London Calling

Hi there! Hier kommt nur mein schnell hingeworfener London-Beitrag – es war: TOLL! Ok, es war auch kalt, ziemlich kalt um genau zu sein, aber es hat trotz angekündigter 85%er Regenwahrscheinlichkeit fast gar nicht geregnet, und wenn, sass ich immer gerade in einem Pub und trank englisches Bier, oder ich sass in einem Café und ass entweder lauwarmen Apfelkuchen… mit Custard oder Scones mit Clutted Cream und Erdbeermarmelade (die der Franzose natürlich in den Kaffee tunkt, so shocking!) Gerade habe ich mir einen ordentlichen Gin Tonic hinter die Binde gekippt und mir eine Tüte importierte handgefaltete und gepfefferte Chips reingezogen, um das England-feeling zu verlängern. It was great. Really. Wir assen Fish & Chips im besten Fish & Chips Shop Londons, wir fuhren doppelstöckigen roten Bus, wir hoppelten wie Häschen über die Strasse und trotz hilfreichem „look left“ oder „look right“ wären wir dennoch beinahe täglich überfahren worden –

Das Geld von vor zehn Jahren war natürlich doch zu alt, die Queen sah nicht mehr frisch genug darauf aus, und anlässlich ihres diamanten Jubiläums sind alle Münzen neu und blitzblank. London war ziemlich grau, dunkler Himmel, tiefe Wolken, die Themse… und vielleicht gibt es deswegen dann einen Hang zu lieblichen Farbtönen, ganz gleich ob Häuser, Mode, Geschirr…

Teatime mit tunkendem Franzosen…

Die Götter Londons haben es gut mit mir gemeint – am Abflugtag hatte Paris-Match die strahlend glücklichen Kate & William auf der Titelseite – und der Steward im orangefarbenen Hemd sagte ebenso strahlend „Hi dear!“ zu mir, als würde er sich wirklich freuen mich zu sehen, und dann landeten wir mitten in knallgelben Rapsfeldern und fast schien die Sonne ein bisschen. Dann wohnten wir in einem kleinen typischen Backsteinhäuschen mit arts&craft Tapete, das in einer langen Reihe von Backsteinhäuschen stand. Englische Häuser stehen alle in Reihen – einfach oder schick, klein oder gross, in bescheidenen oder in reichen Vierteln, vier Quadratmeter Garten oder mit Park – sie stehen in Reih‘ und Glied. Sehr hübsch anzusehen. Sehr ordentlich auch.

Überhaupt fand ich London super ordentlich. Ok, ich war nicht überall, nicht in brenzligen Vierteln… aber ich sah no Graffitti, no rubbish, die U-Bahn sauber… und alle Menschen so diszipliniert und höflich. Niemand drängelt in der U-Bahn oder im Bus. Alle warten in einer Reihe, und wenn der Busfahrer sagt – sorry, Leute, es reicht, der nächste Bus kommt gleich, wird nicht gemurrt oder gedrückt, dann wird eben auf den nächsten Bus gewartet. Ich liebe das!

Wir waren in den grossen Galerien und Museen, sahen das unverwechselbare Licht von Turner und ein Sammelsurium von Picasso und aufwühlende Kunst einer japanischen Künstlerin. Ich hätte ja gern das Hai-Triptychon von Damien Hirst gesehen, aber Monsieur als ehemaliger Apotheker fand dessen Pillen-Kunst sinnfrei und bevorzugte die natürlich viel sinnvolleren Penis-Installationen von Frau Kusama, die jedoch im letzten Raum auch eine Licht-Spiegel-Installation vorweisen konnte, bei der ich dachte, ich sei ein Stern im Universum… toll! Picasso hatte sich uns ja in Paris verweigert, (das Museum wird dort gerade neu errichtet), so dass wir ihn jetzt in London sahen, samt seinem Einfluss auf die englischen Künstler – im Vorübereilen auf dem Weg zum Café gabs überall noch ein bisschen andere grossartige Werke – und wenn ich was beeindruckend finde dann, dass die grossen Museen keinen Eintritt kosten und dass man mit Rucksack, Kinderwagen, Schirm und Wasserflasche hinein darf – unbelievable! Der Blick vom letzten Stock der Tate Modern war atemberaubend – genau wie der Blick vom Greenwich-Park auf die Skyline von London.

