Louis German 1863 – 1946

Eine kleine, eher bescheidene Ausstellung, leider in einem schlecht erleuchteten Saal gehängt, habe ich heute nachmittag angeschaut. Eigentlich haben mich die Bilder, die ich vorab gesehen habe, nicht allzu sehr gereizt, Landschaftsaquarelle, Stilleben mit Trauben, Fischen und Feigen, Blumensträuße und …

jede Menge Fischerboote vor Cannes. Naja… alles sehr klassisch, nichts aufregendes… Ich bin dennoch hin oder auch gerade, weil Louis German ein Cannoiser Maler war, und er Cannes vor hundert Jahren malte, also vielleicht war ich ein bisschen auf der Suche nach Nostalgie und der „guten alten Zeit“. Und auch, weil ich ja auch immer auf der Suche nach Cannes jenseits von „blingbling“ bin, wie das hier zur Zeit heißt. Jenseits von Glamour und Glitzer. Und das war es.

Die Ausstellung wurde von einem Enkel Germans ins Leben gerufen, er hat auch den Katalog dazu gemacht. Natürlich hatte er Unterstützung, denn er ist auch schon ein betagter Herr im Rollstuhl. Vor etwa sechs Jahren erst hat er seinen malenden Großvater für sich entdeckt und ihn und seine Bilder wieder ans Licht geholt, lange war er fast vergessen, sehr spektakulär sind seine Arbeiten nicht. Ein starrköpfiger aber aufrechter Mann sei er gewesen, der in Kauf nahm, seinen ursprünglichen Arbeitsplatz als Keramikmaler wegen seiner (konservativen) politischen Meinung zu verlieren, und sich so als Maler selbständig machte, erzählte sein Enkel. Er hatte wohl Talent, aber er war vielleicht nicht innovativ oder kommerziell genug, er musste immer zusätzlich Malunterricht geben, um seine Familie zu ernähren, immerhin hatten er und seine Frau vier Kinder. Ich vermute, es war eine glückliche Ehe, die Kinder wurden nach der Liebe benannt: Aimée, Amant, Amour und bei der vierten Tochter wussten sie sich nicht mehr zu helfen und nannten sie daher Eglantine (Hagebutte).

Viele Bilder der Ausstellung sind klein, in unansehnliche Rahmen (dem Geschmack der damaligen Zeit) gequetscht, schlecht beleuchtet sind sie noch dazu. Daher war die vorbereitete Diashow, die der ältere Herr langsam und bedächtig vornahm, eine gute Möglichkeit, die Bilder groß und hell zu sehen. Manche habe ich später im Original fast nicht wieder erkannt. Wie viel Licht doch ausmacht! Zunächst befürchtete ich, der ältere Herr würde die Anstrengung nicht durchstehen, aber nachdem er seinen Rhythmus gefunden hatte, stellte er alle Bilder der Ausstellung einzeln vor, man hatte genug Zeit sie in Ruhe anzusehen, seine leise Stimme begleitete einen dabei unaufgeregt und liebevoll. Man spürte, wie gerührt und stolz er war, uns seinen Maler-Großvater zu zeigen. Das machte aus der Dia-Show und der ganzen Ausstellung etwas Besonderes. Ich war sehr berührt und mir schien, so waren es alle anderen Anwesenden auch.

Es waren wohl ausschließlich Cannois und Cannoises zugegen, der überwiegende Teil im sogenannten Bel Age, aber das ist in Cannes so. Und ich war erfreut, so viele „normale“ Mitbürger zu sehen, niemand stöckelte im Pelzmantel, es gabe kein „Haaaach, du auch hier-Gekreisch“, kein Gold, keine Perlen, kein Glitzer… es war alles sehr bescheiden, und ich ging sehr froh und ein wenig angerührt aus dem Saal.

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