichen (ja, ich glaube, dass diese Audios, die das Unterbewusstsein positiv berieseln mit entscheidend sind). Das Problem für die Esstörung liegt ja oft tiefer. Das Essen oder Nicht-Essen ist nur ein Symptom für mangelnde Selbstliebe. Bei mir war es ausgeprägter Selbsthass. Ich verlinke Ihnen mal einen Beitrag von Januar 2018, da geht es um dies und das, aber eben auch um meinen Selbsthass und um den ersten Versuch, Frieden mit meinem Körper zu schließen. Ich war damals auf den (französischen) Podcast von Clotilde Dusolier gestoßen. Vor drei Jahren war das. Bei Clotilde hörte ich zum ersten Mal diesen Satz „du bist nicht deine Gedanken“, der mich positiv schockierte, wenn Sie so wollen. Ich denke diese Gedanken, aber ich bin nicht meine Gedanken. Ich kann mich über meine Gedanken stellen und ich kann meine Gedanken auch ändern! Das war sensationell! Ich muss nicht mehr immer das gleiche denken, nur weil ich das schon immer gedacht habe. Ich bin frei, etwas anderes zu denken! Ich muss kein Opfer mehr sein, ich kann mich für etwas anderes entscheiden! Kurz vorher hatte ich das erste Style-School-Seminar von Stasia gemacht. Darüber habe ich im Buch schon geschrieben, ich will das alles nicht wiederholen. Ich will nur sagen – das alles ist Arbeit und es hat ein paar Jahre gedauert, bis ich meinen verhassten Körper annehmen konnte. Bis ich mich liebevoll im Spiegel ansehen, mit mir liebevoll sprechen und etwas anderes über mich denken konnte.

Und kaum war mir das gelungen, habe ich mich quasi selbst sabotiert und zugenommen und ich konnte mich wieder nicht leiden und war erneut frustriert. Ich habe das Style-School-Seminar mit einer vor Liebe überbordenden Community im Herbst/Winter 2019 zum zweiten Mal gemacht. Ich habe auch das Programm von Intueat noch ein zweites Mal durchlaufen (und bin daher wohlweislich in den Club eingetreten (die Art wie sie einem die Clubmitgliedschaft verkauft haben ist ärgerlich, aber ich habe es genauso wie die fehlenden „S“ einfach überhört, die Botschaft zählt!), denn ich wusste, dass ich mich alleine wieder verlieren würde); denn ja – es ist, als sei da etwas in mir, das nicht will, dass ich es schaffe. Da ist die gehässige Stimme, die sagt „schaffst du eh nicht“, „siehste, schon wieder zugenommen, fette Kuh“, „Versagerin“. Und gegen diese Hass-Sätze, die in mir tief verankert sind, musste ich hart arbeiten. Es gibt verschiedene Übungen, um diese negativen Glaubenssätze in positive umzuwandeln, mir hat die Übung, die als „The Work“ von Byron Katie bekannt ist, viel geholfen. Mareike stellt sie in ihrem Seminar auch vor.

Intueat dauert wie lange? Etwa drei Monate dauert der Kurs, das kommt ein bisschen auf seine eigene Schnelligkeit an, aber die Audios jedes Kursteils sollen mindestens eine oder zwei Wochen wiederholt bzw. gehört werden, bevor man weitergeht. Die Übungen sind auf einander aufgebaut und schalten sich erst frei, wenn man die vorigen abgeschlossen hat. Das erste Mal bin ich geradezu atemlos durchgerauscht und wollte SOFORT Ergebnisse! Frei sein vom Essensdrang und Abnehmen! Schnell schnell, alles gleich und sofort. Ich war anfangs euphorisiert, weil es so gut funktionierte, dass ich endlich ENDLICH auf meinen körperlichen Hunger hören konnte und mein Essverhalten nicht mehr vom Kopf gesteuert war. Das war und ist großartig! Abgenommen habe ich aber nichts und das hat mich frustriert (vor allem die jungen Frauen in der Facebookgruppe nerven da etwas, die das Programm als Abnehmprogramm sehen (so wird es leider auch verkauft) und ihre Erfolge verkünden). Ich habe auch beim zweiten Durchlauf nicht wirklich abgenommen, es war mir aber plötzlich nicht mehr so wichtig, denn dieses befreit sein vom Essensdrang ist so wahnsinnig erleichternd und wohltuend, das kann aber vermutlich nur jemand verstehen, der so lange unter einer Esstörung gelitten hat wie ich. Abgenommen habe ich dann im laufenden Jahr und zwar einfach so. Auch keine Wahnsinnszahlen, sechs Kilo, aber die sind weg, und die kommen auch nicht mehr. Das ist das wirklich großartige! Der Kurs dauert also drei Monate, aber ausnahmsweise lernen wir hier wirklich etwas für das ganze restliche Leben!

Ich wurde gefragt, ob es persönliche Gespräche in diesem Programm gäbe – njein – man kann bei Sorgen und auch bei technischen Problemen mit dem Team in Kontakt treten, sie versuchen zu helfen, es gibt viele Tipps, Hinweise auf Videos, Audios und auf Mareikes Podcast oder den Hinweis auf weiterführende Therapien. Das Team ist sehr jung und auch wenn der Ton immer sehr lieb („Hallo du Liebe!“) und unterstützend ist, meine jahrzehntelang dauernde Ess-Geschichte ist viel krasser und zerstörender als das, was die meisten jungen Frauen im Team dort kennen, zumindest ist das mein Eindruck.

Es gibt auch „Partner“-Übungen, gewünscht wird, dass sich die Teilnehmerinnen gegenseitig (via Whatsapp oder FB) unterstützen (kein Zwang, ich habe es nur kurze Zeit gemacht). In der Facebookgruppe, aus der ich in der Zwischenzeit rausgegangen bin, gibt es mal gute, mal weniger gute vibrations. Zu „meiner“ Zeit waren wir dort viele Frauen in meinem Alter, der Austausch war recht klasse, später, mit überwiegend sehr jungen und sehr aufgeregten Frauen, fühlte ich mich nicht mehr wohl. Das Programm ersetzt aber keine Therapie, und es ist nicht so persönlich, dass Mareike am Ende von jeder Teilnehmerin (Männer sind mitgemeint) wüsste, wie es ihr geht (auch wenn man im Programm immer Rückmeldungen geben kann, anonym oder nicht, in der Regel wird einem geantwortet!)

