Zwischenruf

Im Radio höre ich einen Beitrag über die Transhumance, der die ganze Zeit von den mäh’s und dem Glockengebimmel der Schafe untermalt ist. Ich bin grad ganz wehmütig, dass ich das dieses Jahr nicht erleben werde. Man kann nicht alles haben… und dieses Jahr war ich eben beim Festival…

… noch ein bisschen Cannes-Festival-Atmosphäre …

In der Zwischenzeit hat Andreas Dresen für seinen Film Halt auf freier Strecke einen Preis bekommen, was mich sehr freut, auch wenn ich mir den Film (Halbdokumentarisch über Krebserkrankung) nicht ansehen werde. Ich habe das gelebt, das reicht mir. Es freut mich, dass ein deutscher Filmemacher ausgezeichnet wird, weil die Franzosen mich immer fragen, ob es in Deutschland nach Fassbender eigentlich noch deutsche Filmemacher und deutsche Filme gebe. Ja, merde, natürlich… aber ich gebe zu, dass ich eine kulturelle Lücke von etwa fünf Jahren habe, und mir wollen ums Verrecken keine Namen und Filme einfallen, als man mich fragt. Von einem Film, an den man sich hier erinnert, Die Welle, habe ich noch nie gehört. Umgeben von Cineasten ist mir das peinlich, aber ich habe dennoch ganz gut gelebt die letzten Jahre, ohne all diese Filme gesehen zu haben. Wir könnten jetzt natürlich hochtrabend philosphieren, was Leben ist, aber das darf jeder für sich selbst beantworten. Mit den Füssen im Matsch, umgeben von Murmeltieren und blökenden Schafen ist nicht jedermanns Sache. Hier in Cannes habe ich aufgehört davon zu erzählen, weil mich das disqualifiziert. Wie peinlich, Christjann, uuh, man riecht förmlich die Scheisse, wenn du davon erzählst. Da tun wir einfach so, als sei nichts gewesen. Fragen um Gottes Willen nicht nach und wollen gar nichts davon wissen. Dabei bin ich so stolz auf all das. Aber von Cannes aus gesehen, ist das so unvorstellbar weit weg und so fremd, auch wenn dieses Leben nur zwei Stunden enfernt ist.

Hier ereifert man sich indessen über Herrn von Trier, da ich mich kurzzeitig aus dem Filmgeschehen ausgeklinkt hatte, habe ich nur noch Auszüge dessen, was er gesagt hat, gefunden, ich hätte das gern im Zusammenhang gehört oder gelesen, bevor ich irgendwas sage.

Heute werden wir noch erfahren, wer die Goldene Palme bekommt, Sie wissen das vielleicht sogar noch vor mir, weil ich immer aus einer Million Infos diese raussuchen muss, während sie in den Nachrichten die Quintessenz erhalten. Ich muss einfach auch Nachrichten hören…

Hoch gehandelt wird der Film mit Sean Penn This will be the place – passte thematisch mit dem Ausrutscher von Herrn von Trier zusammen – in Cannes werden die interessanteren, Palme-verdächtigen Filme immer gegen Ende gezeigt… mehr noch als The tree of life mit Brad Pitt.

Wir lesen uns wieder… bis gleich

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