… und Claire

Claire Bretécher ist gestorben. Vorgestern schon. Ich habe gar keine Zeit Ihnen zu erzählen, was Sie mir bedeutete, und das klingt auch so komisch, „was sie mir bedeutete“. Aber ich merke, dass sie mir viel bedeutete, als ich nämlich eben die deutschen Nachrufe durchlas, die ich Ihnen der Schnelle halber hier hineinstellen wollte, da merke ich, dass keiner das ausdrückt, was ich fühle. Zunächst sprechen alle immer von „Agrippina“, das ist ein Generationenproblem, die Menschen in den Medien werden immer jünger. Oder ich immer älter, vermutlich beides. Ich bin mit den „Frustrierten“ aufgewachsen. Ich habe kürzlich noch einmal einen Band der „Frustrierten“ auf einem Bücherflohmarkt erstanden, „Les Frustrés“ diesmal. Als Jugendliche habe ich die Comics in der deutschen Übersetzung gelesen. Jetzt lese ich die bandes dessinées auf Französisch. Ich habe die Frustrierten geliebt. Und ich liebe Les Frustrés immer noch. Vielleicht habe ich sie damals gar nicht wirklich verstanden, denke ich jetzt, also diese Anspielungen auf die französische Gesellschaft, bourgeois und bobo. Aber ich hatte das Gefühl, SIE verstand etwas in mir. Zumindest berührte sie etwas in mir. Mein Weg nach Frankreich war von ihr schon vorgezeichnet, haha. Agrippina habe ich dann gar nicht gelesen, Teenager-Probleme waren mir als vermeintlich schon Erwachsene egal. Später gab es Doktor med. Bobo und Mütter aber nichts hat mich mehr so gepackt wie die Frustrierten. Ich nehme mal diesen Text aus dem Tagesspiegel und den hier aus dem Deutschlandfunk und dann ein bisschen was Französisches zum Anschauen. Da kommt noch ein älteres Filmchen hinterher. Lohnt auch. Und gerade wurde mir noch ein schöner Beitrag von arte zugetragen. Da hätte ich auch selbst drauf kommen können. Adieu Claire Bretécher!


Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

10 Kommentare zu … und Claire

  1. Christiane Haas sagt:

    Liebe Christine
    es geht mir wie Ihnen, ich bedaure den Tod von Claire Bretécher sehr, les Frustrées sind ganz klar meine Favoriten, aber auch die Mères sind genial, meine ersten Bds von ihr hatte ich mir als Jugendliche gekauft (vom knappen Taschengeld), liebe sie auch heute noch und freue mich immer noch wenn ich zB einen “ Müttercomic-Witz“ in einer pädagogischen Zeitung sehe. Ich habe das Glück, dass ich alle Bds in der original Sprache lesen kann und sehr oft laut dabei lachen kann.
    Claire on ne t’oubliera pas, tous restes avec nous

    • dreher sagt:

      Oh Danke Christiane! Ich hatte auf den anderen Kanälen (FB und Insta) schon ein bisschen das Gefühl, ich sei ganz alleine mit meiner Verehrung für Bretécher.
      Ich kaufte die auch mit meinem Taschengeld, das reichte entweder für eine LP von Cat Stevens oder ein Comic von Bretécher. Ich finde sie immer noch aktuell und großartig!

      • Christiane Haas sagt:

        ganz genau, Cat Stevens oder Simon and Garfunkel, als Studentin in Strassburg dann gab es montags tarif reduit im Kino ( zu keiner Zeit habe ich so viele gute Filme gesehen) herrlich , manchmal leistete ich mir sogar ein Sandwich Merguez dazu, aber Ende des Monats gab es deswegen nur Dosenravioli ;-)

        • dreher sagt:

          Ah oui… Ich war noch in der Schule und ging in Darmstadt ins City-Kino, Schüler hatten dort Ermäßigung 😊 dieses Kino hat mich geprägt, ich sah dort u. a. Truffaut! Hat mich umgehauen!

  2. lihabiboun sagt:

    Ach ….. danke für die schönen links. Ich muss sie (CB) gleich wieder lesen.

  3. Annette Boisseau sagt:

    Kürzlich bin ich auf Ihren Blog gestoßen, nachdem ich „French Connection“ einige Zeit auf Brigitte verfolgt und geliebt habe. Ich lebe seit über 30 (?!?) Jahren in Südfrankreich, aber Bretécher und „Les Frustrés“ waren für mich SO wichtig in meiner Schülerinnen- und Studentinnenzeit noch in Deutschland. Schön, dass ich damit (wie mit vielem anderen) nicht alleine bin. Herzliche Grüße, Annette

    • dreher sagt:

      Wie toll und schön! Freue mich immer, wenn „alte“ Leserinnen mich immer noch oder wieder neu lesen 🙏💙😊 viele Grüße 🙋

  4. Trulla sagt:

    Ich hüte die „Frustrierten“ von damals auch wie einen Schatz. So unglaublich treffsicher waren ihre Beobachtungen zum Thema Emanzipation. Deren Ambivalenz brachte sie mit ihrem unnachahmlichen Humor (für mich immer ein wichtiges Kriterium) perfekt zum Ausdruck.

    • dreher sagt:

      Tout-à-fait!
      Ich habe immer mal so Anwandlungen, die geliebten Einzelbaende durch einen Sammelband zu ersetzen, das mache ich auch mit anderen BD-Serien, aber das ist Mist. Mit dem neuen, unberührten Sammelband verbindet mich nix… Verrückt. Ich habe jetzt die frz. Einzelbaende bestellt…