Mareike hat aber nun auch ein zweites Programm entwickelt „Intupower“, (Achtung, ich verlinke das, habe aber keine Kooperation mit Mareike laufen! Und auch mit sonst niemandem) weil ihr ganz klar ist, dass das Ess-Problem nur ein Symptom ist. In Intupower versucht sie in einem Rundumpaket (im Prinzip das, was ich zusätzlich mit Style-School und auch mit der Trauma-Arbeit bei Dami Charf gemacht habe) das Selbstliebe-Problem zu bearbeiten. Ich habe mich dafür eingeschrieben, um zu sehen, wie es funktioniert, es aber nicht zu Ende gemacht. Ich hatte bei vielem den Eindruck, die Themen schon (in anderen Seminaren) „bearbeitet“ zu haben und war ein bisschen gesättigt von Therapie-Programmen; ich habe immerhin das ganze Jahr 2020 täglich die Audios gehört (ja, ich sage es nochmal, ich glaube, dass diese Berieselung des Unterbewusstseins mit positiven Gedanken etwas bewirkt!) Ich habe noch einmal ein Seminar bei Stasia gemacht und habe auch mal bei Peter Beer und seiner Achtsamkeits-Academy reingeschnuppert. Auch bei Peter Beer stört mich sein extrem kuschelbäriges Liebsein und seine (bayrisch/fränkische?) Art, Worte auszusprechen: „der Kölner“ verstand ich immer, aber nein, er meint „der Kellner“. Aber auch das kann ich irgendwann überhören und die Botschaft annehmen. Das Jammerfasten-Seminar kann ich empfehlen.

Es gibt da draußen sicher noch andere Wege und Möglichkeiten, zu sich zu finden und das mit dem Essen „hinzukriegen“, aber das war mein Weg. Und nein, ich will heute keine basische Ernährung mehr ausprobieren, kein Weglassen von x oder y und auch kein Intervallfasten mehr machen. Ich esse alles, aber eben nur so viel, so lange ich körperlich hungrig bin. Das ist gerade am Anfang ein spannendes Herumprobieren, wie lange sättigt mich ein Glas Saft und ein Keks? Habe ich morgens wirklich Hunger? Und auf was? Wenn ich mittags oder abends wirklich Hunger habe, will ich etwas Salziges essen und kein Joghurt und auch kein Stück Kuchen. Ich war gerade am Anfang begeistert davon, WIE GUT alles schmeckt! Ist das nicht superlecker? frag(t)e ich Monsieur immer wieder beim Essen. Das ist in der Tat neu. Diese Freude am guten Essen und eben jetzt auch am Kochen, weil ich Fertigessen nun nicht mehr mag. Ich bin auch beim Einkaufen viel entspannter und falle nicht über alle Sonderangebote her; ich suche das, was mir (uns) schmeckt, worauf ich wirklich Lust habe und basta. Früher habe ich wahllos sämtliche Desserts ausprobiert, jetzt weiß ich, welcher Schokopudding mich richtig schön zufrieden macht und mehr brauche ich nicht.

Voilà. So viel für eben. Ich hoffe, ich habe alles beantwortet – wenn ich etwas vergessen habe, melden Sie sich, gerne auch wie gehabt privat per Mail, Sie müssen sich hier nicht als Betroffene outen. Liebe Grüße!

Nachtrag, als Antwort auf Utes Kommentar (dort würde es sicher zu lang):

Monsieur stand und steht meiner Veränderung positiv gegenüber, das muss auch erwähnt werden, weil aus vielen Frauen, die ihre Lebens- oder Beziehungs-Unzufriedenheit nicht mehr länger mit Essen runterdrücken, plötzlich freiere, kritischere Frauen werden. Die nicht mehr alles „schlucken“, was man ihnen „vorsetzt“. Das kann die Beziehungen zum Partner-, zur Familie, zu KollegInnen- und ChefInnen verändern. Nicht immer sind die Menschen, mit denen wir bisher „so“ gelebt haben, mit unserer Veränderung einverstanden („es geht nur noch um dich!“ hörte eine Frau, als sie ihrem Mann erstmals widersprach – so etwas liest man in den zugehörigen Facebookgruppen, das ist manchmal erhellend, oft auch erschütternd). Monsieur steht dem also positiv gegenüber, muss aber auch manchmal lange etwas erklärt bekommen. Monsieur ist, nebenbei bemerkt, der intuitivste Esser, den ich mir als Beispiel wünschen könnte. Aber er isst wahnsinnig schnell. Zu Beginn des intuitiven Essens, sollen wir ganz langsam essen, um zu spüren, wann der körperliche Hunger weg ist. Es ist so, als müssten wir das alles ganz neu lernen (aber keine Angst, es ist intuitiv immer noch da! Es ist eigentlich nur verschüttet). Dieses langsame Essen irritierte ihn, denn vorher schlang ich mein Essen genauso schnell runter wie er. („Isst du das nicht mehr?“ fragte er zum Beispiel und hatte schon die Gabel ausgestreckt, um etwas von meinem Teller zu picken, „ich weiß es noch nicht“, war meine Antwort ;-) ). Das ist das eine, das andere war, auszuprobieren was ICH WIRKLICH essen will. Dadurch, dass ich schon immer koche, habe ich glücklicherweise einen gewissen „Fundus“ und muss nicht Essen und Essenzubereiten und das Wie-schmeckt-was? an Nahrungsmitteln überhaupt erst wieder lernen. Ich kochte also in der Regel einfach so weiter, aber oft habe ich keine Lust auf Fleisch, oder ich lasse es nach den ersten ein-, zwei Bissen liegen. Häufig mache ich jetzt überhaupt nur noch ein Stück Fleich und lasse mir von Monsieur ein kleines Stück abschneiden. Abends esse ich jetzt manchmal „german Abendbrot“, also „kaltes“ Abendessen, Brot mit Schinken, während Monsieur Suppe oder Omelette isst. Die festen Essenszeiten wurden kurzzeitig problematisch, weil ich vielleicht ohne Hunger nichts gefrühstückt habe (das ist überhaupt neu, dass ich morgens vielleicht keinen Hunger haben könnte, sondern nur Durst auf ein Glas Wasser) sondern wir (ich ungefrühstückt) am Strand liefen und schwammen und ich dann, als wir wieder zurück waren, gegen halb elf einen Bärenhunger bekam und zwar auf Porridge mit Früchten, und dann entsprechend gegen Mittag absolut KEINEN Hunger hatte und dann konsequenterweise nichts zu mittag aß, aber natürlich trotzdem kochte und mit am Tisch saß. Dieses konsequent intuitive (und damit vielleicht antizyklische) Essen kann man also nur machen, wenn man alleine ist ODER man sucht sich einen Mittelweg. Um mittags mit Monsieur normal zu essen, darf ich es nicht um halb elf zu einem riesen Hunger kommen lassen. Das muss man ein bisschen ausjonglieren, wie gesagt, vielleicht tut es, statt einer riesen Schüssel Porridge um halb elf, ein Glas Saft und ein Keks gegen zehn Uhr, wie lange komme ich damit aus? Anfangs schleppte ich immer Kekse und Wasser mit mir herum, damit ich beim „kleinen Hunger“, (endlich, weiß ich, was das bedeutet ;-) ) , etwas zu Essen dabei habe. Ich will den Hunger spüren, will meinen Körper aber nähren und ihn nie mehr „verhungern“ lassen. Das war, gerade zu Anfang, ein ziemliches Herumprobieren. Habe ich Hunger? Wieviel? Auf was? Wie lange hält das vor, was ich gegessen habe? (Ein zweiter Milchkaffee gegen halb elf ist oft fatal sättigend!) Da ich gerne einen Nachtisch will, höre ich mit dem Essen so auf, dass da noch etwas Hunger für ein Dessert ist. Manchmal esse ich das Dessert dann nicht auf. Auch da war es interessant, zu schauen, auf was ich WIRKLICH Lust habe. Ich habe für mich diesen Schokopudding gefunden, der mich sooo zufrieden macht! Manchmal habe ich aber auch Lust auf ein Vanillejoghurt. Oder auf eine frische Mango. Am spannendsten war es für mich im Restaurant (Sie wissen noch, was das ist? haha, schlechter Scherz). Da funktioniert es aber auch am besten für mich. Die Distanz zum Essen ist wohl größer, als wenn ich selbst koche. Auch da gilt, ich darf nicht noch um halb elf etwas gegessen haben, sonst ist das schöne Essen im Restaurant für mich schon beim Entrée zu Ende. Es geht nichts mehr! Das ist neu und spannend. Und ärgerlich, wenn ich alles liegen lasse, weil ich nicht mehr kann! Wo es doch so teuer und so lecker war! Aber dieses INTUITIVE Essen und dann das Zusammenschieben des Bestecks, weil ich SATT bin, und nicht, weil ich denke, ich sollte aufhören, erlebe ich so wirklich nur im Restaurant und das ist jedes Mal erhebend.

