Corona Tagebuch – Tag 41 Sonntag

Sonntagmorgen im Bett am offenen Fenster. Monsieur hat mir Kaffee ans Bett gebracht. Die Turteltauben roucoulent, ich musste eben erstmal nachschauen wie das deutsche Wort dafür heißt. Gurren ist es vielleicht, obwohl das auch die normalen Tauben tun und das Gurren der Turteltauben ist lieblicher, weicher, eher ein Schruhschruh, wie man es Eulen zuordnet. Die Turteltaube ist Vogel des Jahres 2020 habe ich bei der Gelegenheit erfahren. Aber in keinem Turteltaubenvideos, wo man sie turteln sieht, hört man sie. Was ist das denn für eine Missorganisation! Die Turteltauben schruhschruhen im Akkord, es ist Frühling! Dazwischen kreischen spitz die grünen Papageien, die es nun überall gibt, auch hier. Dann für mich nicht zu definierendes Vogelgezwitscher. Wie lieblich. Gefiepse, Gepiepse, gezwirbeltes Gezwitscher. Wir haben wieder eine Amsel, sagte Monsieur vor ein paar Wochen sehr stolz. Ich kann die Amsel aber nicht heraushören, obwohl ich das Vogelstimmenvideo angehört habe. Dann ein anderes Geräusch, eher rauschend, huschsch, ein Citroen-Picasso Weibchen vielleicht. Dann rauscht es tiefer, aber satt, sicher ein Männchen, ein Audi100 Männchen könnte es sein. Dazwischen kreischen wieder die Papageien. Ein junger Scooter röhrt den Berg hinauf, etwas brünftig, Frühling eben. Schruhschruuuh gurren und turteln die Turteltauben. Die Turteltauben seien schwer zu sehen, heißt es. Wir haben seit eh und je ein Pärchen im Vorgarten. Sie sind sehr treu. Also ich kann nicht sehen, ob sie treu miteinander sind, das heißt, ob es immer dasselbe Paar ist, das hier herumturtelt, aber ich vermute das, auf jeden Fall sind sie treu mit ihrem Ort bei uns. Und das trotz der Katze. Sie sind nur von der Palme, die gefällt wurde, in den Pittosporum umgezogen. Sitzen vertrauensvoll auf der Balkonbrüstung und laufen gemeinsam durch den Klee. Schruhschruuuu gurr gurr. Penetrantes Gekeif der Papageien, ähnlich dem der Möwen. Ein Sco-oo-ooter kommt mit äähn-ääähnänänännnn angefahren. Sehr jung auch er vermutlich. Glockenläuten von Ferne und nein, kein Hund, der bellt. Sonntagmorgen an einer Durchgangsstraße in Corona-Zeiten. Ich genieße es, weil es kein lauter Geräuschbrei ist, sondern weil ich die einzelnen Geräusche erkennen kann. Gezwirbeltes Gezwitscher, Schruhschruuuh, Flügelschlagen. Schritte, und schon wieder ein brünftiger Scooter. Ich schließe das Fenster.

Die Katze findet es doof, dass wir im Bett liegen und lesen und sie nicht dazukommen darf und sie maunzt. Also stehe ich auf, mache mir einen zweiten Kaffee und transformiere fünf der zehn Äpfel, die ich geliefert bekam, in eine weitere Apfeltarte. Diesmal aber schnippele ich die Äpfel nur in Stücke und werfe sie über den Tarte Boden (175g Mehl, 125g Butter, 3El kaltes Wasser, 1El Zucker, 1Prise Salz). Darüber eine Creme aus Eiern, Sahne und Vanillezucker. Eigentlich gehört noch Maizena rein, hab ich vergessen, geht auch so, merke ich später. Ich lese ein bisschen im Internet herum, höre in den empfohlenen Podcast und dort eine Sendung mit einem leitenden Kommissar, das mir vielleicht nützlich sein kann, hoffe ich. Er spricht von der Mafia, von Geldwäsche und dass die momentan ausgesetzte Straßen- und Einbruchskriminalität sich umorientiert auf Cyberkriminalität. Man muss flexibel sein. Drogenproduzenten warten derzeit vergeblich auf Produkte aus China, Drogen, die schon da sind und nicht mehr in Clubs umgesetzt werden können, werden jetzt mit der Post geliefert. Ich fange an hier zu schreiben, bestelle für Mittags ein Hähnchen. Jetzt verstehe ich auch, warum es hier kein Außer-Haus-Essen gibt, also abgesehen von den klassischen Pizzalieferanten, weil man hier ja nicht raus soll und auf einen Bringdienst angewiesen ist. Außer-Haus-Essen machen UND Liefern sieht aber kein klassisches Restaurant, das umgestellt hat, vor. Wenn man strategisch günstig liegt, bietet man Essen-to-go an, das abgeholt werden kann. Sonst nicht. Der Metzger bietet schon immer Grillhähnchen an. Die Tarte ist fertig, ein bisschen wird telefoniert, schon mache ich mich auf den Weg zum Metzger.

