Viel Wind… Vermischtes vor der Wahl

Vor kurzem hatte ich Martina wieder gefunden. Sie schlug ihre schönen blauen Augen auf und lächelte erfreut, dass ich sie aus ihrem Jahrzehnte andauernden Dornröschenschlaf erweckt habe. Leider roch sie etwas muffig. So wusch ich ihr Haare, Gesicht, Hände und Füße und versuchte, den schon mit viel Pflaster bandagierten empfindlichen kleinen Stoffkörper mit etwas Parfüm von seinem modrigen Duft zu befreien. Danach sah sie schon viel frischer aus. Nur diese Kleidung… Martina ist jetzt eigentlich auch schon Mitte vierzig, ich fand es war an der Zeit, dass sie mal aus ihrem rosa Strampelanzug rauskommt. „Was hältst du von einer Jeans und einem blau-weiß geringelten Marinepulli?“, fragte ich sie. Martina klimperte mit ihren blauen Augen. Ich ging Puppenkleider-Shoppen, nach drei Spielzeugläden war ich erschöpft: Nichts!

Dann fand ich Leila, die eine ganz ausgezeichnete Puppenmode-Schneiderin ist und sie fertigte Martina (auf Zuruf) ihre Blau-Weiße-Kombination auf den kleinen Stoffleib. Heute kam alles an, es passt und ist allerliebst, Martina sieht nun aus wie eine junge Frau und wollte dann natürlich auch sofort die Fußnägel lackiert haben. Als der Nagellack trocken war, gings ans Meer zum Foto-shooting, es war schrecklich windig, – was man auf den Fotos aber gar nicht sieht.

Beim Filmen (Meer kann man ja immer ansehen, oder?) hatte ich wegen des Windes Mühe das Fotoapparätchen ruhig zu halten – eigentlich wartete ich auf eine ganz große Welle, kam aber keine, nur Wellen-Milchschaum, der mir um die Füße spülte ;)

Ob das programmatisch für die Wahl sein wird? Ich hoffe mal, dass der Wind wenigstens nochmal ordentlich die Köpfe durchgeblasen hat: am Sonntag wird zum ersten Mal gewählt. Gestern sah und hörte ich die letzte Rede von Eva Joly, die mich fast zu Tränen rührte. Sie selbst wirkt auch so, als sei sie den Tränen nah. Sie ist nach diesem Wahlkampf fix und fertig und desillusioniert von der Politik, will mir scheinen.

Brigitte Bardot hingegen ist gut gelaunt, denn sie durfte neulich im Nice-Matin über schlappe zwei Seiten meinungsbildend etwas zu den Kandidaten sagen. B.B. macht ihre Meinung maßgeblich, aber nicht nur, von der Tierliebe der Kandidaten abhängig und wird ganz klar Marine Le Pen wählen, weil sich deren enorme Tierliebe im Kampf gegen halal geschlachtetes Fleisch zeigt. Hollande kann man nicht wählen, tierlieb oder nicht, weil er Hollande heißt, noch schlimmer wäre nur wenn er Allemand hieße. In diesem launigen Stil über zwei Seiten… ächz…

Ich frage mich, wie die ZEIT dem Wahn verfallen konnte, auf der Titelseite zu verbreiten, dass die Franzosen „uns“ (uns Deutsche) neuerdings mögen. Auch hier alles nur Wind… ich fand in den zugehörigen Artikeln dann auch nichts mehr darüber. Machen Sie sich nichts vor. Die Franzosen mögen uns nicht. Sie schätzen deutsche Autotechnik, sie akzeptieren, dass das deutsche Wirtschaftssystem (gerade) besser funktioniert (wollen aber trotzdem keinesfalls das deutsche Modell kopieren, ohlàlà, wo sind wir denn?!) und Angela wird geachtet, weil sie sich für ihr Land stark macht. Da hörts auch schon auf.

Wie wirds hier weiter gehen? Am Sonntag wird zum ersten Mal gewählt, dann gibts eine Stichwahl am 6. Mai… on verra… ich hab auch keine Antworten… hören wir einfach ein bisschen Bob Dylan… the answer is blowing in the wind…

un résumé en français, peut-être? allez… un peu de courage, Christjann… bon: j’ai retrouvé ma poupée de mon enfance, Martina, que j’ai eu pour mon troisième anniversaire… elle a aujourd’hui plus que 40 ans et j’ai décidé que c’est le moment pour un re-looking – fini les fringues de bébé en rose… j’ai trouvé une couturière pour poupées, et elle m’a fait une combi marinière, qui est arrivé aujourd’hui, c’est trop mignon et Martina est devenue très adulte maintenant. Du coup, elle a réclamé qu’on met aussi du vernis sur les ongles… après on était à la mer pour le photo-shooting – il y avait beaucoup de vent… mais ça se ne voit pas sur les photos…

la mer, le vent…. les élections. J’ai vu Eva Joly hier à la télé; c’était tristounet… elle semble désillusionnée par la politique; BB par contre est du bonne humeur, elle avait le droit de dire son petit mot sur les candidats sur deux pages dans le nice matin récemment… très amusant… elle aime les candidats surtout selon leur amour pour les animaux… sa préféré c’est Marine Le Pen, car elle se bat tellement contre la viande halal… est elle trouve que Hollande (qu’il aime les animaux ou pas) ne peut pas etre président, car il s’appelle Hollande… vous imaginez un président de la France qui s’appelle Hollande? Et s’il s’appellait Allemand… la bonne blague.. et ça continue dans ce style…

Alors j’espère que le vent a bien rafraichi les têtes des français qui votent dimanche pour la première fois… je n’ai pas de réponses non plus, écoutons donc un peu Bob Dylan… the answer is blowing in the wind...

