Weltumwelttag

Ok, ich wusste nicht, dass heute Weltumwelttag ist, bis ich die Zeitung gelesen habe. Insofern kommt mein kürzlich angekündigter Beitrag vollkommen zur rechten Zeit, und den müssen Sie noch, auch wenn es Ihnen vielleicht auf die Nerven gehen mag, dieses Beharren auf dem Plastik- und Abfallthema. Gibts nichts Schöneres in Südfrankreich? Wann blüht denn der Lavendel?

„Hast du das gesehen?“, Monsieur bremst hart auf der Croisette, auf der Höhe des Luxushotels Carlton. Wir sind unterwegs zur Fourrière, dem Ort, an dem man abgeschleppte Autos auslösen kann – gegen eine Handvoll Scheine und dem Nachweis sämtlicher gültiger Autopapiere. Monsieur hatte unseren alten Opel, der gerade noch einmal über die TÜV-Hürde gehüpft ist, vermutlich einmal zu viel auf einer dafür nicht vorgesehene Stelle geparkt, aber was wollen Sie machen, es gibt immer weniger Parkplätze, aber immer mehr Autos oder zumindest immer größere und wir stehen daher häufig à la perpette, weit ab vom Schuss, wenn überhaupt. Manchmal wird es eben ein nicht wirklich legaler Platz. Eben aber halten wir mit dem luxuriösen Zweitkleinwagen auf der Croisette und starren auf ein Plakat.

Das geht ein bisschen weit, findet Monsieur, man könne doch die Araber (wie wir hier vereinfachend für alle Menschen aus dem Nahen Osten sagen) nicht so stigmatisieren. In der nähe vom Carlton. Wie unangenehm. Das Carlton wurde in den letzten Jahren Monopolymäßig mehrfach weiterverkauft und gehört derzeit einem gewissen Ghanim Bin Saad Al Saad, einem reichen Geschäftsmann aus Quatar. Die Klientel  des Hotels stammt oft auch aus den reichen Erdölstaaten, arabisch eben, und ihnen hat man jetzt so ein Plakat vors teuer bezahlte Hotelfenster gehängt. Und nicht nur eins.

180 Euro Strafe für eine achtlos weggeworfene Kippe oder eine weggeworfene Dose. Während wir uns noch wundern und weiterfahren, sehen wir, fast ein bisschen erleichtert die gleichen Plakate auch in Russisch und Englisch und selbst in Italienisch.

Hin und wieder auch in Französisch, aber die kennen wir schon. Neu ist, dass wir (ich sag jetzt mal ‚wir‘) unsere Gäste, die Touristen, die hier doch jedes Jahr ersehnt und umworben werden, ohne die hier ja auch nichts laufen würde, also zumindest nicht mehr viel und deren Geld wir doch gerne nehmen, dass wir die jetzt in ihrer eigenen Sprache streng ansprechen: Hallo! Ordentlich jetzt aber! Schön aufräumen! Es sei mal dahingestellt, ob die Police Municipale wirklich den Prinz von X oder den Emir von Y wegen eines Vergehens der incivilité ein Knöllchen von 180 Euro verpassen würde, obwohl die es sich leisten könnten, nicht wahr, den Witz, dass man in diesen Ländern ein neues Auto kauft, wenn der Aschenbecher voll ist, kennen Sie sicher noch. Anyway. Kommt komisch. Als seien die französischen Plakate nicht aussagekräftig genug. Auf Deutsch gab es übrigens kein Plakat. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass wir (auch jetzt sage ich ‚wir‘, merken Sie’s?!) per se als ordentlich und dsizipliniert eingeschätzt werden, wir gehen nicht bei Rot über die Straße und wir trennen unseren Müll schon seit dreißig Jahren, das weiß man ja auch hier, oder ob nur einfach nicht genug deutsche Touristen in Cannes sind?!

Eins noch, nicht genug für einen eigenen Beitrag, ich wills ja auch nicht übertreiben:  In Antibes werden ab September 60 Testfamilien versuchen, zukünftig Müll zu vermeiden. Eine Aktion von Univalom die großartig „100% zéro déchet“ in etwa ‚Hundert Prozent Null Müll‘ fordert. Also man soll schlicht gar keinen Müll produzieren. Es gibt für Interessierte jeden Samstag Workshops, bei denen man lernen kann, Seifen und Hygieneartikel selbst herzustellen (ich weiß nicht warum, aber bei „Hygieneartikel herstellen“ habe ich das Bild von Tampons häkelnden Frauen vor meinem geistigen Auge und haha, während ich denke, ich habe einen guten Witz gemacht und nur mal so auf google suche für alle Fälle, habe ich das hier gefunden. Ok, ich sag nix mehr.), Verpackungen zu recyclen, einen Müllfreien Kindergeburtstag zu veranstalten (das möchte ich sehen!) und vieles mehr. Außerdem habe ich so erfahren, dass es tatsächlich demnächst Läden geben soll, in denen man seine eigenen Behälter zum Einkaufen mitbringen kann. Diese Läden haben dann einen eigens geschaffenen Aufkleber an der Tür kleben. Das lese ich natürlich triumphierend Monsieur vor, und halte ihm sein „ne les fais pas chier“ vor. Er seufzt ergeben. Auf nach Antibes! möchte ich rufen, aber seien wir realistisch, es haben sich erst 35 Familien für die Herausforderung „zéro déchet“ eingeschrieben. Antibes hat knapp 75.000 Einwohner. Auch wenn die Verantwortliche des Projekts hoffnungsvoll sagt, „Kleine Bäche machen einen Fluss“, so handelt es sich hier noch um die ersten Tropfen. Die versickern vermutlich noch im selbst gehäkelten Tampon. ;)

