
Ein frohes neues Jahr wünsche ich Ihnen allen! Das darf man in Frankreich noch den ganzen Januar lang wünschen, ohne als unhöflich zu gelten, das finde ich sehr entspannend, auch wenn trotzdem alle wie verrückt an den ersten beiden Tagen des neuen Jahres ihr Adressbuch rauf- und runtertelefonieren, obwohl, es wird viel weniger telefoniert, finde ich. Nur die Generation 80+ telefoniert noch unbeschwert, alle anderen schreiben Nachrichten, die sich dann in den diversen sozialen Gruppen potenzieren. Ich kriege da gleich mal einen Sozialkoller und warte mit einen Wünschen ein paar Tage, und dann ist es schon zu spät: Das neue Jahr ist am 3. Januar bereits beladen mit Tristesse und Schwere. Nein, die Beerdigung von Brigitte Bardot rührte mich nicht zu Tränen (zumal ihre gute Freundin Marine le Pen anwesend war), ich muss auch zukünftig nicht zum Friedhof nach St. Tropez pilgern, aber ich habe aus diesem Anlass gern noch einmal ihre Filme angesehen, die das Fernsehen sendete.

Falls Sie Netflix haben, schauen Sie sich die Serie “Bardot” an, aber dann ist es auch wieder gut mit BB finde ich. Oder, eins noch – unser vor kurzem verstorbener Nachbar, ein diskreter, großer hagerer und sportlicher und wie ich fand, durchaus noch ansehnlicher, älterer Herr, mit dem wir einmal in Kontakt gekommen sind, weil er sich ausgesperrt hatte (er hat dem Enkel später eines seiner Rennräder geschenkt), war einer der Leibwächter und zeitweise auch Liebhaber von Brigitte Bardot. Er hieß Christian Kalt. Man liest überall er sei zunächst Skilehrer gewesen, aber ich habe kein einziges Foto von ihm (und ihr) im Schnee gefunden. Auch wenn es verlockend ist, ich poste hier kein Foto von ihm und ihr, denn ich möchte keinen Prozess am Hals haben wegen unerlaubter Veröffentlichung irgendwelcher Starfotos, obwohl Instagram und Facebook derzeit voll sind mit Fotos, die eigentlich dem Copyright unterliegen. Wenn es Sie interessiert geben Sie einfach “Christian Kalt” in eine Bilder-Suchmaschine ein, 1971 war die große gemeinsame Zeit.
Doch noch etwas: Gerade ist eine E-Mail von „Nice Matin” ins Haus geflattert, in der der Bürgermeister von Cannes, David Lisnard, ankündigt, den Strand „La plage Macé”, an dem alljährlich während des Filmfestivals die Open-Air-Filmnächte stattfinden, zu Ehren von Brigitte Bardot in „La plage Brigitte Bardot” umzubenennen.

Dazu befragt, wie er die Nähe BBs zur extrem rechten Partei Rassemblement National einschätze, sagt er: « Brigitte Bardot incarne la liberté et cette liberté est réjouissante. Elle n’était pas impudique mais nature, naturellement belle et libératrice ». Also ungefähr Brigitte Bardot verkörpert (vor allem) eine beglückende Freiheit […] sie war von natürlicher Schönheit, befreit und befreiend. Was natürlich keine Antwort in Bezug auf den RN ist, aber das interessiert in dem Moment nicht. Wir wollen jetzt bitte auch einen Ort haben, der BB gewidmet ist! Immerhin ist sie hier schon 1953 anlässlich des Filmfestivals am Strand entlanggelaufen. Hier können Sie Fotos von der ganz jungen Brigitte Bardot am Strand von Cannes ansehen.
Bleiben wir bei den People-News: Die Clooneys haben die französische Staatsangehörigkeit bekommen. Sie haben ja hier im Var ein kleines Häuschen erworben, wir berichteten etwa hier, und anders als die Familie Pitt und Jolie seinerzeit, sind sie eher zugänglich. Zwar entsprechen Herrn Clooneys Französischkenntnisse noch nicht dem geforderten Niveau B2 (er sei bei Duolingo Lektion 92, sagte er in einem Interview), das für eine solche Naturalisation zwingend notwendig ist, wie hier gleich gemeckert wurde, aber die Französischkenntnisse seiner Gattin machen es dann wieder wett, vermute ich.

