Lähmende Hitze und dies und das im August

„Lähmende Hitze“ – so beschrieb Ildikó von Kürthy kürzlich auf Instagram ihren misslungenen Urlaub auf Mallorca. Es war ihr zu heiß, um etwas zu unternehmen, und sie fühlte sich erschöpft und gelähmt.

Ja, diese Art von Sommer haben wir jedes Jahr mindestens zwei Monate lang. Das wissen Sie schon, und ja, ich weiß, bei Ihnen ist es auch heiß. Aber die Luftfeuchtigkeit ist vermutlich nicht ganz so hoch. Das macht nochmal was, finde ich, nämlich noch mehr Schlappheit. Ich schlafe bei der Sieste einfach so ein, muss nicht einmal meine sieben Minuten Meditation zu Ende hören, schon bin ich weg. Abends schlafe ich jetzt mit einer Art eisgekühlten Bettflasche. Ich habe schon alles Mögliche ausprobiert: lauwarm duschen und nicht abtrocknen, kalte Fußbäder – aber das kalte Wasser ist auch warm – und ein Kühlaggregat mit ins Bett nehmen. Das war aber zu steif, daher habe ich mir eines dieser Kühlkissen gekauft, die man in der Tiefkühlschublade aufbewahrt und die man in der Regel bei Verstauchungen oder blauen Flecken auflegt. Ich lege es unter meine Waden und finde es genial! Es kühlt den Körper runter und macht keinen nervigen Lärm wie der Ventilator, dessen Luftzug mich auch schnell stört. Eine Tüte Tiefkühlerbsen würde es vielleicht auch tun und ist vermutlich weniger teuer. Aber das Kühlkissen ist auch erschwinglich. Leider hält es nicht die ganze Nacht, aber es hilft gut beim Einschlafen. Wenn dann mal nicht vier junge Frauen um fünf Uhr nach Hause kommen und bis um sechs laut und intensiv quatschen oder ein Betrunkener mitten in der Nacht laut über die Lautsprecherfunktion telefoniert, sodass man auch die Antworten mitbekommt, dann haben wir hin und wieder fast gute Nächte. Also ich zumindest – Monsieur hat mit der Hitze und dem Schlafen deutlich weniger Probleme.

Ich gehe jetzt auch wieder früh an den Strand. Nicht um sechs, aber um halb acht ist es auch noch gut, auch wenn das Meer 28 Grad warm ist. Es ist nicht wirklich erfrischend. Ich ziehe zusätzlich eine leichte Schwimmkombi an, um gegen Quallen gewappnet zu sein. Es gibt welche, aber ich habe noch keine gesehen. Das liegt auch daran, dass das Meer aufgewühlt und schmuddelig ist und nicht so klar, dass man etwas sehen könnte. Aber ich riskiere dieses Jahr nichts.

Gestern Morgen machten zwei Frauen Fotos – eine fotografierte, die andere posierte. Eine langbeinige Schönheit im knappen Badeanzug machte die klassischen, als sexy geltenden Posen mit eher unfreundlichem Blick (was vermutlich auch sexy ist), tauchte am Ende kopfüber ins Wasser und drehte sich lasziv in den kleinen, sanften Wellen hin und her. Die Damen sprachen Russisch oder vielleicht auch Ukrainisch miteinander. Die bereits am Strand anwesenden Herren (überwiegend älter) machten zwar despektierliche Bemerkungen, mussten dann aber doch ins Wasser, um sich wieder runterzukühlen, soweit es im lauwarmen Meer möglich war.

Ansonsten lümmeln frühmorgens Gruppen rundlicher, jugendlicher Möwen am Strand herum, die sich von den wenigen Menschen nicht einschüchtern lassen. Erst später, wenn die Urlauber mit Sonnenschirmen, Stühlen und Tiefkühltaschen anrauschen, sind sie plötzlich wie vom Erdboden verschwunden..

Das Schwimmen im Meer kühlt zwar ein bisschen ab, aber die Wirkung hält, genau wie die des Kühlkissens, nicht sehr lange an. Aber immerhin habe ich so das Gefühl, auch etwas vom Sommerurlaub am Meer profitiert zu haben und nicht nur den ganzen Tag in der 31 Grad warmen und abgedunkelten Wohnung zu verschmachten. Monsieur und ich sind uns bei der Thematik „Fenster auf, Fenster zu, also Lüften” übrigens auch ganz und gar uneins. Lüften ist ein urdeutsches Thema!

Zweimal war ich im Kino – zwei Stunden in einem klimatisierten Raum unterhalten zu werden, ist ganz okay.

