Corona Tagebuch – Tag 42

Die Franzosen werden zu Hühnerhaltern. Alle, die ein paar Quadratmeter Garten oder Hof haben, wollen jetzt Hühner halten, er verkaufe 40% mehr Küken als je zuvor, sagt ein Züchter in Nizza.

Nicht nur, dass man jetzt dafür Zeit habe, sondern viele geben an „zurück zu den Wurzeln“ zu wollen. Und nicht nur die üblichen Rentner, auch junge Menschen seien jetzt darunter. Vielleicht war auch der Eier-Engpass zu Anfang der Krise, ein Beweggrund. Das Huhn ist und isst bescheiden: ein paar Körner täglich und 150 kg Essenreste/Jahr, dafür liefert es, so hofft man, jede Menge Eier. Und ein bisschen Haustierfeeling. Mir sind Hühner in meinen ländlichen Jahren immer fremd geblieben, aber Hühner sind toll, sagen andere, die es wissen müssen, etwa Friederike vom Landlebenblog, ich hab nur mal willkürlich einen Beitrag rausgesucht, oder der junge Seefahrer Guirec, der mit seinem Huhn Monique, die Welt umsegelt hat. Über Guirec hab ich auch was auf Deutsch gefunden!

Seit Freitag brütete ich darüber, wie ich an einem Podcast teilnehmen könnte, wie gut, dass man Teenager-Enkel hat, die wissen alles und erklären es in einer etwas coolen Art, aber sie erklären es. Heute habe ich dann Aufnahmen gemacht. Mal ist der Anfang holprig, mal das Ende. Nach dem sechsten Mal habe ich beschlossen, dass es jetzt gut ist. Mal sehen, ob was daraus wird. In der Zwischenzeit können Sie ja schon mal –> hier reinhören, da gibt es Interviews mit Schreibenden und gerade täglich einen kleinen Sonderpodcast mit AutorInnen und Buchtipps!


Mittags haben wir draußen gegessen, für heute Abend oder morgen sind schon wieder Unwetter angesagt, man wollte es mittags nicht glauben, so blau war der Himmel. Als ich mich dann für einen Kaffee noch etwas in die Sonne setzte, man würde ja gerne seine blasse Haut zart anbräunen, kamen die ersten Wolken.

Tut mir leid, dass Peter und der Wolf schon nicht mehr funktionieren, oder ist das nur bei mir so? Etwas länger sichtbar im Internet sind Opern, Ballett und Konzerte der Oper Paris. Ab heute Abend gibts dort Carmen. Das Video hier ist nur eine Vorschau. Sie müssten bitte selbst auf die verlinkte Seite klicken und dann dort Carmen auswählen. Oder Sie schauen dort Cinderella an oder etwas ganz anders, oder gar nichts. Machen Sie das, wie Sie wollen, ich kann es leider nur nicht anders verlinken.

Wir haben genau diese Version von Carmen, eine verfilmte Oper, letzten Sommer in Cannes bei freiem Eintritt unter freiem Himmel auf der Aussichtsterrasse vor dem Musée de la Castre gesehen. Man musste rechtzeitig da sein, um einen der wenigen Liegestühle zu ergattern, denn es gab auch keine Reservierung. Und hatte man einen, dann sollte man sich möglichst nicht mehr daraus entfernen. Nur ein Strickjäckchen darin liegen lassen, gilt nicht. Es gab da Enttäuschungen. Es war dennoch ein tolles Ambiente, roter Teppich, laue Sommernacht. Nach drei Stunden unbeweglich im Liegestuhl tat einem aber der Rücken empfindlich weh und man kam kaum wieder hoch aus dieser Hängematte. Bisschen störend war, dass es der letzte Freitag Abend der Saison war und damit auch das letzte Open-Air-Event der Disco im Palais des Festivals, Luftlinie nur 500 Meter entfernt, und wir nahmen indirekt nicht nur an der Lasershow teil, sondern auch an den Bummbummmbumm-Bässen, die der eindringlich singenden Carmen manchmal die Worte aus dem Mund bliesen. Wir hatten also drei Spektakel anstatt einem und das alles gratis.