Ich solle das Auto bewegen, befindet Monsieur, als sei es ein Pferd, es ist ein schlechter Rat, denn ich finde keinen Parkplatz beim Zurückkommen. Dann endlich einen in einer engen Seitenstraße, auf halbem Weg zum Metzger, dort blühen die Kastanien, wie schön! Und es summt vor lauter Bienen. Das beglückt mich wirklich dieses Summen und die Gewissheit, dass es noch Bienen gibt.

Was diese beglückenden Tierbilder angeht, Delphine und Haie und was sonst nicht noch alles in den Häfen von französischen Küstenstädten gesichtet und durchs Web gejagt wird, lese ich auf einer französischen Faktenchecker-Seite von AFP, dass es sich um ein altes Video handelt, das außerdem in der Türkei aufgenommen wurde. Und nur am Rande, Brigitte Macron trägt auch keine Gesichtsmaske von Louis Vuitton.

Mittagessen im Innenhof, wir plaudern mit der Familie, die ihrerseits auf der Terrasse isst. Morgen fängt die Schule wieder an. Also nur virtuell. Die letzten beiden Wochen waren Ferien. Für die Kids ändert sich, dass sie weniger am PC spielen, sondern lernen. Die Deutschlehrerin ist eine der wenigen, die via Skype oder Zoom unterrichtet. Die Deutschen eben. Hüstel. Der Sommerferien-Austausch wird wohl dieses Jahr nicht stattfinden, es betrübt die Enkelin. Ihre Berliner-Austauschschülerin, für Ende März vorgesehen, kam auch schon nicht. Sie findet es ungerecht, der Bruder hat das alles schon hinter sich. Nur sie darf nicht reisen!

Sehr schön das Ballett Peter and The Wolf der Britischen Royal Ballet School.

Schönen Sonntag! Machen Sie, was Sie wollen und passen Sie auf sich auf!

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3 Kommentare zu Corona Tagebuch – Tag 41 Sonntag

  1. Eleonore Braun-Folta sagt:

    Bei uns haben die Tauben sich heute morgen heftig gestritten, meine Tochter meinte um das Nest. Ich glaube auch, es sind Turteltauben, hörte sich so an. Eine Krähe vertrieb einen größeren Greif aus der Nähe ihres Nestes. Ansonsten ist hier auf dem Dorf am Sonntag alles ruhig. Habe meinen ersten Rhabarber heute im Garten gee rntet. Es gab Rhabarber 🍰 mit Meringe. Heute Abend gibt es Hirsch Keule. Bei uns gibt es nur einmal warmes Essen und das immer abends. Und zum Nachtisch habe ich Weincreme gemacht. Wir hatten noch eine abgebrochene Flasche Spätlese, die allen zu süss war. Als Creme schmeckt er super.
    Meine beiden Enkel bekommen seit dieser Woche wieder ihre Hausaufgaben per Internet. In allen Fächern, auch Englisch, Geographie, Biologie und sogar Religion. Sie arbeiten also jeden Tag mehrere Fächer ab und müssen sie dann wieder zurück schicken. Nicht so einfach. Und sie bleiben auf jeden Fall noch bis Mitte Mai zu Hause.
    Ich lese zur Zeit deine früheren Fälle von Kommissar Duval. Bin wieder auf den Geschmack gekommen. Gestern habe ich mit Fall 3 angefangen.
    Alles gute wünscht Elli

  2. Ursula Weber sagt:

    Vielen Dank für die niedliche Idee mit den Vögelchen.
    Und die so schön blühende Kastanie erinnert mich an meine Kinder- und Jugendzeit in Heidelberg. An der Neckarwiese nahe unserer Wohnung standen ganz viele Kastanienbäume – wunderschön zur Zeit der Blüte.
    Kompliment für Monsieur und alles Gute für euch🍀🌷🍀

  3. Marion sagt:

    Danke für die Vogelstimmen. Hatte mal eine Kollegin, die war „Birdwatcherin“ in ihrer Freizeit. Ich bestelle mir heute ein Buch zur Bestimmung von Bäumen, das habe ich schon lange vor. Habe wenig Ahnung, auch nicht von sonstigen Pflanzen. Da kann man bei Dir ja auch manchmal was lernen… Gestern hatte ich beim Radeln eine nette Begegnung mit einem freundlichen Menschen, sprichwörtlich in einer Sackgasse (wie metaphorisch, der Radweg endete an einer stillgelegten Bahnstrecke) plauderten wir eine Stunde über Gott und die Welt. Bevor er davonradelte, meinte er “ das Leben ist schön“. Das Wort zum gestrigen Sonntag also noch nachträglich. Nun beginnt wieder eine Woche mit all ihren Ups and Downs (aber weiterhin traumhaftem Wetter immerhin). Haltet Ihr auch weiterhin fleißig die Ohren steif und bleibt gesund! Freu‘ mich schon auf Deinen Bericht heute Abend!