Über den Eigensinn

Schon zweimal habe ich diesen Text geschrieben, in meinem Kopf zumindest, jetzt aber will ich ihn auch umsetzen. Bleiben wir positiv, ich will nicht jammern, sagen wir: Gut Ding will Weile haben.

(Dies ist eine Buchbesprechung, möglicherweise gilt das als Werbung.)

Maria Almana vom Blog Unruhewerk hat seinerzeit einen meiner Krimis besprochen und ein Interview mit mir geführt, Sie erinnern sich vielleicht. Ich stöberte zu dieser Zeit in Marias Blog, den ich zwar kannte, wo ich aber nur gelegentlich las, und habe dort, unter anderem, die Besprechung des Buches von Maria Bachmann „Du weißt ja gar nicht, wie gut du es hast“ entdeckt; diese Besprechung machte, dass ich das Buch umgehend bestellt, in einem Rutsch gelesen und im Anschluss sogar an Maria Bachmann geschrieben habe, so sehr hatte mich ihre Geschichte berührt. Dieses Buch zum Thema „Kriegsenkel“ löste etwas in mir aus, was schon lange in mir schlummerte und gab meinem Buch „Von hier bis ans Meer“, an dem ich gerade schrieb, eine entscheidende Wendung. Die beiden Marias und ich, wir haben nicht nur gemeinsam, dass wir Frauen einer Generation sind, sondern wir teilen auch diese unerklärliche tiefe Traurigkeit, die Verlorenheit in der Welt, die Suche nach der Ursache, nach „etwas“ und nach uns selbst. Nicht alle Frauen unserer Generation spüren das so, auch nicht alle Männer. Aber wir sind da, wir sind erstaunlich viele und wir erkennen uns unwillkürlich. Wir spüren in und zwischen den Zeilen des Geschriebenen, auch in (vermeintlich) amüsanten Texten, das Leid dahinter, die Suche, das Ringen mit dem Leben. So ging es mir mit Maria Almana und Maria ging es so mit mir, wie ich jetzt weiß, auch wenn sie damals zunächst nur einen Kriminalroman besprach und ein Interview mit mir als Ü50-Bloggerin führte. Irgendetwas war da. Wir kennen uns gar nicht und sind uns dennoch nah.

Dann aber geht das Leben weiter, jede schreibt für sich im eigenen Kämmerlein, und ehe man sich’s versieht, ist ein Jahr vergangen. Als ich wieder auf Marias Blog schaue, habe ich „Von hier bis ans Meer“ geschrieben, und sie hat „Mein Kompass ist der Eigensinn“ verfasst, einen Schreibratgeber, besser, „eine Ermutigung zum eigensinnigen Schreiben“, so heißt es im Untertitel, und es ist das erste Buch einer auf drei Bände angelegten Serie: Die Trilogie des Eigensinns.

