Bücher und Farben

Neuester Trend ist ja, Bücher nach Farben zu ordnen. Als ich das erste Mal in einer Buchhandlung auf farblich zusammengestellte Büchertische stieß, war ich der Verzweiflung nah. Ich bin ja so eine alte und blaustrümpfige Büchertante, zu meiner Zeit (jaul, „zu meiner Zeit“ … so weit sind wir schon) war es ein beliebter Witz, dass Kunden Bücher als Einrichtungsgegenstand erwerben und die Farbe des Schutzumschlags ausschlaggebend für den Kauf ist. Haha. So ist es heute. Kein Mensch interessiert sich noch für Inhalte, die Farbe ist entscheidend: „Ich nehme das Grüne, es spricht mich farblich so an“.

Ich kenne als ordentliche Buchhändlerin und Bibliothekarin natürlich klassische Ordnungssysteme, wir wollen Bücher ja schnell auffinden, um sie dem zukünftigen Leser schnell in die Hand zu drücken. Die eigene Bibliothek kann je nach Raum, Platz und Regalsystem vielleicht nach Format, nach Taschenbüchern und gebunden Büchern geordnet sein, dann nach Autoren, nach Themen, nach Reihen oder nach Nummern. Bei mir vielleicht zukünftig getrennt in deutsche und französische Bücher. Aber nach Farben? Okeh, Suhrkamp hatte seine wissenschaftliche Taschenbuchreihe seinerzeit farblich so gestaltet, dass sie, sofern man alle Bücher erworben hatte, eine Art Regenbogen im Regal darstellten. Genial eigentlich. Erstens war es schön, zweitens verführte es zum Erwerb mehrerer Bücher, damit sich der Farb-Effekt auch im kleinen Bücherregal zeigt, und die Reihe war so eindeutig gestaltet, dass der Leser (oder wenigstens der Besitzer) der Buchreihe sich schon von Weitem und trotz der Ordnung nach Farben als elitär und intellektuell zu erkennen gab: Oh, die wissenschaftliche Suhrkamp-Reihe! Da ziehen wir auch 40 Jahre später noch den Hut vor den Gestaltern Willy Fleckhaus und Rolf Staudt. Der Suhrkamp Verlag hätte einfach nur dabei bleiben sollen, aber jetzt, wo endlich alle Bücher nach Farben geordnet werden, haben sie sich für die Umgestaltung in elegantes Grau entschieden. Grau ist aber nicht gleich grau, wie mir beim Streichen unserer Wohnzimmerwände klar wurde, und auch Loriot wusste schon zwischen 28 Grautönen zu unterscheiden,

Grau sieht nämlich schnell gar nicht edel und elegant aus, sondern mausig, schäbig und ärmlich, es sei denn natürlich, Sie wählen ein frisches Steingrau, aber was aus der neuen Suhrkamp-Gestaltung wird, sehen wir uns dann rückblickend, vielleicht im Jahr 2034, an.

Zurück zu den Farben, wie Sie bei Loriot gesehen haben, können Farben unser Seelenleben enorm beeinflussen. Bücher nach Farben also. In Einrichtungszeitschriften sehe ich auch immer häufiger nach Farben zusammengestellte Bücherregale. Sieht toll aus. Irgendwie schick, sehr dekorativ, aber meines Erachtens auch nur geeignet, wenn man Bücher in überschaubarer Menge hat. Also, vielleicht ein hübsches Billy-Regal voll, oder zwei. Ansonsten wirds doch leicht unbersichtlich. Denn, auch wenn ich weiß, dass die Taschenbuch-Werke von Max Frisch und Hermann Hesse als Suhrkamp-Autoren vermutlich blau oder grün sind, glaube ich kaum, dass ich alle meine Bücher visuell abgespeichert habe. Oder doch? Da ich meine Bibliothek ja beim Umzug aus Deutschland auf ein Minimum reduziert habe, bin ich also bereit, ein Experiment zu wagen, und werde meine Bücher zukünftig mal nach Farben ordnen. Mal sehen, was da neben was zu stehen kommt, und mal sehen, was es mit mir macht. Ich befürchte eigentlich, da ich viel zu viele Krimis besitze und lese, dass ich mich irgendwann vor einer komplett schwarzen Bücherwand aufhängen werde,  (der Einfluss der Farben auf die Gemütslage! Ich verweise hier erneut auf Loriot) Ich werde berichten! Bleiben Sie dran. Einen verwischter Minimalst-Eindruck von einem rot-schwarzen Eckchen mal eben schnell…