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12 von 12 im März 2021

12 von 12, die Blogparade, die Frau Caro Kännchen seit Jahren treu auf ihrem Blog anbietet, ist wieder dran. Zwölf Fotos am/vom Zwölften. Los gehts mit einem Klassiker. Sieben Uhr. Der Blick aus dem Fenster. Er verheißt einen sonnigen Tag.

Nach dem Frühstück, eile ich zum Markt. Gestern gab es in der Nachbarstraße bittere Orangen zur Selbstbedienung. Ich beschloss, nochmal Konfitüre zu kochen und brauche dafür Bio-Orangen und Bio-Zitronen.

Auf dem Weg zum Markt laufe ich durch den fast menschenleeren Suquet. Ein Restaurateur hat einen ermutigenden Aushang. Wir wünschen uns alle sehnsüchtig, dass sie bald wieder geöffnet sein dürfen.

Mal eine weniger glamouröse Ansicht. Seitenstraße der Altstadt.

Auf dem Markt war ich schon lange nicht mehr, ich bekomme ja nun wöchentlich eine Gemüsekiste. Deshalb bin ich schockiert, den Markt wieder im Corona-Absperrungsmodus vorzufinden. Ich vergesse dann auch prompt, dort zu fotografieren.

Kaum zuhause, verschwindet Monsieur zu einem Termin, ich widme mich daher schnell dem täglichen Entrümpeln. Heute ist der 21. Tag der Fastenchallenge und bisher habe ich jeden Tag etwas „entrümpelt“, ausgesondert, geordnet, neu organisiert und VIEL weitergegeben und auch weggeworfen! Das größte Projekt war die Umgestaltung unseres Badezimmerschrankes, es hat mich eine Woche gekostet. Stolzer und erleichterter war ich lange nicht. Heute geht es nur um die T-Shirts. Ich habe meine und danach die von Monsieur angeschaut, in Windeseile die, die untragbar geworden sind oder schlicht nicht getragen werden, aussortiert, schnell mal sämtliche Regale im Kämmerchen geordnet und dabei einen nagelneuen schwarzen Winterpullover für Monsieur „gefunden“. Dann habe ich noch meine Strickjacken gecheckt und neu geordnet. Insgesamt ist ein ganzer Sack mit ausgesonderten Shirts und Jäckchen voll geworden! Der leider erst morgen in die Mülltonne kann, weil sie knallvoll ist mit den anderen Säcken der letzten Entrümpelungsaktionen (Schuhe, Socken, Bettwäsche) und erst morgen geleert wird.

Dann nehme ich mich dem Spinat aus der wöchentlichen Gemüselieferung an, aber Monsieur ist schon zurück und hat Hunger, mache ich die Tarte eben am Abend. Es gibt schnelles Hacksteak und Nudeln, dazu Salat und Käse und (gekaufte) Desserts.

Monsieur macht Sieste, ich tippe meinen täglichen Beitrag für die Fastenchallenge-Seite. Dann begleite ich Monsieur zu zwei weiteren Terminen. Es ist windig und nicht wirklich warm, aber toll blauer Himmel.

Gegen 16.30 Uhr sind wir zurück, wir trinken Tee, ich bin extrem genervt vom Nachbarn, der seit Tagen in seinem charmanten Vorgarten mit dem Presslufthammer arbeitet, meine Ohren quält und unser Haus zum Vibrieren bringt.

Ich kürze den Tee ab und schnippele in der Küche anderthalb Stunden die Orangen und Zitronen zu fine cut, Monsieur liest und schreibt, ungerührt vom Lärm.

