Sommerfreuden oder Lob der Begonie

Warum schreibt sie denn nicht, wenn sie doch sogar Internet da oben hat, haben Sie sich vielleicht gefragt. Erst hat sie das so vollmundig angekündigt und dann …?! Ich sags Ihnen, die Ferien waren anstrengend. „Ferien!“ Dass ich nicht lache.

Mehrere Wochen auf engem Raum umgeben von viel Familie nennt sich zwar Ferien, ist aber anstrengend, also zumindest für mich Einsiedlerkrebs, der es gern ruhig und einsam hat. Einsam. Genau. Was machst du denn da oben in der Einsamkeit so lange, fragte mich zwischenzeitlich eine Freundin – welche Einsamkeit, frage ich zurück? Nichts ist geselliger als ein kleines Dorf, je weniger wir sind, desto dichter rücken wir zusammen – das ist im Sommer nicht anders als im Winter. Und in dieser Sommer-Dorfgemeinschaft gibt es seit je kleine Rituale, die aufrecht erhalten werden wollen – da wird hier zum Essen eingeladen, dort zum Sardinen grillen, hier zum Boule spielen und zum Apéro und noch woanders zum Pizza essen. Und da muss man sich natürlich einfügen, das gehört sich so: heute ein kleiner Apéro für alle, morgen werden die Nachbarn von links unten zum Essen eingeladen und solange noch die Mutter von X da ist, müssen wir auch noch schnell etwas machen, einen Apéro zumindest. Irgendjemand steht also ziemlich viel in der Küche und bereitet Tartes und Häppchen oder aufwändige Essen vor. Fragen Sie mal wer?! Genau, meine schnelle Alltagsküche, die in der Regel ein kurzgebratenes Stück Fleisch, Nudeln, Polenta, Gnocchi oder Reis, etwas Gemüse oder einen Salat und zum Nachtisch einen Joghurt vorsieht, wurde durch den eisernen Willen meiner Schwiegermutter in ausufernde Essen umgewandelt mit aufwändigen Vorspeisen, Aufläufen, Gratins, Braten, Tartes, Kuchen, Cremes, Käse und Kaffee. Mittags und Abends und von mir zubereitet, wohlgemerkt. Nach ihren Vorstellungen versteht sich. Ihre Hilfe bestand vor allem darin, in der Küche zu sitzen und mir kontrollierend beim Zubereiten zuzusehen und mir unfreundliche Tipps zu geben: Nicht dies und nicht das, keinesfalls so und auch nicht so, wenig fand Gande vor ihren Augen und in ihrem Gaumen. Es wurde nicht leichter für alle Beteiligten, dass sie eines Morgens gefallen ist und sich den Ellbogen verletzt hatte. Nach fünf Wochen entwickelte ich spannende Krimi-Szenarien und wünschte sie mir sehr weit weg. Sie reiste dann auch früher ab, denn sie machte sich zusehends Sorgen um den Ellbogen, der, wie wir nun wissen, tatsächlich gebrochen ist. Und nein, ich schwöre, ich habe sie nicht geschubst! Im Anschluss hatte ich meine angeheirateten Enkel zur Aufsicht – im Vergleich dazu ein Vergnügen, für die ich dann ganz freiwillig neben Hühnchen und Nudeln noch Brot und Kuchen backte, Halbgefrorenes und Sorbets zauberte, Flans und Cremes anrührte, was sie alles genüsslich mampfend (oooh echte Schlagsahne! das machst du jetzt immer, wenn wir kommen, Christjann, ja?) in Windeseile verputzten. Nebenbei wurde übrigens auch noch etwas Johannisbeergelee gekocht. Anstrengend war es natürlich auch, denn ich bin es nicht gewohnt, dass ich alle zwei Sekunden gerufen werde, um ausgefallene blutige Milchzähne zu bewundern oder eigenartige Käfer anzusehen, Wespenstiche zu behandeln, oder dass ich ständig die Welt erklären muss („was ist das für ein Käfer? Stein? Wurm? Pilz?“, „Antoine sagt, es ist Gott, der es regnen lässt, das ist doch Quatsch, oder?“) Streit schlichten, Tränen trocknen, Pflaster aufkleben und schon wieder Kakao für fünf kochen und Kekse für das Hüttenleben herausrücken muss. Denn hier werden noch Hütten gebaut, zu meiner Zeit hieß das Lager und war ungleich primitiver, die Hütte hatte sogar zwei Stockwerke und war heiß umkämpft und stetes Streitobjekt. Die Kids waren voller Blessuren und schmutzig, geduscht wurde aber nur im Notfall, höchstens alle zwei Tage, wozu hat man den Ferien?! Na also! Ich fand es bald ungleich stressfreier, nur die sichtbaren Körperteile mit einem Waschlappen zu säubern, als die ganzen Kinder jeden Abend heulend und widerstrebend unter die Dusche zu zwingen. So eine Zeitverschwendung, man hätte noch mindestens eine halbe Stunde länger spielen können, wenn ich sie nicht schon wieder zum Duschen gerufen hätte, murrte man mir ungnädig zu … Überhaupt war es war schwierig, vor den Kids wach zu sein und nach ihnen einzuschlafen. In diesem Alter muss noch so unendlich viel gespielt werden, dass die Tage nicht lang genug scheinen. Ich habe einen süßen dazu passenden Comic von Calvin gefunden, den ich versuche Ihnen hier reinzukopieren.

