Ich bin etwas zu spät, habe aber gestern mitgemacht bei 12 von 12, also bekommen Sie die Fotos und ihre Geschichte auch.

Es begann in den Bergen. Da waren wir übers Wochenende, weil der Verein alljährlich sein Loto veranstaltet hat und ich die Freundin, die eh schon so viel alleine stemmt, damit nicht alleine lassen wollte. Mir gings nämlich immer noch nicht richtig gut – ich habe mir vergangene Woche in Deutschland irgendwelche bösen Bakterien eingefangen, die mich beinahe umgebracht haben. Zumindest dachte ich das, als ich eine Nacht lang mit einer Schüssel auf den Knien auf dem Klo saß. Letzen Endes habe ich vor dem Klo geschlafen. Ich erspare Ihnen die Details.
Anyway wir sind Freitag Abend hochgefahren, zwanzig Grad Temperaturunterschied, nach Hagelgewitter – davon stammt das erste Foto, denn gestern habe ich dann doch nicht mal zwölf Fotos gemacht – Samstag war das Loto, und man kann es nur meinem noch immer leicht schwächelnden Gesundheitszustand zuschreiben, dass ich davon dieses Jahr kein einziges Bild gemacht habe. War ja aber auch der Samstag und noch nicht der Zwölfte, da immerhin denke ich dran.

Frühstück vor dem Frühstück: Probiotische Bakterien für die Darmflora und Brausetabletten mit Mineralsalzen.

Frühstück mit Aussicht. Haferflocken mit Schafsjoghurt (lokale Produktion) und frischen Pfirsichen. Lupinenkaffee mit Hafermilch.

Tian in the making. Während das Gemüse im Ofen schmurgelt, hole ich meinen bestellten (Schafs-)Käse aus dem Kühlschrank im Dorf, der von den Schäfersleuten bestückt wird.

Dabei entdecke ich, dass unsere Straßenschilder angebracht worden sind. Bis vor einem Jahr hatten wir keine Straßennamen, alle Post kam immer nur im “village” an. Der Postbote kennt uns sowieso und weiß, wer wo wohnt. Aber jetzt sind Straßennamen auch für kleine Gemeinden verpflichtend geworden. Hier die Promenade St Nicolas, die zur Kirche mit dem gleichlautenden Namen führt.


Mittagessen mit Tian, Kalbshacksteak für Monsieur, Panisse und zweierlei Schafskäse.
Sieste ohne Foto. Danach scrolle ich durch Social Media und bleibe bei @mrs.malonn hängen, die mit ihren Kindern in der @arche_nordholz, einem Mehrgenerationenhof in Norddeutschland lebt. Ihr Leben ist nicht leicht, sieht aber immer bezaubernd aus. Vielleicht mögen Sie auf Instagram mal reinschauen. Ich kenne, wie so oft in der Internet-Welt, Denise aka Mrs Malonn nicht im richtigen Leben, aber dieser Hof und das Leben dort (zumindest das, was ich davon sehe) ist mein heimlicher Traum. So etwa wünsche ich mir das Leben für meine alten Tagen. Der Hof steht nun überraschend kurz vor dem Aus – das können Sie dort alles selbst nachlesen – es gibt wohl auch weniger nette Bewohner. Zwei Go-fund-me-Kampagnen wurden gestern ins Leben gerufen, hier und hier, die eine, die Geld für die rechtliche Abwendung der Nutzungsuntersagung sammelt, die andere die zusätzlich Geld für die erforderlichen baulichen Maßnahmen (Elektrik, Heizung) sammelt. Ich habe da gestern spontan etwas gespendet, in der Hoffnung, dass Wohnprojekte wie dieses eine Zukunft haben.

Dann fahren wir wieder Richtung Cannes, extra etwas früher, um nicht in den allgemeinen Sonntagsabendsrückreiseverkehr zu kommen, werden dann aber auf der D6202 ausgebremst. Stau. Es geht nichts mehr. Niemand weiß etwas. Irgendwann fahren Krankenwagen und Gendarmerie mit Tatütata an uns vorbei. Dann noch ein Krankenwagen und noch mehr Gendarmerie, dann nach knapp zwei Stunden endlich ein Abschleppwagen. Wir stehen in der Sonne, die Grillen zirpen laut. Es geht manchmal fünf Meter weiter, weil Autos aus der Schlange umkehren und zurückfahren. Für uns keine Option. Wir haben eine Baustelle in Cannes, die Monsieurs’ Präsenz erfordert. Keine Alternativroute möglich.

Immerhin kommen wir beim fünf Meter vorrücken einmal in den Genuss von Schatten hinter einem kleinen Baum, wo wir jetzt stehen bleiben.

Glücklicherweise haben wir eine Flasche kühles Wasser dabei. Ja, wir haben eine Klimaanlage im Auto, die jedoch nicht im Stau funktioniert. Nach zwei Stunden Totalblockade geht es jetzt mit wechselndem Verkehr weiter. Als wir an der Unfallstelle vorbeifahren sieht es dort ganz grauenhaft aus. Vermutlich ein Frontalzusammenstoß bei einem Überholmanöver auf der engen Straße, bei der kein Ausweichen möglich war.
Genau das steht heute auch in der Zeitung.

Wir kommen in Cannes an, steigen aus dem klimatisierten Auto und heiße klebrige Luft überfällt uns. Die Zikaden zirpen laut, vom Strand wummern anders laut die Bässe von einer Party durch die Stadt. Sieht man alles nicht auf diesem Bild aus dem Vorgarten.

In der Wohnung dann Versuch über offene Fenster Luft hineinzulassen. Vergeblich. Anders als in den Bergen (und in Deutschland!) kühlt es hier nachts nicht mehr ab. Das bleibt jetzt so bis Ende August. Leben mit zwei Ventilatoren, die die heiße Luft umrühren.

Ich kann hinzufügen, dass wir keine erholsame Nacht hatten. Trotz Ventilator. Und nein, wir wollen trotzdem keine Klimaanlage einbauen. Ich hoffe, dass wir baldmöglich wieder in die Berge fahren können.
Morgen ist Nationalfeiertag, daher ist heute ein Brückentag, Bäcker, Metzger und Bank haben geschlossen. Im Prinzip haben alle haben geschlossen im Sommer. Die Bauarbeiter immerhin kamen heute brav noch einmal, bevor sie die Baustelle bis zum 26. Juli verlassen. Natürlich ist nichts fertig, wo denken Sie hin. Schulterzucken. Was wollen Sie. Es ist Sommerpause in Frankreich.
Oh, und der letzte Absatz ist verloren gegangen, der Link zu den anderen 12 von 12ern bei Caro! Da bin ich die tatsächlich die Hundertste! Hurrah!
Danke fürs Anschauen und Lesen!











