… und Dalida

Jetzt habe ich doch tatsächlich Dalida vergessen, spricht für sich, möchte man meinen… Ich war gestern nämlich noch im Kino, ganz alleine. Ich wusste schon, dass mich niemand begleiten wollte, ich hatte auch keine Lust auf kritische Bemerkungen und genoss meine anderthalb Stunden Kitsch. Man braucht ja hin und wieder etwas Auszeit von der Wirklichkeit, n’est-ce pas?!

Dalida, der Film bekam hier fast nur freundliche Kritiken, niemand wollte Orlando, den Bruder Dalidas, Ex- und immer noch Manager der verstorbenen Sängerin, kränken. Alle lobten ausschließlich und zunehmend enthusiastisch „das Casting“, also die Schauspieler, die extrem gut gewählt seien, und ja, die Dalida-Darstellerin Sveva Alviti ist glaubwürdig, „émouvante“ wird auch gesagt, und man leidet wirklich mit, wenn sie „Je suis malade“ singt. Sie hat feinere Gesichtszüge als Dalida, was dem Bild Dalidas aber nicht abträglich ist. Ansonsten fand man wohl nicht viel zu diesem Film zu sagen.

Er ist nach einer Biographie, die Orlando über das Leben seiner Schwester verfasst hat, entstanden, und Orlando ist ebenso einer der Produzenten. Er hatte schon mehrere Filmprojekte, die ihm nicht angemessen erschienen, im Vorfeld abgelehnt. Der Film ist also keine kritische Aufarbeitung von was auch immer, sondern ein Hochglanzporträt, das zur Legendenbildung Dalidas beitragen soll und vermutlich auch wird: Für mich war es wie anderthalb Stunden Zeitschriftenblättern beim Friseur: Dalida, ihre Lieder, ihr Erfolg, ihre Männer (die sich, und das ist wirklich tragisch, fast alle umgebracht haben), ihre Einsamkeit und Komplexe, und ihre Selbstmordversuche. Dass sie neben dem Singen und der Liebe auch noch etwas anderes im Kopf hatte, wird mit einer etwas aufgesetzt wirkenden Szene, in der sie Heidegger liest, bewiesen; die philosophische Phase dauert aber nicht allzulang, dann gibt es schon den nächsten Liebhaber.

Ganz ehrlich, der Film ist leicht, um nicht zu sagen seicht, nicht aufregend erzählt und man muss Dalidas Lieder schon mögen, um ihn zu genießen. Ich war auf Kitsch à la Gala eingestellt und wurde nicht enttäuscht :) Es gab ein paar berührende Momente, aber auch Längen. Lust, ihre Lieder zu hören, habe ich aber immer noch. Kleine Auswahl gefällig?

ps: Danke für den Schlusspunkt und das wahrhaftige und traurige Lied, das im Film auch am Ende läuft. Dalida hat sich im Mai vor 30 Jahren in Paris das Leben genommen.

 

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

12 Antworten auf … und Dalida

  1. Mumbai sagt:

    Habe den Film nicht gesehen und mich erst durch deinen post wieder an sie erinnert.
    Schade, wie schnell man Personen die immerhin sehr bekannt waren, so schnell
    vergisst. Aber gute Musik stirbt nie. Immerhin hatte sie ein bewegliches Leben und einige ihrer songs mag ich heute noch zu hoeren. Z.B. „il venet d’avoir“.

    • dreher sagt:

      Hier in Frankreich ist sie gar nicht soo vergessen, ich glaube ihr Bruder macht da ganz gute „Erinnerungsarbeit“ (es ist ja sein Broterwerb) – und in Frankreich gibt es diese Regelung, dass im Radio ein gewisser Prozentsatz französische Musik gespielt werden MUSS; die Sender wie Emotion, Nostalgie etc. spielen da laufend solche „Schnulzen“ – ich mag viele ihrer Lieder gerne. Im Film sah man, dass ihre Liebeslieder oder auch „Malade“ einen Zusammenhang mit ihrem Leben hatten – und sie sie sehr intensiv sang, was wiederum dem Publikum sehr gefiel …

  2. Caroline Bahri sagt:

    Oh mince! Hätte ich das gewusst, wäre ich gerne mit gekommen. Allein in‘ s Kino mag ich nicht. Und meinen Monsieur kriege ich da nicht rein…

    • dreher sagt:

      Ich war in der Nachmittagsvorstellung, das geht alleine ganz gut :) aber beim nächsten Kitsch-Event werde ich an dich denken!

      • Caroline Bahri sagt:

        Nachmittagsvorstellung passt super – da ist Monsieur beim petanque. Und Kitsch muss einfach auch mal sein (wir sagen’s einfach nicht weiter)

  3. Eva sagt:

    Nö, war was???

  4. Croco sagt:

    “ …machte ich mich ein bißchen mehr auf jugendlich, ganz in Gedanken.“
    Mit 18 habe ich das Lied nicht verstanden, mit 36 und später schon.
    Ich mochte ihre Stimme immer sehr, und ich verstand ihr Französisch ;)

    • dreher sagt:

      Ich hatte ja gedacht, die deutsche Version habe Daliah Lavi gesungen, aber nein, gerade überprüft, war Dalida. Für mich war das Lied früher auch unverständlich, blieb mir aber im Gedächntnis, vielleicht genau deswegen –

  5. Astridka sagt:

    Schön, dass du mich an sie erinnert hast! Ich nehme sie gleich auf meine „Great-Women- Liste“ für meine Donnerstagsserie. Ich habe sie sehr gemocht, aber auch aus dem Blickfeld verloren…
    LG
    Astrid