Das klingt spannend – ich möchte es gerne lesen und biete im Gegenzug mein Buch, wir kommen im hin und her unserer Mails auf das Kriegsenkelthema. Natürlich interessiert es sie! Ich hätte es mir denken können. In diesem Zusammenhang erzählt sie mir, dass sie auf ihrem Blog in der Zwischenzeit Maya Lasker-Wallfischs „Briefe nach Breslau“ vorgestellt hat, vielleicht spräche mich das auch an, meint sie. Und ja, das tut es. Ich bestelle, lese und, auch wenn es eine andere Geschichte ist, die der zweiten Generation der Holocaustüberlebenden nämlich, spüre ich, dass die Verlorenheit und Suche von Maya Lasker-Wallfisch, die sich bis hin zur Sucht steigert, auch mit mir zu tun hat. Maria liest in der Zwischenzeit mein Buch und bettet es ein in ihren Jahresrückblick, Stichwort: die Suche! Es ist ein toller Text, bewegend aufwühlend – ich lese ihn Anfang Januar, bin ergriffen, aber auch auf dem Tiefpunkt meiner Erschöpfung, ich kann nicht reagieren. Vor allem kann ich, obwohl schon gelesen, keinen angemessenen Text zu Marias eigensinnigem Schreibratgeber verfassen, ich spüre, ich werde ihm nicht gerecht, schaffe gerade nur so ein bisschen Alltagsgeplänkel auf dem Blog. Ich habe auch das Gefühl, all das liegengebliebene Klein-Klein erst abarbeiten zu müssen, bevor ich Raum im Kopf habe, um wieder größer zu denken. Denn der Kompass des Eigensinns ist ein großes Buch. Intelligent, klug, philosophisch. Und doch leicht zugänglich – zumindest, wenn einen das Thema „Wie soll ich Schreiben?“ anspricht. Der erste Band ist kein Schreibratgeber, der Ihnen sagt, wie Sie Ihren Schreibtisch ordnen oder wie Sie es anstellen, jeden Tag zu schreiben, damit am Ende ein Buch ensteht. Der erste Band, ein Sachbuch, in viele kleine verdauliche Kapitel unterteilt, die aber fließend ineinander übergehen und mit einem amüsanten mehrteiligen Fragebogen (Wie eigensinnig sind Sie?) aufgelockert, enthält letztlich eine Kulturgeschichte des und ein Plädoyer für den Eigensinn(s).

Eigensinn gab es schon immer, zum Beispiel in Literatur und Philosophie. Er ist salonfähig. Das müssen wir uns nur mal klarmachen. Dann kriegen wir auch mit dem Schreiben das hin, was sich viele wünschen: mehr Selbstbestimmung, bessere Sichtbarkeit. Und wie wir lernen, einander besser zu verstehen.

Maria Almana verweist auf eigensinnige Vorbilder, Schriftsteller und ihre Werke, die aus Eigensinn entstanden sind oder eigensinnige Charaktere in den Mittelpunkt stellen (insbesondere in der Kinder- und Jugendliteratur, wie etwa Der Trotzkopf, Huckleberry Finn, Alice im Wunderland, Pippi Langstrumpf, der Pumuckl). Uns ermutigt sie, nichts zu schreiben, nur weil es im Mainstream liegt und vermeintlich erfolgreich werden kann, stattdessen DAS zu schreiben, was uns am Herzen liegt, und es SO zu schreiben, wie es uns ein Bedürfnis ist. Es geht um Kreativität, den Flow, der macht, dass das Schreiben manchmal wie von selbst geht. Es geht auch um Ängste – mache ich mich damit nicht lächerlich? Oder wird mich dieser Eigensinn nicht einsam machen? Ermutigend und wohltuend die entspannten Anmerkungen der Autorin:

Gut möglich, dass mein Eigensinn nur für mich Sinn macht, für niemanden sonst. Helfen kann er dann trotzdem noch uns allen.

oder

„Mit Eigensinn sind wir einfach nur die, die wir sind. Und es ist gut so.“

Ich habe den Kompass des Eigensinns mehrfach (quer)gelesen, und wo immer ich hängenblieb und mich vertiefte, nickte ich, ich bin wohl mit meiner Suche und meinem Schreiben schon immer auf einem eigensinnigen Weg. Ich freue mich, fühle mich verstanden und finde es schön, dass das Eigensinnige einmal so herausgestellt und wertgeschätzt wird. (Ursula Nuber, die langjährige Herausgeberin der Zeitschrift Psychologie heute, sieht im Eigensinn sogar eine Stärke gegen Depression und Burn-out!) Ich habe ein Bedürfnis die Autoren, die Maria entdeckt (den Flaneur Walter Benjamin etwa) oder wiederentdeckt (Hermann Hesse) zu lesen oder wieder zu lesen. Wie gut, dass es ein mehrseitiges Literaturverzeichnis gibt!

