Rundreise durchs Hinterland

So. Zum Wochenende aber mal was komplett anderes. Katastrophenmeldungen aus Südfrankreich haben Sie genug gehabt, denke ich, und in Deutschland kocht ja auch allerhand hoch, wie ich, zugegebenermaßen nur am Rande, mitbekomme. Manchmal muss man abschalten und den Kopf in die frische Luft halten, wird sonst schnell alles zu viel, also mir zumindest. Daher machen wir heute mal wieder einen Ausflug ins Hinterland.

PepitaDiesmal bin ich nicht selbst gereist, ich putze ja, wie Sie wissen, sondern die fleißige Reisejournalistin Hilke Maunder war unterwegs, und sie war genau dort, wo ich mich auskenne, das hat mir so gefallen, dass ich Ihnen das nicht vorenthalten will. Ich hätte das gern anders eingebaut, so dass man gleich etwas von den schönen Bildern auf ihrem Blog sieht, ich weiß aber nicht wie das geht und ob überhaupt, also machen wir es wie immer, Sie klicken bitte hier: –>  Das wilde Hinterland der Côte d’Azur.

Schön, oder? Ich weiß nicht wieviel Zeit Hilke Maunder für diese Rundreise eingeplant hat, ich fühlte mich ein bisschen gehetzt, als ich die Beschreibung las. Man kann das sicher in vier Tagen machen, aber ich bin ja so südfranzösisch langsam geworden und muss ja jetzt auch immer mittags richtig essen, und danach mache ich tatsächlich gern eine kleine Sieste, also ich könnte da locker eine Zweiwochenreise draus basteln. Na gut, sagen wir zehn Tage. Was ich damit sagen will ist, nehmen Sie sich Zeit, das Ambiente all dieser kleinen Orte erspüren Sie nicht im Vorübereilen. Und weniger ist mehr. Besuchen Sie lieber nur ein Dorf, schlendern Sie durch die Gässchen, verlaufen Sie sich ein bisschen, setzen Sie sich hin, schauen Sie, hören Sie das Geplätscher der Brunnen, streicheln Sie eine der dösend herumliegenden Katzen … slow travelling kommt im Hinterland gut. Erstaunlicherweise kenne ich das Dorf La Gaude nur von darauf hinweisenden Straßenschildern, ich war dort noch nie und ich hatte auch noch nie von diesem Écomusée gehört. Ich würde es vielleicht auch unter den Tisch fallen lassen und stattdessen etwas mehr Zeit in St. Jeannet und in Gattières verbringen oder in Carros, wenn Sie etwas für moderne Kunst übrig haben.

Entrevaux ist dann das touristische Ziel im Hinterland, im Sommer kommen hier jede Menge Menschen in Reisebussen angefahren, um es zu besichtigen. Dabei ist der mittelalterlich befestigte Ort, der von außen so grandios aussieht, im Innern immer ein bisschen eingeschlafen, es gibt kaum Geschäfte, wenige Restaurants und Bars und die Sträßchen cathedrale Entrevauxund Häuser wirken wie ausgestorben. Vor allem jetzt im Herbst. Laufen Sie einfach ein bisschen Treppchenauf und Treppchenab, dann stehen Sie irgendwann unverhofft vor der Cathedrale Notre-Dame-de-l’Assomption aus dem 17. Jahrhundert, deren barockes Stilsammelsurium mitsamt dem Sternen-Altarhimmel mich immer rührt, vor allem, wenn gleichzeitig noch jemand Orgel spielt. Sie könnten noch zur Zitadelle hinaufwandern (Achtung, kostenpflichtig!), oder ein niedliches Motorrad-Museum besichtigen (kostenfrei, aber die Öffnungszeiten außerhalb Tete de Femmeder Saison sind zu erfragen) Viel mehr ist nicht. Besonders gut kann man in Entrevaux nirgends essen (also bislang nicht), fahren Sie besser weiter und picknicken Sie vielleicht irgendwo in den großartigen Gorges des Daluis. Sie könnten auch eine kleine leichte Wanderung zum Point Sublime machen („sublime“ naja, aber so heißen hier einfach alle Aussichtspunkte); nur etwa 3 km, der Weg ist gut ausgeschildert, los gehts an der Pont Bertheou in der Nähe des Felsens Tete de femme. Von besagtem Point Sublime hat man einen schönen Blick auf die Schluchten und auf den sich tief unten windenden Fluss Var. Klicken Sie mal bei Frau Maunder auf den weiterführenden link „atemberaubendes Duo“, da gibts schöne Bilder von den roten Schluchten. Wenn Sie beabsichtigen hier zu wandern und/oder zu picknicken, dann machen Sie vorher (das heißt zeitlich und örtlich vor Entrevaux!) im Maison de Pays in Puget-Théniers Halt, dort bekommen Sie Produkte der Bauern aus der Region (Puget-Théniers selbst können Sie rechts liegen lassen, es ist meiner Meinung nach nicht weiter interessant). Falls Sie wie Hilke Maunder weiterfahren Richtung St. Martin d’Entraunes, dann halten Sie aber vorher im eigentlich völlig uninteressanten Guillaumes an, das Frau Maunder zu Recht nicht mal erwähnt, aber hier sind Sie absolut auf meinen Spuren! Nur fragen Sie Marco in der Cooperative nicht mehr nach mir, es nervt ihn etwas, denn er arbeitete zu meiner Zeit noch an der Tankstelle und wir haben keine gemeinsame Arbeitsvergangenheit. Übrigens befindet sich hier die letzte Suze FassadeTankstelle weit und breit (Montags geschlossen!), es gäbe sonst erst wieder eine in Beuil (das liegt nicht auf ihrem Weg, oder in Colmar, das ist zwar auf ihrem Weg, aber noch ein Stück weg und liegt jenseits des Col des Champs, oder in Barcelonette, das ist auch nicht auf ihrem Weg und liegt außerdem jenseits des Col de la Cayolle). Wenn Sie noch nicht gegessen haben, dann empfehle ich Ihnen jetzt ausdrücklich das Café Le Central, es ist kein Café im deutschen Sinn, sondern ein Restaurant. Ich weiß, Sie wollen mittags nicht so viel essen, ich weiß, Sie wollen eigentlich weiter, ich weiß, Sie finden es teuer und der Rahmen ist nicht bezaubernd, ich weiß, ich weiß … machen Sie es trotzdem. Teuer ist es hier überall, Sie sind, auch wenn Sie im ländlichen Hinterland herumgondeln, im teuersten Departement Frankreichs, aber besser essen werden Sie lange nicht. Sie müssen kein Menü essen, nehmen Sie das Tagesgericht und ein Dessert. Die Gerichte werden frisch zubereitet und die Zutaten stammen von Bio-Bauern oder Produzenten der Region. Im Herbst gibt es Ruhetage, rufen Sie im Zweifelsfall vorher an. Und falls Sie diese Tour erst in drei Jahren machen sollten, dann fragen Sie vorsichtshalber, ob es immer noch das Restaurant von Gaël ist, man weiß ja nie. Ga-el spricht sich das. Er ist der Besitzer und gleichzeitig Koch des Restaurants, und die Kritiken auf tripadvisor sind nicht gekauft. Ach so, in Frankreich isst man zwischen Zwölf und Zwei, oder dann wieder abends. Das ist hier so.