Kaum bin ich mit den Orangen fertig, ist es schon Zeit, die Spinattarte zuzubereiten.

Ich vergesse sie dann aber fast im Ofen, weil ich auf dem Telefon herumtippe. Sie ist etwas stark gebacken, aber nicht verbrannt. Lecker ist sie auch.

Ich hätte einen Stapel Bügelwäsche, der auf mich wartet, aber ich bin müde und werde mich jetzt mit der Katze aufs Sofa kuscheln und irgendeinen schnulzigen Film schauen. Damit habe ich dann auch das 12. Foto. Kein 12 von 12 ohne Pepita.

So viel von hier. Bonne soirée! Schönes Wochenende! Wir sind (Sie hören mich seufzen) seit 18 Uhr schon wieder im Wochenendlockdown. Die anderen 12 von 12er finden Sie wie immer hier!

2021

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Heut‘ gibts Kuchen

tarte tatin

Heute hat meine Mama Geburtstag und es ist schon das zweite Mal, dass Corona verhindert, dass wir uns an ihrem Geburtstag (und auch sonst schon lange nicht) sehen. Daher gibts hier jetzt Kuchen. Ich habe nämlich viel gebacken in der letzten Zeit und so nähern wir uns dem Ess-Thema an, über das ich ja auch noch schreiben will. Zwei französische Klassiker: tarte au citron meringuée, tarte tatin und American Cheesecake – nicht so französisch, habe ich aber in Frankreich zum ersten Mal gegessen und jetzt zum zweiten Mal selbst gemacht: Köstlich!

tarte au citron, meringuée in the making

Tarte au citron meringuée habe ich nach genau dem abgebildeten Rezept vor Jahren hier schon verlinkt, ich habe sie aber zwischenzeitlich nicht so oft gebacken, weil ich früher solche Dinge einfach immer gnadenlos selbst aufgefuttert habe, Sie merken schon, wir nähern uns dem Thema, und es daher möglichst vermieden habe, Süßes herzustellen. Ich frage mich immer, wie die richtigen Foodblogger*innen das eigentlich machen. Jeden Tag backen sie leckere Törtchen oder rühren cremige Mousse au Chocolat an – wer isst das denn immer? Oder betreiben die alle ein Café oder haben eine große Familie im Hintergrund? Jetzt esse ich das alles nicht mehr sofort auf und außerdem backe ich jetzt, wenn wir nur zu zweit, meint ohne Gäste, was wir ja jetzt schon eine lange Weile sind, kleine Kuchen und Tartes. Durchmesser der Springform liegt irgendwas bei 18cm. Insofern halbiere ich die Zutaten, was ich aber beim American Cheesecake gar nicht gebraucht hätte, haha, weil ich ganz am Ende festgestellt habe, dass das Rezept sowieso für eine kleine Form gedacht war. Mein Cheesecake wurde aber trotzdem ganz gut.

Americab Cheesecake mit Himbeercoulis

Zur tarte au citron wurde ich gebeten, das Rezept zu verlinken. Es kommt hier im Original (Übersetzung siehe, wie gesagt, hier).

Ich habe eine pâte sablé gemacht, den Teig später halbiert und mit der zweiten Hälfte später die tarte tatin gemacht.

Für die kleine Tarteform habe ich die Mengenangaben für die Zitronencreme nach einem Rezept von Cyril Lignac genommen (90g Zucker, 2 Eier, 2 Zitronen (Saft), Zesten von einer Zitrone, 100g (80g) Butter), nicht aber die Zubereitung! Denn, es gibt zwei Arten die Zitronentarte zu machen, entweder man wirft für die Creme alles zusammen und backt sie im Ofen (ich) oder man köchelt sie vorsichtig und streicht den so entstandenen Lemon Curd dann auf den vorgebackenen Boden, wie Herr Lignac, und stellt sie zum Festwerden in den Kühlschrank. Ich habe meine Backversuche mit der ersten Variante begonnen und bleibe dabei, aber leider gerinnt die Mischung neuerdings (Butter und Zitrone), das löste sich zwar beim Backen auf und man merkte es nachher nicht mehr, machte aber, dass ich hunderterlei Rezepte las und etwa hier (französisch, das Rezept heißt „Wie der Lemon Curd garantiert misslingt in 10 Schritten“) eine ungefähre Anleitung bekam, für Lemon Curd zwar, aber auch der kann gerinnen. Ein bisschen Mehl könnte das Gerinnen verhindern, will mir scheinen oder die Reihenfolge der Zutatenzugabe ändern, wie bei Herrn Bocuse, gefunden bei au fil du thym (sehr weiche Butter und Zucker schaumig schlagen, die Eier dazugeben und dann die Zitrone – im Gegensatz zu meinem Rezept, in dem man die Eier mit dem Zucker schlägt, dann die Zitrone und am Schluss die geschmolzene Butter hinzugibt, gelingt, wie gesagt, nicht gerinnungsfrei.)

Sie sind jetzt nicht etwa verwirrt? So viel zum französischen Backen. Suchen Sie sich ein Rezept, das Ihnen zusagt und versuchen Sie Ihr Glück. Aber, ganz wichtig, nehmen Sie wirklich gute Zitronen! Und wenn Sie die Zeste verwenden wollen, das macht die Masse zitroniger, aber wirklich nur, wenn Sie bestimmt Biozitronen nehmen, deren Schale nicht irgendwie behandelt und damit entweder bitter oder geschmacklos geworden ist. Wenn Sie keine richtig guten unbehandelten Zitronen bekommen, dann nehmen Sie bitte nur den Saft!

Für die Merengué, also das, was man in Deutschland Baiser nennt (immer wieder der alte Kalauer) reicht für die kleine Tarteform das Eiweiß von nur einem Ei. Nach zwanzig Sekunden (!) unter dem Grill ist sie golden gebräunt oder doré, wie es hier heißt.

Die Tarte wurde ganz prima, man sah und schmeckte das Geronnene nicht mehr, und dass ich aus Versehen Salzbutter genommen hatte und überhaupt nur 80 Gramm, weil ich nichts anderes mehr hatte, schmeckte man auch nicht. Oder vielleicht ist es sogar der ultimative Tipp: Zitronencreme mit Salzbutter, pourquoi pas?

Für die tarte tatin und den American Cheesecake mache ich einen anderen Eintrag, damit ich wenigstens einen Kuchen noch rechtzeitg zum Geburtstag geschickt habe ;-) Bon anniversaire Maman!