„Schreiben beginnt mit Eigensinn“ ist das Fazit der Autorin. In Band zwei, bereits erschienen, geht die eigensinnige Reise weiter: Selfpublishing ist nur die konsequente Fortsetzung des eigensinnigen Schreibens. Band drei ist in Arbeit. In der Zwischenzeit hat Maria zu einer Blogparade zum eigensinnigen Schreiben aufgerufen. Jede(r) kann mitmachen. Was verbinden Sie mit dem Wort „Eigensinn“ oder mit dem Hashtag #eigensinnigschreiben ? Leben, denken, schreiben Sie bereits eigensinnig? Oder kommt Ihnen das Wort „Eigensinn“ beim Schreiben nicht in den Sinn? Ganz egal, schreiben Sie es auf und schicken Sie es an Maria. Deadline ist der 5. März.

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22 Responses to Über den Eigensinn

  1. Maria Almana sagt:

    Liebe Christiane,

    in meinen beiden Büchern zum Eigensinn sage ich (indirekt) immer wieder: Lasst euch Zeit! Was raus muss, kommt irgendwann raus. Und wenn es länger dauert, ist vielleicht unterwegs noch eine Botschaft versteckt. Darauf zu warten, sie „entziffern“ zu können, lohnt sich eigentlich immer.

    In dem Kontakt mit dir bewahrheitet sich das gerade auf großartige Weise: Dieser Beitrag hier ist so dicht, ich fühle mich so wertgeschätzt … Und in Bezug auf die Geschichten von Kriegsenkeln gilt erst recht: Wir brauchen Jahrzehnte, bis wir uns den eigenen Geschichten stellen, damit öffentlich werden können. Und wer es wagt, hat meine volle Bewunderung – so wie du. (Ich weiß nicht, ob ich je so weit sein werde … Aber ich bereite mich darauf vor. Langsam. Sehr langsam.)

    Ich wünsche mir jetzt eigentlich nur eines: Lass uns einander Zeit geben – das ist ein so wunderbares Geschenk. Und ich weiß genau: Ein Beitrag wie dieser braucht richtig viel Zeit. Also: ganz dicken, herzlichen Dank dafür!

    Maria

    • dreher sagt:

      Danke DIR, liebe Maria!
      Du hast Recht, es braucht manchmal Zeit, bis etwas/ein Text/eine Geschichte soweit ist, dass es/er/sie „hinauswill“ und „das Licht der Welt erblickt“. Manchmal braucht es auch Zeit, bis die Wirkung eines gelesenes(r) Buches/Textes, sich Raum im Hirn und Herzen schafft. Dein Buch ist auf jeden Fall ein profundes Werk, dass ich immer wieder zur Hand nehmen werde! Danke dir dafür!
      Ich danke dir ebenso für deinen Blog, deine Anregungen und die Zeit, die du dir für mein Buch genommen hast. Lass uns weiterhin Zeit miteinander verbringen!
      Herzlich
      Christiane

  2. Sunni sagt:

    Welch ein schöner Text und interessanter Inhalt.
    Zuerst: Eigensinn macht häufig einsam. Das muss man aushalten können. Da ich ein sehr emotionaler Mensch bin und den Austausch liebe, sind beide Dinge mir wichtig. Aber es scheint letztlich eine Wichtung innerlich zu geben, um die man nicht herumkommt.Darum auch immer die Entscheidung zu Gunsten des Eigensinns, im Leben, in meiner Berufstätigkeit (mit großen Schwierigkeiten verbunden), im Schreiben, im Reisen…Denn dieser zeigt sich ja bei weitem nicht nur in der Schreibart. Ich weiß schon, warum ich „Von hier bis ans Meer“ selbst bereits zweimal gelesen habe und dreimal verschenkt.
    Ja, ein guter Text braucht Zeit. Und manchmal viel Zeit.
    Danke für den Hinweis zum Buch von Maria Almana. Herzlich, Sunni

    • dreher sagt:

      Danke liebe Sunni! Danke, dass Sie mein Buch gelesen, es verschenkt und ihm so viel Zeit geschenkt haben.
      Ich glaube, mit Eigensinn wird man nur vorübergehend einsam – man verliert vielleicht Menschen, es kommen aber andere dafür näher.
      Herzlich
      Christiane

      • Sunni sagt:

