Klatsch und Tratsch aus Cannes

Gestern Morgen drückte man mir an einer Straßenecke die “Gala-Croisette” in die Hand, die sie während des Festivals täglich herausbringen. Ein fettes und schweres Hochglanzmagazin mit großformatigen Schaupielerfotos, Infos über die an diesem Tag aktuellen Filme und viel Werbung für teure Autos, Schmuck, Parfüms und “places to be”.

Es wird auch jeden Tag die oder der stilvollste Star mit einer Sonderseite “La Palme du Glam” gekürt. Gestern war es Coco Rocha, die im Hotel Carlton residiert. Sie trägt ein Vampirhaftes schwarzes Samtoutfit von Gaurav Gupta, einem indischen Avant Garde Couturier.

Beide kann man vermutlich nur kennen, wenn man fest mit der Welt der Mode und des Luxus verwoben ist. Leider habe ich “Der Teufel trägt Prada Teil 2” gerade verpasst und bin daher nicht im Bilde. Im oben verlinkten Wikipedia Artikel zu Coco Rocha steht, dass sie zu den Zeugen Jehovas gehört – das verstehe, wer will.

Mir sind dieses Jahr weniger dramatische Outfits aufgefallen, vermutlich, weil ich zu viel anstand (und anstehe) um in die Quinzaine-Filme zu kommen und weniger darauf achte, was auf dem Roten Teppich so los ist. Mir entgehen auch die wichtigen Infos über Filme, Fjord, zum Beispiel. Ein Film des rumänischen Filmemachers Cristian Mungiu (der übrigens 2002 erstmals in der Quinzaine vertreten war und seit 2007 mehrfach mit Filmen im Offiziellem Wettbewerb um die Goldene Palme dabei ist), in dem eine konservative rumänische Einwandererfamilie in Norwegen in Konflikt mit den norwegischen Behörden gerät, die deren konservative Kindererziehung (tägliche Gebete, keine Smartphones) missbilligen.

Immerhin habe ich aus dem Augenwinkel Isabelle Huppert gesehen, die sich dieses Jahr in einem massiven schwarzen Lederkleid gekleidet plump wie ein Zombie bewegte. Viel eleganter Carla Bruni, die “weißen Tiger” wagte (laut Pure People). Ich finde, es sieht eher nach Zebra aus, aber was weiß ich schon.

Hier noch ein paar Eindrücke aus den Schaufenstern der Croisette.

Leider ist hier die Spiegelung zu dominant. Aber diese Outfits haben mich echt beeindruckt in ihrer urbanen Hässlichkeit und das neben all den Glitzerkleidchen in den Schaufenstern rechts und links.

Interessant fand ich den in der Gala veröffentlichten Briefwechsel von 1962 zwischen der Metro Goldwyn Mayer Filmgesellschaft und dem damaligen Präsidenten des Filmfestivals über die nicht bezahlten Rechnungen von Nathalie Wood und ihrem damaligen Geliebten Warren Beatty.

Beide logierten vier Nächte im Carlton in getrennten aber “kommunizierenden” Zimmern und waren abgereist, ohne die Rechung von umgerechnet etwa 4000€ zu bezahlen. Die M.G.M. lehnt es ab, die Summe zu übernehmen, da Nathalie Wood persönlich vom Palais des Festivals eingeladen worden war, und sie bislang keinen Film bei der M.G.M. gemacht habe. Von Warren Beatty, der sich uneingeladen mit im Reisegepäck von Nathalie Wood befanden habe, gäbe es nur einen Film bei der M.G.M. Die Gesellschaft fühle sich nicht zuständig für diese Kosten.

Die M.G.M. kann sich nicht verkneifen, darauf hinzuweisen, dass sie auf dringende Bitten des Palais des Festivals interveniert habe, damit Nathalie Wood nicht schon nach drei Tagen, in denen sie ihr Zimmer nicht verlassen habe, wieder abreise, sondern verlängere, um unbedingt noch an einem Dinner mit dem Bürgermeister von Cannes teilzunehmen.

Anscheinend haben sich die Herren dann in einem persönlichen Gespräch geeinigt, die Kosten jeweils hälftig zu übernehmen. Nathalie Wood und Warren Beatty trennten sich nach drei Jahren “tumultöser” Beziehung. Wie ich dem Wikipedia Artikel entnehme, ist Nathalie Wood später unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen. Ihre Töchter verdächtigten den Ehemann und Vater, sie ermordet zu haben.

Kommen wir zurück in den Alltag der kleinen Stadt am Meer. Es werden immer noch Filme gezeigt und Einladungen gesucht

und die Eispreise dieses Jahr stehen bei schlappen 4,50€ pro Kugel.

So viel für heute!

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