Zwischenröcheln

Ich werd‘ noch heiser vom Zwischenrufen, wenn das so weiter geht. Seit über dreißig Tagen reden wir nur über Fillon und das „Penelopegate“ und wir werden auch noch weitere 50 Tage nur darüber reden, so wie es aussieht. Im Gorafi, einem satirischen Onlinemagazin, wird schon gewitzelt, dass Benoît Hamon selbst kompromittierende Unterlagen über sich an den Canard Enchainé gesendet hätte, damit endlich auch mal von ihm geredet würde. So siehts aus.

Dass Fillon am Sonntag auf einem Platz, der 50.000 Personen aufnehmen kann, angeblich 200.000 Anhänger versammelt hat, haben Sie mitbekommen, n’est-ce pas? Ob es nun 50 oder 80 Tausend waren, es hat ihm gereicht, um selbstgefällig „seht ihr wohl!“ zu sagen, und natürlich bleibt er Kandidat. Auch wenn die Rechte um ihn herum abbröckelte und Juppé drang, sich für einen „Plan B“ aufstellen zu lassen. Doch Juppé hat gestern „ein für allemal“ erklärt, er stehe nicht für einen „Plan B“ zur Verfügung. Dieser sogenannte Plan B hätte sowieso nur zustande kommen können, wenn Fillon einverstanden gewesen wäre, zugunsten Juppés zurückzutreten. Es gibt nämlich kein Gesetz, einen in der „Primaire“ gewählten Kandidaten abzusetzen, selbst wenn der krank oder verrückt werden würde, wie neulich ein Politiker durchaus mit Bedauern sagte. Also, kein Plan B, auch kein Plan C, Fillon bleibt uns erhalten. Quelle honte!

Wir haben einen Kandidaten, der ein Strafverfahren gegen sich laufen hat. Und eine Kandidatin mit einem ähnlich gelagerten Problem; auch sie wettert, dass man sie mit dieser Anklage, die „ausgerechnet jetzt“ käme, politisch schwächen wolle. Sie will nicht mal zur Vorladung gehen, behauptet sie. Eine angeklagte Kandidatin, die die Justiz missachtet. Auch schön.

Wen haben wir noch? Ach, ja Macron. Der habe jetzt einen „Boulevard“ vor sich, heißt es, eine breite Straße, auf der er bis zur Wahl schlendern könnte, wenn er nicht nochmal einen Fauxpas begehe wie diesen Satz über die Kolonisation Algeriens, die ein Verbrechen gegen die Menschheit/(lichkeit) gewesen sei. So etwas sagt doch kein Staatsmann, wird gemurrt. Und das haben ihm viele nicht verziehen. Er sei zu jung, zu unreif sagen die Kritiker, man wisse nicht, wen man wirklich vor sich habe, und sie fragen auch, wer eigentlich seinen Wahlkampf finanziere.

Mélenchon, die Écolos und Benoit Hamon haben keinen Kompromiss finden können, und treten jeder einzeln an, nur die Écolos, die Grünen, haben sich hinter Benoît Hamon gestellt.

Bisschen Tratsch gefällig? Kurz vor dem Beginn des Wahlkampfes haben sich alle Kandidaten von einer beliebten Moderatorin interviewen lassen: Karine Le Marchand moderiert seit Jahren erfolgreich die Serie „L’amour est dans le pré“ und bringt dort auch den stoffeligsten Landwirt dazu, über seine Sehnsüchte und Träume zu reden. Sie empfing in der Sendung „Ambition intime nacheinander einzeln jeden Kandidaten auf ihrem Sofa und scherzte, plauderte, fragte und hörte zu, was die Politiker ihr anvertrauen wollten. Und alle haben der Einladung Karine Le Marchands Folge geleistet, selbst Marine Le Pen und Fillon plauderten aus dem Privatleben. Die Sendung, Trash hin oder her, hat den Politikern sehr viel Sympathien eingebracht. Allen? Nein. Nicht allen. Benoît Hamon hatte kurzfristig abgesagt. Er wollte nicht über seine Lebensgefährtin Gabrielle Guallar sprechen, die in verantwortlicher Stellung für den Luxuskonzern LVMH arbeitet. Schlecht für das Bild eines radikalen Linken. Aber, immerhin, und anders als manch andere Politikergattin, arbeitet sie wirklich.

Ach, allerletzte Neuigkeit: Rama Yade, ehemalige Staatssekretärin unter Sarkozy und Fillon, hat sich gerade entschieden, auch als Kandidatin anzutreten. La France qui ose, (in etwa „Frankreich wagt es“), heißt ihre Bewegung, die sich irgendwo in der Mitte, aber rechts von Macron bewegt. Sie hat aber erst 113 Bürgermeister, die sie unterstützen wollen, hinter sich. 500 braucht sie, um sich präsentieren zu können.

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