Gute Nachrichten

Die erste gute Nachricht: Meine kleine Kamera hat ihren Geist aufgegeben. Einfach so. Zu oft runtergefallen vermutlich. Das wird die freuen, die mir neulich empfohlen haben, mich besser mit der Schnur meiner Kamera zu erhängen anstatt die Menschheit weiter mit Sonnenaufgangsfotos zu belästigen. Stimmt schon, manchmal frage ich mich auch, warum ich mir Fotos von schaumigen Cappuccinos in norddeutschen Kleinstädten ansehen muss und all diesen unnützen sepiafarbenen…

Alltagskleinkram anderer Menschen „ich bin hier“, „das esse ich gerade“ … die allüberall gepostet werden. Diese „Bleiben Sie dran“-Fotos… Alle machen das (auf den einschlägigen Seiten) und es IST verlockend das auch zu machen, wenn ich gerade keine Zeit habe etwas längeres zu schreiben. Schaut her, es gibt mich noch, hier schnell ein kleines Bonbon in Himmelblau… ist es nicht schööön hier? So, davon sind Sie in (zumindest in allernächster) Zukunft verschont, hier gibt es wieder nur Text. Lesen statt Schauen.

Die zweite gute Nachricht ist, dass ich mich schlagartig jung und vergnügt fühle, dabei hatte ich seit Wochen die Absicht einen Text über die großen W’s zu schreiben – Wechseljahre, Weitsichtigkeit und andere Wehwehchen. Die Aussicht dieses Jahr noch 50 zu werden und in den Anfängen der Wechseljahre zu stecken hat sich mir nachhaltig aufs Gemüt geschlagen. Bis vor kurzem dachte ich, das gehe mich nichts an – Wechseljahre, la menopause wie das hier heißt – ist für die anderen. Keine Ahnung, warum man darüber so viel Gedöns macht. Ich fand es geradezu unanständig, wieviel Werbung ich mir zu aufgeblähten Wechseljahresbäuchen ansehen muss. Ich weiß nicht, ob es in Deutschland auch so viel Werbung für Produkte gegen Wechseljahresbeschwerden gibt, hier in Frankreich ist das geradezu überbordend. Einerseits. Andererseits ist es ein Tabuthema. So. Und plötzlich beginnt diese seit Jahrzehnten gehasste schöne Regelmäßigkeit auch bei mir wechselhaft und unregelmäßig zu werden. Ich bin sozusagen ständig damit beschäftig. Habe pre-, post- oder mittendrin-menstruelles-Syndrom. Mit all den reizenden Begleiterscheinungen wie Zickigkeit, Heuligkeit, Aggressivität, Unterbauchkrämpfen und dem Drang kurz vor Mitternacht jetzt aber sofort die Besteckschublade –knall– auszuleeren und aufzuräumen. Heiß- und Kalt wird mir noch nicht. Kann aber nicht mehr lang dauern.
Uääääh! Eben war ich noch ein Mädchen, das sich ständig neu ausprobieren musste, stecke immer noch in pubertären Abnabelungsprozessen, und schon bin ich raus, alt, in der dritten Lebenphase. Wann war ich eigentlich mal frei und erwachsen?

Ich bin, seit ich denken kann, kurzsichtig. Es wurde auch immer schlimmer, hat nie, nie aufgehört sich zu verschlechtern – nicht als ich aufgehört habe zu wachsen oder was mir früher immer so versprochen wurde, und später auch nicht … Seit einem Jahr trage ich blindes Huhn nun statt der Zehn-Zentimeter dicken Glasbausteine kleine niedliche Linsen. Anfangs war ich geradezu erschüttert und erschrocken über das, was ich nun sehe. Ich hatte Kopf- und Augen-Schmerzen vor lauter Klar- und Weitsicht. Und fühlte mich bedrängt von der Welt, die ich nun nicht mehr mit Brille auf Abstand halten konnte. Die Brille war ein guter Schutz vor zu viel Welt – ohne dass ich mir dessen bewusst war jedoch. Kleine Barriere, kleiner Schutzwall – Brillenträger sind ja immer die streberhaften Spielverderber, mit denen man keine Schneeballschlacht, keine wilden Raufereien, keine aggressiven Ballspiele machen kann… meine Brille! meine Brille! Das ist jetzt vorbei. Kommt nur her, wenn ihr was wollt… werdet schon sehen… !