        Das stimmt in Teilen, ich hätte große Lust zu einer nicht hier geführten Diskussion darüber auf entsprechender Ebene. Vielleicht noch andere und man publiziert den Diskurs. Das Thema ist wichtig und einschneidend/entscheidend im Leben. Ich bemerke gerade jetzt, wie Menschen ohne Eigensinn oder besser: ohne eine Konzentration darauf, völlig ins Taumeln geraten. Und das kann sehr böse ausgehen, wie wir alle wissen.
        Vor ein paar Tagen traf ich einen ehemaligen Schüler mit etwas angegrauten Haaren, der mich voller Freude an meine widerborstigen Sätze erinnerte, die ich zum Abitur in einer Rede äußerte und dafür jede Menge Kritik aus der Kollegschaft und auch von einem Großteil der Eltern erhielt: Geht hinaus in die Welt, nutzt eure unendlichen Chancen, auch wenn sie euch heute noch klein oder gar unmöglich erscheinen. Dort hinten, hinter den Thüringer Bergen , gibt es eine andere Welt, auch wenn viele von euch glauben, das sei nicht so und zuhause heftig bestärkt werden in dem Gedanken „man kann auch prima hier vor Ort studieren“. Geht euren Weg, auch wenn es Ärger mit Papa und Mama gibt, lasst euch nicht erpressen, auch nicht über Geld oder Tränen. Tut, was euch das Herz in euch sagt, kein anderer kennt euch so wie ihr. Ihr werdet kämpfen müssen, ihr werdet manche Wege bereuen, Lehrgeld zahlen, das ihr hoffentlich auch selbst erarbeitet habt, ihr werdet an manchen Stellen einsam sein und denken: Ach hätte ich doch gemacht, was A, B oder C gesagt haben….Aber letztlich werdet ihr aufstehen und weitergehen, euren Weg. Den gibt es nur einmal, sonst nie wieder auf dieser Welt. Also nutzt diese Chance!….Und des Schülers Fazit? Ich habe so oft an Sie gedacht, als ich ganz unten war und auch jetzt, wo ich mein Ziel erreicht habe. Sie hatten Recht. – Was für ein wunderbares Geschenk so viele Treffen mit ehemaligen „eigensinnigen“ Schülern sind!

        • dreher sagt:

          Danke Sunni!
          Vielleicht wäre ein Beginn so einer nicht öffentlichen/halb öffentlichen Diskussion, eine Teilnahme an dieser Blogparade?! Man kann sicher auch ohne Blog an Maria schreiben.
          Nur ein Vorschlag!
          ❤️
          Christiane

  3. Claudia+Pollmann sagt:

    Als Kind einer Mutter die von Krieg und Vertreibung nachhaltig traumatisiert wurde haben ich mich schon sehr früh unbewusst damit beschäftigt. Später dann sehr aktiv. Ich war und bin entsetzt wie es mich selbst geprägt hat von einem Menschen ins Leben begleitet zu werden der selbst so wenig vertrauen ins Leben hat und so nachhaltig von Ängsten geprägt ist. Es war und ist eine spannende Reise für uns beide. Die uns Beide näher zusammen gebracht hat. Meine Schwester hat den Kontakt komplett abgebrochen – was ich auch verstehen kann. Das Trauma meiner Mutter ist ein aktiver Teil unserer Familie geworden. Ein Teil der dazu gehört, mit auf dem Sofa sitzt und nicht in der dunklen Ecke lauert. Damit können wir alle sehr gut leben.

