Cannes Filmfestival

Ich hatte mir das so schön vorgestellt, wollte eine kleine Reportage machen, die zeigt, wie sich Cannes von Tag zu Tag verändert, bis es dann wirklich losgeht, das 64. Festival du Film. Jeden Tag wollte ich ein bisschen was schreiben zur Geschichte, den Stars, den Filmen undsoweiter. 

Ich war aber gar nicht da. Ich reiste in der Welt herum, und hatte nebenbei viel zu tun, und darüber wollte ich auch schreiben und vielleicht tue ich es auch noch, sobald ich mal ein paar Tage ruhigen Alltag habe.

Jetzt bin ich also wieder in Cannes und es ist schon losgegangen, das Festival. Ich verweise Sie jetzt kurzerhand auf die offizielle Filmfestival Seite, da steht alles und Sie sehen alle, alle, die da sind, und wenn Ihnen das nicht reicht, gibt es noch die ganze bereits 63 Jahre dauernde Festival-Geschichte in Bildern. Jahr für Jahr. Ich klickte mal kurz mein Geburtsjahr an, und wie schön, Romy war 1962 dabei!

 

Nur damit Sie es wissen, ich gehe morgen – hach – auch ganz offiziell die rot ausgelegten  Treppen hoch, um einen nigelnagelneuen Film im der Séléction officielle zu sehen, das heißt, einen Film en competition, der premiert werden kann; ich sehe ihn im Palais im großen Saal mit circa 1498 anderen. Aber nicht abends, wo man in Abendgarderobe erscheinen muss, sondern mittags, wo man ganz normal gekleidet sein darf. Wow! Einladungskarten dafür sind super begehrt, noch begehrter sind natürlich die Abendkarten, da ist das Ambiente einfach schicker. Das schafft man, wenn man entweder schrecklich wichtig ist und im Film- oder Medienbereich arbeitet und für das Festival in irgendeiner Weise zugelassen ist, und deshalb die ganze Zeit mit einem „Badge“, eine Art Scheckkarte an einem dieser sportlichen Schlüssel-Halsbänder rumläuft (ganz Cannes ist zur Zeit voll mit „Badge“-Trägern!), und sich aufgrund dieser Wichtigkeit Karten im Inneren des Palais verschaffen kann oder viel banaler, wenn man irgendwie für die Stadt Cannes arbeitet und daher als kleines Geschenkchen freundlicherweise Einladungskarten bekommt, oder wenn man jemanden kennt, der aus welchen Gründen auch immer Karten hat, der aber nicht selbst hingehen will, weil es lästig ist, anderthalb Stunden in der Sonne Schlange zu stehen in den hochhackigen Schuhen und in dem Gedrängel, bis man endlich diese Treppen hochlaufen darf, oder weil man den Film der gezeigt wird sowieso nicht interessant findet oder warum auch immer, der auf jeden Fall aber gern bereit ist, einem diese Karten zu überlassen. So kommts, dass ich also morgen mit einer Freundin in die heiligen Hallen vordringe.

Den Eröffnungsfilm, Midnight in Paris von Woody Allen habe ich auch gesehen. Aber ganz normal gestern abend im Kino gegen einen schnöden Eintrittspreis, das Kino war so gut wie leer, weil ihn natürlich alle schon kostenlos im Palais gesehen hatten oder wenigstens am ersten Abend im Kino und nicht, wie ich gestern, am zweiten, das ist ja schon nicht mehr aktuell, wo hier die Filme nur so durchrasseln. Wer will da noch einen Film von gestern sehen? Da haben Sie vermutlich schon eine Kritik gelesen, oder Sie haben Woody Allen satt – wobei, Match Point oder You will meet a tall dark stranger haben mich erstaunlich beeindruckt. Das Barcelona-Ding fand ich hingegen einschläfernd. Midnight in Paris ist ein schöner, amüsanter Paris-Film. Bisschen kitschig, klischeelastig, ein typischer Woody Allen-Film und eine echt amerikanische Liebeserklärung an Paris, an die Zwanziger Jahre und an den Jazz. Nicht unvergesslich, aber nett. Man will ja nicht immer brennende Lastwagen und Kalaschnikovs sehen. Und mir gefiels, weil ich doch selbst grad in Paris war und mir die alten nostalgischen Metroschilder auch immer noch gefallen.

 

Trop de navets, trop de fric, trop de putes schrieb neulich ein Journalist und kündigte das Ende des Filmfestivals von Cannes an. Es gäbe in Cannes zu viel Schund zu sehen, es gehe nur ums Geld und alle (Herren) kämen mit einer (natürlich wunderschönen langbeinigen) Prostituierten am Arm. Die Farben des diesjährigen Festivals gehen da konform, sie sind Gold auf Schwarz, aber das Gold ist ein bisschen zartlinig ausgefallen, so dass es von weitem aussieht, als sei ganz Cannes schwarz geflaggt. Das ließ sich aufgrund der Farbgebung gestern Abend nach dem Kino im Dunkeln dann leider nicht mehr dokumentieren. Ich kann es nicht beurteilen, aber die Leute, die das Festival kennen, sagen, es IST leer auf Cannes Straßen. Früher war es zu allen Tages- und Nachtzeiten ein Gedrängel und Geschiebe, jetzt flaniert man ganz normal und nur punktuell zu den Anfangs- oder Endzeiten der Filme drängt es sich, weil man Angelina oder Carla von weitem als klitzekleine Flecken auf dem roten Teppich sehen will. Carla Bruni, die Präsidentengattin, hat übrigens in Woody Allens Film mitgespielt. Das nur am Rande. Wissen Sie vielleicht auch schon.

Alle, alle Läden haben ihre Deko aufs Festival hin geändert. Bei Chanel hängt jetzt kein geflickter Rock mehr, sondern ein Perlenkleid und eins aus Straussenfedern oder ist es Flamingo? Die Farbe sieht nach Flamingo aus. Die Tasche von Brigitte Bardot (wirklich nett, aber unerschwinglich) wurde auch neu in Szene gesetzt. In der verspiegelten Fassade einer Boutique neben dem Hotel Majestic, in dem abends natürlich auch irgendwas Festliches stattfindet, auf Einladung, versteht sich, tragen sich drei Jungmädels noch mal schnell Wimperntusche auf, wer weiß, was noch passiert heute abend?! Man wartet und telefoniert sich zusammen und geht irgendwohin feiern. Wenn nicht ins Majestic, dann irgendwoanders hin. Ich ging nur wieder nach Hause.

Für den Anfang mag das heute genügen…

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Eine Antwort auf Cannes Filmfestival

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