Nizza d’antan

Gerade ist es ein bisschen grau in grau hier unten, insofern passen die leicht altmodisch-angegilbten Eindrücke aus Nizza gerade ganz gut. Dort war ich heute zu einer typischen Frauen-Vorsorge-Untersuchung, über die wir in Würde schweigen wollen. Das Viertel rund um das Hôpital St. Roch mag ich gerne, irgendwie ist es dort noch ein bisschen altmodisch. Ich war erstaunt dort einen riesigen Briefmarken- und Münzen-Laden zu finden. Riesig, wirklich. Lohnt sich das noch? Wer sammelt denn heute …

… noch Briefmarken?, frage ich mich. Obwohl das wirklich alles kleine Kunstwerke sind. Schauen Sie mal die hübschen Comiczeichnungen zur Kommunikation an. Aber wirklich wert sind sie kaum noch etwas. Wenn Sie die komplette Serie der monegassischen Sondermarken, die anlässlich der Hochzeit von Grace und Rainier herausgekommen sind, brav seit 1956 aufgehoben haben, dann haben Sie heute damit das kleine Vermögen von 7 Euro in der Tasche. Wie traurig. Aber vielleicht ist ja mit den togolesischen Mickymäusen zukünftig noch was zu holen.

Es gibt dort in der Nachbarschaft auch eine Orfèvrerie. Ich kannte zwar den Quai d’Orfèvre in Paris aus Simenon-Krimis, aber ich dachte, das sei irgendein Name: Sieh an, ein Juwelier oder Goldschmied ist das. Hier gibt es funkelndes Silber. Daneben verzuckerte Rosenblätter und nur ein paar Schritte weiter eine Mercerie, ein Kurzwarenladen. Weiß eigentlich noch jemand was Kurzwaren sind? Knöpfe, Bändchen, Litzen, Spitzen… in diesem Fall aber sind es Miederwaren, die noch in Kartons lagern und von einer resoluten Verkäuferin angereicht werden, die natürlich ein geschultes Auge für jedweden Brustumfang hat. Mich erinnert das an den Laden, in dem in meiner Kindheit kratzige Strumpfhosen erstanden wurden, Frau Malgut, hieß die Dame… was nicht alles noch in meinen Hirnwindungen gespeichert ist …

Eine kleine Akzidenz-Druckerei mit eindrucksvoller Druckmaschine, die leider durch die Fensterspiegelung nicht richtig erkennbar ist. Und daneben Antiquitäten. Montags ist leider vieles geschlossen.

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11 Kommentare zu Nizza d’antan

  1. Gerd Ziegler sagt:

    Briefmarken wirken im Zeitalter von E-Mail & Co. auf mich schon fast archaisch. Heute POSTet man seine Korrespondenz per Mausklick.

    „Darf ich Dir meine Briefmarkensammlung zeigen?“ Dieser Satz verliert bald seine Bedeutung. „Was bitte sind Briefmarken?“ kommt dann als Antwort.

    Ich weiß schon gar nicht mehr wie die Rückseite einer Sondermarke schmeckt…

  2. Karin sagt:

    Akzidenz-Druckerei? Ich muss mich outen, ich hatte keine Ahnung, was das ist. Dank Tante Google bin ich nun „erleuchtet“. Hier ist es übrigens genauso grau, genauer gesagt waschküchengrau, richtig Herbst halt. Mit etwas Glück kommt aber nachmittags vielleicht die Sonne raus und man kann wieder hemdsärmelig raus.
    Karin

    • dreher sagt:

      Naja, ich komme aus dem Metier so halbwegs zumindest, und ich fand das klang schöner und altmodischer als nur Druckerei ;)

  3. Eva sagt:

    Hallo,
    als „Postlers-Kind“, wie wir im Schwäbischen sagen, wenn der Papa bei der Post beschäftigt war, kaufe ich eigentlich immer Sondermarken, vor allem im Urlaub. Dazu muss man natürlich auf´s Postamt gehen und in der gewünschten Sprache dort radebrechend am Schalter nach Sondermarken verlangen (ist immer auch ein Abenteuer, echt spannend). Am schönsten war es mal in Dublin: da war der Schalterbeamte mit dem Zusammenzählen der Markenwerte dermaßen beschäftigt, wir haben uns doch auch gewundert….aber zum Schluß kam er auf ein Ergebnis!
    So erlebt man erstens untouristischen Alltag im jeweiligen Land und hat zweitens oft eine schöne Auswahl an lustigen/seltsamen/interessanten Briefmarken, die jede Postkarte schmücken. Und: ob man es glauben mag oder nicht, in Deutschland sind die Postkarten so ziemlich am billigsten zu verschicken, zumindest im europäischen Vergleich!
    So, jetzt aber genug der „Klugscheißerei“ für heute,
    herzliche Grüße,
    Eva

    • dreher sagt:

      Schöne Idee! Ich schreibe viel zu wenig, merke ich… hier gibt es schöne Sondermarken, aber immer nur für das Inlandsporto und sie sind selbstklebend, aber immerhin, … Um Post damit ins europäische Ausland zu schicken, muss man dann immer noch mal 5 oder 10 cents dazukleben… hier kann man aber jedes Format zum gleichen „normalen“ Wert verschicken, rund, klein, quadratisch, … es gibt keine Norm-Postkarte, das finde ich angenehm. Päckchen nach Deutschland aber kosten mindestens das Doppelte wie Päckchen aus Deutschland!
      ganz verstanden habe ich das nicht mit dem Schalterbeamten in Dublin… ?! nix für ungut ;)

      • Eva sagt:

        Also, der Schalterbeamte in Dublin, der für´s Briefmarkenverkaufen zuständig war, hatte wahrscheinlich eine massive Rechenschwäche. Aber wahrscheinlich war es sein Wunschberuf, und den konnte ihm keiner abschlagen! Es gab keinen Computer oder Scanner wie bei uns auf der Post, er musste das alles im Kopf ausrechnen, bzw. mit den Fingern.
        Aber siehst Du, so hat jeder seine Schwächen, ich hatte heute Mittag wahrscheinlich eine Erklärschwäche…

      • Wolfram sagt:

        Oh, gestern habe ich für ein Paket nach Deutschland über 25 Euro gelöhnt. Das muß ich aber noch mal überprüfen, das kann eigentlich so nicht stimmen… und dann werde ich mich über Alternativen informieren.
        Es gab übrigens eine Phase, da waren Briefe aus Frankreich ins europäische Ausland einfach mit der roten Marianne zu frankieren, wie die lettres prioritaires fürs Inland auch. Hat aber nicht angehalten.

        • dreher sagt:

          Ich weiß, kann mich noch genau an den Moment erinnern, wo der Postbote mir meine Briefe wieder zurück auf den Hof brachte und mir erklärte, dass ich zukünftig das „blaue carnet“ verwenden müsste… aber 25 Euro wundern mich überhaupt nicht. Unter 16 Euro geht gar nix… :(

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