Kleines Dorf ganz groß

„Mein“ kleines Dorf war in dieser Woche an vier Abenden ganz groß in den Nachrichten auf France 3 zu sehen: Au bout du monde, „am Ende der Welt“ heißt diese kleine Serie des Regionalsenders, die immer mal wieder kleine Orte im Hinterland vorstellt. Die Journalisten waren anscheinend tombé sous le charme du village, verzaubert vom Charme und von dem Leben, das sie in diesem kleinen abgelegenen Dörfchen vorgefunden haben, denn sie haben nicht nur einen kleinen Film gedreht, sondern vier. Natürlich ist alles in französisch, aber Sie werden schon verstehen, um was es geht. Im ersten Filmchen wird das Dorf, der selbst Hand anlegende Bürgermeister und die kleine Auberge vorgestellt, die in einem anderen Leben mal „meine“ war und jetzt von Christine geführt wird. Ich wünsche ihr wirklich, dass sie die Auberge, die in den letzten Jahren ein trauriges Schicksal erlitten hatte und von einer Besitzerin zu anderen wechselte und letztlich wieder leer stand, wieder in eine glücklichere Zukunft führen und dass auch sie dort glücklich werden möge. Am Ende sieht man Anne-Marie, die Kräuterfrau, die nicht nur Tees, Tinkturen und Salben herstellt sondern auch ein kleines Heimatmuseum führt.

Der zweite Film zeigt die Solidarität der Bewohner, die, wenn sie einkaufen fahren, vorher die Tour durchs Dorf machen, um bei jedem zu fragen, ob er etwas von „unten“ aus Guillaumes oder aus der Stadt braucht. Maria, die älteste Einwohnerin, ehemalige Schäferin, erzählt von früher als es noch belebter war in Chateauneuf mit Menschen, die „die Erde bearbeiteten“. Hundert Einwohner lebten früher hier und es gab damals sogar drei (einfache) Gasthäuser. Landwirtschaft gibt es so nicht mehr, aber fast jeder hat einen Gemüsegarten dort oben, ein paar Hühner oder Kaninchen.

Der dritte Film spricht von den „Events“, die es dort oben natürlich auch gibt. Le brame du cerf , das dramatische Röhren der Hirsche in ihrer Brunftzeit zieht alljährlich eine große Zahl Menschen an. Bei 2 Minuten 22 sieht man für eine Sekunde den Weiler oberhalb von Chateauneuf, in dem ich meine anstrengende Sommerfrische verbrachte.

Und der vierte kleine Film ist eine reine Liebeserklärung an Damian, den l’homme à tout faire den da Vinci du village, einen Bastler und Alleskönner, der charmant von sich sagt „ich bin der beste, denn ich bin der einzige“. Das alles ist keine Arbeit für ihn, sondern sein Leben, sein Vergnügen am Tun, und so arbeitet er nicht, er frickelt, er bastelt, er schnitzt und er schmiedet (wunderbare originelle Messer übrigens!) er macht und tut, und er findet für alles ein Schräubchen und eine Lösung in seinem nur scheinbar ungeordneten Chaos.

Schön, oder?!

 

.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Responses to Kleines Dorf ganz groß

  1. Lothar Wiesweg sagt:

    Tja – so ein Dorf, in einer solchen Gegend. Da träumste von … Schöner Film, eine hommage an diese Menschen dort, in ihrer heilen Welt. Wenn du dort geboren bist und dazu gehörst, wahrscheinlich ok – aber als Zugezogene/r? Na – Christjann, wie war das? :-)

    • dreher sagt:

      Tja Lothar, da erlaube ich mir, noch einmal auf mein Buch hinzuweisen ;) da steht es drin. Mit diesen Filmchen wird das alles noch anschaulicher, n’est-ce pas?! Das habe ich wirklich alles gelebt, in genau diesem Dorf, in dieser Auberge und mit diesen Menschen :)

  2. Marion sagt:

    Wirklich total schön und sehr charmant. Da hast Du Dich bestimmt gefreut über die Filmchen. Ich finde Deine Geschichte immer noch unglaublich und sooo mutig. Die neue Betreiberin der Auberge sieht auch sehr sympathisch und patent aus. Wäre ja wirklich schön, wenn sie sich halten könnte. Einfach klasse auch die röhrenden Hirsche und der „basar“. So ungefähr sieht’s bei meinem Computerfritzen und Automechaniker auch aus, die haben auch für alles eine Lösung. Finde sowas sehr ermutigend in unserer Wegwerfgesellschaft. Über den Computerfritzen gab’s auch mal einen Artikel im Kölner Stadt Anzeiger.
    LG
    Marion

  3. Irene sagt:

    Wow total nett! Das Dorf ist ja noch viel abgelegener und kleiner, als ich es mir bei Deinen Beschreibungen und Bildern im Blog immer vorgestellt habe. Bewohner wirken recht entspannt und sympathisch. Mein Favorit ist Damian ;-)
    Liebe Grüße