kurzes Gemecker

Gerade habe ich meine vierteljährliche Steuererklärung abgegeben, gönne mir jetzt einen Kaffee und gebe mir das nostalgische SWR1 auf die Ohren und muss mal kurz meiner Genervtheit über den SPAM, der mich seit einiger Zeit überschwemmt, Ausdruck verleihen. Ein Spam kommt ja selten alleine, immer ist es ein grosser Schwarm, der sich in meine virtuelle mail-box ergießt. …

Immerhin schon in die Spam-mail-box, es nervt aber trotzdem.  Spam sieht auch immer mal wieder anders aus, vermutlich, damit man nicht abstumpft, sondern immer wieder erstaunt einen kleinen Spam aus dem Briefkasten zieht und sagt „ach, was haben wir denn da? Ein neues Viagra-Spämchen, wie süss…“.

Gerade haben wir eine Spam-Phase mit kurzen, knackigen Botschaften: Ich soll Viagra oder gefakte Luxus-Handtaschen kaufen. Jetzt. Sofort. Los. Ich bin ja dafür bekannt, dass ich beides ständig online erwerbe, insofern passt das…

Kürzlich jedoch waren es lange blubberige Texte, die aus anderen Kommentaren oder Blogs stammten, und die auf den ersten Blick gar nicht so spam-ig aussahen. Nur haben sie inhaltlich nix, aber auch gar nix mit meinen Beiträgen zu tun, was ich aber auch erst gemerkt habe, nachdem ich ein paar davon gelesen habe. Der Unterschied ist, dass ich die 117 knackigen Kauf-Viagra-aber-dalli-Spam-mails von heute Nacht schnell durchscrollen und wegwerfen kann, während ich für die 73 gefakten Kommentare, wo jeder einzelne jedes Mal eine DIN A 4 Seite lang ist, deutlich länger brauche. Ich könnte sie natürlich gesammelt und unbesehen mit Häkchen versehen und per Klick wegwerfen, aber neulich war tatsächlich ein echter Kommentar im falschen Ordner, sehense, und wenn ich den übersehen hätte…?!  Tant pis, würde der pragmatische Franzose antworten, bisschen Schwund ist immer.

Dann gibt es immer wieder sinnentleerte Buchstabenkombinationen. Was soll das?, frage ich mich. Ein Spam-Schreiber lernt sein Handwerk? Danke an Gerd Ziegler für diesen Gedanken, übrigens. Aber vermutlich sind es die dazu passenden wunderbaren mail-Adressen, die ganz subtil Kaufanreize liefern sollen: kauftbilligewaschmaschinenwaschmaschinenbilligbillig.com. In die gleiche Sparte fallen sogenannte Fans, die meine website lieben: „hello aufildesmots“, schreiben sie, „lovely blog, extrem geniale website, schon lange nicht mehr so was Tolles gelesen, kaufe die billigsten Zigaretten jetzt billigbilligkaufejetzt… und soweiter. Ächz, es ermüdet…

Ich lösche diese Spam-mails jetzt nicht mehr, ich komme nämlich nicht mehr nach. Ich habe das Gefühl, wenn der Spam-Ordner leer ist, spricht sich das in Windeseile in der Spam-Szene rum: dokEnfof ruft ropnoisa und nuknimpog zusammen: „schnellschnell was ins Postfach stecken: falsches Chanel, gefaktes Gucci, faules Vuitton, billige Zigaretten oder cheapest Viagra, irgendwas wird sie schon wollen, wenn wir sie nur ordentlich zumüllen… „. Um ein Uhr nachts lösche ich 89 Spams, am nächsten Morgen um halb acht habe ich bereits 117 neue. Uargh! Ich befürchte, dass ein gut aufgeräumter Briefkasten Lust macht, sofort wieder Post einzuwerfen. Daher lasse ich jetzt alles drin. Also im Sinne von „der Briefkasten quillt eh schon über, lasst es besser gleich, ihr seht doch, es ist niemand zu Hause, lohnt nicht, noch einen Prosepekt reinzustopfen“. So habe ich es in 24 Stunden auf nur 192 Spams gebracht und habe das Gefühl, die Spam-Box füllt sich merklich langsamer. Aber vielleicht ist das auch nur Einbildung.