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

10 Kommentare zu Weltumwelttag

  1. Mumbai sagt:

    Mich nervt die Disziplinlosigkeit und Unachtsamkeit die immer mehr
    zunimmt und es geht offenbar nur mit hohen Strafen und starken Kontrollen. So funktioniert es in Singapore super und die Strassen sind blitzblank. Ist ja sehr einfuehlsam, diese Plakate in verschiedenen Sprachen, doch bei der europ.
    Mentalitaet wuerde das m.M.n. nicht funktionieren.
    Hygieneartikel selbermachen? Auch hier braucht man Energie etc. …also auch keine
    Loesung und von den neu angepriesenen Menstruationsschaelchen (nicht gehaekelt aber
    wieder mal etwas aus Plastik ), egitt, ganz zu schweigen
    .

    • dreher sagt:

      Meinen Sie das ironisch, dass die Plakate einfühlsam sind?!
      Ich glaube für Tampons häkeln sind die französischen Frauen nicht zu haben 😎

      • Marion sagt:

        Vielleicht meinte Mumbai, dass die mehrsprachigen Plakate engagiert sind? Von mir wird jedenfalls demnächst nicht mehr viel Unrat auf der Tampon-Front zu erwarten sein ;-) Also komm‘ ich um das Häkeln (was ich eh nicht mehr beherrsche) wohl nochmal drumrum…
        Ich habe alle 2 Wochen einen großen Sack voller Plastikmüll. Vieles davon kann man einfach nicht unverpackt kaufen. Da ist natürlich die Industrie gefragt, Lösungen zu finden. Wenn man nicht fanatisch wird, kann man doch sonst nur im Klitzekleinen für sich etwas ändern.
        Zu den „Arabern“: haha, na solange ihr nicht „beurs“ sagt ;-) Meine Mutter bezeichnet die dunkelhäutigeren Pflegekräfte in ihrem Heim gern mal als „Kameltreiber“ und den Asiaten, der ihr die Nägel macht, als „Chinesen“. Offenbar ist auf ihren vielen Reisen nicht viel hängengeblieben…
        Ach so, und blüht der Lavendel? ;-)

      • Mumbai sagt:

        ich haette das von mir ironisch gemeinte „einfuehlsam“, wie nun,
        unter Gaensefuesschen setzen sollen. Haekeln ist nicht notwendig
        dafuer gibt es ja die Plastikschaelchen (ebenfalls ironisch).

        • dreher sagt:

          Ich verstehe – ist leider nicht immer so klar erkennbar die Ironie, in der französischen Sprache meide ich Ironie jetzt weitestgehend, gibt immer nur Missverständnisse. Deswegen gibt es ja jetzt diese inflationär eingesetzten Smileys, wobei ich auch da immer große Zweifel habe, ob ich den richtigen wähle. Ich hatte mal ein Missverständnis wegen des Zunge-Rausstreck-Smileys, ich dachte es sei ein „ironisch dramatisch verzweifeltes Argh“, der Empfänger glaubte sich beschimpft … Hier denken Sie sich bitte einen seufzenden Augenroll-Smiley :) Schöne Grüße!

  2. Ich verwende seit Jahren als Dünger für mein Gemüse eine Brennessel-Jauche, die sehr wirkungsvoll ist. Meinen Mann konnte ich davon überzeugen, dass eine Jauche aus Acker-Schachtelhalm auf Rosen aufgesprüht hilft gegen Mehltau und Rost, auch an Obstgehölzen und Tomatensträuchern. Die eingelagerte Kieselsäure stärkt die Pflanzen und die Rosen werden auch kaum von Läusen befallen.

    Angeregt durch diese einfachen Mittel habe ich mir nun ein Buch gekauft:
    Fünf Hausmittel ersetzen eine Drogerie.
    Darin gibt es viele, auch schon von mir bekannte Einsatzgebiete, für Soda, Essig, Natron, Kernseife, und Zitronensäure.
    Da werden zum Thema Nachhaltigkeit mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen:
    Plastik vermieden und Chemikalien in ungeahnter Menge.

    Rezept für ein Deo-roll-on :
    2 TL Natron, 1-2 TL Speisestärke, 5 Trpf. ätherisches ÖL (ich hatte noch echt gutes Lavendelöl aus Frankreich) und 100 ml Wasser
    Wasser erhitzen, Speisestärke unterrühren, kurz aufkochen (sirupartig, ansonsten noch mehr Stärke), bis auf ca. 30 Grad abkühlen, Natron unterrühren, bis es sich aufgelöst hat und dann 5 Tropfen äther.Öl gut unterrühren.
    In einen leeren Deoroller (aus Glas) füllen.
    Aufpassen wg. allerg. Reaktion der äther.Öle.

    Ansonsten baue ich einiges an Gemüse an, kompostiere selber, vermeide Plastik, so gut es geht.
    Und unser Recycling-System im Landkreis ist auf einem guten Weg,
    wir sortieren alles durch und haben dann noch 6 Tonnen Restmüll à 120 l pro Jahr.
    Auch da will ich schauen, ob da noch was reduziert werden kann.
    Hätte noch viel mehr Anregungen, wird hier aber zu lang.

Kommentare sind geschlossen.