Der Tag danach

Gut, das meiste haben Sie, wenn es Sie interessiert, sowieso schon aus Ihren Nachrichten erfahren: relative hohe Wahlbeteiligung (fast 80%), Hollande ganz knapp vor Sarkozy, Marine Le Pen wurde gestern abend noch mit unglaublichen 20% gehandelt, es sind landesweit nur 18%, immer noch erschreckend, wäre das ein deutsches Wahlergebnis, würde die Welt aufschreien,

in Frankreich ist es irgendwie nicht so schockierend. Och ja… Le Pen… Eva Joly hat traurige zwei Prozent eingefahren und wurde, während sie noch sprach, schnöde ausgeblendet, weil man den schrecklich wichtigen und selbstzufriedenen Jean-Marie Le Pen interviewen konnte. Zum Ausgleich durfte dann Melenchon noch ein paar Minuten Redezeit für sich beanspruchen. Rest unter „ferner liefen“.
Dann ist es so wie bei jeder Wahl, im Prinzip haben alle gewonnen, man muss es sich nur schön reden. Mir fehlte hier ein bisschen die deutsche Statistikenlastige Darstellung, die ja für alle Fürs und Widers und alle zukünftigen und vormaligen Variationen schöne Bildchen bereit halten mit auf und absteigenden Säulen und Tortenstücken. Hier gibts nur Worte und ein schlappes Bildchen mit der knappen Prozentzahl. Gut, ist ja auch nur der erste Wahlgang.
Was Sie vielleicht noch nicht wissen ist die Lage in diesem schönen département Alpes-Maritimes: Hier hat Sarkozy wie immer gewonnen, 37%, gefolgt von Marine Le Pen mit 23% und danach erst Hollande mit 19%. Der Rest ist nicht erwähenswert. Frankreich hat ja auch noch ein paar Kolonien, äh, Überseedepartements „outre-mer“, dazu gehören so schöne Inselchen wie La Réunion, Guadeloupe, die Antillen, Korsika… ( ;)), hier wurde ein bisschen weniger Sarkozy gewählt wie sonst… ach ach…

Wie gehts weiter? Am 6. Mai ist der zweite Wahlgang, dann stehen nur noch die beiden großen Parteien zur Wahl. Das erste zufriedene Händereiben der PS ging in schwitziges nervöses Zappeln über, der Abstand zu Sarkozy ist über Nacht viel knapper geworden. Jetzt beginnt großes Rechnen und Kalkulieren. Wenn alle, die eben noch extrem rechts gewählt haben zukünftig Sarkozy wählen würden, wäre es klar das Aus für Hollande. ABER, so einfach ist es nicht, denn nicht alle Anhänger von Le Pen wollen Sarkozy. Die wollen vielleicht auch nicht Hollande und wählen dann vielleicht gar nicht. Das ist hier sehr beliebt, dieses nicht wählen oder ungültig wählen, um zu zeigen, wir wollen weder das noch das.

Die anderen kleinen rausgeflogenen Parteien geben Wahlempfehlungen ab oder nicht. Melenchon sagt deutlich „wählt Hollande!“ Eya Joly sagt „wählt nicht Sarkozy“, Marine Le Pen hingegen meint „das machen meine Wähler, wie sie wollen“.

Jetzt gibts ein paar Rededuelle im TV, in denen sicherlich Sarkozy brillieren wird, Hollande ist einfach etwas weniger rhetorisch geübt. Und Sarkozy wird versuchen mit einem extrem rechten Geflirte sich die Ex-Le Pen Wähler zu holen. Klappts? Sicher ist noch gar nichts. Ich will nicht wissen, was hinter den Kulissen fieberhaft gemauschelt wird. Wenn du mich wählst und eine Wahlempfehlung für mich abgibst, kriegst du ein nettes Pöstchen hier oder da. Wir zeigen uns da auch auf lange Sicht dankbar und entgegenkommend. Wählst du gegen mich, säge ich dich zukünftig ab. So läufts.

Anbei zum Schmunzeln einen link zu délit-maille, den ich ganz ursprünglich mal Tina verdanke, merci nochmal. Ist franssöhssisch, aber vielleicht auch so verständlich.