Was gibts noch? Ich war im neuen Jahr schon gleich zweimal im Kino, “Amrum” (frz. Titel: Une enfance allemande), den ich währende des letzten Filmfestivals nicht sehen konnte, Sie erinnern sich vielleicht, ist in Frankreich angelaufen. Allerdings hier in Cannes nur mit einer Handvoll dünn gesäter Vorführungen zu bizarren Zeiten. Wir waren selbst bei der Abendvorstellung nur sieben Personen im Saal. Ich fand den jungen Hauptdarsteller beeindruckend und die kleine Geschichte berührend. Und Amrum spricht ja sowieso für sich.

Ganz anders ging es mir mit dem Film “In die Sonne schauen” (frz. Titel Les Échos du passé), den ich mir gestern Nachmittag angesehen habe. Ich finde ihn schwer zugänglich. Dass das Kino nicht geheizt und ich nach zweieinhalb (!) Stunden völlig ausgefroren war, machte es nicht besser. Ich ging ziemlich genervt nach Hause (andere verließen das Kino vorzeitig), muss aber sagen, dass die traumartigen Bilder und die Geschichten der Frauen heute in mir widerhallen, wie das Wort “Echo” es im französischen Titel passend ausdrückt. Vielleicht muss ich den Film noch einmal anschauen, um alles darin zu sehen und zu verstehen. Aber dann bitte in einem geheizten Saal.

Ich bin noch auf der Suche nach meinem Wort des Jahres. Vielleicht muss es ein weiteres „Freude“-Jahr werden. Ich bin damit nicht schlecht gefahren, auch wenn ich mein Armbändchen verloren habe und es manche Wochen gab, in denen ich die Freude nicht gespürt habe.
Als ich letztes Jahr „Freude” gewählt hatte, wusste ich noch nicht, wie schwer das Jahr werden würde und wie dringend ich die Freude brauchen würde. Mein „Glücksmomente-Glas” endete bereits am 12. Januar mit einer Handvoll froher Momente: den ersten Mimosen, einem Spaziergang und dem Besuch der Oper in Nizza. Danach habe ich vergessen, es zu füllen. Sie haben es vielleicht zwischen den Zeilen gelesen und verstanden. Seit zwei Jahren fliege ich jeden Monat für ein paar Tage nach Deutschland, um mich um meine Mutter zu kümmern. Im Januar 2025 ist sie dann gestürzt, und lebt seitdem auf einer Pflegestation. Sie wissen, was so ein Umzug mit sich bringt: Wohnung leerräumen, sich von Erinnerungsstücken trennen und viele Gefühle. Mehr will ich dazu hier nicht schreiben. Ich fliege weiterhin jeden Monat zu ihr. Es bleibt schwierig. Im letzten Jahr war es, zumindest gefühlt, das lebensbestimmende Thema, und ich musste alle meine Fotos des vergangenen Jahres durchsehen, um auch anderes zu sehen und zu merken: Es gab auch gute Momente, und so schlecht war es gar nicht, dieses Jahr 2025.

So habe ich im vergangenen Jahr viele Dinge unternommen, die ich mir früher aus Zeit- oder Kostengründen versagt hätte. Gerade weil ich bewusst freudige Momente erleben wollte, habe ich mich beispielsweise mit Freunden in Deutschland getroffen. Und ich habe mir bewusst auch Zeit für mich genommen. Im Dezember etwa war ich noch in Menton und habe mir dort einen Stand-up-Comedian angesehen, den ich sehr mag (dazu kommt vielleicht noch ein eigener Blogtext). Ich habe dafür ein Hotelzimmer an der Strandpromenade mit Meerblick und kleinem Balkon gesucht. Wann, wenn nicht jetzt? Es war traumhaftes Wetter, ich habe es sehr genossen und abends im Theater viel gelacht.