Aber in der Nähe sehe ich … eher Rehe… äh, eher nix, meine ich.  Alles mau. Ich dachte ja in herzlicher Naivität die Weitsichtigkeit würde meine Kurzsichtigekeit aufheben, wie in der Plus-Minus-Rechnung, die ich nie wirklich kapiert habe, dachte, irgendwann wäre ich bei Null und alles ist dann prima. HA! Weit gefehlt – es ist nur ein zusätzliches Handicap, als wäre ich nicht schon genug gestraft. Jetzt kann ich plötzlich die winzige Schrift auf Stadtplänen nicht mehr lesen, leider wird das Kleingedruckte nicht wie früher wieder lesbar, wenn ich es mir direkt vor die kurzsichtigen Augen halte. Es verschwimmt. Je näher desto unscharf. Nur noch in einem Abstand von etwa 1 Meter 38 ist dieser Winzkram scharfgestellt. Bei 1,39 wirds schon wieder flau und bei 1,37 auch. Leider ist es bei 1,38 zwar scharf, aber erstens ist mein Arm nicht so lang und zweitens ist es doch wieder nur Fliegenschissgroß und bleibt weiterhin unlesbar. Bis ich jetzt meine maximale Weitsichtigkeit erreicht habe (das hört ja angeblich auch auf sich zu verschlechtern, wollen wir das mal glauben) und schwupps wieder ein reizendes Halbbrillchen bibliothekarinnen-kokett auf der Nasenspitze trage,  trage jetzt also eine Lupe um den Hals. Peinlich? Ach was! Man muss das nur mit dem entsprechenden Selbstbewusstsein tun, dann sagt keiner was…. heul

Das kennen Sie vielleicht alles schon, und vielleicht sind Sie auch schon durch mit der Menopause, vielleicht kennen Sie es auch noch gar nicht, und fragen sich, was sie nur hat diese Alte, dann seien Sie froh, aber bei mir fängt das gerade erst an und ich fühle mich schlagartig alt. ALT! Grau und gebeugt, da ändern auch die blonden Strähnchen nichts dran. Das lässt vermutlich irgendwann wieder nach und kippt spätesten mit 70 in einen extremem Jugendwahn, wenn ich mir die Damenwelt von Cannes so ansehe. Alt sind nur die anderen.

Gerade aber fühle ich mich, trotz der beginnenden Menopause, erstaunlich jung und frisch, weil ich ein extrem nettes Wochenende hinter mir habe. Ich hatte gerade 100 Jahre Abitur und so ein paar Veteranen von 14/18 trafen sich grauhaarig, mit Krückstock, Bauch, Dauerwellen, falschen Zähnen und falschen Hüften am Ort des Geschehens. Dachte ich. Ich dachte vorher auch, DANACH werd ich ich vermutlich DEN ultimativen Depri-Text schreiben. Aber sieh an, es waren dann doch nur 30 Jahre Abitur, es gab wenig Bauch, keine Dauerwelle und die falschen Hüften waren so gut gemacht, dass sie beim Tanzen gar nicht auffielen. Wir haben nämlich getanzt. Und wie! Bis zum Morgengrauen, das ich Ihnen nun mangels Kamera nicht aufnehmen konnte, da sind Sie sicher erleichtert… Ich bin ein Kind der siebziger und achtziger Jahre und ich kann nicht anders, wenn ich diesen Earth-Wind-and-Fire-Sound höre. Da machen sich meine Beine selbständig. Ging aber nicht nur mir so.  „Sags bitte nicht meinen Töchtern“, flehte mich die beste Schulfreundin an, die sich wild und ekstatisch auf der Tanzfläche austobte. Jaja, ich finde 60-jährige die humpelnd und kurzatmig Rock ’n Roll Tanzen auch peinlich, aber wir sind ja noch jung, ich bitte Sie!

