Roter Teppich/Klappe/die Zweite

Und heute dann gleich nochmal… bei strahlend blauem Himmel und sommerlichen Temperaturen konnte ich erneut einen Film sehen. Gleiches Prozedere, nur dass ich diesmal meinen Fotoapparat dabei hatte, man lernt ja dazu!

Nun… ich sah L’Apollonide, einen Film über ein gleichnamiges Bordell, von denen es zu Beginn des 20. Jahrhunderts viele in Paris gab. Sie wurden, interessanterweise von einer Ex-tenancière, also einer Ex-Bordellgeschäftsführerin, die zur Ministerin aufgestiegen war, 1946 verboten und abgeschafft. In Frankreich ist zwar die Prostitution nicht, Bordelle sind aber sehr wohl verboten, was mir persönlich nicht ganz logisch erscheint, und es gibt immer wieder Rufe, Bordelle wieder einzuführen. Es ist auch gerade ein umfangreicher, schöner Bildband erschienen mit vielen Fotos und Dokumenten der maisons closes, wie sie auch heissen. Das Thema liegt wohl in der Luft. Der Film wurde von arte produziert, und ich sehe ihn gut im Rahmen eines Themenabends „Prostitution“ im Vergleich Deutschland-Frankreich. Der Film ist voll wundervoller Bilder, die hübschen Mädchen sind wunderbar drapiert, aber da wir auch vor- und nachher als Betrachter im Bordell bleiben, sehen wir ebenso die Müdigkeit der Mädchen, deren Arbeit es ist, als improvisierende Schauspielerinnen Nacht für Nacht Männern zu gefallen und ihren Körper zu verkaufen. Wir sehen ihr gemeinsames kleines Leben jenseits der luxuriösen Abende, ungewollte Schwangerschaften, Geschlechtskrankheiten, Geldsorgen, das Älter werden und vor allem anstrengende und anspruchsvolle Freier, manche davon mit einem Hang zur Perversion, was für mich schwer auszuhalten war.

Letztlich sehe ich den Film als Argument gegen die Bordelle und gegen die Prostitution generell; er endet mit einem krassen Schnitt und einem Blick auf das heutige Paris und seine am Strassenrand stehenden Prostituierten. Mit dem Verbot der Bordelle ist nichts besser geworden, Prostitution gibt es noch immer. Wen wundert’s? Also, vielleicht doch die Situation der Frauen und Mädchen verbessern… ?!

Auch in diesem Film gibt es übrigens, scheint ein Trend zu sein, oft vier Bilder und damit vier Handlungen gleichzeitig anzusehen, was ich in einem Haus mit vielen Zimmern ganz passend finde.

Es gibt ja nicht nur diesen einen Film, es gibt an vielen Orten gleichzeitig von morgens bis abends Filme: Kurzfilme oder die ursprünglich mal als Gegenfestival organisierte Filmreihe der 15 Réalisateure, wo aktuelle nicht-Hollywood-Produktionen in kleinen Sälen gezeigt werden. Nicht bei allem kann man als Normalsterblicher teilhaben, bei anderen Veranstaltungen haben Badge-Träger Vorrang und überall heisst es anstehen, anstehen, anstehen – und wenn man Pech hat, ist es dann ausverkauft. Man muss das schon hauptamtlich machen und viel Zeit investieren, wenn man an allem teilnehmen will, … uff, mir ist das alles zu viel und die hochgeputschte Wichtigkeit, die den Stars und dem (Hollywood-)Kino gegeben wird, finde ich mehr als übertrieben. Und, Foto auf den Stufen hin oder her… glauben Sie mir, im Gedrängel anzustehen und auf den rot ausgelegten Stufen hochzulaufen, ändert nichts, aber auch gar nichts in meinem Leben.

Ein weiterer Film wird hier als Preis verdächtig hoch gehandelt: The Artist. Ein Schwarz-weiss-Stummfilm über einen Schauspieler, der mit der Einführung des Tonfilms „entrühmt“ wird. Ein beliebtes Wortspiel ist gerade, dass „ein Stummfilm von sich reden macht“… :)

 

Schnitt: Selten hänge ich mich so deutlich aus dem Fenster, ohne lange recherchiert zu haben, so eindeutig schien mir das un coup monté, ein abgekartetes Spiel zu sein, mit DSK. Vielleicht doch nicht. Und daher habe ich meinen kleinen Exkurs zur französichen Politik wieder gelöscht.

Carla Bruni-Sarkozy bekommt übrigens (lange gerüchteweise angekündigt) genau zum richtigen Zeitpunkt ein Baby. Fragen Sie nicht, von wem, das ist gemein!

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