Sommeranfang

Es ist Sommer. Vielleicht noch noch nicht datumsmässig, aber von der Temperatur her schon. 6 Uhr morgens 26 Grad in der Wohnung. Die Ameisen sind da und laufen einmal quer durch die Futterschüsselchen von Cachou und Pepita. Ich merke es daran, dass die Katzen verwundert vor den Schüsselchen sitzen und nicht fressen wollen. Dann finde ich Ameisen auch im Zucker…

im Honig und dann sind sie überall, les moustiques, die Schnaken, auch übrigens. Während Ameisen buchstäblich nur ein vorübergehendes Problem sind, lassen sich die Schnaken leider kurzzeitig nieder, bevor sie weiterflattern. Bereits vor zwei Wochen habe ich ein Moskitonetz über dem Bett angebracht, und diverse Sprays und Citronelle gekauft, weil ich nicht mehr so aussehen wollte wie letztes Jahr, da hätte man den ganzen Sommer glauben können, ich habe eine ansteckende Krankheit. Der Apotheker, der mir meine Mückenabwehr verkaufte, sagte, „ach, gibt es schon Stechmücken?“ Was soll ich Leuten erklären, die nicht gestochen werden? Niemals hätte ich geglaubt, dass es Schnaken am Meer geben könnte, ausser vielleicht in der Camargue, diesem sumpfigen Meerableger, aber auch Cannes war mal Sumpfgebiet, bevor ein leichtsinniger Engländer beschloss, dass er hier seine Winter verbringen möchte. An den Sommer hat er natürlich nicht gedacht, als er hier seine Zelte aufschlug, das haben wir jetzt davon. Ich warte sehnlichst darauf, dass irgendein Modedesigner das Moskitonetz als modisches Accesoire einsetzt oder dass wenigstens ein zarter Ganzkörperschleier modisch akzeptabel wird. Aber in Frankreich wird der Ganzkörperschleier orientalischer Frauen gerade hart umkämpft. Ich bin nicht sicher, aber möglicherweise ist das alles nur ein grosses Missverständnis.

Trotz aufdringlicher Citronelle-Fahne, die mich seit einiger Zeit umwabert, trotz Abwehrsprays, trotz Moskitonetz, bin ich bereits mit Stichen übersät. Kommen Sie mir nicht mit gespickten Zitronen und Nelken, mit irgendeinem Verdunster in der Steckdose. Ich habe alles, alles ausprobiert, mein Körperschweiss ist stärker. Die Moskitoweibchen von Cannes haben mich als einzigen Proteinlieferanten fuer Ihre Brut ausgesucht, und hinterlassen sich vermutlich kleine Zeichen, ein Mini Tropfen Blut am Fensterrahmen weist auf eine gute Quelle hin oder sie sirren sich “hier süsses Blut” oder so etwas zu, auf ihrer schwirrenden Suche nach Fremdprotein. Ich habe alles gelernt über Moskitos, glauben Sie es mir. Ich weiss, wie unendlich wichtig selbst diese kleinen Biester für das ökologische Gleichgewicht sind. Schnakenlarven werden von Vögelchen gefressen, und Vögelchen von Katzen… ah nein… das war die falsche Assoziation. Aber Cachou ist ein grosser Jäger! Neulich schleppte er buchstäblich eine Taube an (sie wurde von uns gerettet und flatterte erleichtert aber leicht verwirrt davon!) und eine enorme Ratte mit langem Schwanz, brrr (die hat es nicht überlebt).

Beide Katzen sind übrigens inkompatibel mit dem Moskitonetz. So einen komischen Mist gab es bislang ja noch nie, und wie soll man verdammt nochmal morgens um fünf auf ihren Bauch hopsen, wenn da dieser Vorhang stört. Da hat sie nicht richtig nachgedacht, die Christjann, hoffentlich kapiert sie das bald, sonst müssen wir sie weiterhin gegen fünf miauend wecken…

Genau. Insofern bin ich morgens schon recht früh am Strand, wo die Strand-Jungs, les plagistes, nebenan noch mit Muskelkraft den angeschütteten Sand schaufelweise verteilen und wie jeden Morgen platt walzen, um dann die ersten Liegestühle und Sonneschirmchen aufzustellen.

L’eau est bonne, wie könnte es auch anders sein. Gestern etwas trüb, aber immer hat das Wasser irgendwas, was « bonne » ist, schön frisch, oder schön warm oder was auch immer. Heute war das Wasser schön klar und ich habe beim durchs Wasser laufen viele Fischlein an mir vorbeischwimmen sehen. Gestern wurde irgendwo schon eine Qualle gesichtet, die sind hier fies, weil es Feuerquallen sind, die Verbrennungen auslösen. So was fehlte mir noch in meiner Hautallergiesammlung, hoffe, dass der Sommer ohne diese Erfahrung an mir vorüber geht.

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