Gut, heute habe ich leider ziemliche Knieschmerzen…

okeeeh – wenn die Gema hier streikt, dann vielleicht das?!?

http://vimeo.com/4213035

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23 Antworten auf Gute Nachrichten

  1. Olaf sagt:

    Madame,

    was für ein Text !
    Wunderbar, danke – so realistisch und zugleich doch menschenlebensfreundlich formuliert.
    Bin sozusagen auch ein „Kind der 70er und 80er Jahre“ (also Jahrgang 1956) und kann Ihnen versichern, daß auch Männer an sich Effekte feststellen, über die sie mit 25 Jahren noch abfällig gegrinst haben.
    Ja, doch, so ist es. Die Zähne, das Zahnfleisch, Fußgelenke lassen nach, nach vier Etagen Treppensteigen geht das Gehechel langsam los, Bauch (bei mir übrigens nicht !).
    Dafür wächst so etwas wie intellektuelle Einsicht, auch wenn die beim Treppensteigen oder Lastenschleppen nicht primär so von Vorteil ist. Dafür woanders. Und sogar Einsichten können eine Last sein, wenn man von mentalen Zwergen umgeben ist, die an Schaltstellen der Verwaltung oder sonstwie „der Macht“ sitzen und fröhlich unbeschwert der Maxime frönen: „Planung/ Verwaltung ist die Ersetzung des Zufalls durch den Irrtum.“
    Ich glaube tatsächlich, daß es schon allerhand ist, wenn man/ frau mit 75 Lebensjahren noch mobil und selbständig ist. Vor 200 Jahren sind Menschen im Durchschnitt ca. 40 Jahre alt geworden, was sicherlich an u. U. unzureichender Ernährung, hygienischen Verhältnissen, der Qualität medizinischer Versorgung und auch an der Kriegshäufigkeit gelegen haben dürfte.
    Vergegenwärtigen wir uns, daß unsere Generationen (also geboren nach 1945) einen Vernichtungskrieg am eigenen Leibe bislang nicht haben erleben müssen (von individuellen z. B. familienbedingten Kriegen abgesehen).
    Möge es so bleiben.
    Alles Gute an alle
    von
    Olaf (Hamburg)

    P.S.: Es gibt allerdings wirklich große Sorgen im Leben – gucken Sie hier:

    http://www.promiflash.de/thema/donatella-versace/
    http://de.omg.yahoo.com/blogs/star-news/donatella-versace-schlabberarme-bis-zum-abwinken-014129981.html

    Na ja…

    • dreher sagt:

      Olaf, gibst du mir mal ne kurze Rückmeldung, ob du das Video ansehen kannst?!

      • Olaf sagt:

        Gerne, ich komme aber erst jetzt dazu, da ich zur Zeit etwas mehr unterwegs bin.
        Das erste Video (Boogie wonderland von Earth Wind and Fire) kann hier in Allemagne nicht abgespielt werden: „Leider ist dieses Video, das Musik von SME enthält, in Deutschland nicht verfügbar. Die GEMA hat die Verlagsrechte hieran nicht eingeräumt.“ steht da zu lesen.
        Das Vimeo-Video läuft einwandfrei (Stand: 05.06.2012, ca. 17:55 Uhr).

        Liebe Grüße aus Hambourg

  2. dreher sagt:

    Urgh – Olaf, was für schreckliche links – über Gesichtsstraffungen, Botox etc. habe ich doch gar nicht geschrieben… ist ja gruselig!

    • Olaf sagt:

      Ich wollte Dir und der Welt zum Trost doch nur etwas über wirklich wichtige Sorgen der High Society schreiben.
      Habe ich zufällig entdeckt auf yahoo.de (um an meine mailbox zu gelangen, muß ich über eine Werbeseite, wo einer der Artikel zu sehen war).