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

11 Kommentare zu Viel Wind… Vermischtes vor der Wahl

  1. Eleonore Braun-Folta sagt:

    Hallo Christiane, gute Idee. Meine Monika muß ich nicht rauskramen. Sie sitzt seit Jahrzehnten im Schlafzimmer. Ist jetzt schon 50 Jahre alt und könnte wirklich mal etwas anderes tragen. Strampler passen nicht zu einer 50jährigen.

  2. Gerd Ziegler sagt:

    Da kann man direkt neidisch werden. Nicht auf Martina, denn mit lackierten Fußnägel sähe ich sicherlich ungewöhnlich aus. Nein, mit der Tatsache, dass man das Meer vor der Nase oder besser, vor den Füßen hat. Ein Vorteil den alle Küstenbewohner haben, um Landratten wie unsereins den Mund wässrig zu machen.

    Insofern könnten Meeresliebhaber im Landesinneren froh über den Klimawandel sein. Dann müsste man nicht mehr zum Meer fahren, es käme ja von alleine. Um Küstenbewohner besuchen zu wollen, sollte man allerdings das Tauchen lernen. Der Meeresspiegel wird jedoch nicht in unserem Leben so schnell steigen, dass man von Cologne-sur-Mer sprechen kann. Aber wer weiß.

    Auch sehr maritim ist le capitaine Haddock (kleine facebook Anspielung). Deshalb würde ich ihn wählen, stünde er zur Wahl.
    Mille millions de milliards de tonnerre de Brest! ;-)

    • dreher sagt:

      und weisst du was, das Meer wird, wenn man es täglich hat, alltäglich… ich habs fussläufig vor der Haustür und geh nicht hin… tsss

  3. BeaM sagt:

    Liebe Christjann, mir geht’s mit dir wie mit deiner Puppe: bin froh, dass ich dich wiedergefunden habe. Keine Angst, ich verpass dir kein neues Outfit, aber bitte schraub das Tempo runter – ich hab ja sooo viel NACHzulesen. herrlich, dass du deinen Humor behalten hast – und die Musiklinks die du jetzt einbaust… Orgelträume an Ostern – einfach herrlich. DANKE

  4. Olaf sagt:

    ‚allo Madame –

    Martina, Leila, Monika…
    Das ist nicht so ganz meine Welt, da hatte ich „damals“ dann eher Volvo, Scania, MAN am Start. Mit ca. 40 Tonnen Gesamtgewicht, egal.
    Alles ist ja gut, solange es den Beteiligten Freude bereitet und niemandem Schaden zufügt.
    Und irgendeiner muß die Güter und Materialien ja auch befördern, aus denen dann Martina oder Monika oder deren POB (Puppenoberbekleidung -trägt Martina auch Dessous ?) gefertigt werden.
    Danke für Bob Dylan („Bopp Dielong“). ;-)
    Als wir (3er-WG) in den siebziger Jahren per Tramptour (auch per Bahn, Interrail – herrliche Erfindung !) in France und Nordspanien mit Freundinnen, Rucksack und Gitarren unterwegs waren, haben wir auch einige „unserer“ Folk- und Countrylieder gesungen. In einem Zug in Südfrankreich baten uns dann einige Jugendliche (geschätzte 16/ 17 Jahre alt) sehr freundlich, ob wir auch etwas von „Bopp Dielong“ singen könnten. Wir haben ziemlich lange gebraucht, bis wir es begriffen hatten – nachdem sie zur Erläuterung „Blowin‘ in the wind“ angestimmt hatten.
    Gänsehaut, gute Stimmung, Freude. Es war herrlich. Natürlich konnten wir auch Bob Dylan („Bopp Dill[e]n“) singen und spielen. Wahrscheinlich hat das mehr zur Verständigung „der Völker“ (oh Pathos…) beigetragen als etliche bilaterale Verträge…

    Alles Gute nach Kann ;-)

    • dreher sagt:

      hihi… ja die Franzosen haben eine besondere Art das Englische zu prononcieren… ;) ich hatte mal eine Begegnung in den achtzigern mit einem jungen Punk, der mich (in F) fragte, wieviele „pönks“ es in meiner deutschen Stadt gäbe – ich hab lang nicht kapiert von was er redete ;)
      stell dir vor, Martina hatte unter ihrer Strampelhose einen kleines Unterhöschen an, ganz züchtig, das trägt sie (frisch gewaschen) jetzt auch. Anderes braucht sie nicht… ;)

      • Olaf sagt:

        Pönks…

        Ja, das paßt. So ähnlich, wie das gehörte/ nachdemWegerfragte „Tchamps Ilaisis“ in Paris. Kaugummi war auch dabei.
        They came from Texas (Dallas)…

        Und was Herrn Hollande angeht – von mir aus gern.
        Marine, diese LePanne: Das ist schon etwas herbe. Ehrlich.
        Wir werden sehen, gewinnen wird sie die zweite Runde am 06.05.2012 jedenfalls nicht.
        Die Berichterstattung hier in Allemagne ist allerdings nicht schlecht, weil recht differenziert (ob TV oder internet).

        Wie immer:
        Alles beste an Dich
        und Monsieur (unbekannt)
        von
        Oh laugh
        en allemackne

        • dreher sagt:

          hihi, hab ’n Moment überlegt weshalb du Oh lachst… ;)
          nee, Marinchen darf nicht mehr mitspielen… keine Sorge! nur die beiden Parteien mit der höchsten Prozentzahl stehen zur Stichwahl! ich hör auch den ganzen Tag deutsches Radio…
          all the best to the north
          C.

  5. Nicole* sagt:

    Oh, la mer… merci… j’adore :-) Mais oui, man kann es immer ansehen… Wird Zeit, dass ich es endlich mal in Angriff nehme.