Und auf den letzten Metern des vergangenen Jahres habe ich mich in einem Chor angemeldet. Ich singe eigentlich sehr gerne, habe mich aber nie getraut, in einem Chor zu singen. Ich kann kaum Noten lesen und das einzige Instrument, das ich je gespielt habe, eine Blockflöte, habe ich kurz nach dem Kindergarten wieder aufgegeben.
Kleiner Exkurs zu „Vaterländer” von Sabin Tambrea und dessen ungarisch-deutscher Musikerfamiliengeschichte: Er erzählt darin, wie er als Kind bei einem ebenfalls nach Deutschland emigrierten hoch angesehenen ungarischen Musiker Violinunterricht bekam. Es war für ihn kein Vergnügen. Der Musiker lebte in seinem Auto, war entsprechend ungepflegt und roch schlecht. Das erinnerte mich daran, dass man mich damals, nach dem Kindergarten, für weiterführenden Musikunterricht zu einem „Professor Leskov” schickte, der private Stunden gab. Aber sein ärmliches Leben in einem düsteren Dachbodenzimmer hat mich geängstigt, sein schwerer Akzent hat mich befremdet und seine raue, ungeduldige Art hat mich ziemlich schnell entmutigt. Das war’s dann mit meiner Blockflötenkarriere. Heute denke ich, dass ein emigrierter (vielleicht russischer) Musiker es ziemlich deprimierend gefunden haben muss, seinen Lebensunterhalt damit zu verdienen, sechsjährigen Mädchen Blockflötenunterricht zu geben. Exkurs Ende, zurück zum Chor.
Ich bin jetzt Mitglied in einem großen Pop-Chor, der landesweit vertreten ist: Le Chœur du Sud. Vielleicht haben Sie kurz vor Weihnachten ein Video durchs Internet huschen sehen: Mit Weihnachtsmann-/Frau-Mützen bekleidet sangen ein paar hundert Menschen auf den Stufen vor der Kirche Sacré-Cœur in Paris (unter anderem) „Mon amour” von Slimane. Da werde ich vielleicht irgendwann auch stehen, allerdings muss ich mir noch einiges aus dem großen Repertoire des Chors erarbeiten.
Bislang kann ich nur zwei Songs halbwegs: „La vie par procuration” von Jean-Jacques Goldman und „Like a Prayer” von Madonna. Der Chor singt überwiegend französische Lieder, die den Franzosen und Französinnen so bekannt sind, dass sie sie schon beim ersten Anhören begeistert mitsingen können. Ich muss mir die Melodie (plus die der Altstimme) und den Text erst erarbeiten. Anders als früher ist mein Textgedächtnis ein bisschen müde. Früher hörte ich mir irgendein Lied dreimal an, dann konnte ich es auswendig. Heute kann ich es auch nach dreißig, ach was sage ich, hundert Mal anhören, ohne das Liedblatt, nicht singen. Also so eine rechte Freude hat sich beim Singen noch nicht eingestellt, dazu bin ich noch zu unsicher, aber es wird werden, da bin ich zuversichtlich!

Letztes Jahr Anfang Januar hatte ich Dota mit einer Vertonung eines Mascha Kaléko Gedichts zum Thema Freude verlinkt. Mascha Kaléko begleitete mich dann überraschend noch eine Weile im vergangenen Jahr, weil ich im Bücherregal meiner Mutter ein Büchlein mit den Briefen Mascha Kalékos an Ihren Mann fand, anlässlich ihrer ersten Deutschlandreise nach dem Krieg. Ich las es langsam und es zog mich intensiv in die fünfziger Jahre der jungen Bundesrepublik. Gerade habe ich von einer ehemaligen Arbeitskollegin (merci Ulrike!) ein weiteres Buch über Mascha Kalékos erste Reise bekommen, das ich nun gerne lese: Volker Weidermann “Wenn ich eine Wolke wäre”. Mascha Kaléko und die Reise ihres Lebens.
Und hier ist endlich der lang versprochene Link zum Podcast „à table”, den Antje Seele von Tourexquisit mit mir aufgenommen hat. Das ist ein bisschen Werbung, unbeauftragt und unbezahlt, denn Tourexquisit ist eine kleine und feine Reiseagentur nicht nur für Frankreich-Reisen. Wenn Sie auf dieser Seite einmal stöbern wollen, werden Sie feststellen, dass diese Reisen wirklich persönlich und geradezu liebevoll geplant sind! Diese Unterkünfte! Traumhaft! Das neueste Projekt rund um die Frankreich-Reisen ist dieser Podcast, in dem auch ich zu Wort komme. Inhaltlich ist es für Sie vielleicht nichts Neues, aber Sie dürfen gespannt sein, denn es sind noch andere Folgen angedacht. Ich werde Sie natürlich informieren!
So viel für heute, es ist lang genug geworden!
à bientôt!











