Corona-Tagebuch – Tag 21

Herrjeh, ich bin ein bisschen abgehetzt und bin ich nicht sicher, ob ich hier und heute noch etwas hinkriege. Heute morgen habe ich viel Zeit damit verbracht Briefe an die französische Verwaltung zu verfassen; wenn ich gewusst hätte, wie mühsam das alles immer ist, auch Jahre später, hätte ich versucht, einen pied à terre, ein Standbein in Deutschland zu behalten. Wenn ich eines Tages den Gatten nicht mehr habe, der im Zweifelsfall den Hörer übernimmt, um den ungeduldigen Finanzbeamten zum x-ten Mal meine eigenartige, weil aus der Norm fallende, Situation zu erklären, dann weiß ich nicht, wie es gehen soll. Sie hören mich seufzen. Kürzlich habe ich mich mit der Dame der URSSAF, der Sozialversicherung herumgestritten, weil ich, als ich meinen Namen buchstabierte, sagte „Christiane wie im Französischen“. Sie musste mich dann aber sofort korrigieren, weil es sich „natürlich nicht“ wie im Französischen schriebe, sie behauptete Christiane im Französischen schriebe sich ohne „h“, also „Cristiane“. Ich wagte kurz zu zu sagen, dass ich das nicht glaube (ich kenne mindestens drei französische Christianes), aber … ouhlà, großer Fehler. Tun Sie das nur nie. Als Ausländerin einer Dame der Sozialversicherung zu widersprechen. Leider klingt die deutsche Art zu sprechen in französischen Ohren per se als unfreundlich, mein Französisch mit der nicht perfekten Satzmelodie und nicht angereichert mit verbindlichem Vokabular klingt schnell etwas patzig, zumindest in den empfindlichen Ohren der Damen und Herren der französischen Verwaltung. Es eskaliert quasi jedes Mal, ohne dass ich verstehe warum. Aber so früh, schon beim Buchstabieren des Namens. eskalierte es bislang noch nicht.

Es wurde viel telefoniert heute, wir versichern uns gegenseitig, dass es uns gut geht. Jeder kennt aber jemanden, der einen Corona-Fall kennt. Aber noch ist es nicht ganz nah. Außer bei uns, wir haben Monsieurs Sohn, der aber wieder gesund und 20 Kilo leichter in Homeoffice-réunions sitzt.

Monsieurs Tochter hat heute einen Teil für uns eingekauft, darunter Schoko-Ostereier, die wir am Sonntag im Vorgarten verstecken werden. Die Kinder sind schon groß, aber gerade dankbar für jede Ablenkung. Und: Es gibt wieder nouilles! Hurrah!

Ich bekam Post (Schöne!!! Danke nach Mainz!!!) und elektronische und werde in der nächsten Zeit ein bisschen arbeiten, habe also weniger Zeit für den Blog. Sie merken es, wir sind schon mittendrin. Ich fürchte auch, ich komme in nächster Zeit nicht mehr dazu, Ihre Kommentare zu beantworten, so gern ich das möchte. Das verzeihen Sie mir bitte, kommentieren Sie gern trotzdem, ich und die anderen LeserInnen freuen mich/sich darüber und ich lese alles! 

Was gibts Neues? Wir lassen jetzt Masken „Made in Cannes“ anfertigen. Der Bürgermeister hat Stoff gekauft und sämtliche Nähbetriebe angehalten, mehrfach gefältete Stoffmasken (Viskose zwischen zwei Schichten Baumwolle) nach Norm AFNOR S76-001 zu fertigen, die bald (!) für alle Cannois verfügbar sein sollen. Also vermutlich noch während der Krise. Aber nur eine pro Person. Die kann man dann später mit Goldstickerei verziert auch zum Filmfestival tragen oder auch teuer weiterverkaufen, „Made in Cannes“ immerhin. Aber schon die Ankündigung beruhigt hier, ebenso wie das stete Desinfizieren der Straßen (60 km täglich) mit Chlorwasser.

Seit heute gibt es eine Möglichkeit seine Attestation de déplacement auf dem Mobiltelefon auszufüllen; danach schickt man sie ab und bekommt postwendend eine Code zugeschickt, der von der Polizei bei Kontrollen gescannt werden kann. Wir bleiben beim Papier. Der Gatte hat sowieso kein Mobiltelefon.

Bei Croco gelesen, dass die Tulpen geschreddert werden. Wie ist das traurig. Und hier gibt es keine zu kaufen.
Da muss ich gleich nochmal ein Tulpenvideo vom Keukenhof suchen.

Und Hilke nimmt uns unverdrossen für ein Wochenende mit nach Nizza. Man wird ja noch träumen dürfen.

Nochmal Lovely Day. Ich habs damals auch schon in Endlosschleife gehört.

