Cannes zu Fuß – le Canal de la Siagne

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Das hat mir ja keine Ruhe gelassen mit dem Canal de la Siagne. Im Internet habe ich gesehen, dass das Ende des Kanals sich in Cannes im Viertel la Californie befindet. Ich erinnere mich vage, vor ein paar Monaten die „Wiedereröffnung“ des Spazierwegs in der Zeitung verfolgt zu haben. La Californie ist der Hügel oberhalb Cannes‘, …

wo die Reichen und Superreichen in großen Villen leben, von denen man in der Regel nichts sieht, weil sie hinter hohen Mauern und Hecken verborgens sind. Unübersichtliche Sträßchen winden sich in winzigen Serpentinen kreuz und quer über den Hügel und hinauf und hinab. Es sieht alles gleich aus, und ich finde mich dort nicht zurecht und drängelte daher Monsieur, dass er mir den Einstieg in Cannes zeigen sollte. Und siehe da, auch Monsieur findet sich dort nicht mehr zurecht. Alles sieht anders aus als früher. Wir fanden also den richtigen Anfang des Wegs erst am Ende unseres Spaziergangs, da wurde es aber schon dunkel, so dass ich Ihnen heute nur ein kleines Zwischenstück zeige …

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Zu meiner Enttäuschung verläuft der Kanal hier nur unterirdisch, man geht also darüber spazieren und nicht daran entlang. Der helle und breite Kiesweg ist sichtbar neu angelegt mit Hinweistafeln, Bänken, kleinen Brunnen und großen Papierkörben, und er wird stark frequentiert. Jogger, Spaziergänger mit und ohne Hund sind unterwegs. Hier sind Hunde also erlaubt, Plastiktütenspender für Hundehäufchen gibt es auch. Zunächst war ich sehr begeistert. Kaum sind wir zwanzig Meter gelaufen öffnet sich der Blick auf die Bucht von Cannes und ich verstehe, warum der Weg hier Promenade du Belvedere heißt. „Toll“, jubele ich und verstehe nicht, warum Monsieur so verhalten reagiert. Dann ist es so wie in Mougins, man läuft an der Hinterseite von Grundstücken entlang. Fand ich sie in Mougins schon groß, so sind sie hier riesig und man sieht nur hin und wieder Dächer oder Details, alles andere ist verborgen hinter hohen Mauern, Hecken und Zäunen. Stellenweise hat man das Gefühl durch einen Hochsicherheitstrakt zu laufen. Rechts 5Meter hohe Zäune und Überwachungskameras, links 3Meter hohe Zäune, Stacheldraht und drohende Hinweisschilder auf wachende Hunde.

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Meist ist aber alles sehr begrünt, manchmal auch wildwuchernd und dazwischen gibt es auch immer wieder nette Stellen und Blicke auf Cannes zu erhaschen. Beim Anblick einer riesigen, noch unfertigen und sehr modernen Villa mit Satellitenantenne, von etwa 3Meter Durchmesser, ist Monsieur endgültig bekümmert. „Wie war das hier früher?“ frage ich ihn. „Hier war früher nur ein Feld mit Olivenbäumen und eine kleine Kapelle stand mittendrin“, erzählt Monsieur. Beides ist noch da – dient jetzt aber nur noch dekorativen Zwecken. „Und früher bin ich hier durch die Felder und Wiesen gerannt, da gab es weder Häuser noch Zäune, der Kanal war offen wie in Mougins mit kleinen Brückchen, und man konnte von überall auf Cannes schauen,“ seufzt er. Das aber ist lange her. Mehr als fünfzig Jahre. So lange war er hier nicht mehr gewesen. Ich verstehe ihn. Als ich das letzte Mal an den Orten meiner Kindheit war, war ich ebenso schockiert, dort, wo ehemals weite Wiesen, aufgegebene Kleingärten und ein wilder Bach meine Kinderwelt bestimmtem, nagelneue weiße Einfamilienhäuser vorzufinden.

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K800_DSCN2521Zuhause zeigt Monsieur auf ein Bild, das bei uns an einer etwas unglücklichen und dunklen Stelle im Flur hängt und das mir bislang nicht besonders aufgefallen war. Nur noch so eine blasse, klassische Cannes-Landschaft … Es ist eine Kreidezeichung des Cannoiser Malers Louis Pastour. „So sah es da früher aus,“ sagt er. Ich sehe das Bild nun mit anderen Augen. Ich denke, wir werden es umhängen. Es verdient mehr Licht.

 

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3 Kommentare zu Cannes zu Fuß – le Canal de la Siagne

  1. Marion sagt:

    Danke! Immerhin noch keine „gated community“, dieses Viertel, kommt vielleicht noch…

    • dreher sagt:

      oh, „gated communities“ gibt es hier überall – aber da oben ist man um Gottes Willen keine Community, jeder ist eine Insel ;)

  2. wiycc sagt:

    Dieser Text berührt mich. So geht es mir auch oft in meiner Heimatstadt; es macht mich traurig zu sehen, was alles zugebaut ist (oder demnächst wird). – Ist es das Alter?

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