Ici reposent …

TraueranzeigeAls ich der Dame von der Mairie am Telefon sagte, wir brauchen keine Mülltonnen, wir brauchen einen richtig großen Müllcontainer, weil wir etwa zehntausend Bücher wegzuwerfen hätten, sagte sie « nana, nun übertreiben Sie mal nicht » und gestand mir vier große Mülltonnen zu. Vier Mülltonnen waren binnen einer halben Stunde voll und wir werfen nun wieder einfach alles aufs Trottoir. Nach drei Tagen, die wir mit vollen Bücherkisten Treppen rauf und mit leeren wieder runter gelaufen sind, einschließlich einem Zickzackkurs zwischen den fahrenden Autos hindurch zur anderen Straßenseite, tut uns beiden so ziemlich alles weh. Monsieur kann in dem niedrigen Keller nicht einmal aufrecht stehen und hat vor allem Rückenschmerzen. Seit gestern haben wir immer mal wieder stundenweise Hilfe von Freunden, und es geht endlich ein großes Stück voran. Monsieur und ich sind Buchliebhaber und können nur sehr schlecht Bücher wegwerfen. Monsieur muss außerdem fast jedes Buch zum Abschied anschauen und überlegen, ob er es nicht doch behalten könnte, denn irgendein Bücherdoktor hat behauptet, man könne feucht gewordene Bücher retten, wenn man sie in Stickstoff tauchte … Und ich versuche ständig noch Fotos von all den Serien zu machen, damit sie irgendwo dokumentiert sind.

LieblingscoverUnd dann halten wir uns gegenseitig Bücher mit ausdrucksvoll gezeichneten Covern oder witzigen Titel hin und Monsieur sagt immer voller Wehmut « ah oui, ils sont si magnifique ». Alles mögliche muss ich fotografieren : eine wunderschöne Fadenheftung eines auseinanderfallenden Romans,

Fadenheftungeinen Schutzumschlag …

Brighton RockSo kamen wir nicht wirklich schnell voran. Die Freunde aber warfen ohne jegliche Gefühlsregung einfach nur sehr sachlich zackzack Bücher weg.

Je weiter wir uns nach hinten und unten durcharbeiteten, desto schlammiger wurde es und selbst Monsieur hat nun Kisten mit Büchern komplett weggeworfen, es war ohnehin nichts mehr zu erkennen und ich habe irgendwann auch aufgehört Fotos zu machen. Ein paar Bücher konnten wir retten und Monsieur hat heute Abend ein ihm wertvolles Exemplar Seite für Seite trockengebügelt.

A und B Ich habe auch schon gebügelt : meine neulich geretteten und aufgequollenen Zeitungsartikel und Seiten meines ebenso halb abgesoffenen Wörterbuchs. Da nur das A und das B wirklich nass geworden sind, dachte ich, ich versuche es. Ich legte Küchenrollenpapier zwischen die feuchten Seiten und lernte dabei neue Wörter. Dann bügelte ich die Seiten glatt. Es gibt aber schon eine kleine Pilzkultur und ich weiß nicht, ob ich den Geruch auf Dauer ertrage. Ein weiteres Problem ist, dass Bügeln nur gleichzeitig mit Fernsehen wirklich erträglich ist und bei uns geht immer noch rein gar nichts. Ich schaue jetzt also nicht sehr komfortabel DVD’s im Laptop.

So weit war ich gekommen, und jetzt am Freitag Abend haben wir endlich wieder alles, Telefon, Internet und Fernsehen … Sie hören also wieder von mir … aber jetzt muss ich schlafen gehen, morgen früh geht die Aufräumarbeit weiter!

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4 Antworten auf Ici reposent …

  1. Marion sagt:

    Das ist alles ganz schön tragisch und traurig. Tenez le coup!!!

  2. Friederike sagt:

    Schöner Mist. Wasser ist schlimmer als Feuer, sagen die Leute manchmal.

    • dreher sagt:

      Ja, ich erinnere mich, dass nach dem Brand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar die Brandschäden an den Büchern schlimm, die Schäden durch das Löschwasser aber ungleich schlimmer waren; aber dort gab es dann eine „Gefriertrocknung“, wie ich gerade nachgelesen habe, was wohl den Buchbestand teilweise (ob langfristig ist ungewiss) rettete – der Platz in meinen Gefrierfächern ist aber sehr begrenzt, wir bügeln daher das eine oder andere Exemplar … :(