  4. Karin sagt:

    Ich glaube ich habe schon mal geschrieben, dass auch ich davon betroffen bin. Meine Mutter, die als kleines Mädchen bei Verwandten „abgestellt“ wurde während meine Oma, eine glühende Hitler-Verehrerin, mit der schon erwachsenen Tochter und den nur unwesentlich jüngeren Brüdern meiner Mutter nach Wien ging, um dort an einer Eliteschule der Nazis Hauswirtschafterin zu werden, dann während des Krieges, wieder ganz allein, ohne Brüder, in die Kinderlandverschickung gesteckt. Mein Vater, ein ungewolltes Kind, der mit knapp 17 in der letzten Phase des Krieges einberufen wurde und nach dem Krieg vom Leben nichts mehr erwartete. Beide vermutlich von den Ereignissen traumatisiert. Sie haben sich „zusammengetan“, haben eine Familie gegründet, haben dem Leben etwas Glück abgerungen. Ich habe leider diese Traurigkeit geerbt, dieses Gefühl des Nicht-Dazugehörens, das meinen Vater zeitlebens plagte, diese Schwere des Seins. Meinem Bruder dagegen gelingt es das Leben leicht(er) zu nehmen. Jeden trifft es anders. Ich habe früh angefangen, mich für alles zu interessieren, was Krieg, Vertreibung und Nachkriegszeit betraf, ich wollte verstehen, nachfühlen. Das sind die ersten Schritte, der Weg ist lang…

    • dreher sagt:

      Danke liebe Karin!
      Nein, das hast du so explizit meines Erachtens hier noch nicht geschrieben, danke dafür!
      Ich bin dir da auch ganz nah ❤️
      Herzlich
      Christiane

  5. Claudia+Pollmann sagt:

    Liebe Karin, das nicht dazu zugehören kenne ich. Das Gefühl hatte ich auch zeitlebens. Meine Mutter saß von Mai 45 bis Juni 46 in Tschechien fest. 13 Monate Unsicherheit und dauernde Angst. Die Familie hat nur überlebt weil ein russischer Offizier die ältere Schwester jede Nacht besuchte. Wenn meine Mutter nicht schnell genug war musste sie alles im Schrank mit anhören. Meine Mutter hat massive Angststörungen, heute noch. Heute weiß sie das aber und leidet nicht mehr so. Erschreckend fand ich wie das mich und meine Träume und Wünsche beeinflusst hat. Heute fühle ich mich angekommen im Allgäu aber auch in Tschechien – das mir eine zweite Heimat geworden ist. Der ganze Prozess dauerte aber 40 Jahre – eine verdammt lange Zeit.

  6. Wendy sagt:

    Zum Thema Kriegskinder und Kriegsenkel kann ich die Bücher von Sabine Bode sehr empfehlen, die sich des Themas als eine der ersten angenommen hat und mir durchaus zum Verständnis für meinen Vater geholfen hat.

    • dreher sagt:

      Danke Wendy!
      Sicherlich kommt man um Sabine Bode nicht herum bei diesem Thema. Sie hat das Thema sehr zugänglich aufbereitet. Ich habe ihre Bücher gelesen, aber sie haben mich weniger berührt als andere, weshalb ich sie nicht in die Literaturliste in meinem Buch aufgenommen habe (ich habe noch viel mehr Bücher dazu gelesen und Filme gesehen, habe aber nur die aufgenommen, die für mich bedeutsam waren.) Das ist aber natürlich alles sehr subjektiv, warum einen etwas berührt und anderes nicht ❤️
      Liebe Grüße!

  7. Liebe Christiane,
    ich danke dir für diesen großartigen Text (wie ich immer wieder denke, wenn ich deinen Blog lese).
    Er hat mir eine Sicherheit gegeben, die mir fehlte. Die Sicherheit, dass ich nicht mehr gegen meinen Eigensinn ankämpfen muss. Ich habe mich meist dafür verurteilt. Und bin trotzdem immer wieder angeeckt. Jetzt freunde ich mich mit ihm an. Werde ihn so nehmen wie er ist. Er soll mich jetzt auch nicht weiter vom Schreiben abhalten. Denn das tue ich bereits seit vielen Jahren. Für mich allein, für die Schublade. Weil es zu eigensinnig ist.
    Zuerst hat mich dein Text ein bisschen traurig gemacht. Jetzt beim weiteren Lesen bin ich eher ermutigt, meinen Weg zu gehen.
    Er führt mich ja jetzt nach Frankreich in ein neues Leben – und da benötige ich vielleicht auch ein wenig Eigensinn, um meinen Pfad nicht aus den Augen zu lassen.
    Ich bleibe weiterhin deinen treue Leserin – ob es der Blog ist, die Geschichten um Leon Duval oder ob es zwischen Boule und Bettenmachen oder dem Meer ist.
    Danke für diese vielen Inspirationen!
    Silke

