Sommer – auch an blauen Tagen bricht das Herz

Kleiner Ausflug nach Nizza. Es war der längste Tag des Jahres und in Frankreich war gleichzeitig la fête de la musique. Das wurde in den großen Städten zumindest zum Anlass genommen – trotz des sehr reduzierten Angebots an Live-Konzerten und vielen kreativen indirekten Alternativ-Beschallungen, zusammengeknäult zusammenzustehen, zu tanzen, zu trinken und zu feiern. Die jungen Menschen natürlich. Man kann es verstehen. Es ist Sommer, man hat das Gefühl, das Leben vergeht ungelebt, wenn man nicht JETZT rausgeht und lebt. Auf dem Schlossberg von Nizza trommelte eine alternative Gruppe und sehr junge Mädchen mit sehr roten Augen tanzten eine Art afrikanisch inspirierten Ausdruckstanz, von unten schallten andere Musikklänge hinauf und das Geraune, Gejuchze, Gehupe der Großstadt am Meer.

Neben dem jüdischen Friedhof die Erinnerungsstele für die vieltausend Juden, die vom Bahnhof in Nizza, zunächts nach Drancy bei Paris, und von dort weiter zu den Vernichtungslagern im Osten deportiert wurden.

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7 Kommentare zu Sommer – auch an blauen Tagen bricht das Herz

  1. N. Aunyn sagt:

    Die Fete de la musique, die es hier schon seit 25 Jahren gibt, viel weitgehend aus. Privates Singen auf Balkonen, einige Livestreams von Konzerten sowie einige Einzelinterpreten, die draußen spielten – das war’s dieses Jahr. Sehr schade.

  2. Trulla sagt:

    Ach, wie mich die Skulptur des Fiat 500 berührt – Nizza hat ein Denkmal übrig für diesen kleinen Schatz!
    Mit einem solchen Auto sind mein Mann und ich in den 60er Jahren während der Semesterferien durch ganz Jugoslawien gereist. Mit Federbruch vor Dubrovnik in einem kleinen Dorf gestrandet, vom Bürgermeister über Nacht freundlichst aufgenommen und bewirtet bis zur perfekt organisierten Reparatur. Nicht das einzige kleine Abenteuer auf der Reise. Das Land unter Tito war damals noch geeint, nahm behutsam Kontakt in Richtung Westen auf und war einfach wunderschön.
    Ein Bild – und schönste Erinnerungen kommen hoch!

  3. Gabriele sagt:

    Einige deiner Bilder könnten auch aus meinen Fotoalben stammen, der Blick vom Schlossberg und den Weg nach unten über die Friedhöfe nach Vieux Nice bin ich auch oft gegangen. Und überall in Frankreich gibt es Zeugnisse der schrecklichen deutschen Vergangenheit, das ist so furchtbar… In Berlin geht das Leben auch wieder rund, Massen von jungen Leuten ziehen in die Parks feiern ihren Schulabschluss, Masken werden auch im ÖPNV nur noch selten getragen und gern die Nase dabei frei gelassen – die unsichtbare Gefahr wird nicht ernst genommen und so lange man selbst nicht betroffen ist, gibt es sie auch nicht. Alles Gute für dich und deine Familie und herzliche Grüße aus Berlin Gabriele

    • Wolfram sagt:

      „deutsche Vergangenheit“, das hätten die Franzosen gern.
      Sie – das heißt, die früheren Generationen – haben bei diesen Deportationen gut und gern mitgemacht.

      Wenn man sieht, woher diese Leute alle kamen – sie alle haben Schutz gesucht in Frankreich oder wollten weiter, von Nizza in die Welt.

  4. Karin sagt:

    In Genf wurde die fête de la musique *ersatzlos* gestrichen, wie auch alle anderen Grossveranstaltungen, la fête japonaise, la fête de la tomate etc. Auch die grossen Festivals rund um den See wie das Montreux Jazz Festival und Paleo wurden abgesagt. Im Sommer ist hier normalerweise so viel los, dass man sich die Zeit gut einteilen muss und am besten nicht wegfährt, wenn man die zahlreichen kulturellen Angebote nicht versäumen möchte. Dieses Jahr: rien, nada, nix. Was die Leute aber nicht davon abhält zusammengeknäuelt an den Strandbars und Stränden am See abzuhängen und genau das zu tun, was die Absagen verhindern sollten: in engen Kontakt zu treten. Versteh einer die Leute!
    Gestern war ich zum ersten Mal wieder im Kino und war erstaunt zu sehen, dass nicht mal Maskenpflicht herrscht. Wegen des lauen Abends waren wir dann aber eh nur zu zweit im kleinen Saal, es ging also, aber ich möchte mir den Saal nicht mit der erlaubten Anzahl von Besuchern ohne Masken vorstellen!

  5. Croco sagt:

    Lummerland, mir wird ganz warm ums Herz.
    All die Figuren sind noch so präsent, Tur Tur der Scheinriese, und der Halbdrache Nepomuk, was hab ich sie geliebt. Und Jim und Lukas, den König und Frau Waas, und all die anderen. Und natürlich die Folie überall.

    (Beim blauen Folienmeer kann man leider nicht kommentieren.)

    • dreher sagt:

      Ach, schon wieder das Häkchen vergessen, zu dumm! Danke für den Kommentar und den Hinweis, ich versuche deinen Kommentar zu transferieren!

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