
Im Moment gewittert es gerade, dicke Nebelwolken verhüllen die Landschaft vor dem Fenster, und für die nächsten Stunden ist Regen angesagt. Zweimal ist schon der Strom ausgefallen (und wir haben ihn wieder retabliert), aber so lange das Internet noch da ist, schreibe ich mal ein bisschen. (Spoiler: es regnet die ganze Nacht durch bis zum nächsten Mittag. Es soll sogar in Cannes geregnet haben, halleluja!)
Da wir schon wussten, dass es Ende der Woche regnen würde, haben wir die letzten Tage für Wanderungen (der junge Mann) und einen Ausflug (der junge Mann und ich) genutzt. Monsieur war währenddessen mit Tochter und Schwiegersohn, die eigentlich gerade in der alten Schule sind, zu einer Beerdigung nach Cannes gefahren.
Wir waren also unterwegs und zunächst in Annot, einem kleinen Städtchen im Nachbardepartement Alpes de Haute-Provence. Dort ist dienstags Markt (und dort habe ich vor 21 Jahren den Käse vom Hof verkauft!). In Annot gibt es auch einen größeren Supermarkt. Als ich noch fest hier gelebt habe, war er mein Ziel für große Einkäufe. Ich war bestimmt schon fünfzehn Jahre nicht mehr hier, und bizarrerweise ist alles viel kleiner als in meiner Erinnerung. Aber immerhin gibt es guten Schafkäse auf dem Markt und wir sind früh genug dort, um noch welchen zu bekommen, sowie frisches Gemüse. Und der Bäcker hat trotz der langen Schlange wartender Kunden auch noch Brot.







Vor den beiden Metzgern ebenso lange Schlangen, aber da brauchen wir heute nichts.


Auf dem Markt gab es die ersten frischen grünen Bohnen, die unvermeidlichen Zucchini und wirklich gute, reife Tomaten. Der Supermarkt, der damals ein Highlight für meine Einkäufe war, ist jedoch schlecht sortiert, finde ich. Bestimmte Hygieneartikel und meine Hafermilch (derzeit Alpro Barista) gibt es dort auch nicht.
Wir aßen eine Kleinigkeit und entschieden uns spontan, nicht direkt zurückzufahren, sondern eine Tour Richtung Colmar les Alpes zu machen und von dort über den Col des Champs zurückzufahren. Den ersten Teil der Strecke, der dem hier noch kleinen Verdon bis zu seiner Mündung folgt, bin ich selbst auch noch nie gefahren. Colmar und den Col des Champs habe ich auch schon bestimmt fünfzehn Jahre nicht mehr besucht.


Nicht ganz auf dem Weg liegt das ziemlich nett anzusehende Meailles, das sogar einen kleinen Bahnhof ganz unten im Tal hat. Dort hält der berühmte Train des Pignes, der Pinienzapfenzug. Den habe ich bedauerlicherweise auch noch nie genommen. Leben, wo andere Urlaub machen, sage ich nur. Da kommt man einfach zu nichts.

Die alte Brücke (Le pont du Moulin) wurde frisch restauriert, die Mühle ist jedoch weiterhin eine Ruine. Im noch schmalen Verdon spielten Kinder. Ihre Eltern lagen im Schatten am Ufer.
Wir fuhren an einigen kleinen Dörfern wie Thorame vorbei, die vielleicht einen Abstecher wert sind, und folgten dem Verdon, der nicht weit von hier in den Bergen bei Allos entspringt. Das liegt allerdings hinter unserem heutigen Ziel, der kleinen Festungsstadt Colmar les Alpes.

Hier ist zweimal in der Woche Markttag. Angeblich ist die Stadt dann voller Händler und Käufer – was die vielen Parkplätze andeuten – und sehr lebendig. Ich war schon zweimal in Colmar les Alpes, aber jedes Mal außerhalb der Markttage. Ich fand das Städtchen immer eingeschlafen und ziemlich unspektakulär. So auch heute. Es war aber etwas herausgeputzter als ich es in Erinnerung hatte. Und es gibt eine gar nicht so kleine Buchhandlung, in der ich ein Puzzle für die regnerischen Wintertage erstehe.




Von dort aus fahren wir über den Col des Champs zurück. Ich mag diese Strecke sehr. Col des Champs bedeutet übersetzt „Pass der Felder und Wiesen”. Wenn man ihn im Juni fährt, ist es dort unfassbar grün und die Wiesen sind voller Blumen. Auch jetzt ist er immer noch beeindruckend, allerdings sind jetzt vor allem die alten Lärchen grün.

Auf der Straße von Annot nach Colmar sind uns lange Zeit kaum Autos begegnet, jetzt haben wir auf der engen, einspurigen Serpentinenstraße jedoch allerhand Gegenverkehr: Autos, Motorräder und sogar Fahrradfahrer kommen in den Kurven angeschossen. Oben am Col angekommen, sehen wir viele Motorradfahrer, darunter auch Deutsche, die so charmante Aufdrucke auf ihren T-Shirts hatten wie „1. FC Sternhagelvoll”. Ich fühle mich ja oft verantwortlich für die Deutschen, die es in mein abgelegenes Tal geschafft haben. Dieses Mal schaffe ich es jedoch, mich nicht in ihre lautstarke Unterkunftssuche einzumischen.