    • dreher sagt:

      Liebe Silke,
      ich danke DIR für deinen Kommentar, ich freue mich, wenn meine Texte (so) etwas Positives auslösen, das ist doch das beste, was einer Autorin passieren kann! Denn nein, Traurigmachen wollte ich damit niemanden. Bestärken, Ermutigen viel eher. Das ist auch das, was Maria mit ihrem Buch will – das ja der Anlass für diesen Text war.
      Gegen sich zu kämpfen, macht immer nur unglücklich. Wenn man seine schwierigen, seine schwachen oder eigen-artigen Seiten annimmt und integriert, kann man ein viel gesünderer „ganzer“ Mensch werden. Klingt nach Kalenderspruch ist aber ernst gemeint und selbst erlebt.
      Ich wünsche dir für deinen Weg nach und für dein Projekt in Frankreich genug Eigensinn, um es so zu machen, wie du willst und genug Anpassungsfähigkeit, um mit Frankreich und den Franzosen klarzukommen.
      Danke, dass du mich (weiterhin) liest!
      Herzlich
      Christiane

  8. Liebe alle … Ich fühle mich gerade ein bisschen wie in einem Traum. Denn: Was passiert hier eigentlich gerade?! Christiane und ich sind uns nie persönlich begegnet. Doch da war von Anfang an dieses Gefühl von Nähe.

    Dann haben wir eigene Bücher getauscht – die Nähe bestätigte sich. Und jetzt ist daraus hier eine kleine Gruppe von Menschen geworden, deren Namen ich größtenteils noch nie gelesen habe. Doch das Gefühl von Nähe bleibt. Gerade für Menschen, die immer glaubten, nie irgendwo dazu gehören zu können/zu dürfen, ist das ein unerwartetes Geschenk. Jedenfalls ist es das für mich.

    Was für mich das Allergrößte ist: Plötzlich werden hier der Eigensinn und das Erleben der Erfahrungen von Kriegsenkeln in einem Atemzug genannt. Ich tue das auch in „Mein Kompass ist der Eigensinn“. Aber nur als eine der möglichen Erscheinungsformen von Eigensinn. Ich ahne: Genau da liegen auch meine Wurzeln, die mich auf den Weg des Eigensinns geführt haben. Ja, ich bin sicher Kriegsenkelin. Aber das ist eine noch immer ziemlich schmerzhafte Angelegenheit … der ich mich nur vorsichtig nähern kann. Jeder Weg ist anders … anders eigensinnig. Aber ich habe deutlich gespürt, wie die Widmung in meinem ersten Buch bereits bei vielen Menschen etwas freigesetzt hat. Und die lautet: „Für alle, die anders sind.“

    Ich grüße euch alle. Ganz herzlich.
    Maria

  9. Marion sagt:

    Oh ja, Eigensinn ist ein schönes Thema – und Kriegsenkelin bin ich auch – und was echt lustig ist: Treffen sich zwei Pulheimerinnen auf einem Frankreich-Blog 😁…

    • dreher sagt:

      Lustig! Kennt ihr euch?! Pulheim scheint ein interessantes Städtchen zu sein, mit dem frz Laden und euch beiden… ❤️

      • Marion sagt:

        Merci ♥… Nein, wir kennen uns nicht, ich habe nur auf Marias Blog gelesen und gesehen, dass sie gleich um die Ecke wohnt 😊

      • Marion sagt:

        Huch, hatte jetzt 2x geantwortet und meine Antwort ist 2x verschwunden?

        • dreher sagt:

          Nein, alles da, liebe Marion, aber ich war unterwegs, ohne Internet, sowas gibt’s noch, und ich konnte es nicht rechtzeitig freischalten. Ich nehme jetzt aber nur zwei deiner drei Kommentare, OK? 😁😅👍