  3. Eva sagt:

    Hallo,
    schade, das Video ist nicht zu sehen (Gema und so….)
    Und mal noch was zu den Bildern, egal ob Sonnenauf- oder Untergängen: Für mich ist das immer ein klein wenig Kurzurlaub. Ich muss noch bis August warten, dann darf ich auch wieder nach Frankreich. Warum sehen so viele Menschen Sachen an, die sie nicht interessieren. Und: warum haben sie dann noch so viel Zeit, das alles zu kommentieren?????
    Danke Dir und bitte: weiter so!!
    Herzliche Grüße aus dem kalten und regnerischen Süddeutschland (16°, wolkig, na toll), Eva

    • dreher sagt:

      Danke dir Eva, ich hab noch ein anderes Video reingestellt, geht das in Deutschland?

      • rosalind sagt:

        das zweite video läuft, schade um die kamera, wirklich keine fotos mehr?? wäre sehr bedauerlich, liebe grüsse

        • dreher sagt:

          merci! doch, Fotos kommen bestimmt wieder, irgendwann … muss halt erstmal ein neues Fotoapparätchen erstehen…

  4. ichbins sagt:

    .. neulich auf der Hochzeit meiner Tochter – lustige Spiel: das Brautpaar muß raten, was die gerade stehenden Personen gemeinsam haben – es erheben sich vier von 40 Gästen – darunter ich – alle sind über 50 !!
    Ich fühle mich sehr alt
    Heute im Büro – Diskussion mit Kollegen, die zum großen Teil meine Kinder sein könnten – auf Augenhöhe – mit leichtem Erstaunen wurde dort kürzlich aufgenommen, dass ich mir eine CD von Pink gekauft habe
    Ich fühle mich gleichaltrig
    Fazit: Alter ist relativ – auf den Kopf kommt`s an

  5. Ute sagt:

    Liebe Frau Dreher,
    wenn ich Ihre letzten Artikel lese, könnte ich meinen, Sie stecken in einer Lebenskrise…. Wechseljahresbeschwerden…. wen geht das was an ??? Das ist doch sehr persönlich. Bleiben Sie doch einfach Sie selbst, so wie man Sie kennt aus Ihrem Buch …. humorvoll, unverkrampft, ehrlich….. Sie selbst eben. Ist nicht böse gemeint, aber alles in Würde , sag ich immer….

    Wir mögen Sie so wie Sie sind !!!

    Mich würde mal interessieren, was Sie so für Projekte im Auge haben, vielleicht ein neues Buch, w i e Sie dort leben , wenn das nicht zu privat und für Sie ok ist… (?)
    Liebe Grüße aus Berlin, Ute

  6. Harriet sagt:

    Danke!

  7. alexandra sagt:

    Hallo,

    Wollte nur sagen, dass ich Ihre Frankreisch Fotos gerne angucke – inklusive Sonnenuntergaenge. Klasse Text! Bin zwar noch nicht 50, aber das mit der Weitsichtigkeit hat bei mir schon frueh angefangen – muss zum Naegelschneiden bei meinen Kindern ne Brille aufsetzen, und so ein iPhone kommt mir nicht in die Tuete, das koennte ich ja alles „ohne“ gar nicht lesen. Bin ein Kind der 80er und fruehen 90er und war kuerzlich bei Bruce Springsteen – der ist mit 62 noch dreieinhalb Stunden ueber die Buehne gehuepft, dass es eine wahre Freude war. Das Publikum war zum groessten Teil aelter als ich und erschien meist in nicht rock-konzertgerechter Aufmachung, sprich Blazer und Baumwollhosen oder gebuegeltes Hemd …. hab ein bisschen den Konzerten der 80er und 90er nachgetrauert … und hab mich ein bisschen alt gefuehlt. Liebe Gruesse aus San Francisco,
    Alexandra

  8. Ute sagt:

    Liebe Christiane,
    so oft wie früher gucke ich irgendwie nicht mehr rein…jetzt gerade aber wieder…und es war sooo schön zu lesen. Habe jetzt noch einen Smiley im Gesicht.
    Danke dafür und liebe Grüße aus dem Rheinland
    Ute

  9. dreher sagt:

    Danke noch an alle – ich war gerade schon wieder ein paar Tage in Deutschland, daher verspäteten sich die Freigaben der Kommentare hier und meine Antwort natürlich auch.

