Corona Tagebuch – Tag 46 / 47

Für den 1. Mai hatte ich eigentlich einen launigen Beitrag geplant, denn der Handwerker kam und hat den Keller fertig gearbeitet. Am 1. Mai immerhin. Wenn das Philippe Martinez wüsste! Philippe Martinez ist Generalsekretär der CGT und ruft schon wieder in einem offenen Brief an die Regierung zum Streik auf. Der Handwerker aber wollte arbeiten, er braucht nämlich Geld. Die Freitags-Nathalie hat all ihre Reserven auch verbraucht und benötigt auch Geld und kam deshalb am Donnerstag schon. Die Wohnung ist ungewohnt sauber. Sehr angenehm. Wir haben mit der letzten Aubergine einen Entrée gebastelt nach diesem Rezept vom 21. April. Er heißt dort „Salat von lauwarmen Auberginen“. Über den Geschmack von Auberginen, ob sie einen haben und wenn ja wo, haben wir ja schon gesprochen; ich fürchte, wir müssen hier noch ein wenig daran arbeiten. Monsieur fand die Idee auf jeden Fall très sympathique, die so aufgefächerte Aubergine erinnerte uns etwas an einen kleinen Tintenfisch.

Und wie wars? Ich gebe mal wieder, was der Gatte sagte: Eine Minute weniger Blanchierzeit, damit die Aubergine nicht ganz so weich sei, wäre besser gewesen; das sind natürlich auch Erfahrungswerte, die hier noch fehlen und hängt auch damit zusammen, wie dick die Aubergine ist und wie frisch. Und (mahnend zu mir): Nimm nicht so viel Marinade, sonst schmeckt man die Aubergine nicht mehr! Über den Geschmack von Auberginen, wie gesagt … Nun ja. Ich vermute, ich werde dieses Jahr zur aktiven Auberginen-Testerin. 

Mir war dann aber gestern gar nicht mehr nach launigem Schreiben. Ich las nochmal den Mail-Wechsel mit Udo, seitdem wir uns 2010 wieder gefunden hatten und ich habe heute noch ganz dicke Augen vom Weinen. Vielen Dank für Ihre Anteilnahme. Nein, man kann gar nichts Tröstendes sagen. Das ist vielleicht auch gut zu merken. Ich komme auch so schnell in einen „helfen-wollen-Dreh“, wenn einem jemand etwas Schlimmes oder Trauriges erzählt. Ich finde meine letzten Mails an Udo etwas hilflos in diesem Sinn. Ich suchte tröstende Worte. Hilfe irgendwie. Aber es blieb ein hilfloser Versuch. Man kann (oft) nicht helfen. Es ist schlimm und traurig und es bleibt schlimm und traurig. Da kann man als Außenstehende noch so viel sagen und tun wollen. Zugewandt zuhören kann man vielleicht. Und es nicht wegreden. Es stehen lassen in all seiner Schwere. Mehr nicht. Und das ist nicht einfach. 

Ich hatte gestern keine Lust, den Beitrag auf Facebook zu veröffentlichen. Es erschien mir unpassend. Wenn Sie mich da vermisst haben, tut es mir leid.

Gestern, fast zeitgleich mit der Todesnachricht, erreichte mich die Nachricht, dass mein Podcast online sei. Ich konnte ihn gestern hören, freute mich auch doll, aber ich konnte ihn nicht veröffentlichen und bewerben. Aber hier kommt er klickstu dort —> Sonderpodcast bei Die Schreibenden.  Das Bild ist, auch wenn es so aussieht, nicht der Podcast, nur ein Screenshot.

Danke an Anja Goerz von Die Schreibenden! Tolle Idee, hat Spaß gemacht! Und wenn Sie sich durch den Podcast und den Sonderpodcast scrollen, da gibt es noch viele tolle Autoren und Bücher zu entdecken!

Mit Ausweisdokument, Wohnsitznachweis und Familienstammbuch bewaffnet war ich heute früh dann unterwegs, um die Zweitmaske, die uns zusteht, abzuholen. Wir gaben unsere „offiziellen“ Masken an die beiden Sengalesen weiter, die hier gestrandet sind und weder arbeiten noch in den Senegal reisen können, weil dort die Grenzen geschlossen sind.

Ich machte einen Schlenker zur Apotheke und von dort zum Palais des Festivals. Dort kein roter Teppich, nirgends. Mehrere Filmfestivals darunter Berlin und Cannes planen wohl Ende Mai ein globales Evenement auf Youtube. Unter der Youtube Adresse : we are one sollen alte und neue Filme zu sehen sein. Hier ein deutscher Text

Vorbei an den leeren Boule-Plätzen der Allées – nur der eine oder andere Obdachlose sitzt oder lagert dort – ging ich zum Markt, mir war es aber zu voll (das ist natürlich sehr relativ gemessen an dem, wie es „früher“ mal war, schon klar), schon die Warteschlange war mir zu lang und ich kaufte nur ein paar Kleinigkeiten in einem kleinen Supermarkt. Dort war alles leer. Ich sah heute viele Obdachlose, die derzeit eigentlich in einem Saal des Palais des Festivals untergebracht sind, in Ladenpassagen und an anderen Orten lagern und so wie es aussah, haben sie dort auch geschlafen. COVID19-Schutz hin oder her, ich vermute, dass ihnen das „geregelte“ Leben im geschützten Raum einfach nicht zusagt. Auch wenn es in den Ladenpassagen verpisst roch und alles andere als adrett war, so ziehen doch einige von ihnen diese Freiheit vor.

Gerade brachte mir Monsieurs Tochter die Einkäufe. Sie hatte es schon einmal heute mittag vergeblich versucht (zu viele Menschen) und heute Abend gab es kaum noch etwas, von dem, was ich gern gehabt hätte. Sie brachte mir stattdessen …. dreimal dürfen Sie raten … Auberginen mit! :-D

Das Orchèstre National de France hatte MusikerInnen groß und klein aufgerufen, zuhause die Valse No. 2 von Schostakovitch einzuspielen und davon das Video zu senden. Daraus wurde dieses Konzert für Viva l’Orchèstre geschnitten. Schön, was?

Schönen Abend! Bis morgen! Bleiben Sie so gesund wie Sie können.

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4 Responses to Corona Tagebuch – Tag 46 / 47

  1. Eleonore Braun-Folta sagt:

    Hallo Christiane, danke für deinen Podcast. Sehr schön mal deine Stimme zu hören. Ich habe dich ja schon mal mit Horst Lichter gesehen, aber deine Stimme anders in Erinnerung. Und die schönen Bilder aus Cannes. Vielen Dank, Elli

    • Martina sagt:

      Gute Idee! Das ist das beste, was man mit Auberginen machen kann. Hat bei uns sogar Auberginen-Ablehner überzeugt.
      Gruss, Martina

  2. chevalier sagt:

    Wieder einmal herzlichen Dank für diese beeindruckenden Straßenbilder von Cannes. Und ich dachte immer, ich kenne diese Stadt – so einigermaßen. Aber diese Bilder sind Geschichte, das gibt es nie wieder. Alles Gute Euch Beiden, Michael.