In Mainz und beim Nachtcafé

Blick vom Kästrich

Die Sendung „Nachtcafé“ wird zwar vom SWR in Stuttgart produziert, die Aufzeichnung findet jedoch in Mainz statt. Am Tag nach der Aufzeichnung fuhr ich erst am frühen Nachmittag zum Flughafen zurück und hatte somit den Vormittag frei, um ein bisschen durch die Stadt zu laufen. Ich habe in Mainz studiert und eine Zeit lang auch dort gelebt. Aber manche Ecken waren mir fremd. So war ich total überrascht, als ich feststellte, dass ich vom Hotel aus über eine Tiefgarage ins Zentrum gelangen konnte.

Kupferberg Keller und Weg zur Tiefgarage

Erstaunlicherweise wurde ich in der Straße ausgespuckt, in der ich vor über dreißig Jahren mal gewohnt habe. Da konnte ich ja nun nicht nicht durchgehen, auch wenn ich damit einen Umweg nahm.

Blick auf die Kupferbergterrasse
Tür in der Walpodenstraße
Tür und Briefkästen
Walpodenstraße 23

Das Haus in der Walpodenstraße 23, in dem ich gewohnt habe, war damals ein etwas verbauter Neubau. Jetzt ist es komplett schick geworden. Ich erkenne es kaum wieder, nur die Kirche gegenüber hilft mir, es zu identifizieren (gerade läuteten die Glocken dröhnend, daran erinnere ich mich!).

Altmünsterkirche
Mainzel-Ampel-Männchen

Ich habe kein einziges Foto vom Studio gemacht. Das war vermutlich auch nicht vorgesehen und es war ohnehin alles gut durchgetaktet. Nur Schwester Josefine hatte offiziell einen Fotografen mitgebracht, der Fotos für ihren TikTok-Kanal machen durfte. Eine Ordensschwester, die TikTok-Videos macht! Da blieb mir schon mal der Mund offen stehen. Wir sollten uns aber nicht zu viel erzählen, damit wir später in der Runde noch wirklich überrascht sein konnten und während der Sendung nicht etwa sagten: „Ja, das hast du ja vorhin schon erzählt” oder dergleichen.

Wir wurden gut und vor allem ruhig umsorgt. Alle wollten, dass wir uns wohlfühlten, sodass trotz unserer Nervosität im Studio eine freundliche Wohnzimmeratmosphäre entstehen konnte. Die Dame von der Garderobe entschied mit kundigem Blick, welche der mitgebrachten Kleidungsstücke wir tragen würden. Sie nickte mein Outfit ab und lobte die Kette. Dann ging es weiter in die Maske. Eine junge Make-up-Artistin fragte mich, ob ich etwas Bestimmtes wünsche oder offen für ihre Ideen sei. Das war ich, ich setzte die Brille ab und überließ mich buchstäblich blind ihrer Arbeit. Nach gut zwanzig Minuten durfte ich die Brille wieder aufsetzen und war begeistert von meinem Make-up. Wow! Ich fühlte mich wie eine Schauspielerin und ließ mir von der Make-up-Artistin erklären, wie ich die Augen auch mal alleine so schön schminken könnte. Ich notierte mir auch, welchen Lippenstift sie gewählt hatte.

Dann ging es zum ersten Mal ins Studio mit Michael Steinbrecher, der uns alle einzeln herzlich begrüßte. Wir machten ein Foto, bekamen unsere Plätze zugewiesen und testeten die Sessel. Jeder bekam zusätzliche Kissen gereicht, damit wir wirklich aufrecht, gut und bequem saßen.

Gruppenfoto im Studio für “Angekommen” Copyright SWR

Wir bekommen „unsere“ Kamera gezeigt. Michael Steinbrecher erklärt uns, wie die Sendung ablaufen wird – auch mit dem Publikum, das bereits im Studio sitzen wird, wenn wir das nächste Mal hineinkommen. Er beantwortet alle unsere Fragen ruhig und aufmerksam.