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Fastenchallenge-Entrümpeln

Nur mal so ein kleiner Zwischentext, um Ihnen zu erzählen, wie begeistert ich von meiner Fastenchallenge bin – jeden Tag (außer sonntags) wird irgendwas entrümpelt: Morgens in aller Frühe bekomme ich eine Mail, in der ich aufgefordert werde, mich einem Ort in der Wohnung zu widmen. Nur zehn Minuten soll es dauern, wenn man mehr braucht, mag und Zeit hat, kann man auch länger entrümpeln, aber in zehn Minuten kann man ziemlich viel schaffen. Man macht ein Vorher-Foto, räumt fix alles aus, reinigt den Ort, die Schublade, das Fach … und entscheidet ganz flott, was weg kann, was man nicht mehr benutzt, was kaputt ist, und man räumt das wieder ein, was bleiben darf. Nachher-Foto. Fertig.

Die allererste Aufgabe war für mich der Supereinstieg: Sonnenbrillen und alte Brillen entsorgen! Die Schublade, in der wir alte Brillen und alte und aktuelle Sonnenbrillen aufbewahren und allerhand anderes (Luftpumpen, Fahrradwerkzeug, Fahrradlicht, Kleinkram) ging manchmal schon nicht mehr zu, so voll war sie. Ich habe in meinem Eifer das Vorher-Foto leider vergessen, aber ich habe eine kleine Tüte komischen Kleinkram weggeworfen und 13 (!) Brillen aussortiert, darunter auch zwei Sonnenbrillen von Monsieurs Ex-Freundin. Sowas muss weg, das ist ja wohl klar! Ich habe meine alten Brillen und viele Sonnenbrillen (mit und ohne Korrektur) an lunettes sans frontières geschickt, ein Verein, der Brillen nach Afrika, Asien und Südamerika schickt, wo sie irgendeinem Menschen noch nützlich sein können. Dieses „Weitergeben“ hat es mir leichter gemacht, die Brillen auszusortieren, sonst hätte ich immer gedacht, ich hebe sie auf, die waren so teuer, vielleicht nehme ich das Gestell irgendwann noch einmal – was ich natürlich nie mache. Brillen unterliegen Moden und ich trage meine Brillen wirklich lange, wenn ich sie ablege, dann bin ich ihnen wirklich „entwachsen“.

Am nächsten Tag überprüften wir unsere Stifte, schreiben sie noch? Braucht man wirklich die gefühlt hundertfünfzig Werbekugelschreiber? Buntstifte, Kugelschreiber, Filzstifte, die wir nicht mehr wollen, sogar kleine Bleistiftstummel, kann man an Stifte stiften schicken, die sie ebenso dorthin geben, wo Kinder keine Stifte im Überfluss haben. Da habe ich leider keinen adäquaten französischen Verein gefunden, der wirklich funktioniert (es gibt nur punktuelle Sammelaktionen für alte Schulsachen bei Schulbeginn).

Und so ging es jeden Tag weiter: Mützen, Schals und Handschuhe, die Plastiktüten, die Besteckschublade in der Küche, die Gewürzgläser, die Vorräte im Vorratsschrank. Jeden Tag nur ein Eckchen, ein Thema. Zehn Minuten. Boah! Es läuft! Diese kleinen Häppchen und die Zehn-Minutenvorgabe, die ich oft überschreite (zwei mal zehn Minuten, drei mal zehn Minuten), helfen mir ungemein. Ich sehe nicht das schwere und unbewältigbare Projekt „Küchenschrank aufräumen“, zu dem ich mich seit Monaten nicht aufraffen kann, sondern ich nehme mir nur die Ecke mit den Backzutaten vor. Die zehn Minuten-Vorgabe macht, dass ich es dynamisch und konzentriert angehe. Auch, wenn ich letzten Endes meistens länger brauche, geht es fast wie von selbst. Toll! Außerdem habe ich Monsieur miteinbezogen, und durfte überraschend und endlich eine alte unansehnliche Mütze wegwerfen. Großer Erfolg!

Seit letzter Woche öffne ich immer wieder die Küchenschränke und freue mich an der Ordnung und an der neuen Organisation, die ich hier und da vorgenommen habe. Ich bin gespannt, wo mich das noch hinführt :D

vorher
nachher

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Flow – Über das Glück zu fotografieren

An diesem Text schrieb ich, als sich gestern schon wieder Corona in den Vordergrund schob. Ich wollte das nicht unerwähnt lassen, aber ich will nun auch nicht tagelang über die super hohen Inzidenzzahlen und Hygienemaßnahmen schreiben. Daher jetzt zu etwas völlig anderem:

Ein anderes Buch, das ich vorstellen wollte, liegt auch schon lange hier. Dabei hatte mich der Titel geradezu angesprungen „Fotografieren als Glückserlebnis“ – und als Pia Parolin mich fragte, ob ich es vorstellen wollte, war ich Feuer und Flamme. Aber dann war da, Sie wissen schon, meine Müdigkeit, mein Energieloch. Es ging gar nichts. Jetzt ist sie zurück, meine Energieflamme, noch nicht lodernd, aber es geht schon was. Heute habe ich mir das Buch noch einmal ausführlich angesehen, und heute hatte ich dann auch den Eindruck, es ist eigentlich für mich geschrieben. Es ist eine Ermutigung zur Fotografie, zur Kreativität, zum Flow und zum Glück. Und all das kann man lernen. Boah!

Fangen wir mal von vorne an. Pia Parolin kennen Sie, weil ich von ihrer ersten Ausstellung Promenade Moments im CCFA, dem Kulturzentrum in Nizza, „blown away“ war, wie man auf Neudeutsch so sagt. So begeistert war ich, dass ich die Fotografin angesprochen habe und darum bat, über sie auf meinem Blog schreiben zu dürfen. Hier geht es noch einmal zu der Ausstellung von 2018, falls Sie einen Blick darauf werfen wollen.

Ihre wundervolle Ausstellung wurde im Anschluss international gezeigt, und seitdem springt Pia von einem Foto-Event zum nächsten, ist Mitglied in namhaften Foto-Vereinigungen, und sie hat selbst Street-Art-Fotografie-Workshops mit herausragenden Street-Art-Fotografen in Nizza ins Leben gerufen. Pia ist ursprünglich habilitierte Biologin, aber jetzt ist sie auch Fotografin und Autorin.

