Kreativität und Courage

Heute etwas ganz anderes, nix Cannes, nix Mimosen, nix Zitronen, nix Karneval. Doch doch, der Karneval in Nizza geht noch bis zum 6. März – und hat überhaupt erst nach dem Aschermittwoch angefangen. Da krieg‘ ich ja jedes Jahr einen Anfall, wenn die Kinder sich erst Mitte März als Schlumpfinchen oder Ludwig XIV verkleiden. Wo bleiben denn da die Traditionen … heul! Der Karneval ist hier rein touristisch, ein Frühlingsfest eben, neben dem Mimosenspektakel in Mandelieu und dem Zitronenspektakel in Menton.

Zu letzterem werde ich dieses Jahr auf den letzten Drücker vermutlich doch fahren, hoffe, die Zitronen sind noch nicht ganz verschimmelt bis dahin, es war ja die längste Zeit schön kalt. Es gab ein Jahr, da mussten die Zitronen mit Farbe angesprüht werden, weil sie schon so grünstichig waren … Aber das wollte Ihnen gar nicht erzählen, sondern ich wollte Sie vielmehr teilhaben lassen an einem Online-Seminar, mit dem ich mir die Fastenzeit versüße. Doch, doch, ich lebe die Fastenzeit bewusst. Seit drei Jahren mache ich das – unterstützt von der Aktion „7 Wochen anders leben“ des überhaupt wunderbaren Vereins andere zeiten in Hamburg. Nun, anders leben in den sieben Wochen vor Ostern muss ja nicht der Verzicht auf Alkohol, Schokolade oder Fernsehen sein, wobei ich mich tatsächlich zum Verzicht auf Kaffee durchgerungen habe, mein Lieblingslebensmittel neben Schokolade und es geht! Auf Schokolade konnte ich aber nicht auch noch verzichten. Alles in Maßen. Aber dennoch ein bisschen anders leben. Sieben Wochen lang. „Ich bin eigentlich ganz anders, ich komme nur so selten dazu“ heißt der Titel der Begleitbroschüre.

Zeitgleich bin ich auf dieses Kreativ-Online-Seminar gestoßen, zu dem ich mich spontan angemeldet habe. Und bekomme jetzt, wenn auch nicht sieben, so doch sechs Wochen lang, jeden Tag, selbst am Wochenende, einen kreativen Impuls. Eine Aufgabe, ein Thema, ein Interview. Farbe, Spiritualität, Lebendigkeit. Wer sagt denn, dass die Fastenzeit nur karg und schwer sein muss? Anders eben. I am delighted. Genau, das Ganze ist in Englisch, was es mir manchmal nicht eben leicht macht, ich habe ein Online-Wörterbuch installiert, um nicht immer so nach Worten zu ringen. Es ist toll! Am meisten beeindruckt bin ich von den Interviews. Was andere Frauen so machen, was sie für Ideen haben, wie sie sie durchsetzen. Genial!

Ich schicke Ihnen mal ein paar links. Als erstes den zu Lisa Congdon, deren Idee, auf ihrem Blog jeden Tag eine kleine Sammlung vorzustellen, ich sooo inspirierend finde. Ich habe gleichmal meine Tesafilmdosen fotografiert. Falls sie noch welche haben, die sie nicht mehr wollen, nur her damit!

Dann mag ich das Projekt Type-Writer/Rider. Mit einer Schreibmaschine im Gepäck radelte Maya Stein vierzig Tage lang bis nach Milwaukee (dem Geburtsort der Schreibmaschine) und stellt überall, wo sie ist, das himmelblaue Schreibmaschinchen auf, und lässt die Menschen schreiben. Toll, oder?

Und dann gibt es einfach wundervoll kreative Menschen, die Keramik herstellen, die ich sofort komplett erwerben möchte, oder schöne kleine Werke multimediaherstellen mit anrührenden Sprüchen.

