Cannes im Schnee…

… hätte ich Ihnen gerne gezeigt, der Akku meiner Kamera war voll geladen, und ich hätte mich trotz heftigen Hustens hinausgewagt, um Ihnen spektakuläre Fotos zu zeigen, allein, es wollte ums Verrecken nicht schneien. Vorgestern große Katastrophenmeldungen: halb Frankreich und vor allem der völlig wehrlose Süden…

lägen ab sofort in der Alarmzone Orange, manche Eckchen waren auch schon Rot eingezeichnet: Schnee, Kälte, Glatteis waren angesagt, nachmittags sogar bis hinunter in die Küstenregion. Zugegeben, das ist selten hier unten an der Küste auf Null Höhenmetern. Cannes und die gesamte Region wappneten sich, indem sie vorsichtshalber gestern den ganzen Tag keine öffentlichen Verkehrsmittel fahren ließen, hier hat ja kein noch so professioneller Fahrer irgendeine Schnee-fahr-erfahrung und Winterreifen gibts nicht. Schule fiel aus und am besten blieb man sowieso gleich zu Hause, denn so kann man ja nicht arbeiten, unter diesem Stress, des eventuell einsetzenden Schneechaos. Post wurde auch mal wieder keine ausgetragen und vermutlich in den Sack „nicht zustellbar“ geworfen, warum die Sendungen nicht zustellbar waren interessiert ja später keinen mehr. Das wird sicher irgendwo eine Weile aufgehoben und kommt in die Überraschnungs-Weihnachtsverlosung und bringt Glanz in die Augen so manchen Zustellers, wenn er mein deutsches Heimwehkochbuch findet, das er nicht lesen kann, oder den Christstollen aus Dresden vom letzten Jahr, der bis dahin gut durchgezogen ist. Ich hoffe, es liest mich außer meinem größten Fan in Cannes, dem ich hier freundlich zuwinke (coucou!) kein weiterer Franzose, sonst muss ich mich wieder als zynisch beschimpfen lassen.
Ja, war nix mit Schnee in Cannes, es regnete, schüttete, und wenn es stattdessen geschneit hätte, wäre es sicher schlimm geworden. So die heutige Rechtfertigung zur Frage in unserer gut informierten Tageszeitung: War es wirklich nötig, alle Busse lahmzulegen und Schule ausfallen zu lassen? Ja, besser so als andersrum. Natürlich, wer wollte auch Entscheidungen unserer Politiker kritisieren?

Es hat natürlich dennoch geschneit, in den Bergen zum Beispiel, in den Skistationen wurde aufgeatmet, dass es endlich so etwas wie eine Wintersaison geben wird, aber es fiel schon auch ein kleines bisschenSchnee in Grasse, in Mougins oder sogar drei Flocken in Nizza am frühen Abend. Nur in Cannes eben nicht. Dramatisch war es auf jeden Fall für die Schnee-ungewohnten Südfranzosen. Monsieur staunte vor zwei Jahren nicht schlecht über Schnee und Eis in Deutschland und unseren in seinen Augen sehr coolen Umgang damit. „Die Deutschen leben mit dem Schnee, alles funktioniert!“, erzählte er respektvoll, als wir wieder in Cannes waren. Ich ließ es mir gefallen, endlich mal was, was wir können, ich werd mich hüten zu sagen, dass es in Deutschland auch jedes Mal wieder beim ersten Schneefall katastrophig ist.

Heute scheint nach Tagen des bedeckten Himmels und des Regens endlich wieder die Sonne. Gottseidank, tatsächlich atme ich auch dieses Mal auf. Wir haben nämlich Sonnenkollektoren auf dem Dach für die Warmwasserversorgung, und ich vermute da haben clevere deutsche Hersteller eine Technik von Annodunnemals teuer an die unwissenden Frenchies verkauft und sich dabei die Hände gerieben: Denen können wir alles verkaufen! Deutsche Technik ist wirklich hoch angesehen. Wenn man hier was verkaufen will, sagt man, es sei in Deutschland hersgestellt. Klappt immer. Wir haben also super deutsche Technik auf dem Dach und im Haus, aber sie funktioniert einen Sch*piep*.

