Anders anziehen

Ich müsste eigentlich was ganz anderes machen, lang fällige Texte übersetzen, andere Texte für Kolumnen produzieren, aber ich habe anderes im Kopf, das raus will. Ich schicke Sie heute, auch auf die Gefahr hin, dass ich Sie gleich alle als LeserInnen verloren habe, auf diesen großartigen Blog, den ich wiederum durch den anders großartigen Blog eines Freundes entdeckt habe. Was man alles so entdeckt, wenn man sich ein bisschen treiben lässt…

Anders anziehen habe ich angeklickt, weil ich ja in Cannes Schwierigkeiten habe, Klamotten zu finden. Hier zieht man sich nicht anders an. Hier ist man immer klassisch und „gut“ angezogen. Alles andere wird hier nicht verstanden und daher gering geschätzt. In Smillas Blog zu stöbern und zu lesen ist geradezu Balsam für meine verletzte Seele, anders zu sein in Cannes. Ich habe den Schritt zur Schneiderin gewagt, weil ich gerne dennoch anders angezogen wäre und dachte, eine Schneiderin verstehe mich. Die Schneiderinnen in Cannes machen aber in Haute Couture. Das ist das, was die Kundinnen in der Regel hier wollen, und es entspricht natürlich auch ihrem Verständnis von Mode. Sonst wären sie vermutlich nicht gerade hier. Sie schneidern also falsches Chanel oder kopieren Dior oder kreieren selbst glitzernde fluffige Cocktail- oder Abendkleider. Meine auserwählte Schneiderin ist von meinen Leinen-Kleider-Ideen auch eher uninspiriert. Sie schickte mich zweimal wieder weg, weil sie zu viel zu tun hatte, dann schickte sie mich selbst zum Stoff kaufen, weil sie sich für so etwas Einfaches wohl nicht mal deplazieren mag. Und sie sagte mir als erstes, es gäbe in der Zwischenzeit auch glänzendes Leinen, das sei doch etwas schicker, ob ich das nicht bevorzuge?! Glitzerleinen! Super! Wir sind eben in Cannes. Ich blieb trotz all dieser Hürden hartnäckig, weil ich dachte, der Eintritt in die mir fremde Welt der Maßschneiderei sei vielleicht so, hatte gestern dann endlich, nach einmaligem Versetzen, einen Anprobetermin. Und Ende der Woche werde ich vermutlich, wenn ihr nicht ein wichtigerer Auftrag dazwischen kommt, zwei neue Hosen haben. Ganz schlichte Leinenhosen. Teurer als bei Hasi&Mausi aber erschwinglich. Nur weiß ich nicht, ob diese ganze Versetzerei bedeutet, dass die Schneiderin mich als Kundin eigentlich nicht will, oder ob sie, da Ukrainerin, nur ein anderes Zeitverständnis hat. Ebenso das Gejammer, dass sie an mir nichts verdient. Find ich nicht so prickelnd. Muss das so?

In Avignon stolperte ich über und in einen winzigen Laden einer Schneiderin mit tollen unangepassten Kleidern, in denen ich nicht verkleidet aussah und auch nicht wie eine Putzfrau. Nur zwickte es unten und oben war zu viel Luft. Die Schneiderin selbst hat wohl Kleidergröße Minus-Irgendwas und produziert für den Laden nur bis Größe 42 (respektive deutsches 40, das hatten wir ja alles schon mal), was in Ihren zierlichen Augen wohl schon elefantös ist, sie bot mir aber an, mit Rendezvous nach der Saison gerne auch auf Maß und größer zu schneidern. Jaaa, NACH der Saison mit Rendezvous im drei Stunden entfernten Avignon. Super! Die Visitenkarte habe ich trotzdem mal behalten. Weiß man’s?

Smillas Blog ist aber auch ein Blog über die Menschen hinter dem anders angezogen sein. So viel Wärme und Tiefe zu finden, macht mich ganz fertig. Dagegen habe ich den Eindruck nur Pipifax zu machen. Lesen Sie mal rein in anders anziehen, ich lege es Ihnen ans Herz, und wenn es Ihnen dann hier bei mir nicht zu pipifaxig ist, freue ich mich, wenn Sie gelegentlich auch wieder bei mir landen! Bis die Tage!

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