Die Fotografie habe ihr in und aus einer schwierigen Lebenssituation geholfen, sagt Pia. Ich zweifle das nicht an, aber ich sehe Pia, seit ich sie kenne, stets strahlend, gut gelaunt, dynamisch, voller Energie und immer hat sie ein neues Projekt, eine Ausstellung oder ein Buch in Arbeit. Es scheint, als habe sie das Glück beim Fotografieren gefunden und als sei sie mit allem, was sie tut, ständig im Flow. Es wundert mich nicht, dass sie darüber nun ein Buch geschrieben hat.

Foto: Pia Parolin

Aber Pia ist im Herzen auch und zuerst Wissenschaftlerin, und ihr Buch Flow -Fotografieren als Glückserlebnis ist ein Sachbuch, ein wissenschaftliches Buch gar. Das Wort flow, zum Modewort avanciert, ist nicht einfach so dahingeschrieben, sondern Pia wendet die Flow-Theorie, denn ja, die gibt es wirklich (vielleich wussten Sie das schon, ich wusste es nicht), entwickelt von einem Ungarn, mit dem (zumindest für mich) unaussprechlichen Namen Mihaly Csikszentmihalyi, auf die Fotografie an. Ein wissenschaftliches Buch also, und es ist, vor allem, wenn es um das Konzept von Mihaly Csikszentmihalyi geht, anspruchsvoll, aber keineswegs trocken. Es ist aber auch ein sehr persönliches Buch, Pias Begeisterung für das Thema ist spürbar und sie erzählt in einer angenehmen Art von sich und ihrem fotografischen Erfahrungen, so dass man von einem Kapitel ins nächste „fließt“. Sowieso schaut man von einem großartigen, den Text unterstützenden Foto, mit einem immer sehr persönlichen und manchmal amüsanten (making-of) Bildtext, zum nächsten (keine Seite ohne Abbildung) und alles ist verständlich und geradezu im flow. Es gibt keinen Zweifel am Flow. Das hat mich überrascht und gleichzeitig beruhigt. Flow gibt es. Einen Flowzustand, also fließende Energie, in der man wie in Ekstaste schöpferisch tätig ist, Zeit, Raum und alle körperlichen Bedürfnisse vergisst, hat sicher jeder schon einmal erlebt. Tatsächlich hatte ich beim Lesen meine Zweifel, ob ich besonders viele Flow-Momente kannte, aber dann erinnerte ich mich daran, dass ich gerade einen winzigen Flow-Moment erlebt hatte – als ich vor ein paar Tagen versuchte, Möwen am Strand zu fotografieren.

Und einen weiteren, als ich auf einer Mauer herumkletterte, um die Mandelblüte aufzunehmen. Da war ich wirklich ganz im Hier und Jetzt, konzentriert und vergaß tatsächlich die Zeit. Ehe ich mich’s versah, war eine halbe Stunde um, und ich wollte doch nur schnell ein Foto machen. Gut, über das Ergebnis meiner fotografischen Ausbeute kann man diskutieren. Und ich erkenne mich in der etwas planlosen Knipserin wieder, die Pia in ihrem Fotografie-Flow-Modell ganz unten angesetzt hat. Ohne Fleiß kein Preis, hätte Pias Großmutter dazu gesagt. Übung macht den Meister, ein anderes Sprichwort. Denn ja, Flow hin und Kreativität her, es ist wichtig, die Technik des Fotoapparates zu beherrschen, wenn man wirklich etwas besonderes fotografieren will.

Ich möchte schon immer anspruchsvoll fotografieren. Ich hatte vor Jahren, noch zu Zeiten der Spiegelreflex-Kameras, einen Foto-Kurs belegt. Die Schuld lag sicher nicht nur am leidenschaftslosen Kursleiter, aber ich wusste von der Technik meiner Spiegelreflexkamera nach dem Kurs genauso viel wie vorher, nämlich nichts. Dass ich mir gerade noch eine klassische Spiegelreflexkamera gekauft hatte, obwohl es schon Digitalkameras gab, war auch eine komische Verirrung, das aber nur am Rande. Ich habe so gut wie nie wirklich mit dieser Kamera fotografiert, weil ich sie technisch nie verstanden habe und weil ich nie die Energie aufgebracht habe, mich wirklich damit auseinanderzusetzen.

Dann reiste ich nach Frankreich und kaufte ich mir fürs leichte Reisegepäck meine erste klitzekleine digitale Kompaktkamera. Sie war simpel und genial. Ich habe sie geliebt und hatte das Gefühl, wir verstanden uns „ohne Worte“, und ohne viel Technik machte ich Makro-Aufnahmen, von denen ich teilweise heute noch beeindruckt bin. Leider behandele ich meine Dinge nicht immer sehr pfleglich, nach ein paar Jahren funktionierte sie nicht mehr und niemand wollte so eine kleine simple Kamera reparieren (nein, auch nicht im Repair-Café). Ich erwarb eine andere, die gerade hochgelobt wurde, und ärgerte mich vom ersten Tag an. Ich kam mit ihr nicht klar. Also fotografierte ich zunehmend mit dem Smartphone. Warum auch nicht. Aber dann regte mich dieses Display auf, auf dem ich bei Sonnenschein nichts sehe und erstand nun, Jahre später, ein Nach-nach-nach-nach-Nachfolgemodell meiner ersten kleinen Kamera (mit einem schnell verkratzten und verfärbten Display, aber auch mit einem Sucher), doch nein, ich mochte den großen Bruder meiner verstorbenen kleinen Kamera auch nicht. Resigniert fotografiere ich seither mit dem Smartphone – ärgere mich über die breiigen und unscharfen Fotos, die ich oft blind mache, weshalb ich natürlich zu viele knipse, was langes Aussortieren nach sich zieht, und finde mich damit ab. Aber, während ich Pias Buch lese, passiert etwas, ich stehe auf, suche diese letzte, kaum benutzte Kompaktkamera und ihr Ladegerät in einer Schublade und stöpsele sie ein. Zwanzig Seiten, bevor Pia mir in ihrem Buch genau das vorschlägt. „Steh auf, nimm deine Kamera und leg los“, schreibt sie. „Sei kreativ und wenn du dich mit der Technik nicht auskennst, dann suche dir nur eine einzige Funktion und probiere sie aus. Sieh dir Tutorials im Internet an oder lasse dir die Kamera von jemandem (professionellen und gegen Geld) erklären.“ Nur, wenn man die Technik der Kamera wirklich verstanden hat, kann man in dem Augenblick, auf den es ankommt, ein gutes, wenn nicht sehr gutes und vor allem ein besonderes Foto machen. Ansonsten sucht man verzweifelt den richtigen Knopf, die Blende, überlegt hin und her, wie jetzt? So? Oder lieber so? Und während man noch zappelig herumhantiert, ist der Augenblick schon vorbei. Fotografieren ist so ähnlich wie Autofahren, das man auch lernen musste, und dass man irgendwann ohne darüber nachzudenken, richtig beherrscht.