In Ermangelung eigener Fotos von Guillaumes (und Umgebung) verlinke ich Ihnen mal die Seite von Jean Pierre Champoussin, ein unermüdlich arbeitender selbst ernannter Journalist, der das gesamte Tal mit allen Dörfchen und Bewohnern, alle Festen und Veranstaltungen seit ein paar Jahren sehr liebevoll dokumentiert.

Jetzt sind Sie nicht weit weg von Châteauneuf d’Entraunes und ich würde Ihnen gerne vorschlagen, hinaufzufahren und dort zu übernachten, aber zur Zeit sind Auberge und neuerdings auch die Gîte nicht bewirtschaftet. Hier hören Sie jetzt einen großen Seufzer meinerseits. Das Schicksal der Auberge wäre eine Geschichte für sich, aber ich weiß nicht, ob ich das Privatleben der betroffenen Menschen so in alle Welt rufen möchte. Belassen wir es mit dem Kommentar, dass es bedauerlich ist. Für das Dorf und für die Auberge und für alle Beteiligten.

Hilke Maunder sieht vor, dass Sie den Col des Champs nehmen – dagegen ist nichts zu sagen, das ist eine schöne Strecke, nur ist der Col seit Anfang Oktober schon gesperrt. Ich vermute wegen Bauarbeiten, denn geschneit hat es noch nicht. So etwas sollten Sie immer bedenken, wenn Sie durch die Berge fahren. Aber von Anfang Juni bis Ende September sind in der Regel alle Cols geöffnet. Ich persönlich liebe den Col des Champs im Juni: Die Felder sind dann so grün und voller Blumen, einfach wundervoll. Auf der anderen Seite des Col kommen Sie nach Colmar les Alpes, das ich persönlich auch nett finde. Ebenfalls ein befestigtes Städtchen und ein bisschen verschlafen. Hier sind Sie jetzt in einem anderen Departement und hier ist ein anderer Fluß dominant: der Verdon. Ich kenne mich weniger gut aus und lasse Sie Hilke Maunder folgen, ohne mich einzumischen. Und wenn SieVence und St. Paul de Vence noch nicht kennen, dann müssen Sie vermutlich auf der Rückfahrt vom Verdon und dem Lac de Ste. Croix hinfahren. Mir ist insbesondere St. Paul de Vence viel zu voll und zu touristisch. Und ganz ehrlich, das Einkaufszentrum Cap 3000, das zur Zeit zusätzlich eine Riesenbaustelle ist, würde ich mir nach einer Reise durch solch großartige Natur auch ersparen. Ansonsten gibt es hinter dem Einkaufszentrum einen kleinen Strand … da könnte man dann nochmal durchatmen und vielleicht die Füße ins Wasser und so …  das geht auch Ende Oktober noch gut :)

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