    Liebe Ute aus Berlin – ich bin in all meine Texten ganz ich selbst und so wie ich bin. Ich bin aber eben auch so. Und das Leben geht weiter und man verändert sich – das ist dann das Problem vor allem der kreativen Menschen, sie sollen was Neues machen, aber bitte so wie das Alte.
    Ich habe nicht mehr den neuen und verliebten Blick auf Frankreich, ich lebe nicht mehr wie in einer Seifenblase. Es passiert auch nichts wirklich Neues mehr. „Wie“ ich hier lebe? Na, ich lebe und arbeite in einer Wohnung in einem Haus ohne Blick, und das ist vermutlich ganz ähnlich wie in Berlin, nur dass ich das Meer in Laufnähe habe. Ich schreibe doch über mein Leben – die Wahlen, die Kleinbaustelle zu Hause, meine Puppe. So ist es jetzt. Daher schreibe ich über meine Reisen nach London und Paris – weil das etwas „anderes“ ist in meinem Leben. Oder manchmal über meine Befindlichkeit – so viel Ehrlichkeit war nie.
    Schöne Grüße aus Cannes
    Christiane

    • Ute sagt:

      Mit dem „w i e“ Sie dort leben, meinte ich nicht das Materielle – Haus , Wohnung oder sonst was – sondern z.B. was Sie arbeiten, was Sie noch für „Träume“ haben, was Sie erreichen wollen, was Sie an Neuem ausprobieren wollen, Hobbys etc….. ist das so abwägig ?? In Ihrem Buch sprühen Sie vor Elan. Und auch wenn man älter wird (das werde ich übrigens auch :) ) und sich verändert, l e b t man doch und setzt sich neue Ziele.

      Liebe Frau Dreher, es ist Ihre Seite und Sie können schreiben was Sie möchten, das ist allein Ihre Entscheidung. Und ich als Leser kann entscheiden, ob das für mich interessant bleibt oder nicht. Ist halt die Frage, was und wen Sie erreichen wollen.

      Herzliche Grüße aus Berlin, Ute

      • dreher sagt:

        Liebe Ute,

        es tut mir leid, wenn ich zu unfreundlich reagiert habe, ich gehe leider immer stillschweigend davon aus, dass alle mich schon seit Jahren lesen und daher alles wissen und die Entwicklung mitgelesen haben – aber wenn Sie nur mein Buch kennen, und nicht wissen, wie es weitergegangen ist (nachzulesen vielleicht in meinem vorigen Blog „French Connection“, in der linkliste zu finden) dann ist der Bruch zwischen der Stimmung in den Bergen und den Wechseljahren in Cannes vielleicht zu krass.
        Es steht ein bisschen was da oben unter „über mich“ und „was ich mache“ –

        Nun, mein erster Mann Patrick ist gestorben. Die Krankheit, sein Tod und alle unschönen Umstände haben mich sehr durchgewirbelt. Ich bin ganz froh, dass es jetzt wieder ruhiger ist in meinem Leben, und ich mich wieder lebendig fühle. Ein Ziel war lange nur „überleben“. Dann hieß das Ziel: Schreiben. Übersetzen vielleicht. Nun, das tue ich: Ich schreibe und übersetze: das berufliche Schreiben, wo ich auf leichte Muse gebucht bin, ist vielleicht auch der Grund, dass ich viele (private) Themen aufhebe und woanders abarbeite und auf meinem Blog entsprechend weniger schreibe und schnodderiger werde.
        Ich übersetze vor allem für eine frz. Reiseagentur, die den deutschen Markt erobern will (und tut) – aber hin und wieder auch anspruchsvolleres und anderes.
        Das und das Leben in Cannes mit einem lieben zweiten Mann (und dessen Familie) reicht mir gerade völlig. Mehr geht (noch) nicht.