Viel mehr ist heute nicht passiert. Keine neuen Masken im Briefkasten, das überprüfe ich jetzt vorsichtshalber täglich ;-) Heute kamen die ersten Beitragsberechnungen für die URSSAF, die weiterhin so tun, als habe ich ihnen nicht geschrieben. Seufz. So viel für heute. Bis morgen. So gesund wie möglich!

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7 Responses to Corona Tagebuch – Tag 42

  1. E.K. sagt:

    Heute war Stress pur, erst hatte unsere Nachbarin vergessen, ein Medikament für meinen Mann auszutauschen, weil das Genenrique ihm nicht conveniert, dann rief meine Tochter an, weil sie eine Psychocoronakriese hatte, dann ging das Küchengas alle,einer der Kater hinkte ganz gräulich, und das Auto sagte, die nächste Inspektion ist fällig, aber wo zum Teufel sollen wir die jetzt machen, Tousouse ist 120 Kilometer von hier und in userem Kaff gibt es keine Vertretung für unser Auto.Außerdem schüttet es aus Eimern und der Hang an der Strasse, der vor einem Monat abgerutscht ist, ist jetzt schon wieder am rutschen und unsere Strasse ist echt lebensgefährlich! Black Monday!!

    • dreher sagt:

      Tut mir leid Evelyn! Morgen ist ein neuer Tag und der Hang und die Straße sind hoffentlich noch da und eine Ersatzflasche Gas findet sich im Schuppen … das schöne Landleben …

      • E.K. sagt:

        Wir mussten runter, die Straße ist noch da, aber da muss echt richtig was gemacht werden Die Mairie hat was gefistelt aber das taugt gar nichts, weil das Problem sich einfach verlagert hat. Mit ein paar Strommasten und ein bisschen aufgeschippter Erde ist das nicht getan. Da geht es jetzt 70 Meter senkrecht zum Wildbach runter.😥😥Und es bröselt und rutscht….Gas haben wir wieder und ich habe die Gelegenheit genutzt, um ein paar Einkäufe zu machen. War nicht wirklich nötig,aber ich konnte dem Spargel und den Kirschtomaten einfach nicht widerstehen. Dem Kater geht es so lala, fressen tut er. Und meine Tochter ist ein anderes, komplizierteres Thema, aber hab acht Kinder und du hast achtzig Probleme. Nee, echt, die meiste Zeit ist alles gut ,aber manchmal schon….. und heute ist ein neuer Tag!!!

  2. Dirk Franke sagt:

    Anscheinend ein internationales Phänomen – zumindest außerhalb Deutschlands wo es mir noch nicht unter gekommen ist. Die New York Times schrieb letztlich vom „Americans are stress buying chickens“: Sie schreibt „“People are panic-buying chickens like they did toilet paper,” said Tom Watkins, the vice president of the company.“ Wobei es wohl in den USA immer in Jahren von Präsidentschaftswahlen und Börsenturbulenzen gehäuft Hühner verkauft werden. Das Huhn. Der Goldbarren des kleinen Mannes.

  3. Claudia Pollmann sagt:

    Neben Hühnern sind auch Legewachteln sehr gefragt. Die sind kleiner und unglaublich witzige Tiere. Ich hab seit 3 Jahren Legewachteln im Garten – Hühner würden in der Reihenhaussiedlung nicht gehen. Die Anschaffung solcher Tiere setzt aber auch voraus das man einfach angebunden ist. Spontane längere Trips gehen nicht da morgens und abends Wachtel/Hühnerdienst ist. Und Reste solle man nicht füttern – mögen Hühner und Wachteln auch nicht. Die Ernährung sollte frisch und abwechslungsreich sein – wie bei uns Menschen auch. Und meine Wachteln machen mich glücklich da sie gut zuhören können, mich erden und sehr leckere Eier produzieren…