Auf dem Col des Champs weiden Kühe und Schafe, und es purzeln allerlei Murmeltiere herum. Leider habe ich davon kein Foto. Als wir wieder zu Hause sind, ist auch Monsieur zurück und hat mir die verschollenen ersten Barfußschuhe mitgebracht. Ich probiere sie begierig an, finde sie aber irgendwie kratzig und stoße vorne an. Außerdem mag ich das angedeutete Zehendesign nicht. Ok, war ein erster Versuch. Anfang September bin ich wieder in Deutschland und werde andere Schuhe ausprobieren. Ich werde berichten.
Am späten Abend fuhr ich mit Freunden noch zu einem Orgelkonzert ins Nachbardorf – wenn hier schon besondere Veranstaltungen stattfinden, muss man das unterstützen, finde ich. Ein international bekannter Organist, der in Rom und Porto tätig ist, hatte sich bis in das kleine Dorf verirrt und spielte uns auf der kleinen Orgel Stücke von Bach und Mozart. Die Kirche war nur halb voll. Das ist bedauerlich, obwohl ich das Konzert nicht so erhebend fand. Die Akustik war schlecht, denn die kleine Orgel steht im Altarraum vorne links und dröhnte nicht, wie man es kennt und wie ich es erwartet hatte, von hinten und oben. Die Musik erfüllte weder den Kirchenraum noch mich (normalerweise bekomme ich bei Orgelkonzerten Gänsehaut und es vibriert im ganzen Körper).


Hier heben sich langsam die Wolken. Auf dem Parkplatz steht ein alter Morgan – so etwas haben wir in Châteauneuf noch nicht gesehen! Ein Paar aus der Normandie fährt die Grande Route des Alpes. Nur einen Tag später ist ein deutsches Paar in Châteauneuf gestrandet. Sie sind ebenfalls mit einem besonderen Auto unterwegs: einem Triumph TR6. (undokumentiert).


Am Freitag haben wir mit den anwesenden Dorfbewohnern noch einmal auf dem Platz gekegelt – mit dem finnischen Kegelspiel Mölkky – und anschließend gemeinsam Pizza gegessen. Das war wie immer sehr nett.
Gestern war dann das Fest im kleinen Nachbardorf Bantes. Da geht man schon aus Höflichkeit hin, denn aus Bantes kommen auch immer Menschen zu unseren Veranstaltungen. Ich mag das Dorf und einige der Einwohner aber besonders gerne, insofern war es eine gute Gelegenheit, sich mal wieder zu sehen.


Aus Altersgründen hat sich das Comitée des Fêtes dort verabschiedet, weshalb es nach der Messe dieses Jahr „nur” Apéro und ein Buffet gab. Wir standen herum, tranken, plauderten und schnappten uns von den herumgereichten Tabletts belegte Sandwiches, Mini-Burger und allerlei anderes. Von dort aus lief ich später nach Hause, knapp drei Kilometer, stets leicht bergauf, in der guten Mittagshitze. Aber es hat mir gut getan, mich etwas zu bewegen. Das Schwimmen fehlt mir hier oben und richtige Wanderungen kann ich aufgrund des steten Auf und Ab nicht machen.



Heute Morgen saßen wir dann im bis oben hin vollgepackten Auto. Es sprang nicht an. Kein Ton, gar nichts. Tot. Zum Glück hatten wir bereits in Fahrtrichtung geparkt. Wir schoben das Auto an, damit es ein Stück den Berg hinunterrollen konnte, in der Hoffnung, es im zweiten Gang zu starten. Klappte nicht. Wir hielten einen Urlauber an, der gerade vorbeifuhr und fragten ihn, ob er uns mit dem Überbrückungskabel helfen könne. Er tat es, aber das Auto blieb tot.

Vom Berg aus geht es ja nun stets bergab. Monsieur beschloss, dass wir es noch ein Stück mit dem Hinunterrollen und dem Anlassen im zweiten Gang probieren sollten. Und siehe da, nach ein paar hundert Metern und ein paar unübersichtlichen Kurven – in denen wir auch nicht hupen konnten und nur hoffen konnten, dass sonntagsmorgens niemand um die Kurve geschossen käme – klappte es! Das Auto sprang an! Juchuh! Ich fuhr ohne anzuhalten bis nach Hause. Auch beim Bäcker ließ ich vorsorglich den Motor laufen – eine gute Entscheidung, denn als ich das Auto vor dem Haus ausgeschaltet hatte und wir es ausgeladen hatten, war es erneut tot. Same procedure. Glücklicherweise ist Cannes sehr hügelig und wir wohnen oben. Mit der Familie, die eigentlich gerade beim Essen war, schoben wir das Auto in eine abschüssige Straße. Monsieur schaffte es erneut, das Auto über den zweiten Gang anzuwerfen. Er fand auch bald einen Parkplatz. Dort steht es jetzt und ist wieder tot. Morgen werden wir versuchen, eine neue Batterie zu erwerben und einzubauen.
Es ist nach wie vor heiß in Cannes, aber es sind „nur” noch 29 Grad (Innentemperatur 28 Grad) und ein leichter Wind weht, der wie gehabt das Gewummer der Musik vom Strand heranträgt. Ich sitze wieder vor dem Ventilator, mein Kopf ist müde und schwer. Das kann aber auch am Sozialkater liegen. Der junge Mann ist gerade abgereist, aber es geht fröhlich weiter: Diese Woche bekommen wir in Cannes Besuch, ich muss nebenbei einen Text schreiben und dann fliege ich schon wieder nach Deutschland.












Das sind ganz tolle Bilder
Merciiii 🙏🏼😊😘
ein so interessanter bericht mit wunderbaren bildern, ich war zweimal in montlaux, es erinnerte mich an meine reisen. dieses dörfliche leben finde ich beruhigend. hoffe für dich auf passende bequeme schuhe.