So in etwa. Nun, das alles war ermüdend und ließ mir wenig Freiraum für anderes, gearbeitet habe ich nämlich nebenbei auch noch, und das Internet war wirklich eine Hilfe dort oben. Es wird mir eine Freude sein, wenn ich Ihnen endlich etwas mehr dazu sagen kann – es hat mich ein paar Monate lang beschäftigt, glauben Sie mir das. Bald, bald … heben wir den Vorhang ;)

Wieder zurück, finde ich auf meiner kleinen Hof-Terrasse nur bis zur Unkenntlichkeit vertrocknete Pflanzengerippe. Die Nachbarin von oben hat, obwohl sie das Gegenteil beteuert, natürlich wieder kein einziges Mal gegossen. Außer den Kakteen und Begoniendickblättrigen Pflanzen von Monsieur ist nach sechs Wochen Trockenheit alles komplett hinüber. Alles? Nein, ein kleines Pflänzchen hat sich gegen die Hitze tapfer gehalten: die Begonie. Die Begonien hatte ich von meiner Schwiegermutter geschenkt bekommen, weil ich einmal unvorsichtigerweise in Ermangelung anderer Gesprächsthemen so etwas sagte wie „wirklich schön, Ihre Begonien!“ (man siezt sich hier in der Familie), daraufhin bekam ich im Frühjahr zwei kleine Körbchen mit rosafarbenen und roten Begonien geschenkt. Schockiert darüber nun 20 eigentlich hässliche kleine Begonien pflanzen zu müssen, wollte ich sie gern zurückgeben („Sie haben doch so gern Begonien!“) Man antwortete mir nur schnöde, fürs Blumen pflanzen habe sie dieses Jahr keine Zeit, aber ich sei ja die ganze Zeit zu Hause,  … dankeschön auch. Nicht, dass das Pflanzen von Begonien viel Zeit in Anspruch nähme, aber ich wollte sie einfach nicht. Nun, ich ließ sie zwei Wochen in ihren Plastikkörbchen warten, sie überlebten und ich pflanzte sie dann widerwillig überall ein, wo ich einen Platz fand. Ich pflanzte natürlich noch allerhand anderes, was ich mir selbst ausgesucht hatte. Keine Geranien mehr, nein, die werden hier gnadenlos von irgendwelchen Schädlingen von innen heraus abgefressen, aber Nelken, Lobelien, Tagetes, Lavendel und meine geliebten, wenn auch giftigen Wandelröschen, dazwischen immer duftende Kräuter. Die Lobelien waren ziemlich fragil dieses Jahr, die Tagetes wurden von den Schnecken ratzekahl abgefressen, der Rest einschließlich Rosmarin und Thymian, fiel komplett der Trockenheit zum Opfer, außer, ich fasse es nicht, den Begonien! Obwohl sie für den „schattigen Balkon“ empfohlen werden, sind sie mitten in der Sonne immer noch da und blühen unverdrossen in rosa und rot vor sich hin. Nicht üppig natürlich, aber gemessen an dem Pflanzendesaster auf meiner kleinen Terrasse, doch beachtlich. Die Begonie ist in meiner Achtung enorm gestiegen und wird hier ausdrücklich als wiederstandsfähig, anspruchslos und unkompliziert empfohlen. Die Begonie lebt! Es lebe die Begonie!