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28 Kommentare zu Bücher und Farben

  1. Fabulatoria sagt:

    *g* Ich bin gespannt zu sehen und lesen, wie sich die bunte Bücherwand auswirkt. Ich selbst dürfte das gar nicht umsetzen, selbst wenn mich der Gedanke nicht so abschrecken würde. Der beste Mann der Welt wäre mir dann nämlich nicht mehr wohlgesonnen ;o) Als ich noch eine überschaubare Anzahl von Büchern hatte (nicht mehr als zwei Regalbretter voll) da habe ich diese nach Größe geordnet. Bei zwei Regalbrettern ist das Alles überschaubar und wäre es in Farben auch gewesen. Bei 5 beinahe vollen Billys sieht die Sache in jedem Fall anders aus. Ich wünsche also frohes testen.

    Liebe Grüße, Carmen

    • dreher sagt:

      danke, bin auch gespannt, habe bei rot und schwarz schon ein zweibändiges Comicwerk auseinander genommen… ich denke, es geht nur bedingt… ich mache das auch nur mit meinen Büchern in meinem neuen Zimmer – Monsieur hat etwa 12000 Bände hier, hüstel, kein Gedanke an seine heilige Un-Ordnung zu rühren… würde nur Chaos :)

  2. Steffi sagt:

    Vielleicht ist der Trick für Bücherverrückte einfach, soo viele Bücher jeden Genres oder Autors zu haben, das man die dann innerhalb der Kategorien nach Farben sortiert… Dann könnte man Raum- oder Regalweise mit Farbgestaltung experimentieren, mal Regenbogen, mal Block, mal Monochromfarbsortierung. Ist auch eine gute Ausrede viele Bücher zu kaufen! Mein Vater hat so um die 20.000 Bücher, und im Gästeschlafzimmer z.B. fast nur rote Krimis – paßt hübsch zur Deko ;-)

    • dreher sagt:

      könnte hinkommen ;) Monsieur ist auch so ein Krimiverrückter… ist aber mehr schwarz, schwarz…

  3. Olaf (Hamburg) sagt:

    Bong swa – Madame…

    ich habe die letzten Tage etwas gekränkelt, wäre aber auch im Koma nicht auf die Idee gekommen, hier meine Bücher (maximal so 300-500 in drei Regalen) in einer Ein-Zimmer-Wohnung (ca. 40 m²) nach Farben zu ordnen. Herrje.
    Auch nicht nach Größe (absteigend), Breite oder Kaufpreis. Ich mag es dann noch immer klassisch: Nach Themenbereichen oder Erscheinungsdatum bei Periodika geordnet. Wie in einer strunzdoofen Bibliothek. Es ist vor allem hilfreich, sollte der Mensch etwas suchen – so er denn will auf demWege zur Erkenntnis durch Lesen und Verstehen. ;-)

    Beste Grüße aus Hamburg
    von
    Olaf

    • dreher sagt:

      der Mensch heute zappt ja nur noch Bilder … insofern ist er vermutlich optisch-visuell mehr ausgebildet als unsereiner und findet ein grünes Buch einfach schneller als wenn er mühsam das Alphabet entlangsucht und die Autorennamen buchstabieren muss… ob er dann noch weiß was drin steht, hängt vermutlich von der Innen-Gestaltung ab… Bilder?!… aber heute schrieb mir bei FB jemand, Bücher lesen sei nur noch der Sekundärnutzen, sie dienten in erster Linie der Deko ;)

  4. Angela sagt:

    … und notfalls, fällt mir gerade so ein, liebe Mme, falls Schwarz oder Rot oder Grün oder Grau überhand nimmt, ließe sich mit Decorations-Gelb oder -Lila oder -Orange oder -Blau ein optischer Accent ins Bücherregal setzen, der den Betrachter auf anderes sehen läßt! (Ein weiterer Text ohne „die Taste zwischen j+l“… ;-))
    Liebe Grüße und VIEL SPASS beim Umsortieren!

