Selling England by the Pound

Ich bin auf dem Weg nach London. London – es kann nur toll werden, weil mich irgendwie nichts wirklich dorthin zieht, ich kann also nicht von zu viel Erwartung enttäuscht werden. Sie fragen sich natürlich, warum ich nach London reise, wenn ich dort nicht hin will. Nun, zum einen gibt es good old friends von Monsieur dort, die wir besuchen – zum anderen schien es mir bislang durchaus a nice trip zu sein. Why not? Je näher das Abreisedatum kommt, desto weniger bin ich aber reisefreudig, außerdem regnet es dort und es ist kalt, was ich seit Tagen über Webcams verfolge. Brrr…

Hier, in Cannes war es bislang auch nicht sehr frühlingshaft, eher frisch, zudem hatte es tagelang gestürmt, der Mistral, ein kalter Nordwind, der durch das Rhonetal bis ans Mittelmeer weht, hat andernorts für Zerstörung und Stromausfall geführt. Hier hat es nur gestürmt, gestürmt, gestürmt – er ist komisch ermüdend dieser Wind, der entweder drei Tage andauert, oder sechs, oder neun… das habe ich mal bei Birgit Vanderbeke gelesen, aber so sagen sie das hier alle. Seit gestern ist es jetzt wieder ruhiger und es beginnt frühlingswarm zu werden… ich lechze nach Sonne und soll jetzt ins neun Grad kalte, verregnete London aufbrechen mit Schirm und Wintermantel… uuuuuuh!

Ich habe zwei Frauen (eine Deutsche, eine Französin), die London lieben, befragt, was ich in London sehen sollte (natürlich habe ich auch einen Reiseführer gekauft, aber es blieb mir alles so abstrakt) eine wollte gar nicht mehr aufhören zu schwärmen und sagte mir, sie vermisse an der Cote d’Azur am allermeisten den Nieselregen von London… ich habe wohl zu lange in Köln gelebt, um Londoner Nieselregen anziehend zu finden, dafür muss man vermutlich sonnenverwöhnte Südfranzösin sein… nun ja, mir sind England und London fremd – einmal war ich dort, Ende der achtziger, viel ist nicht hängengeblieben. Ich blättere in einem orangefarbenen anders reisen-Reiseführer aus der Zeit, diese achtziger Jahre-Ausgabe ist recht gestrig, komisches Gefühl … heute morgen zählte ich englisches Geld und fragte mich, ob es noch gültig ist, und hatten die Engländer nicht eigentlich ein ganz anderes Währungssystem?! Na, das Geld ist noch gültig, weiß ich dank Internet, man ist auf der Insel seit Anfang der siebziger Jahre doch auch beim Dezimalsystem angekommen (man möge mir meine Ignoranz verzeihen) und ich mag diese Ein-Pfund-Stücke gern, die so dick und schwer in der Hand liegen. One Pound...  mit diesen Pfund-Stücken in der Hand fiel mir der Titel dieser uralt LP von Genesis ein: Selling England by the Pound. Das höre ich gerade, während ich hier schreibe und schwelge in dieser geradezu bombastischen Musik. Zeitreise. Das kann sehr wahrscheinlich nur von meinen Altersgenossen verstanden werden, … daher sei dieser link zum gesamten Album mit Vorsicht anzuklicken. Sehr junge Menschen werden diese langen delirierenden Stücke nicht durchhalten, es hat nichts mit dem trommelnden Phil Collins zu tun, will sagen, der trommelt da zwar schon, aber es ist noch Peter Gabriel, der den Ton angibt – sehr alten Menschen wird das alles vermutlich zu fremd in den Ohren sein… denen dazwischen, den junggebliebenen Fünfzigern und Sechzigern (höh…) wird es aber vermutlich die Synapsen vibrieren lassen…

ok, in Deutschland läufts nicht, erfahre ich gerade… dann vielleicht NUR den einen Song und nicht das ganze Album…?! Wenn das auch nicht läuft, dann müssen Sie eben Ihre verkratzte Vinyl-Platte rausholen und selbst auf den Schallplattenspieler legen… haben Sie doch noch, oder?!

So stimme ich mich ein auf London, eine Woche Regen, aber es gibt ja viele Museen, deren Besuch meist kostenlos ist, das muss anerkennend gesagt werden!

Machen Sie’s gut, ich nehme den PC nicht mit, wir lesen uns dann in etwa einer Woche wieder, vielleicht höre ich beim Packen noch ein bisschen The Beatles Here comes the sun … andere Zeitreise…und vielleicht kommt sie dann, die Sonne ;)

http://www.youtube.com/watch?v=kX-MjRlqVkk&feature=related

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3 Antworten auf Selling England by the Pound

  1. siri sagt:

    Hallo Christjann,
    „Selling England by…“ > dieses Video ist in Deutschland leider nicht verfügbar, heißt es hier ! Tschüß, mach’s Du auch gut, und trotz Regenwetter eine schöne Zeit in London… vielleicht regnet’s ja nicht ganz so wie voraus gesagt.
    By – siri

  2. Wild Flower sagt:

    Oh, viel Spaß in London. Ich will auch mal wieder hin… +seufz+ Die Ein-Pfund-Münze mag ich auch… neulich habe ich allerdings gelesen, dass sie bei ihrer Einführung bei den Briten sehr unbeliebt war. Vorher gab es nur Ein-Pfund-Noten. Durch die Münze hatten die Briten den Eindruck, das Pfund würde abgewertet.

  3. Frau Dinktoc sagt:

    Ich fahre am 2. Juni nach London und freue mir seit Wochen ein Loch ins Knie deswegen. Die Stadt ist mir einerseits vertraut, andererseits gibt es immer noch etwas Neues zu entdecken und immer tolle Ausstellungen, Theater und Musicals. Mit einem Tipp beglücke ich Sie auch noch (spätestens dann für den nächsten Besuch dort): Shakespeare’s Globe Theatre. Nach Originalplänen wiederaufgebautes Theater, das mit der Bühnentechnik, Musik und Kostümen wie zu Shakespeares Zeiten seine Stücke auf die Bühne bringt. Großartig.
    Haben Sie eine schöne Zeit!