Voilà auf Wunsch einer einzelnen Dame kommen hier ein paar Fotos. Ich habe die Gerippe schon runtergeschnitten und die Begonien doch schon ein paar Mal gegossen.

Tod und BegonienRosmarin und Thymian SalbeiLavendel

So viel für eben. Danke, wenn Sie mir trotz langer Pausen gewogen bleiben … es grüßt Sie undsoweiter immer die Ihre …

 

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16 Antworten auf Sommerfreuden oder Lob der Begonie

  1. sabine kröner sagt:

    Tja, Christjann – die liebe Familie und die Dorfbewohner. So war das bei uns auch mal bis vor 30 Jahren, nicht nur in der Sommerfrische. Dann bin ich weggezogen, einige andere auch und der Rest ist peu à peu verstorben.
    Meine Schwiegermutter konnte zum Glück nicht kochen. Hat geduldig abgewartet, was ich in der Küche so zaubere. Meine eigene Mutter wurde aus der Küche verbannt, um sich mit Schwiegermutter zu unterhalten, haha. Die Kritik beim Essen war dann immer ein Lob für ihnen unbekannte Speisen. Wollte sie eigentlich nur ärgern mit im Schwabenland und Badischen nicht üblichen Gewürzen – und von weiteren Besuchen abhalten, aber nein, sie fanden das „interessant“.
    Mit meinem ausgeprägten Anspruch auf Eisamkeit hatte ich auch immer Probleme. Tür zu wurde nicht respektiert. Also ab ins hohe Gras der Wiesen oder auf einen Baum.
    Nun hatte ich einige Jahre Ruhe. Bis vor einer Woche, als mir der Besuch aller möglichen Verwandten aus Polen angekündigt wurde, u.a. auch mit Kleinkindern. Das gab großen Streit, bis hin zu dem genialen Vorschlag, ich solle doch ins Hotel ziehen. Habe mich inzwischen beruhigt und warte das mal ganz gelassen ab. Habe eine Luftmatratze und einen Schlafsack und kenne wunderschöne Plätzchen an der Playa.

    Last not least: die Begonie. Es werden bis heute alle unsere Gräber damit bepflanzt. Sie seien „dankbar“. Was wohl heißt, man muss sie nicht jeden Tag gießen und sie gedeihen ohne weitere große Pflege. In öffentlichen Grünanlagen in Heidelberg und rund ums Schwetzinger Schloss werden damit dank ihrer Farbenvielfalt Ornamente gestaltet. Ich mochte sie noch nie – sind so kleinbürgerlich wie Alpenveilchen oder Usambara. Zum großen Glück wachsen die alle hier nicht, zu viel Sonne. Es geht nichts über eine üppige Bougainvillia oder auch einen Oleander, der in D immer einging.
    Grüße dich ganz herzlich. Tu nichts mit den Begonien und der Schwiegermama – die sind zäh und kommen alleine durch ;)

    • dreher sagt:

      Danke Sabine, für deine Erinnerungen – liebe Grüße nach HD und Teneriffa und gute Nerven für den „fremden“ Familienbesuch ;)

  2. sabine kröner sagt:

    ich werde berichten :)

