12 von 12 im Mai 2026

Heute ist der 12. Es gibt 12 Bilder vom Tag. Und da das Filmfestival heute Abend beginnt, geht es direkt und indirekt viel darum. Aber erstmal stehe ich auf und mache ein Foto mit dem Blick aus dem Fenster. Der Himmel ist knallblau, es ist sehr windig: Mistral!

Dann bekomme ich die Nachricht, dass die Journalistin, die ich heute früh am Flughafen abholen soll, ihren Flieger verpasst hat. Sie versucht, den nächsten Flieger zu bekommen, wird aber erst, das kann ich jetzt schon verraten, den Flieger heute Abend bekommen, alle anderen sind ausgebucht, alle wollen nach Cannes.

Ich frühstücke erst einmal, doch das Bild wird unscharf. Bilder von Kaffeetassen und Müslischalen sind allerdings auch nicht besonders interessant. Wir konferieren hin und her. Sie wird voraussichtlich gegen 18:15 Uhr ankommen. Die Übertragung der Eröffnungsgala beginnt um 19 Uhr im Kinokomplex Cinéum in Cannes la Bocca. Dafür habe ich uns Karten reserviert. Das alles bei bestem Berufsverkehr und zusätzlich Festivalstaus – wir werden es nicht schaffen. Ich brauche einen Moment, um mich davon zu erholen, dass ich es trotz aller vorausschauenden Organisation jetzt nicht oder zumindest nicht vollständig sehen werde. Aber es ist ja alles nicht lebenswichtig, das muss ich mir immer wieder sagen. Es ist nur ein bisschen gehyptes Trallala auf einem roten Teppich. Aber ich bin dieses Jahr so richtig im Festivalfieber und es bekommt eine ungeheure Wichtigkeit. Ausatmen. Einatmen.

Immerhin sitze ich so pünktlich um 10 Uhr zur Filmreservierung der Quinzaines für den Samstag vor dem PC und erhalte zwei Karten für den Film und die Uhrzeit meiner Wahl: „Le journal d’une femme de chambre”, ein Remake des mehrfach verfilmten Stoffes „Tagebuch einer Kammerzofe” – dieses Mal aus der Sicht einer rumänischen Dienstmädchens.

Dann mache ich mir die Fingernägel.

Währenddessen gibt es groben Baulärm vor dem Haus. Wir stellen fest, dass Handwerker dabei sind, die Mauer, die uns vom Nachbargrundstück trennt, einzureißen. Wir brüllen uns ein bisschen mit dem tätigen Handwerker an und verlangen die Baugenehmigung zu sehen. Die hat er natürlich nicht, aber er erklärt uns brüllend, was ihm dort zu tun aufgetragen ist. Ob wir das jetzt verstanden haben. Wir brüllen zurück, dass wir das sehr wohl verstanden haben, aber bitte dennoch die Baugenehmigung sehen wollen, ob er das verstanden habe. Er telefoniert herum und steigt erstmal von der Mauer herunter, wir hören ihn später etwas im Inneren des Gebäudes demolieren.

Schon ist es Zeit fürs Mittagessen. Es gibt (von gestern) selbst gemachte Petits farcis: mit Hackfleisch gefüllte frische runde Zucchini mit Reis und Tomatensoße. Salat, Käse und frische Ananas.

Später fahre ich Monsieur zum Bridge. Gestern war der übliche Weg über die Schnellstraße schon extrem verstopft, – während des Festivals sind so viele zusätzliche Menschen und Autos in der Stadt -, so dass wir es heute über kleine Nebenstraßen versuchen. Werden dort aber von Gerüstbauern und dem Transporter eines Müllcontainers ausgebremst.

Wieder zurück (von einem weit entfernten Parkplatz, den ich unter normalen Umständen verschmäht hätte, der jetzt aber das beste ist, was ich bekomme) laufe ich an intensiv duftenden Jasminhecken vorbei. Immer auch das Positive sehen, n’est-ce pas.

Zuhause fange ich schonmal an, hier zu schreiben, damit es heute Abend nicht so spät wird.

Um Viertel vor fünf gehe ich los, bis ich auf der Autobahn bin ist es Viertel nach fünf und dann zieht es sich mit zähflüssigem Verkehr bis zum Flughafen. Ich komme um Viertel nach Sechs gerade so an. Der Flieger ist zwar pünktlich gelandet, aber natürlich dauert es mit dem Gepäck. Ich warte mit vielen Herren (und einer Dame), die bei jedem Öffnen der Türen Kartons oder Tabletts hochhalten, auf denen man Namen wie “Mrs Kim” oder “Mr Smith” lesen kann.

Alle haben irgendwann ihren Gast in Empfang genommen, nur ich nicht. Ich lese das Internet leer und sehe mir an, was ich gerade verpasse.

Ich rechne, ob wir es wenigstens für die Vorpremiere des Eröffnungsfilms schaffen könnten, der beginnt etwa um 20 Uhr. Aber leider ist das Gepäck der Journalistin in Frankfurt geblieben, und sie muss natürlich vor Ort noch eine Suche veranlassen, all das dauert. Kurz nach Acht ist sie endlich da, ohne Gepäck und zu spät für was auch immer, wir fahren Richtung Cannes und essen dann in Golfe Juan bei einem Libanesen mit Blick auf den Jachthafen.

Trotz vieler Gäste ruhiges Ambiente, das Essen ist fait maison, gut und nicht zu teuer. Wir quatschen lange, es wird ein netter erster Abend, wenn auch anders als gedacht. Dann fahren wir weiter nach Cannes, aber natürlich ist die Straße zum Hotel gesperrt, die Croisette ebenfalls. In der Stadt ist es wuselig und laut, überall festlich gekeidete Festivaliers, wir verabreden uns für morgen Abend zum ersten Film der Quinzaine, dann springt sie aus dem Auto und läuft die letzten hundert Meter zum Hotel, aber ohne Gepäck läuft es sich ja sowieso leicht.

Ich fahre nach Hause und finde, dem Universum sei Dank, einen Parkplatz nicht allzuweit weg. So viel für heute. Danke fürs Lesen und Schauen und gute Nacht!

Hier noch eine Zugabe, weil die Abendstimmung am Meer so schön war.

Die anderen 12 von 12er finden Sie wie immer und dankenswerterweise bei Caro vom Blog “Draußen nur Kännchen”.

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