In diesem Buch erfahren wir also, wie wir es schaffen, in einen Flow zu kommen, (es geht im Buch, um das noch einmal deutlich zu sagen, nur um den Flow beim Fotografieren, aber man kann alles auch durchaus auf andere Lebensbereiche anwenden, ich dachte oft genug ans Schreiben) und welche Schwierigkeiten einem manchmal den Weg dorthin verstellen – und vor allem, dass man in einen richtig guten Glückshormone freisetzenden Flow nicht ohne Vorbereitung, Technik, Disziplin und Übung kommt. Denn leider, er fliegt einem nicht zu, der Flow, auch wenn man das meinen könnte, und auch, wenn es solche Ansätze, bei Kindern etwa, gibt.

Foto: Pia Parolin

Das letzte Drittel des Buches enthält eine Sammlung großartiger Anregungen und Aufgaben, wie und was man sich als Foto-Projekt vornehmen könnte und wie man dann mit seinen Bildern weiter verfährt. Am Ende des Buches findet sich noch ein Literaturverzeichnis mit weiterführender wissenschaftlicher Literatur und (nicht nur wissenschaftlichen) Podcasts.

Als ehemalige Herstellerin möchte ich gerne noch anmerken, dass es ein sehr schön gemachtes Buch ist, das sich angenehm anfasst, mit schönem Papier, Lesebändchen und Fadenheftung (!) und unzähligen Fotos in so unterschiedlichen Formaten, meine Güte, ich weiß, wie aufwändig so eine Doppelseiten Gestaltung ist! Der Text, es ist viel Text in diesem Fotobuch, täuschen Sie sich nicht, ist trotz der kleinen Schrift gut lesbar. Der Verlag ist der Fachverlag für Fotografie – weshalb auch die Qualität und Farbigkeit der Abbildungen perfekt sind, für die sie dieses schöne Bilderdruckpapier gewählt haben. Leider ist das Buch dadurch etwas schwergewichtig, aber man wird es nicht auf seinen Fotospaziergängen mitnehmen, sondern es vorher gelesen haben, um gut vorbereitet zu sein auf seinem Weg zum Flow und zum Glück mit der Fotografie.

Pia Parolin: Flow. Fotografieren als Glückserlebnis. Glücklich fotografieren und fotografierend glücklich werden. dpunkt.verlag.

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Eine Stunde, fünf Kilometer …

Gab ich letzte Woche beim Deutschlandfunk in der Sendung Lebenszeit („Wie leben die europäischen Nachbarn mit dem Virus“ – Die Sendung dauert über 70 Minuten, um Frankreich geht es etwa nach 40 Minuten) noch ein eher positives Statement zur Lage der Nation, immerhin lautete die Schlagzeile von Nice Matin gerade großspurig Des bonnes nouvelles („wir sehen das Licht am Ende des Tunnels“) – die erste positive Schlagzeile seit einem Jahr – so sind wir heute doch wieder beim dritten confinement, wenn auch erstmals nur und ausschließlich in unserem lieblichen Departement. Ich bete Ihnen mal nur die Inzidenzahlen runter, die ja jetzt gerne herangezogen werden, dann verstehen Sie warum: die Inzidenzzahl für den größten Teil Frankreichs liegt bei 201,7, in unserem Departement jedoch bei 583,2 und in Nizza jenseits von 700. Die Intensivstationen in unserem Departement sind mit über 101 Prozent aus – nein, überlastet. Wenn Sie also morgen schlimm krank werden oder einen Autounfall haben und ein Intensivbett brauchen, lässt man Sie im Krankenhausflur liegen. Nein, natürlich nicht, vermutlich werden Sie in ein Krankenhaus in einem anderen Departement transportiert. Dennoch kein wünschenswertes Szenario.

Der Gesundheitsminister Olivier Veran hat sich am Wochenende nach Nizza begegeben, um vor Ort zu verstehen, was hier passiert, und die Maßnahmen, die ergriffen und uns gerade mitgeteilt wurden lauten: 3. confinement an den kommenden (Ferien-)Wochenenden, von Freitagabend 18 Uhr bis Montagmorgen 6 Uhr, in allen Orte von Menton bis Théoule, die an der Küste liegen (und ein bisschen dahinter). Das heißt, arbeiten dürfen wir, ausgehen nicht, schon gar nicht am Wochenende, dann gilt wieder die Regel: eine Stunde am Tag und in einem Umkreis von immerhin fünf Kilometern dieses Mal, und natürlich müssen wir wieder die Ausgangsbescheinigungen ausfüllen, seufz. Es ist ein Elend.

Warum ist das hier so? Keine Ahnung. Überaltertete Bevölkerungsstruktur, zusätzlich touristische Gegend, es sind Ferien in Frankreich und alle reisen ans Meer. Der Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi, wollte deshalb schon (vergeblich) verbieten lassen, dass Ferienunterkünfte vermietet werden dürfen. Er bekam es gerichtlich nicht durch. Aber er sagt offen in jedes hingestreckte Mikrofon, dass er (in einer Stadt, die vom Tourismus lebt!) derzeit keine Touristen will. So die Lage.

