12 von 12 im April 2026

12 Bilder am und vom 12. des Monats. Same same but different.

Der Blick aus dem Fenster. Das Wetter ist nicht besonders. April eben.

In der Küche steht noch das Geschirr, das Monsieur, wie jede Nacht, gespült hat. Nein, wir haben keinen Geschirrspüler. So lange Monsieur das Geschirr spült, brauche ich auch keinen. Da Geschirrspülen so ziemlich das einzige ist, was er verlässlich (und ohne Erinnerung) im Haushalt mittut, bin ich mit der Lösung zufrieden.

Frühstück. Heute mal Haferflocken mit Joghurt und Obst.

Ich nehme mich erneut dem Innenhof an, den ich seit gestern sauber mache. Ich habe gestern kein Vorher-Foto gemacht, ich hätte mich zu sehr geschämt. Der Innenhof ist nämlich auch Arbeitsatelier von Monsieur. Hier wird gesägt und gefräst und was weiß ich, und alle Reste bleiben einfach liegen. Wird schon irgendwann regnen und vielleicht wirds gnädig davongespült. Spoiler: wirds nicht. Ich mache also sauber und räume auf und werfe weg. Alte vertrocknete Pflanzen werden aussortiert, darunter eine große Ikeatüte voll verwurzeltem Farn, der mich schon jahrelang nervt, ich topfe tapfer die pieksende Kakteen in größere Töpfe um, werfe zig Plastiktöpfe weg und olle und/oder kaputte Übertöpfe. Es werden am Ende sechs Säcke mit Pflanzenresten!

Ich reiße den wilden Wein, der sich vom Park nebenan bis zu uns verwächst, von den Wänden. Er wächst leider nicht dort, wo er uns Sichtschutz gewähren würde. An den Wänden bleiben die kleinen Saugnapf-Wurzeln, sogenannte Haftwurzeln, kleben. Es ist fast unmöglich, sie zu entfernen. Man kann quasi gleich die Wände abreißen. Sie bleiben also dran und die Wände sehen aus, als seien sie mit großem Fliegendreck befleckt. Das scheint aber sowieso nur mich zu stören.

Dann schrubbe ich den Boden mehrfach, er wird nicht wie neu, aber doch wieder ziemlich hell. Nein, die Plastikmöbel sind noch nicht sauber, das ist etwas, was Monsieur auch noch ganz gern macht, also lasse ich das für ihn übrig. Und ja, ich weiß, diese Plastikmöbel … Sagen Sie nichts. Ich lebe seit fünfzehn Jahren damit und jedes Jahr will ich andere Möbel kaufen, aber es ist so ein gutes und langlebiges Plastik, das alle Jahreszeiten seit mehr als fünfzehn Jahren überdauert, ohne brüchig zu werden, worauf ich insgeheim hoffte, (ganz anders als die Plastikflaschen mit nicht mehr definierbarem Inhalt) so etwas findet man nicht wieder, hier sieht man die Notwendigkeit nicht ein. Praktisch geht hier ja sowieso vor Schön, aber das wissen Sie ja schon.

Dann trinke ich das erste Perrier Menthe der Saison, ein Zeichen für den Frühling! Schnelles Mittagessen, es gibt frische rohe Artischocken zum Entrée, ein Stück Onglet (langfaseriges Rindfleisch) und Nudeln, Camembert für Monsieur und frische Erdbeeren mit Sahne zum Dessert. Die ersten französischen Gariguette-Erdbeeren, sie sind reif und süß! Genial!

Nach der Sieste, schaut Monsieur das Tennisfinale in Monaco: Alcaraz gegen Sinner. Sinner gewinnt. Das wissen Sie schon, wenn Sie sich für Tennis interessieren.

Ich bleibe im Bett (draußen ist es stürmisch geworden) und lese. Hier alles, was ich seit Wochen angefangen habe.