„De la comédie française“ ist ein sehr witziger, verrückter und absurd-komischer Film übers Theater. Wir verbringen die letzten Stunden mit einigen Schauspielerinnen und Schauspielern bei der Generalprobe und hinter den Kulissen der Comédie Française kurz vor der Premiere von „Macbeth“, bei der die Kulturministerin anwesend sein wird. Das erzeugt zusätzlichen Druck bei allen Beteiligten.

Nicht witzig, aber sehenswert und berührend ist “Etwas ganz Besonderes”, der neue Film von Eva Trobisch. In der französischen Version heißt er “Home Stories”. Er spielt in der thüringischen Provinz in der Familie von Lea, die überraschend für eine Castingshow à la „The Voice“ ausgewählt wurde und sich dort vorstellen soll. Als man sie fragt, was das Besondere an ihr sei, kann sie keine Antwort geben.

Man liest irgendwo, es sei eine „Coming of Age-Geschichte“ dreier Generationen. Ich finde, es ist eine Ost-Familiengeschichte mit all den Brüchen, die die Wiedervereinigung verursacht hat. Es gibt Verletzungen und Kränkungen, Missverständnisse und Geheimnisse und die Kommunikation untereinander ist schwierig.

Ich habe seinerzeit den ersten Film „Alles ist gut” von Eva Trobisch gesehen, der mich sehr genervt hat, weil gar nichts gut war und die Hauptdarstellerin nicht darüber kommunizieren konnte. Daran musste ich denken. Nicht gelingende Kommunikation kann Eva Trobisch gut. Ich mochte die Geschichte von Lea und ihrer Familie, die alltäglich beginnt und offen endet, und ich finde die SchauspielerInnen überzeugend.

Seitdem schwirrt mir auch einer der Songs des Films eindringlich im Kopf herum: Fuffifufzich Ciao Amore mio … komm komm komm komm komm her …

Das wäre auch ein schöner Film für unser ostdeutsches Filmfestival, das auch dieses Jahr im September stattfinden wird. Aber wir haben dieses Jahr etwas anderes “Ganz Besonderes” vor: Wir werden vier Filme von Andreas Dresen zeigen und er wird sogar persönlich anwesend sein! Toll, oder? Vielleicht möchten Sie sich das Wochenende am 26./27. September ja schon einmal vormerken?

Etwas ganz anderes, das nicht so richtig hierhin passt, aber vermutlich passt es nie: Trägt irgendjemand von Ihnen Barfußschuhe? Ich habe es so satt, dass mir die Füße in normalen Schuhen wehtun (wegen Hallux valgus) und ich die Schuhe immer eine Nummer größer wählen muss. Jetzt im Sommer trage ich Birkenstock-Gizeh-Modelle, die in der Zwischenzeit ja auch im schicken Frankreich durchaus modisch akzeptiert sind. Die Schuhe sind okay, aber irgendwie ist mir die Sohle zu steif. Und mir graut davor, wenn ich wieder in geschlossene Schuhe muss. Ich würde Barfußschuhe gern mal ausprobieren, aber hier in Cannes gibt es so etwas natürlich nicht und auch beim Versandhandel ist die Auswahl sehr gering. Das dort bestellte Paar kommt aus irgendwelchen Gründen nicht an – vermutlich ist dem Fahrer des Lieferwagens auch viel zu heiß und er ist erschöpft. Vor allem weiß ich aber nicht, ob Barfußschuhe bei Knieproblemen und Laufen auf Asphalt wirklich geeignet sind. Haben Sie Erfahrungen? Ich würde gerne welche hören!

So viel für heute. Klebrig verschwitzte Grüße! Ich freue mich schon auf mein nächtliches Kühlkissen!

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2 Responses to Lähmende Hitze und dies und das im August

  1. Barbara sagt:

    Hallo Christine, ich trage solche Schuhe seit 3 Jahren im Sommer immer auf meinen Hundespaziergängen, also sowohl auf Wiesen als auch auf Straßen, und ich liebe sie. Ich habe auch gelegentlich Probleme mit den Knien, aber zu allen Jahreszeiten, also unabhängig von den Schuhen.
    Grüße aus dem Südwesten!

    • Christjann sagt:

      Danke für die schnelle Rückmeldung, liebe Barbara! Das ermutigt mich! Gibt es eine Marke, die du bevorzugst oder sonst etwas, was du an Erfahrung noch teilen möchtest?
      LG
      PS: Und seid ihr bei euch vom Feuer verschont geblieben?

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