August-Filter

… und hier aus dem tiefsten französischen Sommerloch ein Glücklich in Cannes-Schmankerl aus dem August-Filter, damit Sie mich nicht vergessen ;)

okeh, falls das bei Ihnen genau so wenig klappt wie bei mir, bekommen Sie hier nochmal die Text-light-Version, das Layout müssen sie sich dann eben dazu denken…

 

Mono? Bi? Tri? Strand-Style in Cannes

Das wichtigste Kleidungsstück dieses Sommers ist der Badeanzug, das wissen Sie ja, und ich hoffe, Sie haben Ihren bereits gefunden. Wird ja zunehmend schwieriger, den Überblick zu behalten bei all den Monokinis, Bikinis, Trikinis, Tankinis und wie diese kleinen dreieckigen Stoffteilchen heute so heißen. Der Trend hier in Cannes ist gerade der Trikini. Kennen Sie nicht? Das ist im Prinzip ein Bikini, der in der Körpermitte noch von einem dritten Zipfelchen Stoff zusammengehalten wird. So gesehen bei Naomi Campbell. Sollten Sie aber nur tragen, wenn ihr Bauch eher konkav, denn konvex geformt ist.

Wenn man dem konservativen Rat der führenden deutschen Frauenzeitschrift folgt, dann trägt die deutsche Frau selbstkritisch sowieso besser eine Burka, alles, was nicht jung, gebräunt und knackig ist, sollte sich in einen festgeformten Einteiler stecken und mit fließenden Tüchern, flatternden Tuniken und wallenden Pareos verhüllen. Das ist der südfranzösischen Frau jedweden Alters völlig fremd. Ok, Topless ist out, es sei denn, Sie haben sich Silikonpolster implantieren lassen und alles ist rund, fest und bleibt selbst in Liegeposition schön aufrecht. FKK ist vulgär und geht hier gar nicht. Aber niemand hat ein Problem auch alternde Haut in Bikinis oder Trikinis zu sehen, eventuell auch Monokinis, wo man das Oberteil vermutlich fest tackern muss, damit man nicht wegen Unsittlichkeit abgemahnt wird. Überhaupt hat die südfranzösische Frau eine ganze Kollektion an Bademoden. Die Betonung liegt auf Mode. Ich kann verstehen, dass Sie für die drei Tage Sommer in Deutschland nicht jedes Jahr einen neuen Badeanzug erstehen wollen. Aber schauen Sie ihn doch noch mal kritisch an. Machen Sie nicht den Fehler wie die Engländerinnen, die am liebsten Bikinis in den Farben Beige, Weiß und Gelb tragen. Uuuh! Und das bei dieser rötlichblassen Haut. Geht gar nicht, meine Damen! Diesen Sommer sind Knallfarben angesagt. Ich sage nur „color block“ – also variieren Sie mutig Pink, Orange und Rot, dafür müssen Sie aber schon gleich zu Beginn nahtlos braun sein, was erklärt, dass es selbst in Cannes Sonnenstudios gibt, für die vorbereitende Strandphase.

Ich bin kulturell ein bisschen zwischen den deutschen Verhüllungsgeboten und den freizügigen Französinnen hin- und hergerissen und sehne mich seit Jahren nach dem einteiligen Badeanzug der fünfziger Jahre, der ein kleines Beinchen hat, aber dennoch sexy ist. Grace Kelly trug so etwas im Film „Über den Dächern von Nizza“. Kann schon sein, dass ich einfach nur so aussehen möchte wie Grace Kelly. Aber lassen wir das mal bei Seite. Ich möchte vor allem keinen Badeanzug mit ultrahohem Beinausschnitt, der meine rundliche Silhouette angeblich streckt. Ich möchte nicht noch mehr Oberschenkel zeigen, aber nein, stattdessen muss ich mir alberne Tücher umbinden, mit denen ich dann nicht ins Wasser gehen kann. Vermutlich soll ich einfach brav auf dem Handtuch liegen bleiben und danach wieder verhüllt nach Hause gehen, weil ich sowieso nicht aussehe wie Grace Kelly. Und auch nicht wie Charlene – übrigens gibt es heute in der Tagespresse zwei Sonderseiten, weil die bösen, bösen Gerüchte um das junge Glück nicht aufhören wollen. Uh! Nicht schön, so was, direkt nach der Hochzeitsreise. Das aber nur am Rande.

Ist Ihnen alles zu anstrengend? Tja, dann bleibt nur, ein bisschen weiter weg zu fahren, raus aus Cannes und an einen Familienstrand, mit Sonnenschirm, Kühlbox und aufblasbaren Krokodilen. Da ist alles möglich, und niemand schert sich um die kleinen Dellen in den Oberschenkeln und dass das Muster Ihres Badeanzugs vom letzen Jahr ist. Da treffen wir uns dann vermutlich. Schwimmen Sie bis dahin nicht so weit raus!

 

‚Glücklich in Cannes‘ veröffentlicht im Filter Stadtmagazin 08/2011

 

 

 

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