Je me dispense de la traduction française aujourd’hui, les chiffres des élections etc. sont bien clairs pour les français, n’est-ce pas?! ;)

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8 Kommentare zu Der Tag danach

  1. Gerd Ziegler sagt:

    Cordt Schnibben meinte einmal im Spiegel: „Demokratie ist eine schöne Idee, die daran krankt, vor allem Hohlköpfen, Angebern und Nervensägen moralischen Anspruch und Aufmerksamkeit zu verleihen.“

    Frau Merkozy lernt übrigens jetzt vorsichtshalber holländisch, habe ich gehört. Bloß „Je t’aime“ klingt melodischer als „Ik hou van jou“ ;-)

    • dreher sagt:

      hört sich für meine ungeübten Ohren eher so an wie „ich hör von Ihnen“ – je rigole! pardon nach Holland ;)

  2. ichbins sagt:

    Bonjour – lese gerade die Ergebnisse in meiner Zweitheimat P.O. – Mme.le Pen hat 24,2 % der Stimmen erhalten – ich bin schockiert. Soll ich mich jetzt nach einem anderen Urlausziel umtum, oder lieber darüber nachdenken, wie ich meiner Babypuppe, die in fast 50 Jahren nicht über das babyhafte hinausgekommen ist, ein neues outfit verpasse ?
    Meinen die Franzosen das ernst ?

    • dreher sagt:

      naja, ich denke Urlaub kann man immer noch hier machen, ich lebe sogar hier… (bei 23% Le Pen in den AM) – klar meinen die Franzosen das irgendwie ernst. Es ist Krise, kein Geld da, der Staat ist verschuldet, da sind einfache Antworten immer beliebt. Schuld sind die Ausländer, die uns mit Kindergeld und Sozialhilfe ruinieren, Schuld ist Europa, das hier sowieso keiner will und ich weiß nicht, wer sonst grad noch schuld ist bei Marine, das Großkapital vielleicht –
      Problem ist, die Linken mit ihrer Politik hatten wir gerade, das war auf lange Sicht nicht prickelnd – Sarkozy hat sich danach nur ordentlich selbst bereichert und alle seine reichen Kumpels gleich mit, aber sonst nicht viel Gutes bewirkt – also, was soll man wählen? In Deutschland wählt man dann vielleicht die Piraten oder Grün, hier eben Le Pen oder Melenchon.
      Mein Rat: Kümmere dich auf jeden Fall auch um Monika :)

  3. ichbins sagt:

    …. meine Monika heisst seit eh und jeh Peter…grins

    • dreher sagt:

      aaah, schäm… ich hab dich mit einer anderen Kommentatorin verwexelt… gut, also, Peter – ich weiß nicht, Männer werden ja so viel später erwachsen, ob eine Typveränderung da nicht ein Trauma bewirken kann?! ;)

  4. Olaf sagt:

    Hier kommt der Traum zur Typveränderung… ;-) Ob Monika oder Peter – egal, Hauptsache Mensch.
    Die Ereignisse in France werden hier in Allemagne natürlich auch aufmerksam verfolgt. Die FN macht mir allerdings auch Sorgen – zugleich waren Wähler in Hamburg in 2001 imstande, solch einen Psychopathen wie Schill („Partei Rechtsstaatliche Offensive“) mit knapp 20% zu beglücken, wobei etliche Citoyen schlicht aus Verzweiflung und Trotz diese Irren gewählt hatten. Nach grandiosem Absturz dieser merkwürdigen Partei tourte der ehemalige Justizsenator Roger Kusch mit einem Sterbehilfsautomaten durch die Gegend… Von irgendetwas muß man ja leben. Und Ole von Beust (damals Bürgermeister und Chef dieser Koalition) hat sich seine Zulassung als Rechtsanwalt wiedergeholt und verkloppt jetzt nebenbei auch Lampen. Auch er muß ja von irgendetwas leben.
    Was Herrn Narkozy angeht, da macht man sich hierzulande offenbar eher Sorgen um seine Liebste, la Botoxierre:

    http://www.mopo.de/promi—show/kaum-wiederzuerkennen-hat-carla-bruni-zu-viel–gebotoxt–,5066870,14976308.html

    Wenn es denn stimmt. Bei der Hamburger Morgenpost weiß man nie so wirklich, seit es Photoshop gibt.

    ‚ambourg, 24.04.2012, 02:08 Uhr…

    • dreher sagt:

      Botox hat meine Martina nicht nötig, sie ist noch ganz rund und rosig, und Carla sieht auf dem Foto doch noch gut aus, es gibt allerdings auch etwas aufgedunsenener Dokumente von der schönsten Frau im Elyséee, irgendwie haben ihre Augen gelitten unter der Vergrösserung der Bäckchen – das werden wir aber mit Rücksicht auf die französischenLeserInnen natürlich nicht veröffentlichen ;)

      Um Zwei Uhr morgens… die Schlaflosigkeit hängt hoffentlich nicht mit der Prüfungsangst von Ömür zusammen?! Fieberst du so mit? Mehr Döner! ;)

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