  3. Marion sagt:

    Hi Christiane,
    eine schöne „rentrée“ wünsch‘ ich Dir. Da hast Du ja turbulente Sommertage verbracht.
    Du mussst mal ein Foto von Deiner Terrasse einstellen, also wenn die Pflanzen sich wieder erholt haben. Lobelien, Tagetes und Wandelröschen hab‘ ich mir gerade mal im Internet angeguckt, nie gehört, aber ich bin auch keine Gärtnerin.
    Liebe Grüße aus dem verregneten Kölner Umland
    Marion

    • dreher sagt:

      Liebe Marion,
      habe eine (schon) bereinigte Version der toten Pflanzen und die bereits mehrfach bewässerten Begonien reingestellt. Ob sich Lavendel, Thymian, Rosmarin, Salbei und das Wandelröschen nochmal erholen, wage ich zu bezweifeln – vielleicht nächstes Jahr …
      viele Grüße aus Cannes

  4. Marianne sagt:

    So, so… sollten Sommerferien ja nicht gerade aussehen.
    Aber erst mal Hallo, liebe Christjann, schön, dass Du wieder zurück bist.
    Das habe ich mir fast gedacht, dass Du da eher als Non Stop Nanny für Granny und Konsorten herhalten musst. Dabei ist es so schön in den Bergen, man kann es sogar ganz alleine aushalten.
    Nun, wir hatten herrliche Tage beim Baden im Baggersee, dabei den einzigen Enkel, der uns aber auch schon ganz ordentlich auf Trab hält= Oooma mit, Oooopa spielen usw. Sein geringer Wortschatz hält ihn nicht davon ab, uns anschaulich zu erklären, was er will und nicht wir.
    Die Einladungen hielten sich die Waage und ich habe ehrlicherweise auf so manche Grillparty verzichtet, damit wir nicht noch eine Soirée bestreiten mußten. Da habe ich es vorgezogen, lieber schweigend mit meinem Michel auf unseren Terrassen ein Glas Wein (oder zwei…) zu geniessen und die Sinne und die Blicke weit übers Tal schweifen zu lassen.
    Auch unser Garten hat gelitten, aber wir konnten das Schlimmste verhindern, was aber auch bedeutete: Jeden Abend mindestens eine Stunde gießen.
    Dafür bombardiert mich jetzt meine Zucchini-Pflanze mit unglaublich vielen Früchten- alle möglichen Rezepte sind schon fast alle durchgekocht.

    Nun wünsche ich Dir und Thierry eine ruhigere Eingewöhnzeit
    Marianne

    • dreher sagt:

      liebes Mariannchen,
      danke für deinen schönen Ferienbericht, Postkarten oder gar Briefe habe ich natürlich auch nicht geschrieben, *schäm* … nun, hier ist viel liegengeblieben und will nun holterdipolter aufgearbeitet werden, Gottseidank ist es nicht mehr sooo heiß und nachts kühlt es ein winziges bisschen ab … ich verspreche jetzt nicht immer wieder dir zu schreiben, eines Tages tue ich es einfach (hoffentlich)
      bis dahin sei geherzt und grüße Michel
      bises
      Christiane

  5. ichbins sagt:

    Wie schön – ein Lebenszeichen aus Südfrankreich. Bei mit muss es heißen: ein Hoch dem Jioagulan – unsere Haus- und Gartensitter ( Stadtkinder ohne Garten und Balkon ) haben während unseres Urlaubs zwar meine Pflanzkübel auf der Terrasse gegossen, aber auch das vermeintliche Unkraut ausgerissen ! Heißt ja er nicht umsonst auch “ Pflanze der Unsterblichkeit “ — sie kommt wieder – also nicht die Hoffnung aufgeben.