Ich sah allerdings nicht ein, dass ich, nur um auf dem blöden Meridian zu stehen, Eintritt zahlen sollte und fotografierte ersatzweise viele andere Pseudo-Meridiane.

Wir liefen durch den grünen Greenwich-Park, wurden von Eichhörnchen geradezu überfallen,

bestaunten das riesige Segelschiff Cutty Sark und liefen im Fussgängertunnel unter der Themse herum.

London ist sehr französisch geworden: an jeder Ecke gibt es eine Fresskette die „Pret-a-manger“ heisst, die Bars heissen soif oder bouchon, es gibt französische Käse- und Küchenläden und Werbung für cidre, inklusive Aussprachehilfe „cidre not cider!“ Neben der St. Pauls Cathedral, wo man schlappe 15£ Eintritt wollte und die daher unbesichtigt blieb, hat der französische Brotladen „Paul“ ein kleines Café – möchte nicht wissen, was sie für die Konzession bezahlt haben.

Dieses Jahr haben die Briten nicht nur Shakespeare-Jahr, sondern auch die Olympischen Spiele (in allen Parks ist schon viel Rasen eingezäunt, damit er geschont und die etwas abgelatschten Stellen wieder aufgefrischt werden, um wunderbar grasgrün zu sein für die Olympics) und am allerwichtigsten das diamantene Krönungsjubiläum der Queen – es hängen schon überall  und in jedem Schaufenster kleine Fähnchen herum und bei Fortnum & Mason (oh my God, was für ein Laden!) kann man wahnsinnig teure kleine goldene Wunderkerzen kaufen, Jubiläumstee in türkisfarbenen Dosen und Jubiläums-Schokoladenkekse in Dosen mit Spieluhr, die ohne Unterlass „God save our gracious Queen“ spielen.

Für eben mag das genügen, denn by the way war heute auch zweiter Wahlgang in Frankreich und wir haben einen neuen Präsidenten, er heisst François Hollande, hat das italienische Fernsehen schon etwa zwei Stunden vor Wahlende gewusst…  war alles in allem ziemlich knapp – ich bleibe jetzt mal britisch höflich und sage no comment! werde aber doch ein bisschen TV dazu sehen…

ok, es gäbe noch mehr Fotos, aber das muss reichen… rote Busse kennen Sie ja auch schon… ich möchte noch auf die hübsche Jubilee-Seite verweisen, die ich bei Frau Dinktoc fand, die zum Jubilieren nach London fährt und dort an einem ganz besonderen Event teilnehmen wird… thanks, dear, it’s so lovely!

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14 Antworten auf London Calling

  1. Noni sagt:

    Das war ein wunderbarer Bericht, vielen Dank! Ich habe sofort Lust bekommen, auch mal wieder nach London zu reisen, wo ich das letzte Mal vor ca. 22 Jahren war! Die Beschreibung des britischen Wetters hat mich getröstet, ähnelt es doch sehr dem aktuellen Wolken-Sonne-Regenmix hier in Melbourne, nur dass ich nach den letzten vier Monaten in diesem Land hoffnungslos sonnensüchtig geworden bin und somit dem australischen Herbst wenig abgewinnen kann. Für diese etwas düstere Zeit wäre es schön, ein gutes Buch zur Hand zu haben…wie wäre es, mit einem neuen Buch von Ihnen? Besteht Hoffnung? Ich jedenfalls – und mit mir bestimmt viele andere – würde mich freuen.
    Der heutige graue Montagmorgen wurde aber auf’s Schönste erhellt von Ihrer schwungvollen Reisebeschreibung!
    Herzliche Grüße von Down under, Noni

    • dreher sagt:

      liebe Noni,

      späten aber dennoch lieben Dank für die prompten netten Zeilen (ganz kurz nach Veröffentlichung!) – Tja Hoffnung auf ein Buch?! So eins im Stil dieses Blogs, eher nein – reden Sie vielleicht nochmal mit dem Verlag, aber ich glaub nicht… ein anderes liegt angedacht schon lange in einer Hirnhälfte, da müsste ich nur mal richtig dran arbeiten können… aber das Leben und das Geld verdienen nehmen so viel Zeit in Anspruch… ich hoffe auch, das Projekt angehen zu können, bald… hoffen wir also gemeinsam! liebe Grüsse nach down under!
      Christjann