        Natürlich müssen Sie schauen, ob das, was ich jetzt „anbiete“ noch das ist, was Sie lesen wollen. Das muss man ja aber sowieso immer (wieder) überprüfen.

        Schöne Grüße aus Cannes nach Berlin
        Christiane

        • Ute sagt:

          Merci. Ich wollte Ihnen bestimmt nicht weh tun. Offensichtlich hat mir tatsächlich ein Stück Film gefehlt…

          Aber vielleicht hilft Ihnen ja auch ein solcher Smalltalk mit einem unbefangenen , völlig ahnungslosen Zwischen-Boule-und-Bettenmachen-Leser, wieder mal ein Break zu machen, einen Zwischenstopp, eine Kurskorrektur (?)….. das Leben ist kurz.

          Liebe Grüße aus Berlin, die Ute

  10. Karin sagt:

    Ein schöner Text – Du sprichst mir aus der Seele. Und ich habe noch nie verstanden, warum man denn bitteschön in Würde älter werden muss. Immer schön die contenance halten und innendrin brodelt’s? *Das* fände ich nicht ehrlich. Natürlich nervt’s, wenn’s vorne und hinten zwickt, man den Hormonen hilflos ausgeliefert ist, die Sicht schwindet, der Schweiss tropft, und die Stimmungsschwankungen mit denen der vorpubertären Tochter konkurrieren könnten. Und das soll man nicht zugeben können? Und sich ab und zu Luft verschaffen? Ich fand den Text jedenfalls einen Genuss und höchst amüsant – gerade weil ich zu den Betroffenen gehöre. Und die anderen können sich schon mal wappnen! ;)

    Liebe Grüsse aus dem verregneten Genf,
    Karin

    • dreher sagt:

      oh dieses aufmerksame wordpress… ich wollte eigentlich nur „merci“ schreiben, aber man ließ mich nicht, da ich das schon einmal gesagt hätte – doppelter Kommentar, Fehler! tröööt!
      also jetzt: merci Karin :D

  11. Gerd Ziegler sagt:

    Dass mit der Brille und der fortschreitenden Lebenszeit ist schon speziell.

    Seit 1981 trage ich zwar wenige Dioptrien, aber ohne ist alles unscharf. Mit dem Nasenfahrrad erkenne ich meistens als erster die Fahrwassertonne am Horizont OHNE Fernglas, in der Fußgängerzone gehe ich dann ohne Brille an Bekannten (unabsichtlich) blind vorbei.
    Die Optikerin meines Vertrauens wollte mir vor ein paar Jahren eine Gleitsichtbrille verpassen „…die Augenmuskulatur wird im Alter leider schwächer…“. Das war eine Katastrophe. Einerseits mit 45 von Alter zu sprechen, andererseits die Gleitsichtbrille.

    Heute habe ich weiterhin meine heißgeliebte Adleraugen-Weitglotzbrille und – seit kurzem – eine Armschonende Lesebrille. Welch ein Wohlgefühl. Plötzlich wieder die Taschenbuch konforme Schriftgröße 3 in Plakatgröße zu erleben.

    Der Hammer aber neulich war ein Schreiben meiner Krankenkasse. Eine Einladung zu einem Gespräch für eventuelle Zahnersatzbehandlungen!!! Hva? Kurz vor meinem 50igsten? Konnte die Krankenkasse nicht bis zu meiner eventuellen Rente (mit 76) warten???

    Gleich morgen früh fahre ich nach Köln und öffne im Beisein der Sachbearbeiterin der Krankenkasse einen ganzen Kasten Kölschflaschen mit meinen Zähnen – und – danach höre if aufmerkfam fu, wie man an neue Fähne kommt…

    Grüfe auf dem Rhein-Fieg-Kreif
    Gerd Fiegler

  12. Gerd Ziegler sagt:

    Nachtrag

    Imagination – „Just An Illusion“ fand ich damals Spitzenklasse…
    http://www.youtube.com/watch?v=TnfHdZrmMAw