    • dreher sagt:

      Jioagulan – o lá lá das musste ich erstmal googeln ;) Ich hingegen pflanze näxtes Jahr vermutlich nix mehr – Monsieur weiß schon, warum er seit je nur Kakteen und dickblättrige Pflanzen ansiedelt. Die Nachbarin s’en fiche completement

  6. Toni sagt:

    Mein Urlaub war diesmal ganz ganz anders. Nachdem mein Vater (85) im Juni mit Atemnot ins Krankenhaus gekommen war und sich offensichtlich nur langsam erholte, habe ich mich entschlossen, die zwei Sommermonate in denen in Marseille die Touristen einfallen und alle Bäcker und Metzger gleichzeitig im Urlaub sind, dieses Jahr in Wiesbaden zu verbringen uänd meinen Eltern zu helfen.
    Kaum angekommen fragte mein Vater: „Wann fährst du wieder, ich wollte Freunde in Hamburg besuchen und jetzt bist du da.“
    Soweit über noch vom Krankenhaus geschwächt.
    Meine Mutter (auch 85 ) hatte gesagt: „Werner kommt für ein paar Tage“ (Sie benutzt einen anderen von meinen drei Vornamen ) und hat gleich dazu gesagt, daß ich gekommen sei, um ihm zu helfen. Auch das kam nicht sehr gut an.
    Nachdem ich den Rasen gemäht hatte, wurde festgestellt, er könne das mähen selbst machen, er könne sich da ja gut am Mäher festhalten und meine Mutter sei viel zu wacklig auf den Beinen, ich solle mich doch lieber um das Unkraut und die viel zu wild gewachsenen Büsche in Mutters Gartenbereich kümmern.
    So ging der heisse Juli unter den Hecken und in den Blumenbeeten herum.
    Bis eines Tages mein Vater feststellte, daß sein schon vorbereitetes Holz für die Beheizung seines Gewächshauses in den kommenden zwei Jahren garantiert nicht ausreichen wird.
    Also wurde ich Lumberjack. Die noch im Garten installierten Klettergerüste und Schaukeln wurden genauso abgebaut, wie die nicht mehr benutzten Rankgerüste für Blumen meiner Mutter. Aus allen Ecken kamen Balken und Bretter zum Vorschein, in früheren Jahren in der Nachbarschaft gesammelt, nach dem Motto „Das kann man immer Mal gebrauchen“ und dieses MAL war jetzt gekommen.
    Letzten Samstag habe ich die Sägeorgie erfolgreich beendet. Hatte allen Schutt zum Müllplatz gefahren und meine Arbeitsgeräte und den Arbeitsplatz gründlich gereinigt als mir meine Mutter offenbarte, da sie jetzt zwei monate für mich kochen MUSSTE, brauche sie unbedingt Erholung in einem Wellneshotel in Bad Griesbach und ich solle ihr helfen meinen Vater zu überreden mitzufahren.
    Im Rückblick muss ich feststellen:
    Es war ein ganz toller Sommer. Ich habe einige Kilo zugenommen durch die gute Küche meiner Mutter. Mein Alterszucker ist verschwunden durch den SPORT den ich getrieben habe. Alle meine Muskeln sind noch da, soviel Muskelkater hatte ich seit Jahren nicht mehr.
    Nach Marseille gehe ich mit dem Vorsatz zurück meinen idealen Zuckerwert zu halten und ganz langsam mein Gewicht zu reduzieren.
    Es war ganz toll bei meinen Eltern zu URLAUBEN.

    • dreher sagt:

      Auch sehr charmant, deine Eltern, lieber Toni … ich hoffe, sie erholen sich bald von deinem anstrengenden Besuch ;) und du bist immerhin rechtzeitig zurück zur rentrée, re-bienvenue à Marseille … erhol‘ dich ein bisschen! (mein Vorsatz für die Zukunft: eine Woche Generationen übergreifende „Ferien“ sind genug!)
      liebste Grüße
      Christiane