Heute beende ich “Sie kam aus Mariupol” von Natascha Wodin – beeindruckend, aber was für eine Tristesse. Ich erinnere mich, dass hinter der Siedlung, in der ich als Kind mit meinen Eltern lebte, auch noch ärmliche Hütten existierten und wir die Menschen, die dort hausten, komisch fanden und immer schnell daran vorbeiliefen.

An Ostern habe ich auf einem Miniflohmarkt in Deutschland “Nirgendwo ist Poenichen” mitgenommen. Ich kenne die Bücher von Christine Brückner und die Verfilmung nicht – auch hier Krieg und Vertreibung, es ist weniger trist und trotzdem will ich jetzt etwas anderes lesen. Auch, weil ich dank der ZEIT, die die Mitgliederkartei der NSDAP aufbereitet und leicht zugänglich gemacht hat, wieder stark im Thema bin.

Ich beginne also mit Ildikó von Kürthys „Alt genug“, das ich mir in Deutschland extra gekauft habe, weil Frau von Kürthy die gehässige Kritik von Dennis Scheck, den ich wegen seiner Selbstgefälligkeit nicht ausstehen kann, nicht so stehen lassen wollte. Da wurde ich neugierig. Da ich ein großer Fan ihrer Kolumnen bin, erstand ich das Buch. Es ist jetzt nicht so lustig, wie ich hoffte. Und es fesselt mich auch nicht besonders. Das liegt vielleicht daran, dass ich schon älter bin als sie und mein Buch über meine Wunden, Glück und Älterwerden schon geschrieben habe. Elke Heidenreichs Buch übers Alter konnte ich seinerzeit auch nicht zu Ende lesen, obwohl es sehr dünn ist. Am meisten stört mich an Ildikó von Kürthys Buch die schlechte Papierqualität. Steht es so schlecht um den Papiermarkt? Das Papier ist grau, rau, dünn und fühlt sich nicht gut an. (Ich will jetzt nicht den hässlichen Satz von Dennis Scheck zitieren, nur um eine Pointe zu haben, aber das Papier ist wirklich minderwertig!) Als ich den „Bestsellerautorin“-Aufkleber abgeknubbelt habe, schlägt der Schutzumschlag an der Stelle Blasen. Herrje. Und nein, für dieses Papier kann Frau Kürthy natürlich nichts, aber ich finde es nicht sehr wertschätzend von ihrem Verlag, für den sie doch immerhin Bestsellerautorin ist!

Texte und Poesie von Hans Schiebelhuth habe ich im Zuge einer Seminararbeit an der Universität kennengelernt. Er stammte aus Darmstadt, und es war Liebe auf das erste Gedicht. Ich dachte, ich könnte seine beiden Bände aussortieren, denn seit über zwanzig Jahren habe ich nicht mehr in die leicht stockfleckigen Bände hineingeschaut. Aber dann habe ich mich wieder darin festgelesen und werde sie nun doch noch ein bisschen behalten.

Um 17 Uhr mache ich uns Tee. Da es so stürmisch und grau ist, bereite ich mir einen dieser herbstlichen Pumkin-Spice-Tees zu, während Monsieut einen grünen Tee mit einem dieser schönen Mousselin-Säckchen von Frère Mariages bekommt. Ein kleiner Tipp, vielleicht wussten Sie das noch nicht: Wenn man die etwas trockenen Madeleines ein paar Sekunden in der Mikrowelle aufwärmt, werden sie nicht nur warm, sondern auch weich und buttrig. Dann sind sie ein richtiger Genuss.

Zum Abendessen mache ich einen großen Topf Milchreis (mit Vanille und Zitronenschale), auch das so ein schönes tröstlich-wärmendes Abendessen bei diesem Wetter.

