Zwischenruf : Kleinigkeiten

candidat-election-disney(photo trouvé chez Koreus, réalisé par Corse Machin)

Vor drei Tagen wurde Fillon mit Mehl überschüttet, das wissen Sie vielleicht schon, ist ja ein alter Hut in diesen bewegten Zeiten, knapp zwei Wochen vor dem ersten Wahldurchgang, aber ich hatte keine Lust, meine friedlichen Wochenendfotos gleich wieder mit Politik zu überlagern.

Wir sehen und hören die Kandidaten gerade allüberall, es geht nur noch darum. Außenpolitik dringt kaum noch zu uns durch, es braucht schon Terrorattacken in Stockholm und Ägypten, um die geschwätzigen Damen und Herren mal eine Minute zum Schweigen zu bringen, wie etwa Mélenchon anlässlich seines Auftritts vor 70.000 begeisterten Menschen. Eigentlich schwieg Mélenchon für die toten Migranten habe ich gerade bemerkt. Ich lasse es trotzdem so stehen, immerhin können wir ja an die Opfer der beiden Anschläge denken, wenn wir in Mélenchons Schweigeminute einstimmen.

Mélenchon ist gerade stark im Aufwind. Er macht eine gute Kampagne, ist ein guter Rhetoriker, machte im Fernsehen eine gute Figur, und das Ding mit der Hologrammtechnik hat alle verblüfft. Am 18. April wird er sich erneut vervielfältigen lassen, sogar sechs Mal, um so an sieben Orten gleichzeitig auftreten zu können. 40.000 Euro kostet ein Hologramm zusätzlich zur Saalmiete. Was tut man nicht alles, um die jungen Wähler anzuziehen. Für die gibt es außerdem ein Videospiel Fiscal Kombat mit einem pixeligen Mélenchon, der alle seine Gegner in der Luft zerreißt.

QuotidienAuch um die zukünftigen Wähler kümmert sich MelenchonMélenchon bereits. Von Herrn Diehl wurden mir die Fotos der Kinder-tages-zeitung Mon Quotidien übermittelt, in der Mélenchon es bislang als einziger Kandidat auf den Titel und eine Doppelseite geschafft hat und von der Kinderredaktion befragt wurde. Bemerkenswert, diese Präsenz. Seine Umfrageergebnisse steigen kontinuierlich, heute Abend hat er sogar Fillon auf den vierten Platz verwiesen und man fragt sich, ob er auch noch Macron einholen wird und sich dann mit Le Pen im zweiten Wahldurchgang ein Stechen geben wird. Alles scheint möglich bei dieser Wahl.

Macron war auch schon in Marseille, aber es war weniger gelungen, die Menschen verließen seine Versammlung vorzeitig, weil es ihnen zu wenig konkret war, was der junge Kandidat der Mitte ihnen zu erzählen hatte. Außer, dass er ihnen jedes Mal liebevoll das Auspfeifen der Gegner verbietet, komme nicht viel, sagen sie. Ein Video, das Menschen zeigt, die erklären, warum sie vorzeitig gehen, wurde vom Sender LCI schnell wieder entfernt und von Ludo, einem jungen Mann, in seinen Videos Osons Causer (wörtl: wagen wir zu sprechen) wütend wieder hochgeladen: Macron sei der Liebling der Presse und habe gute Pressekontakte, was erkläre, dass man negative Presse einfach zensiere. Damit es ein bisschen weniger zensiert ist, teilen wir das Video auch.

Ach so, noch was Nettes (?) zum Ausklang. Ostern naht. Ein Patissier in Chateauroux hat für Ostern les oeufs de la présidentielles Ostereier in den französischen Nationalfarben geschaffen und sie mit essbaren Fotos der Präsidentschaftskandidaten versehen. Angeblich ein echter Renner.

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2 Antworten auf Zwischenruf : Kleinigkeiten

  1. Marine Le Pen hat gestern in Paris auch wieder eine unglaubliche Äußerung geleistet: Die TAZ schreibt: „Le Pen bestreitet Frankreichs Mitschuld an Judenverfolgung. Als Paris von den Nazis besetzt war, halfen französische Polizisten bei der Deportation Zehntausender Juden. Frankreich trage dafür keine Schuld, so die Chefin des Front National.“
    http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/le-pen-leugnet-frankreichs-mitschuld-an-judenverfolgung/story/18901427
    Kommt man so an die Macht? Ich hoffe nicht.

    • dreher sagt:

      Ja, ich weiß, ich habe es nicht mit aufgenommen in meinen gestrigen Text – aber das denken ganz viele Franzosen wirklich – als 2010 der Film „La Rafle“ herauskam, der zeigt, wie auch die Franzosen an der Judenverfolgung aktiv mitgearbeitet haben, hat das nicht allen gefallen. Man denkt hier gern, wie oft auch in Österreich, „man sei von den Deutschen gezwungen worden“.

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