Dafür muss ich dann immer herhalten und mich immer anmaulen lassen „Kannst du mal schauen, warum das nicht klappt? Du bist doch Deutsche, das ist deutsche Technik!“ Platter gehts nicht.  Als könnte ich was für diesen Irrsinn. Ich hab keinen blassen Schimmer von Sonnenkollektoren, ich würde einfach völlig naiv behaupten wollen, das funktioniert in Deutschland einfach, oder? Oder haben Sie auch monatelang kein warmes Wasser, wenn keine Sonne scheint? So ist das nämlich hier. No Sonne, no warmes Wasser.

Im Umkehrschluss aber: viel Sonne, viel warmes Wasser. Im Sommer eine reine Freude, dass selbst das kalte Wasser so warm ist, das man sich einen löslichen Kaffee aufbrühen kann. Brühwarm, sozusagen: Das kalte Wasser! Damit wir uns richtig verstehen. Das heiße Wasser verdampft quasi, so heiß ist es. Im Sommer wie gesagt. Im Winter hingegen, oder meinetwegen auch an bedeckten Tagen irgendwann im Jahr, wenn man ein bisschen fröstelig ist und sich gern ein heißes Bad gönnen würde: Nada! Niente! Nix! Wasser ist kalt. Nicht lau, nein, kalt! Neulich habe ich mir auf dem Herd Wasser gekocht, um ein  zwei Zentimeter-Bad einlaufen zu lassen. Nicht sehr ökologisch, aber wie früher…. wir waschen uns zur Zeit auch wie früher in der Küche, dort gibt es Gott sei Dank noch einen kleinen altmodischen Durchlauferhitzer. So viel zum Luxusleben in Cannes.

Heute scheint also wieder die Sonne, sodass das Wasser heute abend lauwarm sein könnte. Ich werde dann natürlich sofort ein Bad nehmen, rückwirkend und präventiv sozusagen, wer weiß, wie lange das Wasser so lau bleibt!

PS: Verzeihen Sie mir die reißerische Überschrift, aber was tut man nicht alles, um Leser auf den Blog zu locken… ;)

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12 Antworten auf Cannes im Schnee…

  1. Nicole* sagt:

    Ich höre schon den ganzen Vormittag Radio aus dem Elsass bzw. korrekterweise aus Lothringen (fragen Sie nicht warum)… und im Wetterbericht höre ich immer nur la neige et froid… Man scheint selbst dort keinen wirklichen Winter gewöhnt zu sein. Und hier in NRW? Kalt. Ja, -10 Grad in der Nacht, aber kein Schnee und jetzt strahlender Sonnenschein und „nur“ noch -3 Grad.

    • Wolfram sagt:

      Also hier in Lothringen, im Vogesenmassiv, ist es saukalt (zwischen -6° am frühen Nachmittag und -15° am frühen Morgen), aber Schnee liegt nicht. Vielleicht unten in der Moselle, aber die reden ja eh moselfränkisch und sind keine rechten Franzosen *duck*

      Wo in NRW kriegt man denn lothringisches Radio, und welchen Sender?

      • dreher sagt:

        Danke für den aktuellen Wetterbericht aus Lothringen… ich schalte weiter zu Nicole… Nicole, bitte melden…

        • Olaf (Hamburg) sagt:

          (Bröp-fiep-knarz… nicht um sich in der Temper’tur’onferenzschaltung-vordrängeln-zu-wollen-doch-es-drängt-ob-der-akuten-Lage-hier-im-Norden !!)