  7. Karin sagt:

    Hach, da fühle ich mich gleich zu Hause bei diesen Berichten! Ich bin auch eine, die ihren Urlaub mehr arbeitend als urlaubend verbringt. Auch ich war in den Sommerferien bei meinen Eltern (85 und 81). Von den von mir schwungvoll geplanten Aufräum-, Fensterstreich-, Gartenpflege- und sonstigen Aktionen blieb nach genauso schwungvoll ausgeführten Abwehrattacken meines lieben Vaters wieder mal sehr wenig übrig – und wisst Ihr was: dieses Jahr hab‘ ich einfach nur innerlich geseufzt und hab’s akzeptiert. Hilft ja eh nix! Zwar kommen dann am Telefon hin und wieder die Beschwerden, wieviel Arbeit das Haus mache und was alles zu tun sei und in seinem hohen Alter ginge das aber nicht mehr lange, aber da muss ich einfach durch. Wahrscheinlich will er es sich auch nur einfach von der Seele reden. Wer mit schöner Regelmässigkeit vor meinen jeweiligen Besuchen die ganze Bude putzt, alles wegwäscht und bügelt, nur damit ich nicht auf die Idee komme es zu tun, dem ist nicht zu helfen. Ich kann die Motivation ja verstehen, aber es ist trotzdem schwer: da kommt man und kann endlich mitanpacken (ist ja sonst aufgrund der grossen Entfernung nicht möglich) und dann lässt man mich nicht. Wenigstens ist mein Vater für alles was ich koche dankbar (endlich mal kein Convenience Food)! Und Mama kann sich nicht ins Kochen einmischen, da mittlerweile im Pflegeheim.

    Kräftezehrender als die körperliche Arbeit aber ist die psychische Anstrengung, die es braucht, entweder doch etwas von den Plänen durchzusetzen oder die strikte Ablehnung der Hilfe zu akzeptieren! :(

    Wenigstens hatte ich so etwas Zeit, mit meiner Tochter Ausflüge in die Umgebung zu machen, und an Bad Griesbach sind wir auch vorbeigekommen. Vielleicht hätten wir da für ein Wellnesswochenende bleiben sollen? Nächstes Jahr ganz bestimmt, wenn ich dann die Fenster gestrichen habe!
    Liebe Grüsse
    Karin aus Genf

    • dreher sagt:

      Oh Karin, du solltest dich mit Toni zusammentun …
      meine Schwiegermutter ist da ja anders drauf – sie fordert ungeniert, dass man all die Sachen macht, die sie nicht mehr machen kann (und ich die größtenteils für überflüssig halte, dekorative Kupferkessel polieren nur zum Beispiel) um dann kritisch anzumehrken, dass man es nicht richtig macht … grrrr
      wie dem auch sei, Wellnessaufenthalte sind nach Familienurlauben anscheinend sehr beliebt ;)

  8. wiycc sagt:

    O je, Ihre Schwiegermutter war mir im letzten Post noch so sympa.
    Schön, daß Sie wieder da sind. In Cannes und im Blog.

    • dreher sagt:

      Naja, sie kann auch sehr charmant sein (nur nicht mit mir), sie ist sehr patent und für 93 noch ziemlich wach im Kopf, nur die Beine wollen nicht mehr so richtig, aber sie geht dennoch tapfer und ohne zu klagen die Treppen, und bis zum Ellbogenbruch fuhr sie auch noch Auto :) aber zwischen ihr und mir wird das nichts mehr, glaube ich… tant pis

      • eva sagt:

        Ach ja, Schwiegermütter…schwieriges Thema!
        Aber bei meiner ist es so, dass ich das kleinere Übel bin. So nenne ich es zumindest! Der kleine Bruder hat keine Frau/Freundin, warum auch immer?!?, der große Bruder ist mit einer Frau verheiratet, die noch weniger diplomatisch veranlagt ist als ich und wegen der und noch vieler anderer Dinge, die ich gar nicht wissen will, haben sie keinen Kontakt mehr.
        Ich frage mich aber auf der anderen Seite manchmal, wie ich als Schwiegermutter sein werde? Auch so blöd? Ist man das automatisch, weil man den „selben Mann“ liebt? Bei Töchtern ist das anders. Ich habe keine Erklärung dafür. Tiefenpsychologisch verkokst?
        Nun denn, schönen Sonntag aus den Pyrenäen,
        Eva