Blick in “meine” Kamera Copyright SWR

Zurück im Aufenthaltsraum werden wir mit Mikrofonen verkabelt. In dieser Zeit wird das Publikum ins Studio gelassen und erhält vermutlich eine ähnliche Einführung wie wir, in der erklärt wird, wie die Sendung ablaufen wird. Michael Steinbrecher kommt noch einmal zu uns, spricht zwei, drei Sätze mit jedem von uns und dann geht es zurück ins Studio.

Im Studio ist nun alles an seinem Platz: das Publikum, die Kameras, und jetzt auch wir. Das Make-up wird noch einmal aufgefrischt und dann geht es los.

Michael Steinbrecher im Gespräch mit Marvin Ku Copyright SWR

Es gibt ein Aufwärmthema, das nicht gesendet wird, aber seinen Zweck, uns locker zu machen, erfüllt. Kurz sprechen wir über Gemüse: Wirsing oder Brokkoli?

Und dann geht es wirklich los. Ich bin froh, als Erste dran zu sein. Ich erzähle meine französische Geschichte und dass ich in Frankreich “angekommen” bin. Danach kann ich mich entspannter auf die anderen Gäste konzentrieren und ihnen wirklich aufmerksam zuhören. Alle Geschichten, die an diesem Abend erzählt werden, sind berührend, und man spürt, alle hätten noch viel mehr zu erzählen, aber wir haben jede(r) nur knapp fünfzehn Minuten. Trotzdem geht die ganze Sendung für mich wie im Rausch vorbei und ich habe kein richtiges Gefühl dafür, wie es gelaufen ist.

Typische Handbewegung Copyright SWR

Anschließend gehen wir noch zusammen essen – zumindest diejenigen, die sich nicht sofort auf den Heimweg machen müssen. Franziska Schmidt muss zu ihren Kindern, Schwester Josefine zurück ins Kloster und Marc Sauer hat noch eine lange Autofahrt vor sich.

Ich bin gleichzeitig erschöpft und aufgedreht. Den anderen Gästen geht es vermutlich ähnlich. Für das Team geht ein Drehtag zu Ende. Sie fahren später zurück nach Stuttgart. Am Donnerstag wird die Sendung geschnitten. Ab Freitag sorgt eine Praktikantin für die Ausschnitte und Fotos, die in den sozialen Medien geteilt werden können. Am Freitag Abend wird die Sendung ausgestrahlt, während gleichzeitig ein zweites Team mit Hochdruck an der nächsten Sendung arbeitet. Diese wird das Thema „David gegen Goliath” haben und nächste Woche ausgestrahlt werden. Ich habe große Hochachtung vor den Redakteurinnen, die inhaltlich so gut vorbereitet sind. Und ich habe große Hochachtung vor Michael Steinbrecher, der jede Woche sechs bis sieben neue Lebensgeschichten integriert, den Menschen passende und einfühlsame Fragen stellt und dabei alle im Blick hat. Großartig! Ich sage herzlichen Dank, dass ich bei diesem Abenteuer dabei sein durfte!

Zum Abschied schütteln wir Hände, umarmen uns und dann sind alle weg. Abends besuche ich liebe Freunde, darf noch einmal im Hotel übernachten und habe am nächsten Tag Zeit, ein bisschen durch die Stadt zu laufen.

Fastnachtsbrunnen
Altstadt mit Blick auf den Dom
Am Kirschgarten

Am Flughafen esse ich später Grieh Soß (grüne Soße) und gekochte Eier, das habe ich schon jahrzehntelang nicht mehr gegessen, es ist so lecker!

Grieh Soß

Das Flugzeug ist pünktlich in Nizza, ich eile zum Terminal 2 und erreiche gerade noch den Bus nach Cannes, der ganze zehn Minuten zu früh abfährt! Sowas! Um 20 Uhr bin ich zuhause. Abenteuer Ende.

Garten-Herbstdeko in Gonsenheim

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