    • dreher sagt:

      gute Idee, so könnte man Bücher hervorheben, die es verdient haben…OH! ICH. WILL. ORDNEN. Ich harre meiner Bücher, die noch immer in Kellerkisten lagern, denn noch gibt es keine Regale… außer dem winzigen Eckchen Einbauregal, das schon voll ist… nächste Woche, so hoffe ich!

  5. Barbara sagt:

    Ich erinnere mich, meine Bücher als Kind mal nach diesem System geordnet zu haben. Irgendwann war wohl auch das Reihen nach der Größe dran. Ich habe direkt Lust, das wieder zu machen (nach Farbe, nicht nach Größe). Im Wohnzimmer wohl eher nicht, da stehen unsere Sachbücher, aber im Schlafzimmer…. das könnte wohl auch mein Freund verkraften ;)
    Die Idee von Angela finde ich auch ganz toll… ob ich so viele graue Bücher habe… ?

  6. Angela sagt:

    Soll nochmal einer sagen, dass Blogbeiträge nicht zum nachahmen animieren: Ich habe heute nicht meine Bücher, aber im Badezimmer der Nachwüchslinge die Handtücher nach Farben sortiert… :-) Ich find’s toll. Meine Nachwüchslinge rollen die Augen und attestieren mir „Sortier-Fimmel“ und „Ordnungswahn“… Banausen! :-)

    • dreher sagt:

      :) ach guck, das mache ich schon immer so :) aber inhaltlich ist doch ein Unterschied zwischen Büchern und Handtüchern, hoffe ich wenigstens…

      • Angela sagt:

        Natürlich gibt’s da einen Unterschied! :-)
        Nie würde ich meine ausgefransten Lieblingsbücher weghauen…!
        À propos „Handtücher“: Wie war das Wäsche-Marché-Wochenende?? Liebe Grüße!

  7. christiane sagt:

    Ich gehe immer mehr dazu über, Bücher überhaupt nicht mehr zu sortieren, sondern weiterzuschenken, antiquarisch zu verkaufen oder (on me pardonne) w e g z u s c h m e i ß e n!, weil ich meine Wohnung nicht mit Bücherregalen zustellen möchte, aber deshalb natürlich auch nicht aufhören möchte, ein Leserinnenleben zu führen. Vor einem oder zwei Jahrzehnten hätte ich mir nicht träumen lassen, dass es mal so weit kommt. Aber die Zeit der Unantastbarkeit von Büchern ist für mich vorbei. Zumal ich mir zum Ziel gesetzt habe, bis zur Rente mich von möglichst viel Nichtzumlebennotwendigen getrennt zu haben. Ich arbeite dran.

    • dreher sagt:

      Kann ich verstehen. Ich habe jahrelang aus Platzmangel 26 Umzugskartons voll mit Büchern in einem Keller gelagert und dennoch immer eine Wohnung voller Bücher gehabt. Beim Umzug nach Frankreich habe ich mich bestimmt von 4/5 meines Besitzes getrennt. Ich hatte ja fünf Jahre ohne alles sehr gut gelebt. Es war zwar nicht gerade die Inselfrage, die ich mir gestellt habe „welches Buch würde ich auf eine einsame Insel mitnehmen?“ aber so ähnlich. Was brauche ich wirklich? Und welches Buch werde ich in Frankreich noch besitzen wollen oder erneut lesen wollen? Das war heilsam, ich kann mich gut trennen von Büchern (und anderem) mittlerweile, ich lebe aber mit einem Sammler zusammen… der kann sich von nix trennen… schon gar nicht von Büchern ;(

  8. Sabine sagt:

    In meinem früheren Leben als Buchhändlerin kam es nicht so selten vor, dass Kunden Bücher nach der Größe der Regalfächer gekauft haben. Und der Rücken musste natürlich dekorativ sein oder was hermachen. Anfänglich dachte ich noch, die veräppeln mich, aber nee, das war wirklich ernst gemeint! Ich bin da auch ziemlich „altbacken“, sortiere nach Themen und dann nach Autoren. Man muss ja nicht jede neue Idee mitmachen ;-) Übrigens, wer mal ein wirklich hohes Bücherregal sucht und wem Billy (so wie auch uns) nicht ausreicht: Pax ist KEIN Bücherregal!!! Pax ist ein Kleiderschrank! Ich sprech‘ da aus Erfahrung …

    • dreher sagt:

      Pax ist mir vor allem zu tief… ich habe 3 hohe Meter Wand, was außer einem selbstgebasteltem Regalsystem würden Sie da vorschlagen???

