Regen, ein Film und keine Mimosen

Wir erleben einen außergewöhnlich kalten und verregneten Januar und Februar dieses Jahr an der Côte d’Azur. Die Mimosenblüte in unserem Vorgarten ist buchstäblich verhagelt, die Blüten sind bereits braun und verblüht. Ich konnte noch keinen weiteren Spaziergang auf den derzeit matschigen Wegen in der Croix des Gardes unternehmen. Und die zartrosa Mandelblütchen, die stets im Schatten der gelben Flauschbällchen auftauchen, werden vom vielen Regen einfach davongeschwemmt.

Ich fürchte, es wird dieses Jahr keine schwefelgelben Outdoor-Mimosenfotos geben, aber in dieser Woche werde ich eine „Forcerie” besuchen. Das ist eine Fabrik, in der die Zweige mit den noch geschlossenen Mimosenknospen in einem feuchtwarmen Klima zum Aufblühen gebracht werden, damit sie zum Verkauf schön fluffig sind. Oder für den Mimosenkarneval, der gerade beginnt. In diesem Zusammenhang bietet die kleine Nachbarstadt Mandelieu Besuche bei Mimosenzüchtern und in diversen Forcerien an. Ich kann den Duft der Mimosen in geschlossenen Räumen nur bedingt schätzen, da er mir schwer auf die Bronchien schlägt. Mal sehen, wie es wird.

Wir waren im Kino und sahen uns den Film La fete à Henriette aus dem Jahr 1952 an. Ich habe ihn mir nicht nur angesehen, weil der Regisseur Julien Duvivier so berühmt war (er hat unter anderem die Don-Camillo-Filme gedreht), sondern auch und vor allem, weil die junge Hildegard Knef mitspielte. Der Film, der nicht überwiegend im Studio, sondern mitten im mal ausgestorbenen, mal wimmelig vollen Paris gedreht wurde, kommt trotz seines Alters frisch und dynamisch daher. Außerdem gibt es tolle Kameraeinstellungen und immer wieder eine Vogelperspektive auf Strukturen aus dem städtischen Paris: Caféterrassen, Stühle, tanzende Paare, Schirme, Treppen und marschierendes Militär – der Film spielt schließlich am 14. Juli, dem Nationalfeiertag und gleichzeitig dem Namenstag und Geburtstag von Henriette.

Zwei Szenaristen, einer optimistisch, der andere pessimistisch, und eine Sekretärin, die die beiden kreativen Herren überallhin begleitet, sich Notizen macht und das Szenario tippt, und die zwischendurch auch kritisch korrigierend eingreift, erschaffen einen neues Drehbuch. Viele der gewaltvollen Krimi-Szenen, die der pessimistische Szenarist entwickelt, werden letztlich wieder verworfen, übrig bleibt eine charmante und amüsante Komödie mit Happy end, zumindest für die zwei Hauptpersonen, Henriette und Robert.

Hildegard Knef, die im (nicht nur) französischen Ausland als Hildegarde Neff geführt wird, weil die Frenchies “Knef” keinesfalls aussprechen können, spielte zwei Jahre nach “Die Sünderin”, der in Deutschland als Skandalfilm Furore machte, hier eine frivole männersammelnde Zirkusreiterin, was niemandem im durchweg älteren Publikum ein kritisches Wort wegen dieser Unmoralität entlockte. Die Szenen mit den beinahe nackten Tänzerinnen in einem Nachtclub natürlich auch nicht. Frankreich eben.

Es gibt übrigens zwei amerikanische Remakes, 1964 kam “Paris when it sizzles” mit Audrey Hepburn und William Holden heraus, und 2003 “Alex und Emma”, ein Remake des Remakes, wo zwar immer noch eine tüchtige Sekretärin die Ideen eines Autors aufschreibt und sich in sein Szenario einmischt, diese Liebeskömodie hat nun aber definitiv nichts mehr mit Paris zu tun.

Der Trailer zu “La fête à Henriette” lässt sich gerade nicht einbetten, warum auch immer. Also bekommen Sie Sous le ciel de Paris in der (sozialkritischen) Version von Hildegard Knef.

Jetzt scheint es zu gehen – ich hoffe, Sie können den Vorfilm auch in Ihrem Land abspielen.

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