
So wie der Oktober der Sichtbarkeit von Brustkrebs und der Farbe Rosa gewidmet ist (octobre rose), soll der November das Thema Prostatakrebs aus dem Tabu holen. Movember heißt die Aktion. Die Farbe Blau und (nicht nur) symbolische Schnurrbärte sind das entsprechende Symbol. In Cannes gibt es im November einige Veranstaltungen, deren Erlös der Prostatakrebsforschung zur Verfügung gestellt wird.


Le Choeur du Sud, in dem ich mitsinge, gehört mit einem kleinen Konzert in Cannes seit mehreren Jahren dazu. Es ist mein erstes Konzert, bei dem ich aktiv mitwirke. Letztes Jahr bin ich erst kurz vor Jahresende eingetreten. Das Programm des Chores für die Saison, die mit einem Konzert gemeinsam mit dem Sänger Marc Lavoine endete, war schon weit fortgeschritten. Ich fand es schwierig, mich einzufinden und die sehr französischen Lieder zu lernen. Ich habe mangels Repertoire nicht am Jahresendkonzert teilgenommen und auch an keinem anderen. Viele Sängerinnen und Sänger – 90 Prozent der Chormitglieder sind Frauen – singen zusätzlich in mehreren (angeschlossenen) Chören und sind im Sommer quasi ununterbrochen auf Chorreise, beispielsweise in Paris, Marseille, Toulon oder auf Korsika. Ich bin mir nicht sicher, ob ich so viel mit dem Chor unterwegs sein möchte, denn es bedeutet auch, an diversen Probenwochenenden teilzunehmen. Aber dieses Jahr feiert Le Choeur du Sud sein zwanzigjähriges Bestehen. Das Programm für diese Saison gefällt mir besser als das letztjährige – wir werden unter anderem ein Medley von Queen singen! – und ich habe beschlossen, dass ich hier und da mitsingen möchte. Heute ist also Premiere!

Geplant war eine Art Flashmob. Angekündigt war nur die Gruppe des Chors in Cannes mit etwa 90 Personen. Sie hatten sich im Musikkiosk in den Alleen versammelt. Aber hunderte andere Choristen aus Antibes, Grasse, Villeneuve-Loubet und anderen Städten (in fast jeder größeren Stadt gibt es einen angeschlossenen Chor) waren auch da. Inkognito flanierten sie auf dem Platz um den Kiosk herum. Unser demonstrativ getragenes Blau hatten wir noch unter einem Mantel versteckt. Ich flanierte ebenfalls, denn ich konnte den kompletten Text von drei Liedern nicht auswendig und wollte im Musikkiosk nicht durch Nicht-Singen oder „Lalala” auffallen. Nein, bei Konzerten darf man nicht den Text ablesen.

Die meisten Frenchies kennen die französischen Schlager aus den Achtzigern, sie hören sie einmal, schauen kurz auf den Text und schmettern mit. Nicht so ich. Oder sagen wir, mein Repertoire aus den Achtzigern habe ich auch noch im Kopf. Es ist eine wilde Mischung aus Supertramp, Earth, Wind and Fire, Howard Carpendale und Marianne Rosenberg. DAS kann ich alles heute noch weitestgehend auswendig. Aber die französischen Lieder kenne ich fast alle nicht. Melodie und Text sind neu für mich. Ich kenne weder die erste Strophe noch den Refrain. Und mein einstmals supergutes Gedächtnis ist müde, ich kann mir nicht mehr so viel merken. Ziemlich wenig, um ehrlich zu sein. Das alles zur Erklärung, warum ich mich nicht im Musikkiosk exponieren möchte, schon gar nicht in der ersten Reihe, sondern mich unters singende Volk mische. Wenn ich dort eine Weile nur stumm den Mund öffne, fällt es hoffentlich nicht so auf.
Und dann gehts los! Ich lasse Monsieurs Tochter und eine andere Verwandte, die zum Konzert gekommen sind, überraschend stehen, mische mich unter die Altstimmen, wir ziehen auf ein Zeichen des Chorleiters die Jacken aus und zeigen uns nun alle in Blau.


Und dann singen wir. Ich auch! Zumindest die meiste Zeit. Lustigerweise haben einige Sängerinnen ihre Texte dabei. Das habe ich mich nicht getraut.
Leider gibt es kein Video von uns, aber das war unser Repertoire heute:
Es war toll! Singen tut mir wirklich gut. Es holt mich ins Hier und Jetzt und ich kann, während ich singe, an nichts anderes denken. Beim Schwimmen etwa rattert mein Kopf trotzdem immer weiter. Außerdem tragen mich die Lieder durch die Woche. Ich habe früher nicht einfach so vor mich hingesummt, oder wenn, dann ist es lange her.
Schönen Restsonntag und fangen Sie die kommende Woche, singend oder nicht, gut an!