      • Sabine sagt:

        Pax gibt es auch in 37er Tiefe. Das Problem sind die Einlegeböden. Die sind einfach ein paar mm zu dünn :-( und biegen sich dann recht schnell durch. Wir wohnen in einem Altbau mit 3,40 m Deckenhöhe und da war Pax eigentlich eine gute Idee. jetzt werden die Einlegeböden mit Zwischenstreben abgestützt. Nicht schön, aber machbar. Neben einem Selbstbau fällt mir nur noch die Sonderanfertigung ein, aber da spielt mein Portemonnaie nicht mit …

        • dreher sagt:

          merci! 37 ist immer noch zu tief, habe wenig Raum, aber viel Höhe (wie Sie), so dass ich in die Höhe bauen bevorzuge, es wird so die Selbstbauvariante (20 tief)… :)

          • Olaf (Hamburg) sagt:

            Aus eins mach zwei.
            18,5 cm tief.
            Also von der Seite her gesehen in der Mitte teilen (nur gerade Schnitte !), was aber nur für eher kleinformatige Bücher funktioniert.
            Wahrscheinlich ist aber eine Maßanfertigung (selber entworfen und gemacht) für solche Fälle noch immer das beste, weil sie knappen Platz noch am effizientesten ausnutzen kann. Bei einem späteren Umzug kann das allerdings zum Teil wertlos werden.

          • dreher sagt:

            danke, aber ich glaube IKEA-Kleiderschränke in der Mitte durchzusägen ist nicht so meins… es wird hier die Selbst-Bau-Maßanfertigung, übrigens doch nur 15 tief und ein TB-Regal, 10 tief, das alles in der Hoffnung, dass ich nie, nie, nie mehr umziehen werde…

  9. Wild Flower sagt:

    Schick sind sie ja schon, die nach Farben sortierten Bücherregale… aber sie würden auch mein (angeborenes und erlerntes) Ordnungsempfinden sehr stören. Was ich aber gar nicht nachvollziehen kann ist, Bücher als reinen Einrichtungsgegenstand zu kaufen. +ts+

    • dreher sagt:

      aber klar, so ’ne hübsche zwanzigbändige dunkelblaue Gesamtausgabe, von wem auch immer, sieht doch gut aus, Dunkelblau ist edel und macht was her … und die sogenannten coffee-table-books, diese großen wunderschönen zentnerschweren Bildbände sind echt nur zum schick rumliegen auf den besagten coffee-tables gemacht…

  10. Marion sagt:

    Hülfe, ich besitze gar keine Bücher mit rosa, türkisfarbenem etc. Buchrücken. Auch der ganze Rest ist farblich und graphisch ziemlich heterogen…;-) Wie wär’s, die Teile in farblich passendes Papier zu hüllen, für die Nicht-Leser bestimmt praktisch…
    Es bleibt also bei der klassischen bunten Ordnung in 2 Billy-Regalen…:-) (habe auch vor Jahren viel rausgeschmissen und fand das ebenfalls sehr erleichternd).
    Diese Coffee-Table-Books sind schon je nachdem recht dekorativ. Habe so ein Exemplar mit Bildern der Erde von oben (Yann Arthus-Bertrand) mal geschenkt bekommen, für jeden Tag des Jahres ein Bild (mit Text), wunderschön, wie ein Kalender, allerdings vergesse ich das Umblättern immer und er liegt auch nicht auf einem Coffee-Table, sondern einer Anrichte, ins Bücherregal passt sowas von den Maßen her sehr ungünstiges auch nicht (geht weder normal noch hochkant rein) …

    • dreher sagt:

      ich fürchte auch, dass insbesondere die Bücher aus früheren Tagen sehr viel weniger was hermachen bei der Farb-Ordnung…
      ich habe den „kleinen“ Yann Arthus Bertrand, den ich auch nicht immer umblättere… genau, das Buchformat ist Absicht, diese Bücher sind auch nicht für „ins Bücherregal stellen“ gemacht, sondern fürs Ausstellen = Deko/Einrichtung/Aufzeigen einer Ideologie… das auch nochmal als Nachtrag zu WildFlower…

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