Oh, gerade kamen schon Anfragen, ob alles in Ordnung sei, der heutige Beitrag fehle. Merci! Sehr lieb! Da kommt er.

Bleiben Sie so gesund wie Sie können und zu Hause!

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7 Kommentare zu Corona-Tagebuch – Tag 21

  1. Ursula Weber sagt:

    Danke, liebe Christiane, und viel Erfolg für deine weitere Arbeit❣️ Herzliche Grüße und bleibt gesund 🍀🌷🍀🌺🙋🏼‍♀️

  2. Petra-Christiane sagt:

    Liebe Christiane,
    auch ich war schon ganz beunruhigt, heute nichts lesen zu können, wie schön, dass alles in Ordnung ist. Ich schließe mich den Wünschen meiner Vorgängerin an und warte
    geduldig auf neue Blog-Einträge.
    Petra-Christiane

  3. Croco sagt:

    Viel Erfolg bei Deiner Arbeit.
    Die Sachen für die Seifenblasen suche ich noch zusammen.
    Liebe Grüsse

  4. Evelyn Kerry sagt:

    Liebe CH!!!Christiane!
    Klar die Beugs mit der Administration Française🤣🤣😤😤😤kenne ich auch zur Genüge und könnte wahrscheinlich ein ganzes Buch darüber schreiben. Es erfordert verdammet viel Geduld den zartbesaiteten Damen eine unkomplizierte Situation zu beschreiben, die dann durch gegenseitiges Unverständnis bis zum Grotesken eskaliert. Leider ist mein Monsieur Deutscher, spricht zwar grammatikalisch perfekt Französisch, hat aber nach seinem AVC mit Ausspracheproblemen zu kämpfen und mein Akzent ist schon immer viel weniger ausgeprägt, allerdings mit leichtem anglophonem Touch, da ich, wie mein Name schon vermuten läßt, nicht auf rein Deutschen Mist gewachsen bin.

    Schön, dass ihr wieder NOUILLES habt, die gab es hier auch nicht mehr zu kaufen, obwohl ich die , wenn die Speisekammer wirklich keine mehr hergibt, ja zur Not selber machen könnte. Pâtes frisches sind doch eh leckerer, nehmen halt nur eine Menge Zubereitungszeit in Anspruch. Ich denke, Du wirst allerdings weder Zeit noch Lust auf die Extraarbeit haben, da Deine Arbeit wichtiger ist, als in der Küche stundenlang das Nudelholz zu schwingen.
    Für mich ist das anders, ich habe ohne Ende Zeit, verlasse den Berg nicht und ich finde es im Moment eigentlich ganz lustig, die kulinarische Kreativität, die durch überfüllte Angebote in den Supermärkten ein wenig eingeschläfert wurde, wieder zu aktivieren.
    Leider wird es bei uns kein Ostereierfärben und Schokieiersuchen geben, denn mein hier oben, der Umstände wegen fest hockender Sohn, ist jetzt wirklich aus dem Alter, wo man Ostereier sucht, raus und die restlichen Kids und Enkelkids stecken ja auch fest😥😥‘,aber wir haben auch schon mal Weihnachten , wegen Krankheit, auf Mitte Februar verlegt, also geht das mit Ostern theoretisch auch!

    Ich geh‘ jetzt raus und sammel in unserem schönen Buchenwald oberhalb des Hauses, ganz ohne Polizeibegleitung😉😉 Bärlauch für Bärlauchpesto.
    Viel Spaß bei der Arbeit und einen schönen Frühlingstag für Dich.🤗

  5. Mumbai sagt:

    Gute Ideen und bleiben Sie gesund…..das mit den Tulpen brach mir das Herz, als ich vor einigen Tagen in einem video sah, wie sie tonnenweise im Container landeten.

  6. Liebe Christjann, habe auch immer wieder Ärger, wenn mein Monsieur mal wieder beim Consulat vorreiten muss. Dazu benötigt man natürlich vorher einige Formulare, auch spezielle Passfotos usw. Lassen wir das unschöne Thema.

    Michel fragt, ob Du nicht ab und zu schnell mal Spätzle machst?
    Aber dazu braucht man ja auch wieder Mehl und sogar Eier.
    Wir wünschen Dir/Euch, dass das bald wieder besser wird und zwar
    einfach A L L E S.

    Herzliche Grüße Marianne

  7. Mika sagt:

    Das Dissen der Fränzis – gerade am Telefon – kenne ich ebenfalls zur Genüge. Hast du eine andere Erklärung als Rassismus? Oder wie soll man das sonst bewerten?
    liebe Grüße, Mika (das *ch* habe ich den Fränzis zu liebe durch *k* ersetzt – damit wiederum kann ich aber gut leben ;)