          …Fiep-tirilüü-bratz-knatter-piep-funk… !
          Hier ist zwar nicht ‚icole, sondern ‚amburg-Radio, Olaf, der von der ‚ältefront aus dem Nord.’n fiep-knatter-brumm-tröt ! berichtet.
          Hier ist es sehr ‚xtrem, es friert und knackt, es ‚errschen ‚ier zur Zeit sehr…fiep-brumm… ‚eftige Minustemp’raturen. Rausch-knörz-plopp.
          Das Püschelmikrof’n ist schon lange… knatter-brätz – ’ngefroren. Es ‚ilft nur noch Glühwei… mit Schuß, alle ‚ickeln ‚ich in Decke‘ ein und ‚uscheln, um zu ‚berleben, in ‚iese‘ Kälte.
          Wir ‚erden weiter aus dem ‚entrum des ‚eschehens berichten, ‚obald es ‚öglich ist.
          ‚leiben Sie dran. ‚itte. Oder sehen Sie ‚etterbericht im ‚ernsehen.
          :-)
          ‚rüher ‚aben wir das Winter ‚enannt.

          • dreher sagt:

            Danke, Olaf für den eindringlichen Bericht von der Kältefront aus dem Norden, im Namen aller LeserInnen bedanke ich mich für diesen geradezu übermenschlichen Einsatz, bei diesen Witterungsbedingungen noch auf Sendung zu gehen… Olaf? Hören Sie uns? Sie haben den sogenannten Winter erwähnt… ich erinnere mich dieses Wort schon gehört zu haben, ich verspreche, wir werden recherchieren und gegebenenfalls berichten, wenn wir wissen, was es damit auf sich hat… ich schalte zurück ins Funkhaus…

  2. dreher sagt:

    Ich vermute Ihr Monsieur möchte in der Katastrophe nah bei den Seinen sein –
    man muss sich ja zumindest virtuell zusammenglucken, trösten und wärmen… ;)
    oh, aber kalt ist es hier auch! Oha! Monsieur musste heute die Autoscheibe frei kratzen, zum ersten Mal seit dem harten Winter von 1946 … ok, kleiner Scherz… ;)
    Ich hoffe, Sie habens warm!

    • Nicole* sagt:

      Ich habe ihn ehrlich gesagt noch gar nicht nach der Lage in der Heimat (Corrèze) befragt… Aber wenn es ganz schlimm kommt, werde ich die virtuelle Bemitleidungsaktion sicher live miterleben dürfen, noch zumal die belle-mère morgen Geburtstag hat ;-)

      • dreher sagt:

        oh! na, da haben Sie morgen ja bestimmt ein ausgiebiges Gesprächsthema, gucken Sie nochmal aufs Außenthermometer, Temperaturen kommen immer gut! hihi ;)

  3. Olaf (Hamburg) sagt:

    Hier kommt Trost:

    http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-78104-5.html

    So hätte es aussehen können. ;-)

    • dreher sagt:

      jaha… hach… danke — ich nehme mal ein bisschen Sarkasmus zurück, in einigen Orten hat es wirklich ordentlich geschneit, Korsika zum Beispiel ist auch versunken im Schnee. Gibt auch mal wieder viel Stromausfall…

  4. Claudia aus Quinson sagt:

    Dass das mit den Sonnenkollektoren selbst an der Cote nicht klappt ist ja sensationell! Also im negativen Sinne. Wer hätte gedacht, dass das bei bedecktem Wetter – also im Winter – nicht richtig funktioniert!
    Wir haben hier auf 550m Schnee ohne Ende, welch eine Pracht! Keinen Stromausfall; den gab und gibt es wohl eher Richtung… Cannes ;-)

    • dreher sagt:

      ach liebe Claudia,
      genieße es! ich hatte genug davon in den Bergen, reicht für ein paar Jahre… ja, habt Ihr auch Kollektoren? Tatsächlich muss ich mich mal schlau machen, so kann das nicht gemeint sein…
      habt es warm, und brecht euch nix beim Schneemann bauen!