Des Élections municipales – Kommunalwahl 2026

Heute finden in Frankreich die Kommunalwahlen statt. In dem Bergdorf, in dem wir traditionell wählen, gibt es nur eine Liste: Die Bürgermeisterin stellt sich zu ihrer dritten Amtszeit mit einem teilweise neuen und verjüngten Gemeinderat zur Wahl. Man kann keine Personen von der Liste streichen, wenn man eine Person nicht möchte, sondern muss entweder die gesamte Liste wählen oder gar nicht. Die Bürgermeisterin wird also sehr wahrscheinlich wiedergewählt werden. Sie benötigt lediglich 25 % der 88 Wahlberechtigten. Das wird sie mit Sicherheit erreichen, auch wenn heute überraschend nur sehr wenige Wählerinnen zur Urne gegangen sind. 56 nämlich, wie ich gerade um eine Minute nach 18 Uhr von einer Freundin in einer Art Liveschaltung erfahren habe. In kleinen Orten wird das Wahlbüro um 18 Uhr geschlossen, in größeren Städten erst um 20 Uhr.

Zwei Mitglieder des zukünftigen Gemeinderats sitzen schonmal irgendwo im Nahen Osten fest, in Dubai, Doha oder wo auch immer. Sie waren in Australien, um ausgewanderte Freunde zu besuchen, und können aufgrund des Krieges bzw. fehlender Flugverbindungen derzeit nicht mehr zurückkommen. Aus unserer Familie fehlten auch vier Personen: Die Tochter Monsieurs wurde ja gerade operiert und darf keine langen Reisen unternehmen. Monsieur war auch erschöpft. Nur ich hatte fest vor, gestern hochzufahren. Aber dann hat mir das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht: Alerte Orange, sintflutartige Regenfälle in Cannes und Nizza, überschwemmte Autobahnen und die dringende Empfehlung, nicht unterwegs zu sein. In den Bergen gab es zehn Zentimeter Neuschnee. Außerdem fanden wohl die letzten zwei Etappen des Fahrradrennens Paris–Nizza statt, das auf Bergstraßen ausgetragen wurde. Ich blieb also zu Hause, mit einem komischen Gefühl, so etwas wie ein schlechtes Gewissen.

In Cannes gibt es quasi auch nur eine Wählerliste und niemand hat wirklich Gewicht gegen den amtierenden, sehr beliebten Bürgermeister der konservativen Partei Les Républicains. „Cannes gagne” ist sein Slogan unter seinem bereits zufrieden aussehenden Konterfei. Das meint natürlich: David Lisnard gagne. Vielleicht schaffen es eine Person des RN (Rassemblement National, extrem rechts) und ein oder zwei Personen der „Liste de la gauche solidaire écologiste et citoyenne”, einem Zusammenschluss aller Linken und Grünen, in den Gemeinderat. Dort können sie aber natürlich so gut wie nichts ausrichten. Aber wer weiß, vielleicht habe ich nach 20 Uhr noch etwas Interessantes zu ergänzen …

In Nizza sieht sich der seit vielen Jahren amtierende Bürgermeister Christian Estrosi dem Herausforderer Eric Ciotti, der sich vor Kurzem dem extrem rechten Rassemblement National angeschlossen hat, gegenüber. Dass am Samstag ein Viertel der Wahlzettel abgesoffen war, die in schlecht verpackten Paketen im Regen von den Wahlbüros abgelegt worden waren, ist hoffentlich kein schlechtes Omen. Es wurden natürlich in aller Eile Wahlzettel nachgedruckt, heißt es.

In meinem Bergdorf wurden die wenigen Stimmen bereits ausgezählt und die Bürgermeisterin ist mit 54 Stimmen gewählt worden. Es gab eine Stimmenthaltung durch eine „Blanc“-Stimme (man hat ein leeres, weißes Blatt anstelle des Wahlzettels in den Umschlag gesteckt) und eine andere Person hat die Bürgermeisterin auf dem Wahlzettel durchgestrichen, was als ungültige Stimme zählt. Nun, 54 von 56 Stimmen ist, auch bei geringerer Wahlbeteiligung, doch ein ziemlich gutes Ergebnis.

Ich bin von der Situation ohne Konkurrenz im Bergdorf und von der komfortablen Position David Lisnards in Cannes so sehr eingelullt, dass mir die Brisanz in den anderen Städten dieses Mal völlig entgangen ist.

Wie bei allen Wahlen in Frankreich gibt es natürlich auch einen zweiten Wahldurchgang, wenn es im heutigen ersten Durchgang keine(n) absolute(n) SiegerIn gibt, d. h., wenn er/sie nicht über 50 % der Stimmen erhält. In Nizza beispielsweise sieht es momentan so aus, dass Estrosi etwa 36 % und Ciotti etwa 40 % der Stimmen hat. Es gibt jedoch auch andere Parteien, die sich für den zweiten Wahlgang erfahrungsgemäß zurückziehen werden, damit nur die beiden stärksten Kandidaten übrig bleiben, und eine(r) von ihnen mehr als 50% der Stimmen bekommen kann. Manche der zurückgezogenen Parteien geben Wahlempfehlungen ab, die für die Wähler jedoch nicht verpflichtend sind. In Nizza (und in vielen anderen Städten) bleibt es also noch spannend!

Heute ist es zwar überall noch sehr nass, in den Bergen liegt noch ein wenig matschiger Schnee, aber als ich eben vom Brot kaufen kam, sah es so mild und lieblich aus, dass man das katastrophale Wetter von gestern kaum noch glauben kann.

Wir waren erstmals nicht wählen, dafür aber zweimal im Kino, das wird aber ein anderer Eintrag. Stay tuned ;-)

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