Malpasset, Meer und Mimosen

Na, die Überschrift ist etwas übertrieben, aber ich fand die Alliteration so verführerisch. Denn ja, wir sind frühmorgens in das Nachbardepartement Var gefahren, ich wollte dort die Ruinen des ehemaligen Stausees Malpasset ansehen, dessen Staumauer 1959 gebrochen war und damit eine Flutkatastrophe mit über 400 Toten ausgelöst hat. Aber es hatte gestern dann doch noch ordentlich geregnet, die Zufahrt über eine geflutete Furt war für unser kleines Autochen nicht zu machen (jetzt wissen wir auch, warum alle immer so gern Geländewagen fahren, braucht man überraschend immer mal ;-) ) Gummistiefel hatten wir auch nicht und so blieb uns Malpasset verwehrt. Ein andermal. Also fuhren wir gemütlich durch das mit Korkeichen bestandene Esterelgebirge zurück, staunten über ein Stück zweitausendjähriges Aquädukt und hatten schöne Ausblicke.

Wir waren nicht allein. Motorradfahrer*innen, Radfahrer*innen drängelten sich auf der kurvenreichen Bergstraße, alle Parkplätze, von denen es zu irgendwelchen Gipfeln ging, waren zugeparkt. Wanderer (und innen), ältere und jüngere, mit Kindern und/oder Hunden tummelten sich auf den Wegen. Es war wieder so schönes Wetter – und es zog alle raus in die Natur.

Nachmittags gingen wir dann ersatzweise ans Meer und liefen zum ersten Mal in diesem Jahr barfuß im Sand und durch die Wellen. Am letzten Sonntag im Monat ist die Uferstraße für den Autoverkehr gesperrt, so dass man dort laufen, joggen, Rad- und Dreirädchen fahren oder Skaten kann. Nachmittags ist es entsprechend voll, aber es ist ein friedliches Miteinander.

Ich wünsche uns wirklich kein drittes Confinement. Im Februar sind Schulferien und man hat Angst, dass die Menschen herumreisen und das Virus (und die neuen Varianten) erneut verbreiten. Hier zerren der Gesundheits- und Innenminister in die eine, Macron in die andere Richtung. Ich habe keine Lust, es im Detail zu erzählen, die Regelungen für den Ferienmonat Februar werden sowieso morgen erst richtig erlassen, gelten nur bis auf weiteres und können jederzeit und bei Bedarf in ein festes Confinement umgewandelt werden. Sicher ist jetzt schon: Wir haben weiterhin Couvre-feu, Ausgangssperre zwischen 18 und 5 Uhr morgens. Zusätzlich sind, les soldes hin oder her (der Ausverkauf hat trotz allem begonnen), die großen Einkaufszentren gesperrt worden. Und klar, die Hotels, Restaurants, Salon de Thés und Bars sind nach wievor geschlossen. Ganz zu schweigen von den Kinos, Theatern und allen sonstigen Kulutureinrichtungen. Wir tranken unseren Tee dann zu Hause. Die Mimose im Vorgarten, gestern vom Regen zerzaust, hat sich wieder berappelt und ist wieder gelbpuschelig.

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8 Responses to Malpasset, Meer und Mimosen

  1. Sunni sagt:

    Oh, die Mimosen, das Meer und die Tapsen am Strand im Sand..oh! Hier holt die dritte Welle gerade richtig Luft mit aufgefrischten Viren aus allen Ecken der Welt. Na dann! Wenigstens übermorgen Impfen für meine Mann. Schon ein Lichtblick. Herzlich, Sunni

  2. Mumbai sagt:

    Dass jetzt bei diesem herrlichen Wetter alle raus wollen ist verstaendlich und die Idee
    den letzten Sonntag im Monat auf der Uferstrasse autofrei zu machen ist brilliant, so wie die Mimosen die dzt.wie wild bluehen. Hier bluehen auch die ersten Mandelbaeume.
    Man spuert den Fruehling, obwohl hier in Suedspanien den ganzen Winter ueber
    meine Margeriten, Bougainvillea etc. ihr Bestes gaben und auch das Wetter fast sommerlich war….die Tage werden laenger und das Virus ist noch immer da. So sehr
    moechte man nach einem Spaziergang seinen Kaffee in einer Bar trinken, leider aber
    auch hier wieder alles geschlossen, vorlaeufig bis 10.2. Die Devise heisst durchhalten.
    Alles Gute!

    • dreher sagt:

      Auf die Mandeln muss ich mal achten – die haben Tendenz von den Mimosen ausgestochen zu werden, in ihrer zarten Färbung fallen sie kaum auf! Hier blühen auch schon die Narzisssen und die Kapmargeriten im Vorgarten. Frühling naht!
      Ich wünsche auch Geduld, Moral und alles Gute nach Spanien!

  3. Eva sagt:

    Guten Abend,
    dann wart ihr ja in der Nähe von Fréjus! Als wir vor Jahren mehrfach dort im Urlaub waren, sind wir eines Tages (es war brüllend heiß) zum Staudamm und waren über die geborstenen Betonreste erschüttert…das möchte man sich gar nicht vorstellen! Allerdings war unsere Tochter zu dieser Zeit maximal pubertär und recht unkooperativ. Ich glaube, dass es sogar der letzte gemeinsame Sommerurlaub war. Danach gab es immer Freizeiten, das war cooler.
    Rückblickend waren es sehr schöne hochsommerliche Urlaube, mit und ohne Pubertät 😊. Danke für die angestoßene Erinnerung.
    Und natürlich auch für die Mimosen. Zu dieser Jahreszeit war ich noch nie dort – aber was nicht ist, kann ja noch werden!
    Herzliche Grüße
    Eva

    • dreher sagt:

      Genau, Fréjus … schön, wenn ich dir Urlaube mit meckrigen Teenagern ins Gedächtnis rufen konnte ;-)
      Und die Mimosen siehst du eines Tages auch noch! Bestimmt!
      Liebe Grüße!

  4. Marion sagt:

    Die Welt ist wirklich klein. Auf „Typisch Französisch“ habe ich gerade einen Link zu „CocoVin“ entdeckt, einem frz. Laden hier in Pulheim, den ich erst kürzlich auf einem meiner Spaziergänge entdeckt habe und seitdem unbedingt besuchen will! Dass mir dieses kleine Stück Frankreich vor der Haustür bisher entgangen ist, ist wirklich beschämend.

    • dreher sagt:

      Aber wie toll, dass du es jetzt (wieder-)gefunden hast! Da wirst du jetzt Stammkundin! :D