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12 von 12 im Februar 2021

Ich wollte erst nicht mitmachen beim heutigen 12 von 12, eine Blogparade, die Frau Caro Kännchen seit Jahren treu auf ihrem Blog anbietet. Zwölf Fotos am/vom Zwölften. Seit zwei Tagen habe ich Bauchgrummeln wegen etwas, was mich gedanklich nicht loslässt. Genau deswegen mache ich jetzt aber doch mit. Ich habe mich ja kurzfristig doch noch zum „Jammerfasten“ angemeldet, ein Kurs, der unabhängig von der Fastenzeit 16 Tage lang läuft. Es ist nichts Neues, aber es tut gut, es immer mal wieder aufzufrischen. Ich will nicht jammern, mich weder beklagen noch mich hängenlassen. Ich will den Blick auf Positives lenken und lösungsorientiert denken. Ich habe die Wahl. Immer.

Frühstück mit leckerem Körnerbrot, das kornigste und geschmackvollste, das es in Cannes derzeit gibt, aus einem dänischen Coffee-Shop.

Dann ziehe ich mich bewusst farben-froh an. Um den Kopf gewickelte Tücher geben mir immer eine Portion „extra-Kick“. Es erinnert mich an „We can do it!“

Außerdem habe ich (aus Versehen) Kniestrümpfe gekauft. Ich habe noch nie Kniestrümpfe gehabt, die an meine runden Waden passen, weshalb ich in der Regel Socken kaufe. Aber diese passen, das ist grandios und ich habe in diesem fußkalten Haus erstmals richtig warme Füße. Toll!

Ich hänge mit der Katze auf dem Sofa und lese lange im Internet herum. Aktualisiere dann einen drei Jahre alten Mimosenartikel und hänge ihn noch an die Mimosenfotos an.

Schon ist es Zeit, Mittagessen vorzubereiten. Ich mache im Ofen gebackenes Wintergemüse (inspiriert von diversen Fotos aus der #heimbürokantine von Wibke Ladwig, alias @sinnundverstand). Dort werden in letzter Zeit immer Chilliflocken über das Essen gestreut. So etwas kennen wir hier gar nicht, aber ich habe Piment des Espelettes, die ich über mein Gemüse streue, plus Nelkenpulver, grobes Meersalz und einen großzügig bemessenen Schuss Öl. Kommt für knapp zwanzig Minuten bei 180 Grad in den Ofen. Fertig, und so köstlich, dass selbst der Gemüseskeptische Gatte zweimal nimmt. Aber soweit sind wir noch gar nicht.

Monsieur kommt von einem Termin zurück und hat zusätzlich eingekauft. Seit er geimpft ist, wagt er sich sogar wieder in den Discounter. Darüber kann man sich freuen, er hat es auch gut gemeint, ich bin von seinem heutigen Einkauf aber eher genervt, wir brauchen viele Dinge, aber nicht das, was er mitgebracht hat. Und kaufe ich nicht seit Wochen, Monaten gar, frischestes Gemüse direkt vom Erzeuger, saisonal und regional? Jeden Tag jubele ich über dieses Gemüse. Wieso schleppt er mir dann Gemüse aus dem Discounter an, das jenseits aller Saison ist? Ich schimpfe laut vor mich hin, bekomme dann Blumen entgegengestreckt. Rosen vom Discounter, wie schön. Der dazugehörige Satz „wenn ich die erst am Sonntag kaufe, sind sie doppelt so teuer“ macht die Sache nicht romantischer. Valentinstag naht. Immerhin hat er daran gedacht, nicht wahr. Und die Rosen sehen hübsch aus. Das Positive sehen.

Wir essen, teilen uns ein Schweinekotelett und Ofengemüse. Pepita findet es wie immer ungerecht, dass sie kein eigenes Tellerchen am Tisch hat.

Die Sieste fällt heute aus, stattdessen begleite ich Monsieur zu einem weiteren Termin. Es regnet. Suchbild mit Marilyn.

Auf dem Rückweg kaufe ich bei einem kleinen Supermarkt noch ein paar notwendige Dinge ein.

Der Nachmittag vor dem PC. Ohne Foto. Abendessen. Keine Suppe heute; es gibt ein Omelette mit frischer figatellu für Monsieur. Dazu etwas grünen Salat. Ich mag diese korsische Spezialität nicht; Pepita schon. Sie hat gestern klammheimlich schon ein gutes Drittel davon gefressen. Wir hatten die figatellu aus Versehen im Marktkorb vergessen. Die Katze dachte vermutlich, es sei ihre Belohnung, weil sie gestern den ganzen Tag alleine geblieben war. (Natürlich habe ich die gerettete figatellu äußerst großzügig vom zerkauten Rest abgeschnitten, und nein, die Katze bekommt den angefressenen Teil nicht.) Ich hingegen esse „german Abendbrot“, eine weitere Scheibe des köstlichen Körnerbrots mit einer Scheibe Schinken. Guten Appetit.

Gerade fiel mir eine ganze Kiste mit Post aus dem übervollen Regal. Grrr. Ich möchte laut jammern und klagen aus vielerlei Gründen. Ein vergilbter Zettel liegt zwischen den Briefen und Karten. Er ist uralt. Er stammt aus der Zeit vor Frankreich. Wir sind noch immer im Thema: Nicht jammern.

Positive Zugabe: Pepita passt tatsächlich in einen kleinen Schuhkarton! Findet es aber blöd, dass ich sie darin fotografiere.

So viel von hier. Bonne soirée! Die anderen 12 von 12er finden Sie wie immer hier!

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Mimosen

Noch nie bin ich so viel spazierengegangen wie in diesen Zeiten. Und noch nie habe ich die Veränderung der Mimosenblüte so wahrgenommen und genossen wie dieses Jahr. Das Wetter ist, trotz gelegentlicher Regengüsse, hier doch gerade eher so, wie man das von der Côte d’Azur erwartet. Sonnig und mild. Ich schicke Ihnen noch ein paar Mimosenbilder in die deutsche Kälte und den Schnee.

ps: aus aktuellem Anlass: ich habe über die Mimosen schon mehrfach geschrieben, jedes Jahr aufs Neue sozusagen, aber es kommen ja jedes Jahr neue LeserInnen dazu, die dann in etwa dieselben Fragen stellen. Hier also nochmal der Artikel, in dem ich alles sage, was ich zur Mimose weiß und schon einmal gesagt habe – ich hoffe, die fremden Links führen noch immer zu funktionierenden Seiten, ich checke das gleichmal ab. Dieses Jahr ist aber alles anders, nicht wahr. Kein Mimosenspektakel nirgends, kein Karneval in Nizza, kein Zitronenfest in Menton. Aber darüber lesen kann man ja trotzdem.

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