  2. Eva sagt:

    Liebe Christiane,
    genau so empfand ich London auch, als ich in den Herbstferien bei ähnlichem Wetter mit meinem halbwüchsigen Sohn (14) dort für ein paar Tage unterwegs war.
    Danke für den schönen Reisebericht!
    Viele Grüße aus dem sunny wilden Süden Deutschlands,
    Eva

  3. Wolfram sagt:

    Ab nächstem Monat werden wir in Quasi-Rufweite von Royan wohnen, das liegt auch ungefähr auf dem Nullmeridian. Ich bezweifle allerdings, daß der irgendwo in Frankreich ausgepflastert ist; die Franzosen trauern ja immer noch den Zeiten nach, als der Nullmeridian für sie durch Notre Dame de Paris ging. Sollte ich eine Stelle finden, gebe ich Nachricht! (Übrigens: während der Sommermonate kann mir dann niemand vorwerfen, „il voit midi à 14 heures“ – das ist schlicht die Realität: die Sonne steht dort um 14 Uhr MESZ im Zenit.)

    Aber, sagt die Pfarrfrau, Scones in den Kaffee tauchen ist ein Verbrechen an diesem feinen Gebäck.

    • dreher sagt:

      *lach* tja, mit dem Tunken ist der Franzose wie Lucky Luke… schneller als sein Schatten… ;)

  4. FrauDinktoc sagt:

    Hach … der Bericht steigert meine Urlaubsvorfreude noch mehr, soweit das überhaupt noch möglich ist. Noch 3 Wochen und 4 Tage, dann geht’s los. Und falls die Queen mir zuwinkt, werde ich darüber natürlich in meinem Blog berichten!

  5. Gerd Ziegler sagt:

    Der Londoner Bericht macht Appetit auf eine Reise dorthin.
    Von Siegburg aus mit der Bahn über Köln, Brüssel und durch den Kanaltunnel in 5:43 Stunden. Oder von Calais aus in 56 Minuten.
    Ich glaube, da gärt gerade eine Kurzurlaubsidee in meinem Kopf…
    ;-)

    • dreher sagt:

      :) have a nice trip! Vielleicht sollte ich Kontakt mit dem britischen Fremdenverkehrsamt aufnehmen… I’ll think about it… ;)

  6. Olaf sagt:

    ‚allo ‚allo,

    da bist Du ja wieder.
    Danke für diesen schönen Reisebericht (inclusive Fotos), der tatsächlich etwas Appetit macht auf das Land Eng.
    Vorläufig werde ich mir einen solchen Trip nicht leisten können, aber good things will come to those who wait.

    Schöne Grüße
    aus
    Hambourg

  7. Eva sagt:

    Ach, übrigens,
    es kann einem wirklich passieren, dass man der Queen begegnet.
    Vor 2 Jahren in den Pfingstferien waren wir 2 Tage in London und als ahnungslose Touris unterwegs.
    Und genau am ersten Tag hat die Queen das Parlament eröffnet. Sie ist dann auf dem Hin- und auf dem Rückweg an uns vorbeigefahren und hat gegrüßt. Aus einer goldenen Kutsche, mit ganz vielen schnittigen Reitern drumrum usw…. das hatte schon was sehr Royales. „Uns Angela“ kommt schon anders rüber! Aber ob ich einen König/Königin in D wollte?!? Ich glaube, eher nicht!
    Aber in den Herbstferien (siehe oben) ließ sie sich nicht sehen.
    Schöne Grüße,
    Eva

  8. Ulrike sagt:

    Wirklich ein sehr schöner Reisebericht, der Lust darauf macht, London mal wieder einen Besuch abzustatten.
    Ich mag auch die Höflichkeit und generell die Leute dort. Die sagen sogar sorry, wenn sie sich selbst angerempelt WERDEN.
    Und zum Einkaufen ist es eh genial.