Nebenbei (eine der Aufgaben) habe ich mich selbst in einer Postkartenproduktion verkünstelt. Stöhnte ich am Anfang noch innerlich und dachte, wann soll ich das denn noch machen?! Und war ich zunächst noch etwas ungeschickt mit dem Kleber, werde ich langsam besser und finde mehr und mehr Spaß am Basteln. DIY heißt das ja heute, Do it yourself. Zu meiner Zeit hieß das noch Basteln. Gut, sagen wir kreativ sein. Jetzt kann ich kaum noch aufhören.

Vielleicht sind Sie eine von den vielen jungen Näh-Frauen, die es zu meiner großem Überraschung gibt (Handarbeiten war soo out zu meiner Schulzeit), dann haben Sie ihr kreatives Feld schon gefunden. Ich bin seit je angezogen von Farben und traute mich nicht. Reicht es nicht, dass ich Wörter finde? Sei mal zufrieden, sagt es da streng in mir, und widme dich endlich deinem Buch, statt hier rumzuspielen und noch was anderes anzufangen. Aber ich will mehr, mehr … will Farbe, will Leichtigkeit, will Schweben und Tanzen, Singen …

Gestern fand ich in dem ganzen überbordenden Farbkarneval einen Satz „Remember who you wanted to be“. Genau, ich bin eigentlich ganz anders, ich komme nur so selten dazu. Anders leben. Wenigstens für sieben Wochen. Courage!

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11 Antworten auf Kreativität und Courage

  1. Vici Daniel sagt:

    oh wie schön… da wünsche ich tolles Gelingen… ich habe in mich geschaut und gesucht und nix kreatives gefunden… uppss also dieses Jahr lasse ich dann zur Strafe für mich und ja, es ist eine Strafe, die Schokolade weg, vielleicht führt das dazu, dass ich nächstes Jahr um diese Zeit eine kreative Ader in oder an mir finde… seit meinem letzten Berlinbesuch hab ich Fimo hier, denn nachdem ich jahrelang erfolglos mir gefallende Serviettenringe gesucht hab, hatte ich eigentlich vor, mir selbst welche zu basteln… nun, als Entschuldigung, dass das Fimo noch jungfräulich seit 3 Wochen auf dem Tisch der Beknetung wartet, kann ich anbringen, dass ich noch azetonfreien Lack brauche UND, dass ich seit 3 Wochen keine Schokolade esse ;)

    Liebe Grüße von rechts nach links

  2. Eva sagt:

    Hallo,
    ja, ich hab auch vor 2 Jahren die 7 Wochen anders leben mit dem schönen Spruch für mich entdeckt. Ich verzichte auf Alkohol. Außer: ich geh in´s Konzert mit Freundinnen und dann bringen die mir unaufgefordert einen Aperol mit….einfach so…..muss man dann doch 5 gerade sein lassen. Und hinterher wieder weitermachen.
    Noch schöner finde ich von andere.zeiten die Adventskalenderaktion. Das ist ein sehr erfreulicher Verein. Da finde ich es manchmal schon sehr schade, dass Hamburg von mir so weit entfernt ist.
    Grüße an die Mimosen! Und natürlich an Dich!
    Eva

    • dreher sagt:

      Genau so. Den Adventskalender finde ich auch ganz ganz schön! Schenkt mir immer eine Freundin.
      Ich fand die Briefe vor drei Jahren soo passend, als seien sie extra für mich geschrieben, dieser eindringliche Effekt nimmt im Laufe der Jahre wohl etwas ab … dennoch …
      liebe Grüße!

