Nicht müde werden

Die Mimosen haben mir ein unglaubliches Besucherhoch auf dem Blog beschert, was auch durch diverse Links auf anderen Blogs unterstützt wurde. Herzlichen Dank dafür! Gleichzeitig haben sie aber auch Tausende russischer und chinesischer Bots angelockt, denen die Mimosen vermutlich egal sind, der Hinweis auf die Ukraine aber nicht. Es macht mich ein bisschen nervös, zu sehen, wer und was sich alles durch meinen Blog wühlt. Vielleicht sollte man sich das gar nicht ansehen, sondern einfach weiterbloggen, as nobody’s watching. Die Besucherzahlen nehmen sowieso wieder ab. Die Bots hoffentlich auch.

Ich bin schon mit einem Fuß unterwegs: Der monatliche Besuch im Pflegeheim steht an, ein Geburtstag wird gefeiert werden und das Wetter ist allenthalben frühlingshaft geworden, sodass man einen kleinen Ausflug machen kann! Ich möchte auch gerne eine Ausstellung sehen. Vorsorglich evakuierte ukrainische Kunstwerke aus Odessa tingeln durch die Welt und sind noch bis Ende März in Heidelberg zu sehen.

Es gibt derzeit noch eine andere Ausstellung in Heidelberg, die sich zu besuchen lohnt: Anlässlich des 20. Todestags der Dichterin Hilde Domin ehrt das Kulturamt der Stadt Heidelberg die Dichterin mit der Ausstellung „Nicht müde werden”.

Kuratiert wurde sie von Stefan Kaumkötter und Marion Tauschwitz, letztere Autorin, Freundin und Wegbegleiterin Domins. Leider werde ich es nicht schaffen, beide Ausstellungen zu sehen, aber wenn Sie in der Nähe sind, Zeit haben und Hilde Domin schätzen, kann ich Ihnen nur empfehlen, sich die Ausstellung anzusehen. Ich kenne Marion Tauschwitz persönlich und glaube sagen zu können, dass noch keine Ausstellung profunder und liebevoller gemacht wurde.

beau vent froid – Blick aus dem Bonnard Museum mit aperçu mer

Ich war vor kurzem im kleinen Bonnard-Museum in Le Cannet, zur Zeit als es fast ununterbrochen regnete und ich nicht glaubte, dass ich draußen noch Mimosen sehen würde. Die Mimosenbilder von Bonnard wurden vom Musée d’Orsay (mit dem das Bonnard-Museum fest zusammenarbeitet) und dem Centre Pompidou nach Le Cannet ausgeliehen und waren der Schwerpunkt der aktuellen Ausstellung, mit der auch geworben wurde.

Letzten Endes sind es nur zwei Mimosenbilder, was ein bisschen enttäuschend ist, auch wenn es noch ein paar andere neue Bilder gibt und sich die Thematik und die Hängung in den anderen Räumen stets ändern.

Blick aus dem Atelier mit Mimosen
Blick über le Cannet zur Zeit der Mimosenblüte

Eine (nicht ganz neue) Neuerwerbung ist das Porträt eines kleinen Mädchens mit Hund, das uns letztes Jahr auf einer Karte der Stadt Le Cannet als Neujahrsgruß entgegenlachte und letztes Jahr zu meinem Symbolbild für das Wort des Jahres „Freude” wurde. Bislang konnte ich mich dieses Jahr noch nicht so richtig für die Freude entscheiden, denn die Welt scheint mir zu düster: Ich sage nur Iran, Ukraine, Epstein, all der Hass und all der Antisemitismus. Darf man bei all dem Leid freudig sein? Ja, ja, ja! Was ich brauche, ist genau das – Freude (und Liebe) –, um diesem Leid etwas entgegenzusetzen. Das bedeutet nicht, dass ich das Elend nicht sehe oder nicht sehen will. Aber ich will mich davon nicht auffressen lassen, wozu ich tendenziell neige. Gut also, dass ich im Museum überraschend auf das kleine lachende Mädchen gestoßen bin, das mich daran erinnert.

Petite fille au chien

Beim Kofferpacken habe ich vorhin außerdem mein verloren geglaubtes „Freude”-Armbändchen in einer Seitentasche wiedergefunden. Wenn das kein Zeichen ist! Die Perlen sind schon ein bisschen blass und das Fädchen eher grau als rosa. Es hat im vergangenen Jahr viel gearbeitet und ich trage es jetzt bewusst wieder!

Gestern stieß ich bei einem Instagram-Filmchen in den automatisch erstellten Untertiteln auf das schöne Wort „Fötonist”. Ich habe es erst gar nicht verstanden. Da hat die KI noch einiges zu lernen, bevor sie „Feuilletonist” in einem deutschen Gespräch richtig versteht. Haha. In diesem Zusammenhang sehe ich mir super gerne die sprachlichen Spitzfindigkeiten von Loic Suberville an und muss oft genug lachen. Hier ist mein Beitrag zur Freude heute. Vielleicht amüsiert es Sie auch ein bisschen.

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3 Responses to Nicht müde werden

  1. Andrea Stock sagt:

    Schade, dass Heidelberg so weit von Norden entfernt ist. Ich mg die Gedichte von Hilde Domin sehr gern.

    Liebe Grüße von der Nordsee und vielen Dank für Ihren schönen Blog, den ich wirklich gern lese.

    Andrea

    • Christjann sagt:

      Lieben Dank! Da freue ich mich 😊
      Ja, Heidelberg ist schon ein Stück weg vom Norden 🤷🏼‍♀️ da müsste man schon noch was dazubuchen, damit sich der Weg lohnt …
      Ich kann alternativ Marion Tauschwitz’ Bücher über Hilde Domin wirklich empfehlen!
      Liebe Grüße!

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