Dann aber kommt immer häufiger auch noch unverlangte Post im richtigen Briefkasten an: Menschen finden es einerseits ganz toll, dass mein superspannender Blog noch ganz ohne Werbung ist, wollen das andererseits aber sofort ändern. Wir finden bestimmt was Hübsches, was halbwegs inhaltlich passt, ein bisschen blinkt und mir zusätzlich einen Hunderter auf dem Konto einbringt. Die erste Anfrage war noch richtig nett, seriös und ich habe tatsächlich kurz überlegt. Nun aber kommen andere Anfragen, wo mich schon der vorgekaute Stil nervt: „deine Website ist mir wegen der ansprechend aufbereiteten Themen und Gestaltung aufgefallen. Vor allem deine Themenvielfalt hat mich begeistert. Wir haben Interesse, auf deiner Seite einen Artikel zum Thema „Möbel & Wohnen“ zu buchen. Die Vergütung liegt bei 120,- Euro einmalig.“

Super. Der Text leidet jedoch etwas an der Anredeform, wenn der guten Dame mein Blog so schön aufgefallen wäre, wie sie vorgibt, hätte sie möglicherweise meinen Vornamen herausgefunden und müsste mich nicht mit „Hallo dreher“ anreden. Ich hatte kurz Lust eine ähnlich gelagerte Antwort an „Hallo Greim“ zu schreiben, habe es aber zugunsten eines Textes in meinem extrem gut aufgearbeiteten Blog gelassen. So haben alle was davon, fast so schön, wie echter Spam, nicht?!

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11 Kommentare zu kurzes Gemecker

  1. David Schulte sagt:

    Wunderbar geschrieben ;-) Merci!!

  2. ichbins sagt:

    … eine Steuererklärung pro Jahr ist ja schon mehr als nervig – aber gleich vier … nein vielen Dank

    • dreher sagt:

      äh tja, mit „nein Danke“ komme ich da nicht wirklich weiter… isso hier…

      • Wolfram sagt:

        Ich mach doch auch nur eine – ist das bei dir wegen freiberuflicher Tätigkeit?

        • dreher sagt:

          naja, hab ich vielleicht nicht richtig gesagt, es ist nicht DIE Impots-Steuererklärung, die ist einmal im Jahr, es ist URSSAF, Sozialversicherung, das ist vierteljährlich – ich bin micro-entrepreneur.

  3. Elke D. sagt:

    Oh, wie furchtbar. Da waren die Spam-Crawler oder Spam-Robots (oder wie auch immer die Racker heißen) aber tüchtig. Unbedingt Spam-Filter beim Mail-Server und Mail-Client scharfstellen, notfalls ein kostenloses Programm noch dazuschalten. Vollends schützen kann man sich nicht. Und schließlich möchte man ja auch „gefunden“ werden – von den richtigen Lesern, Usern, Interessenten natürlich… ;-). Deshalb – statt ärgern – das hier gucken: http://www.youtube.com/watch?v=anwy2MPT5RE. Have fun…!

  4. Olaf sagt:

    “‘ hello aufildesmots‘, schreiben sie, ‚lovely blog, extrem geniale website, schon lange nicht mehr so was Tolles gelesen, kaufe die billigsten Zigaretten jetzt billigbilligkaufejetzt‘ “

    Hallo Du gute,
    liebe Christjann,

    längere Zeit habe ich nichts von mir hören lassen, nun bin ich wieder dabei – das alles ist ja seehr nervig, ich/ meine Mehlbocks hat auch in diesen Wochen diese Krankheit. Wahrscheinlich hast Du irgendwo auf irgendjemandenetwas per e-mail reagiert und damit Deine Adresse verbreitet. Oh je. Nerv !!
    Sei tapfer. Es wird aufhören. Nur: Nicht darauf mit einer e-mail reagieren, denn sonst weiß der Absender(-computer) , daß Deine e-mail-Adresse wirklich existiert. Und dann…

    Liebe Grüße aus dem herbstlichen Hamburg (mit wunderschönen Farben der Bäume/ des Laubes)
    von
    Olaf

  5. Gerd Ziegler sagt:

    Uuuuaahhhh… und jetzt bekomme ich e-Post aus Polen.
    Der Schreiber schreibt zwar einen englischen Text, aber auf der polnischen Website will mir dann doch jemand etwas verkaufen (sagt Google-Übersetzer).

    Sende diese SPAM, äh – Nachricht an 3’000.000 Deiner Nachbarn und Freunde und Du bist sie los…

    Danke fürs Verlinken ;-)
    Grüße aus SPAMhausen