  3. Karin sagt:

    Hallo Christiane,
    Vielen Dank für Deinen inspirierenden Text und die Links! Das Projekt Type-Writer hat mir besonders gut gefallen:- ) Und auch vielen Dank für Deine anderen Artikel mit den wundervollen Farben und Düften, die mich hier von dem trüben, kalten Grau wegführten und zum Träumen einladen. Du schreibst wirklich ganz toll und man hat richtig das Gefühl, selbst zwischen den blühenden Mimosen zu stehen oder tief in die Welt der berauschenden Düfte einzutauchen.
    Seit ein paar Monaten besuche ich hier ein Nähcafé – nicht staubig, nicht altmodisch, sondern einfach nur wunderbar kreativ udn inspirierend! Man kann da quasi im Abo nähen: 10 Stunden für 5 Euro die Stunde und einfach hingehen, wenn das Café offen ist. Die Inhabrin entwirft und näht Kleider, es gibt eine Tasse Tee und man erhält fachkundige Tipps und Hilfe und kann die Nähmaschinen und anderen Nähutensilien verwenden. Das ist hier der volle Renner und hat bestimmt nicht nur mit den wirtschaftlich schlechteren Zeiten zu tun. Kreativität gibt so viel Energie und Lebensfreude, schärft die Sinne und macht Lust auf mehr:- )
    Viel Spaß und gutes Gelingen mit Deinen kreativen Ideen und Deinem nächsten Buch… – ich freue mich schon drauf:- )!
    Liebe Grüße aus dem Land der Tulpen (die vorerst jedoch nur drinnen blühen;-),
    Karin

    • dreher sagt:

      Vielen Dank für so viel Lob *blush* ;)
      Das mit dem Nähcafé klingt prima – ich war letzten Herbst ganz kurz in Amsterdam, ich war beeindruckt von der lebendigen und kreativen Atmoshäre – ich habe so tolle Schaufenster und Läden gesehen und fotografiert, wirklich außergewöhnlich!
      Danach habe ich sofort hier Tulpen gepflanzt, aber ich weiß nicht, ob sie kommen wollen – vermutlich war es ihnen nicht kalt genug ;)

      • Marion sagt:

        Karin hat es schön in Worte gefasst, wie inspirierend Deine letzten Texte wirken. Mir gefallen Deine Tesadosen besonders gut. Bewährtes deutsches „Industriedesign“ ansprechend in Szene gesetzt. Sogleich habe ich meine Tesadose rausgekramt, besitze nur die kleine Version, und mir vorgenommen, sie unbedingt wieder zu benutzen. Haben was Nostalgisches, diese Teile.
        Die Info von Karin mit dem Nähcafé ist auch toll. Wundert mich, Christiane, dass in Deiner Jugend Handarbeiten „out“ waren? Ich kann mich gut an Weben im Kindergarten, Häkeln in der Grundschule (Teddy), Stricken im Unterricht in der Oberstufe (waren das Zeiten!) und Nähunterricht erinnern. Die Lust auf Selbermachen hat sich bei mir auch noch gehalten, als ich meine erste eigene Wohnung bezog. Da hab‘ ich genäht (Vorhänge, ein Plaid, ein Badetuch), gemalt (kleine moderne Bildchen mit Wasserfarben), gestrichen. Außerdem getanzt und musiziert. Und jetzt? Nix mehr. Insofern verstehe ich Dein Bedürfnis, Dich über die Worte hinaus auszudrücken, sehr, sehr gut und wünsche weiterhin viele Ideen. Bon courage!

        • dreher sagt:

          äh tja, stimmt, hab ich alles auch gemacht, gewebt und Topflappen gehäkelt, ging aber nur bis zur 4. Klasse – und Nähen, so richtig, habe ich nie gelernt (nur meinen Barbiepuppen Stoffmuster umgebunden und Löcher reingeschnitten), und in der Oberstufe habe ich nicht mitgestrickt – vielleicht waren auch nur bei MIR Handarbeiten out. Umso erstaunter war ich über meinen Strickschub im Winter ;)

  4. Stephanie sagt:

    Thank you so much! I’m so happy that you enjoyed the course and you are a wonderful inspiration yourself :) Sending you warm hugs today from Berlin, danke sehr!!! xoxo