Im Fernsehen kommt Alliés, ein Spionagefilm mit Brad Pitt und Marion Cotillard, den wir noch nicht kennen. Auch hier sind wir wieder im Zweiten Weltkrieg. Die Geschichte ist gut, finde ich. Die Umsetzung gefällt mir allerdings nicht so gut. Ich finde, man merkt, dass vieles in Kulissen gedreht wurde. Was mich auch immer ärgert, ist, dass die Personen, die deutsche Soldaten oder Spione spielen, oft nur einen einzigen Satz zu sagen haben – und den sagen sie in miserablem Deutsch. Kann man bei dieser bestimmt teuren Produktion nicht wenigstens einen deutschen Schauspieler dafür engagieren? Oder wenigstens einen Deutschlehrer, der der Person diesen einen Satz richtig beibringt?

Das wars für heute. Danke fürs Schauen und Lesen. Jetzt ist es schon der 13. aber ich reihe mich trotzdem noch ein in die 12 von 12er bei Caro von “Draußen nur Kännchen”.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen für den Permalink.

5 Responses to 12 von 12 im April 2026

  1. Marion sagt:

    Das mehrfache Schrubben meiner Dachterrasse steht mir noch bevor, seufz… Noch ist mir das Wetter zu unbeständig dafür (finde immer gute Ausreden, um das Putzen hinauszuzögern…). Holzmöbel kaufe ich keine mehr für draußen, haben sich verzogen und verfärbt und nicht so lange gehalten. Gestern habe ich “Blue Moon” im Kino gesehen. Tolle Leistung von Ethan Hawke (wo ist die Zeit geblieben seit “Before Sunrise”?) und wunderschöner Soundtrack. Habe endlich angefangen mit “Flusslinien”. Davor habe ich die Autobiographie von Gisèle Pelicot “Eine Hymne an das Leben” gelesen. Ihr Schicksal hat mich sehr bewegt und beschäftigt. Man kann ihre Selbstermächtigung nur bewundern. Liebe Grüße nach Fronkreisch!

    • Christjann sagt:

      Ich habe das Putzen auch lange hinausgezögert, und jetzt hat es heute Nacht leider schon wieder Saharasand geregnet und es knirscht unter den Schuhen.
      Nee, Holzmöbel würde ich auch nicht kaufen, aber es gibt doch nettere Kunststoff-Terrassenmöbel, die leicht und hoffentlich haltbar sind – aber diese weißen Möbel sind nicht kaputtzukriegen.
      “Blue Moon” musste ich erst googlen. Klingt deprimierend, will aber gern glauben, dass Ethan Hawke es toll spielt.
      Und das Buch von Pelicot mag ich mir nicht mehr antun. Ihr Prozess und die Geschichte waren so präsent in den Medien, das reicht mir. Aber bewundernswert ist sie allemal!
      Grüße ins Rheinland!

      • Marion sagt:

        Du kannst die Möbel doch mit einer Tischdecke und Kissen etwas aufpeppen… Schade, dass man nur noch so selten etwas von Dir zu lesen bekommt 😥, aber Du hast bestimmt viel zu tun…

        • Christjann sagt:

          Klar Tischdecke und Sitzkissen gibt es, aber natürlich nur noch, wenn wir draußen essen. Allein zur Deko mache ich das nicht mehr (im ersten Jahr ließ ich eine sauteure (angeblich für draußen gedachte irgendwie behandelte) Tischdecke (und bunte Sitzkissen) draußen liegen, die war(en) jedes Mal so dreckig vom Straßenstaub, Pollen und Regen, dass man sie nicht mehr benutzen konnte, waschen ließ sie sich auch nicht … mein erster Fehlkauf in einer sauteuren Boutique in St Tropez …

          Ich habe viel zu tun, gerade renovieren wir wieder Wohnungen, mein persönliches Umfeld hier und in Deutschland altert und bin vor allem schnell erschöpft und habe, anders als früher, oft keine Energie mehr, um zu schreiben.

          • Marion sagt:

            Ja, ich nehme die Deko auch abends wieder mit rein. Ich habe Handwerkertermine schon abgesagt, obwohl hier auch was zu machen wäre. Aber ich bin ebenfalls erschöpft und habe gerade überhaupt keine Lust.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.