
Wir entschieden uns, nicht wie ursprünglich geplant nach Casterino zu fahren, um von dort aus zu einem See zu wandern, sondern eine Wanderung vor Ort zu machen: die zur nur wenige Kilometer entfernten kleinen Kapelle Notre Dame de la Fontaine. Man kann auf verschiedenen Wegen dorthin gelangen.



Wir wählten die einfache sechs Kilometer lange Wanderung auf halber Höhe oberhalb der Straße mit nur etwa 250 Metern Höhenunterschied, insbesondere wegen meiner doch nicht ganz beweglichen Knie. Diese Wanderung hätte ich alleine sicherlich nicht gemacht. Wir brauchten auch nicht die im Wanderführer angegebenen eineinhalb Stunden, sondern (mit Fotostopps und Picknickpause) knapp vier Stunden. Das war aber nicht schlimm, denn die Kapelle ist in der Nebensaison nur nachmittags geöffnet und wir kamen somit gerade richtig.


Die Wanderung verläuft über einen schmalen Waldweg, sodass man die meiste Zeit im Schatten läuft – Gott sei Dank, denn es ist in den letzten Tagen überraschend heiß geworden. Man muss ausreichend Wasser mitnehmen, denn es gibt unterwegs keine Wasserstellen. Das plätschernde Bächlein am Ende sieht zwar verlockend klar aus, ist aber kein Trinkwasser, da oberhalb Schafe und Kühe weiden, die dort nicht nur trinken, sondern auch hineinpullern.



In Notre Dame de la Fontaine gibt es also leider keinen Brunnen, wie der Name verheißungsvoll ankündigt, aber jede Menge Fresken.

Die Kapelle wird auch „die Sixtinische Kapelle der Alpen” genannt, da sie vollständig mit Fresken ausgemalt ist. Diese zeigen Szenen aus dem Leben Marias und Christi sowie das Jüngste Gericht. Sie stammen von Giovanni Canavesio und wurden im 15. Jahrhundert geschaffen. Die in kräftigen Farben gehaltenen Darstellungen sind wirklich beeindruckend, geradezu modern und expressiv.


Hier in der Mitte das Ende von Judas, dem der Teufel die Seele (aus den Eingeweiden heraus) raubt. Sehr drastisch. Die Szenen des Jüngsten Gerichts sind auch sehr eindrücklich. Die habe ich aber nicht mehr fotografiert, weil ich überraschend mit dem kleinen Bus zurückfahren konnte, mit dem die sehr nette Dame des Office de Tourisme gerade eine Gruppe Touristen zur Kapelle gebracht hat. Die sechs Kilometer auf und ab haben mich an meine Knie-Grenze gebracht.

Ich bin trotzdem ziemlich stolz auf meine Leistung und gönne mir im schattigen alternativen Garten des Lädchens, wo wir gestern schon die Abendsonne genossen haben, ein Stück Heidelbeerkuchen. Die Journalistin geht tapfer zu Fuß zurück.
Am nächsten Tag fahren wir auf die italienische Seite.












Ich bin angemessen beeindruckt.
Von Judas, der seine Seele verliert oder von meinen sechs Kilometern ?!